Mit ‘Sonne’ getaggte Beiträge

Also, genaugenommen waren es Kraniche, die uns ein Konzert aus luftiger Höh‘ gaben und sie spielten nicht Geige, sie hatten ihre Trompeten dabei. Herr Silberdistel und ich waren wieder einmal zu einem kleinen Spaziergang unterwegs, schließlich wollen wir das frühlingshafte Wetter voll auskosten. Man weiß ja nie, wann wieder Schluss damit ist und was man hat, das hat man schließlich und man kann es an grauen Tagen einfach wieder aus der Erinnerung hervorzaubern.
So schlenderten wir also dahin und plötzlich hörten und sahen wir sie. Wieder einmal war nur Herrn Silberdistels kleine Kamera unsere digitale Begleiterin. Für ein paar Eindrücke von dem, was sich hoch über uns am blauen Himmel abspielte, sollten die Fotos aber wohl dennoch reichen.
Was übrigens ganz erstaunlich war, außer uns blieben noch zwei andere Passanten stehen und schauten hinauf zum himmlischen Trompetenkonzert der Kraniche. Und sie zückten, genau wie wir, eine kleine Kamera und nahmen das Schauspiel auf. Selten einmal habe ich es erlebt, dass außer mir und meinem Herrn Silberdistel noch andere Menschen andachtsvoll gen Himmel schauten, wenn sich eine Formation dieser imposanten Vögel näherte. Schön, zu erleben, dass es doch noch einige Menschen mehr gibt, die sich durch ein solch herrliches Schauspiel am Himmel für einige Augenblicke aus ihrem Alltagstrott reißen lassen.
Die Kraniche über uns drehten, sicher wegen des äußerst interessierten Publikums, mehrere Kreise, bevor sie sich auf ihre jeweilige Weiterreise machten. Eine Formation entschied sich für eine nordöstliche Reiseroute und die andere wendete sich nach Südwesten.
Ein paar Möwen kreisten fröhlich mit den Kranichen, wenn auch etwas tiefer. Sie wollten wohl ein paar zusätzliche fröhliche Akzente in meine Bilder setzen. Ich finde, es ist ihnen durchaus gelungen.
Aber jetzt – hochgeschaut und dem klassischen Trompetenkonzert gelauscht!

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Und damit das auch klappt mit dem Konzertfeeling, bitte das nachfolgende Video anklicken. Das ist zwar nicht brandaktuell von diesem Jahr, es stammt aus meinem Archiv und gibt einen Einblick in den Kranichzug vom Herbst 2013, aber die Melodie der Kraniche hat sich nicht verändert, sie klingt nach wie vor unbeschreiblich schön.

Zwei Tage nach diesem schönen Erlebnis während unseres Spaziergangs hörte ich, als ich gerade ein wenig in meinem Garten herumwerkelte, erneut Kranichrufe über mir. Der Tag neigte sich bereits langsam dem Abend entgegen und so stand auch die Sonne bereits entsprechend tief.

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Aber gerade dieses abendliche Licht tauchte die Kraniche wieder einmal in einen wundervollen Goldschimmer. Schade, dass solche Momente immer viel zu schnell wieder vorüber sind.

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Inzwischen dürfte nun wohl die Masse der Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück sein.
Wahrscheinlich wird es schon wieder Herbst sein, wenn es hier erneut etwas von den Vögeln des Glücks zu lesen und zu sehen geben wird. Es sei denn, ich entdecke im Laufe des Sommers das eine oder andere Kranichpaar. Dann berichte ich natürlich.

