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„Los, Silberdistel, hol‘ sie her!“
„Was? Schuhe? Wessen Schuhe, Torty?“

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„Na, Deine Schuhe, Silberdistel! Ich muss gucken, ob was drin steckt. Heute ist doch Nikolaustag.“

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„Nikolaustag, aha, Torty. Aber denkst Du, der Nikolaus bringt auch etwas für Katzen? Ihr Katzen habt doch gewöhnlich keine Schuhe, in die er Euch etwas stecken könnte.“

„Darum will ich ja in Deine Schuhe gucken, Silberdistel. Vielleicht, vielleicht hat der Nikolaus, gerade weil wir keine Schuhe haben, einfach etwas für uns mit in Deine Schuhe gesteckt.“

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„Na, wenn Du meinst, Torty … Und? Hast Du was gefunden?“

„Ma a a a aauuu …“

„Wie? Ich hab‘ kein Wort verstanden, Torty.“

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„Da steckt was drin, Silberdistel, genau wie ich dachte. Warte, gleich hab ich’s.“

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„Hmmmm, Silberdistel, lecker  … meine Lieblingssorte.“

„DEINE Lieblingssorte? Aber, aber Torty, vielleicht war das ja eher was für mich. Außerdem, Torty, das ist mein Schuh und dann gehört mir auch, was drin steckt.“

„Nee, Silberdistel, so was magst Du nicht. Oder doch? Na, ich guck mal, ob noch mehr drin ist. Dann geb‘ ich Dir eins ab. Ich weiß, Du bist auch eine Käsematze und gibst mir manchmal was ab von Deinen Leckerlis.“

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„Boahhh, ich komm‘ nicht an, Silberdistel.“

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„Warte, warte … Silberdistel, gleich, gleich hab‘ ich’s!“

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„Da, Silberdistel, für Dich.“

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„Mampf, mmmm, mmmmm …“

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„Hmmmm, meine Lieblingssorte!“

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„Die Mädels sammeln die Leckerlis aus den Schuhen der Silberdistel. So was Dummes, wo doch der Nikolausbär sein ganzes Rucksäckchen voll mit unseren Lieblingsleckerlis hat. Wir haben sie ganz einfach aus dem Beutelchen geschüttelt und brüderlich geteilt – der Nikolausbär und ich.“  😉

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Wir Silberdistels wünschen Euch allen einen schönen, gemütlichen und kalorienreichen Nikolausnachmittag – egal ob mit Käse-, Schoko- oder keksigen  Leckerlis 😉

 

Ssssssrr sssssrr sssssrr sssssrr sssssrr sssssrr … Was ist denn das für ein Geräusch? Bringt mir etwa ein Bienchen zu dieser späten Jahreszeit noch ein Ständchen? Im Sommer gab es kaum Insekten und nun, nun hat sich eins dieser pelzigen Brummer häuslich in meinem Zimmer eingerichtet?
Langsam wende ich meinen Kopf vom PC-Bildschirm weg in Richtung des sirrenden Geräusches, das vom Fenster zu kommen scheint. Nein, irgendwie muss der Sänger etwas unterhalb des Fensters sitzen. Da, er muss auf der Heizung …
Und schon klappt mir vor lauter Verblüffung der Unterkiefer herunter. Sprachlos blicke ich auf das singende Etwas, das jetzt, nachdem ich es entdeckt habe, noch lauter zu singen scheint. Das auf- und abschwingende Geräusch klingt nun in meinen Ohren auch etwas anders als das feine melodische Summen dieser lustigen pelzigen Insekten aus dem Garten. Dieses Summen hier mit dem leisen r-Kratzer am Ende gleicht mehr einem verzweifelten Hilferuf. Und Hilfe ist wohl in der Tat angesagt. Ganz schlapp und gebrochen hängt der Sänger mit der kratzigen Stimme gerade noch so mit dem  sprichwörtlichen seidenen Faden an seinem Platz. Krampfhaft klammert er sich fest, als wisse er, dass ohne ihn hier nichts, aber auch gar nichts mehr geht. Trotz tiefer Wunde will er weiter seiner Pflicht nachkommen.
Nur … ich befürchte, ihm ist nicht mehr zu helfen. Seine letzte Stunde dürfte gerade geschlagen haben – seine letzte Stunde als derjenige, der lange Jahre zuverlässig über gemütliche Wärme in meinem Zimmerchen wachte. Nun, nun werden wir ihn zur letzten Ruhe betten müssen. Seine Wunde ist zu tief, geht sie doch mitten durch sein Herz. Es schmerzt mich sehr, ihn so sehen zu müssen. Helfen können wir ihm wohl nur noch, wenn wir ihn von seiner Arbeit entbinden, ihn abschrauben von seinem zweiten Ich – vom Heizkörper, mit dem er so viele Jahre eng verbunden war.
Danke, Du Lieber, Du lieber Heizungsthermostat für die vielen Jahre, in denen Du mir immer und genau zur rechten Zeit Wärme und Wohlbefinden geschenkt hast. Mit Deiner Hilfe hatte mein Zimmerchen erst das besondere Etwas – unendliche Gemütlichkeit und ich warme Füße.

