Mit ‘Sperling’ getaggte Beiträge

Habe ich das gestern richtig gelesen? Der Winter soll so wie fast sofort über uns hereinbrechen? Gut, den ersten Nachtfrost hatten wir vor einigen Tagen bereits. Doch in der Regel ist das für den Monat November nicht unbedingt ungewöhnlich.
Ich bin zwar mit der Winterfestmachung meines Gartens noch nicht ganz fertig, aber was soll’s, zur Not muss ich eben einfach fertig sein. Dann wird der Rest auf das Frühjahr warten müssen. Die wichtigsten Arbeiten sind allerdings getan.
Viel wichtiger ist, dass für die Federbälle gesorgt ist, wenn es draußen dauerhaft frostig und sogar schneebedeckt werden sollte.  Unser „Gasthaus zur Silberdistel“ hat bereits Ende Oktober seine Körner- und Knödelbar wieder geöffnet. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Gäste stellten sich ein, um das diesjährige Herbstangebot zu testen.
Unsere alte Körnerbar wurde durch eine neue, moderne, ersetzt. Die alte muss noch einige Reparaturen über sich ergehen lassen. Vielleicht kommt sie danach an anderer Stelle wieder zum Einsatz.

DSC05342

Eine Blaumeise testet das Angebot unserer neuen Körnerbar

Auch die Knödelstation wird bereits wieder begeistert angeflogen. Eigentlich müssten diese Bälle Spatzenknödel heißen, denn genau die Spatzen sind die eigentlichen Knödelfans. Ich weiß nicht, wieso die Dinger Meisenknödel genannt werden. Bei uns sind es eher Spatzenknödel.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Neben den Körnern und Knödeln hat unser silberdisteliges Gasthaus auch vitaminreiche Desserts im Angebot. Die Federbälle haben sich dort bereits fleißig bedient. Wenn sie so weitermachen, wird für den Winter zumindest von den hübschen roten Früchten nichts mehr übrig bleiben.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Die Sitzplätze rund um die Futterstellen in Baum und Strauch sind an manchen Tagen schon wieder fast vollständig ausgebucht. Gerade, als ich die versammelte Großfamilie Sperling in meine Knipse sperren wollte, sauste sie wie der Wind davon. Nur ein einziger Haussperling war so freundlich, mir noch für einen kurzen Moment Modell zu sitzen.

DSC05358

Haussperlingsmann

Doch dann, dann wurde auch er etwas unruhig. Wo schaut er denn so plötzlich hin? Oder will er mir nur seinen hübschen Rücken zeigen? Vielleicht ganz nach dem Motto: Ein hübscher Rücken kann auch entzücken?

DSC05357

Aha, er hat noch einen anderen, allerdings sehr seltsamen, Vogel entdeckt. Nun weiß ich auch, warum die Großfamilie eben doch lieber die Flucht ergriffen hat. Sie war nicht fotoscheu, sie war vorsichtig, denn hoch oben im Rankgerüst flattert ein vierbeiniger bunter Vogel umher, mit dem sicher nicht zu spaßen ist, wenn man ihn zu nahe an sich heran lässt.

DSC05360

Unsere pelzige Ornithologin ist hoch oben in unserem Garten unterwegs

Wenn ich Herr Sperling wäre, würde ich mich jetzt auch lieber aus dem Staube machen.  Man weiß nie, ob so ein pelziger Vogel nicht plötzlich doch losfliegt.

DSC05361

„Oh, Silberdistel, Du auch hier?“

„Na Torty, auf Vogelpirsch?“

DSC05362

„Och, nee, Silberdistel, ich mache nur Balanceübungen. Aber ich bin schon fertig damit.“

DSC05365

„Ich … hm … wo geht’s denn hier nur wieder runter?“

DSC05369

„Silberdistel, wo steigst Du immer runter, wenn Du mit Deinen Balanceübungen fertig bist?“

