Mit ‘Wasserkuppe’ getaggte Beiträge

In einem der Kommentare zu meinen früheren Wanderurlaubsbeiträgen von diesem Jahr hatte Charis sich erkundigt, ob wir Silberdistels auch auf dem Kreuzberg waren. Natürlich waren wir auf dem Kreuzberg. Dieser Berg mit dem gleichnamigen Kloster gehört unbedingt immer und immer wieder in unseren Rhönurlaub. Einerseits, weil es meinen männlichen Begleiter schon allein wegen des berühmten Kreuzberg-Bieres hoch auf den Berg zieht und andererseits, weil im Biergarten des Klosters alljährlich ein fast schon traditionsreiches Treffen mit einem guten Bekannten meines Herrn Silberdistel stattfindet. Wir haben dort schon so manche schöne Stunde mit interessanten Gesprächen bei dem überaus leckeren Kreuzbergbier und einem schmackhaften Gericht aus der Klosterküche verbracht.

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Bei dem herrlichen Spätsommerwetter ist im Biergarten des Kloster Kreuzberg viel Betrieb

Auch dieses Mal fanden wir zusammen mit unserer Bekanntschaft im Biergarten wieder einen schönen Sonnenplatz. Für den vollendeten Genuss fehlten nur noch ein kühles Kreuzbergbier und für uns Silberdistels die geliebte Käseplatte.

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Zwei der Flaschen im Vordergrund werden wir gut befüllt mit echtem Kreuzbergbier mit nach Hause nehmen

Gewandert sind wir ausnahmsweise einmal nicht. Wir hatten nämlich vor, uns einige Liter des leckeren Bieres aus der Klosterbrauerei abfüllen zu lassen, um sie als kleine Urlaubserinnerung mit nach Hause zu nehmen. Die überdimensionalen Bierflaschen mochten wir nicht so gern stundenlang im Wanderrucksack mit uns herumtragen. Man muss sich das Leben ja nicht unnötig schwer machen, obwohl es wahrscheinlich für die Figur weitaus besser gewesen wäre, wenn wir das Bier nicht im Auto, sondern im Wandergepäck den Berg hinunter getragen hätten.

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Ein solches „Fläschchen“ hat schon ein nettes Gewicht

So hätten wir einen Teil der Kalorien, die wir später mit dem Bier zu uns nehmen würden, schon im Voraus ein wenig abgearbeitet. Ja, wenn doch nur nicht immer dieses Wörtchen „hätten“ wäre … Aber wer denkt im Urlaub schon über irgendwelche ‚Wenns‘ und ‚Aber‘ oder gar über Kalorien nach? Schließlich ist Urlaub und wenigstens da will man endlich einmal Ruhe vor ihnen haben. Am besten ignoriert man sie einfach und das taten wir.

Während die beiden Herren nach dem Essen weiter begeistert dem Bier zusprachen und dabei spannende Männerprobleme wälzten, besuchten wir beiden Mädels als kleinen Verdauungsspaziergang die Minishoppingmeile am Kloster, wo man all das kaufen kann, was man schon immer haben wollte und nie brauchte. Nun ja, auch an uns ging dieser Kelch nicht vorüber, d.h., dieser Punkt betraf wohl doch mehr nur mich. Meine Begleiterin fand eher etwas, von dem sie wohl bald Gebrauch machen würde – ein himmlisch gut duftendes Stückchen Lavendelseife. Ich musste mich mühsam beherrschen, türmte sich doch zuhause in meinem Schrank ein ganzes Lavendelseifenlager.

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Zuwachs für meine kleine Sammlung

Dafür wanderte eine kleine Figur in meine Tasche – Zuwachs für meine Sammlung von Heiligenfiguren. Und das gehört wohl schon eher in diese Kategorie: „Was Sie schon immer haben wollten …“ Aber was man schon immer haben wollte, braucht man doch auch irgendwie, oder? Und wenn es nur dazu da ist, einem ein Gefühl der Zufriedenheit zu verschaffen und genau das tat sie – die Maria.

Meine Kamera hatten bei dem diesjährigen Kreuzbergausflug ausnahmsweise einmal fast gar nichts zu tun – getreu nach dem Motto: „Wer nicht wandert, der entdeckt auch nichts“.

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Einer der berühmten Bernhardiner vom Kreuzberg

Obwohl … so ganz stimmt das nun auch wieder nicht, denn dem einsamen Bernhardiner vom Kreuzberg habe ich natürlich einen Besuch abgestattet. Wieder, wie auch schon im vergangenen Jahr, lag nur einer der Hunde im Zwinger. Mich hat es natürlich brennend interessiert, was aus dem zweiten Bernhardiner geworden ist und so habe ich ein bisschen recherchiert. In einem Artikel habe ich nun gefunden, dass es wohl nur noch die Hündin Rana (Rana von Wingert) gibt. Das war schon irgendwie eine Überraschung für mich. Endete damit die Bernhardinerzucht auf dem Kreuzberg erneut? Man hatte doch nach einer längeren Pause hoffnungsvoll mit Rana und Hugo wieder mit der Zucht begonnen und 2012 hatte es auch Nachwuchs gegeben. Schade irgendwie. Was mag mit Hugo passiert sein? Leider konnte ich da nichts in Erfahrung bringen.

Bei der Hündin Rana war es recht ruhig. Sie lag schlummernd in ihrem Zwinger und wer weiß, vielleicht träumte sie von ihrem Hugo.

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Ein Grünes Heupferd flaniert durch den Biergarten

Im Biergarten dagegen ging es recht lebhaft zu. Nein, ich meine nicht die Kreuzbergbierliebhaber, die von Bierchen zu Bierchen lauter wurden. Es gab da noch andere Biergartenbesucher, einen, der ganz grün war …, also nicht nur hinter den Ohren, auch sonst war er ganz grün – ein Grünes Heupferd. Ob es sich auch unter den Heupferden herumgesprochen hat, dass das dunkle Bier dort bei den Mönchen auf dem Kreuzberg ganz besonders lecker ist? Vielleicht hätten wir ihm einen Fingerhut voll Bier hinstellen sollen. Dass man an die wichtigsten Sachen auch immer erst zu spät denkt.

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Dieser Buchfink war weniger am Bier, dafür mehr an den heruntergefallenen Brot- und sonstigen Krümeln aus dem Biergarten des Klosters interessiert

Aber den beiden Buchfinken konnten wir helfen. Die schienen eher nicht an dem dunklen Gebräu interessiert zu sein, sie hatten es auf die bunte Krümelsammlung auf der Erde abgesehen, zu der wir noch ein wenig dazu taten, auch wenn es davon bereits reichlich gab.

Inzwischen war aus dem Vormittag Mittag und aus Mittag Nachmittag geworden. Der Gesprächsstoff war uns zwar immer noch nicht ausgegangen, aber unsere beiden Besucher hatten noch einen weiten Heimweg vor sich. Es war an der Zeit, dem Kreuzberg wieder einmal für ein Jahr den Rücken zu kehren. Vielleicht werden wir uns ja auch im kommenden Jahr wieder hier treffen. So verabschiedeten wir uns voneinander und wir Silberdistels, wir freuten uns auf den Liegestuhl und die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Terrasse unseres Ferienhauses. Mein Herr Silberdistel hatte es bereits ab dem Moment, als er im Auto saß, gut.

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Gleich würden wir ihn wieder genießen können – den herrlichen Wasserkuppenblick

Er „durfte“ nämlich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und konnte sich schon mal ganz entspannt zurücklehnen und sich gedanklich auf den Liegestuhl und den herrlichen Wasserkuppenblick einstimmen, während ich uns zurück in unser idyllisch liegendes Ferienhaus fuhr.

Der Oktober lässt sich in diesem Jahr wirklich sehr bitten, was den goldenen Herbst betrifft. Wahrscheinlich denkt er, der September hätte in der Hinsicht bereits fleißig für ihn vorgearbeitet. Warum sollte er sich da noch großartig ein Bein ausreißen?  Wir Silberdistels neigen fast dazu, dem Burschen seine Lustlosigkeit nachzusehen, zumal wir das große Glück hatten, nicht nur einen Teil dieser so herrlichen Septembertage, sondern auch den eigentlichen Herbstbeginn beim Wandern in der Rhön zu erleben. Ich berichtete hier bereits in einigen meiner Beiträge zuvor.

