Mit ‘Pech’ getaggte Beiträge

Vom Prinzip her verliefen unsere Weihnachtstage recht nett und entspannt – bis auf … Nun ja, ein paar kleine Pleiten, ein bisschen Pech und die eine oder andere Panne gaben sich dennoch die Hand.

Dsc06787Es begann damit, dass ich am Nachmittag des Tages vor Heiligabend unser Nadelbäumchen aus dem Garten hinüber an seinen Platz in unser Wohnzimmer stellen wollte. Voller Tatendrang schaute ich vom Wohnzimmerfenster aus hinaus auf das Bäumchen. Etwas Hilfe würde ich für die Umsetzung wohl brauchen. Herr Silberdistel musste her. Ich atmete eben tief ein, um meinen Gatten lautstark herbeirufen zu können, als mir bei einem erneuten Blick auf den Baum abrupt der Atem stockte. Mein Gott, wo, wo endete nur die Spitze des ehemals kleinen Bäumchens? Ich schaute irritiert hinaus in den Garten, dann hoch zum Wintergartendach, das nur unwesentlich niedriger ist als unsere Wohnzimmerdecke. Das Bäumchen aber ragte etliche Zentimeter über das gläserne Dach des Wintergartens hinaus. Wie konnte mir das bisher entgangen sein? Oder lag hier eine der berühmten optischen Täuschungen vor? Ich schaute noch einmal und noch einmal, einmal aus diesem, dann wieder aus jenem Winkel. Das Ergebnis blieb unverändert. Schließlich ging ich hinaus, blickte langsam und ein bisschen furchtsam am Baum empor. Mein Gott, er endete ja überhaupt nicht. War er nicht fast doppelt so groß wie ich selbst? Warum nur war mir das nicht bereits aufgefallen, als ich ihm seine neue Lichterkette umhängte? Ich muss irgendwie betriebsblind gewesen sein. Mir würde wohl nichts anderes übrig bleiben, als vor der geplanten Umsetzung zunächst seine exakte Höhe festzustellen.

Einigermaßen irritiert über die Steine, die mir so unerwartet in den Weg gerollt waren, eilte ich zurück ins Haus und wenig später mit einem Zollstock bewaffnet wieder in den Garten. Zuletzt hatte der Baum Weihnachten 2015 festlich geschmückt in unserem Wohnzimmer gestanden. Mein Gott, wie schnell die Kleinen doch groß werden! Dass Kinder das können, habe ich bereits mehrmals erfahren. Aber dass mir auch mein kleines Bäumchen, das ich einst samt Topf locker unter einen Arm geklemmt nach Hause getragen hatte, das antun würde, fand ich nahezu unbegreiflich.
Wenig später sprach mein Zollstock Bände. Unser eben noch so kleines Weihnachtsbäumchen war um 20 cm zu groß für unser Wohnzimmer. Was nun? Ob Herr Silberdistel Lust hatte …? Nein, er hatte keine Lust, wie meine bescheidene Nachfrage ergab. Und ich? Ich hatte auch keine Lust, mich jetzt noch nach Weihnachtsbaumsuche auf den Weg zu machen, d.h. … Moment mal … Und schon stand ich erneut draußen im Garten und schaute auf ein winziges spirreliges Etwas. Nun ja, es war ein wenig dürftig benadelt, aber immerhin benadelt. Es war fast noch ein Baby. Zwischenzeitlich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, hatte ich es sogar recht stiefmütterlich behandelt. Es hatte zu lange in einem äußerst winzigen Topf ausharren müssen und so sah es halt wegen des zu langen Ausharrens in seinen zu kleinen Schuhen besonders mickrig aus. Aber immerhin war es ein Nadelbäumchen. Ob ich mein stiefmütterliches Verhalten wieder gutmachen könnte – mit einem ganz speziellen Vorschlag? Oder würde es sich, immer noch beleidigt, empört von mir abwenden? Egal, ich fragte es einfach. Ich fragte, ob es Lust hätte, sich schick weihnachtlich herausputzen zu lassen und uns Silberdistels als Weihnachtsbäumchen zu dienen? Welche Frage? Natürlich, und wie es Lust hatte. Es plusterte sich vor lauter Stolz richtig auf wie eine kleine Henne und sah gleich gar nicht mehr so mickrig aus.

