Mit ‘Film’ getaggte Beiträge

Ich hab’s schon wieder getan. Also diese Sache mit dem Schlachtfest in der Küche. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an das Massaker im letzten Jahr.

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Ich konnte einfach nicht widerstehen. Dieses Mal war aber nicht wie damals der Nachbar daran schuld, dieses Mal hat mich eine ehemalige Kollegin dazu animiert. Es begann damit, dass ich nicht ablehnen konnte, als sie mich dazu einlud, in ihrem Garten eine kleine Klettertour zu unternehmen. Ich war echt begeistert über die Einladung, denn schon als Kind bin ich gern auf Bäume geklettert und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ein wenig eigenartig ist allerdings, dass ich zwar völlig problemlos auf Bäume steigen kann, aber an steilen Abhängen kann ich nicht stehen, ohne dass mich die nackte Angst packt. Schon seltsam dieser Widerspruch, oder?

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Übrigens begleitete mich mein Herr Silberdistel auf dieser Klettertour. Er allerdings klettert weniger gern auf Bäume. Um so mutiger war es natürlich, dass er mich überhaupt begleitet hat. So durfte ich für meinen Aufstieg sogar die höhere Leiter benutzen. Herr Silberdistel fand es nämlich weitaus angenehmer, festen Boden unter den Füßen zu behalten oder den Boden zumindest noch in erreichbarer Nähe zu haben. Aber es ist ja auch in Ordnung, wenn wenigstens einer aus der Familie auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Ich allerdings wollte gern hoch hinaus, musste sogar hoch hinaus. Schließlich sollte diese Kletterei auch einen bestimmten Zweck erfüllen, wir durften nämlich Kirschen ernten – diese kleinen mecklenburgischen, ähnlich denen, die mir im vergangenen Sommer der Nachbar vorbeibrachte und aus denen ich letztendlich in meiner Küche nach einer recht blutigen Aktion diese wunderbare geistvolle Kerschkonfitüre zauberte. Somit wäre also auch erklärt, was das Schlachtfest in meiner Küche mit der Klettertour in fremden Gärten zu tun hat.

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Na, und wenn wir nicht geerntet hätten, dann hätten es ganz sicher Amsel, Star und Co. getan. Meine Kollegin hatte keine Lust mehr auf Kirschen. Sie hatte bereits so viele Kirschen gepflückt, dass sie am Ende schon glaubte, selbst eine Kirsche zu sein.

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Nach einer aufregend schönen Kletter- und Pflückaktion, die mich sehr an meine Kindheit und den Kirschbaum im Garten meiner Großeltern erinnerte, auf dem ich zur Kirschenzeit liebend gern saß und nur so um mich herum aß, zogen wir mit einem Eimerchen voll kleiner leckerer Sauerkirschen wieder von dannen.
Übrigens gab es damals bei Oma mitunter Ärger, weil mein hübsches Sommerkleidchen nach meiner Kletter- und Naschaktion plötzlich ein rotes Tupfenmuster aufwies. Dieses Mal hatte ich gleich ein lila T-Shirt an. Oma hat das bestimmt von ihrem Himmelsplatz aus wohlwollend zur Kenntnis genommen.

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Ein Haselnussbohrer (ein Dankeschön an Jule für die Identifizierung des kleinen Burschen)

Natürlich ging es auch dieses Mal nicht ohne rote Tupfen im Gefieder ab, aber inzwischen ist das ein Problem, mit dem ich ganz allein fertig werden muss.
Als ich schließlich mit meinem zum T-Shirt passenden Eimerchen in unserer silberdisteligen Küche stand, um mich dieser blutigen Entsteinungsaktion zu widmen, entdeckte ich einen winzigen Gast auf dem Eimerrand, den wir scheinbar aus dem Garten meiner Kollegin mitgebracht hatten. Saß da doch ein kleiner Rüsselkäfer. Unsere Kirschenernte war also nebenher für uns sogar noch eine kleine Bildungsreise gewesen und für das winzige Insekt eine wahre Weltreise, denn ein paar Meterli liegen schon zwischen dem Garten meiner Kollegin und unserer Küche.

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Doch genug der Plauderei. Dieses Mal ging die Trennung der Spreu vom Weizen auch nicht weniger blutig vonstatten als im letzten Jahr. Genau genommen ging es dieses Mal sogar noch einen Tick blutroter zu und das eigentlich nur, weil ich etwas vergesslich war. Die Kerschgeistkonfitüre vom vergangenen Jahr enthielt als geheime Zutat einen halben Liter Orangensaft. Beim diesjährigen Einkauf der Zutaten habe ich mich falsch an mein Rezept erinnert und kaufte Kirschsaft statt Orangensaft ein. Nun bin ich nicht nur vergesslicher, sondern auch fauler geworden. So eilte ich nach dem Bemerken der falschen Zutat, was natürlich erst zuhause geschah, nicht noch einmal zurück in den Supermarkt meines Vertrauens. Gekauft ist gekauft.