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Sieht der arme Kerl nicht echt jammervoll aus – wie er dort so schief, traurig und mit gebrochenem Herzen hängt? Was aber ist ihm nur zugestoßen? So ein Teil bricht doch nicht einfach aus heiterem Himmel ab – ohne fremdes Zutun.
Nachdem Herr Silberdistel den schwer Gebrochenen von seinem Leiden erlöst hatte, mussten wir einen Kollegen des verunglückten Heizungsthermostaten aus dem Ruhestand zurückrufen. Glücklicherweise war der Ruheständler willig, seinen Dienst am Heizkörper noch einmal aufzunehmen.

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Aber wie es so ist mit der etwas älteren Generation, sie steht mehr auf Handfestes und einfach zu Handhabendes. So ist also vorerst wieder meine Mitarbeit angesagt. Was eben noch die moderne Technik wie von allein auf wundersame Weise vollbrachte, muss z. T. nun wieder ich tun, um mein Zimmerchen warm und gemütlich zu halten. Ich muss dem alten Herrn Thermostaten zumindest sagen, wann er schalten und walten soll. Aber er meinte, das würde er hinkriegen. Ausgeruht wäre er ja durchaus. Und wieder einmal eine Aufgabe wäre gar nicht so übel.

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Tja, aber wem der jugendliche vollautomatische Wärmeregulierer diese klaffende Wunde zu verdanken hat, das würden wir Silberdistels nur zu gern wissen.
Einen Verdacht haben wir da schon. Ach, was sag ich? EINEN Verdacht? Es gibt sogar mehrere Verdachtsmomente – pelzige Verdachtsmomente.

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Als ich den ersten … ähem … Verdachtsmoment – die graue Eminenz – mit den nackten Tatsachen konfrontiere und frage,  ob sie nicht versehentlich …. auf den Thermostaten  getreten sein könnte, ernte ich einen empörten Blick. Sie? Mit ihrem Leichtgewicht? Da könne eher ich, die Silberdistel, darüber nachdenken, ob ich nicht auf dem Thermostaten Balanceübungen gemacht hätte, sprach’s und …

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… schaute konsterniert ob dieser haltlosen Verdächtigung zum Fenster hinaus. Für die Beantwortung weiterer Fragen stand die graue Lady nicht mehr zur Verfügung.

Nun ja, ich muss zugeben, sie ist wirklich ein Leichtgewicht. Und große Sprünge macht sie eh nicht mehr. Sie geht alles langsam und ruhig an. Und ihr Forscherdrang ist auch nicht mehr so groß wie einst, schließlich ist sie inzwischen so alt und weise, dass es fast nichts mehr gibt, was sie nicht weiß. Warum also sollte sie plötzlich wissen wollen, wie ein Heizungsthermostat funktioniert und nach seinem Innenleben schauen wollen? Ich glaube, wir können sie bedenkenlos von der  Verdächtigenliste streichen.

Dann wäre da noch ein weiterer Kunde, ein Kunde, der bereits so einiges auf dem berühmten Kerbholz hat. Ich denke da nur an Herrn Silberdistels PCli oder an unseren krallengestylten Fliegenvorhang im Wintergarten. Ich werde den Burschen mal befragen.