Zum kalendarischen Frühlingsanfang war er, jedenfalls hier bei uns, nicht da – der Frühling. Da hat er einfach die Regentrude vorgeschickt und die, die hatte nichts anderes zu tun, als uns den ganzen Tag über etwas vorzuheulen. Der Herr, auf dessen Ankunft wir eigentlich sehnsüchtig warteten, hatte wohl keine Lust tätig zu werden – schließlich war es ein Montag. Wer mag am Montag schon gern arbeiten? Der Frühling scheint da also keine Ausnahme zu sein. Glücklicherweise  konnte uns der Anblick unseres Wintergartens trösten. Dort war nämlich Frühling – so, wie es sich gehört und meine Kamelie war der Star. Inzwischen zeigt sie mehr denn je, was sie kann, sie wird mit jedem Tag hübscher. Gestern Nachmittag hatte sie bereits fünf geöffnete Blüten. Damit dürfte es aber noch lange nicht genug sein, denn ich konnte noch etliche weitere Knospen zählen.
Dann endlich, mit zweitägiger Verspätung, kam er doch noch in die Puschen – der Herr Frühling – und als kleine Entschuldigung für diese Verspätung ließ er die Blüten der Kamelie ganz besonders hübsch in der Sonne leuchten. In der Bilderschau unten gibt es ein kleines Blüh-Update der Lady in red zu sehen

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Aber auch sonst blüht es heftig in unserem kleinen Zimmergarten. Die erste Tulpenblüte wetteifert mit der Kamelie um den schönsten Rotton, die weißen Hyazinthen bezaubern mit ihrem herrlichen Duft und meine Alpenveilchen zeigen ebenfalls, was sie können. Der trödelige Frühling konnte uns also am Montag gestohlen bleiben. Unser Zimmerfrühling war ein perfekter Ersatz.

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Was Regen und anschließend zwei Tage Sonnenschein doch ausmachen. Inzwischen sieht es auch im Garten fast berauschend farbig aus. Vielleicht war die Sache mit der Regentrude vom Frühling doch ganz gut durchdacht. Nur haben wir sein Tun nicht gleich so ganz durchschaut. Was blühen will, braucht auch Wasser. Eigentlich doch logisch, oder? Okay, Meister Frühling, ich hab’s verstanden. Ich bitte also um Nachsicht, dass ich Dir unterstellt habe, faul zu sein.
Du hast diesen tränenreichen Tag inzwischen rundum wieder gutgemacht. Sogar die ersten Schmetterlinge hast Du nun mitgebracht. Zwar taumelten sie noch halb im Winterschlaf durch mein erwachendes grünes Reich und einer von ihnen brauchte sogar ein wenig Starthilfe von mir, aber ich habe die Flattermänner durchaus als bunten Frühlingsgruß verstanden.
Ein kleiner Fuchs brauchte diese Starthilfe. Er lag nämlich ganz leblos an der Tür zu unserem Wintergarten. Vorsichtig hob ich ihn auf. Ich hatte die Hoffnung, dass ihm einfach nur zu kalt war. Und tatsächlich, als er auf meiner warmen Hand saß, begannen plötzlich die Flügel zu zittern und er richtete sich auf. Wenig später faltete er sie auseinander. Fliegen mochte er aber immer noch nicht. Ich hoffte, die von der Sonne erwärmten Steinplatten im Garten würden ihm helfen, um ganz aus seiner Starre zu erwachen. Nur, die Idee erwies sich doch nicht als so klug, denn unsere Katzen waren schnell zur Stelle, als der kleine Flattermann erneut einige Flügellockerungsübungen machte. So habe ich ihn noch einmal umsetzen müssen. Der sonnige Platz an unserem Geräteschuppen war dann scheinbar perfekt, denn als ich später noch einmal nach ihm schauen wollte, war er verschwunden. Und nein, unsere Katzen hatten ihre Pfoten dabei nicht im Spiel. Ich hatte die Vierbeiner nämlich vorsichtshalber gut im Auge behalten.

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Für Schmetterlings Nahrung sollte im Garten eigentlich gut gesorgt sein, denn es blüht derweil so allerlei. Eine kleine Auswahl gibt es in der folgenden Bilderschau zu sehen. Bei meinem Gartenrundgang hatte ich übrigens einen hübschen kleinen gefiederten Begleiter – das freche und neugierige Rotkehlchen, das immer und überall dabei sein muss.