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Da musste halt der Kirschsaft als Ersatz herhalten. Unter uns, ich glaube, im letzten Jahr war der Orangensaft eine Verlegenheitslösung, weil zufällig im Hause Silberdistel vorhanden. Meiner Kerschgeistkonfitüre der zweiten Generation ist nun der Kirschsaft auch gar nicht so schlecht bekommen. Naja, eigentlich sollte zu Kirschen ja auch Kirschsaft gehören. So ist die diesjährige Konfitüre sogar ein wenig blutroter geworden und auch vom Geschmack her ist sie leicht anders – noch ein bisschen kerschiger. Wir Silberdistels lieben auch diese Variante, wobei auch die andere was fürs Leckermäulchen ist. Aber schließlich will man auch ab und zu etwas Abwechslung auf dem Frühstückstisch haben. Ich werde in Zukunft keine der beiden vernachlässigen.
So, aber nun endlich zum Eigentlichen, zum Rezept meiner diesjährigen Kerschgeistkonfitüre!

Zutaten:

1000 g Sauerkirschen
500 ml Kirschsaft
2 Päckchen Gelierzucker zu je 500 g (2:1)
1 Esslöffel voll Zimt
1 Päckchen Zitronensäure
1 Päckchen Orangenschalen-Aroma oder abgeriebene Orangenschale
Saft von einer Zitrone oder 1 Fläschchen Zitronen-Aroma
1 Fläschchen Rum-Aroma (wer es nicht mag, darf es gern weglassen, weil wir eh noch Rum hinzufügen)
1 Fläschchen Butter-Vanille
120 ml brauner Rum
130 ml Kirschwasser

Zubereitung:

Die Kirschen waschen und von eventuell noch vorhandenen Stielen befreien. Anschließend geht es an diese blutige Angelegenheit – ans Entsteinen der Kirschen.

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Wenn das endlich geschafft ist, ist man auch selbst ziemlich geschafft, dennoch war das erst der Anfang auf dem Weg zur leckersten Kerschgeistkonfitüre der Welt.

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Aber immerhin sind wir bereits soweit, dass wir die Kirschen in einen Topf geben, den Kirschsaft hinzufügen und Zimt, Orangenschalen-Aroma, Zitronensaft, Rum-Aroma und Butter-Vanille ebenfalls dazugeben können.

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Alles etwa 5 Minuten kochen. Wer möchte, kann nach diesem kurzen Kochvorgang die Kirschen mit einem Pürierstab noch ein wenig mehr zerkleinern.

Nun geben wir Zitronensäure, Rum, Kirschwasser und den Gelierzucker hinzu und kochen das Ganze noch einmal nach der Kochanweisung auf der Gelierzuckerpackung auf. In der Regel sind das 3 bis 4 Minuten.

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Und damit haben wir unsere diesjährige Kerschgeistkonfitüre mit großer Kochkunst und viel Geist fertiggestellt.

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Na? Muss man sie nicht zum Fressen gern haben, wie sie dort so steht in ihrer bunt zusammengewürfelten Marmeladenglasversammlung – die überaus leckere Kerschgeistkonfitüre?

Ach übrigens gibt es doch da den Herrn Sommer, der uns neuerdings mit klitzekleinen hübschen Videos die Welt der Literatur zu Füßen legt. Ich hatte bereits bei meiner Vorjahreskerschgeistkonfitürenaktion darauf verwiesen, dass und warum man immer ein Fläschchen Kerschgeist im Hause haben sollte.

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Herr Sommer hat jetzt, sicher extra für mich und meine Kerschgeistkonfitüre, ein Video erschaffen, das in wenigen Minuten die ganze Geschichte mit dem Sensenmann, dem Brandner Kasper und warum man immer einen Kerschgeist im Hause haben sollte, erklärt.
Wer’s schauen mag – so als Vorbereitung für den Fall der Fälle – hier ist sie „Die Gschicht vom Brandner Kasper“ aus „Sommers Weltliteratur to go“ – in nur kleinen 2 Minuten erzählt.

Der vergangene Sonntag war hier bei uns schon echt ein Apriltag, wie er im Buche steht. Ich hatte berichtet, wie wir Silberdistels  zu nachtschlafender Zeit wachgetrommelt wurden. Okay, sicher gibt es Schlimmeres und wir würden in der Nacht zum Montag den versäumten Schlaf ganz einfach nachholen können, aber ein wenig ärgerlich war’s schon, so früh aus den Federn gerissen zu werden. Frohgemut kuschelten wir uns dann am Sonntagabend auch in die weichen Kissen, um das Versäumte nachzuholen und tatsächlich schliefen wir auch tief und fest und störungsfrei.

Montagmorgen – neuer Tag – neues Glück! Frisch erholt und ausgeschlafen gehe ich zum Fenster und schaue in den neuen Morgen. Was ist das? Ein Déjà-vu? Hab ich das nicht eben gerade gesehen? Aber es war doch am Ende alles weg! Wie kann es da jetzt wieder da sein?

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Einigermaßen verblüfft schaue ich aus dem Fenster und komme mir in den Sonntagmorgen zurückversetzt vor. War das möglich? So wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier„?

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Auch unten im Garten ist wieder alles voll mit diesen kleinen weißen Kugeln. Es ist so nass und ungemütlich, als hätten wir wieder gestern. Hatten wir so tief und fest geschlafen, dass wir dieses Mal nichts vom Trommelwirbel der Hagelkörner mitbekommen hatten? Wahrscheinlich wohl. Oder war es jetzt wirklich wieder Sonntag, nur dass er für uns dieses Mal erst nach diesem Prasselkonzert begann?

