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Es war Ende Februar, als mich Keks das erste Mal nervte und fragte, wann ich mich endlich um das neue Teichlein kümmern würde, schließlich wäre das der wichtigste Outdoor-Trinknapf für ihn und seine zwei pelzigen Mitbewohnerinnen. Doch das Teichlein wäre im Moment eher eine Stöckchensammelstelle als ein durstlöschender Wassernapf.

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„Silberdistel, hast Du schon mal ins neue Teichlein geschaut?“
„Nein, Keks. Warum sollte ich? Da gibt es doch um diese Jahreszeit gar nichts Interessantes zu sehen?“

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„Komm mal mit, Silberdistel!“

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„Guck mal, was alles im Teichlein herumliegt – …

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… ein Stöckchen vom ehemaligen Elsternnest aus unserem Wacholder. Und davon ist nicht nur dieses eine in den Teich gefallen. Es haben sich in ihm gleich mehrere davon zusammengerottet.“

„Ja und, Keks? Lass die Stöckchen doch liegen. Irgendwann werde ich sie schon rausräumen. Jetzt aber stören sie doch niemanden. Ihr könnt doch trotzdem aus dem Teichlein trinken. Da hat das Wasser sogar ein bisschen leckeres Vogelaroma. Im Moment ist es mir noch viel zu kalt für solche wasserlastigen Gartenarbeiten.“

„Silberdistel, das Teichlein ist doch aber unsere Trinkstelle. Wir wollen eine reine Trinkstelle – eine ohne den Müll von Familie Elster.“

„Keks, Ihr habt doch überall im Haus Trinkstellen, und als das Teichlein zugefroren war, konntet Ihr doch auch nicht aus ihm trinken. Ich kümmere mich, wenn es wärmer ist, um die Stöckchensammlung, okay?“

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Dann war es Mitte März und Keks drängte mich erneut, Hand an das Teichlein zu legen: „Silberdistel, wann kümmerst Du Dich endlich um unsere Wasserstelle? Inzwischen liegen auch noch Blätter im Teich und man kann gar nicht mehr genussvoll trinken.“

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„Hm, naja Keks, es stimmt schon, ich sehe jetzt auch, dass das Teichlein momentan wohl mehr eine Stöckchen- und Altblättersammelstelle als ein Trinknapf für Katzen ist.“

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„Guck, Silberdistel, wenn man trinken will, geht es jetzt nur noch so: Blätter angeln und ablecken. Probier‘ mal selber, Silberdistel! Du wirst merken, dass das ganz schön mühsam ist.“

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„Warte, Silberdistel, ich hole Dir ein Blatt. Dann kannst Du gleich mal selbst lecken.“

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„Guck, so musst Du lecken, Silberdistel.“

„Äh … ja, Keks, ich glaube Dir auch so. Ich muss das nicht extra selbst probieren. Du hast das sehr anschaulich vorgeführt und mich davon überzeugt, dass wir etwas tun müssen, damit Eure Trinkstelle wieder eine Trinkstelle wird. Hilfst Du mir dabei, Keks? Du hast doch inzwischen schon mächtig Übung im Rausangeln der Blätter und Stöckchen.“

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„Silberdistel … ich … ähhh … Moment mal …“

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„Hehh Keks!!! Ich dachte, Du hilfst mir beim Säubern des Teichleins.“

„Psssst, Silberdistel, sei leise!“

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„Warum soll ich leise sein, Keks? Was siehst Du denn gerade?“

„Psssst, da raschelt es, Silberdistel. Ich hab‘ jetzt keine Zeit für Gartenarbeit. Fang Du schon mal an!“

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„Ohne Dich soll ich anfangen, Keks? Nein, ich will auch sehen, was hier raschelt. Aber ich sehe nur Krokusse und die rascheln nicht.“

„Pssst, Silberdistel, leg‘ Dich neben mich und guck‘ und lausche aufmerksam wie eine Katze.“

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„Aber ich höre nichts rascheln, Keks, es summt. „

„Es hat aber erst geraschelt , Silberdistel, im Krokus. Nun, nun summt es vor Schreck, weil Du so laut warst.“

„Ach, Keks, und ich dachte, Du bist eher ein Schreckgespenst für ein Bienchen als ich. Kümmern wir uns nun ums Teichlein?“

„Später Silberdistel, ich muss weiter lauschen. Frag doch Torty, ob sie Dir hilft.“

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„Heh, Torty! Hilfst Du mir dabei, die Stöckchen und Blätter aus dem Teich zu angeln, damit Eure Trinkstelle wieder bestes Trinkwasser liefert? Keks hat gerade keine Zeit dafür.“

„Ruhe, Silberdistel! Stör mich nicht! Ich hab‘ anderes zu tun!“

„Zu tun? Was tust Du denn, Torty? Du sitzt doch da nur rum.“

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„Ich befasse mich mit Vogelkunde und dabei möchte ich nicht gestört werden, Silberdistel.“

„Aha! Vogelkunde nennst Du das. Ich dachte schon, es wäre eine Ansitzjagd auf den Amselmann dort auf der Blumenschale.“

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„Hihi, wie er dort herumtanzt, Torty. Ich glaube, der will Dich provozieren, springt wie ein Clown zwischen den Blumenschalen hin und her.“

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„Guck doch, wie er grinst, Torty.“

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„Nein, Silberdistel, der will nur dem Star dort oben im Apfelbaum beweisen, dass er, der Amselmann, hier im Garten der eigentliche Star ist.“

„Ach, ein Star ist auch noch da? Tatsächlich! Du bist ja wirklich eine Vogelkundlerin, Torty.“

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Tja, so waren sie alle beschäftigt, unsere Pelzträger, und keiner hatte Zeit, mir beim Saubermachen des Teichleins zu helfen. Selbst unsere graue Eminenz schaute mich ganz lustlos an, als ich um ihre Mitarbeit bat.

