Mit ‘Kirche’ getaggte Beiträge

In meinem Beitrag über unsere Torty, die sich unlängst bei unserem Nachbarn versehentlich eine kleine Auszeit von uns nahm, erwähnte ich es bereits – wir Silberdistels haben endlich das Kloster Jerichow besucht.
Wie oft in unserem Leben sind wir schon an diesem beeindruckenden Bauwerk vorbeigefahren, wenn wir unterwegs zu einem Besuch bei Herrn Silberdistels Eltern oder von dort wieder auf dem Weg zu uns nach Hause waren? Der Ort Jerichow, nicht weit von Tangermünde entfernt (vielleicht ist ja Tangermünde etwas bekannter), liegt praktisch auf der Strecke, die wir immer gern benutzt haben, wenn wir uns zu einem Besuch Richtung Magdeburg auf den Weg gemacht haben.

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Kloster Jerichow

Nun endlich haben wir uns Kloster Jerichow auch ganz aus der Nähe angeschaut. Dieses Mal war unser Ziel direkt das ehemalige Kloster unweit der Elbe, denn seit Schwiegermutters Tod vor zwei Jahren zieht es uns eher selten noch in diese Richtung. Der Ausflug jedoch hat sich durchaus gelohnt. Kloster Jerichow hat uns nicht enttäuscht.

Es wurde übrigens 1144 als Prämonstratenserstift gegründet und vier Jahre nach seiner Gründung an seinen heutigen Standort verlegt. Um den Zeitpunkt seiner Verlegung wurde auch mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Fertiggestellt wurde das gewaltige Bauwerk aber erst 1250.
Interessant ist vielleicht noch, dass Kloster Jerichow, auch wenn das gesamte Gebäude-Ensemble klösterlichen Charakter trägt, nie im eigentlichen Sinne ein Kloster war.  Die Prämonstratenser lebten und wohnten nicht ausschließlich im Kloster. Sie hatten sich vor allem der Mission und der Seelsorge verschrieben, waren also zum großen Teil außerhalb des Klosters tätig.

Während des 30jährigen Krieges hatte der Klosterbau arg zu leiden, z.T. wurde er regelrecht verwüstet. Auch während des 2. Weltkrieges erlitt der Bau erneut starke Beschädigungen.
Ab Mitte der 50er Jahre bis etwa 1960 begann man, erstaunlicherweise also bereits zu DDR-Zeiten, mit einer Instandsetzung der Kirche. Doch letztendlich waren die Schäden so gewaltig, dass man sich 1998 gezwungen sah, die Anlage vorerst baupolizeilich zu sperren.
In den Folgejahren wurden dann vom Land Sachsen-Anhalt nicht unerhebliche Mittel zur Verfügung gestellt, um das Kloster wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Und dieser neue Glanz steht dem gesamten Kloster-Ensemble ausgezeichnet.
Gefunden habe ich diese geschichtlichen Eckpunkte über Kloster Jerichow übrigens hier. Wer also gern noch ein wenig mehr darüber lesen möchte, der kann gern auch dort noch einmal schauen.

Wir Silberdistels waren sehr angenehm überrascht von dem, was wir vorfanden. Aus Klosterkirche, dazugehörigen Gebäuden und dem Klostergarten ist ein richtiges Schmuckstück geworden. Es lohnt sich, dort einmal reinzuschauen und sich mit eigenen Augen zu überzeugen.

Aber nun genug der Vorrede, ab ins Kloster! Wobei … erst einmal mussten wir natürlich einen kleinen Obolus löhnen, bevor wir wirklich hinein durften. Nebenher kam ich natürlich genau dort an der Kasse auch wieder einmal nicht an den angebotenen Büchern vorbei. So wanderte, wer hätte es gedacht, ein Kochbuch mit alten Rezepten in meinen Rucksack. Ich habe ja bisher auch kaum Kochbücher 😉

Aber nun wirklich los und auf ins Kloster!

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Was wandelt denn dort hoch oben auf einem der Hausdächer?

Auf einem der Dächer der Häuserreihe links von uns fallen mir unterwegs zum Eingangsbereich der Klosteranlage zwei witzige Figuren auf. Es ist zwar helllichter Tag, aber wahrscheinlich wandeln sie immer – unabhängig von Tages- oder Nachtzeit.
Wenig später stehen wir vor dem Eingang zum Klosterbereich – kein Kartenabreißer weit und breit, kein Chipkontrolleur. Selbst sind hier Mann und Frau und müssen Avtomat bedienen können.

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Dann also los – auf ins Kloster!

Herr Silberdistel hat zunächst ein kleines Problem mit dieser Automaten-Hürde, denn ohne die richtige Brille ist hier der Tastsinn gefragt. Man muss nämlich einen Chip, den wir an der Kasse bekamen und der mit mehreren Rillen versehen ist, in die richtige Position bringen, erst dann passt er in den Automaten, der schließlich die Eingangsschleuse zum Klosterbereich öffnet. Doch wir packen das Problem noch recht schnell, zumal von der anderen Schleusenseite hilfreiche Tipps kommen. Aber ich bin sicher, wir hätten es auch früher oder später allein geschafft 😉

Bevor wir uns nun zur allgemeinen Klostereinstimmung erst einmal ins Museum aufmachen, muss mein Gärtnerauge den hübschen Steingarten im Innenhof an der Geist-Brennerei bewundern. Aber dann geht’s hinein ins Museum. Dort gibt es allerlei Interessantes rund ums Kloster zu sehen – nicht nur Kirchenglocken und diverse Tonscherben. Vielleicht schaut Ihr ja irgendwann einmal selbst hinein. In der Bilderschau gibt es schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Museumsluft.

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Nach dem Museumsrundgang locken uns unsere Mägen mit unwiderstehlicher Gewalt in den Klostergarten. Ein Wegweiser sagt nämlich, dass es dort nicht nur Garten, sondern auch ein Café geben soll. Scheinbar können Mägen lesen und vor allem dulden sie keinen Widerspruch 😉

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Letztendlich sind wir rundum zufrieden. Kaffee, Cappuccino und Torte haben gehalten, was sie zu versprechen schienen. Sie waren äußerst lecker und der Klostergarten gab zu Speis und Trank mit dem buntem Vogelgezwitscher rundum aus all dem Grün und dem Blick aufs Storchennest hoch über uns auf dem Schornstein unseres urigen Cafés eine wunderbare Atmosphäre.  So ist Entspannung pur.
Und als ich im Gemüse- und Kräutergarten ein wenig später auch noch für meinen Garten zuhause fündig werde, könnte ich den Tag bereits als nahezu perfekt gelungen einordnen.
Aber wie es so ist, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber erst einmal war ich des Lobes voll und bereits wieder voller Tatendrang, denn dort hinten harrte unserer noch ein Backsteinmuseum.

