Mit ‘Franken’ getaggte Beiträge

Angeblich hat jeder seine Leiche im Keller. Hätte das jemand von uns Silberdistels behauptet, wäre ich wahrscheinlich bis eben noch zutiefst beleidigt gewesen. Inzwischen muss leider auch ich zugeben, wir haben uns eingereiht in die Schlange all derer mit ihren Kellerleichen. Obwohl … bei uns lag sie nicht im Keller. Unsere Leiche hatte es wärmer und irgendwie auch gemütlicher. So sind wir Silberdistels eben. Wenn schon eine Leiche, dann soll sie es auch gut haben.
Aber vielleicht lag es auch ganz einfach nur in der Ermangelung eines Kellers im Hause Silberdistel. Da wollen wir vielleicht doch lieber ehrlich bleiben und uns nicht über den grünen Klee loben.

Zunächst jedoch ahnten wir noch gar nichts von unserer Leiche, schließlich hatten wir ein reines Gewissen. Mit unserer „Keller“-Leiche ist es nämlich etwas anders als mit den Kellerleichen all der anderen, die krampfhaft versuchen, sie unter den Teppich zu kehren. Unsere wurde uns ohne unser Wissen einfach untergeschoben. Ja, untergeschoben. Was? Das behaupten die Täter in den Krimis auch immer? Nein, wir sind wirklich ganz, total und völlig unschuldig. Sie war plötzlich einfach da – ohne unser Zutun.

Wie gesagt, wir ahnten zunächst noch gar nichts von ihr. Dann aber machte sie sich bemerkbar – erst langsam und dann immer heftiger. Herr Silberdistel und ich saßen in trauter Zweisamkeit vor dem Fernseher und schauten diese „Lucifer-Serie“, in der ja nun in einer Tour auch Leichen vorkommen. Ich glaubte schon, dass die Technik wieder einmal in einem enormen Weitsprung zu neuen Möglichkeiten gehüpft war. Konnte man jetzt schon nicht nur Geräusche so hautnah miterleben, als würde man selbst in der jeweiligen Filmszene agieren, konnte man neuerdings etwa auch schon die jeweiligen im Film vorherrschenden Gerüche wahrnehmen?
Warum sollte man nicht die Gerüche wahrnehmen können? Unlängst hatten wir während eines Kurzurlaubs in Franken die Cadolzburg im Landkreis Fürth besucht. Dort lernten wir, wozu Technik und Fantasie in der Lage sind.

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Die Burg an sich war schon mehr als sehenswert. Ihr Erlebnis-Museum jedoch war das berühmte Sahnehäubchen auf unseren Ausflug – ein Museum nicht nur zum Anfassen, An- und Ausprobieren.

Genau dort nämlich sollten wir sogar miterleben, wie die Cadolzburg einst brannte. Wir sahen UND rochen, wie sich das Feuer durch die Burg fraß. Warum also sollten nicht auch die „Lucifer“-Macher über diese Kunst verfügen und die Düfte aus der Serie in unser Wohnzimmer zaubern können?

Jedenfalls schien es, während wir gespannt auf den Fernsehschirm starrten, als würde ein leichter Verwesungsgeruch durch unser Wohngemach wabern. Zunächst wollte ich noch den Katzen die Schuld daran geben. Hatte sich eine von ihnen irgendwo mit diesem ekligen Geruch parfümiert? Katzen sind ja mitunter etwas seltsam drauf.
Eine Geruchsprobe aus der Nähe ließ jedoch nichts in dieser Richtung erkennen. Kam es doch vom Fernseher und dieser teuflischen Serie? Oder schlug meine Fantasie bei all dem Grusel wieder einmal Purzelbäume?
Herr Silberdistel war sich derweil auch nicht mehr ganz sicher, ob ich ihn nur mit meiner Hysterie angesteckt hatte oder ob er selbst tatsächlich auch etwas roch, das nicht in unser Wohnzimmer gehörte.

Wir beschlossen, zunächst einmal gründlich durchzulüften. Dann gingen wir beruhigt zu Bett. Die Luft schien nun wieder rein zu sein.

Anderntags, ich trat frisch geduscht und wohlparfümiert in unser Wohnzimmer. Das bettelnde Katzenvolk wollte schleunigst hinaus in den Garten. Wir hatten für den Geschmack unserer pelzigen Mitbewohner wieder einmal viel zu lange geschlafen. Ungehalten sprangen sie mir vor den Füßen herum und mauzten mir zu, mich gefälligst etwas mit dem Türöffnen zu beeilen.
Ich hatte das Zimmer noch nicht einmal ganz durchstolpert, als mir das Frischgeduschte und Wohlparfümierte abhanden zu kommen schien. Erneut wehte mir statt meines eigenen Wohlgeruchs diese Duftwolke vom Abend vorher um die Nase.
Irritiert blickte ich zum Fernseher. War Lucifer … ? Doch der Bildschirm war dunkel. Dennoch schien dieser Ekelgeruch stärker geworden zu sein. Hatte uns hier vielleicht doch jemand eine Leiche in den Keller ins Wohnzimmer gelegt? Ich würde der Sache auf den Grund gehen müssen.

Nachdem wir im Wintergarten, in dem glücklicherweise angenehme Frischluft herrschte, gefrühstückt hatten, machte ich mich ans Werk. Ich kroch in alle Ecken und Winkel unseres Wohngemachs. Am stärksten schien mir der fiese Geruch in der Nähe unserer Sitzmöbel  spürbar.

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Die Sitzecke musste also weg und alles gründlich durchforstet werden. Dumm nur, dass die Sessel auch als Stauraum dienen und so allerlei beherbergen, was man braucht oder auch nicht.
Ich musste Klarheit haben. Also rückte ich Möbel hin und Möbel her. Letztendlich immer noch nicht fündig geworden, baute ich Stück für Stück auseinander und inspizierte zugleich jeden einzelnen Sesselinhalt. Überall konnte die vermutete Leiche versteckt sein. Gründlichkeit war angesagt. Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein, Schätze, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass wir sie jemals hatten. Eine Leiche brachte meine Inspektion allerdings nicht zutage. Wie hätte sie auch da hineinpassen sollen? Obwohl … klein und zusammengerollt …

Bei meiner Aktion musste mir immer wieder Herr Silberdistel zur Hand gehen. Er befüllte die Mülltonne mit Dingen, die wir einst dringend zu brauchen glaubten, die aber bald aus unserer Erinnerung verschwunden sein mussten. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Vermisst hatten wir davon kaum etwas. Wie konnte besser bewiesen werden, dass wir all den Kram nicht mehr brauchten? Also weg damit!

Endlich war ich im Schweiße meines Angesichts am letzten Sessel angelangt. Irgendwie war ich derweil schon ein wenig verzweifelt. Meine Suche nach der Herkunft dieser eigenartigen Duftnote war bisher erfolglos gewesen. Egal, auf zum Endspurt!

Bereits etwas entmutigt, hoben wir Silberdistels gemeinsam das letzte Sesselteil hoch. Und da waberte schlagartig eine unverdünnte Wolke dieses „edlen“ Geruchs zu uns empor. Fast hätte ich vor Entsetzen den Sessel wieder fallen lassen.
Unsere „Keller“-Leiche war gefunden. Winzig und ein wenig spitz im Gesicht lag sie dort – mausetot.

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Und wir beiden Silberdistels, wir schwören es hoch und heilig, haben wirklich nichts mit ihrem Tod zu tun. Diese Leiche wurde uns von fremder Hand oder vielleicht auch von bekannter Pfote untergeschoben. Wir sind ziemlich sicher, dass mehr eine Pfote denn eine Hand im Spiel war. Lebt doch in unserem Hause ein recht geschickter getigerter Mauserich, der uns oft schon mit derartigen Mitbringseln  „beglückte“.