Allein hatte ich dann auch keine Lust mehr. Ich fand die Bienen und Vögel natürlich auch viel spannender, als im Teichlein nach Blättern und Stöckchen zu angeln. Und so habe ich die Arbeit schnell auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

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Inzwischen ist es nun gleich Ostern. Da wird es Zeit für eine Blogpause. Schließlich müssen wir uns, wie Keks es hier oben sehr schön demonstriert, seelisch und moralisch auf Ostern vorbereiten.

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Und vielleicht schaffen wir es doch noch, nicht nur die Ostereier in unserem Garten aufzuhängen, sondern auch noch, aus unserem Teichlein bis zum Osterfest eine ordentliche Outdoor-Trinkstelle zu machen, damit unsere pelzige Herrschaft zum Osterfest klares und reines Osterwasser trinken kann.

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In diesem Sinne wünschen wir Silberdistels Euch allen wunderschöne, sonnige und erholsame Ostertage mit Euren Lieben und viel Spaß beim Suchen der vielen Ostereier!

… und wir Silberdistels sind doch tatsächlich derweil auch im Advent angekommen.

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Kekse habe ich zwar noch nicht gebacken, aber gemütliche Nachmittage bei Kaffee und Kerzenschein gehörten dennoch in unsere Adventswoche und irgendwie gehörte trotz null Backaktivität auch immer ein Keks dazu. Was wäre ein Advent ohne Keks? Wohl dem also, der immer einen Keks im Hause hat – auch ohne aufwendige Backkunst.
Mein Keks ist allerdings von etwas anderer Natur als der gewöhnliche Weihnachtskeks, mein Keks ist etwas pelzig wie guter Rotwein auf der Zunge, andererseits auch recht fusselig und daher würde ich eher davon abraten, diesen Keks wie Rotwein zu behandeln und gar zu verkosten. Unter Umständen könnte das Pelzige schnell in Kratziges umschlagen und wer will das schon?
Mein Keks leistet mir übrigens überall Gesellschaft. So auch, als ich mich jetzt in der Woche mit den restlichen Gartenarbeiten beschäftigte, von denen mich das bis dahin vorwiegend unangenehme nasse und nebelgraue Wetter abgehalten hatte. Plötzlich und unerwartet gab es nun noch einmal eine Schönwettergelegenheit, um endlich die restlichen Gartenarbeiten abschließen zu können.
Mein kleines Moorbeet schrie förmlich nach Winterfestmachung. Die pflanzlichen Fleischfresser waren zum Glück schon vor unserer kleinen Schneekatastrophe hier in meinem Teil des Nordens in den Wintergarten umgezogen, denn nicht alle sind frosthart und es hätte mir in der Seele wehgetan, wenn sie Schaden genommen hätten.

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Und genau bei dieser Winterfestmachung warf sich mir besagter Keks förmlich vor die Füße – pelzig, im dezenten grauen Tigerlook.
Er bot sich mir als Gartenhelfer an und er hatte auch gleich eine durchreißende Idee, als ich davon sprach, das Wasser aus dem Pflanzenfresserbottich schöpfen zu wollen, damit es nicht bei Frost zu Eis gefriert und evtl. dadurch am Ende den Bottich zerstört. Der geniale Keks meinte, er würde das Wasser ganz einfach austrinken und schon wäre mir und dem Moorbottich geholfen.

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So trank er und trank und trank, aber dann stürzte er plötzlich eilig davon und begann kurz darauf, im Freiluftkatzenklo zu scharren.
Er wollte es zwar später nicht zugeben, aber ich denke, er hatte sich mit seinem kühnen Vorhaben dieser Art von Bottichentleerung wohl doch ein wenig übernommen, denn dass aus ihm das viele Wasser auch wieder raus musste, das hatte er wohl nicht bedacht.
Da mein Keks nun erst einmal anderweitig beschäftigt war, musste ich die weiteren Arbeiten am Moorbottich allein ausführen. Ich vermutete, dass mir das mit dem Austrinken des Bottichs wohl auch nicht ganz problemlos gelingen würde und so schöpfte ich das Wasser schließlich lieber mit einem Topf per Hand aus.

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Die beiden vierbeinigen Damen beschäftigten sich, während sich der pelzige Keks im Freiluftkatzenklo amüsierte und ich schwer schöpfend bis zur Erschöpfung arbeitete, mit einer anderen Art von Gartenarbeit. Sie befassten sich schon mal mit der Vogelzählung – gewissenmaßen als Vorübung für die nächste „Stunde der Wintervögel“.