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Eine Panoramaaufnahme – von der Wasserkuppe aus aufgenommen

Auch für den ersten Herbsttag war zumindest für die Rhön wieder bestes Wetter versprochen. Einfach perfekt, nicht nur für den eigentlichen Herbstbeginn, auch für unseren Urlaub konnten wir uns nichts Besseres wünschen. Die Fernsicht schien wieder bestens zu sein. Auch wenn später ab und zu ein paar beeindruckend dunkle Wolkenberge am Himmel zu sehen waren, blieb es bei dem fantastischen Spätsommerwetter. Unsere Entscheidung, uns noch einmal auf zur Wasserkuppe zu machen, dieses Mal vom Guckaisee aus, erwies sich als gut und richtig.

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Hier haben wir den Guckaisee (mittig im Bild) bereits weit hinter uns gelassen

Wir schnürten also auch an diesem Tag unser Wanderränzlein und bemühten zunächst erst einmal, wie schon öfter in diesem Urlaub, unser Auto, denn übertreiben wollten wir es mit dem Wandern ja nun auch nicht.
Vom Parkplatz am nahen Guckaisee aus sattelten wir Silberdistels dann aber doch auf unsere je zwei Füße um.
Der Wanderweg führte uns zunächst rechts am Guckaisee vorbei. Für Badegäste war der See wohl schon zu kalt. Es waren nämlich weit und breit keine zu sehen. Wir hatten das schon ganz anders erlebt. Kurz hinter dem See krabbelt der Weg dann langsam, aber stetig in die Höhe. Da er aber einen großen,  fast s-förmigen, Bogen beschreibt, hält sich die körperliche Anstrengung durchaus in Grenzen.

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Immer wieder legen wir eine kleine Pause ein – für solche wundervolle Fernblicke wie diesen

Immer wieder laden herrliche Ausblicke zum Verweilen ein. Man pausiert also fast schon automatisch, um den Blick in die Ferne …

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Hier ein Blick hinauf zum nahen Pferdskopf

… oder auch hinauf zum nahen Pferdskopf schweifen zu lassen. Oft haben wir über diesem Berg schon Gleitschirme schweben sehen. An diesem Tag war über ihm nur blauer Himmel mit einigen wenigen Wolken zu sehen.

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Ist der Anstieg auf dem s-förmiger Weg geschafft, geht es ein ganzes Ende ohne nennenswerte Kletterpartien weiter. Erst kurz vor der Wasserkuppe mit dem großen „Fußball“ auf ihrem Gipfel geht es wieder steil den Berg hinauf. Wir sparten uns diesen letzten schweren Teil allerdings noch ein wenig auf, denn unser Interesse galt an diesem Tag zunächst einmal dem Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe und das befindet sich etwas unterhalb des berühmten „Fußballs“.

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Das Denkmal, eine Arbeit von August Gaul, wurde 1923 in Erinnerung an die im 1. Weltkrieg gefallenen Piloten errichtet. Es ist nicht, oft wird das nämlich fälschlich behauptet, ein Denkmal für alle beim Fliegen tödlich verunglückten Piloten. Heute ist das Fliegerdenkmal mit seinem imposanten Basaltsteinsockel und der bronzenen Adler-Skulptur nicht mehr von der Wasserkuppe wegzudenken. Es gilt inzwischen neben dem Radom, dem großen „Fußball“, als Wahrzeichen des Berges.
Wie man an den vielen, einem ständig vor der Kamera herumlaufenden, Menschen sehen kann, war und ist der stolze Adler auf seinem Steinwall nicht nur bei uns Silberdistels ein beliebtes Fotomotiv. Die großen Basaltbrocken rund um das Denkmal reizen noch dazu, und das nicht nur Kinder, die eine oder andere Kletterrunde darauf einzulegen. Na, und ein Foto, so direkt und fast hautnah unter dem Adler stehend, macht doch so einiges her. Als endlich auch wir Silberdistels unsere Fotos im Kasten hatten, meisterten wir noch das letzte steile Stück des Anstiegs und so standen wir dann, ein bisschen schnaufend, unterhalb des großen Balles am höchsten Punkt der Wasserkuppe und schauten in die nun fast unter uns liegende Rhön.

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Der Blick ganz oben von der Wasserkuppe aus ist durchaus beeindruckend

Von ganz oben war die Aussicht auf die Berge in der Ferne natürlich noch viel spektakulärer. Wie unendlich weit man schauen konnte. Auch wenn wir dieses Mal nicht über den Wolken schwebten wie im vergangenen Jahr, kamen mir beim Anblick der unendlichen Ferne wieder  die Zeilen „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ aus dem Song von Reinhard Mey in den Sinn.

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Dabei fiel mein Blick auf eine Gruppe am Hang sitzender und stehender Modellflugzeugfans. Ob ihnen auch jedes Mal, wenn sie ihre Modellsegelflugzeuge in den Himmel schicken, dieses Lied in den Ohren klingt?  Aber wenn schon nicht ihnen, dann doch sicher denen, die hoch über uns gerade in den beiden Fliegern saßen. Wie aufregend es dort oben ist, weiß auch ich seit unserem Rhönrundflug im vergangenen Jahr und wie berauschend es ist, den Wolken so nah zu sein.

Aber genug geschwärmt. Wieder mit den Gedanken und beiden Füßen auf der Erde, schlenderten wir weiter in Richtung Rhöner Bauerladen. Oben auf der Wasserkuppe gibt es nämlich einen Ableger des Lädchens am Freilandmuseum in Fladungen. Dort hineinzuschauen war uns schon fast Verpflichtung, auch auf die Gefahr hin, nicht mit leeren Händen wieder rauszukommen. Na, und so war es dann auch, 2 Keramiktassen von unserem Lieblingstöpfer, 4 leckere Rhöner Würste und ein Minigläschen mit Rhöner Fichtenspitzensenf wanderten schließlich wieder mit uns bergab.

Hinunter zum Guckaisee, an dem ja unser Auto auf uns wartete, wählten wir zur Abwechslung mal einen anderen Wanderweg als den, der uns hoch zur Wasserkuppe geführt hatte. Im letzten Jahr hatten wir einen für uns neuen Weg entdeckt.

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Der Pferdskopf – ein beliebter Berg bei den Gleitschirmfliegern

Er führt zunächst wie auch unser Hinweg am Pferdskopf vorbei und ganz kurz dahinter rechter Hand  recht steil hinab über eine Sommerweide bis hin zum Guckaisee. Der Pferdskopf ist übrigens bei den Gleitschirmfliegern sehr beliebt als Startposition hinauf in die luftigen Höhen der Rhön. Seine Hänge scheinen dafür geradezu gemacht.

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Vor dem Betreten von Hunden würde ich natürlich auch warnen. Das könnte unter Umständen gefährlich enden

Unterwegs zum Guckaisee gab es natürlich noch allerlei zu sehen und wenn’s nur das Schild am Einlass zur Sommerweide war, das einer gewissen Komik nicht entbehrte. Wer getraut sich schon, Hunde zu betreten? Na, jedenfalls wird man hier gewarnt, falls man doch so überaus todesmutig sein sollte.

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Aber auch sonst litt meine Kamera durchaus nicht an Futtermangel. Nicht nur Herbstzeitlose erfreuten unser Auge. Die Natur rundum hatte viel Schönes zu bieten. Und dass wir wirklich auf einer Weide waren, das blieb uns ebenfalls nicht verborgen, schauten wir doch immer wieder einmal in hübsche Kuhaugen.

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Der Guckaisee hat auch im Herbst seine Badegäste

Und da lag er schon vor uns, der Guckaisee. Menschliche Badegäste gab es noch immer nicht, aber Zweibeiner waren dennoch im See unterwegs – gefiederte Zweibeiner, die schnatternd miteinander plauderten und beim Wettpaddeln winzige Wellen auf das ansonsten spiegelglatte Wasser zauberten.

