Mit ‘Urlaub’ getaggte Beiträge

In unserem kurzen Augusturlaub von diesem Jahr in Franken haben wir zu Beginn einiges angeschaut, was wir bereits aus den Vorjahren kannten und bei unseren Wanderungen sogar ein wenig lieben gelernt haben. Fast wäre ein Urlaub dort ohne eine Wanderung zur Gügelkirche und/oder zur Giechburg kein richtiger Frankenurlaub für uns. Eventuell berichte ich davon irgendwann doch noch, denn neue Eindrücke gewinnt man auch dann noch oder vielleicht sogar gerade dann, wenn man Bekanntes erneut betrachtet. Plötzlich bemerkt man Details, die zuvor entweder noch gar nicht da waren oder man hat sie ganz einfach durch die Vielzahl der Eindrücke übersehen. Mitunter hat sich auch nur die eigene Sichtweise verändert. Im Grunde genommen gibt es immer wieder Neues auch an Altbekanntem zu entdecken.

Aber heute möchte ich doch erst noch über eine Neuentdeckung berichten. Ich hatte bereits im Beitrag zuvor erzählt, dass ich während dieses Urlaubs fleißig in Prospekten über Franken geblättert hatte. Wir Silberdistels waren dieses Mal nämlich gut vorbereitet auf unseren Frankenurlaub und hatten einiges an Prospektmaterial mit auf die Reise genommen, das sich im Laufe der Zeit bei uns über Franken angesammelt hatte.

So entdecke ich neben dem wunderschönen Wanderweg rund um die Burg Rabenstein, dass Franken auch über interessante Kirchenburgen verfügt.  Zwei davon finden unser besonderes Interesse – Hohenpölz und Effeltrich. Sie sind von unserem Ferienort aus recht schnell zu erreichen. Nur zwei Kirchenburgbesichtigungen an einem Tag wären uns dann doch zu viel, also müssen wir uns für eine der beiden entscheiden. Die Wehrkirche Hohenpölz gewinnt, weil sie schlicht und einfach schneller zu erreichen ist.

Aber irgendwie steht die Fahrt nach Hohenpölz dann doch nicht unter einem so guten Stern.  Wir kommen nämlich nicht weit. Wir sind kaum aus unserem Ferienort raus, schon blockieren im nächsten Ortsteil einige Traktoren die Straße. Wir halten an und warten geduldig, aber es tut sich nichts und es sieht auch nicht so aus, als würde die Straße demnächst geräumt werden. Wir haben eher den Eindruck, als würde hier gleich gar nichts mehr gehen. Scheinbar bereitet man sich gerade auf die Kirchweih vor. Wir haben keine Lust, länger zu warten und so wenden wir kurzentschlossen.

Effeltrich hat nun doch noch gewonnen, denn wir haben umdisponiert. Effeltrich wollte sich mit der Niederlage bei unserer Kirchenburgbesichtigungsauslosung offensichtlich nicht so einfach geschlagen geben. Sie muss den Herrn da oben um Mithilfe gebeten haben und der hatte die clevere Idee, uns ein paar unüberwindbare Traktoren in den Weg zu stellen – ganz nach dem Motto: „Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Obwohl … das war dann wohl doch mehr der Erlkönig, der da seine Hand im Spiel hatte. Komisch, hatte der sich neulich nicht schon mal hier irgendwo eingemischt? Er wird sich doch hoffentlich nicht als Dauergast bei uns einschleichen. Naja, egal, wer sich da wie oder wo eingemischt hat … Tatsache ist, dass wir dieses Mal am Ende gar nicht so unzufrieden mit der Umorientierung sind.

Effeltrich, es liegt übrigens am Westrand der Fränkischen Schweiz, entpuppt sich als etwas ganz Besonderes. Der Ort ist nämlich nicht nur durch seine Wehrkirche bekannt, auch durch seinen Obstanbau – speziell Äpfel – und die Obstbaumzucht ist Effeltrich nahezu berühmt. Und wer hätte es gedacht, dass sich diese Äpfel auch im Ortsnamen niedergeschlagen haben. In einer Schreibweise aus dem Jahre 1121 nennt sich der Ort „Affaltere“. Aus dem Althochdeutschen abgeleitet sollte das ziemlich sicher auf „affaltra“ wie Apfelbaum zurückgehen. Schon vor Jahrhunderten handelte man bis weit über die Grenzen hinaus mit Obstbäumen und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Aber nicht nur durch seine Obstbäume ist Effeltrich berühmt, es gibt dort noch etwas, was speziell mich als Liebhaber alter Bäume ganz besonderes freute. Inmitten des Ortes steht nämlich eine uralte Tanzlinde – quasi gegenüber der Kirche. Ein Gerüst gab den vielen schweren Ästen des Baumes Halt. Aber darüber berichte ich noch in einem gesonderten Beitrag.

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Die Kirchenburg St. Georg in Effeltrich

Zurück zur Kirche: Die Kirchenburg St. Georg stammt aus dem 15. Jh.  Wie wir lesen konnten, ist sie die Wehrkirche in Oberfranken, die am besten erhalten ist. Ihre Mauer hat eine Länge von über 200 m.

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Hier sind die Reste des Wehrganges gut zu erkennen und links einer der 4 Türme

Es gibt 4 Türme und die noch gut erhaltenen Reste eines Wehrganges an der Südmauer. Zur Wehrkirche wurde sie zum Ende des 15. Jahrhundert hin ausgebaut. Anlass dafür waren brutale Überfälle von Nürnberger Truppen, die den Ort erbarmungslos ausgeraubt hatten. So baute man die Kirche zur Schutzburg für die Bewohner des Ortes um.

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Das Eingangsportal der Kirche mit den Heiligen Laurentius, Georg und Sebastian

Kaum auf dem Kirchhof, werde ich von einem älteren Herrn angesprochen, ob ich wüsste, um was für eine Kirche es sich hier handeln würde. Natürlich wusste ich, dass ich vor einer Wehrkirche stand, schließlich hatten wir sie deshalb anschauen wollen. Mein Herr Silberdistel kann dann sogar die nächste Preisfrage beantworten.

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Hier noch einmal die Figuren zur Preisfrage aus der Nähe (v.l.n.r. Laurentius, Georg, Sebastian)

Unser Showmaster will nämlich auch noch wissen, wer wohl die drei Heiligen über dem Eingangsportal wären. Herr Silberdistel kontert: Laurentius, Georg und Sebastian – gut zu erkennen an ihren Heiligenattributen – Rost, Drache, Pfeile. Unser Gegenüber ist von dieser Kenntnis einigermaßen  beeindruckt, denn, wie er sagt, würden viele Touristen fotografieren, ohne zu wissen, was sie da überhaupt vor sich hatten.
Ich muss zugeben, wäre mir nicht mein Herr Silberdistel zur Seite gesprungen, ich hätte nur Georg parat gehabt – wegen des Drachen, aber mein Retter in der Not stand, Glückes Geschick, ja neben mir und glänzte mit seinem Wissen. Rechts neben den drei goldenen Heiligenfiguren reitet uns übrigens noch einmal der Schutzheilige dieser Kirche, der Heilige Georg, entgegen.

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Der Schutzheilige der Kirche – der Heilige Georg

Nachdem wir noch einige Worte mehr miteinander getauscht haben, wobei wir nicht nur erfahren, dass wir einen ehemaligen Küster der Wehrkirche vor uns haben, sondern auch noch einiges mehr über die Kirche und Effeltrich hören, umrunden wir das Gotteshaus und werfen schließlich noch einen Blick ins Innere.

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Die prunkvolle Ausstattung der Kirchen im Süden beeindruckt mich immer wieder. Dagegen machen unsere norddeutschen fast einen ärmlichen Eindruck.
In der Kirche sind unter anderem ein barocker Hochaltar und eine Rokokokanzel zu sehen, außerdem ein als Lebensbaum gestalteter Bronzealtar und ein Ambo im gleichen Stil.

