Mit ‘NABU’ getaggte Beiträge

… hatten scheinbar die Vögel in meinem Garten, als dieses Mal die „Stunde der Wintervögel“ geschlagen hatte. Für das Wochenende vom 5. bis 7. Januar war von NABU und LBV wieder zur Teilnahme an der bundesweiten Zählung der Federbälle aufgerufen worden.

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Eine Blaumeise als Gast an einer unserer Futterstellen

Ich hatte mir den sonnigen Sonntag für meine Mitarbeit ausgesucht. Sogar meine versierten pelzigen Vogelkenner, d. h. zwei von ihnen – unsere beiden Katzendamen, die graue Eminenz und Torty – hatten einen Blick aus dem Fenster hinab in unseren Garten geworfen – ganz nach dem Motto: Vier bzw. sechs Augen sehen mehr als nur zwei menschliche, die noch dazu mit Katzenaugen nicht vergleichbar sind. So war ich über die Hilfe recht erfreut.

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Torty hat vor, mir bei der Zählung der Federbälle Hilfestellung zu leisten

Als Vorbereitung auf die Zählstunde hatte ich mich nicht nur mit Stift, Papier, Bestimmungsbuch, Fernglas und Kamera bewaffnet. Ich hatte auch alle Futterstellen noch einmal gut gefüllt. Wenn das die gefiederten Gäste nicht anlocken würde!

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Unsere graue Eminenz ist nicht weniger gespannt als ich

Mensch und Tier warteten also voller Spannung auf das, was sich im Garten während der nächsten Stunde tun würde.

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Zwei Schwanzmeisen sitzen ganz kurz an unserer Knödelstation

Ich hatte mich noch gar nicht richtig auf meinem Beobachtungsplatz eingerichtet, als zwei Schwanzmeisen durch den Garten flatterten. Nur kurz ließen sie sich an unserer Knödelstation nieder. Dann waren sie wieder fort. Das fing so schlecht nicht an. Ich war guter Dinge.

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Der Zaunkönig ist auch wieder da – das Foto hier ist allerdings bereits am Neujahrstag aufgenommen

Und dann zeterte plötzlich der kleine Zaunkönig, der bereits seit etlichen Tagen immer wieder an den Futterplätzen auftaucht. Aber warum schimpfte er so erbost? Aufgeregt flatterte und hüpfte er von Ast zu Ästchen. Unsere Katzen konnten nicht der Grund dafür sein, hatten sie doch während der Zählstunde Ausgehverbot. War eine andere Katze unterwegs?

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Nein, keine Katze, ein anderer Vogel war scheinbar zum Störenfried ernannt worden. Dieser Störenfried schien aber auch nicht ganz ohne zu sein. Er war gerade dabei, mit vollem Körpereinsatz eine der Schwanzmeisen von der Futterkette zu vertreiben. Aber was sah ich da? Diese Art von Störenfried müsste doch eigentlich im sonnigen Süden weilen. Oder hatte ich mich jetzt so arg verguckt?

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Der kämpferische Vogel ist tatsächlich eine Mönchsgrasmücke – normalerwiese ist sie ein Zugvogel

Ein Blick durchs Fernglas bestätigte mir, dass es sich um einen Mönchsgrasmückenmann handelte. Er gehört so gar nicht zu den typischen Wintervögeln unserer Gärten. Gewöhnlich verbringen diese Vögel den Winter im sonnigen und warmen Süden. Aber auch unter dem Vogelvolk scheint nicht mehr alles so zu sein, wie es mal war. Bereits im vergangenen Winter war eine Grasmücke in meinem Garten zu Gast.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Dieser Herr mit der schwarzen Kopfplatte jedenfalls schien sich in meinem Garten völlig zuhause zu fühlen, so sehr zuhause, dass er sogar der Meinung zu sein schien, dass für andere Vögel absolut kein Platz an Futterhaus, Knödelstation oder Futterkette wäre. Er bemühte sich kämpferisch, nicht nur Schwanzmeisen und Zaunkönig zu vertreiben.
Einer Blaumeise erging es wenig später ähnlich wie den beiden anderen vom Futterplatz Vertriebenen. Ständig war Herr Mönchsgrasmücke hinter ihr her.

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Die flinke Blaumeise ist pfiffig und kommt zu ihrem Leckerbissen

Doch die Blaumeise ließ sich nicht so schnell entmutigen. Sie kam trotz Streiterei zu dem einen oder anderen Leckerbissen.

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Sie ist wohl doch ein bisschen zu fix für Herrn Grasmücke

Auch das wenig später auftauchende Rotkehlchen wurde von der Kampfgrasmücke nicht gerade freundlich begrüßt.

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Ein Rotkehlchen taucht auf. Die Mönchsgrasmücke beäugt den Rotbauch misstrauisch

Aber der kleine Vogel mit dem roten Latz ist durchaus ebenso kampferprobt wie die Mönchsgrasmücke. Er ließ sich nicht so schnell abschrecken.

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Keck blieb der Rotbauch sitzen und wenig später landete er auf dem Boden und pickte dort in aller Ruhe Heruntergefallenes auf.

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Ich war also während meiner Zählstunde durchaus beschäftigt, aber viel mehr als der Kampf der kleinen 😉 Titanen tat sich die ganze Zeit über nicht. Eine Amsel tauchte noch kurz auf und in der Nähe waren zwei Elstern, eine Möwe und drei Nebelkrähen zu sehen. Kurz vor Ende meiner Zählstunde flatterten noch zwei Kohlmeisen herbei. Das war’s dann auch schon. Weit und breit kein einziger Sperling, was mich sehr erstaunte. Oft sind so viele von ihnen an den Futterstellen, dass ich Mühe habe, sie zu zählen. Wer weiß, wo sie gerade unterwegs waren.

Später am Abend hörte ich noch Kraniche. Das war ein schöner Tagesabschluss, auch wenn die Kraniche nicht während meiner Zählstunde vorüberzogen. Aber trotz des eher sparsamen Betriebs in meinem Vogelgasthaus habe ich einen interessanten Nachmittag erleben dürfen, konnte ich doch einige eher außergewöhnliche Gäste zählen.
Unser Keks fand das alles allerdings weniger spannend. Vögel vom Fenster aus zu beobachten, ist nicht so sehr sein Ding. Wenn er schon nicht draußen Federbälle zählen darf, dann lieber gar nicht. Da ist eine Mütze voll Schlaf auf der warmen Heizung viel schöner.