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Mein Herr Silberdistel und ich machten am vergangenen Freitag noch einen kleinen fast schon Abendspaziergang. Die Sonne stand bereits sehr tief. Ja, sie war sogar wieder einmal da an dem Tag und wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätte daraus ein herrlicher Frühlingstag werden können. Aber hier an der Küste wirkt sich die kalte Ostsee gerade wie ein Kühlschrank aus, während die Temperaturen andernorts zumindest tagsüber bereits fleißig im zweistelligen Bereich lagen, dümpeln wir hier immer noch im einstelligen Bereich umher. Aber so ist das eben mit dem kleinen Unterschied zwischen See- und Kontinentalklima. Dafür haben wir es dann später, im Herbst, etwas länger warm. Das hat irgendwie auch was.

Aber zurück zu unserem Abendspaziergang. Wir waren schon fast wieder zuhause, als wir vor uns im Dämmerlicht eine recht große Ansammlung von Elstern entdeckten. Eigentlich waren wir gar nicht aufs Fotografieren eingerichtet. Aber Herr Silberdistel hatte zum Glück seine kleine Immer-Dabei-Kamera in der Tasche, sodass ich einen Teil der Szenerie vor uns festhalten konnten – leider nur einen Teil, denn in dem Moment, als wir zum Fotografieren stehen blieben, witterten die Elstern Gefahr und etliche von ihnen erhoben sich von ihrem Sammelplatz unter einigen hohen Bäumen. Ein paar waren zum Glück nicht ganz so fotoscheu, sodass ich sie doch noch in die Kamera sperren konnte. Scharfe Bilder sehen anders aus, aber der gute Wille ist wohl zu erkennen.
Wir Silberdistels hatten nämlich beide bisher noch nie eine solche Massenansammlung von Elstern gesehen. Das war irgendwie schon ein interessantes Bild, das festgehalten werden wollte.

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Während ich so vor mich hin knipste, waren bald fast alle der schwarzweißen Vögel vom Erdboden verschwunden. Die höheren Regionen erschienen ihnen wohl angesichts der beiden Menschen dort hinten wesentlich sicherer und so saßen sie kurz darauf hoch in den Bäumen über uns und beschwerten sich über die abendliche Störung.

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Wie ich später las, finden sich Elstern, wie auch andere Vögel, gern vom Herbst bis ins Frühjahr hinein gegen Abend zu solchen Ansammlungen zusammen. Sie haben richtige Schlafbäume, auf denen sie gemeinsam die Nacht verbringen. Erst zur Brutzeit ändert sich dieses Verhalten wieder.
Die Elstern treffen sich gewöhnlich kurz vor Sonnenuntergang und genau um diese Zeit konnten wir die Elsternversammlung auch beobachten.

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Lange sollte es nicht mehr dauern und der glühende Feuerball würde verschwunden sein.

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Als wir dann links in einen kleinen Waldweg einbogen, waren wir geradezu geblendet von der Dame, die uns fast den ganzen Winter über so sehr im Stich gelassen hatte.

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Die Elstern haben sich einen wundervollen Schlafbaum ausgesucht. Von dort oben konnten sie den Sonnenuntergang sicher in voller Schönheit genießen und vor allem mit den letzten Sonnenstrahlen noch ein wenig Wärme für die Nacht tanken und das war gut so, denn die Nacht zum Samstag wurde noch einmal eine frostige Nacht hier in meinem Teil des Nordens.

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Als wir aus dem kleinen Waldstück wieder herauskamen, lachte uns gegenüber der Sonne ein noch blass am Himmel stehendes Abendlicht an – der Mond. Gut zu erkennen war, dass dem Herrn dort oben noch ein winziges Stück bis zu seiner vollmondigen Schönheit fehlte. Inzwischen ist er aber bereits wieder auf Diät – er nimmt ab. Sein dickster Tag war nämlich der vergangene Sonntag.