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Nach der Kirchenbesichtigung schauen wir neben der Kirche einen alten Backofen an und natürlich die Linde gegenüber der Kirchenburg, ebenso ein Fachwerkhaus und andere nette Details auf dem Weg zu unserem Auto.

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Inzwischen hat sich bei uns der kleine Hunger gemeldet. Wir haben die Idee, das Problem in der Gaststätte auf unserer Lieblingsburg, der Giechburg, zu lösen. Als wir bereits fast an der Giechburg sind, reiht sich plötzlich Auto an Auto und es geht nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Verwundert stellen wir kurze Zeit später fest,  dass alle hoch zur Burg wollen. Bunte Luftballons am Straßenrand lassen uns auch hier ein Kirchweihfest vermuten. Also vollziehen wir das zweite Mal an diesem Tag eine Wende und auf geht es zum Schloss Seehof, wo wir endlich etwas gegen unseren kleinen Hunger tun können. Wobei der Hunger derweil schon zu einem richtigen Bärenhunger angewachsen ist und da dieser Tag eh der letzte Urlaubstag ist, schlagen wir zum guten Schluss ordentlich zu.  Es gibt Kaffee, Torte und Eis, aber wir schwören fast noch während des genussvollen Essens, dass wir ab dem vor uns liegenden Montag Diät leben werden.

Wir Silberdistels hatten im vergangenen Sommer, als hier im „Bücherstaub“ Blogpause herrschte, nicht nur unser Enkelkind zu Besuch, wir hatten im August auch noch einmal wieder Gelegenheit, das schöne Frankenland ein wenig weiter zu erkunden und von einigen ausgewählten Unternehmungen möchte ich hier gern noch berichten.

Ich hatte während dieses Urlaubs eines Morgens nach dem Frühstück noch ein wenig in verschiedenen Prospekten über die Fränkische Schweiz geblättert, um zu schauen, was das Frankenland noch alles für seine Besucher zu bieten hat. Auch wenn es nicht uninteressant ist, Bekanntes wiederholt zu besuchen, stand uns durchaus auch nach neuen Erkundungen der Sinn. So entdeckte ich in einem der Heftchen den Hinweis auf einen recht verlockend wirkenden Wanderweg, den wir Silberdistels bisher noch nicht kannten – den Panoramaweg zur Burg Rabenstein und zur Sophienhöhle. Um dorthin zu kommen, mussten wir  zwar erst einmal relativ weit mit dem Auto fahren, aber wie sich bald herausstellen sollte, war es durchaus eine lohnende Unternehmung.

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Burg Rabenstein

Unser erster Zielpunkt war die Burg Rabenstein im „Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst“. Nun ja, die Burg ist nicht, wie der Titel dieses Beitrags vielleicht vermuten ließe, ein kleines unscheinbares Hüttli, da habe ich wohl doch ein bisschen … ähem  … gemauert ;-), sie ist durchaus, um beim Mauern zu bleiben, ein recht respektables Gemäuer. Im ersten Moment, so man sich von der Parkplatzseite auf sie zubewegt, erahnt man ihre wahre Größe auch noch gar nicht. Das sieht man eigentlich erst bei genauerer Betrachtung oder wie wir viel später aus der Ferne. Die Burg steht nämlich auf einem Felsvorsprung in einer Höhe von 420 m oberhalb des Ailsbachtales – gut 6 km nordwestlich der Stadt Pottenstein in Oberfranken. Und das die Burg auf einem solchen Felsvorsprung erbaut wurde, das fällt dem Besucher zumindest beim ersten Betrachten gar nicht auf. Aber so hoch oben auf ihrem Fels kommt sie natürlich, von der richtigen Seite aus in Augenschein genommen, ganz besonders gut zur Geltung.
Die ältesten Teile der Burg stammen übrigens aus dem 12. Jahrhundert. Erbaut wurde sie vom Rittergeschlecht der Rabensteiner, das einen Raben im Wappen führte. Damit dürfte sich also auch der Name der Burg erklären.
Die recht wechselvolle Geschichte von Burg Rabenstein war geprägt von mehrmaliger, fast totaler, Zerstörung und ihrem jeweiligen Wiederaufbau. Heute dient sie als Veranstaltungs- und Tagungshotel.

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Unweit der Burg gibt es ein großes Mittelaltergelände, auf dem regelmäßig Mittelaltermärkte stattfinden.

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Aber auch von anderen Veranstaltungen konnten wir lesen – beispielsweise von Burgkonzerten und Dinnershows.

Wir Silberdistels haben die Burg nur von außen bewundert, wir wollten wandern und Natur genießen und so haben wir die eigentlichen Ausmaße der Burg auch, wie oben bereits erwähnt, erst später wahrnehmen können – von unterwegs aus.
Wir machten uns also ohne einen Abstecher ins Innere der Burg gleich auf die Suche nach dem Einstieg in unseren Wanderweg – den Panoramaweg. Ein Wegweiser ließ uns dann erst einmal grübeln. Aber scheinbar hatten wir am Ende die richtige Wahl getroffen. Hoffnungsvoll folgten wir dem unteren Pfeil mit der Aufschrift „Promenadenweg – Rundwanderweg“.

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Da fällt die Wahl fast schwer, aber der untere Wegweiser scheint unserer zu sein

Während der Wanderung müssten lt. Prospekt 90 m Anstieg überwunden werden. Die Tour war als mittelschwer eingestuft und setzte eine gewisse Kondition voraus, die wir uns aber durchaus zutrauten.

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Zunächst bewegten wir uns auf einem schmalen mit vielen Baumwurzeln gespickten Stolperpfad immer am Bergkamm entlang – wie gut, dass wir festes Schuhzeug für die Wanderung gewählt hatten. Ansonsten ging es recht felsig zu mit  z. T. tiefen Einblicken ins steinige Herz der Gegend, aber ohne Taschenlampe wäre es wohl etwas gefährlich gewesen, solche Höhlen erkunden zu wollen. Wir beließen es also lieber beim bloßen Hineinschauen. Andere Wanderer waren da wohl mutiger, vielleicht auch lichttechnisch entsprechend ausgestattet, denn mitunter hörten wir aus solchen Höhlen menschliche Stimmen.

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Nachdem wir genug hochgekrabbelt und -gestolpert waren, ging es wieder bergab und hinab ins Ailsbachtal.

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An einer Brücke – der Bärenbrücke – überquerten wir Bach und Tal und dann ging’s auch schon wieder hinauf. Eine Weile begleitete uns links unten noch das kleine Gewässer. Kaum hatte es uns verlassen, wurde es auch schon wieder felsig.

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So kamen wir vorbei an der Theresienruhe – einem Gedenkstein für Theresia von Bayern und am Schneiderloch, in das wir nun aber doch hineinschauten, denn in dieser Höhle war es auch ohne Lampe hell genug. Ansonsten erhob sich hier eine recht imposante Felsformation vor uns mit vielen Spalten, Löchern und Höhlen, die sicher auch für geübte Kletterer ein kleines Paradies ist.

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Burg Rabenstein – hier ist schön der Fels zu sehen, auf dem sie erbaut wurde

Kurz hinter dem Schneiderloch hatten wir sogar noch einmal einen wundervollen Blick auf Burg Rabenstein. Von unserem Standpunkt aus konnte man, was ich weiter oben bereits andeutete, sehr schön erkennen, dass die Burg hoch oben auf einer Felsnase erbaut wurde. Und von hier aus sah sie durchaus recht imposant aus.

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In der Ludwigshöhle

Weiter ging es zur Ludwigshöhle, in der Ludwig I., König von Bayern, 1830 für hohe Gäste ein Festbankett gegeben haben soll. Die Größe der Höhle überzeugte mich durchaus davon, dass der Platz auch für eine größere Feierlichkeit ausreichen müsste. Aber es sollte schon sommerlich warm sein, ansonsten könnte es wegen diverser Eingänge oder Einblicke in der Höhle durchaus auch recht zugig zugehen.

