Mit ‘Kranich’ getaggte Beiträge

… war der 4. August im Sommer dieses Jahres für die kleine und die etwas größere Silberdistel. Wir beiden Mädchen – Enkelin und Oma – waren an jenem Freitag nämlich wieder einmal im Rostocker Zoo unterwegs.
Der Zoobesuch ein Jahr zuvor, als unsere Enkelin das erste Mal ohne Mama und Papa bei uns einen Teil ihrer Ferien verbrachte, muss ihr wohl gefallen haben, denn der Vorschlag auf einen erneuten Besuch kam von unserem silberdisteligen Ableger.
Aber auch mir macht ein Zoobesuch immer wieder Spaß. Wie bereits 2016 begannen wir unseren Rundgang wieder im „Darwineum“.
Wer mag, kann sich mit dem kleinen Film, den ich mir bei YouTube ausgeliehen habe, auf unseren Besuch und die Bilder, die ich im August eingefangen habe, ein wenig einstimmen.

So, dann wollen wir uns mal gemeinsam auf den Weg machen. Das „Darwineum“ wartet auf uns.
Und es hatte, wir waren noch nicht einmal ganz dort, schon eine Überraschung für uns parat. Bisher dachte ich, diese riesigen elefantenähnlichen Tiere, die Mammute, gelten als ausgestorben.

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Wie man sich doch irren kann. Plötzlich nämlich stand doch tatsächlich ein solches Mammut vor uns. Einfach so, am Wegesrand. Ein wenig erschrocken waren wir da schon. Aber es tat uns nichts, schaute uns nur mit kleinen aufmerksamen Augen an.  Es hatte sicher Mitleid mit uns beiden schreckhaften Mädels, und so blieb es ganz bewegungslos dort stehen, wo es gerade stand. Wir nutzten die Gelegenheit und schlichen auf leisen Sohlen davon – Richtung „Darwineum“.

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Und dort ging es schon vor dem Eingang mit uraltem Getier weiter – mit Galàpagos-Riesenschildkröten. Warum an ihrem Gehege wohl ein Schild angebracht war, auf dem stand, dass man sie nicht füttern solle? Sie könnten beißen. Andererseits konnte man lesen, dass sie reine Pflanzenfresser seien. Ob sie einen menschlichen Finger mit einem dicken Grashalm verwechseln würden?

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Nun ja, uralt und so ganz ohne Brille kann das vielleicht doch schnell mal passieren. Da sollte man die Finger lieber doch von so einer Riesenschildkröte lassen.
Die Riesen mit dem dicken Panzer fühlten sich übrigens nicht nur in der Wärme ihrer großen Halle im „Darwineum“ sehr wohl, ihnen schien auch ihr grünes Freigehege mit Pool und schattigen Felshöhlen zu gefallen.

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Aber auch ich fand ihren Vorgarten ausgesprochen hübsch und sehr wohnlich. Der Rostocker Zoo weiß, wie sich seine Riesenschildkröten ein gemütliches Zuhause vorstellen.

So, dann hinein ins „Darwineum“!

Wir beiden Mädels hatten viel Spaß in der tropischen Hitze. Besonders faszinierend ist für mich immer wieder die fantastische Unterwasserwelt. Aber meiner jungen Begleiterin erging es nicht anders. Sie konnte sich ebenso wenig  wie ich an all den Fischen, Korallen, Quallen und den vielen anderen Unterwasserwesen sattsehen.

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Aber es gibt noch mehr im „Darwineum“ zu sehen – nicht nur Unterwasserwelten. Es gibt auch spannendes Landleben zu beobachten.

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Nach dem „Dawineum“ schauten wir, was der Zoo sonst noch zu bieten hat. Obwohl wir bereits ein wenig pflastermüde waren, sahen wir uns auch noch bei all den anderen Tieren um, die der Zoo beherbergt. Zuvor stärkten wir uns aber ein wenig mit einem kleinen Mittagessen und natürlich einem leckeren Eis zum Dessert. Mit neuen Kräften ging es auf zum zweiten Teil unseres Zoobesuchs. Am Ende waren wir dann wirklich rechtschaffen müde, aber auch zufrieden und dankbar für den interessanten, spannenden und sehr lehrreichen Tag.

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Inzwischen verliert hier im Norden nicht nur die Ostsee wieder ihren Eispanzer,  auch an den anderen Gewässern, den Flüssen, Teichen und Seen machen sich die letzten Reste eines kurzen, aber eisigen, Winters davon. Am Samstag war ich nach etwas längerer Abstinenz mit meiner Kamera wieder einmal an der Warnow, genauer gesagt – an der Unterwarnow, unterwegs. Ein paar letzte kümmerliche Schneereste leuchteten mir an einigen von der Sonne wohl eher weniger besuchten Stellen noch entgegen, im Großen und Ganzen war aber vom Winter kaum noch etwas zu spüren, wenn man vom doch recht eisigen Wind einmal absieht. Von meiner kleinen Fototour brachte ich nicht nur Bilder mit, auch steife Finger und kalte Ohren. Ich hatte mich durch den angenehmen winzigen Frühlingshauch dazu verleiten lassen, ohne Kopfbedeckung und Handschuhe aufzubrechen. Letztendlich ließ sich das aber mit einem heißen Tee und an der warmen Heizung alles wieder richten – Finger und Ohren funktionieren inzwischen wieder 😉

