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… ist er oft, der Weg zur Erkenntnis. Unser Urlaub dieses Jahr in der Rhön hat mir das wieder einmal bewiesen.

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Ich stand während dieser einen Woche Feriengenusses, die wir gewissermaßen mitten im Wald verbringen durften, öfter einmal an diesem Fenster und schaute hinaus. Was es da zu sehen gab? Nun ja, eigentlich irgendwie nichts oder besser – viel wohltuendes Grün für die Augen. Aber sonst eben nichts weiter – so auf den ersten Blick. Andererseits alles kein Wunder, befanden wir uns doch am Ende der Welt, also, naja, am Ende der Welt einer kleinen Ferienhaussiedlung, am Ende eines schmalen, mehr schlecht als recht, geschotterten Waldweges, der in einer Art Sackgasse mündete, wenn man denn einen Waldweg überhaupt so bezeichnen kann.  Jedenfalls endete der Holperweg vor einem Geräteschuppen, der wohl zu unserem Ferienhaus zu gehören schien. Von dort aus ging also nichts mehr vorwärts, von dort aus konnte man den Weg nur wieder zurück holpern. So es dunkel war, konnte das mit dem Zurück für Ungeübte oder zur Orientierungslosigkeit Neigende schon ziemlich schwierig werden. Aber auch das Hin war nichts für schwache Nerven. Wir wären einige Male fast in der Unendlichkeit der Rhönwälder verschollen, zumal hier eine ganz andere Dunkelheit herrschte als daheim. Dunkel ist eben doch nicht gleich dunkel und unsere nörgelnde Nora, das Navi in unserem Auto, war da irgendwie auch keine Hilfe. Wenn die Dunkelheit hereinbrach, sah man, wie man so schön sagt, des Nachts die Hand vor Augen nicht mehr, es sei denn Mond und Sterne sorgten für eine gewisse Helligkeit. Übrigens ist diese Gegend wie gemacht für Sternengucker. Die Rhön wirbt sogar in dieser Richtung mit ihrer besonderen Finsternis. Zum Glück bekamen wir selbst abends  und trotz dieser enormen Finsternis jedes Mal gerade noch rechtzeitig die entscheidende Kurve zu fassen und fanden unser Ferienhaus wieder.
Uups, da bin ich doch jetzt irgendwie von der Mücke zum Elefanten gekommen. Also, wo war ich? Ach ja, bei der Mücke, also dem vielen Grün, das da vor dem Fenster waberte.

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Irgendwann während des Urlaubs, als mein Blick wieder einmal zum Fenster und darüber hinaus wanderte, entdeckte ich in all dem Grün ein seltsames Stückchen Zivilisation schräg gegenüber des Fensters – eine Art Schranke. Im Wilden Westen hätte der Cowboy dieses Teil sicher als Einladung zum Parken seines Pferdes verstanden. Ob es hier Cowboys gab – hier im tiefen Rhönwald – mit Pferden gar? Wozu mochte dieses Teil gut sein, wenn nicht dafür, um sein Pferd anzubinden?
Doch dann wanderten meine Gedanken wieder zum Frühstückstisch und das hölzerne Gebilde verschwand nicht nur aus meinen Augen, es verschwand auch wieder aus meinem Sinn – bis mich Herr Silberdistel am letzten Samstag unseres Urlaubs wegen einer Tagung, an der er seine Teilnahme zugesagt hatte, allein ließ. Auch nicht weiter schlimm, so dachte ich, und bald schwebte mir für diesen Tag eine kleine Naturkundesolowanderung vor. Das Wetter sah prächtig aus – wie einem Bilderbuch entsprungen. Sollte ich noch einmal hinauf zum Buchschirmberg wandern?

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Panorama vom Buchschirmberg aus aufgenommen

Ein verlockender Gedanke, hatte ich doch noch immer diesen herrlichen Ausblick dort oben von unserer letzten Wanderung vor Augen.
So schnürte ich nach einem gemütlich im Liegestuhl verbrachten Lesevormittag gegen Mittag mein Ränzlein, packte sicherheitshalber noch eine Wanderkarte der unmittelbaren Umgebung mit ein, schließlich wollte ich nicht doch noch wegen Orientierungslosigkeit in den Tiefen der Rhönwälder spurlos verschwinden, und stiefelte los – bergab zunächst. Aber nur kurz. Auf Höhe der hölzernen Sperre stoppte ich abrupt meine Schritte. Wieder fielen mir die Cowboys und die Pferde ein. Ich schaute den Hang hinauf. Ob es dort oben noch irgendwie weiterging? So richtig Vertrauen erweckend sah das Dickicht nicht aus. Obwohl, wenn man wollte, konnte man den Hauch eines schmalen Trampelpfades erkennen. Man musste allerdings schon sehr wollen. War dieser scheinbare Pfad vielleicht ein Wildwechsel? Oder handelte es sich hier doch um einen alten Weg. Sollte eventuell nur verhindert werden, dass aus unserer scheinbaren Sackgasse eine Durchfahrtsstraße wurde? Sollte dieses schrankenähnliche Gebilde nur einfach eine Wegsperre sein? Jetzt hielt mich nichts mehr, das wollte erkundet werden.

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Irgendwann lichtet sich der grüne Vorhang vor mir

Und siehe da, nach etlichen Metern hangaufwärts lichtete sich das grüne Dickicht und aus dem schmalen Grat, der mich dort hinaufgeführt hatte, wurde Erkenntnis. Dafür musste ich zunächst aber noch unter einem weiteren schrankenähnlichen Konstrukt hindurchtauchen, danach weitete sich mein „Wildwechsel“ zu einem deutlich sichtbaren Pfad, verwandelte sich weiter zu einem gut gangbaren Weg und wurde schließlich zu so etwas wie einer schmalen Schotterstraße, an deren linker Seite sich nun auch wieder Ferienhäuser reihten.

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Aus dem Garten eines Ferienhauses beobachtet mich diese Eule

Wer hätte gedacht, dass sich hier oben eine weitere Ferienhaussiedlung anschloss. Wunderhübsch sahen einige der Häuser aus – mit vielen liebevoll gestalteten Details verziert. Eine hölzerne Eule hatte es mir ganz besonders angetan. Wie gut würde sie auch in meinen Garten passen.

Am Ende der Schotterstraße stieß ich schließlich auf eine weitere, eine asphaltierte, Straße und da ging mir dann endgültig ein Lichtlein auf. Ich wusste plötzlich sehr genau, wo ich mich befand und ich wusste nun auch, dass ich eine Abkürzung von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg gefunden hatte. Ein paar Tage zuvor, als wir zum Thüringer Rhönhaus über den Buchschirmberg unterwegs waren, hatten wir also einen riesigen Umweg gemacht, weil wir es einfach nicht besser wussten. Wir hätten uns etliche Schweißperlen ersparen können, wenn wir bereits zu dem Zeitpunkt von diesem kurzen Weg Kenntnis gehabt hätten. Ich stand jetzt weit oberhalb der Stelle, an der wir bei unserer ersten Wanderung hoch zum Buchschirm auf diese Straße getroffen waren. Sie führt hinauf bis zum „Thomas-Morus-Haus“, einem katholischen Jugendheim, das seit 1980 als Jugendbildungsstätte existiert. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zum Gipfel des Buchschirmberges.

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Das „Thomas-Morus-Haus“ am Buchschirmberg – ein katholisches Jugendheim

Auch wenn ich mir durch die Abkürzung ein ganzes Stück besonders schweren Anstiegs erspart hatte, wurde mir dennoch warm, denn einige Höhenmeter gab es trotzdem noch bis zum Jugendheim und weiter bis hinauf auf den höchsten Punkt des Berges zu bewältigen.

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Neugierig halte ich nach dem freilaufenden Bullen Ausschau

Kurz hinter dem „Thomas-Morus-Haus“ sollte ein freilaufender Bulle unterwegs sein. Was einem in der Rhön doch so alles über den Weg laufen kann? Aber so sehr ich auch Ausschau hielt, weit und breit kein Bulle zu sehen.

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In der Nähe des „Thomas-Morus-Hauses“ kann ich einen gefiederten Jäger beobachten

Doch bei meiner Bullensuchaktion stach mir etwas anderes ins Auge, vor dem vielleicht nicht gerade ich, aber doch so manche Maus Respekt haben sollte. Wobei, wenn ich den wilden Jäger jetzt so anschaue, dann scheint es mir fast so, als hätte er mich doch ganz schön fest im Visier gehabt. Nun, vielleicht sollte ich froh sein, dass ich ungeschoren davongekommen bin. Mitunter ahnt man gar nicht, in welcher Gefahr man schwebt.

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Irgendwann erhob sich der gefiederte Jäger und verschwand hinter einer Baumreihe, für mich also das Zeichen zum Weiterwandern. Am Wegesrand entdeckte ich nicht nur trockene Schönheiten, auch ein Baumgeist war dabei, mit roten Beeren geschmückte Büsche säumten meinen Weg und sogar Schmetterlinge waren an diesem Tag noch auf Nahrungssuche unterwegs.