Das kleine Spitzmäuschen muss wohl noch gelebt haben, als es von dem vierbeinigen Jäger und von uns unbemerkt ins Haus getragen wurde. Sogar die Flucht unter besagten Sessel ist ihm offensichtlich noch gelungen. Dann jedoch muss der Stress wohl doch zu gewaltig gewesen sein und der Mäuse-Sensenmann hat dem armen Opfer still und leise unter unserer Sitzecke die Augen zugedrückt.

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Bei der Befragung des Hauptverdächtigen konnten allerdings keine Beweise für seine Schuld erbracht werden. Er schwieg sich einfach aus.

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Weitere Befragte wuschen ihre Pfoten laut Mauzsage ebenfalls in Unschuld.

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Mangels an Beweisen mussten am Ende alle in Frage kommenden Verdächtigen freigesprochen werden.

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Weitere Untersesselfundstücke konnten nicht als Beweisstücke für die Untat mit herangezogen werden. Sie schienen nicht mit dem Mordopfer und dieser Tat in Zusammenhang zu stehen. Mit den Verdächtigen aber wohl schon. Immerhin beweisen diese Stücke, dass bereits öfter Mäuse & Co. unter Sessel gehetzt wurden. Dieser Tatbestand könnte also durchaus auf einen Wiederholungstäter hinweisen. Nur konnten wir weder diese, noch die vorherigen Taten einem konkreten Täter zur Last legen. Wahrscheinlich aber stecken sie alle unter einer Decke – organisiertes Verbrechen gewissermaßen. Schwer gegen anzukommen. Wer traut sich da schon?

Ein Gutes jedoch hatte die ganze Sache. Endlich ist das kleine hölzerne Schaukelpferdchen wieder aufgetaucht. Gewöhnlich schmückte es zum Weihnachtsfest gemeinsam mit anderen Figuren unseren Christbaum. Vorletztes Weihnachten verschwand es plötzlich spurlos und ließ mich traurig zurück. Wie konnte es mir das antun und einfach davonschaukeln? Jetzt weiß ich, dass es ganz unfreiwillig verschwand, ich nur seine Hilferufe nicht gehört habe.

Ende gut, alles gut. Naja, nur für die arme kleine Spitzmaus nicht.

 

Und weiter geht’s mit meinem persönlichen Jahresrückblick. Nach dem nahezu beschaulichen ersten halben Jahr ging es ab August 2016 etwas lebhafter und vielleicht auch ein wenig interessanter bei uns zu. Der Juli endete mit einer Fahrt Richtung Süden zum bayerischen Zweig unserer Familie. Wir hatten vor, ein Ferienkind mit an unsere Ostsee zu nehmen. Im vorletzten Herbst, also 2015, hatten wir während eines Kurzurlaubs im Altmühltal getestet, wie wir ohne Mama und Papa miteinander zurechtkommen würden. Unserer Meinung nach hatte es recht gut geklappt. Nach dieser Generalprobe sollte nun also die Uraufführung folgen. Wir waren alle recht gespannt auf die vor uns liegenden geplanten zwei Ferienwochen.

August 2016
Unser Aufenthalt in Bayern Ende Juli ist dieses Mal nur kurz, denn wir haben nicht extra einen Katzenersatzpfleger engagieren wollen. So ist nur eine Übernachtung eingeplant und  am anderen Morgen geht es samt eingesammeltem Ferienkind wieder zurück in den Norden. Unsere Katzen sind nicht böse, uns so schnell schon wiederzusehen.

Am ersten Augusttag, der somit auch der erste Ferientag unserer Enkeltochter bei uns ist, machen wir einen kleinen Spaziergang zur Apfelplantage, die fast vor unserer Haustür liegt.
Offensichtlich haben wir damit durchaus einen Nerv bei unserem Feriengast getroffen. Die leuchtenden Augen sagen alles, auch wenn wahrscheinlich das Fernglas viel spannender ist, als die Rehe, die in der Ferne stehen, aber dennoch so nah anzuschauen sind.

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Einen Tag später geht es in den Vogelpark Marlow.

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Sicher sind auch die Vögel irgendwie interessant, aber mit dem großen Piratenschiff kann natürlich keiner der Vögel mithalten. Zumindest ist das aus Sicht unserer Enkeltochter so.
Wir Silberdistels suchen uns, während sich das Kind als Pirat übt, draußen vor dem riesigen Abenteuerspielplatz ein schattiges Plätzchen. Ab und zu winkt uns von hoch droben unsere kleine Piratenbraut zu.

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Die Vorführung der Arbeit eines Hütehundes im Vogelpark und die kletternden Ziegen machen irgendwie auch mehr her als die Vögel. Aber letztendlich haben wir wohl alle drei an diesem Tag unseren Spaß.

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Natürlich darf bei unseren Ausflügen auch der Rostocker Zoo nicht fehlen. Das allerdings artet in eine Mammutveranstaltung aus. Der Zoo an sich gehört schon nicht zu den kleinsten Zoos.
Da ich natürlich endlich einmal das „Darwineum“ anschauen möchte, wird es ein echt anstrengendes Unternehmen, aber eins, das sich gelohnt hat. Dort wird dem Besucher schon Beeindruckendes geboten. Man läuft quasi durch die Entstehungsgeschichte der Erde.

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Schon nach dem Darwineumsbesuch sind wir ziemlich pflastermüde, aber ein paar mehr Tiere als nur Fische und Affen wollen wir dann doch noch sehen.
Aber wie es scheint, sind am Ende die Tiere, die ganz freiwillig im Zoo sind, wie eine recht neugierige Nebelkrähe, wohl doch die interessantesten. Nur … sie sind auch fotoscheuer als die anderen und rennen vor der jungen Fotografin einfach davon.

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Die folgenden Tage sind ausgefüllt mit einem Besuch im Museumsdorf Klockenhagen, einer langen Hundegassigehrunde, einem Ausflug nach Groß Raden zur dortigen Slawenburg und Pferde dürfen wir auch noch besuchen.

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Und damit geht die Ferienzeit fürs Kind mit uns schon fast dem Ende entgegen. Aber ins „Miniland MV“ müssen wir trotzdem noch. Auch dort haben wir alle viel Spaß, nicht nur mit den Minibauten. Man kann auch Schach spielen, sogar ohne Vorkenntnisse, Hochstühle und Piratenschiffe besteigen oder sich optisch täuschen lassen.

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Aber was wären Sommerferien bei uns Silberdistels ohne den berühmten Ententeich? Das ginge doch so gar nicht.
Also müssen wir, wie natürlich auch zu den Rehen, mehrmals dorthin.

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Die Uroma in Wismar haben wir selbstverständlich auch nicht vergessen. Auch dort erleben wir einen sehr schönen Nachmittag, nicht nur zu unserer Freude, denn die Uroma freut sich riesig, ihre Urenkelin wieder einmal bei sich zu haben.
Ganz besonderen Anklang hat aber wohl ein Badetag in der Ostsee bei recht heftigem Wellengang gefunden. Unser Feriengast war fast gar nicht mehr aus dem Wasser zu kriegen.

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Damit ist der August aber noch nicht zu Ende, nur die schöne Ferienzeit mit unserem Ferienkind. In der Mitte des Monats übergeben wir unseren Feriengast wieder an die Eltern und dann packen wir Silberdistels noch einmal unsere Koffer. Wir haben nämlich noch einen kurzen Wanderurlaub in Franken eingeplant.

Ein wenig habe ich hier im Bücherstaub bereits darüber berichtet – über unsere Wanderung rund um die Burg Rabenstein, über unsere Besichtigung der Wehrkirche in Effeltrich und die Bewunderung der prächtigen Tanzlinde des Ortes.
Wir besuchen während unseres Kurzurlaubs aber ebenso unsere geliebte Gügelkirche, wandern hinauf zur Giechburg und zur Burgruine Neideck und auch Schloss Seehof statten wir einen Besuch ab. Alles in allem verleben wir herrliche Tage im schönen Frankenland.