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Wir haben einen stillen Beobachter

Vom See bis zu unserem Auto war es dann nicht mehr weit. Wieder am Ferienhaus genossen wir auf der Terrasse noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Ob wir da bereits heimlich beobachtet wurden? Es schien mir fast so, denn kaum waren wir wieder drinnen im Haus, nahm ich vor dem Fenster eine Bewegung wahr. Ein hübsches graues Kätzchen schaute vorsichtig und aus angemessener Entfernung zu unserem Fenster hinein. Was ging da wohl in dem kleinen Köpfchen vor? Egal, ich hatte den Blick auch so verstanden und legte später ein paar Wurststückchen auf die Terrasse. Am anderen Morgen war alles fein säuberlich weggeputzt. Von da an hatten wir einen pelzigen Mitesser. Aber es kam noch ganz anders, als wir dachten. Doch das ist eine andere Geschichte.

Für einen Urlaub wünscht man sich gewöhnlich Sonne pur. Regnen darf es, wenn man wieder daheim ist. Oft genug klappt es genau so eben leider nicht. Unser diesjähriger Rhönurlaub im gerade vergangenen September entwickelte sich jedoch nach einigen anfänglichen Schwächen in einen nahezu fantastischen Schönwetterurlaub. Von Tag zu Tag wurde das Wetter besser und zum Bergfest des Urlaubs lachte bereits am frühen Morgen die Sonne zum Fenster unseres Ferienhauses hinein. Wegen der in den Tagen zuvor zunächst eher trübe erscheinenden Wetteraussichten hatten wir ja die Milseburgwanderung auf irgendwann später vertagt. Wenn man jetzt so aus dem Fenster schaute, dann könnte genau der Tag gekommen sein, um dem Riesen Mils, der einst auf der Milseburg sein Unwesen getrieben haben soll, einen Besuch abzustatten.

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In der Mitte die „Perle der Rhön“ – die Misleburg

Die Sage erzählt übrigens, dass der Riese schließlich vom Heiligen Gangolf bezwungen worden sein soll. Daraufhin wählte Mils den Freitod und wurde unter der Milseburg vom Teufel, für den er gearbeitet haben soll, begraben. Wenn man den Berg aus der Ferne und einer bestimmten Richtung anschaut, könnte man mit ein wenig Fantasie tatsächlich glauben, dass dort unter dem Berg ein Riese begraben liegt.

So machten wir Silberdistels uns dann nach einem guten Frühstück auf den Weg zu eben diesem Grab des Riesen Mils. Der Berg  ragt über 835 m ü. NHN in die Höhe und er verlangt dem Wanderer durch seinen steilen Anstieg schon einiges ab, wenn er ihn bezwingen will. Aber am Ende wartet oben eine wundervolle Belohnung. Die „Perle der Rhön“, wie die Milseburg auch liebevoll genannt wird, weiß, was sie ihren Gästen schuldig ist. Von kaum einem anderen Berg hat man nämlichen einen so wunderschönen Blick in die herrliche Berggegend rundum.

Die Anfahrt zur Milseburg verlief für uns plötzlich und unerwartet unter erschwerten Bedingungen. Gewöhnlich haben wir unsere Wanderung zum Riesen Mils am Grabenhöfchen, einem Gasthaus, dessen herrlich mundende Torten wir jedem Tortenliebhaber nur empfehlen können, begonnen. Dieses Mal war uns leider der direkte Weg zum Grabenhöfchen versperrt, da an der Straße gebaut wurde. Für uns sollte das kein Grund sein, auf die „Perle der Rhön“ zu verzichten. Wir würden ganz sicher über die Wasserkuppe zum  Grabenhöfchen kommen. Fehlanzeige. Dort wurde ebenfalls gebaut. Wir mussten wieder zurück und neue Wege suchen. Unsere nörgelnde Nora, unser Navi, war dieses Mal auch so gar keine Hilfe. Berge ohne Straßenangabe und Hausnummer sind für sie kein Ziel. Und das Handy, das hatte kein Netz. Dumm gelaufen irgendwie. Doch der Zauberkünstler Herr Silberdistel hatte sich Offline-Karten auf sein Handy geladen.

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Am Südhang des Berges Maulkuppe befindet ich das Berggasthaus „Fuldaer Haus“ – einst als Schutzhütte für Wanderer erbaut

So kamen wir schließlich mit List und Tücke, zwar auf diversen Umwegen, aber immerhin zur Maulkuppe, einem weiteren Berg der Rhön, der sich nur gut 2 km entfernt von der Milseburg befindet. Am Südhang der Maulkuppe steht seit 1924 ein hübscher, für Wanderer als Schutzhütte dienender, runder Bau –  das Berggasthaus „Fuldaer Haus“. Es gehört zum Zweigverein Fulda des Rhönklubs und bieten Gästen Unterkunft und Logis.

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Eine Gedenktafel neben dem „Fuldaer Haus“

Etliche Wanderwege erschließen heute die Gegend um die Maulkuppe herum und darüber hinaus und einen dieser Wege gedachten wir an diesem Tag zu nutzen.

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Ganz links im Bild, neben der Bank, ist noch einmal die Gedenktafel (vom Bild oben) zu sehen

So ließen wir dann auch unser Auto auf dem Parkplatz am „Fuldaer Haus“ zurück und machten uns zu Fuß auf den Weg zur Milseburg. Übrigens gab es auf diesem Weg auch wieder etliche Kunst zu betrachten, denn wir wandelten mit dem Milseburgweg auch wieder einmal auf der „Poppenhausener Kunstmeile“. Aber darüber berichte ich ein anderes Mal. Hier nur als kleine Kostprobe, schemenhaft mittig im oberen Bild stehend, der „Mensch im Aufwind“ von Klaus-Dieter Locke.

Für die Tour hin zur Milseburg nahmen wir ausnahmsweise mal eine eher beschwerliche Wegstrecke in Kauf, einfach deshalb, weil wir mehr einen Rundweg für diesen Wandertag im Sinn hatten und nicht ein und dieselbe Wegstrecke zweimal laufen wollten. Und der schwierigere Weg war nun mal, von der Maulkuppe aus gesehen, der kürzere und dann gab es da noch einen anderen Grund, nämlich den mit der Torte im Grabenhöfchen, die wir uns erst als Belohnung für erlaufene Kilometer und nicht schon am Beginn der Wanderung gönnen wollten.

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Nicht nur der Schornstein verfällt langsam, aber sicher an einem einst sicher einmal schönen Bauerngehöft

Zunächst hielten wir vom „Fuldaer Haus“ aus auf einen maroden Bauernhof zu, dessen langsamen, aber sicheren, Verfall wir bereits seit Jahren beobachten. Schade drum, eigentlich muss es einmal ein schönes Gehöft gewesen sein. Mich würde durchaus die Geschichte dieses Rhönhofes interessieren. Was mag da im Laufe der Jahre passiert sein? Zu Anfang unserer Rhönwanderungen grasten auf der Weide am Hof noch Rinder. Nun sieht alles tot und traurig aus. Die Gebäude verfallen, zerrissene Gardinen flattern aus zerborstenen Fensterscheiben, Autowracks und rostiges landwirtschaftliches Gerät „schmücken“ den Hof. Dieses Mal habe ich den traurigen Zustand nicht fotografisch festgehalten, nur den Schornstein auf einem der Gebäude habe ich für meine Schornsteinsammlung mitgenommen. Auch er – in einem eher traurigen Zustand.

Direkt am Hof biegt der Wanderweg zur Milseburg links ab und führt steil bergab in und schließlich durch den Wald. Der erste Teil des Weges ist noch recht locker zu laufen, aber etwa ab der zweiten Hälfte geht es nur noch straff bergauf. Ein kurzes Stück über eine Wiese ist die einzige Erholung, die es zwischendurch gibt. Mit einigen kleinen Pausen zum Atemholen meisterten wir den Aufstieg zur Milseburg letztendlich doch ganz gut.

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Immer wieder bleiben wir stehen und genießen Ausblicke wie diesen

Die Wanderung von der Maulkuppe aus, es war unsere erste aus dieser Richtung, war eine durchaus schöne Abwechslung, gab es doch einige interessante und spektakuläre Ausblicke in die weite Ferne. Na, und die „Poppenhausener Kunstmeile“ hatte außerdem auch noch Neues für uns parat. Aber dazu, wie bereits erwähnt, später.