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Und dann tauchte die Aussichtsplattform vom Buchschirmberg vor mir auf. Dieses Mal wollte ich hinauf und noch einmal den Blick in die Weite der Rhön genießen, ihn einfangen mit dem Augen, mit allen Sinnen und natürlich auch mit der Kamera.

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Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort oben zugebracht habe. Der Blick ist so bezaubernd und er begeistert mich immer wieder aufs Neue, dass ich mich jedes Mal nur schwer von ihm trennen kann. Jedes Mal ist er anders – je nach Jahreszeit und Lichteinfall. Ich könnte mich fast in all dieser Schönheit verlieren.

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Aber dann wird es doch Zeit für den Rückweg. Da ruft jemand ganz laut in meinem Innern nach einem Kaffee, einem kleinen Imbiss und irgendwie auch nach ein bisschen Ruhe im Liegestuhl auf der Terrasse unseres Ferienhauses. So geht es dann wieder bergab. Auch jetzt entdecke ich noch viel Interessantes – wie z.B. die Wohnung der Fledermäuse Tonia und Valentin oder einen Baumgeist mit gleich drei Gesichtern.

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Doch bevor ich mich, wieder zurück am Ferienhaus, dem Kaffee und dem Liegestuhl widme, muss ich noch einen kleinen Rundgang machen und einsammeln, was an der Terrasse noch alles blüht. Hübsch, was hier angepflanzt ist und die Sinne erfreut. Erstaunlich auch, wie viele Insekten an diesem späten Nachmittag noch unterwegs sind. Es summt und brummt wie im Hochsommer und lässt mich an meinen eigenen Garten zuhause denken. Ob da gerade auch auf den Blumen so viel Betrieb ist?

Unser dritter Urlaubstag in der Rhön war angebrochen. Ich berichtete bereits in den Beiträgen zuvor über unseren diesjährigen Wanderurlaub in dieser so bewundernswerten Berglandschaft.
Endlich sah es dieses Mal auch am Morgen schon etwas freundlicher aus als die Tage zuvor. Kein grauer Dunst, kein Nebel. Wir konnten sogar die Wasserkuppe in der Ferne liegen sehen. Von der Terrasse unseres Ferienhauses aus hat man nämlich, natürlich schönes Wetter vorausgesetzt, einen guten Blick auf diesen Berg, auf die Wiege des Segelflugs.

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Von unserer Terrasse aus können wir in der Ferne die Wasserkuppe liegen sehen. Gut zu erkennen an dem großen Fußball, dem Radom, einem Überbleibsel aus der militärischen Vergangenheit des Berges

Was also konnte verlockender sein, als dem höchstens Berg Hessens einen Besuch abzustatten. Mit seinen 950 m ü. NHN macht er durchaus schon etwas her und für solche Flachländer wie uns allemal.

Es war zwar schon Mittag, als wir endlich loszogen, aber egal, schließlich hatten wir Urlaub. Dazu gehörte ganz einfach auch das Ausschlafen und ein ausgedehntes Frühstück und beides hatten wir uns an diesem Tag nicht nehmen lassen.

Wir begannen unsere Wanderung zur Wasserkuppe am Moordorfparkplatz. Bis dahin bemühten wir erst einmal unser Auto, denn direkt vom Ferienhaus aus zu Fuß zur Wasserkuppe hoch, das wäre dann wohl doch etwas weit gewesen. Vor allem hätten wir  dazu ganz sicher etwas früher aufstehen müssen.

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Nach einem kurzen Fußmarsch taucht die Informationshütte vom „Roten Moor“ vor uns auf. Wir sind also vom Eingang zum Moor nicht mehr weit entfernt

Vom Moordorfparkplatz aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum „Roten Moor“. Wir hatten zwar am Vortag gerade jede Menge Moor gesehen, aber eigentlich kann man von dieser Art Landschaft nie genug bekommen. Jedenfalls geht es uns Silberdistels so. Das „Rote Moor“, wie das „Schwarze Moor“ – ein Hochmoor,  ist ein abgetorftes und wieder renaturiertes Moor. Hochmoore speisen sich übrigens nur aus Regenwasser. Das „Rote Moor“ umfasste ursprünglich eine Fläche von etwa 50 ha. Seit 1979 gehört es zum 315 ha großen Naturschutzgebiet „Rotes Moor“ und der größte Teil damit auch zur Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, d.h., dass der Mensch hier in die Entwicklung der Natur nicht mehr oder kaum noch eingreift. Auch dieses Moor, übrigens zum hessischen Teil der Rhön gehörend, bietet so mancher interessanten Pflanze und auch  selten gewordenen Tierarten Lebensraum.

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Die Karpatenbirke – besonders für das „Rote Moor“ sehr typisch

Auch hier finden wir wieder DIE Moorbirke überhaupt – die Karpatenbirke. Sie prägt geradezu die Landschaft des „Roten Moores“ und sie hat die mir so überaus lieben Moorgeister hervorgebracht.

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Ich habe bei unserer Wanderung durchs „Rote Moor“ unter den Geistern alte Bekannte wiederentdeckt, solche, die ich bereits seit vielen Jahren immer wieder fotografiere, aber auch einige Neue waren dabei. Mit etlichen geschossenen Baumgeisterfotos verließen wir schließlich den Holzsteg im Moor und bogen bald darauf auf den eigentlichen Wanderweg zur Wasserkuppe ein.

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In der Ferne sehen wir bereits die Wasserkuppe liegen

An diesem Tag kam mir die Strecke hinauf zum Berg der Flieger, wie die Wasserkuppe auch genannt wird, gar nicht so lang vor.

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Ziemlich schnell waren wir an der Fuldaquelle, die sich uns sogar im herrlichsten Sonnenlicht präsentierte. Hier oben ist der Fluss, der sich mit der Stadt Fulda seinen Namen teilt, noch ein fast harmlos wirkendes kleines Bächlein. Schon erstaunlich, was daraus im Laufe seines Weges entsteht. Die Fulda ist aber nicht das einzige Gewässer, das auf der Wasserkuppe seinen Anfang nimmt. Es gibt etwa 30 Quellen, die vom Wasserreichtum dieses Berges zeugen und damit erklärt sich auch durchaus sein Name  Wasserkuppe, obwohl sich der wahrscheinlich mehr von dem Wort „wass“ aus dem Mittelhochdeutschen ableitet, das so viel wie „Weide“ oder „Weideplatz“ bedeutet. Auch  heute hat der Berg in dieser Hinsicht durchaus noch Bedeutung.
Wir lassen die kleine plätschernde Fuldaquelle hinter uns und laufen weiter bergauf. Das letzte Stück hinauf auf den Berg der Flieger ist dann auch schnell geschafft.

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Einige Segler und Sportflugzeuge warten oben auf dem Wasserkuppenflugplatz auf Kundschaft. Wir aber wollten ausnahmsweise nicht fliegen. Uns war mehr nach einer Bratwurst und nach einem Briefkasten, hatte ich doch die diesjährigen Urlaubskarten mit hoch zur Wasserkuppe getragen, um sie dort einzustecken. Nach dem Essen und einem kurzen Rundgang bei den fliegenden Händlern mit ihren zahlreichen Andenken machten wir uns auf den Rückweg. Unsere Andenken waren am Ende doch lieber ein paar selbst geschossene Fotos.

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Auch zurück wanderten wir natürlich noch einmal durchs „Rote Moor“ und dieses Mal ließen wir den Aussichtsturm, denn auch das „Rote Moor“ hat einen solchen Turm, nicht links liegen. Die Sicht dürfte bei dem guten Wetter fantastisch sein. Also, nichts wie hinauf in die luftige Höh‘, um von dort aus einen der nicht begehbaren Teile der Moorlandschaft anzusehen. Vom Turm aus kann man auf die riesige abgetorfte Fläche des „Roten Moores“ schauen. Man sieht aus dieser Perspektive aber auch gut den Rand des Moores, der noch mit einer dicken Torfschicht bedeckt ist.

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Geistvolles in luftiger Höhe auf dem Moor-Aussichtsturm

Ja, und dann erfuhren wir noch etwas über uns, das uns bis zu diesem Zeitpunkt immer noch verborgen geblieben war. Aber dort stand es mit sicherer Hand auf Holz geschrieben. Es ist schon hart, wenn man plötzlich auf tief Verstecktes in seinem Inneren mit der Nase gestoßen wird. Das muss man erst mal verkraften können. Aber uns tröstete dann ein fehlender Buchstabe. Das konnte nur bedeuten, dass wir doch nicht ganz dumm, sondern nur halb dum sind. Das kann doch nur heißen, dass wir noch irgendwie zu retten sind.
Oder, oder hatte das am Ende alles gar nichts mit uns zu tun? Hat das vielleicht eher etwas mit dem Schreiber zu tun, der sich hier ganz einfach einmal outen musste? Mitunter hilft es ja, wenn man über eigene Probleme reden oder in diesem Falle schreiben kann, oder?

