Mit ‘Katzengeschichte’ getaggte Beiträge

… unsere graue Eminenz, denn sie hat heute …

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Geburtstag

Und so, wie auf dem Bild hier oben, sah sie aus, als sie am 23. September 2003 zu uns kam. Auch wenn sie auf dem Foto so unschuldig und vielleicht auch ein wenig ängstlich schaut, …

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… das täuschte gewaltig, denn sie war ein enormer Wirbelwind und sie ging nicht nur über Tische und Bänke, sie machte auch vor uns Silberdistels nicht halt. Jeans tragen wurde plötzlich für uns geradezu zur Pflicht, denn unser Katzenkind krabbelte mit wahrer Begeisterung und in rasanter Geschwindigkeit an unseren Hosenbeinen hoch, um Tische, Regale und Schränke zu erreichen, auf die sie noch nicht springen konnte. Wir dienten als Ersatzkletterbaum.

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Einen Tag später brachten wir ihr einen Spielkameraden mit – einen 12 Wochen alten Maine Coon Kater, der sie an Größe nahezu mächtig überragte. Ich hatte später immer Angst, er würde unser kleines Katzenmädchen eines Tages beim Spiel erdrücken. Aber der kleine graue Wirbelwind ließ sich nie unterkriegen. Schnell wurden die beiden zu engen Freunden.

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Viel Schönes, Lustiges und mitunter auch Aufregendes haben wir mit ihr und natürlich auch mit ihrem und unserem langjährigen Begleiter Bärchen erlebt. Etliche Geschichten habe ich hier im Blog festgehalten. Für mich sind es wundervolle Erinnerungen.

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Inzwischen ist unsere nun schon 14 Jahre alte graue Lady nicht mehr ganz so aktiv. Sie schläft gern und viel. Ihr allerliebster Schlafplatz ist schon eine ganze Weile mein Schreibtischsessel. Und wenn ich ihn gerade besetze, weiß sie sehr wohl, wie sie mich nötigen kann, aufzustehen und den Sessel ihr zu überlassen.

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Wer kann diesem Blick schon widerstehen? Aber wenn ich das dann doch einmal kann, fuscht sie mir auch mal ordentlich ins Handwerk und übernimmt mal schnell die Arbeit am PC  – ganz nach dem Motto:  Wenn die Arbeit getan ist, wird die Silberdistel ja wohl den Sessel freigeben.

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Da zeigt sie mir, was eine Katze in ihrem Alter noch alles kann. Ganz flink klimpert sie mit ihren flauschigen Zehen über die Tastatur und …

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… schon hat sie ein Screenshot geschossen und gleich noch gut abgespeichert.

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Katze müsste man sein. Ich grüble jedes Mal neu, wie das noch war mit den Screenshots. Aber wozu habe ich schließlich meine kluge graue Eminenz?

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Und da ich nun eh schon wieder einmal vor meinem Schreibtischstuhl stehe, kann ich auch gleich die obligatorische Thunfischgeburtstagsfrühstücksdose öffnen und dann wird ordentlich Katzengeburtstag gefeiert.

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Da wollte ich doch neulich gerade in den Garten eilen, um dort vor dem Mittagessen  schnell noch ein paar Handgriffe zu verrichten, als ich auf meinem Weg durchs Wohnzimmer ein seltsam grünes Blatt auf dem Teppich entdeckte. Im ersten Moment dachte ich, eine der Katzen hätte ein Blatt von unserer Korkenzieherhasel im Pelz mit hineingeschleppt und dort verloren. Nicht selten ist der Weg vom Wintergarten quer durchs Wohnzimmer bis hin zum Katzenfressplatz in der Küche mit solchen Katzenmitbringseln förmlich gepflastert. Während ich noch so auf das vermeintliche Blatt starrte, bewegte es sich plötzlich, obwohl doch im Wohnzimmer totale Windstille herrschte. Je näher ich  dem Blatt kam, umso mehr verformte es sich in meinen Augen und schließlich verwandelte es sich in ein grünes Lebewesen. Wow! Da lag mir doch tatsächlich etwas Königliches zu Füßen.
Hatte mir etwa eine der Katzen diesen entzückenden Froschkönig ins Haus getragen? Oder war der königliche Besucher auf eigenen vier Füßen in unser Wohngemach gehüpft? Sofort fiel mir der Film „Ein Kuss mit Folgen“ ein, in dem ein in einen Frosch verwandelter Königssohn versuchte, wieder in seine menschliche Gestalt zurück verwandelt zu werden. In seiner Not suchte er krampfhaft nach einer Frau, die ihn küssen und damit die Verwandlung wieder rückgängig machen sollte. Hm, nun ja, eigentlich hatte ich meinen Prinzen ja schon vor sehr langer Zeit gefunden und was man hat, das weiß man. Was man bekommt, das ist doch irgendwie immer ungewiss – selbst bei einem König.
Vielleicht sollte ich der Sache lieber erst einmal auf den Grund gehen und erforschen, wie der kleine Froschkönig in unser Wohngemach kam.  Danach würden wir weitersehen. Vielleicht könnte dem grünen Gesellen ja auch ohne Kuss zu seinem Glück verholfen werden.
Ach, da ist ja unser Keks, mein Hauptverdächtiger in puncto Frosch-Kidnapping.