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Ein wenig abgekämpft erreichten wir schließlich den Gipfel der Milseburg. Dort oben herrschte reger Andrang – und das an einem normalen Wochentag. Wahrscheinlich hatten auch andere Wanderer den wettermäßig so herrlichen Tag für einen Ausflug nutzen wollen. Wir hatten echt zu tun, überhaupt noch einen Sitzplatz auf den von schon vielen Hosenböden blankgeputzten Felsen zu erhaschen. Jeder wollte natürlich von ganz oben den spektakulären Ausblick genießen und so gab es fast ein Gedränge auf des Riesen Mils‘ Sargdeckel. Letztendlich fanden wir dank zweier Wanderer, die sich just da wieder auf den Weg machten, als wir oben aufschlugen, einen schönen Platz. So kamen wir also nicht nur zu unserem tollen Ausblick, der im Stehen nur halb so schön gewesen wäre, wir konnten sogar noch für eine Weile, bequem sitzend und angelehnt am Sockel des Kreuzes, das auf dem Berg steht, die angenehm wärmenden spätsommerlichen Sonnenstrahlen genießen. Ein paar Kekse und einige Schluck Wasser aus meiner Wanderverpflegung reichten uns vorerst als kleine Stärkung.

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Irgendwann ist auch der schönste Moment vorbei und man muss weiterziehen. So auch wir. Aber nun ging es wenigsten fleißig bergab. Zurück zur Maulkuppe wählten wir den Weg über das Grabenhöfchen. Ihr erinnert Euch? Die Torten! Wir wollten doch nicht auf  unsere Belohnung für den beschwerlichen Aufstieg hoch zur Milseburg verzichten. Ein Stück musste da jetzt schon noch sein. Und was hatte das Grabenhöfchen dieses Mal zu bieten? Champagnertorte – so herrlich, so lecker! Dazu Kaffee und für mich Cappuccino.

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Nachdem wir uns ausgiebig und weltentrückt dem Zauber des Kaffees und der Champagnertorte hingegeben hatten, mussten wir uns schweren Herzens noch einmal aufraffen, denn wir hatten noch ein ziemliches Stück Weg vor uns. Unser Auto stand nämlich leider nicht am Grabenhöfchen. Es wartete ein paar Kilometer entfernt am „Fuldaer Haus“ auf uns. Zum Glück ging es jetzt nur einige Meter am Grabenhöfchen bergauf und dann im Grunde nur noch auf einer Höhe und geradeaus weiter. Da wir uns relativ hoch befanden, hatten wir auch in alle Himmelsrichtungen beste Fernsicht. Hinter uns die Wasserkuppe, so gut zu sehen wie selten, rechts neben uns noch einmal die Milseburg, ebenfalls so bemerkenswert schön wie selten. Ja, und dann waren da noch auf einem Bauernhof eine rostige Entenfamilie, auf dem Weg ein kleines grünes Ungeheuer und auf den Weiden links und rechts geruhsam das letzte Gras des Sommers mümmelnde Rinder, die hübschen Augen wonniglich geschlossen. Auch so geht Sonne genießen und sich von den letzten schönen Tages des Sommers verabschieden.

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Wir sind wieder am „Fuldaer Haus“ – dem Ausgangspunkt unserer Wanderung zur Milseburg

Und unversehens waren wir wieder am „Fuldaer Haus“. Da wir von unserer Champagnertorte gut gesättigt waren, verzichteten wir auf weitere Torten, Kuchen und Gebäck, auch wenn das „Fuldaer Haus“ sehr gastlich aussah. Wir hatten vor, den Nachmittag bei einer Tasse Kaffee im Liegestuhl auf der Terrasse unseres Ferienhauses ausklingen zu lassen. In irgendeinem Rhönurlaub testen wir sicher auch noch das Kuchenangebot der „Fuldaer Hütte“.

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Und wie wir es uns erhofft hatten, lag die Terrasse unseres Ferienhauses trotz des fortgeschrittenen Nachmittags noch im Sonnenschein. Herr Silberdistel baute schnell die Liegestühle auf, ich eilte in die Küche und wenig später genossen wir zu einem späten Kaffee die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages und einen letzten Blick auf die Wasserkuppe in der Ferne, die ganz langsam im roten Abendlicht versank.

Unser dritter Urlaubstag in der Rhön war angebrochen. Ich berichtete bereits in den Beiträgen zuvor über unseren diesjährigen Wanderurlaub in dieser so bewundernswerten Berglandschaft.
Endlich sah es dieses Mal auch am Morgen schon etwas freundlicher aus als die Tage zuvor. Kein grauer Dunst, kein Nebel. Wir konnten sogar die Wasserkuppe in der Ferne liegen sehen. Von der Terrasse unseres Ferienhauses aus hat man nämlich, natürlich schönes Wetter vorausgesetzt, einen guten Blick auf diesen Berg, auf die Wiege des Segelflugs.

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Von unserer Terrasse aus können wir in der Ferne die Wasserkuppe liegen sehen. Gut zu erkennen an dem großen Fußball, dem Radom, einem Überbleibsel aus der militärischen Vergangenheit des Berges

Was also konnte verlockender sein, als dem höchstens Berg Hessens einen Besuch abzustatten. Mit seinen 950 m ü. NHN macht er durchaus schon etwas her und für solche Flachländer wie uns allemal.

Es war zwar schon Mittag, als wir endlich loszogen, aber egal, schließlich hatten wir Urlaub. Dazu gehörte ganz einfach auch das Ausschlafen und ein ausgedehntes Frühstück und beides hatten wir uns an diesem Tag nicht nehmen lassen.

Wir begannen unsere Wanderung zur Wasserkuppe am Moordorfparkplatz. Bis dahin bemühten wir erst einmal unser Auto, denn direkt vom Ferienhaus aus zu Fuß zur Wasserkuppe hoch, das wäre dann wohl doch etwas weit gewesen. Vor allem hätten wir  dazu ganz sicher etwas früher aufstehen müssen.

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Nach einem kurzen Fußmarsch taucht die Informationshütte vom „Roten Moor“ vor uns auf. Wir sind also vom Eingang zum Moor nicht mehr weit entfernt

Vom Moordorfparkplatz aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum „Roten Moor“. Wir hatten zwar am Vortag gerade jede Menge Moor gesehen, aber eigentlich kann man von dieser Art Landschaft nie genug bekommen. Jedenfalls geht es uns Silberdistels so. Das „Rote Moor“, wie das „Schwarze Moor“ – ein Hochmoor,  ist ein abgetorftes und wieder renaturiertes Moor. Hochmoore speisen sich übrigens nur aus Regenwasser. Das „Rote Moor“ umfasste ursprünglich eine Fläche von etwa 50 ha. Seit 1979 gehört es zum 315 ha großen Naturschutzgebiet „Rotes Moor“ und der größte Teil damit auch zur Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, d.h., dass der Mensch hier in die Entwicklung der Natur nicht mehr oder kaum noch eingreift. Auch dieses Moor, übrigens zum hessischen Teil der Rhön gehörend, bietet so mancher interessanten Pflanze und auch  selten gewordenen Tierarten Lebensraum.

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Die Karpatenbirke – besonders für das „Rote Moor“ sehr typisch

Auch hier finden wir wieder DIE Moorbirke überhaupt – die Karpatenbirke. Sie prägt geradezu die Landschaft des „Roten Moores“ und sie hat die mir so überaus lieben Moorgeister hervorgebracht.

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Ich habe bei unserer Wanderung durchs „Rote Moor“ unter den Geistern alte Bekannte wiederentdeckt, solche, die ich bereits seit vielen Jahren immer wieder fotografiere, aber auch einige Neue waren dabei. Mit etlichen geschossenen Baumgeisterfotos verließen wir schließlich den Holzsteg im Moor und bogen bald darauf auf den eigentlichen Wanderweg zur Wasserkuppe ein.

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In der Ferne sehen wir bereits die Wasserkuppe liegen

An diesem Tag kam mir die Strecke hinauf zum Berg der Flieger, wie die Wasserkuppe auch genannt wird, gar nicht so lang vor.