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Etwas beruhigt, aber immer noch ein wenig nachdenklich, verließen wir den Turm im Moor. Das Moor mit seinen Geistern und Lichtreflexen lenkte uns auch bald von diesem doch etwas irritierenden Schriftzug ab.

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Der Moorsee präsentiert sich sogar an einem Dienstag im Sonntagskleid

Am Moorsee verflüchtigte sich schließlich auch der letzte dumme Gedanke noch aus meinem Kopf. Der Anblick des Sees ließ mich alles andere vergessen. Wie zauberhaft war das denn? Wie fantastisch, wie hinreißend schön sah der See aus? Nicht nur be-, sondern regelrecht verzaubert, schaute ich aufs Wasser hinaus und konnte mich so gar nicht sattsehen.
Herr Silberdistel war derweil schon weiter in Richtung Moordorf geeilt. Er hatte gerade etwas Wundervolles verpasst. So schön hatte er den See sicher noch nicht gesehen. Aber ich hatte ihm den See sicherheitshalber per Foto mitgenommen. Er würde sich also später auch noch verzaubern lassen können.

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Knapp 1 1/2 Stunden nach unserem Wasserkuppenbesuch waren wir Silberdistels wieder am Moordorfparkplatz angelangt. Die Wanderung hatte uns hungrig und durstig gemacht. Ob es da Abhilfe im NABU-Haus gab?
Im vergangenen Jahr wurde an dem Haus im Moordorf fleißig gewerkelt. In diesem Jahr schaute es seine Gäste nicht nur mit frischem Makeup an, es hatte sogar ein ganz neues Gesicht bekommen und es ist auch rundum größer geworden. Es kann nun wesentlich mehr Kaffeegästen Platz bieten, aber die Gemütlichkeit, die hat für meinen Geschmack irgendwie ein wenig eingebüßt. Schade! Aber Kuchen, Kaffee und Cappuccino sind immer noch Spitzenklasse. Davon haben wir uns natürlich überzeugt und so waren dann Kirschstreusel und die leckeren Getränke ein perfekter Abschluss für eine perfekte Wanderung.

Wie? Eine Buchrezension? Äh … ach so. Nein, die hatte ich nicht im Sinn. Also, wer das jetzt gedacht hat, der … ja, der ist hier ausnahmsweise einmal falsch und der muss dann jetzt wieder gehen und vielleicht beim Herrn Böll an die Tür klopfen. Wer allerdings dennoch bleiben möchte, der wird lernen, dass Gruppenbilder mit Dame nicht nur in der Literatur vorkommen, man sieht sie mitunter auch im wirklichen Leben. Herr Silberdistel kann das bestätigen, ist es ihm doch unlängst passiert. Wie das?

Nun, es begann an einem recht dunstigen Morgen Mitte September. Wir Silberdistels  waren am Tag zuvor nach einer nervenaufreibenden z.T. extrem verregneten Tour über Deutschlands mit unzähligen Baustellen gepflasterte Autobahnen in unserer Lieblingsurlaubsgegend, der Rhön, gelandet. Am Ende der Reise und des Tages waren wir gewaltig erschöpft in unsere Betten gesunken. So schliefen wir auch tief und fest, übrigens in einer himmlisch ruhigen und des Nachts sogar stockfinsteren Gegend, einer Gegend wie gemacht für Sternengucker – in einem Ferienhaus mitten im Wald am Fuße des Buchschirmberges im hessischen Teil der Rhön.

Als wir am Morgen nach dieser stressigen Autobahntortour die Augen aufschlugen, befürchteten wir schon Schlimmes für unseren diesjährigen Wanderurlaub. Tiefhängende Wolken trübten unseren Blick aus dem Fenster. Wenigstens regnete es nicht mehr.
Nach einem ausgiebigen Frühstück sah die Welt dann doch schon etwas freundlicher aus, nicht nur, weil der Bauch vom Gutenmorgenbrötchen voll und der Geist vom Frühstückstee wach  war. Die Nebelschwaden hatten sich zum größten Teil verzogen und das ließ den Tag schon wesentlich freundlicher erscheinen. Vielleicht konnten wir doch eine Wanderung wagen. In der Hoffnung, der Wettergott würde uns unterwegs nicht in die Suppe spucken, machten wir uns auf in Richtung Thüringer Rhönhaus. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

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Auf dem Buchschirmberg befindet sich diese kleine Aussichtsplattform. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Berge der Rhön

Wir wagten also und kamen schließlich etwas atemlos, weil’s dummerweise nur bergauf ging, an unserem ersten Zielpunkt an, an der kleinen Aussichtsplattform, die auf dem Gipfel des Buchschirmberges steht und von der aus man einen fantastischen Fernblick hat. Von dort an ging’s zu unserer Freude nicht weiter bergauf. Der Gipfel war erstürmt und es ging nun mehr oder weniger auf einer Höhe weiter. Eine Viertelstunde nach dem Erreichen dieses ersten markanten Punktes, bogen wir ab in den Wald …

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… und da blitzte auch gleich ein Ufo zwischen den Bäumen auf. Unser Ufo ist übrigens ein stationäres, denn es markiert bereits seit Jahren diesen Weg, der uns schon so oft nach Thüringen ins dortige Rhönhaus, einer sehr gemütlichen kleinen Gaststätte, geführt hat. Wir ließen das Ufo links liegen und wanderten und wanderten und wanderten und … „Hm“, meinten wir fast gleichzeitig. Und bevor ich noch Weiteres aussprechen konnte, fragte Herr Silberdistel: „Sind wir denn hier richtig?“ „Nein“, sprach ich voller Überzeugung, denn der Weg bog plötzlich stark nach links ab. Unser Weg durfte das eigentlich nicht, das hatte er noch nie getan. Da hatte man uns jetzt irgendwie ein falsches Stück Weg untergeschoben. Das kommt davon, wenn man während des Wanderns auch noch mit seinem Wegbegleiter über dies und das und Gott und die Welt plaudert. Erst jetzt blickte ich mich um. Und was sah ich? Nichts sah ich. Das Ufo war weg. Eigentlich hätte es immer noch dort hinten stehen müssen. Ob es jetzt doch abgehoben hatte? Wir tippten beide darauf, dass wir wohl eher eine Wegkreuzung zu früh links eingebogen waren, als dass sich das Ufo einfach unerlaubt davon gemacht hatte. Also zurück! Und in der Tat, als wir wieder auf den Hauptweg trafen, war auch das Ufo wieder da. Wie konnte uns so etwas passieren? Wie viele Male waren wir diesen Weg schon gelaufen? Und noch nie hatten wir uns dabei VERlaufen. Das musste an der Gegend liegen, die im Herbst so anders als im Frühjahr aussieht. Gewöhnlich verbringen wir eher einige Tage im Frühjahr in der Rhön denn im Herbst.

Aber egal, 20 Minuten später überschritten wir die ehemalige deutsch-deutsche Grenze, die man nach mehr als 25 Jahren Deutscher Einheit kaum noch erahnen kann, und nach weiteren 30 Minuten standen wir am Abzweig zum Thüringer Rhönhaus. Ein wenig bergab und schon schaute uns das gemütliche Gasthaus im Thüringischen so einladend wie eh und je an.

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Eine Hummel krabbelt steifbeinig auf einem der Gartentische am Thüringer Rhönhaus umher

Wir suchten uns einen Tisch im Freien, retteten dabei schnell noch eine Hummel, von der wir glaubten, sie wäre verletzt und ihr letztes Stündlein hätte längst geschlagen. Ich setzte das kleine pelzige Wesen vom Tisch, auf dem sie schwerfällig herumkrabbelte, auf ein freundliches gelbes Blümchen in einem Blumenkasten in unserer Nähe. Glücklich, eine gute Tat vollbracht und dem armen Insekt noch eine letzte Freude bereitet zu haben, schauten wir auf das Hummelchen. Das aber schien durch den Blumenduft spontangeheilt, erhob sich zu unserer Verblüffung und summte fröhlich in den Tag davon.

Als wir uns von unserem Erstaunen über die Spontanheilung der Hummel erholt hatten, merkten wir, wie unangenehm eisig hier draußen im Garten der Wind durch die Büsche pfiff. Ob es dem pelzigen Flieger auf der kahlen Tischplatte einfach nur kalt gewesen war?

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Von der Veranda des Gasthauses aus in den Außenbereich geschaut

Wir sammelten eilig unsere sieben Sachen zusammen und ließen uns dann doch lieber auf der wind- und wettergeschützen Veranda des Gasthauses nieder. Nicht, dass es uns am Ende wie dem Hummelchen ging und wir völlig bewegungsunfähig vom eisigen Wind auf den Stühlen festklebten. Und wer weiß, ob auch uns ein Retter aus der Not helfen würde.