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Über diese Blaumeise gab es allerdings Meinungsverschiedenheiten unter den pelzigen Damen und zwar darüber, wer sie in seiner Zählliste erfassen dürfe.

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Unsere Torty behauptete, die Blaumeise dort an der Hängetasse zuerst entdeckt zu haben. Unsere graue Eminenz war da ganz anderer Ansicht, denn sie hätte die Meise bereits viel früher gesehen. Sie hätte die Blaumeise bereits entdeckt, als diese noch im Roten Hartriegel saß und sich einbildete, sie wäre dort für Katzenaugen unsichtbar.

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Torty müsse sich also für ihre Vogelzählung eine neue Meise suchen.
Wie der Streit ausging, ist mir leider irgendwie entgangen, denn ich ärgerte mich derweil mit meinem Moorbottich herum, den ich nach dem Ausschöpfen mit einer Folie gegen Regen und Schnee abzudecken gedachte.
Als ich nach Herrn Silberdistel rief und um Hilfe beim Festbinden der Abdeckung bat, tauchte der zwischenzeitlich verschollen gewesene Keks plötzlich wieder auf und ging mir mit seiner erneuten Hilfsbereitschaft auf selbigen.

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Er setzte sich nämlich kurzentschlossen mitten auf die Folie und erklärte mit, wir könnten das allein, wir bräuchten den Herrn Silberdistel nicht. Wenig überzeugt von dieser Variante, machte ich mich an die Arbeit. Wenn doch Keks nur hätte stillsitzen können. Aber das gelang ihm irgendwie nicht. Wahrscheinlich drückten die im Bottich verbliebenen Steine zu schmerzhaft auf seinen zarten Katerpopo. Nebenher pfötelte er mir auch noch ständig zwischen den Fingern und am Bindfaden herum, weil er angeblich besser wusste als ich, wie man einen Bindfaden bändigt.
Schließlich musste ich doch Herrn Silberdistel um seine freundliche Mithilfe ersuchen. Keks zog da allerdings beleidigt davon. Er jedenfalls hätte alles im Griff gehabt, nur ich wäre zu ungeschickt gewesen. Aber wenn ich seine Hilfe nicht wollte …
Nun ja, dass mein keksiger Helfer alles im Griff gehabt hatte, das muss ich schon zugeben, aber … aber … Naja, lassen wir das lieber.

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Irgendwann jedenfalls war der Bottich endlich verpackt und damit Keks bei seinen nächsten Sitzversuchen darauf nicht wieder blaue Flecken am pelzigen Hinterteil  bekommt,  wurde er noch mit einer Drahtgeflechtabdeckung versehen – also der Bottich, nicht der Keks. Torty, hier gerade als pelzige Gutachterin tätig, fand unser Gesamtkunstwerk sehr gelungen.

Ach und neben der Arbeit am Moorbottich habe ich es sogar noch geschafft, den Garten vom größten Teil des Laubes zu befreien. Das war eine Arbeit, die erneut das Interesse des keksigen Gartenhelfers weckte, und so war er schnell wieder zur Hilfe bereit. Und während ich harkte und mein Helfer die Blätter, die sich heimlich davonmachen wollten, geschickt wieder einfing, legten wir unseren Bindfadenstreit ganz unauffällig bei.
Sogar unseren Geräteschuppen haben wir noch in schöner Eintracht aufgeräumt. Obwohl wir auch hier mitunter etwas unterschiedliche Ordnungsvorstellungen hatten. Aber man darf nicht immer alles so verbissen sehen. Schließlich ist gleich Weihnachten – das Fest von Friede, Freude, Keks und Gänsebraten. So durfte dann auch Keks ab und zu gern wieder etwas nach unten werfen stellen, dem ich gerade oben einen Platz zugeteilt hatte. Und so haben wir schließlich alles geschafft – irgendwie. Weihnachten darf also kommen.

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In diesem Sinne wünschen wir zwei- und vierbeinigen Silberdistels Euch allen einen schönen und besinnlichen 2. Advent und passt beim Verzehr der Kekse auf – nicht die falschen in den Mund nehmen 😉

„Wo waren wir doch gestern stehengeblieben? Ach ja, ich wollte die Katze fragen, was die Silberdistel gesagt hat …“

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„Da kommt sie gerade – die Katze, nicht die Silberdistel.“

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„Hallo Katze! Sag mal ….“

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„Uuups? Stupst mich an und lässt mich hier, ohne ein Wort von sich zu geben, einfach sitzen. Typisch Frau!“

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„Endlich kann ich wieder Gartenluft schnuppern. Das hat mir ja sooo gefehlt.“