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Ziemlich schnell waren wir an der Fuldaquelle, die sich uns sogar im herrlichsten Sonnenlicht präsentierte. Hier oben ist der Fluss, der sich mit der Stadt Fulda seinen Namen teilt, noch ein fast harmlos wirkendes kleines Bächlein. Schon erstaunlich, was daraus im Laufe seines Weges entsteht. Die Fulda ist aber nicht das einzige Gewässer, das auf der Wasserkuppe seinen Anfang nimmt. Es gibt etwa 30 Quellen, die vom Wasserreichtum dieses Berges zeugen und damit erklärt sich auch durchaus sein Name  Wasserkuppe, obwohl sich der wahrscheinlich mehr von dem Wort „wass“ aus dem Mittelhochdeutschen ableitet, das so viel wie „Weide“ oder „Weideplatz“ bedeutet. Auch  heute hat der Berg in dieser Hinsicht durchaus noch Bedeutung.
Wir lassen die kleine plätschernde Fuldaquelle hinter uns und laufen weiter bergauf. Das letzte Stück hinauf auf den Berg der Flieger ist dann auch schnell geschafft.

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Einige Segler und Sportflugzeuge warten oben auf dem Wasserkuppenflugplatz auf Kundschaft. Wir aber wollten ausnahmsweise nicht fliegen. Uns war mehr nach einer Bratwurst und nach einem Briefkasten, hatte ich doch die diesjährigen Urlaubskarten mit hoch zur Wasserkuppe getragen, um sie dort einzustecken. Nach dem Essen und einem kurzen Rundgang bei den fliegenden Händlern mit ihren zahlreichen Andenken machten wir uns auf den Rückweg. Unsere Andenken waren am Ende doch lieber ein paar selbst geschossene Fotos.

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Auch zurück wanderten wir natürlich noch einmal durchs „Rote Moor“ und dieses Mal ließen wir den Aussichtsturm, denn auch das „Rote Moor“ hat einen solchen Turm, nicht links liegen. Die Sicht dürfte bei dem guten Wetter fantastisch sein. Also, nichts wie hinauf in die luftige Höh‘, um von dort aus einen der nicht begehbaren Teile der Moorlandschaft anzusehen. Vom Turm aus kann man auf die riesige abgetorfte Fläche des „Roten Moores“ schauen. Man sieht aus dieser Perspektive aber auch gut den Rand des Moores, der noch mit einer dicken Torfschicht bedeckt ist.

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Geistvolles in luftiger Höhe auf dem Moor-Aussichtsturm

Ja, und dann erfuhren wir noch etwas über uns, das uns bis zu diesem Zeitpunkt immer noch verborgen geblieben war. Aber dort stand es mit sicherer Hand auf Holz geschrieben. Es ist schon hart, wenn man plötzlich auf tief Verstecktes in seinem Inneren mit der Nase gestoßen wird. Das muss man erst mal verkraften können. Aber uns tröstete dann ein fehlender Buchstabe. Das konnte nur bedeuten, dass wir doch nicht ganz dumm, sondern nur halb dum sind. Das kann doch nur heißen, dass wir noch irgendwie zu retten sind.
Oder, oder hatte das am Ende alles gar nichts mit uns zu tun? Hat das vielleicht eher etwas mit dem Schreiber zu tun, der sich hier ganz einfach einmal outen musste? Mitunter hilft es ja, wenn man über eigene Probleme reden oder in diesem Falle schreiben kann, oder?

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Etwas beruhigt, aber immer noch ein wenig nachdenklich, verließen wir den Turm im Moor. Das Moor mit seinen Geistern und Lichtreflexen lenkte uns auch bald von diesem doch etwas irritierenden Schriftzug ab.

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Der Moorsee präsentiert sich sogar an einem Dienstag im Sonntagskleid

Am Moorsee verflüchtigte sich schließlich auch der letzte dumme Gedanke noch aus meinem Kopf. Der Anblick des Sees ließ mich alles andere vergessen. Wie zauberhaft war das denn? Wie fantastisch, wie hinreißend schön sah der See aus? Nicht nur be-, sondern regelrecht verzaubert, schaute ich aufs Wasser hinaus und konnte mich so gar nicht sattsehen.
Herr Silberdistel war derweil schon weiter in Richtung Moordorf geeilt. Er hatte gerade etwas Wundervolles verpasst. So schön hatte er den See sicher noch nicht gesehen. Aber ich hatte ihm den See sicherheitshalber per Foto mitgenommen. Er würde sich also später auch noch verzaubern lassen können.

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Knapp 1 1/2 Stunden nach unserem Wasserkuppenbesuch waren wir Silberdistels wieder am Moordorfparkplatz angelangt. Die Wanderung hatte uns hungrig und durstig gemacht. Ob es da Abhilfe im NABU-Haus gab?
Im vergangenen Jahr wurde an dem Haus im Moordorf fleißig gewerkelt. In diesem Jahr schaute es seine Gäste nicht nur mit frischem Makeup an, es hatte sogar ein ganz neues Gesicht bekommen und es ist auch rundum größer geworden. Es kann nun wesentlich mehr Kaffeegästen Platz bieten, aber die Gemütlichkeit, die hat für meinen Geschmack irgendwie ein wenig eingebüßt. Schade! Aber Kuchen, Kaffee und Cappuccino sind immer noch Spitzenklasse. Davon haben wir uns natürlich überzeugt und so waren dann Kirschstreusel und die leckeren Getränke ein perfekter Abschluss für eine perfekte Wanderung.

Hatten wir nicht eben gerade noch Sommer? Auf jeden Fall kam es uns vor noch nicht einmal ganz zwei Wochen noch so vor. Da wanderten wir Silberdistels nämlich fröhlich durch die Rhön und das bei herrlichstem Sommerwetter. Eigentlich war dieser Wanderurlaub durch unser Lieblingsgebirge bereits für das vergangene Frühjahr geplant.

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Die Rhön – von der Wasserkuppe aus betrachtet

Es kam dummerweise etwas dazwischen und so landeten wir erst jetzt, kurz vor Ende des kalendarischen Sommers, in diesen uns im Laufe vieler Jahre ans Herz gewachsenen Bergen.

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Keks grübelt, wie man die Urlaubspläne des Personals vereiteln könnte

Unsere Katzen allerdings hatten etwas dagegen, dass wir uns einfach so aus dem Staube machen wollten, schließlich gedachten sie, nicht nur die letzten schönen Sommertage mit uns gemeinsam zu verbringen, wir sind andererseits für sie auch einfach unverzichtbares Personal. Wir hatten ihnen gefälligst pünktlich die Mahlzeiten zu servieren, ihnen regelmäßig den Pelz zu bürsten, für ihre allgemeine Unterhaltung und ihr Wohlbefinden zu sorgen, bei Bedarf  Türen zu öffnen und zu schließen. Solchen Bedarf gibt es natürlich in rastloser Folge. Obwohl … das mit dem Schließen der Türen ist mehr nur eine dumme Angewohnheit des Personals. Welche Katze braucht schon geschlossene Türen? Tja, und wegen all dieser unverzichtbaren Dienstleistungen konnte das Personal doch nicht einfach so sang- und klanglos verschwinden. Was plapperte die Silberdistel da von der vorübergehenden Einstellung qualifizierten Ersatzpersonals und dass es ihnen an nichts fehlen würde? Dummes Geschwätz! Und so grübelte Keks intensiv darüber nach, wie er die Pläne des Personals verhindern könnte.

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Die graue Oberkatze hat ihr eigenes Rezept gegen den Urlaub des Personals

Die graue Eminenz gab vor, generelle Abhilfe gegen Verlassenheit parat zu haben und bat den kleinen Jungspund, etwas näher zu treten. Sie könne ihm ihr Geheimnis verraten.

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Was flüstert sie ihm da nur zu?

Sie hat nämlich aus langjähriger Erfahrung gelernt, dass es, so der Urlaub des Personals droht, am besten ist, geruhsam einen seiner persönlichen Lieblingsschlafplätze aufzusuchen und einfach durchzuschlafen, bis die Treulosen irgendwann wieder zuhause aufschlagen. „So ein Quatsch!“, dachte Keks, als er hörte, was ihm die Oberkatze gerade geheimnisvoll zuflüsterte. Natürlich hielt er sich für wesentlich klüger als die graue Eminenz. Was wollte die ihm nur einflüstern? Er hatte da so seine eigene Idee.