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„Heh, Keksilein, hast DU den Frosch in unser Wohnzimmer getragen?“
„Stör mich nicht, Silberdistel, ich meditiere gerade.“
„Du mediwas? Nee, also Sachen gibt es in diesem Hause … Also gut, befrage ich erst einmal die anderen Herrschaften?“

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„Graue Eminenz, weißt Du etwas über den Frosch in unserem Wohnzimmer?“
„Frosch? Ich? Damit gebe ich mich nicht ab. Frösche schmecken nicht.“

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„Ach Torty, wie schön, dass Du auch hier bist. Sag mal, weißt Du, wie der Frosch in unser Wohnzimmer gekommen ist?“
„Tja, Silberdistel, vielleicht gehüpft?“
„Tolle Antwort, Torty, danke! Weißt Du vielleicht auch noch, ob er auf den eigenen vier Beinen hinein ins Wohnzimmer gehüpft ist?“

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„Vielleicht auch auf denen von Keks? Aber nun lass mich schlafen, Silberdistel.“
„Du meinst auf den Beinen von Keks, Torty? Dachte ich es mir doch gleich. Dieser Schlingel!“

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Während ich noch mit meiner Befragung befasst war, hatte Herr Silberdistel schon mal verhindert, dass unser grüner Besucher auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen unseres Wohnzimmers verschwand. Und so hatte er dem Gast gegen unkontrolliertes Davonhüpfen ein Glas übergestülpt. Herr Silberdistel glaubt nämlich nicht an Märchen und stand somit meiner Variante mit dem verzauberten Königssohn eher skeptisch gegenüber. Aber vielleicht wollte er mich auch ganz einfach nur nicht in Versuchung führen.

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Derweil schaute ich, ob Keks zu Ende meditiert hatte. Ich wollte ihn nach Tortys Hinweis noch einmal befragen, ob er nicht doch seine Pfoten bei unserem grünen Gast im Spiel gehabt hatte. Doch der würdigte mich erneut keines Blickes und täuschte jetzt sogar tiefsten Schlaf vor.

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Herr Silberdistel hatte sich inzwischen des königlichen Fröschleins angenommen, ihm eine alte Katalogkarte unter den Froschpopo geschoben – wozu doch solche Bibliotheksüberbleibsel heutzutage noch nützlich sein können – und war mit dem Frosch im Glase in den Garten geschritten.

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Eines unserer drei kleinen Teichlein war das Ziel des tapferen Ritters Retters des kleinen verirrten Froschkönigs.

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Am Teichlein angekommen, durfte das Fröschlein seine gläserne Behausung wieder verlassen und auf einem Teichrosenblatt Platz nehmen. Scheinbar wusste der grüne Prinz im ersten Moment nicht, wie ihm geschah, denn er blieb ganz starr und steif auf dem Blatt sitzen.
Hatte er vielleicht doch allein den Weg in unser Wohnzimmer gefunden und nach einem weiblichen Wesen Ausschau gehalten, dass ihn würde retten wollen und ihm seine menschliche Gestalt zurückgab? Und nun sah er sich fortgestoßen und missverstanden?

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Ich blickte ihm noch einmal tief in die Augen und plötzlich … Was mochte er in meinen Augen wohl gesehen haben? Auf einmal nämlich …

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… machte er einen riesigen Satz und hechtete ins kleine Teichlein. Hm, war er nun doch kein Froschkönig? Oder was hatte er in meinen Augen gesehen, dass er doch lieber ein Frosch bleiben wollte?

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Doch plötzlich wurde ich ganz unsanft aus meinem Märchen mit dem Froschkönig gerissen. Etwas Pelziges drängelte sich an mir vorbei und starrte ebenfalls ins Teichlein. Irritiert erkannte ich Keks, der doch eben noch tief und fest im Wintergarten zu schlafen schien: „Silberdistel, wo, wo, wo ist mein Frosch? In welches Teichlein hast Du ihn getan? Das war mein Frosch, meiner ganz allein! Ich will ihn zurück!“
Aha, wegen Keksens Erscheinen war mein Froschkönig also geflüchtet, nicht, weil ICH so entsetzlich zum Fürchten aussah. Sicher hatte der grüne Geselle den pelzigen Jäger wiedererkannt und ein zweites Mal wollte er ihm nicht in die Fänge geraten.
Damit dürfte dann wohl geklärt sein, wie der grüne Gast in unser Wohnzimmer gekommen war.

Da war doch mein Märchen ganz einfach wie eine Seifenblase zerplatzt. Andererseits soll es ja wiederum auch nicht von Übel sein, wenn man nach einem solch märchenhaften Ausflug auch wieder auf dem Boden der Tatsachen landet.

Apropos märchenhafter Ausflug – hier geht’s entlang für diejenigen, die nun doch noch ein wenig weiterträumen möchten bei einem „Kuss mit Folgen„. Es lohnt sich – versprochen – besonders, wenn man Froschkönige und Märchen mag.

Also, als es zur Welt kam, das Übel, heute vor genau zwei Jahren, da ahnten wir Silberdistels noch gar nichts davon, dass etwa drei Monate später mehrere Übel über uns herfallen könnten.
ESONY DSCs gab auch so gar keine Veranlassung über irgendwelches Übel nachzudenken. Im Gegenteil, wir waren glücklich und zufrieden, hatten wir doch gerade einen 12. Geburtstag gefeiert, nämlich den unseres Katers Bärchen. Und natürlich hatten wir vor, mit ihm noch viele weitere Geburtstage zu feiern.
Aber irgendwie hatte das Schicksal etwas anderes mit uns und vor allem mit unserem Bärchen vor.
Dass wir damals an jenem Julitag, als unsere graue Eminenz ihrem langjährigen Begleiter ein liebevolles Geburtstagsküsschen zukommen ließ, noch nichts von alledem ahnten, war vielleicht auch gut so. Hätten wir sonst noch unbeschwert in die Zukunft schauen können? Sicher nicht.
Unser Kater Bärchen erlebte noch den Sommer mit uns und dann kam der Herbst und mit ihm auch ein Abschied für immer von unserem pelzigen Mitbewohner, ein Abschied, der uns unendlich traurig machte.