Nachdem wir nach dem Verlassen der Ludwigshöhle auch die letzten Höhenmeter noch geschafft hatten, führte uns der Wanderweg noch einmal hinunter ins Ailsbachtal – auf z.T. extrem holprigen und schmalen Pfaden.

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Wir waren umgeben von urwüchsiger Natur. Nicht selten führte der Weg durch sehr enge felsige Durchgänge, vorbei an in die Höhe steigenden Felsen, an alten beeindruckend hoch aufragenden Bäumen. Es ging über in den Fels gehauene Steintreppen, vorbei an Baumgeistern und auch hier wieder über dicke malerisch den Weg gestaltende Baumwurzeln.  Riesige Löcher und Höhlen im Fels ließen uns staunen, mitunter auch gruseln ob der Schwärze in der unendlich erscheinenden Tiefe, aber auch die schönen Ausblick zwischendurch waren die reinste Augenweide. Wir durchwanderten eine landschaftlich unwahrscheinlich reizvolle Gegend.

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Erneut im Tal, überqueren wir ein weiteres Mal den Ailsbach

Noch einmal ging es hinunter ins Tal, über Bach und Straße und dann suchten wir fast ein wenig verzweifelt nach weiteren Wegmarkierungen, um unsere Wanderung fortsetzen zu können. Einer Radlerin ging es scheinbar ähnlich. Sie erhoffte sich für ihre Weiterfahrt einen heißen Tipp von uns und schaute uns nicht nur erwartungsfroh an, sondern auch dort hinauf, wo wir gerade hergekommen waren. Doch wir konnten ihr nur davon abraten, den Weg zu nehmen, auf dem wir eben über Felstreppen, Stolperwurzeln und mitunter extrem schmalen Felsdurchgängen hinab ins Tal gestoßen waren, denn der war für einen herkömmlichen Radler nun wirklich  völlig ungeeignet. Wenigstens konnte Herr Silberdistel ihr mit einem Blick in unsere Wanderkarte ein wenig weiterhelfen. Wir verabschiedeten uns von der Radlerin und hielten weiter Ausschau nach dem Weg, der uns wieder zurück zur Burg Rabenstein führen sollte.
Nach einigem Suchen entdeckten wir schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Aufstieg hinauf zur Sophienhöhle und an der Sophienhöhle mussten wir lt. Karte vorbeikommen, wenn wir wieder zur Burg wollten.

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Die Höhle  ist eine von drei großen Schauhöhlen in dieser Gegend. Hineingeschaut haben wir zwar dieses Mal nicht, aber gemerkt haben wir uns die Sophienhöhle schon. Vielleicht sind wir doch noch öfter einmal im Land der Franken unterwegs und dann wird sich sicher auch dafür einmal eine Gelegenheit finden.
Aber einige andere, oberirdische, wunderschöne Aussichten haben wir noch genossen. Dafür mussten wir allerdings erst einmal 45 Stufen hinauf bis zur Sophienhöhle erklimmen und anschließend noch weitere 76, bis wir uns am höchsten Punkt befanden. Danach konnten wir, ziemlich erleichtert darüber, den straffen Anstieg endlich geschafft zu haben, wieder locker bergab wandern.

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Ganz besonders hat uns das letzte Stück Weg unserer Wanderung gefallen, auf dem es auf einem mitunter äußerst schmalen Pfad durch ein uriges Felsenlabyrinth ging.

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Fast hatte man mitunter Angst, durch den schmalen Spalt zwischen den sich gegenüberstehenden Felsen nicht hindurch zu passen. Aber wir hatten Glück, wir blieben nicht stecken und mussten nicht durch ein Feuerwehreinsatzkommando aus dem Fels geschnitten werden. So landeten wir dann auch bald wieder glücklich an der Burg Rabenstein.

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Die örtliche Gastlichkeit an der Burg Rabenstein, die „Gutsschenke“, haben wir nicht getestet. Da wir später ohnehin noch einkaufen mussten und uns leckerer Kuchen für den Nachmittagskaffee auf der Terrasse unserer Ferienunterkunft vorschwebte, haben wir uns vorerst mit einem kleinen Imbiss aus meiner Wanderverpflegung begnügt.

Fazit: Wir haben einen schönen sonnigen Tag in einer fantastischen, fast unberührt wirkenden Landschaft, die uns sehr an Rhön und Pfalz erinnerte, erlebt. Das ganz Besondere daran war, dass wir fast gänzlich jenseits von Asphaltwegen und Straßen, sieht man von der zweimaligen Straßenüberquerung unten im Tal einmal ab, zu Fuß unterwegs waren – auf einem Wanderweg, der gerade deshalb unwahrscheinlich  viel Spaß gemacht und der uns wundervolle urige Natur geboten hat. Wer das so sucht, was wir es dort vorgefunden haben, dem kann man diesen Wanderweg nur sehr ans Herz legen. Und wem das alles noch viel zu wenig ist, der kann unterwegs in die Sophienhöhle schauen, sich am Ende auf der Burg Rabenstein ein wenig umschauen oder/und in die sich gegenüber der Burg befindliche Falknerei schauen, in der es über 80 Greifvogelarten zu bewundern geben soll. Wenn man das alles an einem Tag geschafft hat, dann muss man anschließend aber doch noch in die Gutsschenke, um nach einem ordentlichen Essen wieder zu Kräften zu kommen.

Mein Bericht über unseren diesjährigen Wanderurlaub im September in der Rhön war im Grunde genommen mit dem Post über unseren Ausflug zum „Eisenacher Haus“ abgeschlossen. Dennoch schulde ich Euch noch eine Ergänzung. Am Ende meines Beitrags „Zum Herbstbeginn auf zum Fliegerberg“ hatte ich noch von einer weiteren Geschichte gesprochen.

Als wir an jenem Tag von unserer Wanderung zurück waren, haben wir uns den Nachmittag noch mit einem kleinen Sonnenbad auf der Terrasse unseres Ferienhauses versüßt. Später wieder im Haus, ich hatte mich gerade mit meinem PCli häuslich am Tisch eingerichtet und schaute mehr zufällig zum Terrassenfenster, bemerkte ich draußen eine Bewegung.

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Ein hübsches graues Kätzchen geisterte hinten am Terrassenrand umher und schaute vorsichtig zu unserem Fenster. Was mochte in dem kleinen Köpfchen vor sich gehen? Ob sich die Pelznase wohl von den neuen Ferienhausbewohnern eine kleine Futterspende erhoffte? Oder war sie einfach nur neugierig? Egal, wie es war, mein Herz schlägt immer und überall für Katzen und so konnte ich natürlich nicht anders, ich musste später ein paar Wurststückchen auf die Terrasse legen.
Am anderen Morgen schaute ich voller Spannung nach, ob meine milde Gabe einen Liebhaber gefunden hatte. Sie hatte, denn es war alles fein säuberlich weggeputzt. Von da an hatten wir einen pelzigen Mitesser. So dachten wir jedenfalls einen Augenblick lang.

Lächelnd setzte ich mich an diesem Morgen an den Frühstückstisch und befasste mich  mit meinen Frühstücksbrötchen. Ich trank einen Schluck Tee, schaute, mit mir und der Welt zufrieden, zum Fenster hinaus und wollte gerade in mein Brötchen beißen, als draußen auf der Terrasse wieder Bewegung war. Ich vergaß mein Brötchen und schaute interessiert nach draußen. Mist! Warum nur hatte ich nicht gleich auch für unser Kätzchen etwas Wurst auf die Terrasse gelegt? Da war es wieder.
Doch…, doch  was war das? Hatte ich jetzt Sehstörungen? Irgendwie stand der Terrassentisch dort draußen auch noch im Weg und nahm mir die Sicht. Ich musste mich regelrecht verbiegen, weil das Kätzchen genau dort stand, wo mir ein Tischbein mächtig den Blick auf unseren morgendlichen Gast versperrte. Dumm, dass wir ihn abends nicht zur Seite gestellt hatten. Nur, wenn ich dichter ans Fenster gehen würde, würde ich das Kätzchen vielleicht verjagen.
Ich schaute und schaute und machte eine seltsame Entdeckung.

