Mit ‘Insekten’ getaggte Beiträge

Ein wenig Sorge hatte ich mir schon gemacht – um diese brummenden gemütlichen flauschigen Flieger – um die Hummeln. In diesem Jahr tauchte bisher nur recht selten eine Hummel in meinem Garten auf. In den Jahren zuvor nisteten oft etliche Völker in den Lüftungsschlitzen in der Wand unseres Hauses.
Scheinbar wurden diese sonst so beliebten Behausungen in diesem Jahr nicht bezogen. So war der dunkle Summton der Hummeln bis eben noch eher selten einmal zu hören, obwohl viele Hummelwohnungen auf die gemütlich wirkenden Insekten warteten. Auch ihre Lieblingspflanzen blühen bereits eine ganze Weile.

Vor einigen Tagen war ich wieder einmal im Vorgarten beschäftigt. Während ich Unkraut zupfte und den Boden in den Beeten lockerte, begleitete mich ein altbekannter dunkler Summton – und nicht nur ein einzelner. Immer wieder brummte und summte es im Chor um mich herum.

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Unsere Deutzie – die Hummeln lieben ihre Blüten

Und je näher ich dem Strauch mit den kleinen weißen Glöckchenblüten kam, umso intensiver war das Brummen zu vernehmen.
Da waren sie ja endlich wieder – die Vermissten. Ganz viele Erdhummeln bevölkerten den Strauch und sammelten fleißig Nektar. Ihr Summen war wie Musik in meinen Ohren – Musik, die einfach für mich zum Sommer dazu gehört. Wie sehr würde ich es vermissen, wenn es nicht mehr da wäre, dieses gemütliche Summen, und wie froh stimmte es mich, diese wundervolle Hummelmelodie nun doch wieder hören zu können.

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Zum kalendarischen Frühlingsanfang war er, jedenfalls hier bei uns, nicht da – der Frühling. Da hat er einfach die Regentrude vorgeschickt und die, die hatte nichts anderes zu tun, als uns den ganzen Tag über etwas vorzuheulen. Der Herr, auf dessen Ankunft wir eigentlich sehnsüchtig warteten, hatte wohl keine Lust tätig zu werden – schließlich war es ein Montag. Wer mag am Montag schon gern arbeiten? Der Frühling scheint da also keine Ausnahme zu sein. Glücklicherweise  konnte uns der Anblick unseres Wintergartens trösten. Dort war nämlich Frühling – so, wie es sich gehört und meine Kamelie war der Star. Inzwischen zeigt sie mehr denn je, was sie kann, sie wird mit jedem Tag hübscher. Gestern Nachmittag hatte sie bereits fünf geöffnete Blüten. Damit dürfte es aber noch lange nicht genug sein, denn ich konnte noch etliche weitere Knospen zählen.
Dann endlich, mit zweitägiger Verspätung, kam er doch noch in die Puschen – der Herr Frühling – und als kleine Entschuldigung für diese Verspätung ließ er die Blüten der Kamelie ganz besonders hübsch in der Sonne leuchten. In der Bilderschau unten gibt es ein kleines Blüh-Update der Lady in red zu sehen

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Aber auch sonst blüht es heftig in unserem kleinen Zimmergarten. Die erste Tulpenblüte wetteifert mit der Kamelie um den schönsten Rotton, die weißen Hyazinthen bezaubern mit ihrem herrlichen Duft und meine Alpenveilchen zeigen ebenfalls, was sie können. Der trödelige Frühling konnte uns also am Montag gestohlen bleiben. Unser Zimmerfrühling war ein perfekter Ersatz.