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Das kleine Übel – später Keks genannt

Aber heißt es nicht irgendwo, jedes Ende hätte auch einen neuen Anfang? So wagten auch wir, weil wir die Hoffnung hatten, über den Abschied von unserem vierbeinigen Freund besser hinwegkommen zu können, auch unsere graue Eminenz litt unter dem Verlust, einen neuen Anfang und beschlossen, noch einmal ein Kätzchen zu uns zu nehmen und damit nahm das Übel seinen weiteren Lauf. Ich hatte damals ausführlich darüber berichtet.
Der kleine Kerl, der im Oktober 2015 unser neuer Mitbewohner wurde, hatte stets viel Unsinn im Kopf und so kam er schnell zu dem Spitznamen „Das kleine Übel„.
Bei dem aber blieb es nicht. Die graue Eminenz plädierte bald für den Namen „Keks“, denn der kleine wilde Neuzugang ging ihr ziemlich auf selbigen. Er wollte rumtollen, sie aber gedachte, in Ruhe ihren Lebensabend zu genießen. Sie hatte einfach keine Lust auf Katzenkindbespaßung. Und das gab für uns schließlich den Ausschlag, diesem kleinen Übel ein Geschwisterchen hinzuzugesellen.

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Ein Übel kommt selten allein – Übel Nr. 2 – Torty

Dass wir damit das Übel verdoppeln könnten, befürchteten wir zwar irgendwo auch, aber Optimisten, die wir sind, hofften wir auf die gute Lösung für alle Seiten. Wir hofften, dass unsere alte Katzendame so ihre Ruhe zurückerhalten würde, da der kleine Jungspund nun einen entsprechenden, noch dazu gleichaltrigen, Spielkameraden hätte.
Letztendlich ging unser Plan auf, auch wenn Bruder und Schwester unser bis dahin doch recht geruhsames Leben ziemlich auf den Kopf stellten, denn sie verzapften einen Unsinn nach dem anderen an. Wir waren also auch weiterhin übel dran. Aber mochten wir dieses Übel im Doppelpack noch missen? Nein! Ganz sicher nicht! Wir brauchen es jetzt einfach irgendwie. Schon komisch, dass einem Übles so sehr ans Herz wachsen kann.

Heute nun jährt sich der Tag, an dem diese beiden Jungspunde das Licht der Welt erblickten, das 2. Mal. Sie feiern ihren 2. Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch, Ihr beiden inzwischen recht großen Übel!

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Einiges von dem, wie übel uns das pelzige Geschwisterpaar mitunter mitgespielt hat, durftet Ihr hier in unserem  bücherstaubigen Blog miterleben. In der folgenden Bilderschau gibt es noch einmal einen Rückblick auf die letzten zwei üblen Jahre in unserem Leben, die genau genommen gar nicht so übel waren, mit Ausnahme des Abschieds von unserem Bärchen natürlich und mit Ausnahme der Sorgen, die wir uns mitunter mal um Keks und dann auch wieder mal um Torty gemacht haben. Wer den Weg unserer zwei Jungspunde hier im Blog mit verfolgt hat, der wird sich sicher an die eine oder andere Begebenheit erinnern.

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2015

2016

2017

 

Herr Silberdistel hatte unlängst Geburtstag. Ich war an jenem Geburtstagsmorgen bereits ein wenig eher wach als das Geburtstagkind und so schlich ich mich leise wie eine Katze hinaus aus dem Schlafgemach, um mit einigen kleineren und einem etwas größeren Geschenk wieder zurückzuschleichen, schließlich wollte ich Herrn Silberdistel sogleich, wenn er die Augen aufschlagen würde, mit diesen Geburtstagsüberraschungen überhäufen.  Als ich zurück ins Schlafzimmer schlich, hatte ich, wie hätte es auch anders sein können, drei weitere Schleicher im Schlepptau.
Doch ganz so leise, wie ich es mir gewünscht hätte, ging unser Schleichen wohl doch nicht vonstatten Oder aber Herr Silberdistel hat, mit der Zeit mag die Nähe von Katzen vielleicht doch ein wenig abfärben, irgendwie etwas von einem Kater. Möglich, dass er schlichtweg nur enorm gut hören kann – wie ein Kater halt. Und somit entgingen diesem hochsensiblen Katergehör natürlich auch unsere schleichenden Schritte nicht.
Naja, ICH machte mich vielleicht noch ganz gut als schleichende Katze, unsere drei pelzigen Mitbewohner dagegen … Die polterten mehr ins Schlafzimmer, als dass sie leise und vorsichtig schlichen.
Und da geht immer die Saga, dass Katzen extrem leise umherschleichen würden – gewissermaßen kaum wahrnehmbar für das menschliche Ohr. Jetzt aber mal im Ernst, wer’s glaubt …
Aber egal, unsere pelzigen Mitbewohner polterten also teils hinter mir her, teils rannten sie mich fast über den Haufen, denn sie mussten schließlich VOR mir im Schlafzimmer sein. Ansonsten bestand die Gefahr, dass ich ihnen einfach die Tür vor ihrer pelzigen Nase zuschlagen würde, denn eigentlich haben sie nichts in unserem silberdisteligen Schlafgemach zu suchen. Eigentlich … Ausnahmen bestätigen wie immer und überall die Regel.
Okay, Geburtstage zählen zu diesen zahlreichen Ausnahmetagen, die sich unsere Herrschaft immer wieder einfach so herausnimmt, wenn wir einmal einen Moment lang etwas unaufmerksam jene magische Tür öffnen oder aber ihrem kläglichen Jammern einfach nicht mehr widerstehen können.