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Eine Haus … ähhh … Kofferbesetzung würde das Problem lösen – gaaaanz sicher

Eine Kofferbesetzung sollte das Problem wohl lösen. Nun ja, konnte man es dem jugendlichen Katerchen verdenken, dass er hier das Fahrrad quasi nur noch einmal erfand? Ihm fehlte an dieser Stelle halt doch die in 13 Jahren gesammelte Lebenserfahrung der würdevoll gereiften Katzendame. Keks jedenfalls glaubte, der Kofferbesetzungstrick wäre seine höchsteigene Erfindung. Ein besetzter Koffer könne nicht gepackt werden oder wenn schon, dann nur mit ihm, dem keksigen Helden als Zugabe. Sie müssten ihn mitnehmen oder daheim bleiben. Dass an solchen Besetzungstricks schon Millionen Katzen vor ihm gescheitert sind, ahnte er nicht und in seinem speziellen Fall nützte der vermeintliche Trick erst recht nichts, hatte unser Keks doch glatt den falschen Koffer besetzt. Den nämlich wollten die Silberdistels gar nicht mitnehmen. Doch das merkte unser Keks erst zu spät. Vor lauter Kofferbewachung war er nämlich bald tief und fest eingeschlafen. Wie gut, denn so hatte er unversehens bereits einen Teil des silberdisteligen Urlaubs verschlafen und ungewollt sogar den Rat der grauen Eminenz angenommen.

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Die clevere Torty wird sich gemütlich in den Schlaf schaukeln

Während Keks auf dem mehr oder weniger harten Koffer in die Traumwelt hinweggetaucht war, sicherte Torty sich für die bevorstehende Dauerschlafzeit den Schaukelstuhl der Silberdistel und knetelte sich das weiche Schaffell für die gemütliche Traumzeit zurecht. Sie hatte nämlich den Worten der schlauen Eminenz aufmerksam gelauscht und sogleich zielstrebig den Stuhl des höchsten Katzenglücks aufgesucht.

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Die Altmeisterin der gekonnten Urlaubsüberbrückung

Na, und die graue Eminenz schlummerte natürlich schon lange tief und fest. Ein weicher Teppich kann durchaus hochgradige Gemütlichkeit ausströmen und für süße Träume sorgen. Und hast Du nicht gesehen, sind die Silberdistels schon wieder aus ihrem Urlaub zurück. Und da es jetzt gewaltig zu herbsteln scheint, können wir diese Zeit auch nutzen, in sommerlichen Erinnerungen schwelgen und darüber berichten, was wir alles so erlebt haben, während die Katzen notgedrungen schliefen und von ihren Jagderlebnissen träumten.

Donnerstag, der 4. Juni, war in Hessen ein Feiertag – Fronleichnam. Er fiel in diesem Jahr in unseren Frühjahrsurlaub. Als Einkaufstag war er damit also ohnehin nicht zu gebrauchen, so war er natürlich für einen Wandertag wie geschaffen. Allerdings sollten wir uns gut überlegen, wohin wir unsere Schritte lenken würden. Am besten wäre ein Ziel, an dem man sich trotz vieler Menschen, weil vielleicht alle die gleiche Idee haben, nicht bedrängt fühlt. Da herrliches Wetter angesagt war, würden mit Sicherheit nicht nur wir Silberdistels unterwegs sein.

Panorama - von der Wasserkuppe aus aufgenommen

Panorama – von der Wasserkuppe aus aufgenommen

Die Wasserkuppe könnte durchaus eine gute Wahl sein, auch wenn wir sie gerade erst besucht hatten. Aber wie heißt es so schön? Viele Wege führen nach Rom, so auch hinauf zum Berg der Flieger.

Bis hoch zur Wasserkuppe gibt es, nutzt man den Wanderweg über den Guckaisee, immer wieder hübsche Aussichtspunkte

Bis hoch zur Wasserkuppe gibt es, nutzt man den Wanderweg über den Guckaisee, immer wieder hübsche Aussichtspunkte

Vom Guckaisee aus gibt es einen sehr schönen Wanderweg, der unterwegs herrliche Aussichtspunkte zu bieten hat. Ausgangspunkt für unsere Wanderung könnte der Parkplatz am Guckaisee sein. Als wir dort schließlich um kurz nach 12.00 Uhr eintrafen, herrschte schon fast Parkplatzknappheit und wie wir wenig später sahen, hatten sich am Guckaisee, dem einzigen natürlich entstandenen See der Rhön, bereits viele Sonnenhungrige niedergelassen.

Ein Teil des Guckaisees ist unterwegs noch einmal gut vom Wanderweg aus zu sehen

Ein Teil des Guckaisees ist unterwegs noch einmal gut vom Wanderweg aus zu sehen

Aber für uns war kein Badetag, wir wollten hoch zur Wasserkuppe und noch einmal die wundervolle Fernsicht dort oben genießen. So ließen wir den See links liegen und wanderten bergauf.

Wiesen und Viehweiden prägen die Landschaft um uns

Wiesen und Viehweiden prägen die Landschaft um uns

Die Landschaft unterwegs ist geprägt durch zahlreiche Wiesen und Viehweiden und war gerade jetzt ausgesprochen hübsch anzusehen, da alles in voller Blüte stand.

Die Kälbchen sind im hohen Gras und zwischen den bunten Wiesenblumen oft kaum zu sehen

Die Kälbchen sind im hohen Gras und zwischen den bunten Wiesenblumen oft kaum zu sehen

Die Rinder, die in so mancher Wiese versteckt in der Sonne lagerten, zauberten die schönsten Postkartenblicke in die Landschaft. Meine Fotografenaugen haben natürlich wieder viel Schönes entdeckt, was sich mitzunehmen lohnte. Nicht nur bunte Blumenvielfalt und hübsche Kuhaugen, sogar kleine Kälbchen waren zu sehen. Man musste allerdings schon sehr genau hinschauen, um die Minirinder zu entdecken. Oft verschwanden sie fast ganz im hohen Gras.

Von nun an ist der große Fußball - das Radom - auf der Wasserkuppe nicht mehr zu übersehen

Von nun an ist der große Fußball – das Radom – auf der Wasserkuppe nicht mehr zu übersehen

Nachdem das letzte Stückchen Anstieg geschafft war, konnten wir die Wasserkuppe nun wirklich nicht mehr verfehlen, selbst wenn wir diesen Weg noch nie gegangen wären. Der Riesenfußball, das Radom, ein Überbleibsel aus der militärischen Zeit des Berges, war als guter Zielpunkt einfach nicht mehr zu übersehen.

Ein paar Meter Anstrengung braucht es noch, bis wir den Fußball erreicht haben

Ein paar Meter Anstrengung braucht es noch, bis wir den Fußball erreicht haben

Aber bevor man endlich vor dem Ball steht, muss man sich noch ganz schön oft die Schweißperlen aus dem Gesicht wischen, denn der Anstieg bis dort oben ist nicht ohne. Wir sahen übrigens schon aus der Ferne, dass auf der Wasserkuppe wirklich viel Betrieb war. Aber wir hatten es ja bereits vermutet.

An diesem Tag schaut es wieder wie ein Bikertreffen auf der Wasserkuppe aus

An diesem Tag schaut es wieder wie ein Bikertreffen auf der Wasserkuppe aus

Natürlich hatten nicht nur Wanderer wie wir, Radler und Autotouristen diesen freien und herrlich sonnigen Tag für einen Ausflug auf den Berg genutzt, auch Motorräder gab es wieder sehr zahlreich zu sehen. Mein Herr Silberdistel umrundete unter anderem begeistert ein schickes Beiwagengespann.

Auch die Modellflieger haben bei diesem schönen Wetter Flugtag

Auch die Modellflieger haben bei diesem schönen Wetter Flugtag

Nach einem kleinen Imbiss mit einem Eis als Dessert schlenderten wir zurück zum höchsten Punkt der Wasserkuppe und bewunderten unterwegs noch einige gar nicht so kleine Segelflugmodelle.

Sogar eine lebensecht aussehende Besatzung sitzt in den Modellfliegern

Sogar eine lebensecht aussehende Besatzung sitzt in den Modellfliegern

Erstaunt sah ich, dass so ein Modellflugzeug sogar mit einer lebensecht ausschauenden eigenen Besatzung fliegt. Ich fand, die Burschen in dem Modellflieger sahen verdammt gut aus.