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Was Regen und anschließend zwei Tage Sonnenschein doch ausmachen. Inzwischen sieht es auch im Garten fast berauschend farbig aus. Vielleicht war die Sache mit der Regentrude vom Frühling doch ganz gut durchdacht. Nur haben wir sein Tun nicht gleich so ganz durchschaut. Was blühen will, braucht auch Wasser. Eigentlich doch logisch, oder? Okay, Meister Frühling, ich hab’s verstanden. Ich bitte also um Nachsicht, dass ich Dir unterstellt habe, faul zu sein.
Du hast diesen tränenreichen Tag inzwischen rundum wieder gutgemacht. Sogar die ersten Schmetterlinge hast Du nun mitgebracht. Zwar taumelten sie noch halb im Winterschlaf durch mein erwachendes grünes Reich und einer von ihnen brauchte sogar ein wenig Starthilfe von mir, aber ich habe die Flattermänner durchaus als bunten Frühlingsgruß verstanden.
Ein kleiner Fuchs brauchte diese Starthilfe. Er lag nämlich ganz leblos an der Tür zu unserem Wintergarten. Vorsichtig hob ich ihn auf. Ich hatte die Hoffnung, dass ihm einfach nur zu kalt war. Und tatsächlich, als er auf meiner warmen Hand saß, begannen plötzlich die Flügel zu zittern und er richtete sich auf. Wenig später faltete er sie auseinander. Fliegen mochte er aber immer noch nicht. Ich hoffte, die von der Sonne erwärmten Steinplatten im Garten würden ihm helfen, um ganz aus seiner Starre zu erwachen. Nur, die Idee erwies sich doch nicht als so klug, denn unsere Katzen waren schnell zur Stelle, als der kleine Flattermann erneut einige Flügellockerungsübungen machte. So habe ich ihn noch einmal umsetzen müssen. Der sonnige Platz an unserem Geräteschuppen war dann scheinbar perfekt, denn als ich später noch einmal nach ihm schauen wollte, war er verschwunden. Und nein, unsere Katzen hatten ihre Pfoten dabei nicht im Spiel. Ich hatte die Vierbeiner nämlich vorsichtshalber gut im Auge behalten.

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Für Schmetterlings Nahrung sollte im Garten eigentlich gut gesorgt sein, denn es blüht derweil so allerlei. Eine kleine Auswahl gibt es in der folgenden Bilderschau zu sehen. Bei meinem Gartenrundgang hatte ich übrigens einen hübschen kleinen gefiederten Begleiter – das freche und neugierige Rotkehlchen, das immer und überall dabei sein muss.

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Im letzten August, als unsere Enkeltochter einen Teil ihrer Ferien bei uns Silberdistels verbrachte, waren wir auch wieder einmal im „Archäologischen Freilichtmuseum“ in Groß Raden. Auf dem Gelände des heutigen Freilichtmuseums wurden in den Jahren von 1973 bis 1980 umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Während der Arbeiten wurden Reste einer slawischen Siedlung aus dem 9. und 10. Jahrhundert gefunden. Anhand der Funde konnte man die Anlage rekonstruieren und so entstand dort in den Folgejahren das Archäologische Freilichtmuseum.

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01-Was gibt es wohl im Tempel zu sehen?

Nicht nur für uns Silberdistels gab es wieder viel zu entdecken, auch unser Feriengast hatte seinen Spaß. Was mochte wohl in so einem altslawischen Tempel zu sehen sein? Ob dort ein Priester auf uns wartete?
Boahhh, war das spannend! Vorsichtig schauten wir hinein. Oh, was war das? Sooo viel Dunkelheit und sonst nichts – im ersten Moment jedenfalls …
Doch dann hörten wir seltsame Laute. Ob das der Priester war? Zwitschern Priester? Wenn ja, dann musste dieser hier irgendwo oben in den Dachsparren hocken. Oder schwebte er gar dort ganz schwerelos unter dem Dach? Gespannt schauten wir nach oben. Und dann sahen wir sie – ganz viele … klein und so niedlich und sie zwitscherten laut nach Futter.
Wie? Ach so, nein, keine kleinen und niedlichen Priester, die unter dem Dach schwebten und nach Futter riefen.

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02-Im Tempel hatten etliche Rauchschwalben ihre Nester gebaut. Auch später im Brückenhaus entdecken wir noch Schwalben

Dort zwitscherten Schwalbenkinder, die in vielen nebeneinander unter dem Dach klebenden Nestern hockten und auf die Mitbringsel ihrer Eltern warteten. Verzückt blickten wir beiden Mädels hinauf zu den piepsenden Federbällen. Es waren Rauchschwalbenfederbällchen.
Wozu doch so ein altslawischer Tempel gut sein kann. Den Priester hatten wir zwar vergeblich gesucht, aber als Schwalbentempel gefiel uns der hölzerne Bau durchaus auch sehr gut.
Später, als wir zum Burgwall unterwegs waren und am Brückenhaus vorbeikamen, vernahmen wir erneut diese zwitschernden Laute und als wir hineinschauten, entdeckten wir auch dort ein Rauchschwalbennest.