… läuft die Vorbereitung auf die nächste Urlaubssaison in vollen Touren. Sand wird von der Mole aus, wo es mehr als genug davon gibt, mit großen Kippern Richtung Westen gefahren, dorthin, wo sich die Ostsee bei schweren Stürmen am ehesten einen Weg ins Landesinnere bahnen würde. Genau von dort wird der Sand nämlich im Laufe der Zeit immer wieder vom Meer Richtung Mole gespült, sodass der Strand hier langsam schmaler und schmaler wird, ganz im Gegensatz zu dem Strandabschnitt an der Mole. Dort  wächst der Strand immer mehr in die Breite.
Damit es nicht irgendwann bei einer Sturmflut doch passiert, dass die Ostsee an diesem schmalen Strandabschnitt durchbricht, denn wenn das passieren würde, würde nicht nur Warnemünde unter Wasser stehen, auch etliche Rostocker Stadtteile könnten davon betroffen sein, muss im westlichen Teil des Strandes immer wieder Sand aufgetragen werden.
Es gab schon einmal eine Sturmflut, die fast das gesamte Seebad unter Wasser gesetzt hat. Das war die Sturmflut vom November 1872, bei dem ein Höchstpegel von 2,43 m erreicht wurde. Auch danach gab es noch etliche schwere Sturmfluten mit Beinahe-Katastrophen. Also werden die Lücken jetzt immer schnell und fein säuberlich geschlossen, bevor es zu spät ist. Und so ähnelte der Warnemünder Strand, als ich ihm in der vergangenen Woche einen Besuch abstattete, mehr einer Hügellandschaft. Spaß gemacht hat der kleine Strandspaziergang trotzdem, auch wenn immer wieder große Traktoren samt Anhängern  an mir vorbeisausten. Andererseits waren nicht nur die Fahrzeuge an sich ungewöhnlich, auch die Kletterpartie, die ich absolvieren musste, bot ein neues Strandgefühl, denn die schweren Traktoren und Hänger haben tiefe Spuren im Sand hinterlassen. Ich musste mich über Berg und Tal zum Wasser vorkämpfen. Es war also einmal ein etwas anderer Strandspaziergang.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Tolles Fotowetter war allerdings nicht. Aber zum Fotografieren war ich eigentlich gar nicht nach Warnemünde aufgebrochen. Ich hatte dort einen Termin, zu dem ich leider vergessen hatte, gutes Wetter zu bestellen.
Eigentlich hätte ich es tun sollen, denn wenn ich schon einmal in Warnemünde bin, muss ich natürlich auch einen Blick auf die See werfen.Tja, nun lag sie recht grau und trist vor mir und meinte, ich wäre selber schuld, hätte ich doch rechtzeitig Bescheid gegeben, dass ich zu Besuch kommen wollte, dann hätte sie sich ein wenig schicker präsentiert. Aber jetzt so auf die Schnelle …
Na, egal, ein paar Bilder musste ich trotzdem mitnehmen, genauso wie eine Nase voll Seeluft, ein paar Sandkörner in den Schuhen und diesen  salzigen Geschmack auf den Lippen, den ich so sehr mag.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Als ich dann wieder nach Hause aufbrach, lichtete sich doch tatsächlich das Grau etwas, aber da war ich dann auch bockig und ließ mich nicht noch einmal zurück locken. Erst meckern, weil ich mich nicht angemeldet habe und dann verspätet doch noch gastfreundlich tun. Solche Spielchen durfte sie gern ohne mich spielen.
Wenigstens tschilpte mir ein Spatz aus dem Sanddorn noch entschuldigend zu, ich solle es nicht so tragisch nehmen, ich wüsste doch selbst, wie launisch die Dame Ostsee mitunter ist. Er hat ja Recht. Ich weiß es auch und nehm’s ihr nicht übel. Schließlich ist die Ostsee auch nur ein Mensch, der gute und schlechte Tage hat 😉
Ach, übrigens gibt es nicht nur im Wald Baumgeister, es gibt sie auch am Strand. Ich traf nämlich dicht an der Promenade einen solchen Baumgeist, der aber darauf bestand, Strandgeist genannt zu werden.
Wenn auch das Wetter nicht gerade ideal für einen Strandspaziergang war, es war dennoch ganz schön was los am Strand von Warnemünde – Spatzen, Strandgeister, säuselnde Sandkörner, flüsterndes Dünengras … Was will man mehr? Ach ja, schreiende Möwen waren ja auch noch da.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Naja, okay, ich will mich nicht streiten, die Tanzfläche war wohl doch nach genauerer Betrachtung eher ein Autodach.

01-dsc03364

Aber aus der Vogelperspektive erscheint das Dach bestimmt so wie ein kleiner Vulkan, gut, wie ein ziemlich platter Vulkan. Aber so rot wie ein gerade ausgebrochener Vulkan doch allemal. Nicht? Okay, dann für diejenigen, deren Vorstellungkraft für meinen Vulkan nicht ausreicht, eine andere Variante.  Die weniger Fantasiebegabten stellen sich jetzt ganz einfach einen roten Ferrari vor. Genug Feuer unter der Motorhaube den Vogelfüßen? Was? Da erscheint immer noch kein vulkanisches Feuer vor dem geistigen Auge?

02-dsc03365

Also dem leichtfüßigen Tänzer hier fehlt es so gar nicht an Vorstellungskraft. Er erweckt ja nun wirklich, zumindest phasenweise, den Eindruck, als tanze er auf einem echt feurigen Vulkan. Er flattert, …

03-dsc03367

… hüpft und springt, als hätte er wahrlich Feuer unterm fedrigen Vogelpopo und unter den elegant dahinschwebenden großen Vogelfüßen.

04-dsc03374

Während er fröhlich und voller Hingabe auf der so ungewöhnlichen Tanzfläche seinen Tanz vollführt, muss er auf andere gefiederte Tänzer mächtig Eindruck gemacht und auch ihre Tanzlust geweckt haben, denn plötzlich taucht aus dem Geäst nebenan ein weiterer Pseudo-Vulkantänzer auf …

05-dsc03369

… und setzt mit kühnem Schwung auf der vulkanischen Tanzfläche auf.

06-dsc03371

Ach! Verdutzter Blick unseres Startänzers. Der Neuankömmling ist gar kein Tänzer! Hat sich doch soeben ein Trinker ganz frech auf den Vulkan geschwungen und säuft nun die, für das bessere Dahingleiten auf der vulkanischen Tanzfläche, aufgebrachten Wasserperlen fort.

07-dsc03372

So geht es aber nicht! Trinker sind auf dieser Veranstaltung nicht erwünscht. Wer nur trinken und damit tanzflächenzerstörerisch tätig sein will, der hat auf der Tanzfläche nichts zu suchen.

08-dsc03373

„Hinfort mit Dir – Du, Du, Du … Sperling!“

09-dsc03375

Und schon hat der Tänzer den Trinker in die Flucht geschlagen. Letzterer verschwindet hektisch flatternd in den Büschen.

10-dsc03378

Das Tanzbein kann also wieder geschwungen werden. Olé!

11-dsc03380

Caramba, mir kocht der Blut! Schwungvolle Drehung! Olé!

12-dsc03381

..und Schluss!

“Na? wie war ich? Applaus bitte!“

***

Ach, und dass hier immer von DEM Tänzer die Rede ist, das ist nicht ganz korrekt, höchstens in Bezug auf den Vogel an sich. Natürlich handelt es sich um eine Vogeldame, die hier so gekonnt das Tanzbein schwingt – um die gefiederte Tänzerin Carmen Amsel.
Der Trinker allerdings, der ist in der Tat ein Er. Wir haben es hier mit dem Gewohnheitstrinker Erwin Haussperling zu tun.