Auf meinem Ausflug hörte ich, wie kann es anders sein, wieder Wind und Schilf miteinander flüstern und sogar ein Schilfchor sang dieses Mal ein hübsches kleines Frühlingslied – natürlich gemeinsam mit dem Wind. Ach, und dann entdeckte ich doch tatsächlich sogar den Dirigenten des kleinen Schilforchesters, das den Chor von Wind und Schilf begleitete. Aber es gab noch viel mehr zu sehen und zu hören außer dem melodischen Gesang der Pflanzenwelt. Ich stolperte über seltsame Steine – ob wohl Außerirdische sie zurückgelassen haben? – bewunderte vielerlei trockene Schönheiten, tapfere Gänseblümchen, die bunte Vielfalt der Flechten und anderes mehr am und im Wasser. Überall wuselten dieses Mal die kleinen schwarzen Blässhühnern umher, von denen einige scheinbar schon mit den Vorbereitungen für den Nestbau beschäftigt waren. … und dann hörte ich doch tatsächlich auch Kraniche rufen. Genau über mir erklang plötzlich einer ihre trompetenartigen Rufe, dann noch einer und noch einer. Als ich in den Himmel hinaufschaute, erwartete ich wie gewohnt eine lange Kette dieser schönen Vögel. Doch weit gefehlt, die Schreie stammten von nur zwei einzelnen Fliegern. Offensichtlich war es ein Paar, das bereits auf der Suche nach seinem Frühjahrs- und Sommerquartier hier im Norden war. Während ich die beiden beobachtete, flogen sie immer wieder einmal in großen Kreisen auseinander, dabei verständigten sie sich über ihre so typischen Rufe miteinander und schließlich trafen sie an einem Punkt erneut aufeinander. Sicher berieten sie zwischendurch jeweils darüber, wohin sie ihr diesjähriges Sommerhaus setzen wollten. Irgendwann hatten sie sich wohl darüber verständigt, dass sie noch nicht den richtigen Platz für die künftige Kinderstube gefunden hatten. Gemeinsam flogen sie schließlich weiter – auf die andere Warnowseite zu. Ich schaute ihnen noch lange hinterher, bis sie nur noch als ganz kleine Pünktchen am Himmel zu sehen waren. Für mich waren die beiden Kraniche ein Zeichen dafür, dass der Frühling doch nicht mehr ganz so fern ist, wie er uns bis vor Kurzem noch erschien, und zugleich waren die  eleganten Flieger mit ihren melancholischen Rufen ein guter Abschluss für meinen kleinen Ausflug an die Warnow. Auch mein Magen empfand das so und meldete ganz vorsichtig Ansprüche auf ein Mittagsmahl an. Hände, Ohren und Nase verlangte es nach einer warmen Heizung und der Rest des Körpers rief nach einem wundervoll durchwärmenden Heißgetränk. Alle schienen sich irgendwie einig zu sein. Also dann – auf nach Hause! Aber Ihr könnt, wenn Ihr mögt, noch ein wenig meinen Spuren folgen. Ihr werdet sehen, wie reizvoll die Warnow und das Leben an, in und über ihr sogar um diese Jahreszeit ist.

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Meine Katzendame verlangt laut schreiend Ausgang. „Jaha, ich komme ja schon, will nur noch schnell die Kamera holen.“ Die Katze scheint ob meiner Worte die Augen zu verdrehen und zu sagen: „Du immer mit Deiner blöden Kamera!“ Meine Herrschaft steht, quasi von einem Bein aufs andre tretend, vor der Terrassentür und ruft mir einige laute und ungeduldige Maunzer zu. Eigentlich sollte sie wissen, dass auch ihr Personal manchmal wie eine Katze handelt, nämlich nicht immer das tut, was man von ihr verlangt, sondern manchmal ganz einfach den eigenen Kopf durchsetzt. Wenig später bin ich mit der Kamera zurück und muss mir noch den einen und anderen Schimpfmaunzer anhören: „Das hat ja mal wieder gedauert! So, nun mach aber schnell auf, ich hab‘ da draußen Wichtiges zu tun. Mach schnell, bevor die Sonne wieder weg ist!“ Ich öffne die Tür und sehe nur noch Staub und Katzenhacken. Fort ist sie, wie ein Wirbelwind! In aller Ruhe folge ich der Dame des Hauses und schaue, was die Sonne zwischen gestern und heute alles im Garten geschafft hat. Es liegen immer noch einige Schneereste hier und da, aber der Frühling sprießt selbst an den noch schneebedeckten Stellen bunt aus der Erde – Krokusse erhellen in allen Farben mein kleines Gartenreich. Ich atme tief ein und aus – so lange ich es noch kann, denn wenn der Frühling erst einmal seine zahlreichen Pollen durch die Lüfte schickt, wird mir das tiefe Einatmen zunehmend schwerer fallen und mir nicht mehr ganz so viel Freude bereiten. Aber jetzt kann ich es noch fast ungehindert tun, fast, denn meine Augen, die auch nicht gerade vom Pollenflug begeistert sind, füllen sich  manchmal schon mit Tränen. Sind das nun bereits die Pollen, die an mir hier ihre Arbeit tun, oder sind es doch ganz einfach nur Freudentränen über die täglich zunehmende Farbenfülle und den wundervollen Duft des Frühlings, auf die wir in diesem Jahr so besonders lange warten mussten? Vielleicht mischt sich ja auch eins mit dem anderen.