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Nach dem Backsteinmuseum fehlt uns nun nur noch der Blick ins eigentliche Heiligtum – in die Klosterkirche. Mich interessiert zuvor natürlich noch einmal der Steingarten, den ich gleich zu Anfang unseres Rundgangs bewundert habe. Und während ich dort die Pflanzen anschaue, bemerke ich plötzlich gegenüber an der Hauswand einen Spatzen und ein Loch in der Wand, in dem Vater Haussperling kurz darauf verschwindet. Ich sehe gerade noch sein fedriges Hinterteil weghuschen und schon klingt lautes Babyvogelgeschrei von der Wand zu mir herüber. Da habe ich also eben den Eingang zu einer Spatzenkinderstube entdeckt. Wenig später taucht auch Mama Haussperling auf, um die Kinder zu versorgen. Was für eine nette Begebenheit nebenbei. Klosterleben kann doch so vielseitig sein.

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Zeit für den Kirchgang! Ich bin gespannt, was uns dort erwartet. Herr Silberdistel ist mir wieder einmal etwas voraus und wandelt bereits unter Gewölben dahin. Nur schnell hinterher, damit wir nichts verpassen!

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Beeindruckend, was wir zu sehen bekommen! Gewaltig, diese Höhe. Wie unscheinbar klein man sich doch vorkommt angesichts solcher unendlich erscheinender Höhe und wie spannend muss es gewesen sein, so etwas entstehen zu lassen.
Die Klosterkirche Jerichow gehört übrigens zu einem der ältesten Backsteinbauten Norddeutschlands. Wie schön, dass man ihr mit viel Geld, Mühe und Liebe wieder zu ihrer alten Pracht verholfen hat.

Nicht nur uns hat es in Jerichow gefallen. Auch die Störche scheinen sich dort wohlzufühlen. Wir entdecken auf einem Gebäude noch eine weiteres Storchennest und das, so finden wir, ist ein guter Abschluss für unseren Klosterbesuch.

Glücklich und zufrieden mit den gelungenen Tag machen wir uns wieder auf den Heimweg und dort spuckt uns dann unsere Torty in die Suppe dieses ansonsten so schönen Tages. Unser pelziges Dreigestirn will nämlich noch einmal hinaus in den Garten, als wir wieder daheim aufschlagen. Natürlich gönnen wir ihnen das, mussten sie doch bis dahin den ganzen Tag im Haus ausharren.
Ja, und dann, dann, dann verschwindet Torty spurlos

Ich hatte unlängst über ein armes Puppenkind berichtet, das uns bei einem Ausflug am letzten Aprilwochenende ins Thüringische vor die Kamera kam. Wir Silberdistels waren zu dem Zeitpunkt für drei Tage in Sömmerda, einem Ort, der etwa 20 km nördlich von Erfurt im Thüringer Becken zu finden ist.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sömmerda 876. Ursprünglich war es einmal eine kleine unbedeutende Ackerbürgerstadt. Das fruchtbare Thüringer Becken legte eine intensive landwirtschaftliche Nutzung nahe. Durch einen Sohn der Stadt, Johann Nicolaus Dreyse, und seine Erfindung, das Zündnadelgewehr, verwandelte sich der Ort ab 1817 von seiner bis dahin fast ausschließlich landwirtschaftlichen Prägung immer mehr zu einer Industriestadt. Dreyse gründete zunächst zusammen mit dem Fabrikanten Kronbiegel eine Metallwarenfabrik. Später entstand in Dreyses Auftrag eine Gewehrfabrik und nach und nach siedelte sich immer mehr Industrie an. Es gab beispielsweise auch eine Handstrichziegelei, die sich bald zu einer hochmodernen Ziegelei weiterentwickelte.
Aus DDR-Zeiten dürfte noch das Büromaschinenwerk Sömmerda bekannt sein.
Wer noch mehr über die Stadt wissen möchte, der kann sich gern hier etwas intensiver belesen. Dort habe auch ich mich für meine kurze Zusammenfassung über Sömmerda und seine Geschichte schlau gemacht, schließlich wollte ich Euch wenigstens eine kleine Vorstellung von dem Ort, in dem wir Silberdistels gerade ein paar spannende und interessante Stunden verlebt haben, vermitteln.
Wenn man Thüringen hört, denkt man sofort an den Thüringer Wald und damit an ausgedehnte Waldflächen. Das Thüringer Becken kommt jedoch weitestgehend waldfrei daher und somit gab es für uns auch keine ausgedehnten Waldspaziergänge. Aber ein bisschen Natur haben wir, wie die folgenden Bilder zeigen, dennoch bewundern können.

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Na, nach all dem Grün noch Lust auf einen kleinen Stadtrundgang bekommen? Dann also los!
Ich finde, Sömmerda ist durchaus hübsch anzusehen. Auf uns hat es zudem noch einen recht gemütlichen Eindruck gemacht. Wir haben uns dort ausgesprochen wohlgefühlt. Es war Entspannung pur.
Unser Rundgang führte uns zunächst ins Zentrum der Altstadt. Auf dem Platz vor der St. Bonifatius Stadtkirche muss gerade Markttag gewesen sein. Zahlreiche Blumen und andere Pflanzen wurden gerade wieder in die Fahrzeuge geräumt. Schade eigentlich, denn mein Gärtnerherz hüpfte sofort in ungeahnte Höhen, als ich das viele frühlingshafte Bunt sah. Aber wer weiß, was ich alles gekauft hätte, obwohl ich eh keinen Platz mehr für Neuzugänge in meinem Garten habe.
Andererseits gab es außer den Blumen auch so viel Schönes anzuschauen. Die Kirche allein hatte schon viele interessante Details zu bieten. Aber schaut selbst!

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An der Stadtmauer angekommen, waren wir nun doch ein wenig fußlahm und der kleine Hunger meldete sich auch irgendwie. Ob wir irgendwo ein ruhiges Sitzplätzchen entdecken würden?
Und siehe da, ein Stückchen weiter fand mein Herr Silberdistel für beides Abhilfe …

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… Abhilfe für die lahmen Füße und etwas gegen den knurrenden Magen ebenso. Sogar dafür, dass wir es beim Ausruhen auch ordentlich bequem hatten, sorgte mein Herr Silberdistel. Da fehlte eigentlich nur noch die Füllung für den hungrigen Magen.

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Aber mein Gatte kümmerte sich sofort auch darum, während ich es mir schon mal in der Sonne bequem machte und von meinem Sitzplatz aus die beschauliche Straße entlangblickte. Viele Gäste saßen nicht draußen. Trotz Sonne war es nämlich recht kühl. Aber wir Silberdistels sind nun mal Freiluftfanatiker.