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Glück ist eine warme Heizung

Jaja, aufs neue Jahr sowieso. Aber auch sonst gab es hier viel zu tun. Nein, nicht zu Weihnachten. Da hatten wir nur zu tun, dem vielen Besuch aus dem Wege zu gehen. Aber der ist ja nun wieder weg und wir können uns anderen Dingen widmen – z. B. der Vogelzählerei. Die Silberdistel hat uns nämlich verraten, dass wir bald Vögel zählen dürfen. Da ist demnächst so etwas wie die Stunde der Wintervögel. Alle Katzen und Menschen sind von so einem Vogelzählverein aufgerufen worden, die Vögel zu zählen, die in und um ihren Garten oder um ihr Haus flattern. Wir Katzen sind nun dabei, die besten Zählplätze zu erkunden. Die Oberkatze hat berichtet, dass sie schon öfter mitgezählt hat, wir aber leider nicht draußen im Garten zählen dürfen. Warum wusste sie auch nicht. Wobei das doch viel spannender wäre. Dabei könnten wir gleich so schön üben, der Silberdistel die Vögel zu bringen. Das wäre auch fürs Zählen viel einfacher. Naja, egal, bis zur Vogelzählerei werden wir wohl die besten Fensterplätze gefunden haben. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr uns jetzt schon mal beim Probelauf Gesellschaft leisten. Ach, dies ist übrigens endlich mein Beitrag, den mir die Silberdistel versprochen hat, meiner ganz allein. Der Keks und die Vögel haben nur kleine Nebenrollen. Also die müsst Ihr nicht so vordergründig beachten. Ich bin hier heute wichtig, die Torty, okay? So, los geht’s!

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„Also, zu Eurer Orientierung: Ich bin hier im Wintergarten und schaue, von wo aus man die beste Sicht auf Vögel hat. Von diesem Stuhl aus könnte ich das Vogelhäuschen schon mal ganz gut sehen. Ob es noch besser geht?“

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„Irgendwie ist dieses Bäumchen, das gerade noch im Wohnzimmer mit so buntem Spielzeugs rumstand, etwas im Wege. Aber, naja, zur Not geht es irgendwie mit dem Gucken.“

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„Ah, leise jetzt! Da sind schon die ersten Vögel zum Zählen.“

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„Ob ich vom Tischchen aus vielleicht etwas besser sehen kann?“

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„Probieren geht über studieren.“

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„Hm, jetzt sehe ich zwar nicht mehr das Vogelhäuschen, aber dafür diese Bälle, die die Silberdistel in den Baum gehängt hat. Boahhhh, und Vögel zum Zählen sind auch da.“

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„Schade, dass ich nicht draußen zählen darf. Ich wär bestimmt gut im Draußenzählen.“

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„Ich muss mal gucken, ob es noch andere gute Vogelzählplätze gibt.“

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„Oh, da sind schon wieder Vögel zum Zählen.“

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„Die Silberdistel wär bestimmt stolz auf mich, wenn wir heute schon zählen sollten.“

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„Ach so,  ich wollte ja noch andere Plätze erkunden. Auf dem Dach wär es bestimmt auch gut. Aber … aber da komme ich wohl nicht rauf. Sieht ziemlich hoch aus. Muss ich später mal erkunden.“

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„Aber da hinten am Kakteenregal ist bestimmt auch ein guter Beobachtungsplatz. Ich schau das mal aus der Nähe an.“

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„Oh ja, das könnte ein guter Platz sein.“

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„Wow, wie toll. Besser, als ich dachte. Hier kann ich all die Vögel sehen, die da in den Sträuchern lauern und sich einbilden, sie wären nicht zu entdecken.“

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„Doch Katzenaugen sehen alles. Ich glaube, ich werde am Ende die Meistervogelzählerin werden.“

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„Der Keks hängt da drinnen im Wohnzimmer auf der warmen Heizung rum und bildet sich ein, dass er von dort aus alles im Blick hat. Na, der wird sich noch wundern, wer hier am meisten Vögel zählen wird.“

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„Ich, die Torty, habe schon 12 Vögel gezählt und der Keks erst diesen einen jämmerlich kleinen, der dort gerade im bunten Strauch hockt.“

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„So, nun wisst Ihr, wie wir uns aufs Vogelzählen, das in etwas mehr als einer Woche losgeht, vorbereiten. Hm. Da war doch noch was. Was war das bloß? Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich soll von der Silberdistel noch viele Grüße bestellen und Euch einen guten Rutsch ins nächste Jahr wünschen und Gesundheit und Glück und solche Sachen. Aber vielleicht wollt Ihr ja lieber Reichtum, Schönheit und eine hübsche kleine Katze. Aber ich stehe nicht zur Verfügung. Ich bleibe hier. Hier darf ich Vögel zählen und auch sonst ist es nett bei den Silberdistels. Außerdem bin ich eine Glückskatze und als solche bin ich den Silberdistels zugeteilt. Ich habe also genau hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Aber Ihr findet sicher auch noch Eure, Eure ganz eigene, Glückskatze, wenn Ihr das wollt.
So, ich gehe dann jetzt lieber rein. Da draußen ist so ein seltsamer Lärm, der immer mehr wird. Das ist mir nun doch ein wenig unheimlich. Also, bis später dann, macht’s gut bis dahin, wo wir die Vögel zählen wollen.“

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Torty war so freundlich, mir, der Silberdistel, am Ende ihres Beitrags doch noch einige Worte zu gestatten, obwohl sie ja eigentlich schon alles gesagt hat. Natürlich weiß ich diese Ehre zu schätzen, in ihrem ersten eigenen Post gewissermaßen das letzte Wort haben zu dürfen.

So möchte ich es nicht versäumen, Euch im Namen aller Silberdistels einen guten Rutsch nach 2016 zu wünschen. Kommt gut und gesund hinüber und legt einen guten Start hin – in diesem neuen Jahr, auf dass es für Euch, für uns alle ein gutes 2016 wird. Für uns Silberdistels darf es gern ein besseres als das 2015er werden, denn das hatte zwar auch schöne Seiten für uns, aber der Kummer, den es uns gebracht hat, war dann doch ein wenig zu massiv. Wir mussten uns in diesem vergangenen Jahr schweren Herzens von drei lieben Menschen für immer verabschieden und auch den Abschied von unserem lieben Katerling Bärchen wollen wir nicht vergessen. Der Abschied von ihm fiel uns nicht weniger schwer als der Abschied von den drei Menschen. Hoffen wir also, dass 2016 Besseres mit uns und unseren Lieben im Sinn hat als 2015.