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„Hähhh, was, wie, wo? Heizung? Ich hab‘ keine Ahnung, wovon Du sprichst, Silberdistel. Ich hab‘ doch genug mit der Mäusejagd zu tun. Wie sollte ich da noch Zeit haben, um irgendwelche Heizungs …, Heizungs … was(?) zu untersuchen? Auf was für Ideen Du kommst, Silberdistel. So, nun mach endlich die Tür auf, ich hab‘ draußen einen Maustermin“, sprach’s und …

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… machte sich auf und davon in den Garten.

Hm, tja, da bleibt dann wohl nur noch ein Kandidat aus der Liste der Verdächtigen übrig. Besser gesagt: Eine Kandidatin – eine, die überaus klettergewandt und auch sehr klettertüchtig ist. Na, und ihr Forscherdrang grenzt fast schon an Besessenheit.

Ah, da ist sie ja, die Hauptverdächtige. Sie scheint gerade schwer beschäftigt zu sein. Na, mal schauen, ob wir trotzdem bei der Dame Gehör finden.

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„Hallo, Torty, hast Du ein paar Sekunden Zeit für mich? Ich muss Dich was fragen.“

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„Frag‘, aber beeil Dich, Silberdistel. Ich hab‘ zu tun.“

„Sag mal, Torty, weißt Du, wer den Thermostaten vom Heizkörper in meinem Zimmer zerbröselt hat?“

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„Den was, Silberdistel?“

„Das Teil, das an der Seite oben an der Heizung in meinem Zimmer hängt. Es reguliert normalerweise die Wärme vom Heizkörper. Aber damit ist es nun vorbei, weil es kaputt ist und schräg auf halb acht hing.“

„Ach dieses Dingens meinst Du. Aber, wer das war, Silberdistel, das fragst Du jetzt nicht im Ernst, oder? Du kannst nämlich froh sein, dass Du mich nicht mit zerschmettertem Hirn aufgefunden hast und Du nicht noch zusätzlich zu den Kosten für ein neues Heizungdingsda auch noch hohe Kosten bei meinem Arzt Deines, wohlgemerkt nicht meines, Vertrauens zu tragen hast. Du, Du allein, Silberdistel, bist die Schuldige an dem schiefen Thermosdings. Als ich wie immer von Deinem Schreibtisch aus auf meinen Fensterplatz steigen wollte, musste ich wieder einmal zunächst einen Müllberg bewältigen, bevor ich auf meinem Lieblingsplatz abruhen konnte.“

„Einen was? Einen Müllberg, Torty?“

„Na, was war dieses rutschige Gerümpel, das mich in die Tiefe rauschen ließ, denn sonst? Im letzten Moment konnte ich mich noch an diesem Heizungsdings festkrallen. Aber besonders hilfreich war es nicht. Mit einem lauten Knack hat es mich dann doch noch abgeworfen.“

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„Ach deshalb lagen meine Bücher und CDs dort unten vor statt auf dem Schreibtisch. Aber Gerümpel, Torty, ist was anderes. Ich dachte, Du als versierte Ornithologin könntest zwischen wertvollen Sachbüchern und Gerümpel sehr wohl unterscheiden.“

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„Guck hier, Silberdistel, auf diesen Fuß ist am Ende noch eins von Deinen wertvollen Sachbüchern gedonnert. Ich hab‘ unter Schmerzen gelitten und Du, Du jammerst, weil der Müll unten lag und das Heizungsdings zerbrochen ist.“

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„Okay, Torty, ich seh’s ein, ich bin an der ganzen Misere schuld. Aber Du musst ja ganz schön Schwung gehabt haben, als du den Thermostaten abgebrochen hast. Naja, und Dein momentanes Wintervorbereitungsgewicht ist ja auch gar nicht mal das einer fliegengewichtigen Katze. Da kam wohl eins zum anderen.“

„Unterstelle mir mal jetzt nicht Unsportlichkeit wegen zu hoher Körperfülle, Silberdistel. Du kannst gern ausprobieren, ob Du Deinen rutschigen Müllberg besser hättest bewältigen können. Du hättest bestimmt gleich die ganze Heizung abgebrochen.“