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Die Katzen schauen ähnlich irritiert wie ich in die Gartenwelt. Offensichtlich fühlen auch sie sich in den Tag zuvor zurückversetzt. Unsere graue Eminenz blickt kopfschüttelnd zur Tür hinaus, macht sich dann aber im Vergleich zum Sonntagmorgen, wo sie nur kurz die Nase zur Tür hinausgesteckt hatte, zu einem kurzen Reviergang auf. Wahrscheinlich kennt sie den Film mit dem Murmeltier auch, ziemlich sicher sogar als unsere langjährige Mitbewohnerin,  und versucht nun, diesen erneuten Sonntag etwas anders zu gestalten, denn im Film hatte der Sinneswandel Phil Connors (dargestellt von Bill Murray) ja letztendlich geholfen, wieder aus der Zeitschleife, in die er geraten war, zurück ins normale Leben zu finden. Aber sollen wir denn nun bessere Katzen und Menschen werden? Dabei dachten wir bisher, wir könnten so bleiben, wie wir sind. Ob der Herr April da irgendwie anderer Meinung ist?

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Keks jedenfalls macht nichts großartig anders, aber er kennt ja auch den Film noch nicht. Nach einer kurzen Sitzübung neben dem Gartenstuhl, die wie am Tag zuvor wieder mit Staunen einhergeht, folgt er der grauen Eminenz unauffällig. Zumindest das ist dieses Mal an Keksens Gartenmorgen dann doch anders als am gestrigen Sonntag.

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Auch Torty versteht die Welt nicht mehr und glaubt ein wenig an eine Klimakatastrophe und bei Klimakatastrophen bleibt man lieber im Haus. Sie versucht also, auch ohne Filmkenntnisse ihren Tagesablauf etwas zu variieren.

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Ihr Lieblingssonnenplatz beim Drachen ist eh vereist. Was spricht da also für einen netten Tag in den silberdisteligen vier Wänden? Aber eigentlich, ein bisschen Reviergang sollte eine Katze, die etwas auf sich hält, vielleicht auch dann hinter sich bringen, wenn das Klima sich gerade zu einer Katastrophe auswächst. Schließlich muss man sich auch an neue Gegebenheiten anpassen können, wenn man überleben will. Naja, und auf dem Rücken des Drachens sieht es doch irgendwie weniger eisig aus.

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Torty schaut und schaut und dann entsteht in ihrem Kopf ein Plan. Sie ist nicht nur groß im Denken, sie ist auch groß in Balanceakten und das könnte sie jetzt geschickt ausnutzen. Nach intensiver Tüftelei beschreitet sie den für sie einzig gangbaren Weg zum Drachen …

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… und der führt über die tönerne Katzenkollegin, weiter über das blumentopfige Hinterteil der Dame aus Ton und dann über einen Minischritt aufs eisige Bänkchen zum Ziel ihrer Wünsche. Und siehe da, schon ist Torty dem Drachen zu Kopfe gestiegen. Und bei dem ganzen Balanceakt hat sie kaum eines der eisigen Kügelchen betreten müssen. Das soll ihr jetzt aber mal einer nachmachen.

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Geschafft! Das war ein recht beschwerlicher Weg. Uups! Ganz schön wacklig auf so einem Drachenkopf. Aber kalt ist er auch irgendwie. Dabei dachte Torty, Drachen speien Feuer und sind deshalb schon von Natur aus eher feurig denn eisig kalt. Sicher sind diese Geschichten mit den Feuer speienden Drachen nur blöde Märchen. Alles erstunken und erlogen. Ja, erst das wirkliche Leben, die eigenen Erfahrungen machen uns schlau. Ach, die graue Oberkatze kommt schon vom Rundgang zurück – sicher mit urst kalten Pfoten. Dann wird ja Keks wohl auch gleich kommen.

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Torty als Torwächter harrt weiter auf ihrem Wackelposte aus, während die Oberkatze zügig ins Warme eilt. Keks jedoch dort hinten hat scheinbar noch etwas vor. Eine Verabredung gar? Und das in solcher Eiseskälte? Torty wirkt wegen Keksens Abstecher in noch weitere Teile der Gartenwelt aus unerfindlichen Gründen etwas ungehalten.

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Ah ja! Tatsächlich! Keks hatte wohl in der Tat noch etwas Unaufschiebbares zu tun.

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Musste er schnell noch den Sperlingsmädels einen guten Morgen wünschen oder hatte der Schelm etwa Appetit auf leckeren Sperlingsbraten? Aber nein, Keks doch nicht! Er wollte sicher nur nett mit den Mädels flirten oder mit ihnen über Gott und die Vogelwelt plaudern.

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Ach, da ist er ja endlich wieder. Wurde aber auch Zeit! Torty schaut ihm ungeduldig und schon ziemlich unterkühlt entgegen.