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September 2016
Im September holen wir unseren eigentlich für Mai geplanten Rhönurlaub nach. Über diesen Wanderurlaub hatte ich hier im Blog ausführlich berichtet.

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Auch in der Rhön erleben wir erholsame und entspannte Tage. Ende des Monats sind wir wieder daheim.

Auf der Heimfahrt haben wir noch ein sehr interessantes Erlebnis. Während einer Tankpause wird mein Herr Silberdistel von einem Handwerkswanderburschen angesprochen, der an unserem Nummernschild erkannt hat, dass wir evtl. in Richtung Norden unterwegs sein könnten. Er fragt höflich, ob wir noch einen Platz für einen reisenden Handwerksburschen hätten. Er wolle nach Potsdam und wir würden doch sicher über den Berliner Ring fahren.
In der Regel nehmen wir nicht gern Anhalter mit. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und so steigt Oliver, schick in seine Handwerkerkluft gekleidet, in unser Auto. Unser Fahrgast ist ein Schreinergeselle, der seit etwa einem halben Jahr wandernd unterwegs ist. Wir hören während der Fahrt allerlei über wandernde Handwerksgesellen, z.B., dass er insgesamt drei Jahre unterwegs sein wird und dass er seine Wanderschaft mit nur 5,- Euro in der Tasche begonnen hätte. Trampen sei erlaubt, öffentliche Verkehrsmittel allerdings seien nicht gern gesehen. Unterkunft und Verpflegung müssen jeweils erarbeitet werden. Wie wir erfahren, gibt es gegenwärtig etwa 400 bis 600 wandernde Handwerker in Deutschland, wobei nicht nur Zimmerleute und Schreiner wandern. Die typische Handwerkskluft ist natürlich ein Muss, auch wie das Reisegepäck mitzuführen ist, hat seine strengen Regeln.

Auf dem letzten größeren Parkplatz vor dem Berliner Ring lassen wir Oliver aussteigen. Vor hier aus wird er sicher eine weitere Mitfahrgelegenheit Richtung Potsdam finden. Uns bleibt nur noch, ihm alles Gute für seine weitere Wanderschaft zu wünschen und dass er natürlich gut in Potsdam landet.
Er war ein sehr angenehmer und überaus freundlicher Fahrgast, von dem zumindest ich viel Neues und Interessantes dazugelernt habe. Mein Herr Silberdistel wusste ein wenig mehr als ich über wandernde Handwerksburschen. Obwohl … diese bisherige Bildungslücke bei mir dürfte nun wohl auch nicht mehr ganz so groß sein.

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Oktober 2016
Im Oktober ist noch einmal intensiv Gartenzeit. Aufräumen und Winterfestmachung sind angesagt und es ist auch wieder Kranichzeit. Der Zug der großen Vögel in den warmen Süden ist in vollem Gange.

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Wir hören und sehen sie fast täglich.  In großen Formationen fliegen sie über unser Haus hinweg. Ich kann mich kaum sattsehen an diesen schönen Vögeln und begeistert lausche ich ihren Rufen.

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November 2016
Im November gibt es hier in meinem Teil des Nordens den ersten Wintereinbruch. Nicht nur ich staune, auch die Katzen schauen verwundert hinaus in den Garten. Zum Glück habe ich einige Tage zuvor die Futterplätze für unsere gefiederten Wintergäste eingerichtet.

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Nach diesem Winterintermezzo kümmere ich mich noch einmal um die letzten Gartenarbeiten und ich bin froh, am Ende doch noch alles geschafft zu haben. Nun darf der Winter kommen.

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Auch in diesem November sind wir wieder zu einer Gedenkfahrt mit dem Schiff zur Insel Poel unterwegs. Während der Autofahrt nach Wismar fällt mir auf, dass der Schnee, den uns der kurze Wintereinfall gebracht hatte, je weiter ich in Richtung Westen fahre, noch fast eine geschlossene Schneedecke bildet. Bei mir zuhause sind dagegen nur noch kümmerliche Reste von der weißen Pracht zu sehen.

Dieses Mal haben wir die Fahrt zum Volkstrauertag gebucht. Die „Mecklenburg“ bringt uns und andere Menschen, die einen lieben Verwandten oder Freund, bei mir ist es mein Vater, einst im Meer haben bestatten lassen, zum Urnenfeld vor der Ostseeinsel Poel. Nach einer kleinen Gedenkrede dürfen wir unsere Blumengrüße dem Meer und somit unseren lieben Verstorbenen übergeben.

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Der November verzaubert uns wenige Tage nach dem ersten Schnee sogar noch mit einigen überaus hübschen Sonnenauf- bzw. Untergängen und  auch mit Kranichen, die durch die Abenddämmerung ziehen, kann er noch aufwarten.

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Vom 1. Advent Ende November bin ich dann allerdings doch ziemlich überrascht. Ich staune, wo die Zeit geblieben ist. Ich bin fast mehr auf den Winter vorbereitet als auf die Weihnachtszeit.

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Dezember 2016
Aber der Winter, der doch laut vieler Vorhersagen so früh über uns herfallen soll, kommt nicht. Diese kurze Eskapade Anfang November bleibt alles, was an den Winter erinnert. Es ist sogar plötzlich wieder erstaunlich warm und im Garten spitzen bereits die ersten Frühblüher.

Recht spät erst in der Adventszeit beginne ich mit der Weihnachtsbäckerei. Trotzdem geht alles recht entspannt über die Bühne und am Ende habe ich allerlei Leckeres in meiner Küche zusammengezaubert, sodass wir Silberdistels noch viele gemütliche Stunden mit ausreichend Kalorien verbringen können. Nicht, dass wir am Ende der Weihnachtszeit gar noch als unangenehm schlank auffallen und uns fragen lassen müssen, ob wir vielleicht krank wären 😉

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Der Dezember hätte eigentlich so schön sein können wie die anderen Monate des Jahre 2016, sehen wir mal vom Jahresbeginn ab. Aber unser Kater Keks sagte sich wohl, dass man das Jahr auch so abschließen soll, wie man es begonnen hat. Nein, nein, er schrottet nicht noch ein zweites PCli, er hebt lieber noch einmal die Pfote, als es um die Verteilung von Krankheiten geht. Plötzlich, fast von einer Sekunde zur anderen, liegt er schlapp und müde da, nichts kann ihn aufmuntern. Im ersten Moment kann ich es kaum glauben. Unser stets aktiver Kater wird doch nicht etwa krank sein? Doch, er ist es, mächtig sogar. Ohne Tierarztbesuch geht da nichts mehr, so sehr sorge ich mich um den pelzigen Tunichtgut.
Ich sehe schon fast den Weihnachtbesuch bei unseren Kindern und Enkelkindern in Bayern ins berühmte Wasser fallen. Aber unser Lieblingstierarzt bringt mit ein paar Spritzen alles wieder ins Lot und so können wir am Heiligabend doch noch ruhigen Gewissens gen Süden reisen.

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Schön ist es, die Weihnachtstage mit den Enkelkindern verbringen zu können. Wir haben viel Spaß miteinander und es gibt natürlich auch wieder viel zu erzählen.

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Die Zeit zwischen den Jahren verbringen wir wieder daheim bei und mit unserer Katzenfamilie. Und natürlich gibt es mit dem anderen Teil unserer Familie, der im Norden heimisch ist, auch noch ein schönes Weihnachtsessen und eine kleine nachweihnachtliche Bescherung.