Ganz schön riesig, dieser Fußball

Ganz schön riesig, dieser Fußball

Schließlich umrundeten wir noch einmal den aus der Nähe nahezu überwältigend großen Fußball, …

Den Gleitschirmfliegern zuzuschauen, macht immer wieder Spaß

Den Gleitschirmfliegern zuzuschauen, macht immer wieder Spaß

… schauten den Gleitschirmfliegern noch ein Weilchen zu …

Einfach fantastisch, wie weit man von der Wasserkuppe aus bei klarem Wetter schauen kann

Einfach fantastisch, wie weit man von der Wasserkuppe aus bei klarem Wetter schauen kann

… und bewunderten nicht das erste Mal den fantastischen Ausblick, den der Berg von hier oben bietet.  Genug geschaut. Wir hoffen sehr, dass wir diesen schönen Blick noch oft im Leben werden genießen können. Aber für dieses Mal nahmen wir Abschied von der Wasserkuppe und ihrer wundervollen Landschaft. Unser nächstes Ziel war nun wieder der Guckaisee, dieses Mal auf einer Wanderroute, die wir bisher noch nicht kannten und die uns recht steil wieder ins Tal hinabführte. Auf dem letzten Stück landeten wir leider auf einer Straße, die sich mit ihrem geschotterten Belag nicht gerade als wandererfreundlich auszeichnete. Trotz guten Schuhwerks leisteten wir uns immer wieder kleine Ausrutscher. Aber was soll’s, letztendlich kamen wir gut und heil unten an.
Am Guckaisee war inzwischen Hochbetrieb und wahrscheinlich würde es am Abend viele sonnenverbrannte Körper geben. Einige der Sonnananbeter sahen schon jetzt einem gekochten Krebs recht ähnlich.

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Da wir Silberdistels nun immerzu an der Elbe unterwegs waren, ist es wohl wieder einmal an der Zeit, in die Berge, in die Rhön, zurückzukehren, natürlich nur gedanklich, denn unser Rhönurlaub war ja leider Anfang Juni schon wieder vorbei. Die schönen und mitunter auch lustigen Erinnerungen aus diesem Urlaub sind in unseren Köpfen durchaus noch recht lebendig. Eine dieser Begebenheiten, die mich immer wieder grinsen lässt, gehört in den Tag, als wir vom Roten Moor aus durch die Kaskadenschlucht wanderten und anschließend über einen kleinen Umweg zurück zum Roten Moor liefen. Die Kaskadenschlucht ist eine wildromantische Gegend, in der ein kleines Bächlein im Laufe vieler, vieler Jahre seine einschneidende Arbeit in der felsigen Landschaft deutlich sichtbar hinterlassen hat. Eine hübsch anzuschauende Schlucht ist so im Laufe der Zeit durch die intensive Wasserarbeit entstanden. Meistens sieht das kleine Gewässer recht harmlos aus. Wir haben es aber auch schon sehr wild und aufgeregt schäumend erlebt und gesehen, wie die Schlucht quasi aus allen Knopflöchern tropfte. Zu solchen Zeiten hat man schon zu tun, trockenen Fußes über die sonst eigentlich gut begehbaren Wanderwege zu kommen, obwohl auch bei trockenem Wetter an etlichen Stellen  immer wieder kleine Rinnsale den Weg kreuzen. Wir sind gespannt, was uns die Kaskadenschlucht wohl dieses Mal zu bieten haben wird.
Unser Wandertag beginnt also wieder einmal am Roten Moor, von dem hier schon oft die Rede war. Inzwischen kennt unser Auto den Weg dorthin fast schon wie ein gutes altes Zugpferd. Wenn man nicht doch noch ein wenig lenken und ein paar Verkehrsregeln beachten müsste, würde es wahrscheinlich ganz brav selbst dorthin trotten, sich einen schattigen Platz auf dem Parkplatz im Moordorf suchen und dort bis zu unserer Rückkehr zufrieden und glücklich schlummernd ausharren.

An der NABU-Hütte im Moordorf wird fleißig um- und ausgebaut

An der NABU-Hütte im Moordorf wird fleißig um- und ausgebaut

In diesem Jahr schlummert es sich allerdings in der sonst recht ruhigen Gegend eher weniger gut. An der NABU-Hütte, in der wir uns auch gern einmal nach einer langen Wanderung Kaffee und hausgebackenen Kuchen haben schmecken lassen, wird nämlich um- und ausgebaut und bei solchen Arbeiten lässt sich Baulärm kaum vermeiden. Dumm gelaufen für unseren fahrbaren Untersatz, aber da muss er nun durch. Schlummern kann er später wieder auf dem ruhigen Stellplatz an der Ferienwohnung. Wir schnappen uns Rucksack, Taschen und Kameras und machen uns eilig auf den Weg, damit wir den bockigen Blick unseres Gefährts nicht noch länger ertragen müssen. Wir hören uns später seine Klagen an, wenn wir eh erschöpft sind und uns sowieso alles egal ist. Dann wollen wir nur noch in unsere Unterkunft und unser Pferdchen will das sicher ebenso und endlich auf seinem ruhigen und gemütlichen Stellplatz ein Nickerchen nachholen.
Einige Minuten später laufen wir an der Informationshütte zum Roten Moor vorbei und betreten den Holzbohlenweg, der uns durchs Moor führen wird. Am Ende des Weges durch das Moor soll, so Herrn Silberdistels Erinnerung, der Einstieg zur Kaskadenschlucht sein. Bei mir kommen leichte Zweifel auf, hatte ich das doch in MEINER Erinnerung ein wenig anders gespeichert. Ich würde VOR dem Moor bereits links abbiegen, dann rechts noch ein Stück und schon müssten wir am Weg, der uns in die Schlucht führt, sein.

Der Weg durchs Rote Moor ist immer wieder schön - ein Hexenbesen schaukelt am Wegesrand

Der Weg durchs Rote Moor ist immer wieder schön – ein Hexenbesen schaukelt am Wegesrand

Aber was soll’s, meistens verliere ich solche Erinnerungsduelle, und der Weg durchs Rote Moor ist immer ein interessanter Erlebnispfad, an dem man sich auch gern öfter erfreuen kann. Vielleicht würde ich ja sogar noch wieder neue Moorgeister entdecken können. Na, und wer sagt’s denn? Da zwinkert mir doch auch schon ein hübscher kleiner Baumgeist zu und wenig später entdecke ich die Hinterlassenschaft einer Hexe an einer schon sehr betagten und bemoosten Moorbirke.  Das Hexchen hat dort seinen Hexenbesen zurückgelassen. Ob die Hexe vielleicht sogar auf dem Besen auf Reisen war und an der Birke einfach hängenblieb? Ob sie nach ihrem Absturz hier irgendwo im Moor versunken ist? Na, ich will lieber doch nicht nach ihr suchen, das könnte gefährlich enden. Außerdem steht überall geschrieben, dass wir den Holzbohlenweg nicht verlassen sollen. Also ist es außerhalb des Holzstegs sicher nicht ganz ungefährlich.
Während mir noch die unterschiedlichsten Hexengeschichten durch den Kopf gehen, stehen wir bereits am Ausgang des Moores und blicken auf den gegenüberliegenden Waldstreifen. Nix da mit Einstieg in die Kaskadenschlucht. Herr Silberdistel biegt zielsicher links ab und verschwindet wenige Meter darauf rechts im Wald. Natürlich folge ich ihm vertrauensvoll. Wir laufen und laufen und laufen. Eigentlich müsste der Weg doch schon lange zur Schlucht hinuntergeführt haben. Ich erlaube mir, ganz schüchtern zu fragen, ob wir denn hier wirklich richtig wären. Ein wenig verunsichert schaut nun auch Herr Silberdistel drein. Dann läuft er auf einmal noch ein wenig schneller, um dort vorn einmal die Lage zu peilen. Weg ist er und ich stehe allein im Wald, nur die Vögel zwitschern mir ein Lied. Was mache ich, wenn Herr Silberdistel verschollen bleibt? Hat mein Handy hier überhaupt Empfang? Aber was viel wichtiger ist, hat Herr Silberdistel als Handymuffel seins überhaupt eingeschaltet? Nach gefühlten Stunden raschelt es laut vor mir und …. uff … es ist Herr Silberdistel und nicht ein Wildschwein, dass mich aus seinem Wald vertreiben will. Mein Herr und Meister erzählt mir, dass der Weg dort hinten nicht weitergeht und links neben uns ginge es steil hinunter. Es würde aussehen, als wäre dort ein alter, schon lange nicht mehr betriebener, Steinbruch. Meine Fantasie schlägt natürlich gleich Purzelbäume und ich sehe uns abgestürzt und ohne Hilfe und null Handysignal am Grunde des Steinbruchs liegen. Herr Silberdistel will mir noch den Steinbruch zeigen und beginnt sogleich, sich bis zum Klippenrand vorzuarbeiten. Aber seine ängstliche Gattin muss leider auf diese Besichtigungstour verzichten, gruselt es sie doch an solchen Steilhängen bereits aus der Ferne. Auf solche Erlebnissen kann sie gut und gern verzichten.