Und nun noch ein paar Worte an Dich, Du kleine Glückskatze: Du und Dein Bruder, das keksige kleine Übel, der Bluebär, Ihr seid etwas von dem Guten, das uns in diesem Jahr passierte. Leider musste zuvor etwas sehr Schmerzvolles geschehen. Ohne das allerdings wären wir Euch nie begegnet. So hoffen wir sehr, dass mit Dir und dem Bluebär an unserer Seite 2016 ein wenig besser werden wird als das Jahr, das wir jetzt gleich hinter uns lassen werden. Danke dafür, dass wir Euch finden durften und dass Ihr unseren Schmerz zumindest um unser Bärchen ein wenig erträglicher gemacht habt.

Wir Silberdistels haben am vergangenen Wochenende wieder einmal die Vögel gezählt, die rund um unseren und in unserem Garten unterwegs waren. Der NABU hatte nämlich zur „Stunde der Gartenvögel“ aufgerufen und alle Vogelfreunde darum gebeten, eine Stunde lang die Vögel zu zählen, die man in seinem Garten beobachten würde. Natürlich hatte ich wieder zwei Mitarbeiter, die allerdings bei dieser Zählung nicht ganz so eifrig bei der Sache waren wie bei der „Stunde der Wintervögel“. Dieses Mal lagen meine pelzigen Mitarbeiter zu Beginn unserer Arbeit mehr faul herum, als dass sie mir eifrig beim Zählen geholfen hätten.

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Die Katzendame fand es wichtiger, sich mit ihrer Schönheitspflege zu beschäftigen als mit der Vogelwelt, was mich dann doch etwas verwunderte.

So machte ich mich erst einmal allein an die Arbeit. Es dauerte auch gar nicht lange, da entdeckte ich die erste Kohlmeise, die fleißig in unserer Stechpalme nach Insekten suchte. Wenig später zwitscherten einige Rauchschwalben am Himmel über mir miteinander. Ab und zu ließ sich eine von ihnen gegenüber auf dem Dach nieder und plauderte zu meiner Freude dort lustig weiter. Sie hatte ganz schön viel zu erzählen.

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Das alles störte unsere Katzendame wenig. Wahrscheinlich waren die Federbälle viel zu weit weg. Vielleicht hatte ich auch ganz einfach nur einen unpassenden Moment für meine Zählung gewählt, denn irgendwie war es wohl gerade Zeit für den Mittagsschlaf bei Katzens. … und wer zählt zu dieser für Katzen nachtschlafenden Zeit schon Vögel?

Ein wenig interessierter schaute meine graue Herrschaft dann allerdings doch, als unsere Amseldame in der Dachrinne unseres Wintergartens herumhüpfte und dabei laute Klopfgeräusche hören ließ. Auch in diesem Jahr hat es sich die Amsel wieder in den Kopf gesetzt, in meinem alten Kakteenregal brüten zu wollen. Ich hoffe, sie überlegt es sich noch anders, denn dort sitzt sie für die Katzen förmlich auf dem Präsentierteller. Allerdings konnte ich jetzt im Moment nicht bemerken, dass die Katze auffallend viel  Interesse für die Amsel zeigte. Lediglich an ihren Ohren war zu erkennen, dass die Katze den klopfenden Geräuschen doch aufmerksam lauschte. Aber schließlich wurde das Pochen fachkätzisch als etwas einsortiert, das nicht lohnte, dafür auch nur ein Auge zu öffnen. Herr Silberdistel, der eben noch ganz in ein Buch vertieft neben mir saß, war auch aufmerksam geworden. Gemeinsam schauten wir gespannt und sehr interessiert hinauf zum Dach des Wintergartens, in der Hoffnung, erkennen zu können, was die Amsel dort trieb. Wir wurden auch nicht enttäuscht, denn ein wenig später hüpfte die braune Dame aus der Rinne wieder hinauf auf die Dachkante. Im Schnabel trug sie eine Sammlung von alten und feuchten Blättern, die sich im Laufe der Zeit in der Dachrinne angesammelt hatten. Mit etwas Fantasie kann man es auf dem einen Bild, das mir davon gelang, vielleicht erkennen. Auf jeden Fall sieht man doch, dass Vögel nicht nur, wie unlängst unsere Hausspatzen, einen Tennisrasen in der Dachrinne anlegen. Andere räumen die Dachrinne durchaus auch vorbildlich auf. Die Amsel hat durch ihre Tätigkeit bei mir sogleich einige Pluspunkte gesammelt.

Die Katze machte weiter ihr Nickerchen und Herr Silberdistel zog sich jetzt ebenfalls zurück. So schaute ich allein weiter in meinen Garten und lauerte auf das Federvolk. Dabei glitt mein Blick immer wieder über die vielen Blüten in meinem kleinen Gartenreich. Täglich gibt es jetzt neue kleine und große Blühwunder zu entdecken. Mein Gärtnerherz macht jeden Tag über so viel Schönes kleine Freudensprünge.

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Plötzlich wuschelte etwas an meinem Bein entlang. Der Kater war’s, sagte damit: „Hallo!“, und setzte sich auf sein kleines Sonnenbänkchen im Wintergarten und schaute zu mir hinüber. Ob er seinen Mittagsschlaf abgebrochen hatte, um mir ein wenig bei meiner mühsamen Arbeit der Vogelzählung zu helfen? Irgendwie sah er noch immer recht verschlafen aus.

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… und plötzlich wurden wir alle, Mensch und Tier, dann doch hellwach. Es rumpelte und pumpelte über unseren Köpfen. War da schon wieder die Amsel unterwegs? Die Katzendame schnatterte dieses Mal ganz aufgeregt zum Dach hinauf.

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Wo schaute sie hin? Ach, jetzt sah auch ich, wer dort oben für Unruhe sorgte. Eine der beiden Ringeltauben, die sich vorgenommen haben, ihre Zelte in unserem Garten aufzuschlagen, saß mit einem Stöckchen im Schnabel auf dem Dach.

Von dort aus kann sie den Wacholder, der gleich neben dem Wintergarten steht, gut anfliegen. Seit einigen Tagen wird dort oben fleißig an einem Nest gearbeitet. Ich werde demnächst noch genauer berichten.

13-Katze geht nun doch auf Vogelpirsch

Die graue Eminenz, nun wohl doch endgültig vom Lärm der Taube aus dem Schlaf gerissen, beschließt, einen kleinen nachmittäglichen Gartenrundgang zu unternehmen. Die Taube auf dem Dach ist eh unerreichbar. Vielleicht kann sie ihrer Vogelzählerin ja den einen oder anderen Spatzen bringen. Gut getarnt schleicht sie durch den Garten. Schließlich versteht sie ihr Handwerk und weiß, wie man sich bei der Vogeljagd Vogelzählung bewegt. Wer, wenn nicht diese Katze, ist eine begeisterte Ornithologin, außer sie ist einmal ausgesprochen müde.