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„Na endlich kommst Du, Keks. Meine Pfoten sind mir fast am Drachen festgefroren.“

„Wer hat denn gesagt, dass Du auf mich warten musst, Torty, und warum bist Du so sauer?“

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„Na, Du hast doch gesagt, wir gucken nur kurz in den Garten und dann spielen wir noch eine Runde. Aber Du, Du rennst hier stundenlang herum, als hätten wir den tollsten Frühlingstag und ich steh‘ derweil dumm in der Gegend rum.“

„Ach ja? Ich hab‘ gesagt, wir spielen gleich noch eine Runde? Muss mir unterwegs irgendwie entfallen sein.“

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„Ja, Keks, wahrscheinlich ist Dir Dein Gehirn bei der Rumrennerei in der Kälte eingefroren und da hast Du überhaupt keinen Gedanken mehr an Deine Lieblingsschwester verschwendet. Natürlich hast Du vor dem Rausgehen versprochen, dass wir anschließend noch spielen! Nun los, beeil Dich, Keks, ich hab‘ die Mäuse und so schon mal bereit gelegt. Komm schnell, damit uns wieder warm wird beim Spiel!“

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Und das Ende der Geschichte? Wie das war? Wir können zum Glück wohl doch so bleiben, wie wir sind, und müssen nicht wie in dem Murmeltierfilm wieder und wieder denselben Tag durchleben, denn einen Tag später bekamen wir tatsächlich den ganz normalen Dienstag in unser Leben gesetzt und nicht erneut den Sonntag mit seinen kleinen Eiskugeln. Aber dennoch, der April fühlte sich immer noch sauwohl, pfiff grinsend um die Häuserecken, blies uns Eisluft ins Gesicht, schubste kurz die Sonne durch die Wolken, riss sie wenig später wieder rein in die graue Watteschicht und schüttete uns immer wieder eimerweise Wasser in den Tag. Wir Silberdistels hatten aber durchaus auch im Haus genug zu tun und die Katzen verlegten ihre Aktivitäten ebenso wie wir Menschen mehr nach drinnen, stellten dabei allerdings auch so allerlei Unsinn an. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Lesen geht heute anders, ganz anders als damals, als wir, besonders wir ganz schön doll Erwachsenen, noch in den Kinderschuhen steckten. Das ist mir heute wieder einmal klar geworden, als ich meinen letzten Rest vom Frühstückstee genüsslich in mich hineinschüttete und dann mein kleines Tablet zur Hand nahm, um zu schauen, was es Neues in der Welt gibt. Da las ich doch gleich: Heute ist „Welttag des Buches“. Uups, wie peinlich ist das denn? … und ich sitze hier mit meinem Tablet statt mit einem ordentlichen Buch oder einer raschelnden Zeitung in den Händen. Tja, und da sind wir dann auch genau bei dem Thema, dass das Lesen heute eben anders geht als damals, als klein Silberdistelchen noch in einem ihrer ach so geliebten Märchenbücher aus richtigem Papier blätterte und sich schließlich in diese Geschichte mit dem süßen Brei vertiefte. Meine alten Märchenbücher hat mir unlängst ein Blogbeitrag von Gudrun aus dem „Spinnstübchen“ wieder einmal ins Gedächtnis gerufen. Gudrun hatte nämlich überglücklich in einem Antiquariat genau die Ausgabe ihres einstigen Lieblingsmärchenbuches aus Kindertagen wiederentdeckt. Natürlich musste sie hinein in die Buchhandlung und das Buch, das wunderschöne alte Erinnerungen weckte, mitnehmen. Als ich Gudruns Beitrag las, da musste auch ich meine beiden Lieblinge aus der Kinderzeit wieder einmal aus dem Bücherregal nehmen und hineinschauen.

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Mein allerliebstes Märchenbuch mit Grimms Märchen hatte sich durch den vielen Gebrauch zur Kinderzeit schon etwas aufgelöst, wie es auch mit Gudruns ursprünglichem Buch einst geschah. Ihres sollte zum Buchbinder, verschwand dann aber auf seltsame Weise auf dem Weg dahin ganz. Meines hingegen fand den Weg zum Buchbinder, allerdings erst spät. Die Kindheit lag schon eine erstaunlich lange Zeit hinter mir, mein Herr Silberdistel war bereits in mein Leben getreten und ich hatte sogar selbst schon Kinder. Der kleine Märchenschatz stand nach wie vor im Bücherschrank und eines Tages wollte mein Herr Silberdistel einige Bücher, die ihm sehr am Herzen lagen, zum Buchbinder bringen. Was lag da näher, als mein altes Lieblingsmärchenbuch, „Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“, illustriert von Lea Grundig, erschienen im Kinderbuchverlag Berlin im Jahre 1955, mitwandern zu lassen. Es hatte sich ein neues Kleid verdient, hatte es mir doch schon so viele wunderbare märchenhafte Stunden im Leben geschenkt – erst mir selbst, dann mir und meinen Kindern und vielleicht schaut ja auch noch einmal eines meiner Enkelkinder gemeinsam mit mir hinein. Aber wer weiß, möglicherweise schauen wir auch auf mein Tablet und lesen dort Grimms Märchen oder aber wir spielen mit Playmobilfiguren und nehmen dabei so ganz nebenbei eine Kelle voll klassischer Bildung zu uns – ganz spielerisch und so gar nicht anstrengend. Wie das geht? Ganz einfach. Ich hab’s gerade bei „Fernweh“ gelernt.
Als ich nämlich heute mit meinem elektronischen Lesegerät nach dem Frühstück noch ein wenig weiter durchs WWW schlenderte, blieb ich bei einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kultur – für Banausen???“ hängen. In diesem Post ging es unter anderem um diese geliebten oder mitunter auch gehassten kleinen Heftchen, die wahrscheinlich ähnlich wie Märchenbücher in wohl fast jedem Haushalt zu finden sind oder die dort zumindest irgendwann einmal zu finden waren – die kleinen Büchlein vom Reclam Verlag. Wie oft haben wir sie in der Schulzeit gehasst, mussten wir uns doch durch sie und ihren mitunter unverständlichen alten klassischen Inhalt quälen. Und nun lese ich bei „Fernweh„, dass auch „Reclam“ mit der Zeit geht und uns das Leseleben leichter macht, besonders das, bei dem es um unsere sogenannte klassische Bildung geht. Mit Hilfe von Playmobilfiguren erzählt uns der Literaturwissenschaftler, Regisseur, Autor und Dramaturg Michael Sommer in einem etwa 10-Minuten-Filmchen den Inhalt einiger gewichtiger Theaterstücke und inzwischen auch den Inhalt etlicher anderer Werke der Weltliteratur. Begonnen hat das Ganze mit einer Einführungs-Veranstaltung zur Inszenierung von „Dantons Tod“ am Ulmer Theater. Da dieses Filmchen so enorm gut ankam, folgten bald weitere solcher Kurzfilme und inzwischen gibt es eine richtig kleine Serie unter dem Titel „Sommers Weltliteratur to go„. Wie ich bei „Fernweh“ las, wird das Projekt seit Sommer 2015 vom Reclam Verlag unterstützt, dem Verlag also, dem wir fast alle einen Teil unserer klassischen Bildung zu verdanken haben.