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Entweder hatte unser Gast vom Vorabend mehrere Pelzmäntel im Schrank und trug nun zum Frühstück nicht den einfarbig grauen Mantel wie am Abend zuvor oder aber wir hatten hier einen zweiten pelzigen Mitesser vor uns.

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Dieser trug nämlich einen Mantel im Tigerlook.   Inzwischen war ich mir ziemlich sicher, denn ich hatte die Kamera geschnappt und ihre Technik hatte mir das Kätzchen ein wenig näher herangeholt.

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Es schnupperte und schnupperte immer wieder an der Stelle, an der ich den Abend zuvor meine Wurstspende zurückgelassen hatte.

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Nur leider war davon kein einziges Krümchen mehr übrig, nur dieser herrliche Duft war auf den Steinen zurückgeblieben. So lecker roch es dort.
Das Tigerle machte sich wenig später auf in Richtung unserer Tür. Sicher schnupperte es auch dort noch nach frischen Wurstspuren. Irgendwie tat es mir leid. Sollte ich ganz vorsichtig die Tür öffnen und mit einer Wurstscheibe winken?
Ich war vorsichtig, übervorsichtig sogar, aber das Kätzchen war noch eine Spur vorsichtiger. Als es mich sah, ich muss wohl echt zum Fürchten ausgesehen haben, machte es sich in großen Sprüngen davon.
Da stand ich also mit meiner Wurst und sah nur noch Staub und Katzenhacken. Egal, vielleicht würde das Tigerchen ja zurückkommen. Ich zerteilte die Wurst in kleine Stückchen und legte alles dort nieder, wo das geflohene Kätzchen gerade so hingebungsvoll geschnuppert hatte. Dann ging ich wieder zu meinem Herrn Silberdistel hinein und widmete mich erneut meinem eigenen Frühstück.

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Ich war gerade mit meinem letzten Restchen Tee befasst, als sich draußen auf der Terrasse wieder etwas tat. Unsere graue Schönheit vom Abend zuvor hatte sich nun doch noch eingefunden und sie hatte mehr Glück als das Tigerkätzchen von eben. In rasanter Geschwindigkeit schlang sie dann auch alles, was ich hingelegt hatte, weg.

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Es muss ein kleines Festessen für das Kätzchen gewesen sein, denn es putzte auch noch das aller letzte kleine Wurstfitzelchen weg.

Als wir an diesem Tag von unserer Wanderung zurück waren, mussten wir für uns noch ein wenig neue Verpflegung einkaufen. Dabei wanderten auch ein paar Katzenfutterdosen mit in den Einkaufswagen. Wir wollten unseren beiden pelzigen Mitessern auch an den nächsten Tagen noch Gutes tun.
Die beiden Katzen kamen von nun an allmorgendlich in etwa einer Stunde Abstand zu ihrem neuen Futterplatz. Wir bildeten uns ein, dass beide jeweils das ihnen zugedachte Futter auch bekamen. Schließlich sollte keine der Katzen leer ausgehen. Aber irgendwie lief es dort draußen doch anders, als wir dachten.

Inzwischen war unser letzter Urlaubstag herangerückt. Wir hatten einen wunderschönen Tag verlebt und hatten uns zum Urlaubsabschluss noch ein leckeres Essen im „Eisenacher Haus“ gegönnt. Es war ein rundum schöner Tag gewesen.

Derweil war der Abend herangerückt. Ich war eben fertig mit dem Packen der Koffer und Taschen für die Abreise am nächsten Tag und wollte mich gerade dem Abendessen widmen. Von meinem Platz aus fiel mein Blick wieder einmal zum Terrassenfenster hinüber. Doch was sah ich denn da? Ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu können. Vor dem Fenster spielte sich etwas Erstaunliches ab.

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Dort tummelten sich in trauter Dreisamkeit zwei unserer Mitesser und ein drittes Kätzchen – ein weiteres getigertes Kätzchen.

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Hatte sich der neue Futterplatz in Katzenkreisen schon herumgesprochen oder hatten wir etwa die ganze Zeit bereits drei Katzen gefüttert? Wahrscheinlich war Letzteres der Fall, denn die beiden Tiger sahen sich zum Verwechseln ähnlich. Ich starrte mit offenem Mund auf das Schauspiel dort vor unserem Fenster.

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Die drei Kätzchen schienen sich gut zu verstehen. Sie schmusten miteinander und putzen sich gegenseitig. Irgendwie hatten wir fast den Eindruck, als würde dort draußen extra für uns eine kleine Show abgezogen. Die pfiffigen Pelzbündel legten sich doch so ins Zeug, weil sie hofften, mit ihrer Vorführung der Menschen Herzen dort in dem Haus zu erobern und damit ein kleines Nachtmahl herauszuschlagen. Oder? Also ich bin überzeugt davon.

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Und jetzt sah es nicht mehr so aus, als würde sich auch nur eine der drei Katzen vor uns fürchten. Sie lagen da und schauten immer wieder zum Fenster. Sie wussten also, dass wir jeweils ihren Frühstücks- und Abendbrotstisch gedeckt hatten und sie erhofften sich jetzt offensichtlich noch mehr von uns.

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Dummerweise war das Katzenfutter inzwischen aufgebraucht und unsere eigenen Vorräte sahen auch nicht mehr so umfangreich aus, schließlich würden wir am anderen Tag nach Hause fahren. Wozu da noch Vorräte horten? Wurst hatten wir gar nicht mehr im Angebot, beim Käse sah es noch etwas üppiger aus. Und da ich all das Elend da draußen nicht mehr länger mit ansehen konnte, gab es als kleines Abschiedsessen noch eine ordentliche Portion Käse für die Drillinge. Wenn wir Menschen uns schon ein Abschiedsessen gegönnt hatten, sollten die drei Vierbeiner, die unserem Urlaub doch auf ihre Art etwas Besonderes gegeben haben, auch ihr Abschiedsessen bekommen. Wir vermuteten übrigens, dass es sich bei den drei Katzen um Geschwister handelte, denn sie schienen sich ausgesprochen gut zu verstehen.

Als ich dieses Mal ganz vorsichtig die Tür öffnete, liefen zwei der Katzen zum Ende der Terrasse und drückten sich dort in die am Rande stehenden Büsche. Das dritte Kätzchen, eines der Getigerten, blieb in respektvoller Entfernung sitzen und beobachtete, wie ich drei kleine Käsehäufchen auf die Terrasse schichtete. Als ich mich genauso langsam und vorsichtig, wie ich gekommen war, wieder entfernte, tauchten auch die beiden anderen Kätzchen wieder auf. Der Käse schien ihnen zu schmecken.

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Ich musste sogar noch einmal Nachschlag reichen. An diesem Abend hatten wir noch lange drei pelzige Gäste auf der Terrasse zu Besuch. Wir hatten den Eindruck, sie waren endlich einmal satt und zufrieden.
Es tat mir fast ein wenig leid, dass wir wieder nach Hause mussten. Aber vielleicht würden ja auch unsere Nachfolger im Ferienhaus ein Herz für Katzen haben und ihnen ab und zu ein kleines Zubrot reichen.

… von der Rhön im September wurde von herrlichem Wetter begleitet und sie führte uns noch einmal in Richtung Thüringen. Da ich bei meinem Alleingang am Tag zuvor einen angenehm kurzen Weg von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg herausgefunden hatte, fanden wir die Idee nicht schlecht, einmal ein Stückchen über unser Lieblingsziel in Thüringen, das „Thüringer Rhönhaus“, hinauszuwandern und bis zum „Eisenacher Haus“ zu laufen. Was wir vorn an Weg eingespart hatten, konnten wir doch nun einfach einmal hinten anhängen und etwas weiter laufen.