Während ich in die Betrachtung meines Gartens versunken bin, nur manchmal durch eine vorbeihuschende Katze davon abgelenkt, höre ich über mir den lang nicht mehr vernommenen Schrei eines Kranichs. Endlich! Ich hatte diese melancholischen Laute, die für mich wie der Ruf des Frühlings sind, schon so vermisst. Einige Blogger hatten bereits berichtet, dass große Formationen von Kranichen über ihren Heimatort hinweggezogen wären, nur hier bei uns hatte sich in dieser Hinsicht noch nichts getan. Ich hatte zwar schon Kraniche entlang von Landstraßen und Autobahnen auf verschneiten Wiesen und Feldern beobachten können, aber im Flug konnte ich sie in diesem Jahr hier noch nicht entdecken. Mir hatten ihre Rufe schon so sehr gefehlt. Nun endlich darf auch ich sie wieder hören. Als ich zum Himmel blicke, sehe ich im ersten Moment gar nicht, woher dieser Ruf kommt, doch dann entdecke ich einen Kranich, der einsam große Kreise zieht, dabei immer wieder seinen traurigen Ruf ausstoßend. Er erscheint mir sogar noch ein wenig trauriger und melancholischer als sonst, wenn zahlreiche dieser wundervollen Trompetenrufe den großen Zug der Kraniche begleiten. Noch während ich dem einsamen Vogel zuschaue, dringt aus weiter Ferne  ein Echo an mein Ohr. Plötzlich wird der einsame Segler über mir aktiver mit seinen Flugbewegungen und seinen Rufen. Auf seine Frage kommt in regelmäßigen Abständen eine Antwort. Der Kranich schraubt sich vor meinen Augen höher und höher und dann kann ich nur noch sehen, wie er mit der Gruppe, die inzwischen hoch über meinem Kopf angekommen ist, verschmilzt. Ich bin froh, dass mein einsamer Kämpfer angekommen ist – im Kreise seiner Artgenossen. Nun wird der Weiterflug sicher leichter für ihn werden. Was mag ihm wohl widerfahren sein, dass er so einsam seine Kreise ziehen musste? War er bei einer Zwischenlandung zurückgeblieben, weil er zu erschöpft war? Fehlte ihm irgendwann die Kraft, um seinen Gefährten zu folgen? Wir werden es wohl nicht erfahren. Für mich ist wichtig zu wissen, dass er nun wieder bei seinesgleichen ist und mit ihnen gemeinsam in den Frühling fliegt. Ich wünsche ihm einen schönen Frühling und einen wundervollen Sommer, wo immer er sie erleben mag. Vielleicht sehen wir uns im Herbst ja wieder, wenn ich zum Himmel schaue und den Kranichen für eine Weile wieder einmal, wie jedes Jahr im Herbst, mein Lebewohl hinterherrufe. Sicher wird mein Freund unter ihnen sein und mir mit seinem lauten melancholischen Ruf antworten: „Bis bald!“

Wir Silberdistels wollten eigentlich den Frühling erleben, wir hatten vor, ihm dieses Mal ganz früh im Jahr, in der Rhön ein wenig auf die Finger zu schauen. Unsere Entdeckungsfahrt führte uns fort aus dem kühlen Norden mit dem vielen Schnee in Richtung Süden. Je tiefer wir gen Süden vordrangen, um so mehr keimte ganz vorsichtig in uns die Hoffnung, dass dieses Vorhaben mit dem Frühling glücken könnte. Wir ließen die nordischen Schneemassen hinter uns, sie wurden weniger und weniger und verschwanden schließlich fast ganz. In einigen Gegenden leuchtete uns sogar ein zarter Hauch von Grün aus Wald und Flur entgegen. Wir würden in der Rhön den Frühling finden – ganz sicher.
Dann, ganz allmählich, sanken die Temperaturen erneut und die Gegend um uns wurde wieder weiß. Was war das? Wir hatten keinen Winterurlaub geplant, wir wollten wandern, jedoch nicht auf Schneebrettern. Auf diesen Dingern hatte ich zuletzt als Kind gestanden. Herrn Silberdistel ging es nicht anders. Wir hatten beide keine Lust, diese Übungen ausgerechnet jetzt noch einmal aufzufrischen. Rhön, wo hast Du den Frühling versteckt? Ganz zaghaft hob sie den Finger und zeigte hinunter in die Täler: „Dort unten müsst Ihr schauen, dort schleicht er schon umher, allerdings sehr vorsichtig und müde noch vom langen Winterschlaf.“ Das sollte man glauben? Misstrauisch schauten wir die Rhön an. … und dann, tatsächlich, als wir die Hochrhönstraße verließen und langsam wieder ins Tal hinabfuhren, wurde der Schnee weniger, die Kälte jedoch nicht. Auch der eisige Wind verflüchtigte sich nicht. Der erweckte eher den Eindruck, als wolle er den Winter noch einmal zurückrufen. Die Natur sah auch in den Tälern der Rhön noch nicht nach Frühlingserwachen aus, aber immerhin gab es kaum noch Schnee. Die zahlreichen Rehe jedenfalls, die wir auf unserer Fahrt im tiefen Schnee nach Futter suchen sahen, wären hier sicher besser aufgehoben und auch die Kraniche, die wir auf den tief verschneiten Feldern entlang der Autobahn stehen sahen. Nun, wir würden sehen, ob wir den Frühling hier in der Rhön wirklich würden finden können.