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Bis unser Windbeutel mit Erdbeeren, Sahne und leckerem Erdbeereis nebst Kaffee und Cappuccino serviert wurde, hatten wir Zeit, uns ein wenig auf der Veranda umzuschauen. Wieder einmal fiel mir auf, wieviel mit viel Liebe hergestellte nette Dekorationsstücke dem Gasthaus seinen ganz eigenen Charme verleihen. Jedes Jahr entdecke ich Neues, dem meine Bewunderung gilt, oder Altes, dem man die liebevolle Pflege ansieht. Genug bewundert, unser Windbeutel kommt angeflogen und der verdiente erst recht Bewunderung und er schmeckte einmalig gut. An ein Foto dachte ich zu spät, da war er bereits in meinem Magen gelandet, aber dort hat er mich fantastisch glücklich gemacht. Ohne Foto vergoldet ihn die Erinnerung vielleicht sogar noch ein wenig mehr.

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Der Rhönwald hatte viel Interessantes für die Kamera parat

Gestärkt und inzwischen auch wieder einigermaßen aufgewärmt, also irgendwie rundum glücklich, machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg ins Hessische. Dabei stolperten wir noch über die eine oder andere hübsche Entdeckung am Wegesrand, z.B. über Bäume im Winterpelz …

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Kurz hinter dem UFO verlassen wir den Wald und haben wieder freien Blick auf die Berge der Rhön

 … und so landeten wir bald wieder an unserem Ufo und kurz darauf am Waldesrand.

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Die Milseburg ist hier genau in der Mitte des Bildes zu sehen

Vor uns lag wieder die weite Ferne mit den so markanten Bergen wie der Milseburg und der Wasserkuppe.

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Auf dem höchsten Punkt am Berg sieht man einen Teil des Kreuzes des Ostens stehen

Ein leichter Schwenk nach rechts und schon bewegten wir uns wieder auf den höchsten Punkt des Buchschirmberges zu. Bald kam auch das riesige Holzkreuz, das auf dem Berg steht, das Kreuz des Ostens, in Sicht. Kurz darunter hatte sich malerisch eine Rinderherde gruppiert. Na? Ist das nicht Romantik pur? Kann es Schöneres geben, als eine am Waldrand still vor sich hinmümmelnde bunte Rinderherde?

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Neugierig auf die Wanderer hinter dem Zaun?

Dann hatten wir sie erreicht, die Schwarz- und Rotbunten. Es waren fast alles Herren und wie es Herren ganz gern mal tun, warfen auch diese tierischen Jungs  einen Blick auf die menschliche Dame, die da am Zaun vor ihnen stand.

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Dieser Herr kommt gleich noch etwas dichter an den Zaun

Ob sie mich nun erstaunt, bewundernd oder verwirrt anschauten, konnte ich nicht so recht deuten. Immerhin schauten sie überhaupt. Da kann man sich als weibliches Wesen im doch schon etwas fortgeschrittenen Alter durchaus etwas drauf einbilden, oder?

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Und dann zum Fototermin habe ich drei flotte Herren vor mir stehen

Dankbar für so viel Aufmerksamkeit zückte ich meine Kamera. Kaum hatte es einmal klick gemacht, kam zu dem einen Burschen ein zweiter und dann sogar ein dritter hinzu. Schön ordentlich reihten sie sich nebeneinander auf und posierten tierisch gekonnt für ein Foto. Irgendwie kam mir bei dieser nahezu glanzvollen Vorstellung dann doch der Verdacht, dass sie für den Tourismusverband arbeiten könnten? Wann reihen sich Rinder schon so ordentlich für ein Foto auf? So oder so fühlte ich mich jedenfalls mächtig geehrt.

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Das im Titel versprochene Gruppenbild mit Dame

Und genau da kommt jetzt Herr Silberdistel ins Spiel. Nachdem er sich von seiner Verblüffung darüber, wie nahezu magisch seine Gattin scheinbar auf gleich mehrere Jungbullen wirkte, griff er ebenfalls zur Kamera und hielt diese erstaunliche Szenerie für die Ewigkeit fest. Ein solches Gruppenbild mit Dame war ihm bisher nun wirklich noch nicht vor die Linse gekommen. Also Sachen gibt’s in der Rhön, das glaubt man gar nicht. Aber wir Silberdistels wissen es besser. Wir haben schon so allerhand mit den wilden Tieren der Rhön erlebt. Aufmerksame Leser dieses Blogs werden das bestätigen können. Übrigens gesellte sich, als Herr Silberdistel im Begriff war, dieses erstaunliche Gruppenbild mit Dame aufzunehmen, noch ein vierter Bewunderer der Silberdistel ins Bild. Da behaupte mal noch einer, dass Frauen im fortgeschrittenen Alter Mangel an Verehrern hätten. Also ich, ich kann mich da, zumindest seit diesem denkwürdigen Tag, so gar nicht beklagen und inzwischen denke ich, das alles hatte nichts mit dem Tourismusverband zu tun. Das war allein meine unwiderstehliche weibliche Erscheinung und Ausstrahlung, die die vier jugendlichen schwarzbunten Herren zu mir lockten.

Ach übrigens, der Wettergott war uns an diesem Tage dann doch sehr hold. Es war zwar recht kühl, aber unsere Wanderung blieb regenfrei. Also: Ende gut, alles gut! 😉

Donnerstag, der 4. Juni, war in Hessen ein Feiertag – Fronleichnam. Er fiel in diesem Jahr in unseren Frühjahrsurlaub. Als Einkaufstag war er damit also ohnehin nicht zu gebrauchen, so war er natürlich für einen Wandertag wie geschaffen. Allerdings sollten wir uns gut überlegen, wohin wir unsere Schritte lenken würden. Am besten wäre ein Ziel, an dem man sich trotz vieler Menschen, weil vielleicht alle die gleiche Idee haben, nicht bedrängt fühlt. Da herrliches Wetter angesagt war, würden mit Sicherheit nicht nur wir Silberdistels unterwegs sein.

Panorama - von der Wasserkuppe aus aufgenommen

Panorama – von der Wasserkuppe aus aufgenommen

Die Wasserkuppe könnte durchaus eine gute Wahl sein, auch wenn wir sie gerade erst besucht hatten. Aber wie heißt es so schön? Viele Wege führen nach Rom, so auch hinauf zum Berg der Flieger.

Bis hoch zur Wasserkuppe gibt es, nutzt man den Wanderweg über den Guckaisee, immer wieder hübsche Aussichtspunkte

Bis hoch zur Wasserkuppe gibt es, nutzt man den Wanderweg über den Guckaisee, immer wieder hübsche Aussichtspunkte

Vom Guckaisee aus gibt es einen sehr schönen Wanderweg, der unterwegs herrliche Aussichtspunkte zu bieten hat. Ausgangspunkt für unsere Wanderung könnte der Parkplatz am Guckaisee sein. Als wir dort schließlich um kurz nach 12.00 Uhr eintrafen, herrschte schon fast Parkplatzknappheit und wie wir wenig später sahen, hatten sich am Guckaisee, dem einzigen natürlich entstandenen See der Rhön, bereits viele Sonnenhungrige niedergelassen.

Ein Teil des Guckaisees ist unterwegs noch einmal gut vom Wanderweg aus zu sehen

Ein Teil des Guckaisees ist unterwegs noch einmal gut vom Wanderweg aus zu sehen

Aber für uns war kein Badetag, wir wollten hoch zur Wasserkuppe und noch einmal die wundervolle Fernsicht dort oben genießen. So ließen wir den See links liegen und wanderten bergauf.

Wiesen und Viehweiden prägen die Landschaft um uns

Wiesen und Viehweiden prägen die Landschaft um uns

Die Landschaft unterwegs ist geprägt durch zahlreiche Wiesen und Viehweiden und war gerade jetzt ausgesprochen hübsch anzusehen, da alles in voller Blüte stand.

Die Kälbchen sind im hohen Gras und zwischen den bunten Wiesenblumen oft kaum zu sehen

Die Kälbchen sind im hohen Gras und zwischen den bunten Wiesenblumen oft kaum zu sehen

Die Rinder, die in so mancher Wiese versteckt in der Sonne lagerten, zauberten die schönsten Postkartenblicke in die Landschaft. Meine Fotografenaugen haben natürlich wieder viel Schönes entdeckt, was sich mitzunehmen lohnte. Nicht nur bunte Blumenvielfalt und hübsche Kuhaugen, sogar kleine Kälbchen waren zu sehen. Man musste allerdings schon sehr genau hinschauen, um die Minirinder zu entdecken. Oft verschwanden sie fast ganz im hohen Gras.

Von nun an ist der große Fußball - das Radom - auf der Wasserkuppe nicht mehr zu übersehen

Von nun an ist der große Fußball – das Radom – auf der Wasserkuppe nicht mehr zu übersehen

Nachdem das letzte Stückchen Anstieg geschafft war, konnten wir die Wasserkuppe nun wirklich nicht mehr verfehlen, selbst wenn wir diesen Weg noch nie gegangen wären. Der Riesenfußball, das Radom, ein Überbleibsel aus der militärischen Zeit des Berges, war als guter Zielpunkt einfach nicht mehr zu übersehen.