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Übrigens war Reclambuch nicht immer gleich Reclambuch. Die ganz alten Heftchen kamen im schlichten mehr oder weniger Braun daher. Nach der deutschen Teilung trugen die Reclam-Ausgaben im Westen ein gelbes Outfit und die im Osten ein weißes bzw. schwarzes. Die einen erschienen in Stuttgart und die anderen in Leipzig.

Als kleines Filmbeispiel aus „Sommers Weltliteratur to go“ hier nun „Romeo und Julia to go“. Wie hätten wir uns damals über eine solche, noch dazu sehr unterhaltsame, Kurzfassung gefreut, denn gewöhnlich hatte man doch viel zu spät mit dem Lesen begonnen und wusste im Literaturunterricht zunächst bei der Besprechung des Werkes gar nicht, was Sache war, wobei, unter uns gesagt, ich „Romeo und Julia“ noch ganz gern gelesen habe. Neuerdings kann also das Schulkind seine Ferien bei der Oma verbringen und anschließend kommt es mit einem großen Sack voller Playmobilfiguren klassischer Bildung nach Hause zurück. Apropos Märchen, sicher ließe sich auch das eine oder andere Märchen genauso überaus humorvoll als Film umsetzen. Mir geht da gerade „Der süße Brei to go“ durch den Kopf 😉 Aber was heißt hier könnte? Mein Wunsch ist bereits Wirklichkeit, denn unter „Geheimakte Grimm“ gibt es schon so allerlei Märchenhaftes von Herrn Sommer zu sehen.

Könnt Ihr Euch noch an die Knödelschlacht im „Gasthaus zur Silberdistel“ erinnern? Ende März war dort zur letzten Knödelmahlzeit der Saison eingeladen worden. Die Zahl der Gäste an jenem Tag war enorm und es wurde um jedes kleine Knödelkrümelchen mächtig gekämpft. Am vergangenen Freitag hat nun auch das letzte Körnchen aus den Vorräten der Silberdistel noch seinen Weg ins Futterhaus gefunden. Wiederum waren der Einladung, dieses Mal zum abschließenden Frühstücksmüsli, zahlreiche gefiederte Gäste gefolgt und es ging noch einmal ganz hoch her im Gastgebergarten. Wer unter den Dauergästen des berühmten Gasthauses im Norden wollte sich schon dieses Ereignis entgehen lassen?

Herr Haussperling schaut gespannt zur Tür des Gasthauses hinüber

Herr Haussperling schaut gespannt zur Tür des Gasthauses hinüber

Die Stammkundschaft war natürlich wie immer frühzeitig erschienen und hatte es sich rundum im Garten auf Baum und Strauch gemütlich gemacht. Lange bevor die Silberdistel erschien und den Gästen ein fröhliches Hallo zurief, gab es bereits ein aufgeregtes und fröhliches Gezwitscher.

Auch die Kohlmeise wartet gespannt auf das Frühstücksmüsli

Auch die Kohlmeise wartet gespannt auf das Frühstücksmüsli

Man war ganz gespannt darauf, was die Silberdistel als Abschlusskörneressen servieren würde. So rätselte das versammelte Vogelvolk hin und her und her und hin. Dann endlich öffnete sich die Tür des Gasthauses und die Silberdistel trat heraus in den Garten – in der Hand ein Schüsselchen voller Leckereien. Zur Feier des Tages hatte die Distel natürlich noch einmal ein ganz besonders schmackhaftes Frühstücksmüsli zusammengemixt, damit auch jeder Gast vor der großen Sommerpause noch einmal zu seinem Lieblingskörnchen kam. Gespannt verfolgte die gefiederte Gästeschar das Auffüllen der kleinen Körnerbar und wie bereits beim Knödelkampfessen nahm man auch dieses Mal das Verschwinden der Silberdistel im Gasthaus als symbolischen Startschuss, um auf das letzte Frühstücksmahl der Saison loszustürzen.