Der vergangene Sonntag war hier bei uns schon echt ein Apriltag, wie er im Buche steht. Ich hatte berichtet, wie wir Silberdistels  zu nachtschlafender Zeit wachgetrommelt wurden. Okay, sicher gibt es Schlimmeres und wir würden in der Nacht zum Montag den versäumten Schlaf ganz einfach nachholen können, aber ein wenig ärgerlich war’s schon, so früh aus den Federn gerissen zu werden. Frohgemut kuschelten wir uns dann am Sonntagabend auch in die weichen Kissen, um das Versäumte nachzuholen und tatsächlich schliefen wir auch tief und fest und störungsfrei.

Montagmorgen – neuer Tag – neues Glück! Frisch erholt und ausgeschlafen gehe ich zum Fenster und schaue in den neuen Morgen. Was ist das? Ein Déjà-vu? Hab ich das nicht eben gerade gesehen? Aber es war doch am Ende alles weg! Wie kann es da jetzt wieder da sein?

Für Diaschau einer der Bilder anklicken!

Einigermaßen verblüfft schaue ich aus dem Fenster und komme mir in den Sonntagmorgen zurückversetzt vor. War das möglich? So wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier„?

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Auch unten im Garten ist wieder alles voll mit diesen kleinen weißen Kugeln. Es ist so nass und ungemütlich, als hätten wir wieder gestern. Hatten wir so tief und fest geschlafen, dass wir dieses Mal nichts vom Trommelwirbel der Hagelkörner mitbekommen hatten? Wahrscheinlich wohl. Oder war es jetzt wirklich wieder Sonntag, nur dass er für uns dieses Mal erst nach diesem Prasselkonzert begann?

20-dsc06185

Die Katzen schauen ähnlich irritiert wie ich in die Gartenwelt. Offensichtlich fühlen auch sie sich in den Tag zuvor zurückversetzt. Unsere graue Eminenz blickt kopfschüttelnd zur Tür hinaus, macht sich dann aber im Vergleich zum Sonntagmorgen, wo sie nur kurz die Nase zur Tür hinausgesteckt hatte, zu einem kurzen Reviergang auf. Wahrscheinlich kennt sie den Film mit dem Murmeltier auch, ziemlich sicher sogar als unsere langjährige Mitbewohnerin,  und versucht nun, diesen erneuten Sonntag etwas anders zu gestalten, denn im Film hatte der Sinneswandel Phil Connors (dargestellt von Bill Murray) ja letztendlich geholfen, wieder aus der Zeitschleife, in die er geraten war, zurück ins normale Leben zu finden. Aber sollen wir denn nun bessere Katzen und Menschen werden? Dabei dachten wir bisher, wir könnten so bleiben, wie wir sind. Ob der Herr April da irgendwie anderer Meinung ist?

21-dsc06111

Keks jedenfalls macht nichts großartig anders, aber er kennt ja auch den Film noch nicht. Nach einer kurzen Sitzübung neben dem Gartenstuhl, die wie am Tag zuvor wieder mit Staunen einhergeht, folgt er der grauen Eminenz unauffällig. Zumindest das ist dieses Mal an Keksens Gartenmorgen dann doch anders als am gestrigen Sonntag.

22-dsc06120

Auch Torty versteht die Welt nicht mehr und glaubt ein wenig an eine Klimakatastrophe und bei Klimakatastrophen bleibt man lieber im Haus. Sie versucht also, auch ohne Filmkenntnisse ihren Tagesablauf etwas zu variieren.

23-dsc06110

Ihr Lieblingssonnenplatz beim Drachen ist eh vereist. Was spricht da also für einen netten Tag in den silberdisteligen vier Wänden? Aber eigentlich, ein bisschen Reviergang sollte eine Katze, die etwas auf sich hält, vielleicht auch dann hinter sich bringen, wenn das Klima sich gerade zu einer Katastrophe auswächst. Schließlich muss man sich auch an neue Gegebenheiten anpassen können, wenn man überleben will. Naja, und auf dem Rücken des Drachens sieht es doch irgendwie weniger eisig aus.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Torty schaut und schaut und dann entsteht in ihrem Kopf ein Plan. Sie ist nicht nur groß im Denken, sie ist auch groß in Balanceakten und das könnte sie jetzt geschickt ausnutzen. Nach intensiver Tüftelei beschreitet sie den für sie einzig gangbaren Weg zum Drachen …

26-dsc06122

… und der führt über die tönerne Katzenkollegin, weiter über das blumentopfige Hinterteil der Dame aus Ton und dann über einen Minischritt aufs eisige Bänkchen zum Ziel ihrer Wünsche. Und siehe da, schon ist Torty dem Drachen zu Kopfe gestiegen. Und bei dem ganzen Balanceakt hat sie kaum eines der eisigen Kügelchen betreten müssen. Das soll ihr jetzt aber mal einer nachmachen.

27-dsc06127

Geschafft! Das war ein recht beschwerlicher Weg. Uups! Ganz schön wacklig auf so einem Drachenkopf. Aber kalt ist er auch irgendwie. Dabei dachte Torty, Drachen speien Feuer und sind deshalb schon von Natur aus eher feurig denn eisig kalt. Sicher sind diese Geschichten mit den Feuer speienden Drachen nur blöde Märchen. Alles erstunken und erlogen. Ja, erst das wirkliche Leben, die eigenen Erfahrungen machen uns schlau. Ach, die graue Oberkatze kommt schon vom Rundgang zurück – sicher mit urst kalten Pfoten. Dann wird ja Keks wohl auch gleich kommen.

28-dsc06128

Torty als Torwächter harrt weiter auf ihrem Wackelposte aus, während die Oberkatze zügig ins Warme eilt. Keks jedoch dort hinten hat scheinbar noch etwas vor. Eine Verabredung gar? Und das in solcher Eiseskälte? Torty wirkt wegen Keksens Abstecher in noch weitere Teile der Gartenwelt aus unerfindlichen Gründen etwas ungehalten.