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Im Burgwall gab es gab es dann wesentlich kleinere Flieger zu bewundern – summende und flatternde, die so freundlich waren, sich für ein Foto auch einmal auf einer hübschen Blüte niederzulassen.

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Und was es sonst noch alles im Groß Radener Freilichtmuseum zu sehen gab, das zeigt die folgende Bilderschau.

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Zur Feriengestaltung gehörte im letzten August, als unsere Enkeltochter eine Weile bei uns Silberdistels war, natürlich auch eine Gassirunde mit einem der Hunde aus unserer Familie.

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Während das Kind sich vom Hund Gassi führen ließ und mit dem Vierbeiner fröhlich die Wege frequentierte, hatte ich nicht nur Augen für Kind und Hund, sondern auch für all das, was am Wegesrand zu bewundern war. So sprang ich nicht mit dem Hund, sondern mit meiner Kamera von einer Wegesseite zur anderen und fing die Farben des Sommers ein. Vielleicht mag ja jemand mitkommen, sommerliche Wärme und Farbe und den Duft reifen Getreides genießen und auch endlich einmal das tun, was ich schon immer einmal gern tun wollte – mich unter ein Windrad stellen und nach oben schauen.

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… von der Rhön im September wurde von herrlichem Wetter begleitet und sie führte uns noch einmal in Richtung Thüringen. Da ich bei meinem Alleingang am Tag zuvor einen angenehm kurzen Weg von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg herausgefunden hatte, fanden wir die Idee nicht schlecht, einmal ein Stückchen über unser Lieblingsziel in Thüringen, das „Thüringer Rhönhaus“, hinauszuwandern und bis zum „Eisenacher Haus“ zu laufen. Was wir vorn an Weg eingespart hatten, konnten wir doch nun einfach einmal hinten anhängen und etwas weiter laufen.

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Das „Eisenacher Haus“

Das „Eisenacher Haus“ wurde 1928 vom Rhönklub erbaut. Es steht auf dem Ellenbogen, einem 813 m ü. NHN hohen Berg in der thüringischen Rhön und es blickt auf eine recht wechselvolle Geschichte zurück.
In den frühen DDR-Jahren wurde es als FDGB-Ferienheim genutzt, später diente es der STASI als Teil einer Abhöranlage, die in der Nähe des „Eisenacher Hauses“ entstand. Das Haus selbst beherbergte die technische Einrichtung dieser Anlage. Zu dieser Zeit, etwa Mitte der 1960er Jahre, entstand auch ein Anbau am Haus, das Gelände wurde eingezäunt und zum Sperrgebiet erklärt. Dieser Horchposten war quasi als Gegengewicht zu der ähnlichen Anlage auf westdeutscher Seite, zu der Anlage auf der Wasserkuppe, gedacht. Im Volksmund wurde dieses Sperrgebiet übrigens „Klein Sibirien“ genannt.
Heute ist das „Eisenacher Haus“ wieder Hotel und Gasthaus. Es wird für Tagungen und als Wanderhotel genutzt. Mit seinem schönen Biergarten bietet es sich aber auch für Tagestouristen als lohnenswertes Ziel an. Und dass man dort ausgezeichnet speisen kann, haben wir Silberdistels an unserem letzten Urlaubstag selbst in Erfahrung bringen können. Wer mehr über das „Eisenacher Haus“ wissen möchte, kann sich gern bei Wikipedia noch etwas genauer informieren. Ich habe mich nämlich genau dort auch gebildet und einiges davon in Kurzfassung hier wiedergegeben.

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Vor einigen Jahren hatten wir uns in einem Urlaub schon einmal zum „Eisenacher Haus“ aufgemacht, waren aber kurz vorm Ziel wieder umgekehrt, da dort gerade ein großes Happening mit Blasmusik und einem enormen Menschenauflauf stattfand. Wir hatten damals eigentlich Ruhe gesucht und hätten sie zu dem Zeitpunkt dort so gar nicht gefunden.