Zunächst entdeckt sie nichts Flatterndes und Fliegendes – nur Vergissmeinnicht, die kleinen blauen Blümchen, die nicht nur sie, sondern auch die Silberdistel sehr mag, und durch eine kleine Lücke in all dem Grün vor ihren Augen sieht sie die hübschen Tulpen, neben denen sie so gern liegt. Von dort aus kann man nämlich den Vögeln so schön beim Bade zuschauen.

Als die Katzendame noch einmal, um Zwischenmeldung zu machen, zur Silberdistel hinüberblickt, entdeckt sie dann doch tatsächlich den ersten Spatzen. Will er etwa auch im Wacholder sein Nest bauen, gleich neben der Taubenfamilie? Das muss unter Beobachtung bleiben. Als sich die pelzige Herrschaft weiter umschaut, sieht sie einen Vertreter der Feldsperlinge auf dem Dach gegenüber sitzen und gleich daneben unterhalten sich Frau und Herr Haussperling über den diesjährigen Nestbau. Vom Dachfirst eines anderen Hauses trällert Herr Amsel sein hübsches Lied. Für den Anfang gar nicht schlecht, was die Katze für die Vogelzählung aufzuweisen hat.

Inzwischen hatte sich auch der Kater auf den Weg gemacht, um zu schauen, ob er ebenfalls etwas für die „Stunde der Gartenvögel“ beitragen kann. Ach, da ist er ja schon wieder.

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„Silberdistel, zählst Du auch Frösche und Kröten?“

„Eigentlich nicht, Katerchen. Wieso? Hast Du welche gesehen?“

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„Hier im Teichlein sonnt sich gerade unsere Kröte Arni.“

„Ach, zeig, Katerchen! Oh, tatsächlich, ich dachte schon, er wäre uns untreu geworden, weil ich ihn im letzten Jahr dann gar nicht mehr gesehen habe. Wie schön, dann können die Gartenabenteuer mit Arni ja weitergehen. Hast Du sonst noch etwas entdeckt, Kater?“

„Ja, Silberdistel, die Blaumeise, die gerade neben Dir in der Stechpalme herumturnt, dann die Elster, die dort drüben auf dem Dach lärmt und die Klappergrasmücke hier oben im Hollerbusch.“

„Oh, Kater, da warst Du ja ganz schön erfolgreich. Dankeschön, dass Du mir dann doch noch geholfen hast.“

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„Na, Kater, findest Du Vogelzählung auch so anstrengend? Ich verstehe gar nicht, was die Silberdistel daran so entspannend findet. Für mich ist das aufregend und stressig und es macht soooo müde.“

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„Oh ja, Katze, ich finde das auch total anstrengend und ich muss mich jetzt erst einmal wieder von der anstrengenden Arbeit erholen.“

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„So, Silberdistel, dürfen wir nun ein Ruhepäuschen einlegen? Haben wir genug Vögel gezählt?“

„Naja, Katze, im Winter haben wir wohl auch nicht mehr unterschiedliche Arten gezählt. Auf jeden Fall war es nett, hier einfach nur zu sitzen und zu schauen, was in unserem Garten so los ist. Dank Katerchen wissen wir sogar, dass unsere Kröte Arni wieder in unserem Garten wohnt. Bestimmt werden wir bald noch andere Bewohner entdecken. … und während Ihr beide auf Vogelsuche unterwegs ward, habe ich noch einen Girlitz entdeckt, zwei Mäusebussarde kreisen sehen, ein Stockentenpaar über uns hinwegfliegen sehen und mehrere Silbermöwen haben sich ebenfalls noch sehen lassen. Also, ich finde, das ist gar nicht so übel. Danke für Eure Hilfe und nun ruht Euch ein wenig aus. Ich mache inzwischen die Meldung für den NABU fertig.“

Für das vergangene Wochenende (9. bis 11. Januar 2015) hatten NABU und LBV zur „fünften Stunde der Wintervögel“ aufgerufen. Wieder einmal waren alle interessierten Vogelfreunde dazu aufgefordert, an einer bundesweiten Vogelzählung teilzunehmen. Natürlich waren auch wir Silberdistels dabei. Schließlich leben in unserem Haushalt ganz schön viele Vogelfreunde. So eine Vogelzählung sollte uns nicht nur Verpflichtung, sie würde für uns auch das reinste Vergnügen sein. Einige Vogelzähler aus unserer Familie waren allerdings ganz schön aufgeregt. Naja, endlich bekamen sie nun einen zahlenmäßigen Überblick über das, was so in unserem Garten los war. Wer weiß, wozu so ein Wissen noch nützlich sein könnte.
Allerdings hatten sich NABU und LBV ein ganz schön stürmisches und überaus nasses Wochenende für diese Aktion ausgesucht. Aber egal, wir würden sehen, welche Federbälle trotz der unangenehmen Witterungsbedingungen unseren Garten besuchen würden. Es war schon irgendwie Spannung pur.

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„Was sagst Du, Silberdistel? Wir sollen Vögel zählen? Oh, ist das spannend! Ich bin ganz aufgeregt. Lass mich mal gucken! Soll ich sie Dir bringen, damit Du sie besser zählen kannst?“

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„Also Katze, sooo ist das mit dem Zählen nicht gemeint. Wir sollen schon die herumflatternden Vögel zählen und vom Fangen ist eher nicht die Rede. … und außerdem … wenn Du draußen umherspringst, dann brauchen wir mit dem Zählen ohnehin nicht zu beginnen. Dann kommt eh kein Vogel in unseren Garten.“

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„Ach, Silberdistel, lass mich mal machen, lass mich einfach raus. Ich zeige Dir, wie Vogelzählung geht.“

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„Na gut Katze, dann schwimm mal los!“

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„Oh, Silberdistel, was ist das denn?“

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„Da … da macht aber Vogelzählung keinen Spaß, wenn alles so nass ist, Silberdistel.“

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„Ich, ich geh doch lieber von oben zählen, von meinem Vogelbeobachtungsplatz aus.“

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„Guck, Silberdistel, hier haben wir alles gut im Blick.“

„Okay, Katze, Du guckst und ich schreibe auf, welche Vögel Du gesehen hast. Das ist doch echte Teamarbeit, oder? … und nachher hilfst Du mir, alles in das Formular einzutippen.“