Dem zaghaften Fingerzeig der Rhön in Richtung Frühling folgten wir dann doch nicht mehr am Tag unserer Ankunft, wir waren einfach zu müde von der langen Fahrt – Frühling hin, Frühling her. Aber einen Tag später machten wir uns auf die Suche und tatsächlich, ganz vorsichtig lugte der Frühling dort, wo die Sonne schon ein wenig den Boden erwärmt hatte, aus der Erde – manchmal mit noch kalter, weißer Nase – wie die Schneeglöckchen, an anderer Stelle in sonnigem Gelb – die kleinen hübschen Winterlinge und  nicht weit von ihnen entfernt ganz steif und gerade wie Soldaten, die Krokusse ganz in Lila gekleidet. „Habt Euch nicht so, auf das Mäntelchen, es ist warm und schön. Die Sonne lacht!“, riefen die Märzenbecher. „Schaut mal, wie lustig wir im Winde schaukeln.“ Ein wenig misstrauisch blickten die Krokusse zu den Märzenbechern hinüber, ließen ihr Mäntelchen aber noch fest zu, denn die Märzenbecher standen an der warmen Mauer und sie, die Krokusse, waren dem eisigen Wind ausgesetzt. Nur nichts überhasten. Morgen ist auch noch ein Tag und vielleicht ist der eisige Wind morgen matt und müde und muss ein wenig ruhen. Dann wäre es an der Zeit, das Krokusmäntelchen ein wenig zu öffnen und das Gesicht in die Sonne zu strecken und es von ihren Strahlen wärmen zu lassen.

Ein Stückchen weiter standen einige Silberdisteln. Sie hatten während des Winters mutig Eis und Schnee getrotzt. Immer noch sahen sie wunderhübsch aus. Im Laufe des Winters waren sie zu Trockenblumen geworden, die nun mit ihrem zweiten Leben das kleine Fleckchen Erde, auf dem sie standen, verzauberten. Bald würde rund um sie ihr Nachwuchs für neuen, frischen  Zauber sorgen. Die Silberdisteln konnten das Zögern der Krokusse nicht verstehen, mischten sich aber nicht in das Gespräch von Märzenbecher und Krokussen ein. Sollten die Krokusse ihre Entscheidung selbst treffen. Die Silberdisteln jedenfalls genossen die Sonnenstrahlen, lachten und freuten sich über den Wind, der durch ihre störrische Igelfrisur wuschelte und dabei fröhlich ein Liedchen pfiff. Oder war es gar nicht der Wind, der dort pfiff, sondern der Buchfink gleich nebenan auf dem Baum?

Während unserer kleinen Wanderung schweifte unser Blick immer wieder fort in die Ferne, hinauf auf die Berge, auf denen noch Eis und Schnee regierten. Voller Bewunderung schauten wir diese Dame an, die Dame, die wir so sehr mögen, die Rhön. Dieses weiße glitzernde Gewand steht ihr erstaunlich gut. Vielleicht sollte es ganz einfach so sein, vielleicht wollte sie, dass wir sie endlich auch einmal in ihrem so hübschen Winterkleid kennenlernen. Manchmal hatten wir den Eindruck, als lächelte sie ganz schelmisch, wenn sie zu uns hinunterblickte. Ob es Absicht war, dass sie dieses Mal noch kein Frühlingskleid trug?

Inzwischen haben wir uns mit unserer Freundin, der Rhön, wieder versöhnt und uns von ihr verabschiedet. Wir sind wieder in den weißen Norden zurückgekehrt. Unser Weg führte uns über die Hochrhön mit ihrem Schneekleid durch den hübschen kleinen Ort Leubach, durch die vielen neuen Autobahntunnel Thüringens, vorbei an Weimar mit dem Ettersberg und dem weithin sichtbaren Glockenturm von Buchenwald, durch Jena hindurch und schließlich trafen wir wieder auf Schnee, auf Schnee, der uns treu bis an unser Ziel begleitete. Hier warten wir nun ganz geduldig auf das Erwachen des Frühlings – egal, wann dieser Moment sein wird, irgendwann wird der Winter müde sein und dem Frühling das Zepter überlassen und dann wird dieser uns endlich zeigen, welche Farbenpracht er in seinem Malkasten hat, welche Düfte er aus dem Nichts zaubern kann und welche wundervollen Töne er flöten, summen, brummen und trällern kann. Ganz sicher hat er unendlich viel Schönes im Gepäck. Ich werde ihm begeistert beim Auspacken zuschauen.