So, satt und zufrieden? Dann könnte es doch jetzt noch ein Stückchen weitergehen, oder? Zum Trost – es ist gar nicht mehr soweit bis zu unserem Hotel. Langweilig wird es uns bis dahin ganz sicher nicht werden.
Da ist vor uns auch schon wieder das Erfurter Tor, an dem unser Stadtrundgang begann.  Lasst uns noch ein wenig an der alten Stadtmauer entlangschlendern!
Mein Herr Silberdistel weiß übrigens zu berichten, dass die alte Mauer zu DDR-Zeiten einst abgerissen werden sollte. Zum Glück ist es nicht dazu gekommen. Ob es Geldmangel war oder andere Gründe eine Rolle spielten, wusste mein Stadtführer nicht. Wichtiger ist, sie ist immer noch da und heute ein kleines und gepflegtes Prachtstück. Es wäre in der Tat schade um diese alte Zierde der Stadt gewesen. Wenn solche Zeugen längst vergangener Zeiten verschwinden, blutet mir jedes Mal das Herz. Andererseits jubelt es, wenn solche alten Gemäuer auch der Nachwelt erhalten geblieben sind und ich darüber sinnieren kann, was sie wohl alles erlebt haben mögen.
Die Stadtmauer in Sömmerda wurde um 1368 errichtet. Ursprünglich war sie einmal 1300 m lang und 4 m hoch. Das Erfurter Tor, durch das wir Silberdistels den Altstadtbereich betreten haben, und durch das wir ihn gleich wieder verlassen werden, war einst das eigentliche Stadttor. Außer diesem Tor gab es noch weitere Stadtmauertürme, von denen heute noch sechs erhalten sind.
Heute befindet sich im Erfurter Tor ein Museum. Um das noch anzuschauen, fehlte uns dann doch die Zeit.

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Wir haben am Abend noch etwas vor und müssen uns dafür so langsam vorbereiten. Es wird also Zeit, um ins Hotel zurückzugehen. Aber bis dorthin sind es vom Erfurter Tor aus nun wirklich nur noch wenige Schritte.

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In unserem kurzen Augusturlaub von diesem Jahr in Franken haben wir zu Beginn einiges angeschaut, was wir bereits aus den Vorjahren kannten und bei unseren Wanderungen sogar ein wenig lieben gelernt haben. Fast wäre ein Urlaub dort ohne eine Wanderung zur Gügelkirche und/oder zur Giechburg kein richtiger Frankenurlaub für uns. Eventuell berichte ich davon irgendwann doch noch, denn neue Eindrücke gewinnt man auch dann noch oder vielleicht sogar gerade dann, wenn man Bekanntes erneut betrachtet. Plötzlich bemerkt man Details, die zuvor entweder noch gar nicht da waren oder man hat sie ganz einfach durch die Vielzahl der Eindrücke übersehen. Mitunter hat sich auch nur die eigene Sichtweise verändert. Im Grunde genommen gibt es immer wieder Neues auch an Altbekanntem zu entdecken.

Aber heute möchte ich doch erst noch über eine Neuentdeckung berichten. Ich hatte bereits im Beitrag zuvor erzählt, dass ich während dieses Urlaubs fleißig in Prospekten über Franken geblättert hatte. Wir Silberdistels waren dieses Mal nämlich gut vorbereitet auf unseren Frankenurlaub und hatten einiges an Prospektmaterial mit auf die Reise genommen, das sich im Laufe der Zeit bei uns über Franken angesammelt hatte.

So entdecke ich neben dem wunderschönen Wanderweg rund um die Burg Rabenstein, dass Franken auch über interessante Kirchenburgen verfügt.  Zwei davon finden unser besonderes Interesse – Hohenpölz und Effeltrich. Sie sind von unserem Ferienort aus recht schnell zu erreichen. Nur zwei Kirchenburgbesichtigungen an einem Tag wären uns dann doch zu viel, also müssen wir uns für eine der beiden entscheiden. Die Wehrkirche Hohenpölz gewinnt, weil sie schlicht und einfach schneller zu erreichen ist.

Aber irgendwie steht die Fahrt nach Hohenpölz dann doch nicht unter einem so guten Stern.  Wir kommen nämlich nicht weit. Wir sind kaum aus unserem Ferienort raus, schon blockieren im nächsten Ortsteil einige Traktoren die Straße. Wir halten an und warten geduldig, aber es tut sich nichts und es sieht auch nicht so aus, als würde die Straße demnächst geräumt werden. Wir haben eher den Eindruck, als würde hier gleich gar nichts mehr gehen. Scheinbar bereitet man sich gerade auf die Kirchweih vor. Wir haben keine Lust, länger zu warten und so wenden wir kurzentschlossen.

Effeltrich hat nun doch noch gewonnen, denn wir haben umdisponiert. Effeltrich wollte sich mit der Niederlage bei unserer Kirchenburgbesichtigungsauslosung offensichtlich nicht so einfach geschlagen geben. Sie muss den Herrn da oben um Mithilfe gebeten haben und der hatte die clevere Idee, uns ein paar unüberwindbare Traktoren in den Weg zu stellen – ganz nach dem Motto: „Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Obwohl … das war dann wohl doch mehr der Erlkönig, der da seine Hand im Spiel hatte. Komisch, hatte der sich neulich nicht schon mal hier irgendwo eingemischt? Er wird sich doch hoffentlich nicht als Dauergast bei uns einschleichen. Naja, egal, wer sich da wie oder wo eingemischt hat … Tatsache ist, dass wir dieses Mal am Ende gar nicht so unzufrieden mit der Umorientierung sind.

Effeltrich, es liegt übrigens am Westrand der Fränkischen Schweiz, entpuppt sich als etwas ganz Besonderes. Der Ort ist nämlich nicht nur durch seine Wehrkirche bekannt, auch durch seinen Obstanbau – speziell Äpfel – und die Obstbaumzucht ist Effeltrich nahezu berühmt. Und wer hätte es gedacht, dass sich diese Äpfel auch im Ortsnamen niedergeschlagen haben. In einer Schreibweise aus dem Jahre 1121 nennt sich der Ort „Affaltere“. Aus dem Althochdeutschen abgeleitet sollte das ziemlich sicher auf „affaltra“ wie Apfelbaum zurückgehen. Schon vor Jahrhunderten handelte man bis weit über die Grenzen hinaus mit Obstbäumen und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Aber nicht nur durch seine Obstbäume ist Effeltrich berühmt, es gibt dort noch etwas, was speziell mich als Liebhaber alter Bäume ganz besonderes freute. Inmitten des Ortes steht nämlich eine uralte Tanzlinde – quasi gegenüber der Kirche. Ein Gerüst gab den vielen schweren Ästen des Baumes Halt. Aber darüber berichte ich noch in einem gesonderten Beitrag.