Und so kam es, dass ein stolzes kleines Babynadelbäumchen uns vor einer Beinahe-Weihnachtsbaumpanne errettete. Es ist übrigens ein echtes Rhöner Nadelgehölz – aus dem Samen eines aus dem Urlaub mitgebrachten Fichtenzapfens gezogen – von mir selbst. Das Bäumchen trug mir nicht länger mein stiefmütterliches Verhalten nach. Es gab einfach alles und rettete mit seinem kleinen bescheidenen, aber dennoch wunderfeinen Glanz unser Weihnachtsfest.Dsc06854

„So ein Mist aber auch! Wie konnte das nur so schiefgehen? Irgendwie muss es doch wohl zu schaffen sein, den Silberdistels die Weihnachtstage zu verderben!“, dachte sich die Panne beim Anblick des winzigen Ersatzweihnachtsbaumes und holte sich flugs bei Kollegin Pleite Rat. Die Pleite grinste auch sogleich listig und flötete der Panne ins Ohr, sie hätte bereits Vorsorge getroffen. Es würde schon noch einiges schiefgehen. Sie, die Panne, könne sich ganz darauf verlassen.
So kam es, dass uns zwar ein niedliches und bezauberndes Bäumchen aus der Baumpatsche half, aber ein Teil der Geschenke, die unter dem Weihnachtsbäumchen liegen sollten, reisten nicht an. Drei von ihnen hatten sich auf dem Weg zu uns von Frau Pleite irgendwie aufhalten lassen. Der heilige Abend war rechtzeitig da, sogar stilgerecht mit Bäumchen, nur diese drei Schlendriane waren nicht zur Stelle. Aber Not kann bekanntlich nicht nur einmal erfinderisch machen. Und so bastelte ich eilig einige Gutscheine zusammen und legte diese mit viel Liebe unter unser Bäumchen. Wie war die Pleite da sauer, als sie das sah! Aber sie versprach der Panne, noch eins drauflegen zu können. Eine Pleite würde so schnell nicht aufgeben.

Die Panne murmelte sich etwas in ihren nicht vorhandenen Bart, war sie doch recht unzufrieden mit der Arbeit der Pleite, und rief sicherheitshalber lieber noch das Pech zu Hilfe. Viel hilft vielleicht am Ende doch viel, sagte sich die Panne.

Das Pech zierte sich natürlich nicht lange und gesellte sich auch sogleich, noch am Abend des 1. Weihnachttages, an meine Seite. Ich stand gerade mit Rührschüssel und Handrührgerät bewaffnet in der Küche und werkelte an einem Brötchenteig für das Frühstück am nächsten Morgen herum. Das Pech blickte mir neugierig über die Schulter und bemerkte, dass umgehendes Handeln angesagt war. Der Teig schien fast fertig zu sein. Und knacks … hatte das Pech unverzüglich zugeschlagen. Ein Knethaken war mit einem trockenen Knackgeräusch durchgebrochen – einfach so, ohne Vorwarnung. Mit offenem Munde starrte ich auf den zweigeteilten Knethaken. Alles hätte ich erwartet, dass das Getriebe seinen Geist aufgibt oder die Knethaken sich unerlaubt aus ihrer Halterung entfernen, aber nicht, dass ein Knethaken einfach abschert. Mittlerweile durch unvorhergesehene Ereignisse bereits ein wenig abgehärtet, klaubte ich den Knethakenrest aus der Schüssel, begutachtete kurz den Brötchenteig, befand ihn einfach für gut, auch wenn er noch ein paar Knetgänge hätte gebrauchen können, bedeckte die Schüssel mit einer Folie und stellte mein Werk zum Gehen zur Seite. Ich würde mir nicht von einem Knethaken die Laune verderben lassen. Das Pech schaute mich fassungslos an und später ebenso fassungslos auf die trotz Sabotage perfekt gelungenen Frühstücksbrötchen.