Derweil hatte also Herr Silberdistel nicht nur die Augen geöffnet und unsere Glückwünsche entgegengenommen, er war auch tätig geworden und hatte bereits die kleineren Geschenke ausgepackt. Das eine schwere ruhte noch verpackt auf seinen Knien und ganz oben drauf wiederum unser Keks.

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„Guck mal, Herr Silberdistel, ich habe gestern beim Einpacken der Geschenke geholfen.“

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„Diese Löckchen habe ich gemacht. Schau! So geht das – das Band zwischen die Zähne nehmen und durchziehen. Dann entstehen aus dem Bandende kleine Ringellocken. Geht ganz leicht und sieht total geburtstagsmäßig schick aus.“

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„Häh, was plapperst Du da, graue Eminenz? Torty hat die Locken gemacht und nicht ich?“

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„Torty, ich hab doch auch welche von den Locken gemacht, stimmt’s?“

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„Jaja, Keks, aber ich musste Dir erst zeigen, wie das funktioniert. Super schick sind sie geworden, unsere Locken, nicht wahr, Herr Silberdistel?“

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„Ich führ’s Dir noch einmal vor, Herr Silberdistel, damit Du das demnächst auch kannst. Wir haben nämlich auch bald Geburtstag. Also, zwischen die Zähne nehmen und das Bandende ganz kräftig durchziehen.“

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„Lang und länger durchziehen – bis zum Ende und ordentlich kräftig und dann … zack, loslassen.“

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„Guck, und schon hast Du aus dem schlappen langen Faden lustige Ringellocken gemacht  und … und … und  natürlich auch gleich ein Spielzeug für Katzen.
Nun pack schnell aus, Herr Silberdistel, damit wir Gäste auch was von Deinem Geburtstag haben. Wir wollen nämlich endlich spielen – mit den Ringellöckchen. Anstrengung muss schließlich belohnt werden und Ringellocken machen IST anstrengend.“

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„Alle weg da von den Ringellöckchen!“

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„Meine, ganz allein meine! Nehmt Euch die anderen, Herr Silberdistel hat noch mehr davon! Dieses passt am besten zu meiner Pelzfarbe.“

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„Oder will ich doch lieber das goldene Bändchen? Oder das grüne? Die passen doch alle zu meinem Pelz und nur zu meinem …“

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… auch wenn sie nur aus lauter Löchern besteht – gewissermaßen Loch an Loch. Ein Kater, der etwas auf sich hält, erkennt jede Kiste als das, was sie in Wirklichkeit ist, als Kiste nämlich. Da hilft es ihr auch nicht, wenn sie sich noch so sehr tarnt – mit diesem lächerlichen grünen Lochmuster. Nee, nee, da hat die dumme Kiste die Rechnung ohne den Kater gemacht. Und natürlich musste unser Keks sofort, wie unter einem Zwang, von dieser luftigen Kiste Besitz ergreifen.

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„Keksilein, worin sitzt Du denn? Das ist doch, das ist doch mein, mein Moorbottichschutz. Wie kommst Du denn plötzlich dazu?“

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„Hmmm, dumm gelaufen irgendwie. Ich hätte dem Kater sagen müssen, dass er dieses doofe Drahtdingens außer Sichtweite der Silberdistel schaffen muss, damit die mir nicht gleich wieder auf die Schliche kommt. In ihrem Moorbeet ist nämlich so wundervolle Erde für mein Nest – allerbeste Qualität – findet man woanders nicht. Nun baut sie den Moorbottich bestimmt gleich wieder mit diesem Drahtteil zu, um mich von dem Qualitätsmörtel für meinen Nestbau wegzusperren.“

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„Hast Du das Teil dorthin geschleppt, Keks?“

„Äh, naja, Silberdistel, die Amsel, die Amsel brauchte etwas von der schönen Moorerde aus dem Bottich – für ihren Nestbau. Sie wollte auch nur ganz wenig. Sie ist doch schon fast fertig mit dem Nest. Das bisschen fehlende Erde wäre Dir doch gar nicht aufgefallen.“

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„Und da hast Du der Amsel geholfen, den Draht von meinem Moorbeet zu entfernen? Verstehe ich das jetzt richtig, Keks? Die Amsel hat mir zwei ganze Töpfe in meinem Moorbeet völlig leer gemacht, Keks. Und weil sie an die Erde wollte, hat sie meine fleischfressenden Pflanzen einfach rausgerissen, Pflanzen, die ich gerade für viel Geld gekauft hatte.“

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„Guck, wie die „arme“ Amsel in meinem kleinen Moor gewütet hat, Keks, und Du unterstützt sie noch in ihrer Zerstörungswut.“

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„Und eben weil sie mir alles kaputt gemacht hat, hatte ich mein Minimoor im Anschluss an diesen Amselvandalismus mit genau dem Drahtkäfig, in dem Du jetzt sitzt, gesichert.“

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„Das ist gute Qualität, Silberdistel, diese hübsche Lochkiste. Beiß mal rein, Du wirst merken, es ist ganz schön festes Material. Viel besser, als die schönste Pappkiste.“

„Also Keks, Du willst aber jetzt nicht vom Thema ablenken, oder?“

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„Hahh, ohhh, hoffentlich habe ich mir jetzt nicht einen Zahn abgebrochen. Beiß lieber nicht rein, Silberdistel!“

„Das würde Dir nur recht geschehen, Keks, als Helfershelfer der frechen Amsel.“

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„Aber Silberdistel, Du musst zugeben, das hier ist eine gute Katerkiste – luftig schön, so als Sommermodell – die ideale Freiluftkiste. Ich finde, hier und mir steht sie viel besser als Deinem Moorbeet da drüben.“

„Ich würde mich trotzdem freuen, Keks, wenn Du mir helfen würdest, den Amselschutz wieder auf den Moorbottich zu bauen.“