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Die Kirchenburg St. Georg in Effeltrich

Zurück zur Kirche: Die Kirchenburg St. Georg stammt aus dem 15. Jh.  Wie wir lesen konnten, ist sie die Wehrkirche in Oberfranken, die am besten erhalten ist. Ihre Mauer hat eine Länge von über 200 m.

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Hier sind die Reste des Wehrganges gut zu erkennen und links einer der 4 Türme

Es gibt 4 Türme und die noch gut erhaltenen Reste eines Wehrganges an der Südmauer. Zur Wehrkirche wurde sie zum Ende des 15. Jahrhundert hin ausgebaut. Anlass dafür waren brutale Überfälle von Nürnberger Truppen, die den Ort erbarmungslos ausgeraubt hatten. So baute man die Kirche zur Schutzburg für die Bewohner des Ortes um.

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Das Eingangsportal der Kirche mit den Heiligen Laurentius, Georg und Sebastian

Kaum auf dem Kirchhof, werde ich von einem älteren Herrn angesprochen, ob ich wüsste, um was für eine Kirche es sich hier handeln würde. Natürlich wusste ich, dass ich vor einer Wehrkirche stand, schließlich hatten wir sie deshalb anschauen wollen. Mein Herr Silberdistel kann dann sogar die nächste Preisfrage beantworten.

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Hier noch einmal die Figuren zur Preisfrage aus der Nähe (v.l.n.r. Laurentius, Georg, Sebastian)

Unser Showmaster will nämlich auch noch wissen, wer wohl die drei Heiligen über dem Eingangsportal wären. Herr Silberdistel kontert: Laurentius, Georg und Sebastian – gut zu erkennen an ihren Heiligenattributen – Rost, Drache, Pfeile. Unser Gegenüber ist von dieser Kenntnis einigermaßen  beeindruckt, denn, wie er sagt, würden viele Touristen fotografieren, ohne zu wissen, was sie da überhaupt vor sich hatten.
Ich muss zugeben, wäre mir nicht mein Herr Silberdistel zur Seite gesprungen, ich hätte nur Georg parat gehabt – wegen des Drachen, aber mein Retter in der Not stand, Glückes Geschick, ja neben mir und glänzte mit seinem Wissen. Rechts neben den drei goldenen Heiligenfiguren reitet uns übrigens noch einmal der Schutzheilige dieser Kirche, der Heilige Georg, entgegen.

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Der Schutzheilige der Kirche – der Heilige Georg

Nachdem wir noch einige Worte mehr miteinander getauscht haben, wobei wir nicht nur erfahren, dass wir einen ehemaligen Küster der Wehrkirche vor uns haben, sondern auch noch einiges mehr über die Kirche und Effeltrich hören, umrunden wir das Gotteshaus und werfen schließlich noch einen Blick ins Innere.

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Die prunkvolle Ausstattung der Kirchen im Süden beeindruckt mich immer wieder. Dagegen machen unsere norddeutschen fast einen ärmlichen Eindruck.
In der Kirche sind unter anderem ein barocker Hochaltar und eine Rokokokanzel zu sehen, außerdem ein als Lebensbaum gestalteter Bronzealtar und ein Ambo im gleichen Stil.

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Nach der Kirchenbesichtigung schauen wir neben der Kirche einen alten Backofen an und natürlich die Linde gegenüber der Kirchenburg, ebenso ein Fachwerkhaus und andere nette Details auf dem Weg zu unserem Auto.

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Inzwischen hat sich bei uns der kleine Hunger gemeldet. Wir haben die Idee, das Problem in der Gaststätte auf unserer Lieblingsburg, der Giechburg, zu lösen. Als wir bereits fast an der Giechburg sind, reiht sich plötzlich Auto an Auto und es geht nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Verwundert stellen wir kurze Zeit später fest,  dass alle hoch zur Burg wollen. Bunte Luftballons am Straßenrand lassen uns auch hier ein Kirchweihfest vermuten. Also vollziehen wir das zweite Mal an diesem Tag eine Wende und auf geht es zum Schloss Seehof, wo wir endlich etwas gegen unseren kleinen Hunger tun können. Wobei der Hunger derweil schon zu einem richtigen Bärenhunger angewachsen ist und da dieser Tag eh der letzte Urlaubstag ist, schlagen wir zum guten Schluss ordentlich zu.  Es gibt Kaffee, Torte und Eis, aber wir schwören fast noch während des genussvollen Essens, dass wir ab dem vor uns liegenden Montag Diät leben werden.

… hatte unsere Enkelin den Spielplatz von Kratzmühle erobert und ich hatte einen kleinen Plausch mit der ortsansässigen Spielplatzmaus. Ihr erinnert Euch vielleicht noch an meinen ersten Bericht aus unserem diesjährigen Kurzurlaub Anfang September im Altmühltal. Mit dem Spielplatzbesuch hatte der schöne sonnige Tag natürlich für uns noch nicht seinen Abschluss gefunden. Nach einem die Lebensgeister wieder weckenden Kaffee für uns und einem stärkenden Apfelsaft fürs Kind machten wir uns noch einmal auf – und zwar nach Kinding, einem kleinen Ort unweit unseres Urlaubsdomizils. Kinding ist ein sogenannter Markt, der etwas über 2 500 Einwohner zählt und mit seiner Lage an der Altmühl trifft man hier auf ein recht idyllisches Fleckchen Erde.

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Überall in Kinding findet man liebevoll gestaltete Gärten

Der Ort mit seinen hübschen und gepflegten Häusern macht einen überaus gemütlichen Eindruck und es macht Spaß, durch die Straßen und Gassen zu schlendern und einen Blick in die liebevoll gestalteten Gärten zu werfen.

Die Kirchenburg Kinding - ein beeindruckendes Bauwerk

Die Kirchenburg Kinding – ein beeindruckendes Bauwerk

Was Kinding aber ganz besonders interessant macht, das ist die Kirchenburg, die hoch über dem Ort thront. Ihr galt an diesem Tag unser Hauptinteresse. Wir waren im vergangenen Jahr bereits einmal an der Kirchenburg gewesen, konnten damals aber leider nicht in die Kirche hinein, denn am Tage unseres Ausflugs fand dort gerade eine Trauung statt. Wir hofften, dieses Mal einen besseren Zeitpunkt für eine Besichtigung gewählt zu haben.
Entstanden ist die Kirchenburg von Kinding um 1357. Sie wurde z. T. aus dem Abbruchmaterial der Burg eines bayerischen Lehnsherren, Ulrich I. Schenk von Geyern, erbaut. Das Untergeschoss des Kirchturms entstand allerdings bereits in romanischer Zeit. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt die Kirche mehrere Anbauten.