„Okay, okay, Torty, ich seh’s ein. Es war alles meine Schuld. Und Euren Zugang zum Fenster, den ich gerade schon wieder als Ablage benutzt habe, werde ich auch gleich beräumen. Kannst Du mir noch einmal verzeihen, dass ich Dir Bücher in den Weg gelegt habe?“

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„Ja, ja, schon verziehen, Silberdistel! Und so wie jetzt sieht der Fensterzugang schon besser aus. Das kleine Teil da darfst Du liegen lassen, das rutscht nicht. Das hab‘ ich schon öfter getestet. So und jetzt muss ich meine Verletzung noch ein wenig pflegen.“

„Ach, Du pflegst Deine Verletzung, Torty? Und ich dachte, Du machst Yoga.“

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„Auch, Silberdistel, auch. Ich verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen. Ich muss schließlich fit bleiben. Wie ich gemerkt habe, lauern überall Gefahren, auch dort, wo man sich sicher glaubt, in den eigenen vier Wänden.“

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Es wurde wieder einmal Zeit, unsere Schränke von Sommer auf Winter umzuräumen. Und da ich eh schon am Räumen war, nahm ich die Gelegenheit gleich wahr, um Schränke und Schubladen generell ein wenig auszumisten. Am Ende stand ein ganz ansehnlicher Sack mit Altkleidungsstücken & Co. vor mir.
Kaum hatte ich das gut gefüllte Teil bis zum Abtransport in die Ecke gestellt, war es auch schon besetzt – mit etwas Pelzigem.
Sollten die eben ausgesonderten Klamotten nun etwa doch in unserem Haushalt noch eine neue Bestimmung gefunden haben?

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Es schaut fast so aus. Prinz Keks im edlen Tigerlook hat endlich seinen ihm zustehenden Thron gefunden. Schließlich ist unser Keks so blaublütig wie der Müll-Thron, den er seit gestern besetzt hält. Okay, der Thron ist ohne Blüten, aber blau ist er schon.

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„Was? Müll-Thron? Silberdistel, da musst Du etwas verwechseln. Dieser Thron ist angenehm weich und von müllig weit entfernt. Er ist sowas von gemütlich. Die graue Eminenz und Torty werden vor Neid erblassen, wenn sie mich hier so königlich sitzen sehen. Und guck mal, wie schön er glänzt. Wenn das nicht königlich ist, dann weiß ich auch nicht.“

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„Was? Ich soll hier runter, weil Du meinen Thron wegbringen willst, Silberdistel?“

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„Nein, ich bleib hier sitzen. Da kannst Du Dich auf den Kopf und wieder auf die Füße stellen, Silberdistel. Ich geh hier nicht weg.“

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„So, und jetzt stör‘ mich nicht weiter, Silberdistel. Ich will meinen Thron genießen. Und denk nicht, Du kannst mich überlisten und mein neues Ruhemöbel heimlich wegschaffen. Der Thron bleibt hier! Und wenn Du mich schön bittest, darfst Du vielleicht später auch einmal ein kurzes Probesitzen drauf machen. Aber wirklich nur kurz.“

Habe ich das gestern richtig gelesen? Der Winter soll so wie fast sofort über uns hereinbrechen? Gut, den ersten Nachtfrost hatten wir vor einigen Tagen bereits. Doch in der Regel ist das für den Monat November nicht unbedingt ungewöhnlich.
Ich bin zwar mit der Winterfestmachung meines Gartens noch nicht ganz fertig, aber was soll’s, zur Not muss ich eben einfach fertig sein. Dann wird der Rest auf das Frühjahr warten müssen. Die wichtigsten Arbeiten sind allerdings getan.
Viel wichtiger ist, dass für die Federbälle gesorgt ist, wenn es draußen dauerhaft frostig und sogar schneebedeckt werden sollte.  Unser „Gasthaus zur Silberdistel“ hat bereits Ende Oktober seine Körner- und Knödelbar wieder geöffnet. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Gäste stellten sich ein, um das diesjährige Herbstangebot zu testen.
Unsere alte Körnerbar wurde durch eine neue, moderne, ersetzt. Die alte muss noch einige Reparaturen über sich ergehen lassen. Vielleicht kommt sie danach an anderer Stelle wieder zum Einsatz.