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„Keks? Heh, Keks, hörst Du mir überhaupt zu?“

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„Heh, Keheks, ich hab‘ Dich was gefrahagt!“

„Wo mag die graue Eminenz hingegangen sein, Silberdistel?“

„Keine Ahnung, Keks. Hilfst Du mir nun, das Drahtgestell wieder auf den Moorbottich zu bauen?“

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„Wie kam das Gestell eigentlich hierher, Keks?“

„Es ist geflogen, Silberdistel, mit mir geflogen, hihi, als ich raufgesprungen bin. Die Amsel hat mir erklärt, wie das funktioniert. Silberdistel, ich konnte damit fliegen wie eine Amsel. Aber jetzt muss ich gucken, wo die graue Eminenz hin ist, Silberdistel. Du kriegst das schon allein hin mit Deinem Moorbottich und seiner luftigen Kiste.“

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Tja, und weg war er, der Keks, den Spuren der grauen Eminenz gefolgt, und ich stand wieder einmal allein da und musste sehen, wie ich mit meinem Drahtgestell fertig wurde.
Aber wie es vom Moorbottich gute zwei Meter weitergekommen war, blieb mir dennoch ein Rätsel. Ob Keks wirklich damit geflogen war? Steckte er tatsächlich mit der Amsel unter einer Decke? Manchmal sind mir meine Mitbewohner und auch meine Gartenbewohner doch irgendwie ein bisschen unheimlich.
Diese Amseldame hat mich eh schon manchmal fast zur Weißglut gebracht. Einmal hat sie aus einer Kakteensaatschale all meine kleinen frisch aufgelaufenen Kakteen geworfen und in der Schale, die in einem Regal an unserem Geräteschuppen stand, Sitzprobe gemacht. Offensichtlich war sie der Meinung, die Schale hätte die perfekte Größe für ein Amselnest.
Und im vergangenen Jahr begann die braune Dame dann, sich an meinem Moorbeet mit den fleischfressenden Pflanzen zu vergreifen. Da hatte ich es aber noch rechtzeitig gemerkt und ihr in einen der anderen Teichlein eine Schale mit Blumenerde gehängt. So hatte sie trotzdem Mörtelmasse für ihr Nest und meine Fleischfresser blieben nahezu unversehrt.
In diesem Jahr waren mir die Missetaten der Amsel wieder irgendwie aus dem Kopf. Ich merkte erst von ihrem Tun, als bereits zwei Töpfe, in denen vorher Fleischfresser gestanden hatten, nahezu leer waren. Eine der Pflanzen fand ich im Teichlein wieder, die andere blieb verschollen. Vielleicht gab sie gar eine weiche Nestpolsterung her, obwohl dann sicher eine recht klebrige. Aber wer weiß, wozu die findige braune Vogeldame den Klebstoff der Pflanzen gebrauchen konnte?

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Mein Moorbottich hat inzwischen wieder sein Sicherheitsnetz, obwohl die Amsel inzwischen ihren Nestbau abgeschlossen haben dürfte. Aber wer weiß, vielleicht spricht es sich unter der Vogelwelt noch herum, dass es in meinem Garten guten Mörtel für die Nester gibt. Sicher ist also sicher. Und Keks und die Amsel werde ich mal lieber im Auge behalten. Wieviel Jahresbruten gibt es beiden Amseln noch???

… haben wir Silberdistels gerade hinter uns gebracht und da stand mir vor lauter Aufregung so gar nicht der Sinn danach, mich mit neuen Blogbeiträgen zu befassen. Also herrschte hier im „Bücherstaub“ Ruhe – im Gegensatz zum wirklichen Leben, das gerade alles andere als ruhig verlief.

Wir Silberdistels hatten am vergangenen Sonntag kurzentschlossen einen Ausflug unternommen. Schon lange wollten wir uns das Kloster Jerichow anschauen. Unzählige Male in unserem Leben sind wir bereits daran vorbeigefahren und jedes Mal nahmen wir uns vor, endlich einmal anzuhalten und den beeindruckenden Bau ganz aus der Nähe anzuschauen. Bei diesem Vorhaben blieb es, bis mein Herr Silberdistel mich vor einer Woche fragte, ob ich Lust hätte, am Sonntag das Kloster in Jerichow anzuschauen. Und ob ich Lust dazu hatte.

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Kloster Jerichow – vom Gemüse- und Würzgarten aus betrachtet

So machten wir uns am späten Sonntagvormittag auf den Weg dorthin. Es wurde ein zwar anstrengender, aber auch erlebnisreicher Tag. Dass er auch noch nervenaufreibend werden sollte, ahnten wir da noch nicht.

Zurück von unserem Ausflug saßen wir abends noch lange bei dem herrlich warmen Sommerwetter draußen im Garten. Unsere drei Pelzträger, die während unserer Abwesenheit  das Haus hüten mussten, durften nun endlich noch einen kleinen Gartenrundgang machen. Begeistert schossen sie zur Tür hinaus. Einer drängelte mehr als der andere. Jeder wollte als erster in den Garten abtauchen. Und dann waren sie alle drei für eine Weile verschwunden.

Unsere graue Eminenz gab sich mit einen kleinen Rundgang zufrieden und trudelte bald wieder ein. Keks folgte eine ganze Weile später. Fehlte also nur noch Torty. Sicher würde auch sie bald wieder auftauchen.

Doch unsere Torty ließ sich an diesem Abend erstaunlich viel Zeit mit ihrem Revierrundgang. Wir warteten und warteten und allmählich schaute ich bereits recht sorgenvoll auf die Uhr und hinaus in den immer dunkler werdenden Garten. Wo blieb sie nur?