Ich wünsche Euch allen ein gesundes, schönes, spannendes und mit vielen netten Erlebnissen gewürztes Jahr 2013, ein Jahr, das sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Leben Erfolg bringen möge und in dem immer noch genug Zeit für die vielen kleinen und schönen Dinge im Leben sein wird. Wenn Hektik und Alltagsstress wieder einmal überhand nehmen wollen, versucht, den Blick auch einmal auf die vielen kleinen Wunder des Lebens zu richten, verweilt ein wenig bei den schönen Augenblicken, die uns Kraft für schwere Zeiten speichern lassen, damit wir auch sie bewältigen können, sollte es denn einmal notwendig werden. Von den schönen Momenten kann man nie genug in sich aufnehmen, sind sie doch unser Lebenselixier. Sie machen unser Leben reicher und belastbarer, ruhiger, freudvoller und sie verleihen unserem Leben mehr Intensität. Nehmt Euch Zeit für die wundervollen Augenblicke im Leben, die überall auf uns warten. Wir müssen sie nur sehen und mit allen Sinnen genießen.

Macht es Euch also schön, dieses Jahr 2013! Ich wünsche uns allen, dass wir es sorgenfrei und gesund erleben und genießen können.

An dieser Stelle allen, die es nicht sein lassen können, immer wieder einmal hier im Bücherstaub herumzustöbern, meinen herzlichen Dank für die vielen Besuche und die zahlreichen Kommentare. Ich freue mich sehr über den regen Gedankenaustausch mit Euch und er macht mir sehr viel Spaß. Ebenso wichtig sind für mich die Besuche auf Euren Blogs. Viel habe ich von Euch lernen dürfen und ich denke, es wird noch viel mehr hinzukommen. Schön, dass ich so viele, interessante und liebenswerte Menschen, die meine eigenen Interessen, meine Freude über all das, was diese, unsere, Welt so schön und einzigartig macht, teilen, kennenlernen durfte.
Mein besonderer Dank an Frau Hummel ohne Blog, die mit ihren Meerbildern und der wunderschönen Igelbilderserie mein Blog sehr bereichert hat. Es war eine schöne Zusammenarbeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Euch allen also noch einmal ein großes Dankeschön – besonders auch an alle die, die mich zu Beginn des letzten Jahres mit so vielen lieben und tröstenden Worten bedacht haben, als es unserer Familie schlecht ging, wir viele Sorgen und Probleme hatten, die unser Leben sehr belastet haben. Die Probleme sind immer noch da – nur, wir haben gelernt, mit ihnen zu leben, sie mehr oder weniger zu akzeptieren, obwohl es nicht leicht ist.

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Mein kleiner persönlicher Rückblick auf das Jahr 2012 in Bildern und kurzen Notizen

01 Wismar - Blick auf die Altstadt

Dezember 2011 – Das Jahr 2011 endet für meine Familie und mich nicht so, wie man es sich wünschen würde, glücklich und zufrieden. Am 1. Weihnachtsfeiertag vor einem Jahr muss mein Vater sich einer schweren Darmoperation unterziehen. Die Operation übersteht er rein körperlich erstaunlich gut für seine 87 Jahre. In der Zeit nach der OP meines Vaters bin ich viel in Wismar, um meiner Mutter Mut zuzusprechen und ihr tröstend zur Seite zu stehen.

02-Winterjasmin

Anfang Januar 2012 – Währenddessen scheint hier oben an der Ostseeküste, der Frühling Einzug zu halten. Es blüht und grünt und der Januar tut, als wäre er der Wonnemonat Mai. Nicht nur der Winterjasmin leuchtet mit seinen Blüten, sogar die Rosen blühen.

04-Rose

Ende Januar 2012 – Leider muss mein Vater länger im Krankenhaus zubringen, als wir erwartet haben. Eine zunehmende geistige Verwirrung wird bei ihm immer offensichtlicher. So verbringe ich an der Seite meiner Mutter viele Stunden bei meinem Vater im Krankenhaus.

07-Krokusse im Schnee

Anfang Februar 2012 – Und dann, als wir uns schon mitten im Frühling wähnen, bricht plötzlich doch noch Ende Januar der Winter mit seinem Eiszauber über den Norden herein und deckt ein wenig später einfach diesen zu frühen Frühling mit einer weißen Schnee- und Eisdecke zu.

08-Wismar im Eis

Ende Februar 2012 – Bis fast Ende Februar hat der Winter den Norden fest im Griff. Die Temperaturen gehen z. T. bis unterhalb von -20° C zurück.
Immer wieder bin ich während dieser zwei Monate in Wismar bei meinen Eltern, um zu helfen, wo es nur geht. Mein Vater ist inzwischen zuhause. Seine Pflege gestaltet sich äußerst schwierig. Manchmal brauche ich eine Auszeit, um mein angeschlagenes Nervenkostüm notdürftig zu flicken. Dann fliehe ich hinunter zur Ostsee.