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Die Pleite jedoch sprach zu den Damen Panne und Pech: „Wartet es nur ab, wir kriegen sie noch!“

Und so zog langsam der zweite Weihnachtstag ins Land. Wir Silberdistels hatten noch ein gemeinsames Mittagsessen mit unserem Sohn geplant und anschließend einen Weihnachtsbesuch bei meinem Mütterchen.
Huch, ich musste ja schnell noch die Geschenke einpacken, denn ohne Geschenke kein Weihnachtsbesuch. Aber das würde ich alles noch locker gebacken kriegen. Ich suchte eilig Weihnachtspapier und Geschenkband zusammen und schon war alles eingepackt. Doch dann … da war doch noch was? Ich schaute auf meine zwei Päckchen und dabei beschlich mich ein ungutes Gefühl. Es sah irgendwie aus, als würde noch etwas fehlen. Richtig! Es fehlte der Küchenkalender, den wir schon seit vielen Jahren fast traditionsgemäß an meine Mutter verschenken. Sie wartet regelrecht auf dieses Geschenk, in das sie alle wichtigen Termine eintragen kann und das sogar noch nette Rezepte parat hat. So eilte ich in mein Zimmer, um mit einem Griff besagten Kalender zur Hand zu nehmen. Aber, aber … wo war er nur? Lag er nicht eben noch deutlich sichtbar auf meinem Schreibtisch? Ich wühlte hier, ich wühlte da – nichts. Lag er vielleicht bei den anderen Kalendern unten auf dem einen Bücherregal? Nein, dort war er auch nicht. Vielleicht im Schrank im Schlafzimmer? Weder dort, noch sonst wo war dieser blöde Kalender.
Mein Blutdruck eilte in ungeahnte Höhen. Herr Silberdistel getraute sich schon gar nicht mehr, mich anzusprechen, musste er, nach meinen Rumpelstilzchentänzen zu urteilen, doch befürchten, ich könne mich ebenso wie dieses Männeken vor lauter Ärger über meine eigene Dummheit mitten hindurchreißen und anschließend in Luft auflösen. Wie käme er dann zu seinem Mittagessen?

Der Verzweiflung bereits recht nahe, fiel mein Blick rein zufällig auf die Uhr. Mein Gott, hatte ich die ganze Zeit etwa mit der Sucherei verplempert? Unser Mittagsgast würde gleich aufschlagen und ich hatte noch nichts vorbereitet. Egal wo sich der Kalender versteckte, ich musste mich jetzt schnellstens um das Mittagessen kümmern.

Köcheln kann mitunter recht entspannend sein. Ich merkte bald, dass zumindest mein Blutdruck das so sah und sich erlöst auf den Normalwert zurückfallen ließ. Sogar mein zuvor noch rauchender Kopf hatte sich abgekühlt und schlug mir vor, doch einfach einen anderen Kalender mitzunehmen. Ich hatte glücklicherweise den Geschenken von Apotheke & Co. nicht widerstehen können und somit reichlich Auswahl.
Andererseits waren es noch ein paar Tage bis zum Jahresende. Vielleicht würde der Vermisste doch noch rechtzeitig wieder auftauchen. Ich war sicher, er lag irgendwo ganz offensichtlich und unübersehbar herum.

Auch wenn ich ein weiteres Mal den drei Unglücksdamen die Stirn geboten hatte, ein bisschen hatte die Pleite mich an diesem Tag doch am Haken gehabt. Aber immerhin hatten mir die Damen nicht auch noch in die Suppe gespuckt. Diese Chance hatten die drei verpasst. Das Essen, Reh-Medaillons mit Schupfnudeln und Buttergemüse und anschließendem Eis, war durchaus gelungen. Und der Rest des Tages verlief so übel auch nicht. Mein Mütterchen sah die Kalendersache recht entspannt und freute sich auch über das Ersatzstück. Wahrscheinlich zweifelten Pleite, Pech und Panne am Ende selbst ein wenig an ihrer Kunst und vor lauter Ratlosigkeit ließen sie mich den Rest des Tages in Ruhe, sodass ich ihn ganz entspannt mit meiner Familie genießen konnte.