Die Zeiger der Uhr gingen bereits auf Mitternacht zu und noch immer war unsere Torty nicht daheim. Obwohl ich ein recht ungutes Gefühl hatte, beschlossen wir schließlich doch, schlafen zu gehen.
In der Nacht schauten wir beiden Menschen im Wechsel immer wieder nach unserem Katzenmädchen. Ich schlief mehr schlecht als recht. Herr Silberdistel träumte zumindest positiv. Einmal sagte er, als er wohl merkte, dass ich im Zimmer herumtappte, im Halbschlaf zu mir: „Sie ist wieder da.“ Als ich fragte, wann er sie denn hereingelassen hätte, antwortete er erstaunt: „Oder habe ich das nur geträumt?“ Offensichtlich hatte er das nur geträumt, denn von unserer Torty gab es weder im Haus, noch im Garten eine Spur. Ich hatte nämlich gerade nach ihr geschaut.

Am nächsten Morgen war unsere Torty noch immer nicht da. So etwas gab es bisher noch nie. Das war so gar nicht ihre Art.

Nach einem sehr frühen Frühstück, denn Tortys Fernbleiben ließ mich sehr zeitig die Nachtruhe, die ohnehin keine war, beenden, machte ich mich auf die Suche nach ihr. Doch es gab weit und breit keine Spur von ihr.
Immerhin konnte sich unser Nachbar, der am Sonntagabend wie wir noch lange in seinem Garten gesessen hatte, daran erinnern, sie am Abend noch einmal kurz in seinem Garten gesehen zu haben. Doch das war inzwischen ganz schön lange her.

Wo mochte sie nur sein? Wir horchten im Laufe des Tages an verschiedenen Geräteschuppen, Gartenhäusern und Garagen, befragten rundum im Dorf mehrere weitere Bewohner und suchten ängstlich die Dorfstraße ab. Unsere Katze blieb verschwunden.

Am Dienstag machten wir uns nun doch ernsthaft Sorgen. Wir informierten Tierärzte, Tierheim und „Tasso“ über das Verschwinden unserer Katze, hängten weiträumig Suchzettel aus und hofften, dass irgendjemand unsere Torty gesehen hatte und uns einen entsprechenden Hinweis geben würde.

Immer wieder grübelte ich über Tortys Verschwinden nach. Sie ist zwar eine neugierige und unternehmungslustige Katze, andererseits aber auch sehr vorsichtig und misstrauisch Fremden gegenüber. Sie würde nie einfach mit jemandem mitgehen oder sich gar ohne Widerstand einfangen lassen.
Irgendetwas musste passiert sein, was sie daran gehindert hatte, nach Hause zu kommen. Meine Fantasie gaukelte mir die schlimmsten Szenarien vor.

Dass unser Nachbar sie bei sich im Garten gesehen hatte, war sicher nicht ungewöhnlich, aber irgendwie ließ mich dieser Gedanke nicht los. Der Nachbar hatte auch angedeutet, dass unsere graue Eminenz an dem bewussten Abend kurz durch seine Terrassentür geschritten sei und in sein Wohnzimmer geschaut hätte. Ob Torty es ihr gleichgetan hatte? Dass unsere First Lady wieder herausgekommen war, hatte der Nachbar beobachtet. Mehr allerdings nicht.

Auf meinen Wunsch hin hatte der Nachbar bereits am Montagmorgen sicherheitshalber in seinem Haus nach Torty Ausschau gehalten, falls sie doch unserer grauen Eminenz am Abend zuvor ins Haus gefolgt sein sollte. Die Suche blieb ergebnislos. Er hatte weder etwas Ungewöhnliches sehen noch hören können. … und würde sich eine eingesperrte Katze nicht auch bemerkbar machen? Das sollte man doch eigentlich denken, und unsere Torty hat eine durchaus kräftige Stimme, die ganz gewiss nicht, wenn sie sie denn einsetzt, zu überhören wäre.

Doch dann fiel mir auch wieder ein, dass sie sich selbst bei uns, als wir sie als kleines Katzenkind geholt hatten, nach dem Verlassen des Transportkörbchens zunächst versteckt hatte. Wer weiß, wie lange sie damals noch hinter den Büchern im Bücherregal ausgehalten hätte, wenn unser Keks sie nicht hervorgelockt hätte?
Sollten wir den Nachbarn vielleicht doch noch bitten, mit ihm gemeinsam im Haus schauen zu dürfen? Vielleicht wäre es etwas anderes, wenn Torty eine vertraute Stimme hören würde.

Herr Silberdistel stand am Dienstagnachmittag vor unserem Haus und berichtete gerade einer anderen Nachbarin, dass unser Katzenmädchen immer noch nicht wieder aufgetaucht wäre, als besagter direkter Nachbar vorbeikam. Er gesellte sich dazu und erzählte Herrn Silberdistel, dass er meinte, in der vergangenen Nacht ein Maunzen gehört zu haben. Er war sich allerdings nicht sicher, woher es gekommen war und vermutete schließlich, dass es  über das offene Fenster zu ihm gedrungen sein musste. Geisterte unsere Torty etwa irgendwo draußen umher? Aber warum harrte sie dann nicht in unserem Garten aus, bis ihr jemand die Tür öffnete. Bisher hatte sie immer beharrlich gewartet, wenn nicht sofort jemand zur Tür eilte.

Meinem Herrn Silberdistel kam an diesem Abend durch die Worte des Nachbarn die Idee, ihm ein gefülltes Futterschälchen zu geben, um es in seinem Haus aufzustellen. Würde das Futter unberührt bleiben, könnten wir zumindest das Nachbarhaus bei der weiteren Suche nach Torty ausschließen. Soweit der Plan.