„Jaja, pass lieber auf, Silberdistel … da eine freche Blaumeise und da … noch eine … und der Spatz mit dem weißen Wintermantel ist auch wieder da.“

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„Katze? Wo willst Du denn auf einmal hin? Ist es Dir schon langweilig geworden?“

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„Brrrrr … puhhhh … brrrrr … puhhhh … brrrr … puhhh …..“

„Oh, pssssst, gaaaaaaaaanz leise. Vogelzählung ist wohl doch ein ziemlich anstrengender Job. … und ich dachte immer, Vogelzählung ist Entspannung pur … Hm, naja, nun muss ich unsere Zählergebnisse wohl doch ohne Katzenhilfe eintippen.“

Fazit unserer Beobachtungen: Obwohl Sturm und Regen unseren Garten doch recht gewaltig heimsuchten, haben wir fleißig Federbälle zählen können. Die Vögel waren also nicht so wasserscheu wie die Katze. Naja, okay, die Silberdistel saß auch lieber drinnen im trockenen und warmen Kämmerlein. Sie hat wohl doch mehr Ähnlichkeit mit einer Katze, als sie wahrhaben will. Aber von Hunden und ihren Besitzern sagt man ja auch, sie würden sich mit der Zeit des Zusammenlebens immer ähnlicher werden. Was Katzen und ihr Personal betrifft, warum sollte es da eigentlich anders sein?
Übrigens waren die Spatzen natürlich wie immer in der Überzahl – weit voran die Haussperlinge – zeitweilig waren es über dreißig auf einmal. Die drei Feldspatzen, die sich unter sie gemischt hatten, waren da eher bescheiden vertreten. Beim Zählen dieser kleinen Spatzenkolonie hatten wir ganz schön zu tun, um nicht durcheinander zu kommen. Aber wir haben es dennoch gepackt. Schließlich hatte ich kompetente Hilfe. Den Spatzen folgten dann zahlenmäßig die kleinen flinken Blaumeisen, mehrere Amseln, Kohlmeisen und Grünfinken. Das Rotkehlchen war ebenfalls so freundlich, während unserer Zählstunde vorbeizuschauen und Elster, Ringeltaube und eine Silbermöwe ließen sich auch noch kurz sehen. Außergewöhnliche Gäste waren aber dieses Mal nicht dabei – halt nur die üblichen Verdächtigen, aber die waren uns treu wie immer.

Panorama Richtung Hilders vom Buchschirm aus

Sonnenschein – Wandertag! Nichts wie los! Aber wohin? … und kann man sich weit weg getrauen? Bisher waren die Wetterfrösche mit ihren Vorhersagen nicht besonders zuverlässig. Wir überlegen, ob wir vielleicht noch einmal zum Kreuzberg wandern sollten. Da die Strecke eher kurz ist, und morgen das schlechtere Wetter sein soll, immer vorausgesetzt, man kann das glauben, entscheiden wir uns ganz spontan für eine Wanderung Richtung Thüringen.

Mein Gatte nimmt nichts weiter mit – nur seinen Fotoapparat. Ich, eher vorsichtiger, nehme etwas Verpflegung mit und meine Regenjacke, den Fotoapparat vergesse ich dieses Mal auch nicht.

Wir starten unsere Wandertour wieder in Hilders. Punkt 12.00 Uhr sind wir oben an der Kirche. Die Glocken läuten die Mittagszeit ein. Der melodische Klang begleitet uns noch ein Weilchen bergauf.

NABU-Nistkasten

Am Ortsausgangsschild von Hilders sehe ich wieder den ersten Nistkasten für den NABU. Wir sind ja mit unserer Forschung über den NABU immer noch nicht so recht weitergekommen. Heute verharren wir einen ganz langen Moment  still und unbeweglich vor dem Kasten. Plötzlich bemerke ich, dass sich am Einflugloch etwas tut. Oh, endlich, ein NABU. Allerdings hatte ich nicht gedacht, dass er so winzig klein ist. Nach den Abbildungen auf dem Schild am „Moordorfparkplatz“ hätte ich ihn wirklich für wesentlich größer gehalten. Auch von seinem Körperbau her sieht er ganz anders aus als auf dieser Abbildung. Er hat einen gestreiften Hinterleib und ist, wenn’s hoch kommt, etwa einen Zentimeter lang.

Die NABU-Wespe?

Das einzige, was Abbildung und Wirklichkeit gemeinsam haben, ist, dass beide offensichtlich fliegen können. Irgendwie kommt mir der NABU, den wir hier nun in der freien Wildbahn beobachten können, auch bekannt vor. Ob ich will oder nicht, er erinnert mich an eine Wespe. Sollte das etwa eine NABU-Wespe sein? Eine neue Art vielleicht? Es sollen ja auch Laien schon weltverändernde Entdeckungen gemacht haben. Sollten wir vielleicht …?

Glücklich und zufrieden, das Rätsel NABU doch noch gelöst zu haben, wandern wir weiter bergauf. Noch viele NABU-Häuser stehen am Wegesrand. Jetzt erst bemerke ich, dass es abrupt mit diesen Häusern aufhört und zwar an der Stelle, wo ein Schild steht, auf dem „Wasserschutzgebiet“ zu lesen ist. Wohnt der NABU etwa nur in diesem kleinen Bereich? Möglich! Deshalb haben wir wahrscheinlich auch anderswo noch nicht diese typischen NABU-Bauten gesehen. Ist es nicht wundervoll, wenn man neue Erkenntnisse hinzugewinnt und der Nachwelt mit seinem Wissen Gutes tun kann?

Wegweiser zum Thomas-Morus-Haus bzw. Buchschirm

Beschwingt ob der Tatsache, dass wir etwas dazu gelernt haben, wandern wir weiter bergauf. Heute ist es sehr warm, so dass wir uns schon wieder völlig durchnässt fühlen. Trotzdem halten wir tapfer durch, überqueren die Straße oberhalb von Hilders, gehen ein kurzes Stück am Straßenrand entlang und biegen dann nach rechts, Richtung „Thomas-Morus-Haus“ und „Buchschirm“, ab. Ein kurzes, aber steiles, Stück bergauf und der Wald beginnt.

Voodoo oder was?