Interessant, oder? Was man doch alles auf so einem kleinen Abendspaziergang entdecken kann? Herr Silberdistel, wir sollten das öfter machen!

Ein, zwei, vielleicht auch drei sonnige Tage gab es hier im Januar dann doch – großartig mehr waren es aber leider nicht. Der eine Tag, der 5. Januar, hat sich hier mit seinem herzerwärmenden Sonnenuntergang im vorangegangenen Beitrag bereits präsentieren dürfen. Ein anderer Tag, an dem die Sonne uns wieder mit einem zauberhaften Farbenspiel verwöhnte, war der Dienstagmorgen in der vergangenen Woche. Der Tag begann besonders hübsch, mit einem märchenhaft rosaroten Morgenhimmel. Wieder waren es nur wenige Momente, die den Himmel so prachtvoll erscheinen ließen.

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Das kräftige Rosarot wurde rasch blasser, je höher die Sonne stieg.

Und als sie dann in der Ferne um eine Hausecke zwinkerte, zerfiel der rosarote Himmelstraum leider viel zu schnell in viele winzige Teilchen. Das Gute daran aber war, dass sie uns daraus einen wunderschönen Sonnentag zauberte. Der war zum Auftanken von Farbe und Licht auch schon wieder bitter nötig – bei mir jedenfalls.
Wie gut, dass ich auch dieses Morgenrot mit der Kamera festgehalten habe. Der Rest der Woche verschwand nämlich wieder in dem leider so gewohnten trüben, ekligen und feuchten Einheitsgrau. Allerdings wurde es auch merklich wärmer. Das bisschen Winter, das hier kurz um die Ecke geschaut hatte, hat sich nämlich ruckzuck  wieder verflüchtigt, so als wäre es nur auf der Durchreise gewesen. War es wohl auch. Ich glaube, es musste eiligst in den Süden  – hatte dort seinen Winterurlaub gebucht.
Und wir? Wir sitzen nun wieder da mit unserem norddeutschen Matsch- und Schmuddelwetter. Nun ja, wenigsten haben wir diesen kleinen tröstenden Lichtblick vom vergangenen Dienstagmorgen, an dem wir uns ein wenig festhalten können.

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Aber etwas anderes ist mir noch aufgefallen, als ich am Freitag so dastand, vom Wintergarten aus in meinen Garten blickte und über den vorbeihastenden Winter nachdachte. Drang da nicht eben lieblicher Meisengesang an mein Ohr? Doch, doch, ich bin mir sicher. Da flötete eine Kohlmeise, genau wie die in dem Filmchen, dass ich mir schnell mal zur Veranschaulichung bei YouTube ausgeliehen habe.

Also, wenn das so ist, dass Meister Kohlmeise bereits vom Frühling träumt, dann träume ich doch glatt mit ihm gemeinsam und lasse den Winter gern davonhasten.

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Die Blaumeisen planen scheinbar ebenfalls bereits zumindest vorbereitend eine neue Familie. Sie begutachten nämlich schon fleißig die im Angebot stehenden Vogelvillen. Ob die Meisen mehr wissen als wir? Haben sie den Frühling etwa schon irgendwo durch eine Zaunlücke blinzeln sehen?
Wenn ich meine in diesem Jahr so besonders früh aus dem Boden spitzenden Hyazinthen anschaue, dann könnte ich natürlich vermuten, dass wohl mehr dahinter steckt, als nur simple Neugierde.
Ich möchte es ja sooo gern glauben, dass wirklich schon der Frühling dahinter steckt, vermute aber, dass sich die Hyazinthen vom eher milden Dezember an der Nase herumführen ließen und Herr Kohlmeise wohl mehr seinem Traum aus der letzten Nacht erlegen war und den nun durch meinen Garten flötet.
Die Blaumeisen, nun ja … frühzeitig nach einem Heim zu schauen, das kann sicher nie schaden. Solche Anwandlungen sollte ich vielleicht doch nicht  zu sehr überbewerten. Aber träumen, träumen kann man ja schon mal.
Auf jeden Fall können wir gespannt sein, wie es weitergeht mit dem Winter, der bisher nur mal kurz auf der Durchreise hier weilte, oder mit dem Frühling, der, wenn auch noch recht verschlafen, ab und zu bereits seinen warmen Atem durch unseren Garten schweben ließ und Meister Meise vielleicht damit sogar zu seinem frühlingshaftem Gesang animierte.