29-dsc06117

Ah ja! Tatsächlich! Keks hatte wohl in der Tat noch etwas Unaufschiebbares zu tun.

30-dsc06062
Musste er schnell noch den Sperlingsmädels einen guten Morgen wünschen oder hatte der Schelm etwa Appetit auf leckeren Sperlingsbraten? Aber nein, Keks doch nicht! Er wollte sicher nur nett mit den Mädels flirten oder mit ihnen über Gott und die Vogelwelt plaudern.

31-dsc06132

Ach, da ist er ja endlich wieder. Wurde aber auch Zeit! Torty schaut ihm ungeduldig und schon ziemlich unterkühlt entgegen.

32-dsc06135

„Na endlich kommst Du, Keks. Meine Pfoten sind mir fast am Drachen festgefroren.“

„Wer hat denn gesagt, dass Du auf mich warten musst, Torty, und warum bist Du so sauer?“

33-dsc06136

„Na, Du hast doch gesagt, wir gucken nur kurz in den Garten und dann spielen wir noch eine Runde. Aber Du, Du rennst hier stundenlang herum, als hätten wir den tollsten Frühlingstag und ich steh‘ derweil dumm in der Gegend rum.“

„Ach ja? Ich hab‘ gesagt, wir spielen gleich noch eine Runde? Muss mir unterwegs irgendwie entfallen sein.“

34-dsc06137

„Ja, Keks, wahrscheinlich ist Dir Dein Gehirn bei der Rumrennerei in der Kälte eingefroren und da hast Du überhaupt keinen Gedanken mehr an Deine Lieblingsschwester verschwendet. Natürlich hast Du vor dem Rausgehen versprochen, dass wir anschließend noch spielen! Nun los, beeil Dich, Keks, ich hab‘ die Mäuse und so schon mal bereit gelegt. Komm schnell, damit uns wieder warm wird beim Spiel!“

DSC06220

Und das Ende der Geschichte? Wie das war? Wir können zum Glück wohl doch so bleiben, wie wir sind, und müssen nicht wie in dem Murmeltierfilm wieder und wieder denselben Tag durchleben, denn einen Tag später bekamen wir tatsächlich den ganz normalen Dienstag in unser Leben gesetzt und nicht erneut den Sonntag mit seinen kleinen Eiskugeln. Aber dennoch, der April fühlte sich immer noch sauwohl, pfiff grinsend um die Häuserecken, blies uns Eisluft ins Gesicht, schubste kurz die Sonne durch die Wolken, riss sie wenig später wieder rein in die graue Watteschicht und schüttete uns immer wieder eimerweise Wasser in den Tag. Wir Silberdistels hatten aber durchaus auch im Haus genug zu tun und die Katzen verlegten ihre Aktivitäten ebenso wie wir Menschen mehr nach drinnen, stellten dabei allerdings auch so allerlei Unsinn an. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Am letzten Wochenende war es wieder einmal soweit. NABU und LBV hatte bereits das 6. Mal zur Stunde der Wintervögel aufgerufen. Natürlich waren wir Silberdistels wieder dabei. Unsere pelzigen Mitbewohner hatten vor der Zählaktion schon ein wenig draußen im Garten nach Federbällen Ausschau gehalten. Einigermaßen aufgeregt, aber auch ein wenig erschöpft von den vielen neuen Eindrücken, die besonders auf unsere beiden Jungspunde eingestürmt waren, schließlich hatte es geschneit, waren sie wieder zurück ins Haus und auf ihre wärmenden Lieblingsplätze geeilt.
Als ich mich dann mit Papier, Stift, Fernglas, Vogelbestimmungsbuch für den Fall aller Fälle und Fotoapparat am Fenster postierte, waren plötzlich auch Torty und unser Keks Bluebär wieder da. Ihr Schlummerstündchen hatte gar nicht so lange gedauert. Aber verständlich dann doch, denn sie wollten ja nichts Wichtiges versäumen. So saßen sie vor mir auf der Fensterbank und warteten auf die ersten gefiederten Gäste in unserem Garten.

01-DSC01161

Zumindest Torty schaute recht gespannt zum Fenster hinaus. Keks schien allerdings nicht so ganz bei der Sache zu sein. Träumte er noch? Oder vielleicht schon wieder?

02-DSC01175

Doch plötzlich war auch er ganz Auge und Ohr. Tatsächlich hatte er den ersten Gast entdeckt. Ich durfte ihm erklären, dass das ein Amselmann war. Nebenher widmete ich mich nämlich ein wenig der Ausbildung der beiden Nachwuchsornithologen.

03-Dsc01223

Dann war irgendwie wieder eine Pause, obwohl wir unsere Futterstellen noch einmal frisch aufgefüllt hatten. Aber vielleicht waren die Vögel noch ein wenig vorsichtig, hatten doch gerade noch zwei Katzenjungspunde im Garten über den Schnee gestaunt.

04-DSC01189

Der kleine Spaziergang durch den Schnee muss wohl doch ein wenig anstrengend gewesen sein, denn unserem Keks fielen immer wieder die Augen zu. Naja, Schnee und frische Winterluft machen eben auch jugendliche Katzen müde.

05-DSC01194

Doch dann stupste Torty die kleine Schlafmütze an, denn sie hatte auch ihren ersten Vogel während unserer Vogelzählstunde entdeckt.

06-Dsc01195

„Heh, Keks, nicht schlafen! Wir müssen doch Vögel zählen.“

07-Dsc01199

Wie passend, dass auch Torty als ihren ersten in unserer Liste zu erfassenden Vogel eine Amsel entdeckte. Bei ihr war es FRAU Amsel, die allerdings ein wenig misstrauisch zu unserem Fenster rüber schaute. Wahrscheinlich hatte sie die beiden Katzen entdeckt und traute dem lieben Frieden im Garten nicht so recht.