Wehrturm mit Wehrmauer

Der mittlere der drei Wehrtürme mit Wehrmauer

Die Wehranlage ist noch erhalten und sie sieht mit ihren drei in einer gemeinsamen Wehrmauer befindlichen Wehrtürmen recht beeindruckend aus. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass von dort aus eine recht effektive Verteidigung für die Anlage möglich war.

Schießscharte in der Wehrmauer

Schießscharte in der Wehrmauer

Die Wehrgänge haben den Jahrhunderten nicht standgehalten, allerdings sind die Mauerabsätze noch gut  erkennbar und auch einige Schießscharten sind erhalten geblieben. Sinn und Zweck solcher Kirchenburgen war es, der Bevölkerung z.B. in Kriegszeiten samt Hab und Gut einschließlich Vieh einen guten Schutz zu bieten. So konnten die Einwohner des Ortes dort in der Regel auch längere Belagerungszeiten durchstehen.

Die Kirche ist recht prunkvoll ausgestattet

Die Kirche ist recht prunkvoll ausgestattet

Und wir hatten dieses Mal tatsächlich Glück. Wir konnten einen Blick ins Innere der Kirche werfen, was wir natürlich sehr interessiert und ausgiebig taten. Mehr Bilder vom Inneren der Kirche sind für die besonders Interessierten unten in der Bilderschau zu sehen.

Interessantes bringt der Blick über so manchen Gartenzaun zum Vorschein

Interessantes bringt der Blick über so manchen Gartenzaun zum Vorschein

Aber nicht nur die Kirche mit ihren Befestigungsanlagen gefiel uns sehr, auch der Weg hoch zur Kirchenburg war mit interessanten Eindrücken gepflastert. Mein Gärtnerinnenblick ließ mich immer wieder über die Gartenzäune schauen und sogar die eine oder andere Anregung für den heimischen Garten mitnehmen.

Neben hübschen Häusern gibt es auch Verfallenes - hier die Tür eines ehemaligen Gasthofes

Neben hübschen Häusern gibt es auch Verfallenes – hier die Tür eines ehemaligen Gasthofes

Andererseits konnte man auch sehen, dass es selbst in einem solch hübschen Ort wie Kinding quasi mitten im Zentrum Verfallenes gibt – wie diesen ehemaligen Gasthof z. B.

Sogar die Gardinen im verfallenen Gasthaus hängen noch

Sogar die Gardinen im verfallenen Gasthaus hängen noch

Da blutet einem fast ein wenig das Herz darüber, dass sich für ein solches sicher einmal sehr hübsches Gebäude niemand mehr gefunden hat, der sich seiner annehmen wollte. Richtig schade drum.
Nach unserem recht ausgiebigen Kirchenburgbesuch ging es wieder durch den Ort mit seinen so liebevoll gestalteten Gärten zurück.

Ein kleiner Bach, der durch den Ort fließt, beherbergt sogar Forellen

Ein kleiner Bach, der durch den Ort fließt, beherbergt sogar Forellen

Unsere Enkelin hatte dabei auch noch ihren Spaß, denn in dem kleinen Bächlein, das mitten durch das Herz von Kinding fließt, entdeckte sie Forellen, von denen sie sich fast gar nicht mehr trennen wollte.

Eine der Forellen aus dem kleinen Bach

Eine der Forellen aus dem kleinen Bach

Natürlich ernteten wir als Großeltern Kritik, weil wir nicht einmal Forellenfutter dabei hatten. Eine vorausschauende Oma trägt so etwas natürlich immer gern mit sich herum. Schließlich kann einem immer mal völlig überraschend eine Forelle über den Weg laufen. Ich habe wohl noch einiges dazuzulernen.

Ob sich Forellen auch dressieren lassen?

Ob sich Forellen auch dressieren lassen?

So musste wegen des Mangels an Fütterungsmöglichkeiten ein Stöckchen für eine kurze Forellendressur herhalten. Aber die Fische waren wohl auch mehr an ein paar Brotkrumen denn einem wedelnden Ministöckchen interessiert. Als nichts ihren Vorstellungen Entsprechendes kam, machten sie sich auf und davon und suchten an anderer Stellen nach einem leckeren Happen und wir durften endlich unseren Weg fortsetzen, der uns letztendlich wieder zum Parkplatz führte, auf dem unser Gefährt brav auf uns gewartet hatte. Es war insgesamt für Alt und Jung ein schöner und erlebnisreicher Tag gewesen, der uns viel Spaß gemacht hat. Für den Anfang waren wir, entgegen aller Befürchtungen, ganz gut miteinander ausgekommen. Noch waren wir sehr darauf gespannt, ob unser gemeinsamer Testurlaub weiter so positiv verlaufen würde. Ein paar Tage hatten wie ja noch vor uns.
In der Bilderschau hier unten gibt es noch ein wenig mehr von dem zu sehen, was wir an diesem Nachmittag in der Kirchenburg, in Kinding selbst und in seinen Gärten entdecken konnten.

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Weiter geht’s mit einem Bericht aus unserem diesjährigen Frühjahrsurlaub Ende Mai/Anfang Juni.  Im Urlaubsbericht zuvor hatte ich Euch mit in die Katholische Pfarrkirche in Hilders genommen. Im Anschluss an die Kirchenbesichtigung bin ich hinter der Kirche die Straße weiter bergauf gelaufen und zu einer Fototour durch die hübsche Natur rund um Hilders aufgebrochen. Kurz hinter dem Ortsausgang bog ich links in einen als Rundweg 4 ausgeschilderten Wanderweg ein. Bisher hatten wir Silberdistels diesen Weg noch so gar nicht erkundet. Meistens hatten wir auch längere Touren vor als ich an diesem Tag, als ich ausnahmsweise einmal ohne meine männliche Begleitung unterwegs war. Warum sollte ich nicht auch im Alleingang neue Wege erforschen können?

Blick auf Hilders

Blick auf Hilders

Wie es aussah, würde ich von dort oben aus, es ging noch weiter bergan, auch einen schönen Blick auf Hilders haben. Also, nichts wie los! Wie ich recht schnell merkte, war dieser Weg eine gute Entscheidung, er führte mich durch eine fast reine Wiesenlandschaft und je weiter ich kam, umso bunter wurde es um mich herum.