Diesen Sonnenuntergang von Anfang Januar habe ich gut und warm in meinem Herzen aufgehoben.  Aber sicherheitshalber habe ich ihn noch einmal auf der Festplatte meines PCs gespeichert. Sicher ist sicher! Wer weiß, wann der nächste herzerwärmende  Sonnenuntergang uns unsere schwächelnden Batterien mit einem solch herrlichen Farbenzauber am Himmel auftanken lässt.
Zur Not kann ich diesen zwischendurch noch einmal hervorzaubern und mir Herz und Seele wärmen, denn ein paar Tage bis zum Frühling, wenn es allgemein wieder wärmer und heller wird, werden wohl noch vergehen und irgendwie müssen wir ja schließlich über die Runden kommen.
Also, wärmt Euch mit, wenn Ihr mögt. Vielleicht werden ja auch Euch Sonnenuntergänge nie, aber auch nie, langweilig. Mir jedenfalls geht es so. Ich kann immer wieder neu in ihnen versinken. In diesem Sinne Euch allen ein schönes sonniges Wochenende – so oder so 😉

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In der vergangenen Woche werkelten mein pelziger Keks und ich fleißig im Garten, so fleißig, dass wir alle Restarbeiten erledigen und das Gartenjahr damit erfolgreich abschließen konnten. Ich berichtete hier darüber. Und es gab sogar Lohn für unsere fleißige Arbeit – Goldgeschenke. Gut, Keks hatte als Lohn für seine Arbeit eher anderes im Sinn, etwas Greif-, noch besser Fressbares, schwebte ihm vor. Diesen Wunsch habe ich ihm selbstverständlich erfüllt, hatte ich doch noch etwas gutzumachen wegen meiner Meckerei mit der Schnur für den Moorbottich.
Ich aber nahm das Geschenk aus Gold begeistert an,  auch wenn es scheinbar unerreichbar hoch am Himmel hing. Es war nämlich ein Himmelsgeschenk, ein Himmelsgeschenk, das die Sonne am Abend nach unserer Gartenarbeit mit Hilfe der Wolken in einen bezaubernden Abendhimmel gemalt hatte – ähnlich dem Goldrausch-Wochenende, von dem ich hier vor einer Weile ebenfalls berichtet hatte.
Eine gewisse Ähnlichkeit gab es schon mit den Himmelsgemälden vom Goldrausch-Wochenende, aber eher nur in der Farbwahl. Von den Strukturen her war es wieder einmal anders. Ich glaube, ich könnte den Himmel noch viele Tausend Male fotografieren und nie würde ein Bild dem anderen gleichen. Immer wieder wäre es neu, was die Zauberin Natur mit ihrem Malkasten dort oben in Wolkenhausen gestaltet.
Meine Kamera, die natürlich immer Kumpel ist, zwinkerte mir verschwörerisch zu. Auch wenn die Trauben wie in diesem Falle sehr hoch hingen, sie wusste, wie wir all das Gold in meine Schatzkiste zaubern könnten. So stiegen wir beide hinauf zu meinem Kranichausguck und dann begannen wir in bester Teamarbeit, das goldene Himmelgeschenk einzusammeln.

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Und während wir fleißig sammelten, drangen plötzlich wohlbekannte Laute an mein Ohr, Laute, wie ich sie den ganzen Oktober über bis in den November hinein fast täglich gehört hatte. Aber wo kamen sie her?