08-DSC01182

„Hallo Oberkatze!“, rief Torty. „Ooooooberkatze! Ich habe eine Amselfrau entdeckt.“

Aber die graue Oberkatze schlief tief und fest und interessierte sich im Moment so gar nicht für unsere Zählaktion. Schließlich war auch sie beim Schneerundgang dabei gewesen und außerdem ist sie schon etwas älter als die beiden Jungspunde und braucht etwas mehr Schlaf.

09-DSC01186

Aber was ist das? Irgendwie scheint hier der Wurm drin zu sein. Da sind doch tatsächlich nun auch der Torty die Augen zugefallen. Wenn ich mir nun ein Beispiel an den drei Katzen nehme und ebenfalls ein Nickerchen mache, dann haben wir am Ende nicht viel auf unserer Zählliste zu stehen.

10-Dsc01202

Naja, irgendwie sieht es draußen aber auch nach Schlafwetter aus. Der Schnee beginnt bereits wieder zu tauen und alles wird nass und unfreundlich. Nur die roten Früchte sind ein kleiner Lichtblick.

11-Dsc01204

Dabei fällt mir auf, wie weit doch die Blüten der Haselnuss schon sind – kein Wunder also, dass mir schon seit Tagen die Augen tränen. Wer weiß, welche anderen Frühblüher ebenfalls schon ihren Blütenstaub durch den Januar schicken.

12-DSC01252

Ach, was sehe ich da? Während meine beiden pelzigen Schlafmützen sich auf ihre Lieblingsschlafplätze im Haus zurückgezogen haben und ich über das Wetter sinniere, hat sich Herr Amselmann in unser Futterhaus vorgearbeitet …

13-DSC01330

… und schau an, offensichtlich haben die Jungspunde nun die Vertretung in die Spur geschickt. Ich habe nämlich ganz unerwartet einen anderen Helfer an meiner Seite. Die graue Oberkatze hat ihr Schläfchen beendet und schaut begeistert aus dem Fenster. Na, jetzt wird es hier doch hoffentlich endlich vorangehen mit unserer Zählaktion.

14-Dsc01399

Tatsächlich, ein kleiner Spatzentrupp hat sich an der Knödelstation eingefunden und lässt es sich schmecken.

15-DSC01334

Was gibt es denn jetzt da unten zu gucken? In den Garten schauen ist angesagt. Erst schlafen alle und dann konzentriert sich niemand auf den Garten. Ob wir hier heute noch zu irgendwelchen Zahlen kommen?

16-DSC01335

Ach, hat da etwa schon jemand ausgeschlafen? Der Keks hat wohl geträumt, dass wir heute eigentlich zusammen Vögel zählen wollten und nun ist er wieder hergekommen.

17-DSC01336

„Und? Habt Ihr schon viele Vögel gezählt?“, fragt der Keks die Oberkatze.

18-DSC01338

„Ja, ein paar Spatzen stehen nun auch schon auf der Liste“, lautet die Antwort der Dame im langhaarigen Winterkleid.

19-Dsc01417

So schauen die beiden Katzen in den Garten hinunter und ich ergänze meine Liste um einige Sperlinge mehr.

20-Dsc01096

Derweil hat sich auch das Futterhaus mit gefiederten Gästen gefüllt.

21-DSC01341

Aber irgendwie ist unsere Keks heute doch recht unkonzentriert. Was macht er denn jetzt schon wieder? Der Blumentopf scheint interessanter zu sein als die Federbälle vor dem Fenster.

22-DSC01213

„Guck mal, Silberdistel. Zählen wir die auch, die hier fliegen?“

„Was ist denn da im Blumentopf, Keks?“

„Na, so ganz kleine Flattermänner.“

„Ach, schon wieder diese kleinen lästigen Fruchtfliegen? Nein, Fliegen zählen wir heute nicht, nur Vögel.“

Tja, so war die Hilfe von Keks dann doch nicht so groß. Sein Interesse galt mehr dem, was er direkt vor der Nase hatte, den Fruchtfliegen im Blumentopf neben ihm.

23-DSC01343

Letztendlich zählten nur meine langjährige graue Mitarbeiterin und ich die Vögel in unserem Garten. Torty schlief fernab in den Tiefen unseres Hauses und träumte höchstens vom Vögelzählen und Keks, Keks versuchte sich lieber im Fangen von Minifliegen. Aber im Laufe unserer Zählstunde kamen dann doch noch so allerlei Federbälle angeflogen und wir beiden unermüdlichen Oberornithologen, die graue Oberkatze und ihre Silberdistel, hatten am Ende etliche Spatzen, Amseln, Meisen, selbstverständlich auch unser Rotkehlchen und sogar einen Graureiher, der über unseren Garten hinwegflog, auf der Liste. Natürlich waren ebenfalls Möwen, Krähen und eine Elster dabei, über deren akrobatische Übungen an der Knödelstation wir beiden, Katz und Mensch, uns köstlich amüsierten.

Für Diaschau einer der Bilder anklicken!

Frau Elster musste sich ganz schön strecken, um von ihrem Sitzplatz aus an die Knödel zu kommen. Immer wieder war sie zu heftigen Balanceakten gezwungen. Aber am Ende flog auch sie satt und zufrieden wieder davon. Natürlich habe ich während unserer Zählstunde auch fleißig fotografiert, sodass ich unsere „Stunde der Wintervögel“ auch wieder mit einigen Bildern belegen kann. Viel Spaß beim Schauen!

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Es war hier im Norden zwar schon eine ganze Weile bitterkalt, z.T. waren es unter -12° C, aber der Schnee, der für unser Empfinden ja eigentlich erst einen richtigen Winter ausmacht, der fehlte bisher noch.