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Das „Eisenacher Haus“

Das „Eisenacher Haus“ wurde 1928 vom Rhönklub erbaut. Es steht auf dem Ellenbogen, einem 813 m ü. NHN hohen Berg in der thüringischen Rhön und es blickt auf eine recht wechselvolle Geschichte zurück.
In den frühen DDR-Jahren wurde es als FDGB-Ferienheim genutzt, später diente es der STASI als Teil einer Abhöranlage, die in der Nähe des „Eisenacher Hauses“ entstand. Das Haus selbst beherbergte die technische Einrichtung dieser Anlage. Zu dieser Zeit, etwa Mitte der 1960er Jahre, entstand auch ein Anbau am Haus, das Gelände wurde eingezäunt und zum Sperrgebiet erklärt. Dieser Horchposten war quasi als Gegengewicht zu der ähnlichen Anlage auf westdeutscher Seite, zu der Anlage auf der Wasserkuppe, gedacht. Im Volksmund wurde dieses Sperrgebiet übrigens „Klein Sibirien“ genannt.
Heute ist das „Eisenacher Haus“ wieder Hotel und Gasthaus. Es wird für Tagungen und als Wanderhotel genutzt. Mit seinem schönen Biergarten bietet es sich aber auch für Tagestouristen als lohnenswertes Ziel an. Und dass man dort ausgezeichnet speisen kann, haben wir Silberdistels an unserem letzten Urlaubstag selbst in Erfahrung bringen können. Wer mehr über das „Eisenacher Haus“ wissen möchte, kann sich gern bei Wikipedia noch etwas genauer informieren. Ich habe mich nämlich genau dort auch gebildet und einiges davon in Kurzfassung hier wiedergegeben.

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Vor einigen Jahren hatten wir uns in einem Urlaub schon einmal zum „Eisenacher Haus“ aufgemacht, waren aber kurz vorm Ziel wieder umgekehrt, da dort gerade ein großes Happening mit Blasmusik und einem enormen Menschenauflauf stattfand. Wir hatten damals eigentlich Ruhe gesucht und hätten sie zu dem Zeitpunkt dort so gar nicht gefunden.

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Der zweite Versuch jetzt endete wesentlich angenehmer. Der Biergarten bot eine entspannte und gemütliche Atmosphäre. Für uns gab es ein richtig schönes Abschiedsessen von der Rhön, denn am folgenden Tag würde es wieder in Richtung Heimat gehen. Mein Herr Silberdistel gönnte sich Pfifferlinge, dazu ein Schnitzel mit Serviettenknödeln und ich machte mich über ein richtig leckeres Würzfleisch mit Toast her. Dazu gab es einen äußerst schmackhaften Salat. Als Dessert leisteten wir uns schließlich noch gebackene Waffeln mit Erdbeeren, Eis und Sahne plus Kaffee bzw. Cappuccino. Satt war danach kein Ausdruck mehr.

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So kam uns auf dem Rückweg die eine oder andere Pause sehr gelegen, denn mit vollem Bauch ist man weniger beweglich und meistens auch ein bisschen fauler. Mikes Weitblickbank, wir waren derweil bereits wieder auf dem Buchschirmberg, lud uns  freundlich ein, einen Moment Platz zu nehmen. Der wirklich außerordentlich schöne Weitblick von dort aus ließ uns wieder Kraft tanken für das nächste Wegstück, das nicht sehr weit von Mikes Bank erneut endete. Wir hatten nämlich noch ein weiteres Bank-Rendezvous.

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Unsere „Deutsche Bank“

Dort, wo der Wanderweg vom Buchschirmberg wieder hinab zum „Thomas-Morus-Haus“, dem katholischen Jugendheim, führt, steht etwas abseits vom Weg unsere Lieblingsbank, die Bank, die wir vor einigen Jahren einmal auf den Namen „Deutsche Bank“ tauften, unsere „Deutsche Bank“. Es gehörte natürlich zu diesem Abschiedstag von der Rhön dazu, dass wir auch noch Abschied von unserer Bank nahmen. Und leider tröpfelte genau dort ein kleiner Wermutstropfen in meinen Tag hinein.

Während wir Silberdistels so auf der Bank saßen und in die Ferne blickten, kam uns die Idee, zur Erinnerung an diesen schönen diesjährigen Abschiedstag von der Rhön noch ein Selfie bzw. ein Selfie der eher alten Art, ein Selbstauslöserfoto mit meiner Kamera, zu schießen. Wir setzten uns also auf unserer geliebten „Deutschen Bank“ in Positur.

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Leider übersah ich in meinem Eifer den Stacheldraht, der den Koppelpfahl (Bildmitte) „schmückte“

Dann eilte ich zum gegenüber stehenden Koppelpfahl und hängte, weil draufstellen wegen der geringen Grundfläche des Pfahls nicht ging, die Kamera an den Pfahl. Leider kollidierte dabei mein Kameradisplay mit einem Stück Stacheldrahtzaun und zerkratzte das Display am oberen Rand. Ärgerlich, aber doch nicht mehr zu ändern. Den ansonsten so herrlichen Tag habe ich mir damit allerdings trotzdem nicht verderben lassen. Ich hab’s mit Fassung getragen und sehe diesen „Unfall“ ganz einfach als bleibende Erinnerung an einen Tag an, der einem wunderschönen spätsommerlichen Urlaub seinen Abschluss gab. Außerdem ist unser Selfie recht nett geworden – also erst recht kein Grund, sich lange über die eigene Dummheit zu ärgern.

… ist er oft, der Weg zur Erkenntnis. Unser Urlaub dieses Jahr in der Rhön hat mir das wieder einmal bewiesen.

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Ich stand während dieser einen Woche Feriengenusses, die wir gewissermaßen mitten im Wald verbringen durften, öfter einmal an diesem Fenster und schaute hinaus. Was es da zu sehen gab? Nun ja, eigentlich irgendwie nichts oder besser – viel wohltuendes Grün für die Augen. Aber sonst eben nichts weiter – so auf den ersten Blick. Andererseits alles kein Wunder, befanden wir uns doch am Ende der Welt, also, naja, am Ende der Welt einer kleinen Ferienhaussiedlung, am Ende eines schmalen, mehr schlecht als recht, geschotterten Waldweges, der in einer Art Sackgasse mündete, wenn man denn einen Waldweg überhaupt so bezeichnen kann.  Jedenfalls endete der Holperweg vor einem Geräteschuppen, der wohl zu unserem Ferienhaus zu gehören schien. Von dort aus ging also nichts mehr vorwärts, von dort aus konnte man den Weg nur wieder zurück holpern. So es dunkel war, konnte das mit dem Zurück für Ungeübte oder zur Orientierungslosigkeit Neigende schon ziemlich schwierig werden. Aber auch das Hin war nichts für schwache Nerven. Wir wären einige Male fast in der Unendlichkeit der Rhönwälder verschollen, zumal hier eine ganz andere Dunkelheit herrschte als daheim. Dunkel ist eben doch nicht gleich dunkel und unsere nörgelnde Nora, das Navi in unserem Auto, war da irgendwie auch keine Hilfe. Wenn die Dunkelheit hereinbrach, sah man, wie man so schön sagt, des Nachts die Hand vor Augen nicht mehr, es sei denn Mond und Sterne sorgten für eine gewisse Helligkeit. Übrigens ist diese Gegend wie gemacht für Sternengucker. Die Rhön wirbt sogar in dieser Richtung mit ihrer besonderen Finsternis. Zum Glück bekamen wir selbst abends  und trotz dieser enormen Finsternis jedes Mal gerade noch rechtzeitig die entscheidende Kurve zu fassen und fanden unser Ferienhaus wieder.
Uups, da bin ich doch jetzt irgendwie von der Mücke zum Elefanten gekommen. Also, wo war ich? Ach ja, bei der Mücke, also dem vielen Grün, das da vor dem Fenster waberte.