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Der zweite Versuch jetzt endete wesentlich angenehmer. Der Biergarten bot eine entspannte und gemütliche Atmosphäre. Für uns gab es ein richtig schönes Abschiedsessen von der Rhön, denn am folgenden Tag würde es wieder in Richtung Heimat gehen. Mein Herr Silberdistel gönnte sich Pfifferlinge, dazu ein Schnitzel mit Serviettenknödeln und ich machte mich über ein richtig leckeres Würzfleisch mit Toast her. Dazu gab es einen äußerst schmackhaften Salat. Als Dessert leisteten wir uns schließlich noch gebackene Waffeln mit Erdbeeren, Eis und Sahne plus Kaffee bzw. Cappuccino. Satt war danach kein Ausdruck mehr.

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So kam uns auf dem Rückweg die eine oder andere Pause sehr gelegen, denn mit vollem Bauch ist man weniger beweglich und meistens auch ein bisschen fauler. Mikes Weitblickbank, wir waren derweil bereits wieder auf dem Buchschirmberg, lud uns  freundlich ein, einen Moment Platz zu nehmen. Der wirklich außerordentlich schöne Weitblick von dort aus ließ uns wieder Kraft tanken für das nächste Wegstück, das nicht sehr weit von Mikes Bank erneut endete. Wir hatten nämlich noch ein weiteres Bank-Rendezvous.

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Unsere „Deutsche Bank“

Dort, wo der Wanderweg vom Buchschirmberg wieder hinab zum „Thomas-Morus-Haus“, dem katholischen Jugendheim, führt, steht etwas abseits vom Weg unsere Lieblingsbank, die Bank, die wir vor einigen Jahren einmal auf den Namen „Deutsche Bank“ tauften, unsere „Deutsche Bank“. Es gehörte natürlich zu diesem Abschiedstag von der Rhön dazu, dass wir auch noch Abschied von unserer Bank nahmen. Und leider tröpfelte genau dort ein kleiner Wermutstropfen in meinen Tag hinein.

Während wir Silberdistels so auf der Bank saßen und in die Ferne blickten, kam uns die Idee, zur Erinnerung an diesen schönen diesjährigen Abschiedstag von der Rhön noch ein Selfie bzw. ein Selfie der eher alten Art, ein Selbstauslöserfoto mit meiner Kamera, zu schießen. Wir setzten uns also auf unserer geliebten „Deutschen Bank“ in Positur.

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Leider übersah ich in meinem Eifer den Stacheldraht, der den Koppelpfahl (Bildmitte) „schmückte“

Dann eilte ich zum gegenüber stehenden Koppelpfahl und hängte, weil draufstellen wegen der geringen Grundfläche des Pfahls nicht ging, die Kamera an den Pfahl. Leider kollidierte dabei mein Kameradisplay mit einem Stück Stacheldrahtzaun und zerkratzte das Display am oberen Rand. Ärgerlich, aber doch nicht mehr zu ändern. Den ansonsten so herrlichen Tag habe ich mir damit allerdings trotzdem nicht verderben lassen. Ich hab’s mit Fassung getragen und sehe diesen „Unfall“ ganz einfach als bleibende Erinnerung an einen Tag an, der einem wunderschönen spätsommerlichen Urlaub seinen Abschluss gab. Außerdem ist unser Selfie recht nett geworden – also erst recht kein Grund, sich lange über die eigene Dummheit zu ärgern.

… ist er oft, der Weg zur Erkenntnis. Unser Urlaub dieses Jahr in der Rhön hat mir das wieder einmal bewiesen.