Ein buntes Blütenmeer erwartete mich

Ein buntes Blütenmeer erwartete mich

Zu meiner Freude waren die meisten Wiesen noch nicht gemäht worden und so erwartete mich ein wunderhübsches farbenfrohes Blumenmeer. Ich wusste gar nicht, worauf ich meine Kamera zuerst richten sollte, so viel Interessantes und Schönes gab es zu sehen …

Der Blick auf Hilders war wunderhübsch - auf Blumen gebettet lag es vor mir

Der Blick auf Hilders war wunderhübsch – auf Blumen gebettet lag es vor mir

… und der Blick auf Hilders war fast noch schöner als vermutet, als hätte die Natur den kleinen Ort auf Blumen gebettet.
Meine Fototour dauerte gut zwei Stunden und endete schließlich mit einem kleinen Erkundungsgang durch Hilders – ein wenig abseits der Hauptstraßen und üblichen Wege. Mein von der Wanderung des Vortages noch leicht lädiertes Knie setzte dann den Schlusspunkt hinter meine Fototour. Es war der Meinung, dass es nach der Strapaze vom Vortag genug guten Willen gezeigt hätte und sich jetzt gern ein wenig erholen würde.

Kaffee und Kuchen auf dem Balkon der Ferienwohnung passten perfekt als Abschluss meiner kleinen Tour

Kaffee und Kuchen auf dem Balkon der Ferienwohnung bildeten den perfekten Abschluss meiner kleinen Wanderung

Einen kleinen Umweg zum örtlichen Bäcker gestattete mir mein Knie trotzdem noch, sodass ich den Nachmittag mit Kaffee, leckerem Himbeerkuchen und zuckersüßem Amerikaner ausklingen lassen konnte. Wobei … da gab es dann doch noch ein wenig Aufregung. Für meinen Kaffeenachmittag hatte ich es mir auf dem Balkon unserer Ferienwohnung gemütlich gemacht. Während ich Kaffeezeit und wärmende Nachmittagssonne genoss, machte ich nebenher eine merkwürdige Entdeckung. Davon berichte ich aber dann lieber ein anderes Mal, sonst wird es hier am Ende für heute doch zu lang. Aber die Bilder von meinem kleinen Fotoausflug rund um und durch Hilders will ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

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… die Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Hilders.

Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Hilders

Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Hilders

Den zweiten Tag unseres diesjährigen Rhönurlaubs hatte ich für mich allein. Mein Herr Silberdistel hatte fernab unserer Lieblingswandergegend einen Termin, der so gar nicht mit dem Thema Wandern und Urlaub zu tun hatte. Mich jedoch sollte das nicht weiter stören. Bei mir war trotzdem ein kleiner Wandertag eingeplant – eine Fotowanderung rund um Hilders und ganz für mich allein. Meine Füße fühlten sich noch nicht wieder so ganz putzmunter an, wie ich es gern gehabt hätte, aber mit den Ersatzwanderschuhen sollten sie sicher für diesen Tag zurechtkommen. Die empfindlichsten Stellen hatte ich natürlich gut bepflastert, damit meine Fototour nicht wie am Vortag schmerzlich endete. Wieder lief ich durch den kleinen Ort Hilders und wieder hinauf zur Kirche. Was sollte mich eigentlich daran hindern, jetzt gleich noch einmal in das imposant vor mir aufragende Bauwerk hineinzuschauen? Dieses Mal stand die Tür zwar nicht so einladend offen wie am Tag zuvor, aber vielleicht war das durchaus ein gutes Zeichen dafür, dass nicht schon wieder im Gotteshaus gewerkelt wurde.

Stufe für Stufe nähere ich mich dem beeindruckenden Bauwerk

Langsam schritt ich die letzten Stufen zu dem mächtig wirkenden Bauwerk empor. Der Aufstieg durch den Ort ließ mich schon ein wenig schnaufen. Meinen Frühsport dürfte ich damit bereits hinter mir haben.

Ein hübscher Ruheplatz an der Kirchenmauer

Ein hübscher Ruheplatz an der Kirchenmauer

Während ich mehrmals tief durchatmete, schaute ich nach links auf ein Stückchen Kirchenmauer. Sehr gemütlich sah es dort aus – eine hübsche Blumenecke, ein frisch gemähtes Rasenstück und eine Bank für die leisen und erholsamen Stunden des Tages, ein Ort, an dem man sich sicher sehr wohlfühlen und in aller Ruhe entspannen konnte. Das Vogelgezwitscher ringsum verstärkte diesen Eindruck noch.

St. Bartholomäus sieht auch innen sehr imposant aus

St. Bartholomäus sieht auch innen sehr imposant aus

Doch jetzt weiter, ein paar Stufen erwarteten mich noch, bevor ich die schwere Kirchentür öffnen und meinen Blick durchs Innere der Kirche schweifen lassen konnte. Der Baldachin verdeckte zunächst wieder den Blick auf einen großen Teil des kunstvollen Inneren.

Die drei Altäre von St. Bartholomäus

Die drei Altäre von St. Bartholomäus

Langsam schritt ich zwischen den Bankreihen entlang und auf die drei Altäre zu. Wie ich später lese, stammen sie aus den Jahren 1855-60. Belesen habe ich mich übrigens hier. Die Kirche an sich wurde 1792-96 vom Baumeister Johann Michael Schauer aus Saal a. d. Saale erbaut. Sie ersetzte einen Bau aus dem Jahre 1599. Aber auch diese Kirche muss bereits eine Vorgängerin gehabt haben, denn schon 1463/64 wurde in Hilders eine Kirche erwähnt. Der Kirchenbau von 1599 wurde übrigens 1602 dem Apostel Bartholomäus geweiht und somit erklärt sich auch der Name der Kirche, wie sie heute vor uns steht.

Der Hochaltar

Der Hochaltar

Der prächtige Hochaltar zeigt Christus als Erlöser. Links und rechts davon sieht man als weiße Barockfiguren die Apostel Petrus und Paulus.

Der rechte Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar stellt den Kirchenpatron Bartholomäus dar, daneben stehen Figuren von Johannes Evangelist und dem Würzburger Bistumsheiligen Kilian.

Der linke Seitenaltar

Der linke Seitenaltar

Der linke Seitenaltar zeigt uns die Übergabe des Rosenkranzes von Maria an den Heiligen Dominikus, links und rechts davon die Figuren Joachim und Anna. Weiterhin sieht man auf dem linken Seitenaltar die Madonna mit dem Strahlenkranz – eine sehr edle Darstellung aus dem Barock.

Die Orgel

Die Orgel

Die schlichte Orgel der Kirche stammt aus dem Jahre 1864.

Deckengemälde

Deckengemälde

Schließlich fiel mein Blick noch auf das hübsche Deckengemälde über mir. Es entstand bei einer Renovierung im Jahre 1985 und ist ein Werk von Konrad Heumeier aus Engelberg bei Traunstein. Dargestellt hat der Maler hier die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Eines der Kirchenfenster

Eines der Kirchenfenster

Natürlich kann ich keine Kirche verlassen, ohne mir  ihre Fenster etwas genauer anzuschauen. Diese hier sind vergleichsweise recht schlicht gehalten. Beeindruckend und elegant sehen sie dennoch aus mit ihrem hübschen Wabenmuster.