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Irgendwann während des Urlaubs, als mein Blick wieder einmal zum Fenster und darüber hinaus wanderte, entdeckte ich in all dem Grün ein seltsames Stückchen Zivilisation schräg gegenüber des Fensters – eine Art Schranke. Im Wilden Westen hätte der Cowboy dieses Teil sicher als Einladung zum Parken seines Pferdes verstanden. Ob es hier Cowboys gab – hier im tiefen Rhönwald – mit Pferden gar? Wozu mochte dieses Teil gut sein, wenn nicht dafür, um sein Pferd anzubinden?
Doch dann wanderten meine Gedanken wieder zum Frühstückstisch und das hölzerne Gebilde verschwand nicht nur aus meinen Augen, es verschwand auch wieder aus meinem Sinn – bis mich Herr Silberdistel am letzten Samstag unseres Urlaubs wegen einer Tagung, an der er seine Teilnahme zugesagt hatte, allein ließ. Auch nicht weiter schlimm, so dachte ich, und bald schwebte mir für diesen Tag eine kleine Naturkundesolowanderung vor. Das Wetter sah prächtig aus – wie einem Bilderbuch entsprungen. Sollte ich noch einmal hinauf zum Buchschirmberg wandern?

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Panorama vom Buchschirmberg aus aufgenommen

Ein verlockender Gedanke, hatte ich doch noch immer diesen herrlichen Ausblick dort oben von unserer letzten Wanderung vor Augen.
So schnürte ich nach einem gemütlich im Liegestuhl verbrachten Lesevormittag gegen Mittag mein Ränzlein, packte sicherheitshalber noch eine Wanderkarte der unmittelbaren Umgebung mit ein, schließlich wollte ich nicht doch noch wegen Orientierungslosigkeit in den Tiefen der Rhönwälder spurlos verschwinden, und stiefelte los – bergab zunächst. Aber nur kurz. Auf Höhe der hölzernen Sperre stoppte ich abrupt meine Schritte. Wieder fielen mir die Cowboys und die Pferde ein. Ich schaute den Hang hinauf. Ob es dort oben noch irgendwie weiterging? So richtig Vertrauen erweckend sah das Dickicht nicht aus. Obwohl, wenn man wollte, konnte man den Hauch eines schmalen Trampelpfades erkennen. Man musste allerdings schon sehr wollen. War dieser scheinbare Pfad vielleicht ein Wildwechsel? Oder handelte es sich hier doch um einen alten Weg. Sollte eventuell nur verhindert werden, dass aus unserer scheinbaren Sackgasse eine Durchfahrtsstraße wurde? Sollte dieses schrankenähnliche Gebilde nur einfach eine Wegsperre sein? Jetzt hielt mich nichts mehr, das wollte erkundet werden.

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Irgendwann lichtet sich der grüne Vorhang vor mir

Und siehe da, nach etlichen Metern hangaufwärts lichtete sich das grüne Dickicht und aus dem schmalen Grat, der mich dort hinaufgeführt hatte, wurde Erkenntnis. Dafür musste ich zunächst aber noch unter einem weiteren schrankenähnlichen Konstrukt hindurchtauchen, danach weitete sich mein „Wildwechsel“ zu einem deutlich sichtbaren Pfad, verwandelte sich weiter zu einem gut gangbaren Weg und wurde schließlich zu so etwas wie einer schmalen Schotterstraße, an deren linker Seite sich nun auch wieder Ferienhäuser reihten.

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Aus dem Garten eines Ferienhauses beobachtet mich diese Eule

Wer hätte gedacht, dass sich hier oben eine weitere Ferienhaussiedlung anschloss. Wunderhübsch sahen einige der Häuser aus – mit vielen liebevoll gestalteten Details verziert. Eine hölzerne Eule hatte es mir ganz besonders angetan. Wie gut würde sie auch in meinen Garten passen.

Am Ende der Schotterstraße stieß ich schließlich auf eine weitere, eine asphaltierte, Straße und da ging mir dann endgültig ein Lichtlein auf. Ich wusste plötzlich sehr genau, wo ich mich befand und ich wusste nun auch, dass ich eine Abkürzung von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg gefunden hatte. Ein paar Tage zuvor, als wir zum Thüringer Rhönhaus über den Buchschirmberg unterwegs waren, hatten wir also einen riesigen Umweg gemacht, weil wir es einfach nicht besser wussten. Wir hätten uns etliche Schweißperlen ersparen können, wenn wir bereits zu dem Zeitpunkt von diesem kurzen Weg Kenntnis gehabt hätten. Ich stand jetzt weit oberhalb der Stelle, an der wir bei unserer ersten Wanderung hoch zum Buchschirm auf diese Straße getroffen waren. Sie führt hinauf bis zum „Thomas-Morus-Haus“, einem katholischen Jugendheim, das seit 1980 als Jugendbildungsstätte existiert. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zum Gipfel des Buchschirmberges.

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Das „Thomas-Morus-Haus“ am Buchschirmberg – ein katholisches Jugendheim

Auch wenn ich mir durch die Abkürzung ein ganzes Stück besonders schweren Anstiegs erspart hatte, wurde mir dennoch warm, denn einige Höhenmeter gab es trotzdem noch bis zum Jugendheim und weiter bis hinauf auf den höchsten Punkt des Berges zu bewältigen.

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Neugierig halte ich nach dem freilaufenden Bullen Ausschau

Kurz hinter dem „Thomas-Morus-Haus“ sollte ein freilaufender Bulle unterwegs sein. Was einem in der Rhön doch so alles über den Weg laufen kann? Aber so sehr ich auch Ausschau hielt, weit und breit kein Bulle zu sehen.

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In der Nähe des „Thomas-Morus-Hauses“ kann ich einen gefiederten Jäger beobachten

Doch bei meiner Bullensuchaktion stach mir etwas anderes ins Auge, vor dem vielleicht nicht gerade ich, aber doch so manche Maus Respekt haben sollte. Wobei, wenn ich den wilden Jäger jetzt so anschaue, dann scheint es mir fast so, als hätte er mich doch ganz schön fest im Visier gehabt. Nun, vielleicht sollte ich froh sein, dass ich ungeschoren davongekommen bin. Mitunter ahnt man gar nicht, in welcher Gefahr man schwebt.

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Irgendwann erhob sich der gefiederte Jäger und verschwand hinter einer Baumreihe, für mich also das Zeichen zum Weiterwandern. Am Wegesrand entdeckte ich nicht nur trockene Schönheiten, auch ein Baumgeist war dabei, mit roten Beeren geschmückte Büsche säumten meinen Weg und sogar Schmetterlinge waren an diesem Tag noch auf Nahrungssuche unterwegs.

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Und dann tauchte die Aussichtsplattform vom Buchschirmberg vor mir auf. Dieses Mal wollte ich hinauf und noch einmal den Blick in die Weite der Rhön genießen, ihn einfangen mit dem Augen, mit allen Sinnen und natürlich auch mit der Kamera.

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Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort oben zugebracht habe. Der Blick ist so bezaubernd und er begeistert mich immer wieder aufs Neue, dass ich mich jedes Mal nur schwer von ihm trennen kann. Jedes Mal ist er anders – je nach Jahreszeit und Lichteinfall. Ich könnte mich fast in all dieser Schönheit verlieren.

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Aber dann wird es doch Zeit für den Rückweg. Da ruft jemand ganz laut in meinem Innern nach einem Kaffee, einem kleinen Imbiss und irgendwie auch nach ein bisschen Ruhe im Liegestuhl auf der Terrasse unseres Ferienhauses. So geht es dann wieder bergab. Auch jetzt entdecke ich noch viel Interessantes – wie z.B. die Wohnung der Fledermäuse Tonia und Valentin oder einen Baumgeist mit gleich drei Gesichtern.

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Doch bevor ich mich, wieder zurück am Ferienhaus, dem Kaffee und dem Liegestuhl widme, muss ich noch einen kleinen Rundgang machen und einsammeln, was an der Terrasse noch alles blüht. Hübsch, was hier angepflanzt ist und die Sinne erfreut. Erstaunlich auch, wie viele Insekten an diesem späten Nachmittag noch unterwegs sind. Es summt und brummt wie im Hochsommer und lässt mich an meinen eigenen Garten zuhause denken. Ob da gerade auch auf den Blumen so viel Betrieb ist?