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„Ach Ihr, hallo! Typisch, kaum sind die Distels wieder hier, taucht auch Ihr gleich wieder auf! Wenigstens Ihr hättet uns während des Urlaubs der Silberdistels ein wenig unterhalten können *schmoll* Aber ich habe dem treulosen Personal tüchtig die Meinung gegeigt. Lassen sie uns doch zweimal ganz kurz hintereinander einfach allein. Gemeiner geht ja schon gar nicht mehr. Ich habe sie, kaum dass die Distels zur Tür rein waren, ganz entsetzlich beschimpft. Sie kamen überhaupt nicht zu Worte und starrten mich nur ganz entsetzt an. Jaja, das hatten sie wohl so nicht erwartet, dachten, wir jubeln und tirilieren, weil sie endlich wieder zuhause sind.  Im Grunde können sie froh sein, dass wir sie noch einmal zurückgenommen haben. So viel und so verärgert sprechend wie bei meiner Begrüßungsrede haben sie mich wohl in ihrem ganzen Leben noch nicht erlebt, obwohl ich ja durchaus eine sehr gesprächige Katze bin und mich auch gern mit der Silberdistel über Gott und die Welt austausche. Aber das jetzt – Urlaub auf Urlaub – das war zu viel. Darüber musste ein ernsthaftes und deutliches Wort gesprochen werden. Es war aller höchste Zeit dafür. Sonst nimmt diese Urlauberei am Ende noch überhand. „

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„Was, das wolltet Ihr alles gar nicht wissen, nur, wann es hier endlich wieder, wie gewohnt, weitergeht? Auch das noch! Ich dachte, wenigstens bei Euch könnte ich meinen Kummer einmal loswerden. Ich möchte bedauert und getröstet werden. Was? Das macht doch die Distel? Naja, okay, wir haben uns nach meinen strengen Worten noch einmal wieder vertragen. Aber weitergehen kann das so nicht, da habe ich drauf bestanden. Na gut, Schwamm drüber. Was wolltet Ihr noch einmal wissen? Wann es hier weitergeht …? Wieso fragt Ihr mich das? Fragt doch die Distel! Wie? Die ist noch nicht aufgetaucht?“

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„Nee, also, DAS wisst Ihr nun wirklich falsch. Wär‘ die Silberdistel noch nicht wieder aufgetaucht, dann könnte ich mich doch nicht in aller Öffentlichkeit hier über das verantwortungslose Verhalten meines Personals erregen. Nein, nein, sie sind alle beide wieder da. Auch wenn die Distel den Kopf im Moment vielleicht noch ein wenig unter Wasser voll hat, das hat nichts zu sagen. Gleich, gleich schwimmt sie wieder, wie es sich gehört – Beine unten und Kopf oben …“

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„Da, schaut … jetzt, eben gerade, ist sie aufgetaucht …

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… und putzt ein wenig an sich herum.“

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„So, das wäre ja dann geklärt … ich muss nun wieder an meine Gartenarbeit …“

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„Was? Ach so, ja, die Silberdistel … wann sie nun so richtig wiederkommt … Ich weiß auch nicht so recht. Jedenfalls meinte sie nach einem ersten Rundgang durch Haus und Garten, es gäbe viel zu tun …

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… vor allem zu putzen gäbe es und dabei schaute sie diesen Koffer und daraufhin uns Katzen ganz vorwurfsvoll an, so als hätten wir etwas damit zu tun, dass hier geputzt werden müsse. Wir haben schließlich die ganze Zeit während der Silberdistels Abwesenheit nur geschlafen. … und wie soll man, wenn man schläft, auch noch Schmutz machen können? Also wir Katzen, wir haben mit diesem Putzwahn nun wirklich rein gar nichts zu tun. Wir sind schließlich die reinlichsten Tiere der Welt. Wo wir geschlafen haben? Na, ich auf diesem Koffer. Der war doch für mich gedacht. Wozu sonst? Nur, als die Distels dann in den Urlaub abgerauscht sind, haben sie einfach vergessen, mich mitzunehmen, mich und meinen Koffer.“

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„Aber okay, Ihr wollt das ja sowieso alles nicht wissen. Ich bin ja nicht so, ich geh‘ Euch zum Gefallen dann mal gucken, wo sich das Personal gerade herumtreibt. Solche Putzerei kann ja schließlich nicht ewig dauern.“

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„Da sieht man’s mal wieder … mir hat die Silberdistel was vom Putzen und so erzählt, dabei schaut es hier eher aus, als wollten sich die beiden, die ja nun wirklich genug Ruhe und Erholung hatten, eher den Bauch vollschlagen denn Haus und Hof zu neuem Glanz verhelfen. Sagt man nicht immer: ‚Erst die Arbeit und dann das Vergnügen.‘?“

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„Aber irgendwie ist es komisch, Tisch gedeckt und niemand hier … Heh, Kater, wo ist denn die Silberdistel nur? Hat sie so viel zu tun, dass sie sogar das eigene Futter vergisst?“

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„Was sagst Du, Katze? Die Silberdistel? Die hat gemeint, das Haus wäre ein einziges Wollknäuel aus Katzenhaaren. Sie muss sich da erst einmal durchkämpfen. … und dann hat sie gefragt, warum der Koffer so verfusselt ist?“

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„Der Koffer, Kater? Na, der sollte doch wohl seine eigene Sprache sprechen. Ich dachte bisher immer, die Silberdistel versteht unsere Katzensprache recht gut und nun das! Besser kann man es doch eigentlich gar nicht klarmachen, dass wir das nächste Mal mit den Distels verreisen wollen. Hätten sie uns gleich mitgenommen, müsste jetzt auch niemand Koffer und was weiß ich nicht noch alles putzen.“