17-Eiszeit in Wismar

Kurz vor Ende des Winters stehe ich noch einmal in Kälte und Sturm auf der Wismarer Seebrücke und schaue auf eine unendlich erscheinende Eisfläche. Die Wismarer Buch ist durch den strengen Frost der letzten Wochen völlig zugefroren. Die Fahrrinne zum Hafen kann nur noch durch eisbrechende Schiffe freigehalten werden. Hunderte von Wasservögeln tummeln sich auf der Eisdecke der Ostsee. Dieser Tag ist zugleich der Tag des Abschieds vom Winter für mich, denn …

09-Krokusse

… wenige Tage nach meinem Besuch auf der Seebrücke ist von dem eisigen Intermezzo des Winters kaum noch etwas zu sehen. Der Frühling, der uns schon im Januar besucht hatte, kehrt mit aller Macht zurück und macht einfach dort weiter, wo er im Januar aufgehört hatte.
Ende Februar müssen wir meinen Vater der Obhut eines Pflegeheimes anvertrauen.  Trotz Aufbietung all unserer Kräfte sehen wir uns nicht mehr in der Lage, ihm zuhause die Pflege angedeihen zu lassen, die er dringend benötigt. Wir sind am Ende unserer Kräfte, trotzdem ist uns die Entscheidung für ein Heim unendlich schwergefallen.

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März 2012 – Nach dem schwersten Gang in meinem bisherigen Leben bin ich wieder zuhause bei meinem Herrn Silberdistel und unseren beiden Vierbeinern und versuche, mich von den Strapazen der letzten Wochen zu erholen.

10-Kraniche

Und dann eines Tages höre und sehe ich Kraniche, die über unser Haus hinwegfliegen. Diese wundervollen Vögel bringen endgültig den Frühling mit und neues Leben.

11-Rotkehlchen beim Baden

All das neu erwachende Leben rund um mich hilft mir, mich langsam wieder in meinem Alltag zurechtzufinden.

13-Ostseesteilküste

April 2012 – Lange Strandspaziergänge zusammen mit meinem Herrn Silberdistel geben mir wieder Ruhe und neue Kraft.

14-Waldspaziergang

Ich genieße die kurzen Ausflüge in meinen kleinen Märchenwald.

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Mai 2012 – Der Mai bringt uns nach all den nervenzehrenden Ereignissen der letzten Wochen und Monate den ersten wunderschönen Lichtblick des Jahres 2012 – wir küren den Mai zum für uns schönsten aller Monate in diesem Jahr – unser zweites Enkelkind wird geboren. Ich darf ein winziges neues Menschlein in den Armen halten.

16-Endlich Urlaub

Wenige Tage nach diesem wunderschönen Ereignis fahren mein Herr Silberdistel und ich in einen wohlverdienten und unendlich herbeigesehnten Urlaub.

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Wir wandern und genießen die Rhön mit ihren herrlichen Wäldern, ihren Mooren, ihren Bergen und all den „wilden“ Tieren, die dort leben.

19-Warnemünde

Juni 2012 – Der Juni gehört dem Meer und dem Garten. Die Zeit dazwischen verbringen wir mit einigen kleinen und größeren Ausflügen, wir sind unter anderem in Magdeburg zu Besuch.

20-Doberaner Münster

Juli 2012 – Wir beginnen mit unseren wöchentlichen Wander- bzw. Ausflugstagen in die nähere Umgebung. Wir möchten unser Mecklenburg-Vorpommern neu bzw. wiederentdecken. Wir sind unterwegs in Groß Raden, besuchen den Boitiner Steintanz, das Doberaner Münster und die Hünengräber in der Nähe von Grevesmühlen. Auch der Vogelpark in Marlow gehört mit zu unseren Ausflugszielen.

21-Hansesail

August 2012 – Die Highlights im August sind die Rostocker Hansesail, die Ivenacker Eichen, wir sind noch einmal in Groß Raden unterwegs und besuchen das Museumsdorf in Klockenhagen.

22-Miniland MV

September 2012 – Im September nimmt sich die Silberdistel eine Blogpause heraus. Die blogfreie Zeit gehört dem Garten, dem Miniland MV, wir sind beim Erntefest in Klockenhagen dabei und besuchen auf dem Weg nach Magdeburg den kleinen, aber berühmten, Ort Kampehl. Diese Ausflüge werden während der Wintermonate hier im Bücherstaub noch ihren Platz bekommen, denn es gibt noch viel zu sehen und zu erzählen.

23-Ostsee

Oktober 2012 – Im Oktober zieht es mich wieder einmal an die Ostsee. Inzwischen ist der Urlauberstrom, der über Sommer in Richtung Strand floss, wieder abgeebbt, es wird wieder ruhiger am Meer.
Auf einer Fahrt nach Wismar entdecken wir Silberdistels  Entsetzliches – es gibt Firmen, die mit Kranichentsorgung protzen.

24-65. Hochzeitstag
Schließlich und endlich feiern meine Eltern im Oktober ihren 65. Hochzeitstag, der trotz all der widrigen Umstände für alle, die dabei sind, zu einem schönen Tag wird.