Nach unserem Besuch des Kreuzberges in der bayerischen Rhön, ich berichtete im Beitrag zuvor darüber, sahen wir Silberdistels noch einem ruhigen und gemütlichen Nachmittag entgegen – versüßt mit etwas Kuchen, den wir uns bei einem kurzen Zwischenstopp schnell noch beim örtlichen Bäcker geholt hatten. Herr Silberdistel baute, kaum, dass wir wieder  am Ferienhaus waren, die Liegestühle auf, ich eilte in die Küche und kümmerte mich derweil um den Kaffee. Die Sonne schien immer noch herrlich und Kuchen und Kaffee waren das kleine i-Tüpfelchen und die Abrundung für einen schönen und gelungenen Tag. Wie angenehm entspannend und erholsam doch ein paar warme Sonnenstrahlen, etwas Gutes für den Magen und etwas Ruhe sein können.

Ruhe? Ja, genau! Rein theoretisch sollte es in unserem kleinen Waldferienhaus auch fantastisch ruhig sein. Weit und breit kein Autoverkehr und auch sonst keinerlei Zivilisationslärm. Wo sollte, fernab der Straße, hier mitten im Wald auch Lärm herkommen? So zumindest hatten wir gedacht.

Doch irgendwie hatte da jemand nicht mit meinem sensiblen Gehör gerechnet. Ich war gerade ein wenig eingeschlummert, als etwas über uns zu rumpeln und pumpeln begann und mich aus meiner nachmittäglichen Ruhe riss. Gut, es war nicht schallend laut, aber doch deutlich hörbar, so hörbar, dass mich interessierte, was das war. Lärmte ganz in der Nähe ein Vogel? Pochte da eine Amsel Morsesignale aufs Dach? Oder machte sich gar ein Specht an unserem Dach zu schaffen? Ein Buntspecht vielleicht? Je wacher ich wurde, um so mehr regte sich auch die Neugierde in mir. Und da das Klopfen, Pochen und Rumpeln kein Ende nahm, hielt es mich dann doch nicht länger auf meinem Liegestuhl. Ich musste wissen, wer der Verursacher dieser Geräusche war.

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Was mochte da nur auf dem Dach sein?

Wie dumm nur, ich konnte nicht aufs Dach schauen. Ob ein Hüpfer helfen würde? Versuch macht kluch! So sprang ich wie ein Stehaufmännchen vor dem Haus auf und nieder, konnte aber immer noch keinen Blick aufs Dach des Ferienhauses werfen. In der Regel war ich bisher immer mit meiner Größe zufrieden gewesen. Dieses Mal hätten ein paar Zentimeter mehr vielleicht hilfreich sein können. Aber wer nicht gerade als Riese durch die Welt geht, der ist auch erfinderisch. Man muss sich halt nur zu helfen wissen. Nein, nein, mein Herr Silberdistel durfte weiterschlummern, er musste weder eine Räuberleiter machen, noch mich irgendwie anders aufs Dach heben. Ich hatte eine andere Idee, ich holte mir ganz einfach einen Stuhl aus dem Ferienhaus, stellte ihn in angemessener Entfernung vors Haus und kletterte drauf – also auf den Stuhl, nicht aufs Haus. Und jawohl, in angemessener Entfernung! Wer weiß, wer mich da sonst vielleicht angesprungen hätte, wenn ich nahe der Dachkante gestanden und den Lärmpegel dort oben mit meinem plötzlichen Auftauchen erschreckt hätte.
Aber ich hätte ruhig ganz dicht an der Dachkante stehen können, da war nichts, aber auch gar nichts auf dem Dach. Obwohl ich nichts sah, pochte und rumpelte es immer fort. Und es kam irgendwie vom Dach. Da biss die Maus nun wirklich keinen Faden ab. Hm, also wieder dichter ans Haus. Ich lauschte nun ganz aufmerksam, um das Geräusch genauer zu orten.

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Uups, was rieselt mir denn da von oben ins Auge?

War da vielleicht etwas in der Zwischendecke? Jetzt pochte es direkt über mir und fast wäre mir beim Hochschauen zur Dachunterkante feiner Staub ins Auge gerieselt.

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Was machen dort oben Grashalme und Blätterreste?

Bei genauerer  Betrachtung sah ich nun an der Unterkante des Daches eine kleine Ritze, aus der Reste von Laub und Gräsern heraushingen. Und genau von dort kamen auch diese rumpelnden Geräusche. Wer mochte dort oben wohnen? Das musste ich doch gleich etwas genauer beobachten. Nichts wie rein ins Ferienhaus und die Kamera geholt! Ich platzierte meinen Liegestuhl nun schräg unter der Stelle mit dem schmalen Spalt zwischen den Brettern vom Vordach des Hauses.

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In dem Spalt war deutlich eine Bewegung auszumachen

Dann hob ich die Kamera und schaute durch den Sucher. Mein Objektiv brachte mir den kleinen Spalt wie ein Fernglas noch ein ganzes Ende näher. Und genau in dem Moment, als ich durch den Sucher blickte, bemerkte ich in der Ritze dort oben eine Bewegung.

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Wenig später waren helle Krallen zu sehen, …

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Eindeutig – dort oben wohnt jemand – ein grauweißer Pelz ist zu sehen

… dann helles weißliches bis graues Fell …

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Plötzlich ist ein grauer wuschelig behaarter Schwanz zu sehen

… und Bruchteile von Sekunden später rutschte ein wuscheliger grauer Schwanz nach unten durch den schmalen Schlitz. Boah, begeistert starrte ich nach oben und versuchte, meinen Herrn Silberdistel darauf aufmerksam zu machen. Doch so schnell, wie das Schwänzchen erschienen war, war es auch wieder verschwunden. Irgendwann im Leben habe ich genau so ein Schwänzchen schon einmal gesehen. Wir waren damals wandernd in der Pfalz unterwegs und entdeckten bei einem unserer Ausflüge einen toten Siebenschläfer am Wegesrand im Wald.

Wahrscheinlich wohnt genau so ein Siebenschläfer in dem Ferienhaus in der Rhön als Untermieter. Herr Silberdistel bestätigte später, als er die Fotos am PC sah, meine Annahme. Mehr als die Krallen, ein wenig eines grau-weißen Pelzes und dieses wuschelige Schwänzchen gab es allerdings nicht zu sehen – weder an diesem Tag noch an den folgenden Tagen.
Der Siebenschläfer ist eigentlich ein nachtaktiver Geselle. Daher war es schon erstaunlich, dass wir überhaupt etwas von ihm zu Gesicht bekamen. Des Nachts haben wir allerdings kaum einmal etwas von ihm gehört. Sicher war er da mehr außerhäusig unterwegs.

Ein Siebenschläfer kann bis etwa 19 cm lang werden. Sein Fell ist graubraun bis silbrig gefärbt. An der Unterseite ist es weiß, der buschig behaarte Schwanz kann bis zu 15 cm lang sein. Das Tierchen wiegt je nach Jahreszeit zwischen 200 und 700 g. Der Siebschläfer ist ein guter und geschickter Kletterer. So sucht er seine Nahrung durchaus auch hoch in den Bäumen, wo er Knospen, Früchte und mehr frisst. Er nimmt aber gern auch tierische Nahrung zu sich und bedient sich nicht nur an Insekten, sondern ebenso an Vogeleiern oder Jungvögeln. Den Winter über verbringt der kleine Kerl schlafend und wie sein Name es eigentlich schon sagt, schläft er unter Umständen von September/Oktober bis zum Siebenschläfertag im Juni (27. Juni) durch.