Ich ahnte allerdings nicht, dass die drei gehässigen Unglücksdamen so schnell dann doch nicht aufgeben würden. Sie hockten nämlich immer noch in unserem Haus zusammen und schmiedeten Pläne. Das Pech führte dabei den Vorsitz und sprach selbstsicher und gehässig aus: „Einen, einen hab ich aber doch noch!“

Auch wenn es nicht mehr ins Weihnachtsgeschehen reinhaute, das war dem Pech herzlich egal, wichtig war, dass es überhaupt noch einmal reinhaute.
So klopfte mir das Pech dann schnell noch am nächsten Morgen auf die Finger, just in dem Moment, als ich am Abwaschbecken stand und Herrn Silberdistels Lieblingsallroundglas abzuwaschen gedachte. Das Pech schlug einmal kurz und knackig auf meine Finger und schon sauste das Glas aus meiner Hand und schlug mit einem Klirrlaut hart im Abwaschbecken auf. Zart besaitet wie es war, zerbrach es in viele kleine Einzelteile. Eines davon biss mir sogar noch heftig in den Finger. Ich hörte das Pech schallend laut hinter mir lachen, wusste es doch, dass Herr Silberdistel unlängst voller Stolz auf dieses Glas gewiesen hatte, eines der letzten in unserem Bestand, das noch, wie es vor Urzeiten einmal üblich war, einen Eichstrich trug. Entsprechend betrübt war mein Herr Silberdistel natürlich, als ich ihm mein Pech beichtete.

Irgendjemand muss am Ende aber doch Mitleid mit mir gehabt haben. Vielleicht hatte das Glück auch inzwischen seinen Weihnachtsschlaf beendet und bemerkt, wie mir dieses gehässige Dreiergespann das Leben schwergemacht hatte. Vielleicht fühlte es sich gemüßigt, einen kleinen Ausgleich zu schaffen.

Jedenfalls saß ich an jenem Morgen nach Weihnachten an meinem PC und grübelte noch einmal über den verschwundenen Küchenkalender nach. Ich hatte ihn damals zusammen mit einigen anderen Büchern in einer Online-Buchhandlung bestellt. Was waren das noch für Bücher? Hatte ich eventuell alles zusammen weggelegt? Wenig später hatte ich über mein Konto bei der Buchhandlung erfahren, dass es sich um einen Roman und ein Brotbackbuch gehandelt hatte. Ob der Kalender bei dem Backbuch …? Ich hatte den Satz noch nicht richtig zu Ende gedacht, als rechts von mir eine kleine Ecke von so etwas wie geriffeltem Packpapier aufblitzte.

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Es schaute keck unter zwei Rechnungen hervor, die ich dort zum späteren Abheften abgelegt hatte. Neugierig zupfte ich an der braunen Ecke und was kam zum Vorschein? Richtig, der gesuchte Kalender.

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Ende gut – und FAST alles gut 😉 – fast,
denn die drei bummelnden Geschenke sind noch immer nicht eingetrudelt.

Apropos Ende – auch das alte Jahr nähert sich seinem Ende. So will ich doch jetzt gleich noch die Gelegenheit nutzen und allen, die bis zum Ende meiner Weihnachtsgeschichte durchgehalten haben, einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen.

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Wir Silberdistels werden es uns bei einem Glas Wein oder/und Sekt gemütlich machen. Unser Keks steht uns da in nichts nach. Auch er liebt die Gemütlichkeit und den Wein. Nein, nein, weder er noch wir sind Trinker, d.h. wir dann irgendwie schon eher als er. Er hat eine ganz andere Liebe zum Wein entwickelt – eine die mehr mit dem Drumherum um den Wein zu tun hat. Es ist Liebe zum Weinkarton. Die ist allerdings recht intensiv, wie man sehen kann. Na, und den kleinen Ball mag er mindestens ebenso wie die tolle Weinkiste.

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Wenn’s am Silvesterabend um Mitternacht überall knallt und kracht, wird dieses vergnügliche Spiel vielleicht ein abruptes Ende finden. Aber wir Silberdistels sind ja da und halten bei Bedarf unseren pelzigen Mitbewohnern die Pfoten. Euch halte ich nicht die Pfoten, aber ich drücke die Daumen, dass das kommende Jahr ein überaus Gutes für Euch wird.

Kommt also gut dort drüben an in 2018 und geht bitte möglichst sämtlichen Pleiten, Pechs und Pannen aus dem Weg. Ich halte uns allen die Daumen, dass wir diesem fiesen Dreigestirn 2018 gar nicht erst begegnen. Auch um Krankheiten und all die anderen Miesmacher dieser Erde machen wir alle einen großen Bogen, versprochen? Also, habt ein gutes, ein gesundes, aber auch ein abwechslungsreiches und spannendes  2018!

Und ich freue mich auf ein Wiederlesen in 2018! Also, bis bald!

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