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„Katze, ich geh‘ dann jetzt mal der Silberdistel helfen, damit sie mit all der Arbeit schneller fertig wird und endlich frühstücken kann. Außerdem … wer weiß, wie lange WIR sonst noch diese anstrengende Blogarbeit machen müssen. Ich beiße jetzt schnell den Rasen im Garten kurz …

19 … und die Auffahrt, die ist auch zugewuchert, meint die Distel. Wenn wir das endlich alles fertig haben … dann fahren die Silberdistels wieder in Urlaub … Hihiiiii. Nein, das war jetzt ein Scherz … vielmehr hat die Silberdistel dann auch wieder Zeit für andere Dinge. Vor allem nimmt sie uns Katzen dann endlich wieder diese total müde machende Blogarbeit ab … Also geduldet Euch ein wenig. Vorläufig geht es hier erst einmal ganz sang- und klanglos … nein … wie sagt die Distel doch immer? Ah ja, es geht hier mehr zwang- und planlos weiter … bis … bis wir vielleicht irgendwann wieder einen Plan oder ganz einfach wieder mehr Zeit übrig haben …“

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„Hallo Katerchen, sag mal, weißt Du eigentlich, ob unsere Kröte schon wieder hier ist?“

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„Die Kröte? Meinst Du diesen Frosch, der uns immer so ekliges Zeugs auf die Nase sprüht, wenn wir ihn mit einem Nasenstupser begrüßen wollen?“

„Ja, genau, Katerchen. Das ist eine Kröte. Frösche können Dir nichts Ekliges ins Gesicht sprühen, weil sie nicht über solche Giftdrüsen, wie die Kröten sie haben, verfügen … naja, jedenfalls die Frösche, die hier bei uns leben.“

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„Hm, ich geh‘ mal gucken, Silberdistel.“

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„Ich seh‘ nichts, Silberdistel, nur diese herrliche Wasserminze, die so wundervoll duftet. Sie wächst schon wieder.“

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„Ja, Katerchen, dann lass sie bitte auch wachsen, hörst Du? Nicht immer dran nagen, denn dann werden wir wohl nicht lange Freude an ihr haben.“

„Ich schnuppere doch nur dran. Nur einmal, ja? Ganz kurz!“

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„Katerchen, aber wirklich nur einmal und superkurz!“

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„Hm, diese Minze ist fast so schön wie Katzenminze. Dieser herrliche Duft! Ob ich doch ganz kurz einmal probieren sollte?“

„He, Kater! Hast Du nun irgendwo die Kröte gesehen?“

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„Ich sehe hier nur einen leblosen Frosch mit dem Bauch nach oben liegen, Silberdistel.“

„Was? Leblos? Wieso leblos? Lass mich sehen, Kater! Das kann doch wohl nicht möglich sein? Was mag ihm denn passiert sein? Hattet Ihr Katzen da etwa die Pfoten im Spiel?
Ach, Kater, wie kannst Du mich so erschrecken. Das ist doch der Keramikfrosch, den ich letztes Jahr aus dem Urlaub mitgebracht habe. Er ist doch nur Dekoration.“

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„Und der da, Silberdistel, ist der auch Dekoration?“

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„Oh, Kater, nein, das ist ein richtiger Frosch, aber irgendwie noch ein Babyfrosch. Er ist noch nicht ganz ausgewachsen. Wie schön, wir haben also wenigstens wieder einen Frosch. Also, tu ihm bitte nichts, er hat hier genauso sein Zuhause wie Du und ich.“

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„Ich tu‘ Fröschen nie was, Silberdistel. Das musst Du der Katze sagen.“

„Na, Kater, ich weiß nicht, wenn der Frosch hier im Garten herumhüpft, dann springst Du ihm auch hinterher. Da ist der Kater nicht anders als die Katze. Wie sagt man so schön? Das ist gehüpft wie gesprungen – egal, ob ich in diesem Fall von der Katze oder von Dir rede.“

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„Oder vom Frosch, Silberdistel, der hüpft ja auch.“

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„Guck mal, Silberdistel, in dem anderen Teichlein hier ist sogar noch ein Frosch für die Katze.“

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„Kater, die Frösche sind weder für Dich noch für die Katze. Ich glaube, sie sollten Euch genau wie die Kröte einmal dieses eklige Sekret auf die Nase sprühen. Mit der Kröte wolltest Du danach auch nichts mehr zu tun haben, erinnerst Du Dich?“

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„Was hast Du gesagt, Silberdistel? Nein, nein, ich springe nicht hinter den Fröschen hinterher. Ja ja, sie wohnen hier genauso wie Du und ich. Ja, Silberdistel, ich hab‘ alles verstanden. Total verstanden …“

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„Warum sie nur immer so herumtoddert? Keine Katze tut hier einem Frosch etwas. Das bisschen Spielen ist ja wohl nicht so schlimm. Das findet der Frosch sicher auch lustig. Na, und die Kröte ist ja zum Glück noch gar nicht hier. Aber die stänkert ja sowieso immer nur mit uns herum. Wenn die da ist, kann ich nicht mal an der schönen Minze im Teichlein schnuppern, da kommt immer sofort die Kröte und tut so, als würden ihr der Teich und die Minze allein gehören. Dabei hat Silberdistel eben gesagt, ich wohne hier genauso wie die Frösche. Also sind das auch mein Teich und meine Minze.“