Hin und her geht es zwischen Baum, Strauch und Frühstückshäuschen

Hin und her geht es zwischen Baum, Strauch und Frühstückshäuschen

Geschwind begann ein aufgeregtes Hin- und Hergeflattere zwischen Baum und Strauch und Körnerbar. Wieder gab es so manchen Kampf auszufechten, denn nicht jeder Gast hielt sich an die gestrenge unausgesprochene Rangfolge am Futtertrog. Irgendwann aber gab es nichts mehr zu erkämpfen. Letztendlich war der Augenblick der Wahrheit gekommen – das Futterhäuschen war leer, …

Die einst so leckeren und gefragten Nussbeutelchen haben auch nichts mehr zu bieten

Die einst so leckeren und gefragten Nussbeutelchen haben auch nichts mehr zu bieten

… so leer wie auch die kleinen Nussbeutelchen nebenan am Rosenbogen, die nun abgemagert, lustlos und schlaff in der Kletterrose baumelten. Ebenso wie sie hatte nun auch das Futterhäuschen seine Aufgabe vorerst erfüllt.

Weggeputzt ist auch das letzte Körnchen noch

Weggeputzt ist auch das letzte Körnchen noch

Es würde nun in sein Sommerquartier, den kleinen Geräteschuppen im Garten des Gasthauses, einziehen und sich von den Strapazen der letzten Monate erholen können. Vielleicht würde es sogar einen kleinen Sommerschlaf halten und vom nächsten aufregenden Winter mit der bunten Vogelschar träumen.

Herr Oberfeldspatz hält unter dem Beifall seiner Kollegen aus der Hausspatzengilde eine kleine Dankesrede

Herr Oberfeldspatz (Mitte) hält unter dem Beifall seiner Kollegen aus der Feld- und Hausspatzengilde eine kleine Dankesrede für die liebevolle Versorgung mit leckerem Futter während der vergangenen Wintersaison

Als die Silberdistel später noch einmal kurz in den Garten schaute, um hier und da ein wenig aufzuräumen, staunte sie nicht schlecht, denn die Vogelschar hatte noch eine kleine Überraschung für sie parat. Eine Dreier-Spatzengruppe hatte sich im Futterhäuschen in Positur gesetzt und  schaute ganz feierlich drein. Als sich der Oberspatz der Aufmerksamkeit der Silberdistel sicher war, tschilpte er voller Inbrunst eine bezaubernde Dankesrede für die fürsorgliche Betreuung während der grauen, nassen und kalten Jahreszeit durch die Gasthausbesitzer. Er lobte die überaus freundliche und stets pünktliche Bewirtung der Gäste mit den leckersten Köstlichkeiten und vor allem die liebevolle Zubereitung der täglichen Mahlzeiten.

Zum guten Schluss zwitschert Herr Grünfink zwitschert ein entzückendes Dankesliedchen

Zum guten Schluss zwitschert Herr Grünfink ein entzückendes Dankesliedchen

Den krönenden Schlusspunkt jedoch setzte Herr Grünfink mit seinem großen Auftritt. Der im festlichen Grün und Gelb gewandete Tenor trällerte ein zu Herzen gehendes Dankeslied in den Morgen. Ganz gerührt wischte sich die Silberdistel eine kleine Träne aus dem Auge 😉

Übrigens fand ich das Video hier oben bei YouTube. Der kleine Filmheld singt mindestens ebenso schön wie mein Held aus dem Garten. Nur habe ich während des Gesangs vor lauter Rührung ganz vergessen, den Videoaufnahmeknopf meiner Kamera zu drücken. Dank YouTube und diesem Video kann ich Euch dennoch eine kleine Kostprobe vom Gesang eines solchen Sängers wie dem in meinem Garten geben.

So, und wer noch mehr vom letzten Körneressen der Saison sehen möchte, der darf sich gern durch die Bildergalerie hier unten klicken.

Vor einer ganzen Weile hatte ich schon einmal darüber berichtet, dass es in unserer silberdistelschen Familie zwei Yoga-Liebhaber gibt – mich selbst und den Kater des Hauses. Im Laufe der Zeit ist aus meiner Solo-Übung ein gemeinschaftliches Entspannungs-Training geworden. Eines Tages nämlich gesellte sich der Kater während meiner Übungen zu mir, schaute mir eine Weile interessiert zu, vielleicht nicht wenig erstaunt oder verwundert darüber zu sehen, dass ich versuchte, mich einigermaßen annähernd wie eine Katze zu verbiegen und zu verrenken. Offensichtlich meinte er nach ausgiebiger Begutachtung meiner Bemühungen, mir zeigen zu müssen, wie es richtig geht.

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Als ich mich gerade anschickte, mich auf eine meiner stehenden Übungen vorzubereiten, besetzte der Kater den vorderen Teil meiner Yogamatte.

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Kurz darauf bewies mir mein tierischer Yoga-Meister, wie elastisch und beweglich eine Katze wirklich ist und wie weit ich von dieser Hohen Kunst mit meinen lächerlichen Yogaübungen noch entfernt war.