Der Blick von der Kirche hinunter in den Ort Hilders

Der Blick von der Kirche hinunter in den Ort Hilders

Wenig später trat ich wieder hinaus ins Freie. Leise hatte ich die Kirchentür hinter mir geschlossen und fast im gleichen Moment war ich gefangen von diesem bezaubernden Anblick. Er sollte ein guter Einstieg in meine kleine Fototour rund um den Ort sein.

Häuser rund um die Kirchenmauer

Häuser rund um die Kirchenmauer

Gleich links von mir schmiegen sich herrlich idyllisch die Häuser an die Kirchenmauer. Schon oft bewunderte ich diese schöne Wohnlage.

Ein Blick zum Friedhof neben der Kirche

Ein Blick zum Friedhof neben der Kirche

Bevor ich den Kirchhof für dieses Mal verließ, fiel mein Blick noch auf den links neben der Kirche liegenden Friedhof. Anlass, meine Gedanken abschweifen zu lassen, hin zu einer schweren Stunde, die demnächst vor uns, vor unserer Familie, liegt. In gar nicht so ferner Zukunft werden wir wieder einmal auf einem Friedhof stehen müssen, um einen Menschen aus unserer Mitte für immer zu verabschieden – ein trauriger Tag für uns, aber andererseits auch einer, der zu unser aller Leben doch irgendwie auch dazugehört.

Ein Blick zurück auf Hilders und St. Bartholomäus

Ein Blick zurück auf Hilders und St. Bartholomäus

Langsam und noch eine Weile gedanklich weit weg von Urlaub und Erholung laufe ich weiter bergauf und lasse schließlich die Kirche und die letzten Häuser des Ortes hinter mir. Allmählich bemerke ich wieder die wundervolle Natur um mich herum, ihren Duft, ihre Farben. Die Freude auf diesen Tag ist wieder da und auf all das, was ich entdecken werde auf meiner Fototour rund um Hilders. Aber davon später … irgendwann …

In loser Folge wird es hier ab heute immer wieder einmal den einen oder anderen Bericht aus unserem gerade vergangenen Wanderurlaub in der Rhön geben. Wir haben in dieser uns so lieb gewordenen Region im Laufe der Jahre bereits viele Urlaube verlebt. Sie machen uns immer noch Spaß, lenken mitunter ganz wundervoll von Alltagssorgen ab, bringen neue Kraft für Körper und Geist. Was will man mehr? In diesem Jahr haben wir die letzten Tage des Mai und die ersten Tage des Juni in dieser wunderschönen Gegend verbracht und wie schon so oft möchte ich Euch auch dieses Mal gern ein wenig daran teilhaben lassen.

***

Da waren wir nun wieder – in der Rhön, und das, obwohl die Katzen mit ihren ausgedehnten Kofferbesetzungsattacken und zutiefst traurigen Blicken versucht hatten, genau das zu verhindern. Ich weiß, wir sind mitunter gemein zu den beiden Pelztieren. Aber manchmal muss man auch ganz einfach an sich selbst denken, denn ab und zu ein bisschen Erholung soll so schlecht nicht sein. Und die Katzen, die konnten sich endlich einmal ganz in Ruhe ausschlafen. Das ist doch auch für sie eine angenehme Art von Entspannung und Krafttanken und das Wiedersehen am Ende zwischen Mensch und Tier ist dann um so schöner. Nein, ich will jetzt gerade nicht darüber nachdenken, ob die Katzen das ebenso sehen wie wir. Wenn Urlaub ist, dann sollte auch im Kopf Urlaub sein!

Wir Silberdistels hatten die erste Nacht im neuen Quartier recht gut geschlafen. Leider steht uns die Ferienwohnung, die uns im Laufe der Jahre schon fast zu einem zweiten Zuhause geworden war, seit diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung – Eigenbedarf war dort angesagt. Wir würden also ganz einfach schauen müssen, wie uns unser neues Domizil gefallen würde. Auf den ersten Blick machte es einen sehr netten und gemütlichen Eindruck. Am Ende des Urlaubs würden wir sicher mehr wissen. Jetzt lag erst einmal der erste Urlaubstag vor uns. Die Wetterfrösche hatten für diesen Tag recht passables Wetter angesagt. Mein Herr Silberdistel schlug auch gleich voller Elan eine Wanderung zum Thüringer Rhönhaus vor. Recht lang – zum Eingewöhnen und für den ersten Tag. Aber was sollte es? Wir würden das schon packen. Schließlich zählen wir ja noch nicht so ganz zum alten Eisen. Jedenfalls rede ich mir das gern immer wieder ein. So machten wir uns gegen 11.00 Uhr auf den Weg. Unsere Wanderung begann in dem kleinen Ort Hilders und führte uns zunächst von der Ortsmitte aus in Richtung der weithin sichtbaren Kirche.

Blick in die Katholische Kirche in Hilders

Blick in die Katholische Kirche in Hilders

Erstaunlicherweise stand die Kirchentür sperrangelweit offen. Natürlich verlockte es mich, schnell einmal hineinzuschauen.  Da aber drinnen fleißig gehandwerkelt wurde, getraute ich mich dann doch nicht ganz hinein und machte nur einige weniger gute Fotos. Ein Baldachin nahm fast die ganze Sicht auf den Altarraum. Schade, aber vielleicht würde sich irgendwann später noch einmal eine bessere Gelegenheit für einen Kirchenbesuch ergeben.
Weiter ging’s also – Richtung Buchschirm, einem Berg östlich von Hilders, den wir erst einmal bezwingen mussten, bevor wir etwas bequemer und ohne atemraubende Steigung vorankommen könnten.

Wir gönnen uns in einer Verschnaufpause noch einmal einen Blick auf Hilders

Wir gönnen uns in einer Verschnaufpause noch einmal einen Blick auf Hilders

So lassen wir die Kirche und den Ort hinter uns und laufen tapfer straff bergan. Allerdings verlaufen wir uns doch tatsächlich an einer Weggabelung und landen sehr viel weiter links von der Straße, die wir eigentlich hätten weiter hinauflaufen müssen. Leider bemerken wir unseren Irrtum erst relativ spät, sodass wir ein ganzes Ende mehr gelaufen sind als nötig gewesen wäre. So oft sind wir nun den Wanderweg hoch zum Buchschirmberg schon gelaufen, verlaufen können wir uns scheinbar trotzdem noch immer. Wir machen kehrt und biegen nach einem kurzen Stück auf der Straße links in einen Weg ein, der uns zwischen Waldrand und einer großen Wiese entlangführt.