Ein paar Meter Anstrengung braucht es noch, bis wir den Fußball erreicht haben

Ein paar Meter Anstrengung braucht es noch, bis wir den Fußball erreicht haben

Aber bevor man endlich vor dem Ball steht, muss man sich noch ganz schön oft die Schweißperlen aus dem Gesicht wischen, denn der Anstieg bis dort oben ist nicht ohne. Wir sahen übrigens schon aus der Ferne, dass auf der Wasserkuppe wirklich viel Betrieb war. Aber wir hatten es ja bereits vermutet.

An diesem Tag schaut es wieder wie ein Bikertreffen auf der Wasserkuppe aus

An diesem Tag schaut es wieder wie ein Bikertreffen auf der Wasserkuppe aus

Natürlich hatten nicht nur Wanderer wie wir, Radler und Autotouristen diesen freien und herrlich sonnigen Tag für einen Ausflug auf den Berg genutzt, auch Motorräder gab es wieder sehr zahlreich zu sehen. Mein Herr Silberdistel umrundete unter anderem begeistert ein schickes Beiwagengespann.

Auch die Modellflieger haben bei diesem schönen Wetter Flugtag

Auch die Modellflieger haben bei diesem schönen Wetter Flugtag

Nach einem kleinen Imbiss mit einem Eis als Dessert schlenderten wir zurück zum höchsten Punkt der Wasserkuppe und bewunderten unterwegs noch einige gar nicht so kleine Segelflugmodelle.

Sogar eine lebensecht aussehende Besatzung sitzt in den Modellfliegern

Sogar eine lebensecht aussehende Besatzung sitzt in den Modellfliegern

Erstaunt sah ich, dass so ein Modellflugzeug sogar mit einer lebensecht ausschauenden eigenen Besatzung fliegt. Ich fand, die Burschen in dem Modellflieger sahen verdammt gut aus.

Ganz schön riesig, dieser Fußball

Ganz schön riesig, dieser Fußball

Schließlich umrundeten wir noch einmal den aus der Nähe nahezu überwältigend großen Fußball, …

Den Gleitschirmfliegern zuzuschauen, macht immer wieder Spaß

Den Gleitschirmfliegern zuzuschauen, macht immer wieder Spaß

… schauten den Gleitschirmfliegern noch ein Weilchen zu …

Einfach fantastisch, wie weit man von der Wasserkuppe aus bei klarem Wetter schauen kann

Einfach fantastisch, wie weit man von der Wasserkuppe aus bei klarem Wetter schauen kann

… und bewunderten nicht das erste Mal den fantastischen Ausblick, den der Berg von hier oben bietet.  Genug geschaut. Wir hoffen sehr, dass wir diesen schönen Blick noch oft im Leben werden genießen können. Aber für dieses Mal nahmen wir Abschied von der Wasserkuppe und ihrer wundervollen Landschaft. Unser nächstes Ziel war nun wieder der Guckaisee, dieses Mal auf einer Wanderroute, die wir bisher noch nicht kannten und die uns recht steil wieder ins Tal hinabführte. Auf dem letzten Stück landeten wir leider auf einer Straße, die sich mit ihrem geschotterten Belag nicht gerade als wandererfreundlich auszeichnete. Trotz guten Schuhwerks leisteten wir uns immer wieder kleine Ausrutscher. Aber was soll’s, letztendlich kamen wir gut und heil unten an.
Am Guckaisee war inzwischen Hochbetrieb und wahrscheinlich würde es am Abend viele sonnenverbrannte Körper geben. Einige der Sonnananbeter sahen schon jetzt einem gekochten Krebs recht ähnlich.

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Da wir Silberdistels nun immerzu an der Elbe unterwegs waren, ist es wohl wieder einmal an der Zeit, in die Berge, in die Rhön, zurückzukehren, natürlich nur gedanklich, denn unser Rhönurlaub war ja leider Anfang Juni schon wieder vorbei. Die schönen und mitunter auch lustigen Erinnerungen aus diesem Urlaub sind in unseren Köpfen durchaus noch recht lebendig. Eine dieser Begebenheiten, die mich immer wieder grinsen lässt, gehört in den Tag, als wir vom Roten Moor aus durch die Kaskadenschlucht wanderten und anschließend über einen kleinen Umweg zurück zum Roten Moor liefen. Die Kaskadenschlucht ist eine wildromantische Gegend, in der ein kleines Bächlein im Laufe vieler, vieler Jahre seine einschneidende Arbeit in der felsigen Landschaft deutlich sichtbar hinterlassen hat. Eine hübsch anzuschauende Schlucht ist so im Laufe der Zeit durch die intensive Wasserarbeit entstanden. Meistens sieht das kleine Gewässer recht harmlos aus. Wir haben es aber auch schon sehr wild und aufgeregt schäumend erlebt und gesehen, wie die Schlucht quasi aus allen Knopflöchern tropfte. Zu solchen Zeiten hat man schon zu tun, trockenen Fußes über die sonst eigentlich gut begehbaren Wanderwege zu kommen, obwohl auch bei trockenem Wetter an etlichen Stellen  immer wieder kleine Rinnsale den Weg kreuzen. Wir sind gespannt, was uns die Kaskadenschlucht wohl dieses Mal zu bieten haben wird.
Unser Wandertag beginnt also wieder einmal am Roten Moor, von dem hier schon oft die Rede war. Inzwischen kennt unser Auto den Weg dorthin fast schon wie ein gutes altes Zugpferd. Wenn man nicht doch noch ein wenig lenken und ein paar Verkehrsregeln beachten müsste, würde es wahrscheinlich ganz brav selbst dorthin trotten, sich einen schattigen Platz auf dem Parkplatz im Moordorf suchen und dort bis zu unserer Rückkehr zufrieden und glücklich schlummernd ausharren.

An der NABU-Hütte im Moordorf wird fleißig um- und ausgebaut

An der NABU-Hütte im Moordorf wird fleißig um- und ausgebaut

In diesem Jahr schlummert es sich allerdings in der sonst recht ruhigen Gegend eher weniger gut. An der NABU-Hütte, in der wir uns auch gern einmal nach einer langen Wanderung Kaffee und hausgebackenen Kuchen haben schmecken lassen, wird nämlich um- und ausgebaut und bei solchen Arbeiten lässt sich Baulärm kaum vermeiden. Dumm gelaufen für unseren fahrbaren Untersatz, aber da muss er nun durch. Schlummern kann er später wieder auf dem ruhigen Stellplatz an der Ferienwohnung. Wir schnappen uns Rucksack, Taschen und Kameras und machen uns eilig auf den Weg, damit wir den bockigen Blick unseres Gefährts nicht noch länger ertragen müssen. Wir hören uns später seine Klagen an, wenn wir eh erschöpft sind und uns sowieso alles egal ist. Dann wollen wir nur noch in unsere Unterkunft und unser Pferdchen will das sicher ebenso und endlich auf seinem ruhigen und gemütlichen Stellplatz ein Nickerchen nachholen.
Einige Minuten später laufen wir an der Informationshütte zum Roten Moor vorbei und betreten den Holzbohlenweg, der uns durchs Moor führen wird. Am Ende des Weges durch das Moor soll, so Herrn Silberdistels Erinnerung, der Einstieg zur Kaskadenschlucht sein. Bei mir kommen leichte Zweifel auf, hatte ich das doch in MEINER Erinnerung ein wenig anders gespeichert. Ich würde VOR dem Moor bereits links abbiegen, dann rechts noch ein Stück und schon müssten wir am Weg, der uns in die Schlucht führt, sein.

Der Weg durchs Rote Moor ist immer wieder schön - ein Hexenbesen schaukelt am Wegesrand

Der Weg durchs Rote Moor ist immer wieder schön – ein Hexenbesen schaukelt am Wegesrand