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Wenig später nach dieser kleinen Lehrvorführung gab mein Yogalehrer die blaue Matte wieder frei, legte sich auf den Teppich neben mich und forderte mich auf, ihm nachzueifern. Im Laufe vieler weiterer Übungsstunden schaute ich meinem Meister so einiges ab und bildete mir bereits ein, gar nicht so schlecht zu sein. Doch dann erhielt ich einen enormen Tiefschlag. Zufällig las ich bei Kastanies-Leseecke und staunte nicht schlecht. Nicht nur für mich, auch für meinen Kater gibt es noch viel zu lernen. Inzwischen arbeiten wir beide intensiv an der Vervollkommnung unserer gemeinsamen Yogaübungen. Wie das geht, konnten wir genau dort bei Kastanie lernen, nämlich in ihrem Beitrag „Katzen und Yoga“.

Ein kleines Video vervollständigte den interessanten Post, der zugleich auch auf ein Buch von Susanne Fröhlich „Der Hund die Krähe, das Om … und ich“ verweist. Wer mag, kann sich also auch gleich noch lesetechnisch mit der Kunst des Yoga befassen. Was jedoch für meinen Kater und mich am wichtigsten war, endlich wissen wir nun, wie wir zu einem außerordentlich harmonischen Kater-Mensch-Yoga-Team zusammenwachsen können. Das Video aus Kastanies Beitrag gab uns Aufschluss darüber, wie es geht.

Yoga mit Kater

Tagtäglich eifern wir seit jenem Tag, als dieses kleine Video in unser Leben trat, dem Yoga-Paar aus dem Lehr-Film mit seiner Schritt-für-Schritt-Anleitung nach und üben und üben und üben. Übung macht schließlich den Meister. Inzwischen sind wir, wie man sieht, uns und der Hohen Yoga-Kunst, die das Video in überaus hohem Maße veranschaulicht, bereits ein ganz klein wenig nähergekommen 😉

In der vorigen Woche zog es mich wieder einmal nach Warnemünde. Eigentlich hatte ich dort einen Termin, aber ich wäre nicht die Silberdistel, wenn ich eine solche Gelegenheit nicht auch gleich für einen kurzen Strandspaziergang nutzen würde. So lief ich, nachdem alles andere erledigt war, eiligen Schrittes  Richtung rauschender Ostsee. Wie schon so oft stand ich verzückt am Wasser und schaute hinaus auf die See. Es dauerte gar nicht lange, da gesellten sich einige Möwen zu mir, sicher in der Hoffnung, ich hätte ein Tütchen mit Leckerbissen für arme verhungerte Seevögel dabei. Als sie dann jedoch merkten, dass bei diesem Menschen wohl doch nichts zu holen war, gingen sie bald wieder zu ihrem gewohnten Tagesgeschäft über. Einige pickten hier und dort eine angespülte Muscheln auf, andere wühlten das angeschwemmte Seegras durch, sicher in der Hoffnung, wie auch die Nachbarin mit den Muscheln, zu einem leckeren Frühstück zu kommen. Während ich den Möwen zuschaute, zogen plötzlich zwei lustige Lachmöwen meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie tänzelten voreinander hin und her und immer wieder sprachen sie auch laut miteinander. Bei genauerer Betrachtung schien es mir gar, als würden sie sich in seltsamen Tanzschritten vor- und miteinander über den glatten feinen Sand bewegen. Nach einigen Fotos drückte ich dann doch die Taste für die Videoaufnahme. Das wollte ich nicht nur im einfachen Bild, das wollte ich auch in der Bewegung festhalten. Die beiden Tänzer schienen viel Spaß miteinander zu haben, der sich rasch auch auf mich übertrug, so sehr, dass sogar mein eigenes Tanzbein zu zucken begann. Hätte ich nicht befürchten müssen, die beiden gut gelaunten Möwen mit meinen menschlichen Tanzbewegungen zu vertreiben, hätte ich sicher einen noch viel lustigeren Vormittag erleben können. Andererseits hätte das für Außenstehende sicher ein seltsames Bild ergeben – zwei Lachmöwen, denen wahrscheinlich der Schnabel vor lauter Staunen oder lauter Lachen offen gestanden hätte, und eine über den Strand tanzende Fotografin …

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… dann würde der Welt wirklich etwas fehlen und wir Silberdistels hätten im Moment morgens beim Frühstück nur halb so viel Spaß. Ich weiß nicht, wie man diesem kleinen lustigen Kerl  überhaupt etwas Böses tun kann, wie beispielsweise es die Chinesen zu Mao Zedongs Zeiten einmal taten, als sie den Hausspatzen so gut wie ausrotteten, weil man glaubte, die Spatzen würden den Chinesen sämtliches Getreide wegfressen. Die Art und Weise, wie man den Spatzen dort zu Leibe rückte, hatte schon etwas einmalig Grausames. Aber die Strafe folgte auf dem Fuße und ließ ein Heer von Insekten über China herfallen, sodass man schnell wieder Spatzen „importierte“. Wäre ich da Spatz gewesen, ich hätte mich geweigert, nach China umzusiedeln. In einer sehr interessanten und liebevoll gemachten Dokumentation des NDR-Fernsehens vom Mittwoch dieser Woche mit dem Titel „Planet der Spatzen“ wird unter anderem auch darüber berichtet. Das Filmchen ist ansonsten echt sehenswert und zeigte zumindest mir noch allerlei Neues über diesen kleinen putzigen Burschen. Übrigens waren die Chinesen nicht die ersten in der langen Geschichte des Spatzen, die ihm nach dem Leben trachteten. Es gab schon vorher sogenannte „Spatzenkriege“. Den ersten überlieferten Spatzenkrieg focht König Friedrich der Große im Jahre 1744 gegen diese kleinen Federbälle. Der Spatz hatte und hat also nicht immer nur Freunde. Wir Silberdistels allerdings mögen diesen Burschen sehr und wir sind überaus stolz darauf, dass eine Hausspatzenfamilie bereits seit vielen Jahren in unserem Haus als Untermieter wohnt. Wir hatten schon viel Freude an diesem quirligen Völkchen.
Noch genießen wir jeden Tag die Morgenstunden und unser Frühstück im Wintergarten. Der relativ warme Herbst hat also auch seine Vorteile und erlaubt uns durch seine milde Stimmung, noch ein wenig länger die Vorzüge, die ein Wintergarten unter anderem bietet, nämlich der Natur ein wenig näher zu sein, ausgiebig zu nutzen. Natürlich ist, wenn wir uns in unserem Glaskasten an den Frühstückstisch setzen, die Körnerbar für die kleinen Federbälle im Garten bereits gefüllt, die Katzen haben ebenso ihr Futter pünktlich serviert bekommen und meistens sind die Stubentiger sogar schon wieder von ihrem Gartenrundgang zurück.