01-DSC00970

Eine dünne Schneeschicht bedeckt unsere Geräteschuppen – hinten hat der immergrüne Efeu einen Teil des Daches erobert

Pünktlich zur „Stunde der Wintervögel“ hat sich zu Väterchen Frost aber doch noch Frau Holle dazugesellt und ein wenig die Betten über dem Norden ausgeschüttelt.

02-DSC00974

Eine dünne Schneedecke bedeckte am letzten Freitag unseren Garten

Viel Lust auf Arbeit hatte sie aber wohl nicht, denn die Schneedecke blieb recht dünn und Väterchen Frost ließ sich doch tatsächlich von der faulen Holle anstecken und atmete auch nicht mehr so eisig aus. So verkrümelte sich die weiße Schneedecke fast genauso schnell wieder wie sie hingeschüttelt worden war.

03-DSC00994

Schnee – eine neue Erfahrung für unsere beiden Jungspunde

Aber immerhin lag sie solange, dass sich unsere beiden jugendlichen pelzigen Mitbewohner mit der weißen Pracht im Garten bekanntmachen konnten.
Unsere Jungspunde durften in den letzten Tagen schon immer mal wieder ihre Pfoten auf den gefrorenen Gartenboden setzen und somit testen, wie lange die Pfötchen diese Eiseskälte aushalten. Na, und ob der Pelzmantel auch wintertauglich ist, das wollten wir natürlich ebenso wissen.

04-dsc00985

Schon wieder sieht der Garten anders aus – unser Keks staunt

Mit dem Frost sind die Fellnasen recht gut zurechtgekommen. Aber Schnee, Schnee war ja nun schon wieder etwas Neues in ihrem noch recht kurzen Leben.

05-DSC00990

Och menno, musste das denn sein mit dem Schnee?

Selbst unsere graue Oberkatze, die bereits etliche Winter erlebt hat, steht jedes Mal wieder staunend vor diesem weißen Zeugs und überlegt meistens relativ lange, ob sie sich bei solchem Wetter überhaupt einen Gartenrundgang antun muss. Aber damit das Jungvolk sieht, dass sie keine Frostbeule ist und auch Schnee nicht fürchtet, dreht sie dann doch eine kleine Minirunde durch ihr Gärtchen.

06-DSC01013

Boahhhh, bloß schnell wieder aufwärmen!

Wie gut, dass ihr Gartenreich nicht so groß ist, da fällt es nicht weiter auf, wenn sie sich schnell wieder ins Haus und unter die warme Heizung verzieht.

07-Dsc00999

Wo kommt das nur alles her?

Außerdem waren die jugendlichen Katzenhelden eh mit der neuen Situation sehr beschäftigt. Wahrscheinlich war es ihnen gar nicht aufgefallen, dass die graue Oberkatze schon längst wieder die Annehmlichkeiten einer Hauskatze zu schätzen wusste.

08-Dsc01001

Gestern sah das hier doch noch ganz anders aus

Zu großflächigen Gartenbesichtigungsaktionen hatten aber auch Torty und Keks keine rechte Meinung. Der männliche Held hielt es sogar noch weniger lange aus als seine Schwester. Torty war wenigstens bis zur kleinen Buchsbaumhecke vorgedrungen, während Keks seine Gartenrunde an diesem Tag doch erstaunlich klein hielt und schnell wieder ins Haus wollte.

09-Dsc01002

Ich komme lieber wieder zu Dir, Silberdistel

Aber auch ihr war diese weiße Decke, die sich über Nacht in ihrem Garten ausgebreitet hatte, wohl nicht so ganz geheuer.

10-Dsc01003

Ob das kalte Zeugs da auch so tief ist?

Vorsichtig tastete sie sich zurück in Richtung Wintergarten und vermied möglichst solche Stellen, wo sie ganz besonders tief in den Schnee einsank.

11-Dsc01004

Oh ja, hier ist es noch viel tiefer

Wobei das nicht immer so ganz glückte. Die Silberdistel da hinten hatte gut lachen. Die hatte bisher noch keinen Fuß in das kalte Weiß gesetzt. Die stand da dumm im Wintergarten herum, anstatt der armen Torty aus diesem nassen Zeugs, in das man so erbarmungslos tief einsank, herauszuhelfen. Oh, man, würde das wieder eine Putzerei werden, bis die Füße trocken und vor allem wieder warm wären. Bloß wieder schnell rein ins Warme. Wo mag Keks nur sein? Ob der auch schon wieder im Warmen ist?

13-Dsc01500

Manchmal ist es drinnen doch viel schöner als draußen

Der hatte sich, während Torty noch durch den Schnee stapfte, bereits ein Plätzchen auf der warmen Heizung gesucht. Übrigens sind die Heizkörper neuerdings seine erklärten Lieblingsplätze. So ein Katerchen weiß halt, wo es so richtig schön und gemütlich ist. Obwohl, ein Katerchen ist er eigentlich gar nicht mehr. Inzwischen ist unser ehemaliger Zwerg nämlich schon ein ganz schön großer Tiger geworden – fast so lang wie die Heizung im Bad.

12-Dsc01008

Heute ist es hier viel schöner als draußen, Silberdistel. Findest Du das auch?

Derweil ist nun auch Torty in der Gemütlichkeit angekommen. Hach, ist das schön dort oben – so richtig kuschelig warm und gemütlich, viel schöner als im weißen Garten.

13-Dsc01019

Ach Keks, nun ist aber genug! Ich war doch schon lange trocken!