25-Gänse am Morgenhimmel

November 2012 – Der Herbst verwöhnt uns dieses Jahr nicht mit der lange anhaltenden Farbenpracht des Vorjahres. Wir erleben, wie schon im Oktober, auch im November viele nebelgraue Tage, die ersten Fröste. Die letzten Zugvögel ziehen über uns hinweg. Riesige Formationen von Gänsen verabschieden sich mit lautem Geschnatter und auch die Kraniche rufen uns weithin hallend ein letztes Lebewohl zu. Ein kleiner Trost bleibt – es blüht noch lange in unserem Garten. Einzelne Nachtfröste zaubern wunderhübsche Muster auf Blumen, Gräser, Blätter und Fensterscheiben.

26-Erster Schnee

Dezember 2012 – Der Nikolaustag bringt uns den ersten Schnee hier an der Ostseeküste. Es schneit und schneit und schneit und die Vögel sind dankbar, dass sie in unserem Garten ein gut gefülltes Futterhaus finden.

27-Ostseesturm
Wir Silberdistels machen uns noch einmal zu einem Strandspaziergang auf und werden von einer eiskalten und stürmischen See begrüßt, die all ihre Kraft aufbietet, um uns zu zeigen, was in ihr steckt.

28-Kerze

Wir verleben ruhige und schöne Adventstage, feiern den 90. Geburtstag von Herrn Silberdistels Mutter in kleiner, aber netter und lustiger Runde. Und dann steigert dieses Jahr noch einmal seine traurige Bilanz für uns. Herrn Silberdistels Tante, mit der wir gerade noch in der fröhlichen Geburtstagsrunde für seine Mutter zusammensaßen, schläft am 23. Dezember im Alter von 93 Jahren für immer ein und lässt uns unendlich traurig zurück. –
♥ „Es ist schön, dass es Dich in unserem Leben gab. Danke für alles!“ ♥

29-Weihnachten

In kleiner Runde finden wir uns mit einer unserer Töchter, ihrem Partner und unserem Sohn zu Weihnachten zusammen und verleben ruhige und trotz allem schöne Feiertage.
Das Jahr 2012 lassen mein Herr Silberdistel und ich nur zu zweit ausklingen. Wir hoffen auf ein besseres Jahr, denn dieses 2012 hat uns viele Sorgen und viel Kummer bereitet – sicher, irgendwo hatte es auch manchmal eine tröstende Seite versteckt, nach der wir allerdings immer sehr suchen mussten. Ich bin froh und dankbar, dass wir sie dennoch entdecken und ihren Trost annehmen konnten. Unser größter Trost war und ist dieses kleine neue Menschenleben.

Da stehe ich eben noch in meinem Garten, schaue begeistert hinauf zum Himmel, weil, na was wohl? Genau, es fliegen wieder Kraniche, hoch oben, viel zu hoch oben, um endlich wieder einmal ein wundervolles Nahfoto hinzubekommen.

Selbst mit der langen Optik habe ich nicht viel mehr Erfolg. Wieder einmal ist das Hinterherschauen und das Lauschen auf die Kranichrufe, die nach Sehnsucht auf Wärme und Sommer und irgendwie auch nach Abschied klingen, fast schöner.

Einige wenige Fotos mache ich trotzdem. Ich kann einfach nicht anders. Dann sie sind die eleganten Flieger auch schon meinen Blicken entschwunden.

Ich stehe noch in meinem Garten und frage mich, wohin sie wohl ziehen und wie lange ihre Reise dauern wird, dann nehme ich meine Kamera und gehe wieder ins Haus, denn ich muss mich fertigmachen. Wir haben heute noch einen kleinen Ausflug zu meinen Eltern vor.

Ich bin heute dran mit dem Fahren, denn Herrn Silberdistels Auto steht momentan in der Tiefgarage. Wir sind zu faul, es zu holen. Außerdem, mein Auto ist doch eher der Spritsparer in der Familie unserer vierrädrigen Helferlein. Wir nehmen die Landstraße und genießen nebenher nicht nur das eher ruhige Fahrgefühl im Vergleich zum Fahren auf der Autobahn, sondern auch die buntgefärbte Landschaft rund um uns, die ein wunderhübsches herbstliches Kleid angelegt hat. Die beiden Herbstbilder sind aber erst an unserem Zielort in Wismar entstanden. Eigentlich hätten wir unterwegs anhalten sollen, um die herrlich  bunt gefärbten Alleebäume im Bild festzuhalten. Aber auch ohne Foto haben wir diesen Anblick sehr genossen oder vielleicht gerade deshalb um so mehr.