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Silvester gehört dann ganz Herrn Silberdistel, unseren drei Pelzträgern und mir. Unsere Torty ist zwar etwas aufgeregt wegen der Knallerei, aber alles in allem bringen wir letztendlich auch die Vertreibung der bösen Geister um Mitternacht einigermaßen gut über die Bühne. Wir Silberdistels schicken natürlich keine Raketen in die Luft. Wir müssen unsere Pelzträger ja nicht noch wuseliger machen, als sie es ohnehin bereits sind. Unsere graue Eminenz sieht die ganze Sache noch am wenigsten aufgeregt. Aber sie weiß wahrscheinlich aus der Erfahrung vieler Lebensjahre, dass die Knallerei nichts Schlimmes zu bedeuten hat. Sie schüttelt sicher eher den Kopf über dieses sinnlose Treiben von uns Menschen.

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Das war also unser Jahr 2016 – ein insgesamt schönes Jahr, auch wenn einige kleine Tiefen dabei waren. Aber wann eigentlich gibt es die nicht? Schön ist, dass es einmal erstaunlich wenige waren und dafür sind wir sehr dankbar. So packen wir 2017 ebenso voller Zuversicht an, wie wir es vor gut 12 Monaten mit dem gerade vergangenen Jahr getan haben. Was es uns bringen mag? Wer weiß das schon? Und irgendwie ist es auch gut so.
Vielleicht lesen wir uns ja in etwa einem Jahr hier zu einem neuen Jahresrückblick wieder. Schau’n wir mal! Aber vorher geht es hier natürlich in gewohnter Weise weiter, vielleicht nicht ganz so regelmäßig wie bisher, denn ich habe da noch etwas anderes vor, das einiges von meiner Zeit in Anspruch nehmen wird.

Bereits in meinem Beitrag über die Wehrkirche St. Georg in Effeltrich, gelegen am Westrand der Fränkischen Schweiz, hatte ich erzählt, dass wir in dem kleinen Ort über einen uralten Baum quasi „stolperten“. Gegenüber der hübschen Wehrkirche, auf dem Dorfplatz des Ortes, steht ein beeindruckendes Naturdenkmal – eine Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Für die Bewohner von Effeltrich ist es die Tanzlinde oder ihre Tausendjährige. Der Baum war viele Jahrhunderte ein Ort für Versammlungen, für die Gerichtsbarkeit und auch ein Ort, an dem Tanzvergnügen und andere Festlichkeiten stattfanden. Wie wir aus dem Schaukasten an der Linde erfuhren, konnte man noch bis zum Jahre 1950, bewirtet vom nahen Gasthaus, im Schatten des Baumes eine echte fränkische Brotzeit zu sich nehmen.

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Ich berichtete bereits im Beitrag über die Effeltricher Kirchenburg, dass der Ort nicht nur durch seine Kirchenburg bekannt ist, sondern auch durch seine Obstbaumzucht eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Sogar die Linde hat lange Zeit ihren Beitrag bei der Zucht der jungen Obstbäume geleistet. Sie hat mit ihren Ästen zur Bastgewinnung beigetragen. Bast benötigte man bei der Veredlung der jungen Obstbäume zum Festbinden und Fixieren der Pfropfstellen. Durch diese Art der Nutzung der Linde erhielt sie im Laufe der Zeit ihren so markanten Wuchs, die sehr flach gestaltete Krone. Dafür wurden die in die Höhe strebenden Äste der Tanzlinde nach unten gebunden, wodurch sich neue starke und querstrebende Äste entwickelten. Aus diesen Ästen wiederum wuchsen neue senkrechte Triebe, die dann jeweils der Bastgewinnung dienten. So wurde mit dem jeweiligen Fixieren und Schneiden die Krone des Baumes flach gehalten, dafür ging sie aber entsprechend in die Breite.

Über das Alter der Linde gibt es recht geteilte Ansichten. Nach verschiedenen Expertenmeinungen reichen die Schätzungen von 400 bis zu 1000 Jahren. Wahrscheinlich hat sie aber wohl eher ein Alter von etwa 800 Jahren. Der Stammumfang beträgt an der schlankestes Stelle der Linde gut 7 ½ m und kurz über dem Boden gemessen sind es mehr als 11 m. Der Kronenumfang der Linde beträgt etwa 60 m. Ihre Wurzeln reichen bis zu 40 m weit im Umkreis.

Wegen der immer stärker und somit auch schwerer werdenden Äste erhielt die Linde 1905 rundherum zur Abstützung ein Eichenholzgerüst. Damit wurden die diversen Einzelstützen, die es zuvor gab, ersetzt. Im Laufe der Zeit wurde der Baum mehrmals saniert, der hohle Stamm beispielsweise ausgemauert. Die Vermauerung wurde allerdings später wieder entfernt. Auch das Eichengerüst wurde mehrmals erneuert.

Der Baum ist, obwohl nicht nur der Stamm hohl ist, sondern auch viele Äste hohl sind, in einem sehr guten Zustand. Aus meinen Bildern sollte ganz gut hervorgehen, dass die Tanzlinde durchaus gut und kräftig belaubt ist. Sicher hat das auch mit der stets guten und  liebevollen Pflege zu tun.

Wer gern noch mehr über die Tanzlinde aus Effeltrich wissen möchte, der kann gern unter Wikipedia schauen. Von dort habe auch ich einen Teil meines Wissens bezogen. So, dann jetzt viel Freude beim Anschauen dieses wunderschönen alten Prachtstücks von Baum. Mich hat er wirklich tief beeindruckt.

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In unserem kurzen Augusturlaub von diesem Jahr in Franken haben wir zu Beginn einiges angeschaut, was wir bereits aus den Vorjahren kannten und bei unseren Wanderungen sogar ein wenig lieben gelernt haben. Fast wäre ein Urlaub dort ohne eine Wanderung zur Gügelkirche und/oder zur Giechburg kein richtiger Frankenurlaub für uns. Eventuell berichte ich davon irgendwann doch noch, denn neue Eindrücke gewinnt man auch dann noch oder vielleicht sogar gerade dann, wenn man Bekanntes erneut betrachtet. Plötzlich bemerkt man Details, die zuvor entweder noch gar nicht da waren oder man hat sie ganz einfach durch die Vielzahl der Eindrücke übersehen. Mitunter hat sich auch nur die eigene Sichtweise verändert. Im Grunde genommen gibt es immer wieder Neues auch an Altbekanntem zu entdecken.

Aber heute möchte ich doch erst noch über eine Neuentdeckung berichten. Ich hatte bereits im Beitrag zuvor erzählt, dass ich während dieses Urlaubs fleißig in Prospekten über Franken geblättert hatte. Wir Silberdistels waren dieses Mal nämlich gut vorbereitet auf unseren Frankenurlaub und hatten einiges an Prospektmaterial mit auf die Reise genommen, das sich im Laufe der Zeit bei uns über Franken angesammelt hatte.

So entdecke ich neben dem wunderschönen Wanderweg rund um die Burg Rabenstein, dass Franken auch über interessante Kirchenburgen verfügt.  Zwei davon finden unser besonderes Interesse – Hohenpölz und Effeltrich. Sie sind von unserem Ferienort aus recht schnell zu erreichen. Nur zwei Kirchenburgbesichtigungen an einem Tag wären uns dann doch zu viel, also müssen wir uns für eine der beiden entscheiden. Die Wehrkirche Hohenpölz gewinnt, weil sie schlicht und einfach schneller zu erreichen ist.

Aber irgendwie steht die Fahrt nach Hohenpölz dann doch nicht unter einem so guten Stern.  Wir kommen nämlich nicht weit. Wir sind kaum aus unserem Ferienort raus, schon blockieren im nächsten Ortsteil einige Traktoren die Straße. Wir halten an und warten geduldig, aber es tut sich nichts und es sieht auch nicht so aus, als würde die Straße demnächst geräumt werden. Wir haben eher den Eindruck, als würde hier gleich gar nichts mehr gehen. Scheinbar bereitet man sich gerade auf die Kirchweih vor. Wir haben keine Lust, länger zu warten und so wenden wir kurzentschlossen.