Aber was soll’s, meistens verliere ich solche Erinnerungsduelle, und der Weg durchs Rote Moor ist immer ein interessanter Erlebnispfad, an dem man sich auch gern öfter erfreuen kann. Vielleicht würde ich ja sogar noch wieder neue Moorgeister entdecken können. Na, und wer sagt’s denn? Da zwinkert mir doch auch schon ein hübscher kleiner Baumgeist zu und wenig später entdecke ich die Hinterlassenschaft einer Hexe an einer schon sehr betagten und bemoosten Moorbirke.  Das Hexchen hat dort seinen Hexenbesen zurückgelassen. Ob die Hexe vielleicht sogar auf dem Besen auf Reisen war und an der Birke einfach hängenblieb? Ob sie nach ihrem Absturz hier irgendwo im Moor versunken ist? Na, ich will lieber doch nicht nach ihr suchen, das könnte gefährlich enden. Außerdem steht überall geschrieben, dass wir den Holzbohlenweg nicht verlassen sollen. Also ist es außerhalb des Holzstegs sicher nicht ganz ungefährlich.
Während mir noch die unterschiedlichsten Hexengeschichten durch den Kopf gehen, stehen wir bereits am Ausgang des Moores und blicken auf den gegenüberliegenden Waldstreifen. Nix da mit Einstieg in die Kaskadenschlucht. Herr Silberdistel biegt zielsicher links ab und verschwindet wenige Meter darauf rechts im Wald. Natürlich folge ich ihm vertrauensvoll. Wir laufen und laufen und laufen. Eigentlich müsste der Weg doch schon lange zur Schlucht hinuntergeführt haben. Ich erlaube mir, ganz schüchtern zu fragen, ob wir denn hier wirklich richtig wären. Ein wenig verunsichert schaut nun auch Herr Silberdistel drein. Dann läuft er auf einmal noch ein wenig schneller, um dort vorn einmal die Lage zu peilen. Weg ist er und ich stehe allein im Wald, nur die Vögel zwitschern mir ein Lied. Was mache ich, wenn Herr Silberdistel verschollen bleibt? Hat mein Handy hier überhaupt Empfang? Aber was viel wichtiger ist, hat Herr Silberdistel als Handymuffel seins überhaupt eingeschaltet? Nach gefühlten Stunden raschelt es laut vor mir und …. uff … es ist Herr Silberdistel und nicht ein Wildschwein, dass mich aus seinem Wald vertreiben will. Mein Herr und Meister erzählt mir, dass der Weg dort hinten nicht weitergeht und links neben uns ginge es steil hinunter. Es würde aussehen, als wäre dort ein alter, schon lange nicht mehr betriebener, Steinbruch. Meine Fantasie schlägt natürlich gleich Purzelbäume und ich sehe uns abgestürzt und ohne Hilfe und null Handysignal am Grunde des Steinbruchs liegen. Herr Silberdistel will mir noch den Steinbruch zeigen und beginnt sogleich, sich bis zum Klippenrand vorzuarbeiten. Aber seine ängstliche Gattin muss leider auf diese Besichtigungstour verzichten, gruselt es sie doch an solchen Steilhängen bereits aus der Ferne. Auf solche Erlebnissen kann sie gut und gern verzichten.

Na bitte, hier geht's lang

Na bitte, hier geht’s lang

Also kehrt und nur weit weg von der Steilwand des alten Steinbruchs und weiter Ausschau gehalten nach dem richtigen Weg. Nach etlichen Laufminuten stehen wir wieder am Hauptweg. Wir entscheiden uns dafür, rechter Hand weiterzugehen. Dann endlich führt rechts noch ein weiterer Weg in den Wald hinein und dieser ist sogar ordentlich mit Kaskadenschlucht ausgeschildert, genau wie ich es in MEINER Erinnerung gespeichert hatte. So, wie es sich jetzt darstellt, wäre also meine Wegvariante wohl doch die kürzere gewesen. Aber egal, das Moor ist immer schön – auch wenn es sich als Umweg herausstellt.

Das sieht doch schon eher nach der Kaskadenschlucht aus

Das sieht doch schon eher nach der Kaskadenschlucht aus

Mein Herr Silberdistel muss jetzt natürlich die Zeit, die wir auf Abwegen verbracht haben, wieder einholen und eilt mir zügig voraus. Bald ist er meinen Blicken entschwunden. Ich will aber nicht nur Kilometer fressen, ich möchte auch in Ruhe die urige Landschaft betrachten und das eine oder andere Foto davon mitnehmen. So lasse ich mir Zeit, gucke hier und gucke da und unterhalte mich unterwegs sogar noch mit einer anderen Wanderin, die mit ihrem Hund und zwei weiteren Begleitern unterwegs ist, die allerdings waghalsig auf der anderen Seite der Schlucht auf über dem Abgrund schwebenden Baumstämmen herumbalancieren. Wahrscheinlich widmeten sie ihre Wanderung durch die Kaskadenschlucht gerade zu einem aufregenden Abenteuerurlaub um. Mich gruselt’s beim Anblick der hoch oben turnenden jungen Männer, die auf der Suche nach Zunderschwamm sind, wie ich höre. Ich habe mich für heute genug gegruselt und gehe lieber weiter.
Am Ende der Schlucht finde ich doch tatsächlich, gemütlich auf einer Bank sitzend, auch meinen Herrn Silberdistel wieder. Er sieht gut erholt und gut gerüstet für den Rückweg aus. Mir bleibt keine Pause, denn Herr Silberdistel hat ja nur auf mich gewartet, um wieder in die Startlöcher zu steigen. So mache ich kehrt und „freue“ mich auf den schweißtreibenden Anstieg, denn was wir bisher bergab gelaufen sind, das müssen wir jetzt wieder hinauf. Zum Glück habe ich all meine Bilder im Kasten, sodass ich meinem Herrn Silberdistel jetzt getreulich auf den Fersen bleibe und am Ende ganz stolz auf meine gute Kondition bin.

Den Bauernhof kennen wir noch von einer Wanderung aus dem letzten Jahr

Den Bauernhof kennen wir noch von einer Wanderung aus dem letzten Jahr

Auf halber Höhe halten wir uns schließlich links von der Kaskadenschlucht, wollten wir doch eine kleine Rundwanderung machen und nicht auf dem selben Weg zurücklaufen. Wir kommen unterhalb eines Bauergehöftes raus, auf dem wir im letzten Jahr zwei Kätzchen beobachtet hatten oder besser wohl – sie uns. Eines hockte damals ganz nah vor mir im Gras. Es war so gut getarnt, ich hatte es zunächst ganz übersehen und war fast ein wenig erschrocken, als ich es dann doch noch entdeckte. Jetzt aber ist weit und breit kein Kätzchen zu sehen. Übrigens ist der Bauer fleißig dabei, das Heu auf seiner gemähten Wiese zu wenden. Irgendwie schade, dass die Wiesen jetzt hier so nach und nach gemäht werden. Die Flächen mit den vielen bunten Blumen sind einfach zu hübsch, im Grunde echt zu schade für die Sense.

Ein bisschen Wiese hatte der Bauer beim Mähen noch als Futter für meine Kamera übriggelassen

Ein bisschen Wiese hatte der Bauer beim Mähen noch als Futter für meine Kamera übriggelassen

Aber des Bauern Vieh braucht auch im Winter Futter und das wächst nun mal im Sommer auf den bunten Blumenwiesen. Meine Kamera nimmt schnell noch einen ordentlichen Schwung Bilder von den Wiesenblumen mit, denn die gesamte Wiese hat der Landwirt mit seinen Mäharbeiten, welch Glück für mich,  noch nicht geschafft.
Wir Silberdistels schauen ihm noch ein Weilchen zu und dann kämpfen wir uns weiter den Weg hoch. Ein ganzes Stück hinter dem Bauernhof treffen wir auf eine Rinderherde. Ich bin begeistert, weil ich wieder einmal traumhaft schöne Kuhaugen fotografieren kann.

Die Bremer Stadtmusikanten oder Irrungen und Wirrungen im Tierreich?

Die Bremer Stadtmusikanten oder Irrungen und Wirrungen im Tierreich?

Ich knipste hier und schaue da einer Kuh tief in die Augen und dann … stehe ich plötzlich ein bisschen neben mir. Sehe ich denn wegen der dauernden Knipserei jetzt schon Gespenster? Wobei … mit Gespenstern habe ich es ja, wenn man so an die ganzen Moor- und Waldgeister denkt, die mir jeweils vor die Kamera springen. Aber vielleicht war ich jetzt von der Wanderung doch ein wenig zu erschöpft und bin auf einer dieser traumhaften Wiesen vor lauter Müdigkeit eingeschlafen und jetzt träumte ich von den Bremer Stadtmusikanten. Ich stehe da, ob im Traum oder in der Wirklichkeit, das ist ein wenig ungewiss, und grübele: Wenn ich jetzt ein Foto von dieser Hohen Kunst der Kuhgymnastik vor mir mache und ich habe das am Ende nur geträumt, dann dürfte es doch nach dem Aufwachen nicht auf dem Kamerachip sein, richtig? Also knipse ich jetzt die zwei rotbunten Damen hier vor mir bei … äh … bei ihren verdammt sportlichen Übungen. Mal schauen, was der Kamerachip später nach meinem Erwachen sagt.
Wie sich dann am Abend, als ich an meinem PCli sitze und die mitgebrachten Fotos betrachte, herausstellt, träumte ich entweder noch immer oder aber ich hatte mit eigenen Augen gesehen, dass es auch unter den Tieren mitunter Irrungen und Wirrungen gibt. Mir fällt da eben noch ein, dass ich vielleicht auch nur eine etwas delikate Fantasie habe. Es könnte natürlich auch sein, dass es sich in diesem Falle um einfaches Bockspringen gehandelt hat, nur muss die hängengebliebene Dame an ihrer Sprungtechnik noch etwas feilen, damit sie elegant über die den Sprungbock darstellende Kollegin hinwegkommt.

„Was war denn das eben?“, denkt Kuh Nummer 1 ziemlich verwirrt … „Bloß weg hier …“

Tja, auf Wanderungen kann man unendlich viel erleben und man lernt nie aus und mitunter bekommt man sogar in das geheime Leben der Rinder ungeahnte Einblicke.