Am späten Abend dann klingelte es bei uns. Aufgeregt rannte ich in der Hoffnung zur Tür, das Klingeln könnte etwas mit unserer Vermissten zu tun haben. Hatte jemand unsere Torty gesehen?

Ich öffnete. Draußen stand der Nachbar vor der Tür und sagte: „Ihre Katze ist wohl doch bei mir – auf dem Boden. Das Futter ist nämlich angerührt worden.“ Ob ich mitkommen wolle? Welche Frage?

Aufgeregt eilte ich hinter ihm her.  Im Haus schloss er klugerweise zunächst sämtliche Zimmertüren, um Torty nicht noch neue Fluchtwege zu eröffnen. Dann stiegen wir hinauf zum Boden, wo er mich schließlich allein ließ. Da er selbst bereits mehrmals Katzenvater gewesen ist, wusste er, dass sich Torty durch seine Anwesenheit nur noch weiter verunsichert fühlen könnte.

Da stand ich nun in einem fremden Haus, auf einem fremden Boden – scheinbar allein, hätte nicht das angeschleckte Katzenfutter auf die Anwesenheit eines anderen Lebewesens hingedeutet. Aber war Torty überhaupt in diesem Raum, in dem ich stand oder doch in dem Raum gegenüber?
Da stand ich nun und lauschte, lauschte mit spitzen Ohren wie ein Katze. Aber nichts, nichts war zu hören. Ob sich Torty melden würde, wenn sie meine Stimme hörte? Ich rief sie bei ihrem Namen, einmal, zweimal, dreimal … nichts. Noch einmal lockte ich und schüttelte das Tütchen mit ihren Lieblingssnacks, das ich schnell noch gegriffen hatte, bevor ich dem Nachbarn hinterher geeilt war. Hatte da eben etwas geraschelt – ganz leise, wie eine Maus?

Nein, keine Maus, denn jetzt vernahm ich ein ganz leises Maunzen und noch eins. Ich musste noch etliche Male fast wie eine Katze gurren, dann endlich tauchte in der hintersten Ecke, hinter einem Karton, Tortys Köpfchen auf. Vorsichtig und äußerst misstrauisch kam sie näher, fast so, als könne sie ihren Augen und Ohren noch nicht trauen. Hockte da wirklich die Rettung vor ihr? War das wirklich die Silberdistel?
… und dann fing das Fellbündel vor mir an zu beben, es schnurrte erst leise und dann immer lauter und ein weiches braunes Köpfchen näherte sich meiner Hand und stieß sie vorsichtig an. Ganz leicht strich ich über das weiche Fell, hielt dem Schnurrbündel ein paar der Snacks hin und dann durfte ich mein Katzenmädchen endlich in die Arme schließen. Welch wundervolles Gefühl! Ich hatte sie wieder.

Langsam ging ich mit meinem Fellbündel im Arm zur Treppe und Stufe für Stufe hinunter. Doch je weiter ich die Treppe hinab stieg, umso ängstlicher, nahezu panisch, wurde mein Katzenmädchen. Natürlich wollte ich das eben neu gewonnene Vertrauen nicht verlieren und so ließ ich Torty wieder hinunter. Ihre erste Reaktion war, sofort nach oben, zurück Richtung Boden, zu flüchten. Ich musste all meine Überredungskunst aufwenden, um sie letztendlich dazu zu bewegen, wieder herunter zu kommen. Schließlich kam sie, wenn auch langsam, misstrauisch und äußerst vorsichtig.

Als ich sie zur Haustür nach vorn lenken wollte, ergriff sie erneut Panik. Ich sprach wieder beruhigend auf sie ein und überließ ihr am Ende die Wahl des Ausgangs und die fiel auf die Terrassentür. Torty wollte offensichtlich genau dort hinaus, wo sie wahrscheinlich zwei Tage zuvor hinein gekommen war.

Noch im Zimmer, vor der Terrassentür angekommen, durfte ich unser Katzenmädchen wieder auf den Arm nehmen. Torty schien nun zu wissen, dass alles gut werden würde und dass es nach Hause ging. Immerhin sah sie bereits den Garten vor sich, den sie recht gut kennen dürfte und von dort aus war es bis zu ihrem Zuhause gar nicht mehr weit.

Wie waren wir glücklich, unsere vermisste pelzige Mitbewohnerin wiederzuhaben. Uns war ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Eine aufregende Geschichte hatte ein gutes Ende gefunden.
Torty allerdings hatte noch ein wenig länger an diesem Abenteuer zu knabbern. Sie musste in ihrem Zuhause zunächst alles ganz intensiv beschnüffeln. Aufgeregt rannte sie durchs Haus. Wahrscheinlich konnte sie immer noch nicht so ganz an ihre Rettung glauben. Selbst für Keks hatte sie im ersten Moment weder Auge noch Ohr. Nicht einmal der gefüllte Futternapf lockte sie, obwohl sie seit Sonntag weder etwas gefressen, noch getrunken hatte, außer dem Wenigen, was in der Lockfutterschale beim Nachbarn gestanden hatte.
Wir mussten ihr ein wenig Zeit lassen. Schließlich hatte sie jede Menge Stress abzubauen. Ihr ging es sicher nicht anders als uns. Wir waren allerdings nicht in einer völlig fremden Umgebung eingesperrt gewesen.

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Inzwischen ist die Welt fast wieder in Ordnung für unsere Torty. Ein wenig steckt ihr der Schreck aber immer noch im Nacken. So ganz ist sie noch nicht wieder die Katze, die sie vor diesem für sie sicher sehr traumatischen Erlebnis war. Sie schaut öfter als sonst, ob wir noch da sind und so genießt sie momentan auch eine extra liebevolle Behandlung.