Effeltrich hat nun doch noch gewonnen, denn wir haben umdisponiert. Effeltrich wollte sich mit der Niederlage bei unserer Kirchenburgbesichtigungsauslosung offensichtlich nicht so einfach geschlagen geben. Sie muss den Herrn da oben um Mithilfe gebeten haben und der hatte die clevere Idee, uns ein paar unüberwindbare Traktoren in den Weg zu stellen – ganz nach dem Motto: „Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Obwohl … das war dann wohl doch mehr der Erlkönig, der da seine Hand im Spiel hatte. Komisch, hatte der sich neulich nicht schon mal hier irgendwo eingemischt? Er wird sich doch hoffentlich nicht als Dauergast bei uns einschleichen. Naja, egal, wer sich da wie oder wo eingemischt hat … Tatsache ist, dass wir dieses Mal am Ende gar nicht so unzufrieden mit der Umorientierung sind.

Effeltrich, es liegt übrigens am Westrand der Fränkischen Schweiz, entpuppt sich als etwas ganz Besonderes. Der Ort ist nämlich nicht nur durch seine Wehrkirche bekannt, auch durch seinen Obstanbau – speziell Äpfel – und die Obstbaumzucht ist Effeltrich nahezu berühmt. Und wer hätte es gedacht, dass sich diese Äpfel auch im Ortsnamen niedergeschlagen haben. In einer Schreibweise aus dem Jahre 1121 nennt sich der Ort „Affaltere“. Aus dem Althochdeutschen abgeleitet sollte das ziemlich sicher auf „affaltra“ wie Apfelbaum zurückgehen. Schon vor Jahrhunderten handelte man bis weit über die Grenzen hinaus mit Obstbäumen und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Aber nicht nur durch seine Obstbäume ist Effeltrich berühmt, es gibt dort noch etwas, was speziell mich als Liebhaber alter Bäume ganz besonderes freute. Inmitten des Ortes steht nämlich eine uralte Tanzlinde – quasi gegenüber der Kirche. Ein Gerüst gab den vielen schweren Ästen des Baumes Halt. Aber darüber berichte ich noch in einem gesonderten Beitrag.

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Die Kirchenburg St. Georg in Effeltrich

Zurück zur Kirche: Die Kirchenburg St. Georg stammt aus dem 15. Jh.  Wie wir lesen konnten, ist sie die Wehrkirche in Oberfranken, die am besten erhalten ist. Ihre Mauer hat eine Länge von über 200 m.

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Hier sind die Reste des Wehrganges gut zu erkennen und links einer der 4 Türme

Es gibt 4 Türme und die noch gut erhaltenen Reste eines Wehrganges an der Südmauer. Zur Wehrkirche wurde sie zum Ende des 15. Jahrhundert hin ausgebaut. Anlass dafür waren brutale Überfälle von Nürnberger Truppen, die den Ort erbarmungslos ausgeraubt hatten. So baute man die Kirche zur Schutzburg für die Bewohner des Ortes um.

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Das Eingangsportal der Kirche mit den Heiligen Laurentius, Georg und Sebastian

Kaum auf dem Kirchhof, werde ich von einem älteren Herrn angesprochen, ob ich wüsste, um was für eine Kirche es sich hier handeln würde. Natürlich wusste ich, dass ich vor einer Wehrkirche stand, schließlich hatten wir sie deshalb anschauen wollen. Mein Herr Silberdistel kann dann sogar die nächste Preisfrage beantworten.

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Hier noch einmal die Figuren zur Preisfrage aus der Nähe (v.l.n.r. Laurentius, Georg, Sebastian)

Unser Showmaster will nämlich auch noch wissen, wer wohl die drei Heiligen über dem Eingangsportal wären. Herr Silberdistel kontert: Laurentius, Georg und Sebastian – gut zu erkennen an ihren Heiligenattributen – Rost, Drache, Pfeile. Unser Gegenüber ist von dieser Kenntnis einigermaßen  beeindruckt, denn, wie er sagt, würden viele Touristen fotografieren, ohne zu wissen, was sie da überhaupt vor sich hatten.
Ich muss zugeben, wäre mir nicht mein Herr Silberdistel zur Seite gesprungen, ich hätte nur Georg parat gehabt – wegen des Drachen, aber mein Retter in der Not stand, Glückes Geschick, ja neben mir und glänzte mit seinem Wissen. Rechts neben den drei goldenen Heiligenfiguren reitet uns übrigens noch einmal der Schutzheilige dieser Kirche, der Heilige Georg, entgegen.

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Der Schutzheilige der Kirche – der Heilige Georg

Nachdem wir noch einige Worte mehr miteinander getauscht haben, wobei wir nicht nur erfahren, dass wir einen ehemaligen Küster der Wehrkirche vor uns haben, sondern auch noch einiges mehr über die Kirche und Effeltrich hören, umrunden wir das Gotteshaus und werfen schließlich noch einen Blick ins Innere.

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Die prunkvolle Ausstattung der Kirchen im Süden beeindruckt mich immer wieder. Dagegen machen unsere norddeutschen fast einen ärmlichen Eindruck.
In der Kirche sind unter anderem ein barocker Hochaltar und eine Rokokokanzel zu sehen, außerdem ein als Lebensbaum gestalteter Bronzealtar und ein Ambo im gleichen Stil.

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Nach der Kirchenbesichtigung schauen wir neben der Kirche einen alten Backofen an und natürlich die Linde gegenüber der Kirchenburg, ebenso ein Fachwerkhaus und andere nette Details auf dem Weg zu unserem Auto.

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Inzwischen hat sich bei uns der kleine Hunger gemeldet. Wir haben die Idee, das Problem in der Gaststätte auf unserer Lieblingsburg, der Giechburg, zu lösen. Als wir bereits fast an der Giechburg sind, reiht sich plötzlich Auto an Auto und es geht nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Verwundert stellen wir kurze Zeit später fest,  dass alle hoch zur Burg wollen. Bunte Luftballons am Straßenrand lassen uns auch hier ein Kirchweihfest vermuten. Also vollziehen wir das zweite Mal an diesem Tag eine Wende und auf geht es zum Schloss Seehof, wo wir endlich etwas gegen unseren kleinen Hunger tun können. Wobei der Hunger derweil schon zu einem richtigen Bärenhunger angewachsen ist und da dieser Tag eh der letzte Urlaubstag ist, schlagen wir zum guten Schluss ordentlich zu.  Es gibt Kaffee, Torte und Eis, aber wir schwören fast noch während des genussvollen Essens, dass wir ab dem vor uns liegenden Montag Diät leben werden.

Wir Silberdistels hatten im vergangenen Sommer, als hier im „Bücherstaub“ Blogpause herrschte, nicht nur unser Enkelkind zu Besuch, wir hatten im August auch noch einmal wieder Gelegenheit, das schöne Frankenland ein wenig weiter zu erkunden und von einigen ausgewählten Unternehmungen möchte ich hier gern noch berichten.

Ich hatte während dieses Urlaubs eines Morgens nach dem Frühstück noch ein wenig in verschiedenen Prospekten über die Fränkische Schweiz geblättert, um zu schauen, was das Frankenland noch alles für seine Besucher zu bieten hat. Auch wenn es nicht uninteressant ist, Bekanntes wiederholt zu besuchen, stand uns durchaus auch nach neuen Erkundungen der Sinn. So entdeckte ich in einem der Heftchen den Hinweis auf einen recht verlockend wirkenden Wanderweg, den wir Silberdistels bisher noch nicht kannten – den Panoramaweg zur Burg Rabenstein und zur Sophienhöhle. Um dorthin zu kommen, mussten wir  zwar erst einmal relativ weit mit dem Auto fahren, aber wie sich bald herausstellen sollte, war es durchaus eine lohnende Unternehmung.