„Hallo Torty, Du bist ja noch überall ganz nass. Lass mich das mal trockenputzen. Dann wird Dir schnell wieder warm. Ich hab‘ mich schon auf der Heizung getrocknet.“

15-Dsc01032

Hihi, hab ich sie aus meiner Lieblingshängematte rausgeputzt

„Hach nee, der Keks hat mir fast alle Haare vom Pelz geputzt. Ich musste in die andere Hängematte flüchten, damit er endlich aufhört, an mir herumzuzupfen. Ich brauche jetzt ein wenig Erholung vom anstrengenden Gartenrundgang, denn nachher müssen wir noch Vögel zählen, hat die Silberdistel gesagt. Heute ist bei uns nämlich auch Vogelzähltag. Dafür muss ich ausgeruht sein.“

16-Dsc01034

Während die Katzen ruhen und die Wärme im Haus genießen, stürmen die Vögel wieder die Futterplätze im Garten – hier ein Hausspatzenpaar

Während die Katzen sich von ihrem anstrengenden Abenteuer erholten und ein Nickerchen machten, hatten die Vögel draußen im Garten endlich wieder Gelegenheit, sich ihr Bäuchlein mir leckeren Körnern vollzuschlagen.

17-Dsc01041

Hausspatzen in Warteposition in der Nähe der Futterstellen in unserem Garten

Später würden wir Silberdistels noch fleißig zählen wollen, denn das war das Wochenende, an dem der NABU zur Teilnahme an der „Stunde der Wintervögel“ aufgerufen hatte.

18-Dsc01075

Im Futterhäuschen ist reger Betrieb – Hausspatzenbetrieb

Natürlich musste ich zwischendurch schon mal schauen, ob es sich überhaupt lohnen würde mit der Zählerei.

19-Dsc01100

Eine Haussperlingsdame wartet in der Haselnuss auf einen freien Platz im Futterhaus

Aber an den Futterstellen war reichlich Betrieb. Nach einem wärmenden Kaffee würde ich mich mit Papier, Stift, Fernglas und Kamera ans Fenster setzen und eine Stunde lang fleißig die gefiederten Gäste in, um und über unserem Garten zählen. Na, und fotografieren wollte ich natürlich auch. Nicht, dass mir am Ende einmalige Gäste undokumentiert wieder davonflogen. Aber über unsere Stunde der Wintervögel berichten wir dann ein anderes Mal. Ich glaube, die Katzen haben da nämlich auch wieder ein Wörtchen mitzureden.

Wie sagte es Elke vom damals noch Eifeltussi-Blog einmal so treffend? „Die Körnerbar ist eröffnet.“ Bei uns ist es nun auch soweit, unser „Gasthaus zur Silberdistel“ hat wie alljährlich um diese Zeit die Wintersaison eröffnet. Eigentlich sind wir in diesem Jahr sogar recht spät dran, aber bei den fast frühlingshaften Temperaturen, die hier unlängst noch herrschten, sah die Wirtin des Gasthauses noch keinerlei Veranlassung, das Futterhaus mit Leckereien zu füllen. Da gab es noch genug Frischkost im Garten zu finden und es war durchaus in unserem Sinne, dass diese Frischkost noch so lange wie möglich genascht werden würde. Nun aber steht endlich die Körnerbar bereit und gut befüllt ist sie auch. Zu der einen Knödelstation, die sich bereits im letzten Winter großer Beliebtheit erfreute, ist eine weitere, sogar eine sehr schicke, hinzugekommen. Es hat sich herumgesprochen, dass ich ein Gasthaus für gefiederte Gäste führe und da war doch zu meinem letzten Geburtstag unter all den schönen Geschenken ein ganz besonderes dabei, eins, das nicht nur mir viel Freude bereitete, sondern eins, dass jetzt hoffentlich auch den vielen Federbällen nicht nur Vergnügen bereiten wird, es soll eigentlich auch ihren kleinen Vogelbauch ordentlich füllen helfen. Eingeweiht ist es bereits. Einer unserer pelzigen Mitbewohner hat der Einweihung sogar höchstpersönlich beigewohnt. Aber ich sollte jetzt aufhören mit meiner langen Vorrede. Hier wartet nämlich jemand schon ganz ungeduldig neben mir, der auch so einiges zu erzählen hat. Unter uns gesagt, es handelt sich bei diesem Jemand um ganz frisch gebackenen Ornithologennachwuchs 😉

00

„Bist Du jetzt endlich fertig mit Deiner Tipperei, Silberdistel? Das hat ja gedauert. Dabei hast Du gesagt, Du willst nur ein ganz kurzes Vorwort schreiben und dann darf ich weitererzählen.“

B-IMG_0805

„Aber Kek …. äh … Bluebär, Du siehst doch selbst, wie ich hier wieder einmal beim Schreiben behindert werde. Mal ist die Tastatur belegt und dann wieder …

C-IMG_0825

… kann ich den Bildschirm nicht sehen. Das ist doch kein Wunder, wenn ich hier nicht fertig werde. Aber jetzt habe ich es endlich geschafft, auch wenn es enorm anstrengend und irgendwie auch nervend war, immer rechts und links an Torty vorbeischauen zu müssen. Also, jetzt bist Du endlich dran, Katerchen.“

04

„Was? Bloß weil der Keks … äh … Blubär hier irgendwas angeblich unendlich Wichtiges zu berichten hat, soll ich hier weg? Du weißt doch, Silberdistel, welch große Hilfe ich Dir gewöhnlich bin und nun werde ich einfach so von meinem Arbeitsplatz vertrieben? Ich bin jetzt beleidigt. Du wirst schon noch sehen, was Du davon hast.“

„Entschuldige, Torty, Du bekommst dann demnächst einen Blogbeitrag ganz für Dich allein. Wäre das okay für Dich?“

05

„Hm, darüber muss ich noch nachdenken. Der Keks tippelt ja eh schon auf der Tastatur umher. Ich werde hier total unterdrückt. Aber wenn ich jetzt gehe, dann will ich einen ordentlichen Blogbeitrag, Silberdistel, nur von mir allein – ohne Einmischung anderer. So, ich werde jetzt über meinen Blogbeitrag nachdenken und wehe mich stört einer dabei.“