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Ich stand während dieser einen Woche Feriengenusses, die wir gewissermaßen mitten im Wald verbringen durften, öfter einmal an diesem Fenster und schaute hinaus. Was es da zu sehen gab? Nun ja, eigentlich irgendwie nichts oder besser – viel wohltuendes Grün für die Augen. Aber sonst eben nichts weiter – so auf den ersten Blick. Andererseits alles kein Wunder, befanden wir uns doch am Ende der Welt, also, naja, am Ende der Welt einer kleinen Ferienhaussiedlung, am Ende eines schmalen, mehr schlecht als recht, geschotterten Waldweges, der in einer Art Sackgasse mündete, wenn man denn einen Waldweg überhaupt so bezeichnen kann.  Jedenfalls endete der Holperweg vor einem Geräteschuppen, der wohl zu unserem Ferienhaus zu gehören schien. Von dort aus ging also nichts mehr vorwärts, von dort aus konnte man den Weg nur wieder zurück holpern. So es dunkel war, konnte das mit dem Zurück für Ungeübte oder zur Orientierungslosigkeit Neigende schon ziemlich schwierig werden. Aber auch das Hin war nichts für schwache Nerven. Wir wären einige Male fast in der Unendlichkeit der Rhönwälder verschollen, zumal hier eine ganz andere Dunkelheit herrschte als daheim. Dunkel ist eben doch nicht gleich dunkel und unsere nörgelnde Nora, das Navi in unserem Auto, war da irgendwie auch keine Hilfe. Wenn die Dunkelheit hereinbrach, sah man, wie man so schön sagt, des Nachts die Hand vor Augen nicht mehr, es sei denn Mond und Sterne sorgten für eine gewisse Helligkeit. Übrigens ist diese Gegend wie gemacht für Sternengucker. Die Rhön wirbt sogar in dieser Richtung mit ihrer besonderen Finsternis. Zum Glück bekamen wir selbst abends  und trotz dieser enormen Finsternis jedes Mal gerade noch rechtzeitig die entscheidende Kurve zu fassen und fanden unser Ferienhaus wieder.
Uups, da bin ich doch jetzt irgendwie von der Mücke zum Elefanten gekommen. Also, wo war ich? Ach ja, bei der Mücke, also dem vielen Grün, das da vor dem Fenster waberte.

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Irgendwann während des Urlaubs, als mein Blick wieder einmal zum Fenster und darüber hinaus wanderte, entdeckte ich in all dem Grün ein seltsames Stückchen Zivilisation schräg gegenüber des Fensters – eine Art Schranke. Im Wilden Westen hätte der Cowboy dieses Teil sicher als Einladung zum Parken seines Pferdes verstanden. Ob es hier Cowboys gab – hier im tiefen Rhönwald – mit Pferden gar? Wozu mochte dieses Teil gut sein, wenn nicht dafür, um sein Pferd anzubinden?
Doch dann wanderten meine Gedanken wieder zum Frühstückstisch und das hölzerne Gebilde verschwand nicht nur aus meinen Augen, es verschwand auch wieder aus meinem Sinn – bis mich Herr Silberdistel am letzten Samstag unseres Urlaubs wegen einer Tagung, an der er seine Teilnahme zugesagt hatte, allein ließ. Auch nicht weiter schlimm, so dachte ich, und bald schwebte mir für diesen Tag eine kleine Naturkundesolowanderung vor. Das Wetter sah prächtig aus – wie einem Bilderbuch entsprungen. Sollte ich noch einmal hinauf zum Buchschirmberg wandern?

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Panorama vom Buchschirmberg aus aufgenommen

Ein verlockender Gedanke, hatte ich doch noch immer diesen herrlichen Ausblick dort oben von unserer letzten Wanderung vor Augen.
So schnürte ich nach einem gemütlich im Liegestuhl verbrachten Lesevormittag gegen Mittag mein Ränzlein, packte sicherheitshalber noch eine Wanderkarte der unmittelbaren Umgebung mit ein, schließlich wollte ich nicht doch noch wegen Orientierungslosigkeit in den Tiefen der Rhönwälder spurlos verschwinden, und stiefelte los – bergab zunächst. Aber nur kurz. Auf Höhe der hölzernen Sperre stoppte ich abrupt meine Schritte. Wieder fielen mir die Cowboys und die Pferde ein. Ich schaute den Hang hinauf. Ob es dort oben noch irgendwie weiterging? So richtig Vertrauen erweckend sah das Dickicht nicht aus. Obwohl, wenn man wollte, konnte man den Hauch eines schmalen Trampelpfades erkennen. Man musste allerdings schon sehr wollen. War dieser scheinbare Pfad vielleicht ein Wildwechsel? Oder handelte es sich hier doch um einen alten Weg. Sollte eventuell nur verhindert werden, dass aus unserer scheinbaren Sackgasse eine Durchfahrtsstraße wurde? Sollte dieses schrankenähnliche Gebilde nur einfach eine Wegsperre sein? Jetzt hielt mich nichts mehr, das wollte erkundet werden.