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Burg Rabenstein

Unser erster Zielpunkt war die Burg Rabenstein im „Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst“. Nun ja, die Burg ist nicht, wie der Titel dieses Beitrags vielleicht vermuten ließe, ein kleines unscheinbares Hüttli, da habe ich wohl doch ein bisschen … ähem  … gemauert ;-), sie ist durchaus, um beim Mauern zu bleiben, ein recht respektables Gemäuer. Im ersten Moment, so man sich von der Parkplatzseite auf sie zubewegt, erahnt man ihre wahre Größe auch noch gar nicht. Das sieht man eigentlich erst bei genauerer Betrachtung oder wie wir viel später aus der Ferne. Die Burg steht nämlich auf einem Felsvorsprung in einer Höhe von 420 m oberhalb des Ailsbachtales – gut 6 km nordwestlich der Stadt Pottenstein in Oberfranken. Und das die Burg auf einem solchen Felsvorsprung erbaut wurde, das fällt dem Besucher zumindest beim ersten Betrachten gar nicht auf. Aber so hoch oben auf ihrem Fels kommt sie natürlich, von der richtigen Seite aus in Augenschein genommen, ganz besonders gut zur Geltung.
Die ältesten Teile der Burg stammen übrigens aus dem 12. Jahrhundert. Erbaut wurde sie vom Rittergeschlecht der Rabensteiner, das einen Raben im Wappen führte. Damit dürfte sich also auch der Name der Burg erklären.
Die recht wechselvolle Geschichte von Burg Rabenstein war geprägt von mehrmaliger, fast totaler, Zerstörung und ihrem jeweiligen Wiederaufbau. Heute dient sie als Veranstaltungs- und Tagungshotel.

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Unweit der Burg gibt es ein großes Mittelaltergelände, auf dem regelmäßig Mittelaltermärkte stattfinden.

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Aber auch von anderen Veranstaltungen konnten wir lesen – beispielsweise von Burgkonzerten und Dinnershows.

Wir Silberdistels haben die Burg nur von außen bewundert, wir wollten wandern und Natur genießen und so haben wir die eigentlichen Ausmaße der Burg auch, wie oben bereits erwähnt, erst später wahrnehmen können – von unterwegs aus.
Wir machten uns also ohne einen Abstecher ins Innere der Burg gleich auf die Suche nach dem Einstieg in unseren Wanderweg – den Panoramaweg. Ein Wegweiser ließ uns dann erst einmal grübeln. Aber scheinbar hatten wir am Ende die richtige Wahl getroffen. Hoffnungsvoll folgten wir dem unteren Pfeil mit der Aufschrift „Promenadenweg – Rundwanderweg“.

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Da fällt die Wahl fast schwer, aber der untere Wegweiser scheint unserer zu sein

Während der Wanderung müssten lt. Prospekt 90 m Anstieg überwunden werden. Die Tour war als mittelschwer eingestuft und setzte eine gewisse Kondition voraus, die wir uns aber durchaus zutrauten.

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Zunächst bewegten wir uns auf einem schmalen mit vielen Baumwurzeln gespickten Stolperpfad immer am Bergkamm entlang – wie gut, dass wir festes Schuhzeug für die Wanderung gewählt hatten. Ansonsten ging es recht felsig zu mit  z. T. tiefen Einblicken ins steinige Herz der Gegend, aber ohne Taschenlampe wäre es wohl etwas gefährlich gewesen, solche Höhlen erkunden zu wollen. Wir beließen es also lieber beim bloßen Hineinschauen. Andere Wanderer waren da wohl mutiger, vielleicht auch lichttechnisch entsprechend ausgestattet, denn mitunter hörten wir aus solchen Höhlen menschliche Stimmen.

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Nachdem wir genug hochgekrabbelt und -gestolpert waren, ging es wieder bergab und hinab ins Ailsbachtal.

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An einer Brücke – der Bärenbrücke – überquerten wir Bach und Tal und dann ging’s auch schon wieder hinauf. Eine Weile begleitete uns links unten noch das kleine Gewässer. Kaum hatte es uns verlassen, wurde es auch schon wieder felsig.

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So kamen wir vorbei an der Theresienruhe – einem Gedenkstein für Theresia von Bayern und am Schneiderloch, in das wir nun aber doch hineinschauten, denn in dieser Höhle war es auch ohne Lampe hell genug. Ansonsten erhob sich hier eine recht imposante Felsformation vor uns mit vielen Spalten, Löchern und Höhlen, die sicher auch für geübte Kletterer ein kleines Paradies ist.

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Burg Rabenstein – hier ist schön der Fels zu sehen, auf dem sie erbaut wurde

Kurz hinter dem Schneiderloch hatten wir sogar noch einmal einen wundervollen Blick auf Burg Rabenstein. Von unserem Standpunkt aus konnte man, was ich weiter oben bereits andeutete, sehr schön erkennen, dass die Burg hoch oben auf einer Felsnase erbaut wurde. Und von hier aus sah sie durchaus recht imposant aus.

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In der Ludwigshöhle

Weiter ging es zur Ludwigshöhle, in der Ludwig I., König von Bayern, 1830 für hohe Gäste ein Festbankett gegeben haben soll. Die Größe der Höhle überzeugte mich durchaus davon, dass der Platz auch für eine größere Feierlichkeit ausreichen müsste. Aber es sollte schon sommerlich warm sein, ansonsten könnte es wegen diverser Eingänge oder Einblicke in der Höhle durchaus auch recht zugig zugehen.

Nachdem wir nach dem Verlassen der Ludwigshöhle auch die letzten Höhenmeter noch geschafft hatten, führte uns der Wanderweg noch einmal hinunter ins Ailsbachtal – auf z.T. extrem holprigen und schmalen Pfaden.

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Wir waren umgeben von urwüchsiger Natur. Nicht selten führte der Weg durch sehr enge felsige Durchgänge, vorbei an in die Höhe steigenden Felsen, an alten beeindruckend hoch aufragenden Bäumen. Es ging über in den Fels gehauene Steintreppen, vorbei an Baumgeistern und auch hier wieder über dicke malerisch den Weg gestaltende Baumwurzeln.  Riesige Löcher und Höhlen im Fels ließen uns staunen, mitunter auch gruseln ob der Schwärze in der unendlich erscheinenden Tiefe, aber auch die schönen Ausblick zwischendurch waren die reinste Augenweide. Wir durchwanderten eine landschaftlich unwahrscheinlich reizvolle Gegend.

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Erneut im Tal, überqueren wir ein weiteres Mal den Ailsbach

Noch einmal ging es hinunter ins Tal, über Bach und Straße und dann suchten wir fast ein wenig verzweifelt nach weiteren Wegmarkierungen, um unsere Wanderung fortsetzen zu können. Einer Radlerin ging es scheinbar ähnlich. Sie erhoffte sich für ihre Weiterfahrt einen heißen Tipp von uns und schaute uns nicht nur erwartungsfroh an, sondern auch dort hinauf, wo wir gerade hergekommen waren. Doch wir konnten ihr nur davon abraten, den Weg zu nehmen, auf dem wir eben über Felstreppen, Stolperwurzeln und mitunter extrem schmalen Felsdurchgängen hinab ins Tal gestoßen waren, denn der war für einen herkömmlichen Radler nun wirklich  völlig ungeeignet. Wenigstens konnte Herr Silberdistel ihr mit einem Blick in unsere Wanderkarte ein wenig weiterhelfen. Wir verabschiedeten uns von der Radlerin und hielten weiter Ausschau nach dem Weg, der uns wieder zurück zur Burg Rabenstein führen sollte.
Nach einigem Suchen entdeckten wir schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Aufstieg hinauf zur Sophienhöhle und an der Sophienhöhle mussten wir lt. Karte vorbeikommen, wenn wir wieder zur Burg wollten.