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Ich lauschte und suchte gespannt den immer dunkler werdenden Himmel ab und dann sah ich sie – schattenhaft, kaum noch in der hereinbrechenden Dunkelheit zu erkennen – eine kleine Formation von Kranichen. Schnell kamen sie näher und zogen schließlich über unser Haus hinweg. Noch lange klangen ihre Rufe durch den frühen Abend.
Ihrer Flugrichtung nach zu urteilen, waren sie Richtung Ostsee, zu ihren Schlafplätzen, unterwegs. Ob ich sie in den nächsten Tagen noch einmal wiedersehen würde? Sicher gehören sie zu den Kranichen, die alljährlich hier bei uns überwintern. Einige Tausend sollen es sein, die den beschwerlichen Flug in die wärmeren Regionen gar nicht erst auf sich nehmen. So können sie im Frühjahr die besten Brutplätze besetzen.

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Mein Blick fiel wieder nach Westen, zum Himmelsgold. Fasziniert schaute ich hinauf zu dem wellenförmigen Wolkenbild schräg über mir. Wenn ich nicht wüsste, dass dort oben kein Meer sein kann, würde ich glauben, es ist an diesem Tag ausgezogen, um den Himmel für sich zu erobern. Die Wolken ähnelten einem im Sturm tosenden Meer. Ich meinte fast, das Wellenrauschen zu hören. Und dann, wenige Augenblicke später ist all dieser Zauber vorbei, die Sonne ist in dem rotgoldenen Meer versunken  …

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Vier Tage später trifft das ein, was ich mir an jenen rotgoldenen Abend erhofft hatte, der Kranichgesang wiederholt sich. Dieses Mal hören wir ein Morgenlied. Als hätte ich es geahnt, habe ich am Abend zuvor meine Kamera mit hinauf in unseren Kranichausguck genommen. Ich fühle mich richtig belohnt, als ich am Morgen die Stimmen dieser herrlichen Vögel vernehme und wie der Wind bin ich mit der Kamera am Fenster. In rasanter Geschwindigkeit sehe ich sie auf mich zukommen und erwische sie gerade noch, bevor sie hinter dem Dachfirst unseres Hauses verschwinden. Zum Staunen bleibt kaum Zeit, obwohl mir während dieser wenigen Sekunden nicht entgeht, wie herrlich die eleganten Vögel aussehen. Vergoldet vom Licht der aufgehenden Sonne fliegen sie dahin, begleitet von ihren melancholisch klingenden Trompetenrufen. Welch unbeschreiblich schöner Anblick, welch herrlicher Gesang.
Später am PC sehe ich, dass die Kamera diesen Goldschimmer tatsächlich gut festgehalten hat und ich erlebe das ganze Spektakel von Neuem und nun bleibt mir auch genug Zeit zum Staunen und Bewundern.

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Doch bevor ich mir die Bilder am PC ansehe, schaue ich dankbar in die langsam immer höher steigende Morgensonne. Ohne sie wäre das eben nicht möglich gewesen, ohne sie hätte es diesen goldenen Kranichmoment, dieses fliegende goldene Himmelsgeschenk, nicht gegeben. Kraniche im Dezember! Ist das nicht schön?

Oder doch mehr gemein als schön? Oder gar sowohl als auch? Also, wenn man mich fragt, dann ist sie schön, wunderschön. Aber sie kann auch so gemein sein, ganz schön gemein sogar. Im Moment ist sie eitel, hat sich mehr auf das Schönsein verlegt.
Es ist gerade ein paar Tage her, es war an diesem Wochenende mit den herrlich goldenen Sonnenuntergängen, da ist es mir wieder einmal ganz besonders aufgefallen, wie schön sie ist, meine Lieblingsbirke. Und dass sie Geschmack hat, konnte man an dem besagten Wochenende mehr als deutlich sehen und auch, dass sie sich ihrer natürlichen Schönheit durchaus bewusst ist. So war es also kein Wunder, dass die schlanke Schönheit noch eins draufsetzte und sich die goldenen Zutaten zunutze machte, die Frau Sonne an diesen Tagen in den Abendhimmel gezaubert hatte. Kurzerhand bediente sie sich nämlich an der am Himmelszelt schwebenden eleganten goldenen Abendrobe. Verzückt beobachtete ich ihre allabendliche Verwandlung zur vollkommenen Schönheit.