An einer Wegzweigung sehen wir plötzlich ein seltsames Gebilde an einem Ast hängen. Was ist das? Ich gehe näher und betrachte den Baumbehang. Geht es hier um einen Voodoo-Zauber, dem wir lieber aus dem Weg gehen sollten, oder ist es schlicht und einfach ein Spielzeug, das ein Kind verloren hat? Etwas unheimlich ist es mir schon. Aber vielleicht hat ja auch eine mitfühlende Seele das verloren gegangene Lieblingsspielzeug eines Kindes nur sichtbar aufgehängt, damit das Kind, sollte es sich noch einmal in diesen Wald verlaufen, sein buntes Etwas auch wiederfindet. Oder handelt es sich um eine Wandermarkierung? Egal, jedenfalls markiert das hängende Teil nicht unseren Weg, so dass wir uns darüber kein Kopfzerbrechen machen müssen. Es sei denn, es hätte doch etwas mit Voodoo … Also, lieber schnell weiter, bevor da irgendetwas aus dem Wald …

Ich laufe hurtig bergauf und komme ziemlich atemlos am „Thomas-Morus-Haus“ an. Dort ist reger Betrieb. Jugendliche spielen irgendwelche wilden Spiele auf einer Wiese, andere sitzen auf einer Bank und kichern vor sich hin. Ich hoffe, dass sie sich nicht über uns amüsieren, aber irgendwie scheinen sie mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Schnell sind wir am „Thomas-Morus-Haus“ vorbei und weiter geht es bergauf. Links des Weges beginnen wieder die Weideflächen, unsere schwarzgescheckten Flachlandrinder sind auch wieder da und muhen uns zu. Rechts von uns setzt sich der Wald noch ein Stück lang fort. Als ich die Kühe sehe, fällt mir wieder ein, dass mein Gatte vor einigen Tagen, als wir die „Poppenhausener Kunstmeile“ bewanderten, ein Schild an einem Bauernhof entdeckt hatte, auf dem zu lesen stand: „Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe!“ Irgendwie zutreffend, glaube ich.

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Heute ist es im Vergleich zu den letzten Tagen recht warm. Die Insekten haben das wohl auch gemerkt. Uns umschwirren Unmengen von Schmetterlingen in allen Farben und Größenordnungen. Zum Teil sitzen sie in großer Zahl nebeneinander auf einer kleinen Blüte. Mit dem Fotografieren haben wir heute auch Glück, denn die Insekten scheinen geradezu trunken zu sein vor lauter Nektar und bleiben an der Nahrungsquelle sitzen, obwohl wir recht dicht mit unserer Kamera an sie heranrücken, um gute Bilder zu bekommen. Man kann sie ganz in Ruhe fotografieren.

Schon sind wir oben auf dem „Buchschirm“, so heißt der Berg, den wir soeben bezwungen haben, der, auf dem auch diese kleine Aussichtsplattform steht, von der aus man in die weite Ferne schauen kann. Heute steigen wir die Treppen zur Plattform hoch und schauen rundum. Schöne Gegend, die Rhön! Wir machen noch per Selbstauslöser von uns beiden mit viel Landschaft im Hintergrund ein Foto, damit wir nicht nur Pflanzen- und Insektenfotos mit nach Hause bringen, und setzen unseren Weg dann fort. Den nächsten markanten Punkt haben wir auch bald erreicht, den Funkturm. Dort biegen wir nach links in den Wald ein und laufen Richtung Thüringen weiter, unterwegs immer wieder den Fotoapparat auf tolle Motive richtend.

Nach etwa 1 ½ Stunden haben wir die ehemalige innerdeutsche Grenze erreicht, sehen, dass an dem Sitzplatz, der zwischen Hessen und Thüringen den Wanderer zum Verweilen einlädt, wohl ein Verbrüderungs-Ost-West-Sektgelage stattgefunden hat, weil dort diverse leere Flaschen umherliegen. Vielleicht hat dort ja ein Pfingsttreffen stattgefunden. Unschön nur, dass man dann hinterher nicht aufgeräumt hat. Aber vielleicht war dazu niemand mehr in der Lage. Wir gehen weiter. Wir mögen die Flaschen auch nicht wegräumen.

Inschrift über der Tür des Thüringer Rhönhauses

Gegen 14.00 Uhr sind wir da – am Thüringer Rhönhaus. Wir bestellen uns ein Mittagessen, nehmen wieder unseren Tisch ein, an dem wir schon letzte Woche gesessen haben und warten auf die Katze und die Kohlmeisen. Die Kohlmeisen scheinen ausgeflogen zu sein. Nichts deutet mehr darauf hin, dass der Nistkasten noch besetzt ist. Unser Mittagessen kommt, nur die Katze nicht. Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile in der herrlichen thüringischen Landschaft, bestellen ein weiteres Bier und unterhalten uns. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, kommt die Katze, aber wir haben nichts mehr, was wir mit ihr teilen könnten. Wer zu spät kommt …

Auf dem angrenzenden Gelände des „Thüringer Rhönhauses“ befindet sich ein liebevoll gestalteter Naturlehrpfad und ein kleiner Zoo, in dem vorwiegend Ziergeflügel zu betrachten ist. Aber man kann auch noch andere Haustiere bewundern. Stallhasen z. B. Ein Zwerghahn kräht mir übrigens ganz begeistert und in rastloser Folge etwas vor. Finde ich nett von ihm – die Vorführung seiner Künste.

Während ich mir die Tiere anschaue, wartet mein Gatte geduldig auf einer Bank in der Sonne auf mich. Er mag wohl heute keine Haustiere anschauen, wahrscheinlich hat er sich bereits an der Katze sattgesehen. Kann ich verstehen, ist ja auch eine hübsche.

Endlich trenne ich mich von der Tierschau. Wir können uns auf den Rückweg machen. Gegen 17.00 Uhr sitzen wir, ermattet vom vielen Laufen, auf dem Balkon unserer Ferienwohnung, knabbern Kekse und trinken Kaffee.

Erstaunlich ist, dass es heute wirklich nicht geregnet hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Aber erst nach der Mondfinsternis. Die müssen wir heute noch anschauen. Da brauchen wir einen wolkenfreien Himmel.

Der Himmel sieht grau aus und immer wieder fallen ein paar Tropfen aus den dunklen Wolken. Wird das heute generell ein Ruhetag? Wir warten erst einmal noch ab. Schließlich haben wir genug Literatur dabei und den Laptop natürlich auch. Von Langerweile kann also nicht die Rede sein.

Gegen Mittag lichtet sich das Grau etwas. Wir beschließen, dem „Schwarzen Moor“ einen Besuch abzustatten und anschließend nach Fladungen zum Bauernladen am Rhöner Freilandmuseum zu fahren, um ein paar Lebensmittel nachzukaufen. Dort gibt es Produkte aus der Region, unter anderem leckere Wurst und sehr appetitlichen Käse.