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Die Höhle  ist eine von drei großen Schauhöhlen in dieser Gegend. Hineingeschaut haben wir zwar dieses Mal nicht, aber gemerkt haben wir uns die Sophienhöhle schon. Vielleicht sind wir doch noch öfter einmal im Land der Franken unterwegs und dann wird sich sicher auch dafür einmal eine Gelegenheit finden.
Aber einige andere, oberirdische, wunderschöne Aussichten haben wir noch genossen. Dafür mussten wir allerdings erst einmal 45 Stufen hinauf bis zur Sophienhöhle erklimmen und anschließend noch weitere 76, bis wir uns am höchsten Punkt befanden. Danach konnten wir, ziemlich erleichtert darüber, den straffen Anstieg endlich geschafft zu haben, wieder locker bergab wandern.

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Ganz besonders hat uns das letzte Stück Weg unserer Wanderung gefallen, auf dem es auf einem mitunter äußerst schmalen Pfad durch ein uriges Felsenlabyrinth ging.

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Fast hatte man mitunter Angst, durch den schmalen Spalt zwischen den sich gegenüberstehenden Felsen nicht hindurch zu passen. Aber wir hatten Glück, wir blieben nicht stecken und mussten nicht durch ein Feuerwehreinsatzkommando aus dem Fels geschnitten werden. So landeten wir dann auch bald wieder glücklich an der Burg Rabenstein.

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Die örtliche Gastlichkeit an der Burg Rabenstein, die „Gutsschenke“, haben wir nicht getestet. Da wir später ohnehin noch einkaufen mussten und uns leckerer Kuchen für den Nachmittagskaffee auf der Terrasse unserer Ferienunterkunft vorschwebte, haben wir uns vorerst mit einem kleinen Imbiss aus meiner Wanderverpflegung begnügt.

Fazit: Wir haben einen schönen sonnigen Tag in einer fantastischen, fast unberührt wirkenden Landschaft, die uns sehr an Rhön und Pfalz erinnerte, erlebt. Das ganz Besondere daran war, dass wir fast gänzlich jenseits von Asphaltwegen und Straßen, sieht man von der zweimaligen Straßenüberquerung unten im Tal einmal ab, zu Fuß unterwegs waren – auf einem Wanderweg, der gerade deshalb unwahrscheinlich  viel Spaß gemacht und der uns wundervolle urige Natur geboten hat. Wer das so sucht, was wir es dort vorgefunden haben, dem kann man diesen Wanderweg nur sehr ans Herz legen. Und wem das alles noch viel zu wenig ist, der kann unterwegs in die Sophienhöhle schauen, sich am Ende auf der Burg Rabenstein ein wenig umschauen oder/und in die sich gegenüber der Burg befindliche Falknerei schauen, in der es über 80 Greifvogelarten zu bewundern geben soll. Wenn man das alles an einem Tag geschafft hat, dann muss man anschließend aber doch noch in die Gutsschenke, um nach einem ordentlichen Essen wieder zu Kräften zu kommen.

… dann hört man das mitunter bis zur Ostseeküste und so machten wir Silberdistels uns selbstverständlich auf den Weg dorthin. Was das ist – das Walberla? Natürlich ein Berg – ein Berg in Franken. Das Walberla, wie die Franken diesen Tafelberg liebevoll nennen, erhebt sich östlich der Stadt Forchheim.

Die Kapelle auf dem Walberla

Die Kapelle auf dem Walberla

Eigentlich heißt das interessante Bergmassiv Ehrenbürg. Es besteht aus dem 532 m hohen Rodenstein und dem 512 m hohen Walberla, auf dem sich als kleine Krönung eine alte Kapelle, erbaut im 17. Jahrhundert, befindet.

Ein fantastischer Blick belohnt uns für den etwas schweißtreibenden Aufstieg

Ein fantastischer Blick belohnt uns für den etwas schweißtreibenden Aufstieg

Auf dem Bergmassiv gibt es neben Trockenrasen noch vielerlei seltene Pflanzen zu entdecken, sodass man das Gebiet unter Naturschutz gestellt hat. Vom Walberla aus hat man, wie wir uns selbst überzeugen konnten, einen fantastischen Blick in die umliegenden Täler. Gern wird der Berg auch als „Tor zur Fränkischen Schweiz“ bezeichnet. Rundum erstreckt sich das größte Süßkirschenanbaugebiet Deutschlands. Als der Walberla uns am 2. Mai mit seinem Frühlingsfest zu sich auf den Berg rief, waren die Kirschbäume rundum in voller Blüte. Ein traumhafter Anblick erwartete uns. Man konnte sich kaum sattsehen an der herrlichen Blütenpracht.

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Übrigens hat das Walberlafest bereits eine lange Tradition. Bis ins 14. Jahrhundert zurück kann man darüber lesen. Der Charakter des Festes hat sich im Laufe der Geschichte vom uralten Walburgisfest, über Walfahrten bis hin zum fast reinen Volksfest gewandelt. Heute findet das Walberlafest alljährlich am ersten Maiwochenende statt. Es hat sich zu einem fröhlichen Volksfest für Groß und Klein entwickelt, das Tausende von Besuchern anzieht und wie man an uns sieht, nicht nur aus Bayern 😉 Wie archäologische Funde zeigen, war das Walberla bereits zur Bronzezeit, ca. 1000 v. Chr., besiedelt. Noch heute kann man dort die alten Befestigungsanlagen der Kelten, ca. 500 v. Chr., erkennen. Wer mehr über das Walberla erfahren möchte, kann gern hier schauen. Dort habe auch ich mich über unser Ausflugsziel etwas genauer informiert und daraus diese kleine Kurzbeschreibung zusammengestellt.

Und nun aber endlich auf zum Walberla!

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 … einem Schäferstündchen an der alten Ölmühle? Wäre doch sicher romantisch, oder? Nicht? Ein Schäferstündchen klingt irgendwie leicht anrüchig? … und da das hier ein anständiges Blog ist … Okay, es sollte auch so bleiben. Aber ein Plauderstündchen mit dem Schäfer darf’s doch sein, oder? Also? Genehmigt? Gut, dann schau’n wir doch ganz einfach trotzdem erst einmal zur alten Ölmühle, weil … sie liegt quasi auf dem Weg zum Schäfer. Alte Ölmühle – das klingt irgendwie nach … nach … das klingt irgendwie museumsreif, nicht wahr?

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… und genauso ist es auch. Wir sind nämlich immer noch im Fränkischen Freilandmuseum von Bad Windsheim. Einem aufmerksamen Beobachter ist das auch sicher nicht entgangen. Die hübschen alten Fachwerkhäuschen hier oben haben es vielleicht schon verraten. Sehen sie nicht nett aus? Ich glaube, darin könnte man sich durchaus auch heute noch recht wohl fühlen und wenn mir ein solches hübsches Häuschen gehören würde, ich denke, ich würde es lieben und hegen und pflegen. … und wer bräuchte da noch eine Ölmühle für ein Schäferstündchen? Oh, pardon, dass ich schon wieder beim Schäferstündchen bin, aber irgendwie klingt es so nett – nicht nur nach Schäfer, vor allem auch nach Schafen. … und eigentlich interessieren mich die Schafe ja mehr als der Schäfer. Ich liebte schon als Kind die beiden Schafe bei meinen Großeltern. Sie hießen Hanne und Hanne – die Schafe, nicht die Großeltern. Nebenbei bemerkt hießen die beiden Ziegen auch Hanne und Hanne. Nicht sehr erfindungsreich, meine Großeltern, bei der Vergabe von Namen, oder? Aber seltsamerweise habe ich mir als Kind darüber keinerlei Gedanken gemacht. Das war eben so, dass Schafe und Ziegen Hanne hießen. Die Kuh allerdings hieß Hulda und die Pferde … ich glaube, die Pferde hießen gar nicht. Aber ich schweife ab, wir wollten zur Ölmühle …

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Ach, und da schaut sie ja bereits zwischen all dem Grün hervor. Ein durchaus idyllisches Örtchen, an dem die Ölmühle 1986 ihr zweites Zuhause gefunden hat. Die sogenannte Flederichsmühle stand ursprünglich im Landkreis Aschaffenburg im bayerischen Spessart. Ihr Name geht auf die Flurbezeichnung „Flederich“, in der sie damals erbaut wurde, zurück, was so viel wie Sumpfgras heißt.