Esst Ihr schon Frühstück?

Esst Ihr schon Frühstück?

Unsere Katzendame platziert sich gewöhnlich nach ihrem Reviergang gleich an unserem Frühstückstisch.

Wo bleibt mein Leckerchen?

Ick bün all hier!

Schließlich möchte sie nichts versäumen und vielleicht gibt es neben einigen morgendlichen Streicheleinheiten ja auch noch ein kleines leckeres Häppchen vom Teller des Personals.

Krieg' ich was ab, Silberdistel?

Krieg‘ ich was ab, Silberdistel?

Kaum sitzen wir, da dauert es meistens nicht lange und der Kater stellt sich ebenfalls ein. Auch er ist an einem kleinen extra Leckerchen interessiert. Selbst wenn es nicht immer und keinesfalls regelmäßig etwas vom Tisch der menschlichen Mitbewohner gibt, sollte man sicherheitshalber zu den Essenszeiten anwesend sein. Mitunter haben die Silberdistels auch etwas nach des Katers Geschmack auf ihrem Teller und wenn man ganz lieb guckt, dann lässt sich die Silberdistel vielleicht erweichen, etwas davon mit ihm zu teilen. So ist denn die Familie morgens zur Frühstückszeit gewöhnlich vollzählig versammelt.
Inzwischen haben sich noch andere Frühstücksgäste – draußen im Garten – eingefunden und ringsum die Büsche bevölkert. Erst einmal wird noch vorsichtig aus der Ferne geschaut, ob die Luft auch rein ist und zum Beispiel von den Katzen keine Gefahr droht. Wenn das abgeklärt ist, starten die mutigsten der kleinen flauschigen Federbälle den ersten Anflug in Richtung Körnerbar.

Dichtes Gedränge im Futterhaus

Dichtes Gedränge im Futterhaus

Wenig später wimmelt es gewöhnlich schon in dem engen Futterhaus. Besser ist es, wenn man nicht zu spät kommt. Am Ende würde man gar nichts mehr abbekommen. Sogar ein bekannter Politiker sagte einmal: “ Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Aber, ganz ehrlich, die Spatzen wussten das schon vor ihm und so kommen sie auch keinen einzigen Morgen zu spät zu ihrem Frühstück.

Wir Silberdistels haben ein lustiges Vormittagsprogramm

Wir Silberdistels haben ein lustiges Vormittagsprogramm

Lustig ist dieses kleine freche Völkchen anzusehen. Oben im Futterhaus wird gefressen und auch darunter, denn bei Spatzens geht es eher selten vornehm zu. Da wird sortiert, gesucht, nach Besserem gegraben und Unliebsames fortgeworfen, hinaus aus dem Häuschen und hinunter auf den Gartenboden. Dort allerdings wartet schon eine andere Spatzenschar und nimmt sich der aussortierten Körner an. Umkommen muss hier nichts. Manchmal gibt es auch ein wenig Streit um den besten Platz oder das leckerste Körnchen im Haus. Aber das gehört ganz einfach zur Großfamilie Spatz dazu. Es ist nie bös gemeint, denn im Grunde lieben die Sperlinge die Geselligkeit. Nach dem Frühstück sitzen sie oft noch in der Sonne, so sie denn da ist, putzen das Gefieder, genießen die wärmenden Strahlen der Herbstsonne und nebenher wird fleißig miteinander geschwatzt. Dass wir Silberdistels den munteren Federbällen bei  all dem zuschauen und uns köstlich über sie amüsieren, scheint sie wenig zu stören. Offensichtlich wissen sie inzwischen, dass wir Menschen harmlos sind und sie nicht beim Frühstück stören, sondern selbst mit unserem eigenen mehr als beschäftigt sind. Na, und ein satter Mensch wird ja wohl kaum noch Appetit auf einen kleinen Sperling haben. … und wie es des Morgens bei uns rundum im Garten in Baum und Strauch aussieht, wenn Familie Spatz eingeflogen ist, das habe ich in einigen Bildern festgehalten. Vielleicht habt ja auch Ihr an den kleinen lustigen Gesellen genauso viel Freude wie wir Silberdistels.

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