Oberhalb Hilders' gibt es eine kleine Feriensiedlung mit einem Weg, der diesen interessanten Namen trägt

Oberhalb Hilders‘ gibt es eine kleine Feriensiedlung mit einem Weg, der diesen interessanten Namen trägt

Wir kennen diesen Weg noch aus dem letzten Jahr und hoffen, dass wir ihn noch richtig in Erinnerung haben. Er sollte uns auf halber Höhe über die Wiese rechter Hand hin zum sogenannten Galgenrasen führen. Von dort aus würden wir dann wieder auf den verfehlten Weg treffen und über das Thomas-Morus-Haus, einem kirchlichen Jugendheim, hoch zum Buchschirm laufen. Galgenrasen – ob es hier einst einen Richtplatz gab?

Die Aussichtsplattform auf dem Buchschirmberg

Die Aussichtsplattform auf dem Buchschirmberg

Etwa eine Stunde nach unserem Aufbruch sind wir tatsächlich auf dem Buchschirmberg gelandet. Schon aus der Ferne sehen wir die kleine Aussichtsplattform und etwas dahinter das ebenfalls auf dem Berg stehende Kreuz des Ostens.

Unsere

Unsere „Deutsche Bank“ mit Blick weit nach Thüringen hinein

Erfreut stellen wir wenige Meter später fest, dass unsere „Deutsche Bank“ wieder steht, die im letzten Jahr traurig und zerbröselt am Boden lag. Oft schon haben wir hier gesessen und in die Ferne geschaut.
Da dachten ich nun, diese, UNSERE, Bank wäre etwas ganz Besonderes, hatte sie mir doch einst erstmals einen ganz besonderen Weltblick, nämlich den vom wunderschönen Hessen hinüber ins malerische Thüringen beschert, einen Blick von einem Stück Welt, von dem ich bis 1989 nie gedacht hätte, dass ich ihn jemals würde von der Hessischen Rhön aus erleben dürfen.

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Und nun das! Ein Stückchen weiter gab es noch eine ganz besondere, persönliche Bank – Mikes Weitblickbank. Wer immer Du bist, Mike, ich war so frei, mich ganz leise neben Dich zu setzen, um mir auch einmal einen anderen Weltblick bzw. Weitblick zu gönnen. Wunderschön ist sie – die herrliche Weite, die uns Deine Bank ganz nahe bringt, eine Weite, die auch wir in den vielen Jahren, in denen wir die Rhön bisher durchwandert haben, lieben gelernt haben. Unter uns, ich mag auch den Teil, der sich hinter Deiner Weitblickbank verbirgt, den vierbeinigen Teil der Rhön, der ebenso zu dieser fantastischen Gegend gehört wie ihre wundervollen Blumenwiesen, die Berge, die Wälder, die Moore. Danke, dass ich hier neben Dir ein wenig verweilen durfte, Mike. Ich muss dann mal weiter, schauen, dass ich meinen Herrn Silberdistel wieder einhole. Also dann, bis irgendwann vielleicht mal wieder auf dieser, Deiner, Weitblickbank.

Ich eile meinem Herrn Silberdistel, der fast nur noch als kleines Pünktchen am Horizont zu sehen ist, flugs hinterher. Immer wieder allerdings werde ich während unserer Wanderung durch die Flora und Fauna um mich herum aufgehalten. Fasziniert von all der blühenden, krabbelnden, flatternden und fliegenden Schönheit ringsum richte ich meine Kamera auf viele interessante kleine und große Entdeckungen und irgendwann, noch eine gute halbe Stunde vor unserem Ziel, dem Thüringer Rhönhaus, fühle ich mich bereits seltsam fußlahm. Zunehmend schmerzhafter machen sich meine noch relativ neuen Wanderschuhe bemerkbar. Für eine solch lange Strecke sind sie offensichtlich doch noch nicht richtig eingelaufen.

09-Wir sind am Ziel - am Thüringer Rhönhaus

Wir sind am Ziel – am Thüringer Rhönhaus

Gegen 13.15 Uhr sind wir endlich am Ziel. Ich freue mich darauf, meinen Füßen endlich eine Pause gönnen zu können und gemeinsam freuen wir Silberdistels uns auf die Thüringer Rostbratwurst, ein Tonic und ein kühles Bier. Für meinen Herrn Silberdistel gibt es sogar ein Kreuzbergbier – quasi als kleine Vorfreude auf eine unserer nächsten Wandertouren hinauf zum Kreuzberg.

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Wir haben draußen auf der überdachten Terrasse des Gasthauses Platz genommen und beobachten, während wir auf das Essen warten, zwei Kohlmeisen, die fleißig mit dem Füttern ihres Nachwuchses beschäftigt sind. Der eine Nistkasten in der Nähe unseres Sitzplatzes ist besetzt. Die Meiseneltern fliegen fleißig ein und aus. Mir gelingen sogar einige Fotos von den Altvögeln – den Schnabel voll mit Futter.
Gegen 14.00 Uhr manchen wir uns auf den Rückweg. Mir fällt der Weg immer schwerer, die Schuhe scheinen immer enger zu werden. Oder werden die Füße immer größer? Jedenfalls passen beide so gar nicht mehr zueinander.

Der Weg rechts hinter dem Funkturm führt uns wieder zur Mikes Weitblickbank, dem Kreuz des Ostens und zur Aussichtsplattform auf dem Buchschirmberg

Der Weg rechts hinter dem Funkturm führt uns wieder zur Mikes Weitblickbank, dem Kreuz des Ostens und zur Aussichtsplattform auf dem Buchschirmberg

Ich bin froh, als ich den Funkturm vor mir auftauchen sehe. Er halbiert in etwa unsere Wegstrecke. Aber dieses Mal ist der sonst so angenehme Markierungspunkt nur ein schwacher Trost für mich. Es schmerzt inzwischen überall und am Ende schimpft auch noch mein rechtes Knie mit mir. Es erklärt sich mit den gemarterten Füßen solidarisch und lässt mich noch zusätzlich leiden. Irgendwie schaffe ich die Strecke trotzdem. Kaum sind wir in der Ferienwohnung, ich habe noch nicht einmal die Schuhe von mir geworfen, da beginnt  es zu regnen. Unterwegs waren bereits einige wenige Tropfen gefallen, allerdings verzog sich die dunkle Wolke da wieder. Jetzt aber gießt es in Strömen. Irgendwie doch Glück gehabt.
Nach dem Kaffee sind wir in einer Regenpause zum Einkaufen gefahren, Verpflegung fürs Wochenende kaufen – etwas unangenehm mit den schmerzenden Füßen. Obwohl ich ihnen nun andere Schuhe gegönnt hatte, kam mir der Weg durch den Supermarkt trotzdem ein wenig wie eine Strafe vor.  Zum Trost gab es abends ein Bier, einen Extrastuhl für die geplagten Füße und viele, viele Bilder zum Anschauen.

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