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Hm, also vom Müller, der uns etwas über die Mühle erzählen könnte, ist weit und breit nichts zu sehen, aber lernen können wir trotzdem etwas – der Müller hat nämlich für die Wissbegierigen kleine Informationstäfelchen in seiner Mühle hinterlassen. So erfahren wir, dass die Ölmühle 1810 erbaut wurde und ab 1883 auch als Getreidemahlmühle arbeitete. In Betrieb war die Mühle bis 1935. Wie für die Mühlen in Franken fast allgemein üblich wurde auch diese Ölmühle durch Wasserkraft angetrieben. Um z.B. einen Liter Öl zu erhalten, benötigte man fünf Pfund Raps. Das gewonnene Öl wurde u.a. als Lampenöl, als Schmiermittel, für Heilmittel oder auch für die Seifenherstellung verwendet. Am Beispiel gerade dieser Mühle sehen wir nicht nur wie Mühle und Müller damals arbeiteten, wir erfahren damit auch, wie ärmlich die Menschen einst leben mussten. Der winzig kleine Wohnteil zeigt das sehr eindrucksvoll. Was für uns besonders interessant war und was sicher auch die große Armut der Müllersleute erklärt, ist die Tatsache, dass der gesamte Besitz der Mühle samt Wohnhaus 1849 geteilt wurde. Im Mainzer Landrecht war die sogenannte Realteilung (Aufteilung auf alle Kinder) im Erbrecht festgelegt, d.h. der Besitz wurde nach dem Tod – bei unserem Beispiel nach dem Tod des Müllers – auf alle vorhandenen Kinder aufgeteilt. Das führte im Endeffekt zu immer kleineren Besitzanteilen, was letztendlich die Armut immer weiter vergrößerte.

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Aber es gab durchaus nicht nur arme Müller oder Bauern. Während unserer Suche nach dem Schäfer und seinen Schafen kommen wir nicht nur an der Ölmühle vorbei, wir überqueren auch eine Hofstelle, die einst einem recht wohlhabenden Bauern gehörte. Erbaut wurde sie 1772, erfuhr dann 1823 einige grundlegende Umbauten und weitere in den Jahren 1907 bis 1911.

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Die Hofstelle zeigt die typische Hofanlage eines Dreiseithofs mit allen dazugehörenden Gebäuden. Interessant ist der 1840 aus Sandsteinquadern entstandene Schweinestall. Er verfügt über fünf Einzelstelle, die den Tieren eine trockene und zugluftfreie Unterkunft boten. Über den Ställen gibt es eine sogenannte Holzlege, die zum Trocknen von Feuerholz gedacht war. Alles in allem eine für damalige Zeiten recht moderne und großzügige Hofanlage, die natürlich mit den dazugehörigen Feldern nicht nur vom Bauern und seiner Familie selbst bewirtschaftet werden konnten. Für den Bauern arbeiteten mehrere Mägde und Knechte.
So, nun machen wir uns aber endlich zum Schäfer auf!

Schäferei aus Hambühl

… und da steht sie vor uns – die Schäferei aus Hambühl. Entstanden ist der Fachwerkbau im Jahre 1744 als Gemeindebau. In vielen Dörfern Frankens gab es früher solche Gemeindehäuser mit oft wechselnden Funktionen. Das Haus aus Hambühl ist ursprünglich als Hirtenhaus geplant und gebaut worden. Es besteht aus zwei Wohnteilen. Den rechten Teil sollte der große Hirt, der für die Rinder, Schafe und Schweine zuständig war, bewohnen und den linken Teil der kleine Hirt, der die Gänse, aber auch die Ochsen des Dorfes betreuen sollte. Im hinteren Teil des Hauses befindet sich ein Schafstall.
In der Regel standen die Häuser der Hirten und Schäfer am Rande oder außerhalb des jeweiligen Dorfes und so wurde auch die Schäferei aus Hambühl nach ihrem Umzug ins Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim etwas abseits der anderen Bauten wiedererrichtet. Mit dieser Randlage soll die Außenseiterstellung der Schäfer und Hirten zur damaligen Zeit verdeutlicht werden, denn sie hatten selbst keinen Haus- und Grundbesitz und besaßen somit auch keinerlei Gemeinderechte, gehörten also nicht zu den vollberechtigten Gemeindemitgliedern eines Dorfes. Der Schäfer wurde vom Dorf immer nur für eine bestimmte Dienstzeit übernommen – in der Regel für ein Jahr. Danach musste er wieder neu übernommen werden. Das erinnert mich doch sehr an die befristeten Arbeitsverträge von heute.
Im Laufe der Zeit hatte das Haus viele verschiedene Bewohner. Es diente nicht nur als Hirten- oder Schäferunterkunft, es war zeitweise ebenso Krankenstube, Herberge für Bettler, Armenstube und Gemeindehaus. Das heutige Haus zeigt uns, wie es dort im Jahre 1926 ausgesehen hat.

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Trotz der vielfältigen Nutzung der Schäferei war  die Schafscheune immer Schafstall und so ist es auch heute noch.  Interessiert hatten wir uns im Haus umgesehen und so allerlei über seine Geschichte und seine ehemaligen Bewohner erfahren. Ein bisschen traurig waren wir schon, denn einen Schäfer konnten wir nur auf alten Fotos betrachten, ein lebensechter Schäfer mit Hund und Schafen wäre uns dann doch ein wenig lieber gewesen.

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Doch dann, als wir die Schäferei gerade wieder verlassen hatten, kamen sie uns entgegen – die Schafe, der Schäfer und sein bunter Schäferhund. Die Schafe hielten sich nicht lange mit und bei uns auf. Zielsicher rannten sie auf ihren Schafstall zu. Nichts konnte sie mehr halten. Sie rannten, als würde in ihrem Stall eine ganz besonders schöne Überraschung auf sie warten.

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Während die Schafe davonstürmten, kamen wir und einige andere Museumsbesucher doch noch zu unserem Schäferstündchen, also zu unserem Plauderstündchen mit dem Schäfer. Welcher Rasse denn der Schäferhund angehören würde, wollte jemand wissen. Der Schäfer grinste und erklärte, dass für ihn nicht die Rasse wichtig wäre, sondern dass der Hund von seiner Aufgabe etwas verstehen würde und dieser Mischling hier wäre einer der besten Schäferhunde, mit denen er jemals zusammengearbeitet hätte.

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Also, mich hat der aufmerksame Blick des vierbeinigen Hirten durchaus überzeugt. Er ließ seine Schafe keine Sekunde aus den Augen, während der Schäfer mit uns schwatzte und eher gar nicht auf seine wollige Herde achtete. Er wird wohl wissen, dass er sich auf seinen vierbeinigen Begleiter voll und ganz verlassen kann.

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Vergnügt und zufrieden darüber, am Ende doch noch den Schäfer und seine Schafe getroffen zu haben, aber auch ein bisschen müde vom langen Tag und den vielen zurückgelegten Kilometern strebten wir dem Ausgang des Fränkischen Freilandmuseums entgegen. Zum guten Schluss ging es noch einmal durch ein wunderschönes Stückchen Natur, zwar von Menschenhand angelegt und gestaltet, dennoch wunderhübsch anzuschauen – ein Feld voller herrlicher Düfte, summender und umherflatternder Insekten, ein Feld voller Sonnenhüte, Eibisch, Ringelblumen und mehr – ein fantastischer bunter Traum – wie der Tag, den wir hinter uns hatten.