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Eine Blaumeise testet das Angebot unserer neuen Körnerbar

Auch die Knödelstation wird bereits wieder begeistert angeflogen. Eigentlich müssten diese Bälle Spatzenknödel heißen, denn genau die Spatzen sind die eigentlichen Knödelfans. Ich weiß nicht, wieso die Dinger Meisenknödel genannt werden. Bei uns sind es eher Spatzenknödel.

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Neben den Körnern und Knödeln hat unser silberdisteliges Gasthaus auch vitaminreiche Desserts im Angebot. Die Federbälle haben sich dort bereits fleißig bedient. Wenn sie so weitermachen, wird für den Winter zumindest von den hübschen roten Früchten nichts mehr übrig bleiben.

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Die Sitzplätze rund um die Futterstellen in Baum und Strauch sind an manchen Tagen schon wieder fast vollständig ausgebucht. Gerade, als ich die versammelte Großfamilie Sperling in meine Knipse sperren wollte, sauste sie wie der Wind davon. Nur ein einziger Haussperling war so freundlich, mir noch für einen kurzen Moment Modell zu sitzen.

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Haussperlingsmann

Doch dann, dann wurde auch er etwas unruhig. Wo schaut er denn so plötzlich hin? Oder will er mir nur seinen hübschen Rücken zeigen? Vielleicht ganz nach dem Motto: Ein hübscher Rücken kann auch entzücken?

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Aha, er hat noch einen anderen, allerdings sehr seltsamen, Vogel entdeckt. Nun weiß ich auch, warum die Großfamilie eben doch lieber die Flucht ergriffen hat. Sie war nicht fotoscheu, sie war vorsichtig, denn hoch oben im Rankgerüst flattert ein vierbeiniger bunter Vogel umher, mit dem sicher nicht zu spaßen ist, wenn man ihn zu nahe an sich heran lässt.

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Unsere pelzige Ornithologin ist hoch oben in unserem Garten unterwegs

Wenn ich Herr Sperling wäre, würde ich mich jetzt auch lieber aus dem Staube machen.  Man weiß nie, ob so ein pelziger Vogel nicht plötzlich doch losfliegt.

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„Oh, Silberdistel, Du auch hier?“

„Na Torty, auf Vogelpirsch?“

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„Och, nee, Silberdistel, ich mache nur Balanceübungen. Aber ich bin schon fertig damit.“

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„Ich … hm … wo geht’s denn hier nur wieder runter?“

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„Silberdistel, wo steigst Du immer runter, wenn Du mit Deinen Balanceübungen fertig bist?“

Wer mir eine Freude machen möchte, weiß in der Regel, dass das mit einem Buch ganz sicher gelingt. So bekam ich unlängst wieder einmal eins geschenkt. Dieses Mal handelte es sich um ein ganz besonderes Buch – um „Penguin Bloom“, ein Buch, das mich sehr berührt und beeindruckt hat. Nicht nur vom Text her, sondern auch von seinen herrlichen Bildern her hat mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefangengenommen.
Es erzählt die Geschichte, die wahre Geschichte, einer australischen Familie, einer Familie, die von einem unglaublich harten Schicksalsschlag getroffen wird, einem Schicksalsschlag, an dem sie fast zerbricht.

Doch als die Familie glaubt, an all dem Leid einfach nur noch ersticken zu können, bringt ein weiteres Leid, das Leid eines kleinen Vogels ihnen unverhofft ein wenig Licht in ihr dunkles Dasein.  Ein Vogeljunges fällt quasi vom Himmel und damit in ihr Leben.

Der kleine Federball wird durch Windböen aus seinem Nest hoch oben in einer Tanne geworfen. Trotz der enormen Höhe, in der sich sein Nest befindet, hat er bei seinem Sturz in die Tiefe noch Glück im Unglück. Er überlebt, wenn auch arg zerzaust und an einem Flügel verletzt, den starken Aufprall auf den Boden.