Na bitte, hier geht's lang

Na bitte, hier geht’s lang

Also kehrt und nur weit weg von der Steilwand des alten Steinbruchs und weiter Ausschau gehalten nach dem richtigen Weg. Nach etlichen Laufminuten stehen wir wieder am Hauptweg. Wir entscheiden uns dafür, rechter Hand weiterzugehen. Dann endlich führt rechts noch ein weiterer Weg in den Wald hinein und dieser ist sogar ordentlich mit Kaskadenschlucht ausgeschildert, genau wie ich es in MEINER Erinnerung gespeichert hatte. So, wie es sich jetzt darstellt, wäre also meine Wegvariante wohl doch die kürzere gewesen. Aber egal, das Moor ist immer schön – auch wenn es sich als Umweg herausstellt.

Das sieht doch schon eher nach der Kaskadenschlucht aus

Das sieht doch schon eher nach der Kaskadenschlucht aus

Mein Herr Silberdistel muss jetzt natürlich die Zeit, die wir auf Abwegen verbracht haben, wieder einholen und eilt mir zügig voraus. Bald ist er meinen Blicken entschwunden. Ich will aber nicht nur Kilometer fressen, ich möchte auch in Ruhe die urige Landschaft betrachten und das eine oder andere Foto davon mitnehmen. So lasse ich mir Zeit, gucke hier und gucke da und unterhalte mich unterwegs sogar noch mit einer anderen Wanderin, die mit ihrem Hund und zwei weiteren Begleitern unterwegs ist, die allerdings waghalsig auf der anderen Seite der Schlucht auf über dem Abgrund schwebenden Baumstämmen herumbalancieren. Wahrscheinlich widmeten sie ihre Wanderung durch die Kaskadenschlucht gerade zu einem aufregenden Abenteuerurlaub um. Mich gruselt’s beim Anblick der hoch oben turnenden jungen Männer, die auf der Suche nach Zunderschwamm sind, wie ich höre. Ich habe mich für heute genug gegruselt und gehe lieber weiter.
Am Ende der Schlucht finde ich doch tatsächlich, gemütlich auf einer Bank sitzend, auch meinen Herrn Silberdistel wieder. Er sieht gut erholt und gut gerüstet für den Rückweg aus. Mir bleibt keine Pause, denn Herr Silberdistel hat ja nur auf mich gewartet, um wieder in die Startlöcher zu steigen. So mache ich kehrt und „freue“ mich auf den schweißtreibenden Anstieg, denn was wir bisher bergab gelaufen sind, das müssen wir jetzt wieder hinauf. Zum Glück habe ich all meine Bilder im Kasten, sodass ich meinem Herrn Silberdistel jetzt getreulich auf den Fersen bleibe und am Ende ganz stolz auf meine gute Kondition bin.

Den Bauernhof kennen wir noch von einer Wanderung aus dem letzten Jahr

Den Bauernhof kennen wir noch von einer Wanderung aus dem letzten Jahr

Auf halber Höhe halten wir uns schließlich links von der Kaskadenschlucht, wollten wir doch eine kleine Rundwanderung machen und nicht auf dem selben Weg zurücklaufen. Wir kommen unterhalb eines Bauergehöftes raus, auf dem wir im letzten Jahr zwei Kätzchen beobachtet hatten oder besser wohl – sie uns. Eines hockte damals ganz nah vor mir im Gras. Es war so gut getarnt, ich hatte es zunächst ganz übersehen und war fast ein wenig erschrocken, als ich es dann doch noch entdeckte. Jetzt aber ist weit und breit kein Kätzchen zu sehen. Übrigens ist der Bauer fleißig dabei, das Heu auf seiner gemähten Wiese zu wenden. Irgendwie schade, dass die Wiesen jetzt hier so nach und nach gemäht werden. Die Flächen mit den vielen bunten Blumen sind einfach zu hübsch, im Grunde echt zu schade für die Sense.

Ein bisschen Wiese hatte der Bauer beim Mähen noch als Futter für meine Kamera übriggelassen

Ein bisschen Wiese hatte der Bauer beim Mähen noch als Futter für meine Kamera übriggelassen

Aber des Bauern Vieh braucht auch im Winter Futter und das wächst nun mal im Sommer auf den bunten Blumenwiesen. Meine Kamera nimmt schnell noch einen ordentlichen Schwung Bilder von den Wiesenblumen mit, denn die gesamte Wiese hat der Landwirt mit seinen Mäharbeiten, welch Glück für mich,  noch nicht geschafft.
Wir Silberdistels schauen ihm noch ein Weilchen zu und dann kämpfen wir uns weiter den Weg hoch. Ein ganzes Stück hinter dem Bauernhof treffen wir auf eine Rinderherde. Ich bin begeistert, weil ich wieder einmal traumhaft schöne Kuhaugen fotografieren kann.

Die Bremer Stadtmusikanten oder Irrungen und Wirrungen im Tierreich?

Die Bremer Stadtmusikanten oder Irrungen und Wirrungen im Tierreich?

Ich knipste hier und schaue da einer Kuh tief in die Augen und dann … stehe ich plötzlich ein bisschen neben mir. Sehe ich denn wegen der dauernden Knipserei jetzt schon Gespenster? Wobei … mit Gespenstern habe ich es ja, wenn man so an die ganzen Moor- und Waldgeister denkt, die mir jeweils vor die Kamera springen. Aber vielleicht war ich jetzt von der Wanderung doch ein wenig zu erschöpft und bin auf einer dieser traumhaften Wiesen vor lauter Müdigkeit eingeschlafen und jetzt träumte ich von den Bremer Stadtmusikanten. Ich stehe da, ob im Traum oder in der Wirklichkeit, das ist ein wenig ungewiss, und grübele: Wenn ich jetzt ein Foto von dieser Hohen Kunst der Kuhgymnastik vor mir mache und ich habe das am Ende nur geträumt, dann dürfte es doch nach dem Aufwachen nicht auf dem Kamerachip sein, richtig? Also knipse ich jetzt die zwei rotbunten Damen hier vor mir bei … äh … bei ihren verdammt sportlichen Übungen. Mal schauen, was der Kamerachip später nach meinem Erwachen sagt.
Wie sich dann am Abend, als ich an meinem PCli sitze und die mitgebrachten Fotos betrachte, herausstellt, träumte ich entweder noch immer oder aber ich hatte mit eigenen Augen gesehen, dass es auch unter den Tieren mitunter Irrungen und Wirrungen gibt. Mir fällt da eben noch ein, dass ich vielleicht auch nur eine etwas delikate Fantasie habe. Es könnte natürlich auch sein, dass es sich in diesem Falle um einfaches Bockspringen gehandelt hat, nur muss die hängengebliebene Dame an ihrer Sprungtechnik noch etwas feilen, damit sie elegant über die den Sprungbock darstellende Kollegin hinwegkommt.

„Was war denn das eben?“, denkt Kuh Nummer 1 ziemlich verwirrt … „Bloß weg hier …“

Tja, auf Wanderungen kann man unendlich viel erleben und man lernt nie aus und mitunter bekommt man sogar in das geheime Leben der Rinder ungeahnte Einblicke.

Märchenhaftes noch einmal am Abend

Märchenhaftes noch einmal am Abend

Das sportliche Ereignis auf der Kuhkoppel konnte an dem Tag durch nichts mehr getoppt werden, auch wenn meine Kamera noch anderes Interessantes eingesammelt hatte. Naja, die Wolken am Abend, die konnten mit der Kuh-Attraktion vielleicht doch ein wenig konkurrieren, wenn auch auf ganz andere Art und Weise.

Aber am besten ist es, Ihr schaut selbst, was wir bei unserer Wanderung durch die Kaskadenschlucht und das Rote Moor noch alles entdeckt haben. Schönheit liegt ja doch immer im Auge des Betrachters.

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