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Irgendwann lichtet sich der grüne Vorhang vor mir

Und siehe da, nach etlichen Metern hangaufwärts lichtete sich das grüne Dickicht und aus dem schmalen Grat, der mich dort hinaufgeführt hatte, wurde Erkenntnis. Dafür musste ich zunächst aber noch unter einem weiteren schrankenähnlichen Konstrukt hindurchtauchen, danach weitete sich mein „Wildwechsel“ zu einem deutlich sichtbaren Pfad, verwandelte sich weiter zu einem gut gangbaren Weg und wurde schließlich zu so etwas wie einer schmalen Schotterstraße, an deren linker Seite sich nun auch wieder Ferienhäuser reihten.

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Aus dem Garten eines Ferienhauses beobachtet mich diese Eule

Wer hätte gedacht, dass sich hier oben eine weitere Ferienhaussiedlung anschloss. Wunderhübsch sahen einige der Häuser aus – mit vielen liebevoll gestalteten Details verziert. Eine hölzerne Eule hatte es mir ganz besonders angetan. Wie gut würde sie auch in meinen Garten passen.

Am Ende der Schotterstraße stieß ich schließlich auf eine weitere, eine asphaltierte, Straße und da ging mir dann endgültig ein Lichtlein auf. Ich wusste plötzlich sehr genau, wo ich mich befand und ich wusste nun auch, dass ich eine Abkürzung von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg gefunden hatte. Ein paar Tage zuvor, als wir zum Thüringer Rhönhaus über den Buchschirmberg unterwegs waren, hatten wir also einen riesigen Umweg gemacht, weil wir es einfach nicht besser wussten. Wir hätten uns etliche Schweißperlen ersparen können, wenn wir bereits zu dem Zeitpunkt von diesem kurzen Weg Kenntnis gehabt hätten. Ich stand jetzt weit oberhalb der Stelle, an der wir bei unserer ersten Wanderung hoch zum Buchschirm auf diese Straße getroffen waren. Sie führt hinauf bis zum „Thomas-Morus-Haus“, einem katholischen Jugendheim, das seit 1980 als Jugendbildungsstätte existiert. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zum Gipfel des Buchschirmberges.

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Das „Thomas-Morus-Haus“ am Buchschirmberg – ein katholisches Jugendheim

Auch wenn ich mir durch die Abkürzung ein ganzes Stück besonders schweren Anstiegs erspart hatte, wurde mir dennoch warm, denn einige Höhenmeter gab es trotzdem noch bis zum Jugendheim und weiter bis hinauf auf den höchsten Punkt des Berges zu bewältigen.

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Neugierig halte ich nach dem freilaufenden Bullen Ausschau

Kurz hinter dem „Thomas-Morus-Haus“ sollte ein freilaufender Bulle unterwegs sein. Was einem in der Rhön doch so alles über den Weg laufen kann? Aber so sehr ich auch Ausschau hielt, weit und breit kein Bulle zu sehen.

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In der Nähe des „Thomas-Morus-Hauses“ kann ich einen gefiederten Jäger beobachten

Doch bei meiner Bullensuchaktion stach mir etwas anderes ins Auge, vor dem vielleicht nicht gerade ich, aber doch so manche Maus Respekt haben sollte. Wobei, wenn ich den wilden Jäger jetzt so anschaue, dann scheint es mir fast so, als hätte er mich doch ganz schön fest im Visier gehabt. Nun, vielleicht sollte ich froh sein, dass ich ungeschoren davongekommen bin. Mitunter ahnt man gar nicht, in welcher Gefahr man schwebt.

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Irgendwann erhob sich der gefiederte Jäger und verschwand hinter einer Baumreihe, für mich also das Zeichen zum Weiterwandern. Am Wegesrand entdeckte ich nicht nur trockene Schönheiten, auch ein Baumgeist war dabei, mit roten Beeren geschmückte Büsche säumten meinen Weg und sogar Schmetterlinge waren an diesem Tag noch auf Nahrungssuche unterwegs.