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„Was sagst Du, Silberdistel? Neheiiiiiiin, Silberdistel, ich hab‘ keine Kröte geseeeeehen – im ganzen Garten nihicht. Die ist bestimmt noch auf Wanderschahaft.“

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„So, genug nach der blöden Kröte gesucht! Ich bin jetzt k.o. und brauche meinen Mittagsschlaf.“

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„Was, Silberdistel? Jaja, ich sag‘ Dir Bescheid, wenn die Kröte wieder da ist. Ich brauch‘ jetzt erst einmal eine Pause von der schweren Gartenarbeit.“

Es ist Gartenzeit. Was tut man da anderes, als im Garten herumzupusseln? Bei mir mutet das Herumpusseln mitunter wohl etwas seltsam an. Nicht nur einmal erntete ich schelmische Blicke von an meinem Gärtchen vorüber flanierenden Nachbarn. Ich habe nämlich neben all meinen gärtnerischen Gerätschaften gewöhnlich auch noch meine Kamera in unmittelbarer Reichweite, denn, man kann ja nie wissen, was einem plötzlich über den Weg läuft oder fliegt, und wie oft trifft man so ganz nebenher bei der Gartenarbeit auf die wundervollsten Fotomotive. In einem solchen Fall, und der tritt recht häufig ein, habe ich natürlich nichts Eiligeres zu tun, als das eben noch geschwungene Gartengerät fortzuwerfen, geschwind nach der Kamera zu greifen und mein Motiv für die Ewigkeit festzuhalten. Oft hockt, kniet oder liegt dann eine Silberdistel mehr oder weniger verrenkt in einem Blumenbeet und richtet ihre Kamera auf ein unsichtbares Etwas. Nicht immer ist für den Vorübergehenden sofort ersichtlich, was gerade in dem Beet vor sich geht.
Unlängst überraschte mich ein Nachbar bei solchem Tun. Wieder einmal lag ich in sicher seltsam anmutender Pose halb am Boden und knipste weltvergessen eine kleine Schnecke. Mehr im Unterbewusstsein bemerkte ich am Rande meines Sichtfeldes eine Bewegung. Dort stand ganz still und leise mit einer Schubkarre einer unserer Nachbarn und schaute mir bei meiner Knipserei zu. Wie lange mochte er dort schon gestanden haben? Als ich erstaunt zu ihm aufblickte, lächelte er mich freundlich an: „Was machen Sie dort unten auf der Erde? Fotografieren sie eine Ameise? Oder eine Fliege?“ „Nein“, grinste ich zurück, „eine Schnecke.“ „Ach so, im ersten Moment konnte ich gar nicht erkennen, was Sie dort unten überhaupt tun. Ich habe mir schon Sorgen um Sie gemacht. Doch dann habe ich Ihren Fotoapparat gesehen und dachte, Sie knipsen sicher Ameisen oder Fliegen. Darum habe ich mich jetzt ganz vorsichtig herangeschlichen. Ich dachte, ich kann hier jetzt nicht mit meiner Schubkarre vorbeidonnern und der armen Frau die Insekten verscheuchen“, sprach Herr Nachbar. Ich musste herzlich über ihn lachen, war aber dennoch ganz gerührt. So viel Feinfühligkeit und Verständnis hatte ich ihm gar nicht zugetraut. „Sie dürfen ruhig weitergehen, ich denke, die kleine Schnecke hier wird wohl nicht wegfliegen“, antwortete ich. „Eine Schnecke also“, sagte mein Zuschauer interessiert und trat vorsichtig samt Schubkarre näher, beugte sich zu mir herunter und nahm mein kleines Schnecken-Model in Augenschein. „Was Sie auch alles fotografieren! Sie machen sicher auch hübsche Blumenfotos, oder? Ich habe Sie nämlich schon öfter dabei beobachtet, wenn Sie mit dem Fotoapparat von Blume zu Blume gesprungen sind“, sprach der Nachbar lachend. Wenig später setzte er seinen Weg ganz vorsichtig und leise fort. Er schlich fast so sanft wie die Schnecke vor mir davon, so als hätte er trotz meiner Versicherung, mein Motiv würde ganz sicher nicht fortfliegen können, dennoch Bedenken, dass sich die Schnecke, würde er eine zu heftige Bewegung machen, auf wundersame Weise in die Lüfte erheben und davonflattern könnte. Ist es nicht wunderschön, wenn man solche interessierten und zugleich verständnisvollen Nachbarn hat? Lächelnd und angenehm berührt schaute ich ihm hinterher und widmete mich wenig später einem Marienkäfer.

Die Bilder in der Galerie hier unten sind alle an jenem Tag und nebenher bei der Gartenarbeit entstanden. Immer wieder hat mich ein Motiv von der eigentlichen Arbeit abgelenkt. Vielleicht wird mir auch deshalb die Arbeit im Garten nie langweilig. Es gibt so ganz nebenbei unendlich viel zu entdecken.