Ohne menschliche Hilfe wäre der Vogel wohl dennoch dem Tode geweiht gewesen. Einer der Söhne der Familie findet den verletzten Vogel und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Gemeinsam beschließt die Familie, sich um das Vogeljunge zu kümmern, bis es wieder gesund und in der Lage sein würde, sich selbst zu versorgen.
Die fünf Menschen kümmern sich von da an unwahrscheinlich liebe- und aufopferungsvoll um das kleine Vögelchen – eine Australische Elster (Australien megpie).
Im Deutschen wird diese Vogelart wegen ihres kunstvollen Gesangs auch Flötenvogel genannt. Im folgenden Video eine kleine Kostprobe eines solchen Sängers. Hat er nicht durchaus Potential, allein schon mit seinem Gesang unser Herz zu betören?

Genau genommen handelt es sich jedoch bei dieser Art Vogel nicht um eine Elster im herkömmlichen Sinne.  Aber als die Geschichte der Familie Bloom um die Welt ging, war immer wieder von einer Elster die Rede. So behielt man auch in der deutschen Übersetzung des vorliegenden Buches diese Bezeichnung bei.
Der Name aber, den die Blooms ihrem gefiederten Findelkind gaben, passt erstaunlich gut. Von der Farbgebung her hat der schwarzweiße Federball durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Pinguin.

Penguin Bloom

Viele wundervolle Bilder illustrieren den zu Herzen gehenden Text des Buches.  Sam, die Mutter der Familie, durch einen tragischen Unfall querschnittsgelähmt, verzweifelt fast an ihrem plötzlich so hilflosen Zustand und mit ihr ihr Mann Cameron und ihre drei Söhne.

Durch die gemeinsame Sorge um den Vogel, der selbst durch seine Verletzung immer wieder gesundheitliche Rückschläge erfährt, wächst die Familie wieder zusammen. Sie begreift, was Liebe und Fürsorge zueinander ausmachen, und dass man einfach nicht aufgeben darf, auch wenn das Leben uns mitunter grausam im Stich zu lassen scheint. Der neue gefiederte Hausgenosse lehrt Sam, wieder zu lachen und neuen Lebensmut zu fassen, und das überträgt sich auch auf ihre Familie.

„Penguin Bloom“ ist ein Buch, das denjenigen Mut machen soll, die möglicherweise in einer ähnlichen Situation sind wie die Familie Bloom. Auch wenn vor allem Sam, aber auch ihre Familie erst durch den Vogel wieder ins Leben und zur Lebensfreude zurückfinden, zeigt das Buch, dass es sich immer lohnt zu kämpfen. Das Buch will Mut machen, auch in völlig aussichtslos erscheinenden Situationen nicht aufzugeben, nicht die Hoffnung zu verlieren. Irgendwo ist möglicherweise auch an unserer Seite ein Engel, der uns dabei, wieder ins Leben zurückzufinden, tatkräftig unterstützt. Mitunter fällt er uns vielleicht sogar, wie im vorliegenden Falle, als freche kleine Elster in den Schoß.

„Herr Silberdistel, das Mittagessen ist fertig!“, rufe ich durchs Haus. Wenig später poltert mein Gatte die Treppe hinunter und steht kurz darauf in der Küche. Er greift die beiden bereits gefüllten Teller und trägt sie zu unserem Essplatz in den Wintergarten hinaus. Leicht stöhnend steht er fast sofort wieder hinter mir. Sein Stöhnen erklärt sich mir mit dem Satz: „Ich muss schon wieder eine Maus entsorgen.“ Mit einer alten Zeitung, die er aus unserem Zeitungsständer greift, eilt er zurück ins Tatortzimmer Wintergarten. Ob die Maus noch lesen kann? Sicher nicht, oder? Herr Silberdistel braucht wohl nur einen Papiersarg für das arme Mäuschen.

Dieses Mal hat unser keksiger Mausetod eine graue Hausmaus erwischt. So langsam lernen wir durch ihn die gesamte Mäusepopulation rund um unser Haus kennen. Unser Mauserkater wird von Tag zu Tag geübter. Oder laufen ihm die Mäuse von ganz allein in selbstmörderischer Absicht ins Maul? Vielleicht leiden wir sogar unter einer von uns Menschen bisher unbemerkten Mäuseplage? Und in dem Mäusegedränge suchen einige von ihnen in Panik gar den Freitod?