Panorama Schwarzes Moor

Am „Schwarzen Moor“ ist heute Hochbetrieb. Verständlich bei dem unzuverlässigen Wetter. Als wir unseren Moorrundgang beginnen, schaut plötzlich sogar die Sonne hinter den Wolken hervor und lässt das Moor gleich ein wenig freundlicher erscheinen. Das „Schwarze Moor“ ist ebenso wie das „Rote Moor“ ein Hochmoor, eines der größten Hochmoore, die es bei uns gibt und sogar eines der bedeutendsten in Mitteleuropa. Der Baumbewuchs im Vergleich zum „Roten Moor“ ist eher spärlich. Vor knapp 100 Jahren sollen hier noch gar keine Bäume gestanden haben. Heute findet man hier vorwiegend kleine, z. T. verkrüppelte, Moorbirken und Kiefern. Wegen des rauhen Klimas und der kurzen Vegetationsperiode wachsen die Bäume nur sehr langsam. Im Bodenbereich herrschen wieder, wie auch im „Roten Moor“, kleine Beerensträucher, z. B. Moosbeeren, Rauschbeeren, Krähenbeeren, vor. Durch die lange Trockenperiode in den letzten Wochen sieht das Moor auch nicht ganz so moorig aus, wie man das eigentlich erwartet. An einigen Stellen finden wir dennoch „Sonnentau“. Allerdings muss man ihn schon fast mit der Lupe suchen, so winzig ist er noch. Auch ihm fehlt für optimales Wachstum die notwendige Feuchtigkeit. Der eine Gewitterguss und die kleinen, eher bescheidenen, Schauer in den letzten Tagen haben sicher noch lange nicht ausgereicht, um den Pflänzchen ausreichend von ihrem eigentlichen Lebenselixier zur Verfügung zu stellen.

An einer Birke entdecken wir Spechtlöcher. Der Baum ist übersät mit kleinen Löchern. Sicher war hier ein Specht auf der Such nach Insekten unterwegs.

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Auch das „Schwarze Moor“ ist bei Nacht und Nebel sicher eine gute Filmkulisse für einen Grusel- oder Horrorfilm. Am Tage und jetzt bei Sonnenschein wirkt es eher wild romantisch, irgendwie noch urtümlicher als das „Rote Moor“. Die Rufe eines Kuckucks begleiten uns die ganze Zeit auf unserem Rundgang, was natürlich einem Gruseleffekt eher entgegen wirkt. Aber nachts möchte ich hier denn doch lieber nicht umherstolpern. Nach einer knappen Stunde sind wir mit einigen schönen Fotos in der Kamera wieder am Ausgangspunkt unseres kleinen Rundgangs.

Als wir zum Parkplatz zurückgehen, fällt unser Blick auf ein Steintor, das rechter Hand des Weges liegt. Das Tor soll an ein Lager des Reichsarbeitsdienstes erinnern. Auf einer Tafel kann man sich über die Aufgaben, die er Anfang der 40er Jahre im letzten Jahrhundert hatte, informieren. Ich hatte ja schon auf diese auffälligen Steinwälle zwischen vielen Weiden hingewiesen, die auf die Arbeit des Reichsarbeitsdienstes zurückzuführen sind.

Vom „Schwarzen Moor“ aus machen wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Fladungen. Unsere Einkäufe sind schnell erledigt, so dass wir noch Zeit haben für einen kleinen Umweg zum „Roten Moor“. In der Gaststätte am Parkplatz „Moordorf“ trinken wir Kaffee und genießen die Nachmittagssonne auf der Terrasse der Gaststätte. Und genau dort an der „Moordorf-Gaststätte“ lief … nein flog … naja jedenfalls bekamen wir dort einen Hinweis auf ihn – den „NABU“, dem wir unlängst auf der Spur gewesen waren. Auf einem Schild und einer Fahne war er abgebildet, der „NABU“. Nun könnte man allerdings denken, dass er in etwa storchengroß ist. Nur, wie kann er dann in einer derart kleinen Behausung wohnen, wie wir sie überall gefunden hatten? Oder hortet er dort nur sein Futter? Vielleicht ist aber auch nur die Abbildung auf dem Schild so groß, um besser auf ihn aufmerksam machen zu können, in Wirklichkeit ist er aber von ganz normaler Meisen- oder Spatzenstatur. Nun, wir werden weiter die Augen offen halten. Vielleicht sehen wir in doch noch in freier Wildbahn. Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben.

Wasserkuppenmassiv

Heute klappt alles – Fleecejacke, Regenjacke, Verpflegung wandern in den Rucksack, Sonnencreme ist aufgelegt. Es kann losgehen. Unser Ausgangsort ist heute der kleine Ort Hilders. Wir müssen zunächst in Richtung Kirche und dann immer bergauf. Unser Ziel ist das Thüringer Rhönhaus – eine hübsche kleine Gaststätte, die wir schon seit Jahren immer wieder ansteuern, wenn wir hier in der Rhön Urlaub machen. Das Essen ist gut und die Gegend noch viel besser. Von Hilders aus muss man ca. 2 Stunden Fußmarsch einplanen. Durch den Ort durch läuft man noch locker und fröhlich vor sich hin, aber ab Kirche wird es dann doch beschwerlicher. Man kommt ganz schön ins Schwitzen und fühlt sich bald auch ohne Regen recht durchgeweicht. Es geht nämlich straff bergauf, durch Wiesen und Weideflächen, dann durch ein kleines Waldstück. Hin und wieder eine kleine Fotopause ist schon angebracht, damit man etwas verpusten kann.

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Nach ca. einer 3/4 Stunde sind wir am Thomas-Morus-Haus, einem Jugendwerk der Katholischen Kirche, angelangt. Hier endet auch das Waldstück, Wiesen und Weideflächen prägen ab hier wieder das Bild. Am Thomas-Morus-Haus treffen wir auf alte Bekannte – schwarzbunte Rinder, die ja eigentlich mehr im Flachland und Norden zuhause sind. Sie sind hier normalerweise eher selten zu sehen. Aber sie vermitteln uns ein wenig Heimatgefühl. Nach weiteren 15 Minuten sind wir endlich auf dem Kamm angelangt. Es geht jetzt fast nur noch auf ebener Strecke weiter. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf das Wasserkuppenmassiv. Heute ist die Sicht besonders klar, sodass man sehr weit ins Land hinein schauen kann. Von einer kleinen Aussichtsplattform hat man sogar einen wunderschönen Rundblick. Zu unserer Freude können wir einige Turmfalken beobachten, die über einer Wiese Flugversuche machen. Mir gelingt sogar ein einigermaßen nettes Foto.