06

„Na endlich kann ich, der Bluebär,  erzählen. Also, die Silberdistel hat neulich wieder einmal im Garten herumgewerkelt. Manchmal hat sie uns Katzenkinder jetzt schon mitgenommen, damit wir ihr bei der Gartenarbeit behilflich sind. Aber dieses Mal durften wir nicht mit. Wir sollten vom Fenster aus zuschauen. Sie meinte, sie würde etwas vorbereiten, das uns in den nächsten Tagen sicher viel Spaß bereiten würde.“

07

„Was sollte das schon sein? Hier am Fenster Spaß? Draußen wär es viel schöner gewesen.“

08

„Naja, so guckte ich zu, wie die Silberdistel lauter kleine Bälle in den Garten hängte und ein Holzhäuschen aufstellte, in das sie etwas hineinschüttete. Wozu mochte das gut sein? Torty hatte voll und ganz mit ihrer Schönheitspflege zu tun und hatte keine Lust zu gucken, was die Silberdistel da machte.“

09

„Hm, seltsam. Für wen war das Häuschen und für wen waren die Bälle?“

10

„Oh, was war das plötzlich? Da kam etwas durch die Luft geflogen und husch, saß es an den Bällen, die die Silberdistel in den Baum gehängt hatte, an dem ich neulich, als wir unseren Gartenspaziergang gemacht haben, meine Krallen nicht schärfen durfte. Die Silberdistel meinte, das wäre ihre Lieblingsbirne und da würde nicht dran gekratzt.“

11

„Ah, ich hab’s wiedererkannt, das fliegende Etwas. Es ist genau das, das bei unserem Gartenrundgang mit uns geschimpft hat, als würde der Garten ihm ganz allein gehören und wir hätten dort nichts zu suchen. Die Silberdistel nannte es Kohlmeise.“

12

„Oh, und was war das? In dem Häuschen saß auf einmal auch solch ein flauschiges zappeliges Wesen. Solche sitzen  immer vor unserem anderen Fenster und lärmen oft so furchtbar, dass man nicht einmal in Ruhe schlafen kann. Da sagte die Silberdistel, das wären Vögel und diese da gehörten zu unserer Hausspatzenfamilie.“

13

„Der da guckt ganz schön frech. Denkt er etwa auch, der Garten gehört ihm allein?“

14

„Da, noch einer von diesen Hausspatzen. Hat die Silberdistel ihnen etwa Futter in das Häuschen getan? Sicher, damit sie kommen und uns Katzen unterhalten, falls uns mal langweilig ist. Jetzt weiß ich endlich, was die Silberdistel mit dem Spaß meinte, den wir Katzen jetzt bald haben würden.“

15

„Torty, guck mal, was da in dem Häuschen los ist, das die Silberdistel in den Garten gestellt hat und an den Bällen erst. Das ist vielleicht spannend. Torty, da sind gaaaaanz viele Vögel.“

16

„Was lärmst Du so, Keks … äh … Bluebär? Lass mich schlafen.“

17

„Jetzt verpasst Du aber echt etwas, Torty. Da draußen turnen ganz viele von diesen Hausspatzen herum.“

18

„Guck doch mal, Tooooooorty, wir könnten uns eins davon fangen, wenn wir wieder im Garten sind. Das ist bestimmt viel lustiger als das, was uns die Silberdistel immer zum Spielen gibt.“

19

„Oh, und dort hinten, wo die anderen Bälle hängen, toben jetzt noch mehr von diesen Schreihälsen von neulich herum, die uns aus dem Garten vertreiben wollten. Schau doch mal, Torty.“

20

„Ist das aufregend! Erst hab ich gedacht, die Silberdistel hat uns Unsinn erzählt, als sie sagte, es würde im Garten gleich ganz furchtbar spannend für uns werden.“

21

„Aber jetzt … sie hat recht. Schau doch mal Torty! Jetzt sind sie auch an den anderen Bällen, an diesem Teil, das die Silberdistel immer so ganz besonders stolz anschaut.“

22

„Lass mich in Ruhe, Bluebär. Du kannst einem wirklich manchmal gewaltig auf den Keks gehen. Ich weiß gar nicht, wieso die Silberdistel darauf gekommen war, dass Du Bluebär heißen könntest. Keks passt viel besser auf Dich. So, aber jetzt Ruhe, ich bin … müüüüüde und die blöden Schreihälse und die Bälle interessieren mich überhaupt nicht.“

23

„Aber das ist doch so spannend, Torty! Guck doch nur mal ganz kurz aus dem Fenster, ganz kurz nur.“

24

„Da ist schon wieder einer an den Bällen, jetzt an denen, wo oben noch ein Futternapf drauf steht. Ich glaube, er will gleich auf dem Napf landen. Er mag wohl keine Bälle.“

25

„Das wird immer aufregender hier, Torty, So guck doch endlich mal!“

26

„Brrr … puhhhh … brrr … puhhhh … puhhh …“

Tja, so ist das, was für den einen spannend ist, lockt den anderen so gar nicht aus der Reserve. Unsere Torty verschlief ganz einfach die Eröffnung der Wintersaison unseres „Gasthauses zur Silberdistel“ und der kleine Keks … ähem … Bluebär hätte am Ende gern mitgemischt bei den Vögeln im Garten. Jedenfalls schnatterte er immer aufgeregter, je größer der Andrang an der Körnerbar wurde. Ich glaube, er hat noch einen aufregenden Winter vor sich. Und Torty, ob sie in den Winterschlaf fallen wird? Ach nein, sie träumt sich wohl eher ihren höchsteigenen Blogbeitrag zusammen.