Nein, nein … das kann ich mir nach genauerer Überlegung dann doch nicht vorstellen –  also das mit dem Freitod der Mäuse. Das mit der Mäuseplage schon eher. Und auch die Möglichkeit, dass unser getigerter Vierbeiner Keks genau dieser Plage entschlossen den Kampf angesagt hat. Wenn dem mit der Mäuseplage tatsächlich so sein sollte, können wir sicher froh sein, über gleich drei dieser lebenden Mausefallen zu verfügen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Obwohl … zwei der Lebendfallen der besonderen Art scheinen doch mehr auf anderes, denn auf Mäuse spezialisiert zu sein …

Nach getaner Bestatterarbeit kümmert sich mein Herr Silberdistel wieder um unseren Mittagstisch. Das Dessert will schließlich auch noch in den Wintergarten getragen werden. Ich räume, während mein Gatte mit dem Vanillepudding davoneilt, schnell noch Töpfe und Pfanne vom Herd und folge dann Herrn Silberdistel zum Mittagsschmaus.

Als ich den Raum betrete, fällt mein Blick auf unsere beiden Katzendamen. Sie stehen auf der Fußmatte vor der Tür zum Garten und knabbern an einer … hm … nein, nicht schon wieder … an einer Maus. Das sieht eher wie … wie ein Stückchen Leber aus, ein recht großes sogar.

Etwas strafend schaue ich zu Herrn Silberdistel hinüber und sage: „Hättest Du ihnen das nicht auf einen Teller legen können? Sie schmaddern doch so alles voll. Und warum hast Du ihnen gleich so ein großes Stück gegeben? Wenn sie es am Ende doch nicht fressen, können wir es nur noch in den Müll werfen.“
Der Gerügte schaut mich verständnislos an: „Wovon sprichst Du überhaupt?“
„Na, von dem Stück Leber dort auf der Fußmatte.“
„Ich hab‘ den Katzen nichts gegeben!“, sagt mein Gatte und schaut verwundert zu den beiden Katzendamen.

Ich blicke Herrn Silberdistel an, dann auf unsere Teller. Da hat sich doch eine der beiden pelzigen Damen, während unser Essen für einen Moment wegen der sterblichen Mausüberreste unbeaufsichtigt war, frech von einem unserer Teller bedient. Herr Silberdistel vermutet, dass auf seinem ein Stückchen Hähnchenleber fehlt.
Die graue Eminenz saß nämlich zuvor genau an der Seite des Tisches, an der sein Mittagsteller immer noch steht – nur mit einer Lücke im Hähnchenleberabteil.

Ich fasse es nicht! Sollte etwa die graue Eminenz die Diebin gewesen sein? Ausgerechnet die Katze, die immer als Vorzeigekatze herhalten muss, wenn es um gute Erziehung, um gute Manieren geht?
Meine Fassungslosigkeit hält sich allerdings nur kurz, dann bahnt sich aus meinem Innern glucksend ein Lachen den Weg nach draußen. Herr Silberdistel kann nicht anders und muss ebenso loslachen.
Die Katzen fühlen sich durch unseren Heiterkeitsausbruch nur noch in der Rechtmäßigkeit ihres Diebstahls bestätigt und nagen weiter an ihrem Anteil an unserem Mittagsmahl herum. Aber irgendwie scheint Hähnchenleber mit Sherry-Essig angerichtet, doch nicht so ganz nach ihrem Geschmack zu sein. Die graue Eminenz tritt zur Seite und lässt Torty kosten. Die leckt nur ein wenig halbherzig daran herum und lässt das Stück dann ebenfalls liegen.

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Die graue Eminenz ist derweil auf ihren Lieblingsstuhl gesprungen und rollt sich, als wäre nichts geschehen, zu einem Nickerchen zusammen.

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Torty huscht zur Wintergartentür hinaus und macht sich zu einem Gartenrundgang auf. Na toll, so hatte ich mir das fast vorgestellt – erst stehlen und dann nicht einmal auffressen.