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Aber nicht nur an den Abenden sah sie betörend aus. Sie versteht es ebenso, sich gekonnt für den bevorstehenden Tag zurechtzumachen.

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Birke im goldenen Morgengewand und Federschmuck im Haar

Wenn ich morgens nach dem Duschen aus dem Badfenster schaue, kann ich zu ihr hinüberblicken und sehen, wie sie sich für den neuen Tag gekleidet hat. Immer wieder lässt sie sich etwas Neues einfallen. Hier und dort ein bisschen Gold in ihrem lang hinunter wallenden Haar und mitunter schmückt sie sich mit einem zusätzlichen Accessoire wie oben auf dem Bild zu sehen, …

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Ein Federschmuck in der Art, wie ihn die Birke gern einmal trägt – Kreation „Nebelkrähe“

… einem grau-schwarz gemusterten Federschmuck, etwa in der Art wie Nebelkrähen ihn zu tragen pflegen.

Mit wissenschaftlichem Namen nennt sich meine Lieblingsbirke übrigens „Bedula pendula“. Wem das zu kompliziert ist, der darf sie auch ganz simpel „Hängebirke“ oder noch treffender „Gemeine Birke“ nennen, denn gemein ist sie neben all ihrer Schönheit nämlich auch, ganz gewaltig sogar. Auch wenn ich sie gerade ganz selbstvergessen bewundert habe, weiß ich doch, dass nicht nur pure Schönheit in ihr steckt. Im Frühjahr kommt, jeder Birkenpollenallergiker wird es wissen, regelmäßig ihre gemeine Ader zum Vorschein, nämlich dann, wenn sie großzügig und erbarmungslos ihren gelben Blütenstaub in alle vier Winde verteilt und mir das Atmen und somit das Leben schwer macht. Wenn sie meint, sie hätte mich da schon wieder einmal mit all ihrer Schönheit zu Tränen gerührt, dann irrt sie in dem Falle ganz gewaltig.
Im Frühjahr hält sich meine Bewunderung für sie doch sehr in Grenzen. Meistens kann ich sie vor lauter Tränen in den Augen eh nicht richtig sehen. Ich weiß gar nicht, warum sie sich da so ins Zeug schmeißt. Naja, vielleicht hat sie zu der Zeit andere Bewunderer als mich. Soll sie, denn dass sie eine Schönheit unter den Bäumen ist, das will ich ihr trotz dieser Frühjahrsgemeinheit ganz neidlos einräumen.

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Birke im nur noch recht dünnen Herbstgewand im November-Abendlicht

Für mich müsste sie nicht so angeberisch mit Blütenstaub um sich werfen. So bewundere ich sie lieber und mit klarem Blick etwas später im Jahr, dann, wenn sie nicht mehr so verschwenderisch mit Pollen um sich wirft, dann, wenn sie ganz fesch in sommerliches Grün gekleidet ist oder noch ein wenig später, wenn sich ihr grünes Gewand langsam herbstlich vergoldet. Selbst dann, wenn nach und nach ihr wallendes Haar dünner und dünner wird, wenn der Herbst es licht macht und sogar im Winter, wenn sie ganz nackt und kahl vor uns steht, ist sie eine tolle Erscheinung.
Warum nur, muss sie im Frühjahr nur so gemein sein? Sie hat es doch gar nicht nötig, auf so gemeine Art auf sich aufmerksam zu machen. Man kann doch gar nicht anders, man muss sie einfach bewundern und ohne diese Gemeinheit im Frühjahr hätte sie bestimmt noch etliche Bewunderer mehr.