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Wir können das Pfingstfest nun doch noch in Ruhe genießen. Wir sahen das für uns schon fast den berühmten Bach runterlaufen. Aber die Ruhe und Entspannung werden wir nun auch brauchen – wir zwei Menschen und die drei Pelzträger.
Unserem Keks hat die Schwester übrigens auch gefehlt. Das war deutlich zu merken. Wir hatten ständig den Eindruck, er wollte uns sagen: „So tut doch endlich etwas, damit Torty wieder da ist!“

Euch allen ein schönes, sonniges und ganz entspanntes Pfingstfest – das wünschen fünf glückliche Silberdistels.

Da sind wir Silberdistels wieder. Wir waren noch einmal für einige Tage ausgeflogen und flatterten fern unserer norddeutschen Heimat umher – in Franken. Unsere Katzen hatten derweil Ausgangssperre. Aber nun geht alles wieder seinen gewohnten Gang, und so können auch unsere pelzigen Mitbewohner wieder ihrem normalen Tagesgeschäft nachgehen. Doch wie ich merken sollte, lief es dann doch etwas anders als gewohnt. Es begann mit dieser dummen Einbildung von mir.

Ich hatte mir nämlich unlängst eingebildet, sie gut und katzensicher weggestellt zu haben, schließlich brauchten sie Erholung vom letzten Trip unserer pelzigen Mitbewohner.
Nichts Böses ahnend, ließ ich unsere Torty auch heute wieder einmal zur Vordertür hinaus. Meistens hält die pelzige Dame ihre Nase dort nur recht kurz in den Wind, nur, um irgendwie auf dem Laufenden zu sein. Schließlich muss sie wissen, was rund um ihr Heim so vor sich geht und welcher pelzige Fremdling vielleicht unerlaubt ihr Revier betreten haben könnte. Gewöhnlich ist unsere Torty aber schnell wieder im Haus, denn dort vorn promeniert auch öfter einmal ein Vierbeiner aus der Familie der Canidae, also aus der Familie der Hunde. Mit einem solchen Vertreter muss sich eine kluge Katze nicht unbedingt anlegen, auch wenn schon das kleinste Kätzchen weiß, dass Katzen von ihrer Kampfkraft her selbst dem größten Bello haushoch überlegen sind. Aber warum sollte man sich unnötigen Stress machen? Katzen hassen Stress. So auch unsere Torty und deshalb geht sie ihnen lieber aus dem Weg – dem Stress und dem Hund.

Dieses Mal aber tauchte unsere jungspundige Katzendame gar nicht so schnell, wie bisher gewohnt, wieder auf. Wo mochte sie abgeblieben sein? Was hielt sie so sonderbar lange dort draußen vor der Tür auf? Sollte ich vielleicht, nur der Ordnung halber, einen kurzen Blick hinaus werfen? Möglicherweise musste ich Nachbars Hundemädchen vor unserer Torty aus einer misslichen Lage retten.
Ich schaute also zur Tür hinaus und sah im ersten Moment nichts, was mir hätte Sorgen bereiten müssen – kein ängstlich winselnder Hund auf dem Baum vor unserem Haus, aber auch keine Torty weit und breit. Moment … Was wuschelte denn da rechts in meinem Augenwinkel?

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Ach nee! Mit verklärtem Blick hockte unsere Torty auf genau denen, die ich zur Erholung und vollständigen Genesung auf den Fenstersims gestellt hatte – katzensicher, wie ich meinte. Unsere Glückskatze hockte auf den Katzenminzen, die unlängst von zwei felinen Pelzwesen so höllisch gequält wurden. Ich hatte hier darüber berichtet.

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Als Torty meiner ansichtig wurde, schmuste sie verliebt mit der Minze, so, als wollte sie mir damit deutlich machen, wie glücklich sie war, den Stoff ihrer schlaflosen Nächte endlich wiedergefunden zu haben.

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Wonniglich drückte Torty die Minzen platt und platter, …

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… und meine Bitte, die armen Pflanzen nicht schon wieder schonplatzreif zu schmusen, verhallte ungehört. Tortys verklärter Blick sagte alles. Meine Bitte war auf taube Katzenohren gestoßen.

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Während Torty sich in den Minzen aalte, verströmten diese vor lauter Qual ihren katzenminzigen Duft. Der blieb natürlich nicht unerschnüffelt, und schwups … saß auch Keks auf dem Fenstersims.

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Auch seine Katzenminzenliebe entfaltete sich sofort ungebremst und hemmungslos. Verliebt biss er in die frischen grünen Blätter und schmatzte sie wonniglich in sich hinein.

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Und so nahm das erneute Leiden der Minzen seinen Lauf. Keks quälte das linke Pflänzchen und Torty das rechte. Immer, wenn ich versuchte, einzugreifen, um die Minzen vor dem Schlimmsten zu bewahren, bekam ich Katzenkrallen zu spüren.

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Aber irgendwann waren die beiden Drogensüchtigen ausreichend vollgepumpt mit dem minzigen Aroma und ließen ab von den gemarterten Pflänzchen.
Seltsamerweise ließen die beiden Junkies die Pflanzen im unteren Minzenkasten völlig in Ruhe. Wahrscheinlich brauchen unsere süchtigen Pelztiere bereits die härteren Drogen und die stehen nun mal oben auf dem Fenstersims. Aber einem Süchtigen ist natürlich kein Fenstersims zu hoch, um an den entsprechenden Stoff zu kommen. Man lernt doch nie aus. Nun weiß auch ich, wohin Drogensucht führen kann.

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Tja, etwas gequält schauen sie schon drein, die Minzen, oder? Aber ich hoffe, sie packen es auch dieses Mal wieder, schließlich sind sie starke Minzen, die sich nicht so schnell von zwei abhängigen Katzen unterkriegen lassen.