Märchenhaftes noch einmal am Abend

Märchenhaftes noch einmal am Abend

Das sportliche Ereignis auf der Kuhkoppel konnte an dem Tag durch nichts mehr getoppt werden, auch wenn meine Kamera noch anderes Interessantes eingesammelt hatte. Naja, die Wolken am Abend, die konnten mit der Kuh-Attraktion vielleicht doch ein wenig konkurrieren, wenn auch auf ganz andere Art und Weise.

Aber am besten ist es, Ihr schaut selbst, was wir bei unserer Wanderung durch die Kaskadenschlucht und das Rote Moor noch alles entdeckt haben. Schönheit liegt ja doch immer im Auge des Betrachters.

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Unsere nächste Urlaubsreise steht schon bald wieder bevor und ich bin noch nicht einmal mit dem Bericht über unseren Frühjahrsurlaub in der Rhön fertig. Es ist also an der Zeit, noch einmal gedanklich zurück in diese so schöne Gegend zu reisen. Als wir dort waren, war es Ende Mai/Anfang Juni. Es war fast die ganze Zeit über relativ kühl, was unserer Wanderfreude aber keinen Abbruch tat. Zwischendurch erlegte uns das Wetter einen ganzen Tag Zwangspause auf, aber auch die haben wir gut genutzt und zwar für einen Besuch bei der Vermieterin unserer vorherigen Ferienwohnung, in der wir uns in den langen Jahren, in denen wir dort viele, viele schöne Urlaube verbringen durften, immer wie in einem zweiten Zuhause gefühlt haben. So war ein Besuch dort natürlich ohnehin geplant und wir wurden freudig und begeistert empfangen, hatten wir uns doch ein ganzes Jahr lang nicht gesehen. Es gab also viel zu erzählen, sodass auch dieser Regentag zu einem schönen Urlaubstag für uns wurde.
Am darauffolgenden Tag sah das Wetter schon wieder besser und durchaus nach Wanderwetter aus. Zwar gab es auch da zwischendurch ein paar Regentropfen, aber die waren durchaus zu verschmerzen. Wir haben im Laufe unseres Wandererdaseins schon Schlimmeres erlebt. Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön – 950 m über dem Meeresspiegel, gehört während eines Rhönurlaubs eigentlich immer zu unserem festen Wanderprogramm. Wer hier im Bücherstaub fleißig mitliest, der erinnert sich vielleicht noch an unseren abenteuerlichen Tag auf der Wasserkuppe im letzten Jahr. Wir Silberdistels hatten uns einen Rhönrundflug mit einem kleinen Sportflugzeug gegönnt. Auch in diesem Jahr wollten wir wieder hoch auf den Berg der Flieger, allerdings dieses Mal ohne das Abenteuer Rundflug. Wir machten uns, nachdem wir noch ein paar morgendliche Regentropfen abgewartet hatten, gegen Mittag auf den Weg.

Natürlich darf ein Blick auf den Moorsee, der an diesem Tag nahezu himmlisch blau aussieht, nicht fehlen

Natürlich darf ein Blick auf den Moorsee, der an diesem Tag nahezu himmlisch blau aussieht, nicht fehlen

Um kurz nach 12 Uhr standen wir mit unserem Auto auf dem Moordorfparkplatz. Wir hatten uns vorgenommen, den Weg über das Rote Moor und die Fuldaquelle zu nehmen – ein relativ leichter Wanderweg, …

Das Rote Moor bezaubert nicht nur durch seine vielen Moorbirken, es hat auch sonst viel Uriges zu bieten

Das Rote Moor bezaubert nicht nur durch seine vielen Moorbirken, es hat auch sonst viel Uriges zu bieten

… der zugleich mit einer interessanten, abwechslungsreichen und urigen Moorvegetation bezaubert.

Die Fuldaquelle scheint auch als Trinkwasserversorger zu dienen – hier wird gerade fleißig geschöpft

Ein bisschen schweißtreibend wird es eigentlich erst zum Schluss, kurz unterhalb der Fuldaquelle bis hoch zur Wasserkuppe. An der Stelle, wo die Fulda entspringt, hat man schon die Hälfte des Anstiegs hinter sich gebracht. Noch ein paar Schweißperlen und es ist vollbracht. Aber ein bisschen soll der Kreislauf schließlich beim Wandern auch zu tun haben.

Unterwegs laufen mir wieder viele Motive vor die Kamera bzw. ich krieche den Motiven hinterher

Unterwegs laufen mir wieder viele Motive vor die Kamera bzw. ich krieche den Motiven hinterher

Natürlich gab es wieder viele Fotostopps, trotzdem waren wir etwa zwei Stunden später am Ziel. Eine Bratwurst ist dort oben für uns eigentlich immer ein Muss.

Die Wasserkuppe ist bei schönem Wetter auch ein beliebtes Ziel für viele Biker

Die Wasserkuppe ist bei schönem Wetter auch ein beliebtes Ziel für viele Biker

Wir saßen für unseren kleinen Imbiss mit zwei Bikern und einer Bikerin am Tisch und lauschten nebenher dem Bikerlatein des Jüngeren der drei. In jungen Jahren waren auch wir Silberdistels viel mit dem Motorrad unterwegs, sodass wir motorradmäßig doch nicht so ganz unbeleckt sind. Still lächelten wir bei so manchem Satz des jungen Motorradfahrers vor uns hin. Wie wir merkten, ging es den beiden anderen Bikern ähnlich wie uns. Aber sie ließen dem jungen Burschen seinen Spaß und bewunderten ihn gebührend. Letztendlich war unsere Bratwurst vertilgt, wir verabschiedeten uns mit “Tschüss“ und “Gute Fahrt“ und zogen los in Richtung Bauernladen, der in einem der alten Kasernengebäude untergebracht ist, die noch an die militärische Vergangenheit der Wasserkuppe erinnern. Im dem kleinen Lädchen kauften wir ein wenig Wurst aus der Region und ich wieder einmal ein Buch, als wenn ich nicht bereits genug Bücher hätte  – ein Kochbuch aus der Thüringischen Rhön – sehr nett gemacht. Außer Rezepten enthält es noch einige interessante historische Details und schöne Fotos aus der Gegend, sowohl aus der Natur als auch von verschiedenen interessanten Orten. Schon fast im Gehen entdeckte ich noch ein paar nette Kleinigkeiten, hübsch als Geschenkpackung zurechtgemacht. Das könnte für einen meiner Lieben etwas zum Geburtstag sein. Ein paar Karten mit Rhönschafen wanderten auch noch in meinen Rucksack. Damit würde ich per Post die Daheimgebliebenen beglücken.

Für die kleinen Rhönschaffreunde gibt es auf der Wasserkuppe in einer Ausstellung zum Thema

Für die kleinen Rhönschaffreunde gibt es auf der Wasserkuppe in einer Ausstellung zum Thema „Biosphärenreservat Rhön“ eine kleine Überraschung – ein Schaukelschaf

Schafe und Rhön gehören natürlich zusammen wie Topf und Deckel. In den Vorräumen zum Bauernladen kann man verschiedene Ausstellungen zum Thema „Biosphärenreservat Rhön“ anschauen. Neuerdings gibt es dort als Highlight für die kleinen Ausstellungsbesucher ein hübsches wolliges Schaukelschaf. Damit sich das Schäfchen nicht auf und davon macht, ist es sorgsam an die Kette gelegt worden 😉 Verständlich, ich hatte mich auch sofort in das kleine Wuschelschäfchen verliebt.

An diesem Tag wechselte der Himmel immer wieder zwischen wolkenverhangen und herrlichem Blau

An diesem Tag wechselte der Himmel immer wieder zwischen recht wolkenverhangenen Phasen und herrlichem Blau

Dann ging es wieder auf den Rückweg. In der Ferne sah es jetzt fast so aus, als wollte uns ein Regengebiet überraschen. Doch wir hatten Glück, je weiter wir in Richtung Rotes Moor kamen, umso freundlicher wurde der Himmel. Hinter uns war es mitunter recht dunkel und vor uns hell. So wurde die Landschaft oft in ein seltsames Licht getaucht. Ob die Fotos das so wiedergeben würden? Je näher wir dem Roten Moor kamen, umso mehr meldeten meine Füße, dass sie für den Tag eigentlich genug gelaufen sind, aber ein ganzes Stück mussten sie dennoch durchhalten. Dann endlich war der Moordorfparkplatz wieder erreicht. Dort wird in diesem Jahr fleißig gebaut, sodass wir nicht einmal den Versuch unternahmen, zu schauen, ob es vielleicht doch Kaffee und Kuchen gibt. Wir würden einfach dem Bäcker in unserem Urlaubsort noch einen Besuch abstatten.