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Die Sonne lockt mich nun schon seit Tagen immer wieder in meinen Garten, um kleine Arbeiten zu verrichten. Es gibt so allerlei aufzuräumen, was ich im letzten Herbst einfach nicht mehr geschafft habe. Der Winter hatte es mit seinem Kommen zu eilig gehabt oder vielleicht war ja auch ich nur zu langsam oder zu unmotiviert gewesen, was die restlichen herbstlichen Gartenarbeiten betraf. So blieb also einiges liegen und war dann auch bald unter einer dicken Schneeschicht begraben. Grund genug für mich, es bis zum nächsten Frühjahr unter der weißen Pracht ruhen zu lassen.

Nun endlich, eigentlich sollte schon lange Frühling sein, hat Frau Holle sich zurückgezogen und hoffentlich mit ihrem Sommerschlaf begonnen. Die Jüngste ist sie schließlich auch nicht mehr. Ein wenig Ruhe und Erholung sollten ihr guttun, zumal sie sich Tage, Wochen und Monate unermüdlich abgerackert hat. Diese Arbeitswut! Was wohl in sie gefahren war? Aber nun lass es gut sein, Frau Holle, ruh Dich ordentlich aus, Du hast es Dir verdient.

Aber zurück zu meinem Garten. Es gibt zu tun – mehr als genug und es macht Spaß im Freien zu werkeln, die neuen Düfte einzusaugen, die Farben der Blumen rundum in sich aufzunehmen und den zaghaften Frühlingsgesängen der Vögel zu lauschen. Trotz Arbeit lasse ich es mir nicht nehmen, immer wieder dem emsigen Treiben der gefiederten Zweibeiner um mich herum zuzuschauen. Das Futterhaus ist noch gut gefüllt, denn bisher gab es immer noch Nachtfröste, die es der Sonne schwer machen, den eisigen Boden zu erwärmen und aufzutauen. So kann ich neben der Arbeit beobachten, wer alles Garten und Futterhaus besucht. Seit einiger Zeit kommen regelmäßig zwei Stare zum Futterplatz. Ob sie wohl vor einigen Wochen unter dem riesigen Starenschwarm waren, der wie eine marodierende Truppe über unseren Futterplatz hergefallen war? Vielleicht haben die beiden sogar da beschlossen, hier ganz in der Nähe zu bleiben, um das reichhaltige Nahrungsangebot noch eine Weile nutzen zu können. Wo es reichlich Futter gibt, kann man doch sicher auch gut den Nachwuchs aufziehen. Dass die Körnerbar nun bald wieder geschlossen wird, ahnen sie sicher noch nicht. Aber auch so wird der Garten genug Nahrung für sie bereithalten.

Cover Star im ApfelbaumIch bin gerade dabei, einige Sträucher auszulichten, da höre ich das typische Geschwätz von Staren über mir. Ich schaue hoch und entdecke zwei der schwarzen fast ins Grünliche schillernden Vögel oben im Apfelbaum. Sie scheinen in ein anregendes Gespräch vertieft zu sein. Der links sitzende Vogel ist offensichtlich der Gesprächsführer, denn er redet fast pausenlos. Der andere wirft nur ab und zu ein paar kurze Silben in das Geplauder seines Gegenübers ein. Während ich den beiden hübschen Vögeln zuschaue, geht mir „Der Star im Apfelbaum“ durch den Kopf, der Titel eines Kinderbuches von Edith Bergner und Ingeborg Meyer-Rey. Wie oft habe ich meinen Kindern aus diesem Buch vorgelesen? Nicht nur meine Kinder liebten diese Geschichte, auch ich konnte sie wieder und wieder lesen. Das hübsch illustrierte Buch machte es selbst mir als Erwachsenem nicht schwer, in die Welt eines kleinen schwatzenden schwarzen Vogels abzutauchen. Es ist ein so zauberhaftes Buch, dass man es gar nicht wieder aus der Hand legen mag. Ein Star, wie er hier über mir im Apfelbaum sitzt, ist der Hauptheld in dieser wunderschönen Geschichte. Ein kleines Mädchen fordert den Vogel, der auch in unserer Geschichte in einem Apfelbaum sitzt, dazu auf, doch endlich einmal ein anderes Lied zu singen, nicht immer nur dieses eine vom Frühling. Nur zu dumm, der Vogel kennt kein anderes Lied. So macht er sich ganz einfach zu anderen Tieren auf den Weg, um vielleicht von ihnen ein neues Lied zu lernen. Tatsächlich lernt er viele neue Lieder kennen und bei so viel Vielfalt hat er ganz plötzlich sein eigenes Lied vergessen. Was jetzt? Wer soll nun mit seinem Gesang den Frühling herbeilocken, so wie es sich das kleine Mädchen Babett so sehr wünscht?

Lächelnd schaue ich zu den beiden Vögeln auf meinem Apfelbaum hinauf und freue mich darüber, dass diese kleinen Federbälle mich an das hübsche Büchlein erinnert haben. Ich weiß noch, dass ich es auch viele Male an Leser meiner Bibliothek ausgeliehen habe. Voller Begeisterung erzählten sie mir später, welch wundervolles Buch ich ihnen doch damit empfohlen hätte und wie sehr ihre Kinder die Geschichte mit den wunderschönen Illustrationen liebten. Manchmal war diese Empfehlung sogar der Auslöser für ein schönes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk.