Unser Keks war nach der erfolgreichen Mäusejagd hungrig in die Küche geeilt. Er musste nun erst einmal seinen Futterteller inspizieren. Die mausigen Mitbringsel können gewöhnlich wir Silberdistels essen. Keks steht nicht so auf Mausbraten. Er mag lieber einen ordentlichen Berg Thunfisch.
Oh, schon fertig? Da steht unser Mausetod ja schon wieder neben uns. Den Magen voll, ist er nun bereit für den nächsten Jagdausflug.
Doch was ist das? Mit geübter Nase erfasst er sofort das von den Damen verschmähte Stückchen Leber auf der Fußmatte. Jagen macht hungrig. Offensichtlich passt noch ein wenig mehr als ein Berg von Thunfisch in den Katermagen hinein. Gierig stürzt sich Keks auf das im wahrsten Sinne des Wortes gefundene Fressen. Ratz Batz ist das Diebesgut verspeist.

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So hat die gestohlene Leber am Ende doch noch die ihr gebührende Aufmerksamkeit gefunden, wenn auch nicht durch die eigentliche Diebin.

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Sicher wollte unsere graue Eminenz dem Jungvolk nur zeigen, dass auch sie es noch immer faustdick hinter ihren pelzigen Ohren hat.

… unsere graue Eminenz, denn sie hat heute …

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Geburtstag

Und so, wie auf dem Bild hier oben, sah sie aus, als sie am 23. September 2003 zu uns kam. Auch wenn sie auf dem Foto so unschuldig und vielleicht auch ein wenig ängstlich schaut, …

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… das täuschte gewaltig, denn sie war ein enormer Wirbelwind und sie ging nicht nur über Tische und Bänke, sie machte auch vor uns Silberdistels nicht halt. Jeans tragen wurde plötzlich für uns geradezu zur Pflicht, denn unser Katzenkind krabbelte mit wahrer Begeisterung und in rasanter Geschwindigkeit an unseren Hosenbeinen hoch, um Tische, Regale und Schränke zu erreichen, auf die sie noch nicht springen konnte. Wir dienten als Ersatzkletterbaum.

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Einen Tag später brachten wir ihr einen Spielkameraden mit – einen 12 Wochen alten Maine Coon Kater, der sie an Größe nahezu mächtig überragte. Ich hatte später immer Angst, er würde unser kleines Katzenmädchen eines Tages beim Spiel erdrücken. Aber der kleine graue Wirbelwind ließ sich nie unterkriegen. Schnell wurden die beiden zu engen Freunden.

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Viel Schönes, Lustiges und mitunter auch Aufregendes haben wir mit ihr und natürlich auch mit ihrem und unserem langjährigen Begleiter Bärchen erlebt. Etliche Geschichten habe ich hier im Blog festgehalten. Für mich sind es wundervolle Erinnerungen.

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Inzwischen ist unsere nun schon 14 Jahre alte graue Lady nicht mehr ganz so aktiv. Sie schläft gern und viel. Ihr allerliebster Schlafplatz ist schon eine ganze Weile mein Schreibtischsessel. Und wenn ich ihn gerade besetze, weiß sie sehr wohl, wie sie mich nötigen kann, aufzustehen und den Sessel ihr zu überlassen.

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Wer kann diesem Blick schon widerstehen? Aber wenn ich das dann doch einmal kann, fuscht sie mir auch mal ordentlich ins Handwerk und übernimmt mal schnell die Arbeit am PC  – ganz nach dem Motto:  Wenn die Arbeit getan ist, wird die Silberdistel ja wohl den Sessel freigeben.

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Da zeigt sie mir, was eine Katze in ihrem Alter noch alles kann. Ganz flink klimpert sie mit ihren flauschigen Zehen über die Tastatur und …

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… schon hat sie ein Screenshot geschossen und gleich noch gut abgespeichert.

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Katze müsste man sein. Ich grüble jedes Mal neu, wie das noch war mit den Screenshots. Aber wozu habe ich schließlich meine kluge graue Eminenz?

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Und da ich nun eh schon wieder einmal vor meinem Schreibtischstuhl stehe, kann ich auch gleich die obligatorische Thunfischgeburtstagsfrühstücksdose öffnen und dann wird ordentlich Katzengeburtstag gefeiert.

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