Ist es nicht interessant, was man im Urlaub so alles erleben kann, wenn man nur ein wenig aufmerksam oder zumindest ein bisschen neugierig ist? Na, und der Zufall hatte wohl auch irgendwie die Hand im Spiel.
Ich habe nach diesem Erlebnis immer wieder den Spalt zwischen den Brettern am Dach beobachtet, gehört habe ich unseren Untermieter noch öfter. Er aber hat es leider von da ab immer nur bei diesen kleinen Klopfsignalen belassen. Sicher war er der Meinung, sich ohnehin bereits genug geoutet zu haben.

In einem der Kommentare zu meinen früheren Wanderurlaubsbeiträgen von diesem Jahr hatte Charis sich erkundigt, ob wir Silberdistels auch auf dem Kreuzberg waren. Natürlich waren wir auf dem Kreuzberg. Dieser Berg mit dem gleichnamigen Kloster gehört unbedingt immer und immer wieder in unseren Rhönurlaub. Einerseits, weil es meinen männlichen Begleiter schon allein wegen des berühmten Kreuzberg-Bieres hoch auf den Berg zieht und andererseits, weil im Biergarten des Klosters alljährlich ein fast schon traditionsreiches Treffen mit einem guten Bekannten meines Herrn Silberdistel stattfindet. Wir haben dort schon so manche schöne Stunde mit interessanten Gesprächen bei dem überaus leckeren Kreuzbergbier und einem schmackhaften Gericht aus der Klosterküche verbracht.

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Bei dem herrlichen Spätsommerwetter ist im Biergarten des Kloster Kreuzberg viel Betrieb

Auch dieses Mal fanden wir zusammen mit unserer Bekanntschaft im Biergarten wieder einen schönen Sonnenplatz. Für den vollendeten Genuss fehlten nur noch ein kühles Kreuzbergbier und für uns Silberdistels die geliebte Käseplatte.

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Zwei der Flaschen im Vordergrund werden wir gut befüllt mit echtem Kreuzbergbier mit nach Hause nehmen

Gewandert sind wir ausnahmsweise einmal nicht. Wir hatten nämlich vor, uns einige Liter des leckeren Bieres aus der Klosterbrauerei abfüllen zu lassen, um sie als kleine Urlaubserinnerung mit nach Hause zu nehmen. Die überdimensionalen Bierflaschen mochten wir nicht so gern stundenlang im Wanderrucksack mit uns herumtragen. Man muss sich das Leben ja nicht unnötig schwer machen, obwohl es wahrscheinlich für die Figur weitaus besser gewesen wäre, wenn wir das Bier nicht im Auto, sondern im Wandergepäck den Berg hinunter getragen hätten.

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Ein solches „Fläschchen“ hat schon ein nettes Gewicht

So hätten wir einen Teil der Kalorien, die wir später mit dem Bier zu uns nehmen würden, schon im Voraus ein wenig abgearbeitet. Ja, wenn doch nur nicht immer dieses Wörtchen „hätten“ wäre … Aber wer denkt im Urlaub schon über irgendwelche ‚Wenns‘ und ‚Aber‘ oder gar über Kalorien nach? Schließlich ist Urlaub und wenigstens da will man endlich einmal Ruhe vor ihnen haben. Am besten ignoriert man sie einfach und das taten wir.

Während die beiden Herren nach dem Essen weiter begeistert dem Bier zusprachen und dabei spannende Männerprobleme wälzten, besuchten wir beiden Mädels als kleinen Verdauungsspaziergang die Minishoppingmeile am Kloster, wo man all das kaufen kann, was man schon immer haben wollte und nie brauchte. Nun ja, auch an uns ging dieser Kelch nicht vorüber, d.h., dieser Punkt betraf wohl doch mehr nur mich. Meine Begleiterin fand eher etwas, von dem sie wohl bald Gebrauch machen würde – ein himmlisch gut duftendes Stückchen Lavendelseife. Ich musste mich mühsam beherrschen, türmte sich doch zuhause in meinem Schrank ein ganzes Lavendelseifenlager.

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Zuwachs für meine kleine Sammlung

Dafür wanderte eine kleine Figur in meine Tasche – Zuwachs für meine Sammlung von Heiligenfiguren. Und das gehört wohl schon eher in diese Kategorie: „Was Sie schon immer haben wollten …“ Aber was man schon immer haben wollte, braucht man doch auch irgendwie, oder? Und wenn es nur dazu da ist, einem ein Gefühl der Zufriedenheit zu verschaffen und genau das tat sie – die Maria.

Meine Kamera hatten bei dem diesjährigen Kreuzbergausflug ausnahmsweise einmal fast gar nichts zu tun – getreu nach dem Motto: „Wer nicht wandert, der entdeckt auch nichts“.

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Einer der berühmten Bernhardiner vom Kreuzberg

Obwohl … so ganz stimmt das nun auch wieder nicht, denn dem einsamen Bernhardiner vom Kreuzberg habe ich natürlich einen Besuch abgestattet. Wieder, wie auch schon im vergangenen Jahr, lag nur einer der Hunde im Zwinger. Mich hat es natürlich brennend interessiert, was aus dem zweiten Bernhardiner geworden ist und so habe ich ein bisschen recherchiert. In einem Artikel habe ich nun gefunden, dass es wohl nur noch die Hündin Rana (Rana von Wingert) gibt. Das war schon irgendwie eine Überraschung für mich. Endete damit die Bernhardinerzucht auf dem Kreuzberg erneut? Man hatte doch nach einer längeren Pause hoffnungsvoll mit Rana und Hugo wieder mit der Zucht begonnen und 2012 hatte es auch Nachwuchs gegeben. Schade irgendwie. Was mag mit Hugo passiert sein? Leider konnte ich da nichts in Erfahrung bringen.

Bei der Hündin Rana war es recht ruhig. Sie lag schlummernd in ihrem Zwinger und wer weiß, vielleicht träumte sie von ihrem Hugo.

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Ein Grünes Heupferd flaniert durch den Biergarten

Im Biergarten dagegen ging es recht lebhaft zu. Nein, ich meine nicht die Kreuzbergbierliebhaber, die von Bierchen zu Bierchen lauter wurden. Es gab da noch andere Biergartenbesucher, einen, der ganz grün war …, also nicht nur hinter den Ohren, auch sonst war er ganz grün – ein Grünes Heupferd. Ob es sich auch unter den Heupferden herumgesprochen hat, dass das dunkle Bier dort bei den Mönchen auf dem Kreuzberg ganz besonders lecker ist? Vielleicht hätten wir ihm einen Fingerhut voll Bier hinstellen sollen. Dass man an die wichtigsten Sachen auch immer erst zu spät denkt.

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Dieser Buchfink war weniger am Bier, dafür mehr an den heruntergefallenen Brot- und sonstigen Krümeln aus dem Biergarten des Klosters interessiert

Aber den beiden Buchfinken konnten wir helfen. Die schienen eher nicht an dem dunklen Gebräu interessiert zu sein, sie hatten es auf die bunte Krümelsammlung auf der Erde abgesehen, zu der wir noch ein wenig dazu taten, auch wenn es davon bereits reichlich gab.

Inzwischen war aus dem Vormittag Mittag und aus Mittag Nachmittag geworden. Der Gesprächsstoff war uns zwar immer noch nicht ausgegangen, aber unsere beiden Besucher hatten noch einen weiten Heimweg vor sich. Es war an der Zeit, dem Kreuzberg wieder einmal für ein Jahr den Rücken zu kehren. Vielleicht werden wir uns ja auch im kommenden Jahr wieder hier treffen. So verabschiedeten wir uns voneinander und wir Silberdistels, wir freuten uns auf den Liegestuhl und die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Terrasse unseres Ferienhauses. Mein Herr Silberdistel hatte es bereits ab dem Moment, als er im Auto saß, gut.

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Gleich würden wir ihn wieder genießen können – den herrlichen Wasserkuppenblick

Er „durfte“ nämlich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und konnte sich schon mal ganz entspannt zurücklehnen und sich gedanklich auf den Liegestuhl und den herrlichen Wasserkuppenblick einstimmen, während ich uns zurück in unser idyllisch liegendes Ferienhaus fuhr.