Dann endlich ist Balkonzeit und Erholungspause für die Füße

Dann endlich ist Balkonzeit und Erholungspause für die Füße

Dann endlich ist Balkon-Time angesagt, Kaffee, Kuchen und später schreibe ich noch meine Karten und bringe sie zum Briefkasten, der dank der neuen Ferienwohnung nun fast vor der Haustür ist.

Wir sitzen noch lange draußen und genießen den schönen Abend

Nach unserem Wandertag sitzen wir noch lange draußen und genießen den schönen Abend

Wir sitzen an diesem Abend noch lange draußen, genießen unseren Urlaub und die angenehme Luft bei einem Gläschen Bier. Sollte es doch noch sommerlich warm werden? Der Himmel scheint da einiges zu versprechen.

Was ich auf unserer Wanderung an diesem Tag über das Rote Moor bis hin zur Wasserkuppe und zurück sonst noch alles entdeckt habe, das kann sich, wer mag, noch in der nachfolgenden Bilderschau ansehen.

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Als ich hier das letzte Mal von unserem diesjährigen Frühjahrsurlaub in der Rhön erzählt habe, habt Ihr mich an der Stelle verlassen, als ich mich nach einem langen Spaziergang durch die schöne Natur rund um den kleinen Ort Hilders …

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… auf dem Balkon unserer Ferienwohnung niedergelassen hatte. Ich hatte erwähnt, dass es nach meiner Fototour dann doch noch ein wenig Aufregung gab. So will ich Euch jetzt nicht mehr länger auf die Folter spannen und darüber berichten. Ich saß also auf dem Balkon, vor mir stand ein Teller mit einem leckeren Stück Himbeerkuchen und außerdem wartete noch ein wunderhübscher süßer Amerikaner darauf, von mir vernascht zu werden. Dass ich nach der langen Fototour auch einen stärkenden Kaffee brauchte, versteht sich sicher von selbst. Freude pur also. Ein bisschen k. o., aber zufrieden und glücklich mit mir und der Welt, machte ich mich über diese wundervollen Genüsse her und ließ nebenher meine Blicke über das hübsche Umfeld unserer Ferienwohnung schweifen. Recht betagte Gebäude, denen man ihr enormes Alter durchaus ansehen konnte und wieder hübsch hergerichtete Häuschen, die eher jugendlich frisch und neu aussahen, wohl aber auch schon etliche Jahre auf dem Buckel hatten, bildeten eine schöne Einheit. Hier konnte man sich wirklich wohlfühlen. Hübsch sah es aus. Ich war zufrieden – nicht nur mit der Ferienwohnung an sich, auch mit all ihrem Drumherum.

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Hat dieses alte Gebäude nicht einen ungeheuren Charme?

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Und dieses nette Häuschen hier ist doch auch etwas zum Verlieben, oder? Strahlt es nicht Ruhe und Gemütlichkeit aus?

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Schräg gegenüber ist eine Schreiner-Werkstatt. Aber da Samstag ist, herrscht dort drüben absolute Stille. Auch die Werkstattgebäude passen wunderbar hierher und ich darf verraten, auch in der Woche gab es von dort keinen unangenehmen Lärm. So schaue ich mir alles an, freue mich auf den vor uns liegenden Urlaub und verplane im Kopf schon mal die nächsten Tage.

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Während ich mit Wanderplanung beschäftigt bin, bleibt mein Blick plötzlich an einer Bewegung in einem der Fenster des gegenüberliegenden Werkstattgebäudes hängen. Es scheint mir so, als würde dort innen am Fenster ein Vogel flattern. Ob der Schreiner in einer Dachkammer irgendwelche Vögel hält – Wellensittiche vielleicht? Der kleine Federball scheint auch ab und zu direkt gegen die Fensterscheibe zu fliegen, was ich dann doch etwas ungewöhnlich finde. Vögel, die in Gefangenschaft gehalten werden, tun das eher selten, denn sie sind es gewöhnt, in einem Raum oder Käfig gehalten zu werden. Sicher würden sie interessiert aus dem Fenster schauen, aber nicht panisch gegen eine Scheibe fliegen, so wie es hier der Fall zu sein scheint.

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Mir lässt es keine Ruhe. Ich möchte nun doch genauer wissen, was das für ein Vogel ist, der sich dort drüben so merkwürdig verhält. Ich gehe zurück in die Wohnung und suche mein kleines Fernglas heraus. Wenig später stehe ich wieder auf dem Balkon und schaue rüber zum Fenster mit dem vermeintlichen Wellensittich.

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Was ich da entdecke, das ist dann doch kein Wellensittich und auch kein anderer sogenannter Stubenvogel. Ich erkenne eine Bachstelze, die sich offensichtlich irgendwie in das Gebäude hineinverirrt haben muss.

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Was tun? Es ist Samstag und der Schreiner erholt sich natürlich von seiner anstrengenden Wochenarbeit. Bis zum Montag ist die Bachstelze unter Umständen schon vor lauter Stress verendet. Wer weiß, ob sie in dem Gebäude überhaupt lebensnotwendiges Futter findet? Ich beschließe, unseren Vermieter auf den Vogel aufmerksam zu machen und frage, ob er wisse, wie man jemanden aus der Werkstatt erreichen könnte. Er verspricht, sich darum zu kümmern.

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Beruhigt setze ich mich wieder hin und widme mich erneut meinem, inzwischen kalten, Kaffee und dem noch immer auf mich wartenden Amerikaner. Immer wieder schaue ich hinüber zu der kleinen Bachstelze, die sicher nicht versteht, warum sie hinaus in die Freiheit schauen kann, aber trotzdem nicht dorthin kommt, wo all die anderen Vogelbrüder und -schwestern umherflattern.

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Die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als wären bereits Stunden vergangen seit dem Zeitpunkt, als ich meinen Hilferuf für die Bachstelze losgeworden bin. Ich überlege bereits, ob ich noch einmal an die Bachstelzenrettung erinnern sollte. Dann endlich fährt ein Auto vor, geschäftiges Treiben beginnt, die Werkstatttore werden geöffnet und wieder geschlossen. Wie ich höre, ist das Fenster, gegen das der Vogel bis eben noch fleißig flatterte, gar nicht zu öffnen. Aber dort ist er plötzlich auch gar nicht mehr zu sehen. Er taucht nun in dem angebauten Gebäudeteil am Fenster auf.

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Es dauert auch nicht lange und das Fenster wird geöffnet. Aber sonst passiert nichts weiter. Kein Vogel flattert in die Freiheit. Er ist plötzlich nicht mehr aufzufinden, wie ich höre. Offensichtlich ist er irgendwo in den Tiefen der aneinandergebauten Gebäude verschwunden. Scheinbar sind alle Räume so miteinander verbunden, dass der Vogel durch den gesamten Komplex fliegen kann.

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Auch dieses Haus hier oben ist Teil der Schreinerei und steht im rechten Winkel zu dem Teil, in dem sich die Bachstelze befand, als ich sie entdeckte. Lange tut sich nichts, der Vogel scheint verschwunden zu sein. Während ich die Szenerie gespannt verfolge und hoffe, dass die kleine Bachstelze erkennt, dass ihr keine Gefahr droht und ihr nur geholfen werden soll, wird auch hier in dem schicken weißen Gebäudeteil ein Fenster geöffnet. Ich sehe und höre, dass Bretter und anderes Inventar in der Nähe des linken Fensters hin- und hergeräumt werden und dann plötzlich saust etwas aus dem Fenster und gibt einen lauten verzückten Aufschrei von sich. Im Gebäude gegenüber ruft eine Frauenstimme: „Er ist rauhaus! Der Vogel ist raus!“ In mehreren Wellenlinien flattert die Bachstelze über mich hinweg und mir ist, als hätte sie mit ihrem zwitschernden Aufschrei ein Dankeschön gerufen. Am liebsten hätte ich Beifall geklatscht.

14-Bachstelze

Aber ich gebe mich mit einem Lächeln zufrieden und freue mich über die wiedergewonnene Freiheit der Bachstelze. Fast ein wenig erschöpft von all der Aufregung sinke ich in meinen Liegestuhl. Ich freue mich, dass mein Hilferuf ernst genommen wurde und es Menschen gibt, denen so ein kleines Vogelleben genauso am Herzen liegt wie mir. Dankeschön, dass Ihr einen Teil Eures freien Samstags für eine kleine Bachstelze geopfert habt. Ich glaube, das ist nicht immer und überall selbstverständlich.

Als mein Herr Silberdistel, der an diesem Tag ja fernab der Rhön zu tun hatte,  später wieder bei mir ist und sich das Stückchen Himbeerkuchen, das ich für ihn aufgehoben habe, schmecken lässt, habe ich ihm von einem aufregenden Abenteuer zu berichten, einem Abenteuer, das nicht nur für ein kleines Vögelchen aufregend war … Noch lange sitzen wir an diesem Abend auf dem Balkon unserer Ferienwohnung und freuen uns auf die noch vor uns liegenden Urlaubstage. Die herrliche Abendstimmung mit dem sich von Minute zu Minute ändernden Licht ist für mich ein wundervoller Abschluss für einen wundervollen Tag.

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