Die Weideflächen hier oben sind immer noch stark vom Wirken des Reichsarbeitsdienstes aus längst vergangenen Zeiten geprägt. Man hat damals versucht, aus ungenutzten Flächen Acker- und Weideland zu schaffen. Davon künden heute noch die überall aufgeschichteten Steinwälle am Weges- und Wiesenrand. Die Flächen sind z. T. karreemäßig durch Steinwälle in mehrere Weideflächen unterteilt.

Nach weiteren 15 Minuten sind wir wieder im Wald. Überall gibt es viel zu fotografieren. Wir bemerken immer wieder Holzkästen an den Bäumen, auf denen „NABU“ steht. Aufmerksam beobachten wir das eine oder andere Häuschen, können aber beim besten Willen keinen NABU entdecken, so sehr wir auch schauen. Natürlich möchten wir gern wissen, wie so ein Nabu ausschaut. Auf jeden Fall bevorzugt er offensichtlich kleine, ganz einfache Holzhäuschen mit einem kreisrunden Loch an der Vorderseite. Vielleicht entdecken wir unterwegs doch noch einen NABU.

Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsches durch den Wald heißt es plötzlich: „Halt, Zonengrenze!“ Nein, wir müssen doch nicht mehr anhalten, wir kommen ungehindert von Hessen nach Thüringen. Man erkennt die ehemalige innerdeutsche Grenze kaum noch wieder. Der ehemalige Grenzstreifen ist inzwischen mit Büschen und Bäumen fast zugewachsen. Man erahnt ihn fast nur noch an der etwas niedrigeren Vegetation im Vergleich zu den beiden Waldstreifen auf Hessens bzw. Thüringens Seite.

… und mitten im Wald, man glaubt es kaum, finde ich ein Hinweisschild zu meiner persönlichen Gaststätte. Da müssen wir demnächst auch unbedingt noch hin – zur Gaststätte „Silberdistel“.

Wegweiser zur "Silberdistel"

Noch einmal 30 Minuten und wir sind am Ziel – dem Thüringer Rhönhaus. Hier in Thüringen sieht der Himmel nicht mehr ganz so blau aus. Er hat sich etwas zugezogen, macht allerdings nicht den Eindruck, als wollten sich Regenwolken über uns entleeren. Etwas kühler ist es auch geworden. Wir nehmen im Garten der Gaststätte Platz und bestellen uns ein Mittagessen. Kaum steht das Essen auf dem Tisch, bekommen wir Besuch, graugetigert mit weißen Flecken, und er ruft: „Miau! Hunger!“ Wahrscheinlich weiß das Pelztier, dass ich gern mein Futter mit ihm teile und setzt sich sofort an meine Seite, obwohl mein Gatte viel mehr auf seinem Teller hat. Ich bin überredet und teile zwar nicht, gebe aber das eine oder andere Stück von meiner Thüringer Bratwurst ab. Als Dank dafür lässt sich das Kätzchen häuslich bei uns nieder und putzt sich ausführlich nach dem leckeren Mittagsmahl.

Plötzlich nehmen wir lautes Gezeter wahr. Zwei NABUS … nein wohl doch … Meisen (Kohlmeisen) schimpfen mit uns. Hinter uns stehen auf einem Balken mehrere liebevoll gestaltete Nistkästen bzw. Vogelfutterhäuser. Ich schaue mir die Kästen genauer an. Nein, es steht nicht „NABU“ an der Haustür. So habe ich also recht, diese Vögel hier sind Meisen – keine NABUS. Die beiden Bewohner des einen Nistkastens sitzen in einiger Entfernung auf einem Baum und schimpfen mit vollem Schnabel, weil uns eine Katze Gesellschaft leistet. Irgendwann merkt das Kätzchen, dass bei uns nichts mehr zu holen ist und macht sich wieder auf den Weg. Es gibt noch sicher viel zu tun für so eine Katze.

Nachdem die Getigerte verschwunden ist, beruhigen sich auch die beiden Kohlmeisen. Mein Fotoapparat ist schussbereit. Es gelingen mir einige schöne Meisenbilder. Geduld zahlt sich eben manchmal doch aus. So, genug Bilder im Kasten. Wir machen uns auf den Rückweg und auf die weitere Suche nach dem NABU. Wie eine Meise kann ein NABU nicht aussehen, denn die bevorzugen wesentlich edlere Wohnhäuser (zumindest in Thüringen) – eher villenartig. Das wissen wir jetzt. Die Behausungen des NABU dagegen sehen sehr schlicht aus. Vielleicht begegnen wir auf unserem Rückweg einem solchen NABU, denn hier in Thüringen scheint er auch nicht ganz so verbreitet zu sein, hier konnten wir diese schlichten Häuser mit dem Namensschild „NABU“ nicht entdecken. Kaum sind wir wieder über die grüne Grenze geschritten und in Hessen, begegnen uns auf Schritt und Tritt diese „NABU“-Häuser. Trotz geduldigen Beobachtens bleibt uns das Antlitz des NABUS für heute verborgen. Vielleicht begegnet uns während unseres Urlaubs auf unseren Wanderungen ja doch noch ein solcher NABU. Er muss sehr versteckt leben, so scheint es mir.

Hinweiszettel I Nabu

Nach ca. 2 Stunden Fußmarsches sind wir wieder in Hilders und machen uns auf in unser Urlaubsquartier. Wir sind ein wenig k.o. und auch ein bisschen traurig wegen des nicht gefundenen NABUS. Sogar in Thüringen haben wir nach ihm gesucht. Obwohl, am Ortseingang von Hilders, oben an der Kirche fanden wir zwei merkwürdige Hinweisschilder. Auf dem einen, das im Schotter am Straßenrand mit Steinen beschwert lag, stand: „Zwei Häuser überspringen“, und auf dem anderen, das auf einem Stein der Kirchenmauer lag: „ Bis zum ersten Haus laufen.“ Könnten das Hinweise sein, wo der NABU zu finden ist?

Hinweiszettel II NABU

Auf dem zweiten Zettel war auch ein kleines Bild zu sehen, eines vom NABU vielleicht? Allerdings waren wir heute schon so müde vom vielen Laufen, dass wir zwei Häuser nun doch nicht mehr überspringen konnten. Das müssen wir uns für einen der nächsten Tage aufheben.