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Und dann tauchte die Aussichtsplattform vom Buchschirmberg vor mir auf. Dieses Mal wollte ich hinauf und noch einmal den Blick in die Weite der Rhön genießen, ihn einfangen mit dem Augen, mit allen Sinnen und natürlich auch mit der Kamera.

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Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort oben zugebracht habe. Der Blick ist so bezaubernd und er begeistert mich immer wieder aufs Neue, dass ich mich jedes Mal nur schwer von ihm trennen kann. Jedes Mal ist er anders – je nach Jahreszeit und Lichteinfall. Ich könnte mich fast in all dieser Schönheit verlieren.

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Aber dann wird es doch Zeit für den Rückweg. Da ruft jemand ganz laut in meinem Innern nach einem Kaffee, einem kleinen Imbiss und irgendwie auch nach ein bisschen Ruhe im Liegestuhl auf der Terrasse unseres Ferienhauses. So geht es dann wieder bergab. Auch jetzt entdecke ich noch viel Interessantes – wie z.B. die Wohnung der Fledermäuse Tonia und Valentin oder einen Baumgeist mit gleich drei Gesichtern.

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Doch bevor ich mich, wieder zurück am Ferienhaus, dem Kaffee und dem Liegestuhl widme, muss ich noch einen kleinen Rundgang machen und einsammeln, was an der Terrasse noch alles blüht. Hübsch, was hier angepflanzt ist und die Sinne erfreut. Erstaunlich auch, wie viele Insekten an diesem späten Nachmittag noch unterwegs sind. Es summt und brummt wie im Hochsommer und lässt mich an meinen eigenen Garten zuhause denken. Ob da gerade auch auf den Blumen so viel Betrieb ist?

… und das nicht nur auf dem Kalender, dann sollte man sich auch die Zeit nehmen, um ihn ordentlich zu genießen. Und genau das werden wir Silberdistels jetzt tun. Bei uns ist jetzt Sommer- und Blogpause angesagt.

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Auch Euch wünschen wir einen wunderschönen Rest vom Sommer, freut auch Ihr Euch über die Sonne, die Wärme, die Blumen, das Summen der Insekten, vielleicht auch über das Meer, die Berge und den wunderschönen blauen Himmel darüber. Und ab und zu gehört vielleicht auch bei Euch ein schönes Buch zu einem erholsamen Sommer. Bei mir wäre ein Sommer ohne eine schöne Lektüre draußen im Garten – an meinem Lieblingsleseplatz – undenkbar. Also, habt viel Spaß, erholt Euch gut und bleibt gesund.

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Hier bei uns wird jeder das tun, was ihm am meisten gefällt, unsere pelzige Herrschaft wird sicher ihren beiden Lieblingsbeschäftigungen nachgehen – durch den Garten streifen und zwischendurch immer wieder eine kleine Ruhepause einlegen. Die aber möglichst immer draußen im Garten. Zur Not darf’s auch gern der Wintergarten sein, wobei der mehr Tortys Spezialität ist. Nur unser Keks scheint nie zu schlafen. Er ist fast immer im Laufschritt unterwegs, so, als müsse er immer und überall sein. Für ihn wird dieser Sommerurlaub wohl mehr ein einziger großer Abenteuerurlaub werden. Es gibt ja noch soooo viel zu entdecken. Wer weiß, vielleicht haben wir ja am Ende des Sommers so allerlei Aufregendes, Interessantes und sogar Spannendes zu berichten.
Jetzt aber tauchen wir zwei- und vierbeinigen Silberdistels erst einmal ab in unseren Sommergarten und wer weiß, möglich, dass wir auch das eine oder andere Mal außerhalb unseres Gartens unterwegs sein werden. Wir werden sicher zu gegebener Zeit berichten.
Und wer von Euch jetzt immer noch nicht so richtig auf Sommer, Urlaub und Erholung eingestellt ist, der darf sich ganz schnell noch in unserem kleinen summenden, brummenden, blühenden, bunten silberdisteligen Sommerglück ein Auge, eine Nase, ein Ohr voll Sommer holen. Und falls wir uns unterwegs irgendwo verlieren sollten, spätestens am Ende des Sommers lesen wir uns doch hoffentlich wieder. Macht’s gut bis dahin und macht ihn Euch schön – Euren Sommer!

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