Während unserer Fahrt überholen wir immer wieder einmal ein anderes Fahrzeug und plötzlich, ich denke, ich traue meinen Augen nicht. Was ist das? Ist es denn möglich? Auch Herr Silberdistel schaut entgeistert auf das Fahrzeug vor uns. Wie dumm nur, mein Fotoapparat liegt zusammen mit meiner Tasche im Kofferraum. Wie ärgerlich aber auch. Ich würde nur zu gern dokumentieren, welch Schlechtigkeit es doch auf dieser Welt gibt, nicht, weil ich das so nachahmenswert finde, nein, ganz einfach, weil ich der Welt zeigen möchte, dass man solche Institutionen ganz einfach verbieten sollte, denn das, was ich da vor mir sehe, nein, das geht ja nun gar nicht. Ich, Kranichliebhaber, eben noch entzückt zum Himmel voller Kraniche aufschauend, kann nicht glauben, dass jemand mit der Entsorgung von Kranichen ein Geschäft macht. Ich bin betroffen und völlig fassungslos. Herr Silberdistel fasst sich als erster von uns beiden und kramt in seiner Tasche umher, er kramt und kramt und wusch ist der vor uns fahrende LKW unseren Blicken fast entschwunden, weil wir an einem Kreisverkehr anhalten und viele andere Fahrzeuge vorbeilassen müssen. Endlich geht es weiter und wir können die Verfolgung wieder aufnehmen. Inzwischen hat Herr Silberdistel gefunden, wonach er suchte, seine kleine Kompaktkamera, die er stets und ständig mit sich herumträgt. Herr Silberdistel ist also bereit für das Täterfoto, nur Frau Silberdistel ist etwas langsam bei ihrer Verfolgungsfahrt. Mist, jetzt ist auch noch ein Bus vor uns, den wir an der Haltestelle nicht überholen dürfen. Kurz blinkt in meinem Kopf ein Lämpchen auf, das mich zu verkehrswidrigem Verhalten auffordert und meint, ich solle einfach am Bus vorbeifahren, ob ich nun darf oder nicht. Doch zum Glück gibt es ständig Gegenverkehr, der mich um diese Missetat bringt. Dann endlich, nach gefühlten Stunden, setzt sich der Bus wieder in Bewegung. Unser LKW dürfte inzwischen über alle Berge sein, obwohl, Berge sind hier im Flachland eigentlich nicht so zahlreich. Vielleicht haben wir doch noch an irgendeiner Ampelkreuzung eine Chance, dem Flüchtenden wieder auf die Spur zu kommen. Plötzlich, der Bus ist fort, ein breites Grinsen zieht sich über mein Gesicht und auch Herr Silberdistel schaut begeistert auf den grünen LKW vor uns, der am Straßenrand hält und etwas aus- oder einlädt. Sind es etwa Kraniche? Ich kann es nicht erkennen, ich muss den Straßenverkehr im Auge behalten, den ich im Moment so sehr behindere, wie nur irgendmöglich, denn Herr Silberdistel muss doch ein Beweisfoto schießen. Langsam wie ein Fahranfänger stottere ich an dem grünen Ungeheuer vorbei und frage Herrn Silberdistel ganz aufgeregt: „Na, und? Hast Du’s?“ „Hm, ich weiß nicht“, meint Herr Silberdistel, „Du warst zwar langsam, aber die Kamera war noch viel langsamer, also von der Seite, nein, das ist wohl nichts geworden. Vielleicht das Foto von hinten, ich schau mal. Naja, könnte vielleicht gerade so gehen.“

…und tatsächlich, es geht. Wir haben ein Beweisfoto für ein schändliches Tun. Wie schlecht doch die Welt ist – Kranichentsorgung – nie hätte ich gedacht, dass es so etwas gibt. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Wie kann man diese Wunder der Natur einfach entsorgen wollen? Das gehört verboten! Ihr Kraniche, fliegt – fliegt so hoch und so schnell Ihr könnt, damit Ihr diesem grünen Auto entgeht – fliegt – fliegt – fliegt … auch auf die Gefahr hin, dass ich niemals mehr ein Foto von Euch machen kann. … und wenn Ihr fliegt, achtet auf diese grünen LKWs und fliegt ihnen so schnell wie möglich aus dem Weg, wenn Ihr sie nur irgendwo entdeckt. Glaubt mir, diese grünen Ungeheuer sind gefährlich – für Kraniche. Sie wollen die Umwelt von Euch befreien. Ich weiß es, ich habe es gelesen, mit eigenen Augen. Dort stand: „Kranich Entsorgung … für eine saubere Umwelt“.

Was mir allerdings nun unablässig durch den Kopf geht, ist folgende Frage. Sind Kraniche nun Abfall, Wertstoff oder Sonderabfall? 🙄

Ich lehne mich jetzt einfach einmal ganz sacht und leise an die Waldameise an und gehe auf die Suche nach kleinen Geschenken, wie es die Waldameise unlängst tat, als sie nach dem kleinen Glück suchte. Sie suchte das Glück in all seiner Vielfalt. Ich hielt nun Ausschau nach kleinen Geschenken, nach Geschenken, die der Herbst für uns bereithält. Sicher sind es nur erste kleine Geschenke, aber immerhin. Was der bunte Herbst im Laufe seines Daseins noch zu verschenken hat, werden wir sehen. Ich bin sicher, dies hier ist nur ein ganz, ganz kleiner Anfang seiner Großzügigkeit. Er hat noch mehr, ich weiß es und ich werde danach suchen.

Ach, und danke, liebe Waldameise, für den Tipp, nach solchen kleinen Dingen, die das Leben überall für uns bereithält, zu suchen. Wie Recht Du hast, man muss nur richtig hinschauen, dann findet man sie überall – die kleinen Geschenke, zu denen ganz sicher auch das Glück in unserem Leben zählt.