Noch eine ganze Weile höre ich dem Plaudern meiner gefiederten Gäste zu. Zwischendurch fliegen sie immer wieder die nahe Haselnuss an, um von dort aus zum Futterhaus zu gelangen, wo sie sich für ein erneutes Zwiegespräch mit einem Körner-Cocktail stärken. Ob auch sie ihr Repertoire bei den anderen Tieren gelernt haben – so wie in dieser kleinen Geschichte? Mir scheint es fast so, denn ich höre kurz eine Amsel pfeifen, die gar nicht hier über mir im Baum sitzt, eine Krähe krächzen, dann ertönt ein Pfeifton wie ihn unser Nachbar oft ausstößt, wenn er nach seinem Hund ruft. Sitzt der Nachbar etwa dort oben im Baum? Ich schaue hoch und muss über mich selbst lachen. Dort sitzen nur diese beiden in der Sonne so wundervoll schillernden Vögel und schwatzen leise miteinander. Manchmal habe ich fast den Eindruck, als würden sie über etwas herzlich lachen. Was sie sich wohl alles für lustige Begebenheiten zu erzählen haben?

Hier noch einige Angaben zum Buch: Der Star im Apfelbaum / Edith Bergner. Illustrationen von Ingeborg Meyer-Rey.  – Neuausg. – Weinheim : Beltz, 2008. – 32 S.
ISBN 978-3358030608

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Gestern, obwohl Sonntag und eigentlich kein Arbeitstag, war bei der Silberdistel dennoch Gartenarbeit angesagt – ein wenig zumindest. Die Sonne schien, der letzte Schnee war auch fast aus dem kleinen Gärtchen verschwunden, da konnte die Silberdistel nicht mehr an sich halten und musste raus in ihr kleines Gartenreich. Lange genug hatte die Enthaltsamkeit schon gedauert. Die Vögel rundum fanden die Idee der Silberdistel, in ihrem Garten herumzuspringen, alles andere als gut. Sie betrachteten das eher als unangemessene Störung. Sogar Silberdistels Lieblingsamsel, die mit dem Schneeflockengefieder, erregte sich furchtbar darüber und flog immer wieder schimpfend durch den Garten. Sie tat offensichtlich die Meinung der gesamten Vogelwelt, die sich hier über Winter den Bauch vollgeschlagen hatte, kund: „Was soll das denn? Kann man hier nicht mal mehr in Ruhe fressen?“ Erstaunt blickte die Silberdistel zur Amsel hinüber und sagte: „Ich dachte, wir haben uns den ganzen Winter über so gut verstanden? Warum erregst Du Dich jetzt so furchtbar?“ Die Amsel gab noch eine Folge von Schimpflauten von sich und setzte sich dann beleidigt auf den Apfelbaum. Aufmerksam beobachtete sie von dort aus das Tun der Silberdistel. Zwischendurch hörte die Silberdistel immer wieder ein kurzes hastiges Gezeter. Als auf einmal durch die Aufräumungs- und Grabearbeiten der Silberdistel ein Regenwurm zutage gefördert wurde, schielte der Vogel von seinem Ausguck aus mit schräg gehaltenem Kopf nach dem Wurm. Dann schaute er die Silberdistel an, wohl befürchtend, diese würde den Wurm für das eigene Abendessen mitnehmen. Die Silberdistel bemerkte den Blick der Amsel und zwinkerte ihr zu: „Na, magst Du ihn? Mir schmecken die nicht so.“ Das ließ sich die Amsel natürlich nicht zweimal sagen. Im Sturzflug schoss sie vom Baum, landete neben der Silberdistel und schnapp war der Wurm verschwunden. Plötzlich durfte die Silberdistel mit gnädiger Erlaubnis der Amsel in ihrem Garten bleiben und weiter buddeln, hier ein Schneeglöckchen setzen, dort einige Tulpen, Hyazinthen und Lilien mussten auch noch in die Erde. Die Amsel beobachtete weiter aufmerksam die Gärtnerin, schimpfte jedoch nicht mehr. Sobald bei den Grabearbeiten ein Wurm auftauchte, war die Amsel sofort zur Stelle und befreite die Silberdistel eifrig von diesem Getier. Die Welt war wieder in Ordnung. Der Mensch durfte wie gewohnt in seinem Garten werkeln und die Amsel durfte nach Herzenslust fressen. Sie hatte sogar ein ausgesuchtes Sonntagsessen bekommen. Später saß sie rund und satt hoch oben im Apfelbaum und schaute verträumt und zufrieden in die letzten Sonnenstrahlen.

Neben den Grabearbeiten hat die Silberdistel selbstverständlich auch den Fortschritt der Natur in ihrem kleinen Gartenreich dokumentiert. Wer mag, kann schauen, wie es dort gestern aussah. Die Würmer sind allerdings nicht mit dokumentiert, denn die verschwanden jeweils viel zu schnell im Amselmagen.

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