Mit ‘Eidechse’ getaggte Beiträge

… dann ist da zum Glück noch die Donau, die uns Silberdistels doch irgendwie aus der Patsche geholfen hat. Ja, erraten, wir sind noch einmal gedanklich zurückgeeilt in unseren Septemberurlaub mit Enkelkind. Am Tag zuvor hatten wir ja doch allerlei Interessantes erlebt. Ich wage zu behaupten, dass sowohl Enkelin als auch Großeltern zumindest an dem Tag auf ihre Kosten gekommen waren.
Neuer Tag, neues Glück. Was tun? Wandern war irgendwie so gut wie außen vor und wenn wir dem Kind überhaupt einen Fußmarsch zumuten durften, dann musste wenigstens eine gewisse Portion Action dabei sein. Als wir den Vorschlag unterbreiteten, uns ein Kloster anzuschauen, mussten wir erst einmal erklären, was ein Kloster überhaupt ist und warum wir das unbedingt anschauen wollten. Unsere Antwort ließ die Kinderaugen nicht gerade großartig leuchten. Entweder lag’s an unserer dilettantischen Erklärung oder aber daran, dass das Kind sofort erkannt hatte: Kloster KANN für Kinder nur langweilig sein. Doch unsere kleine Begleiterin verstand es blendend, aus der ganzen Sache doch noch einen Vorteil für sich zu ziehen. Wir würden nämlich ein wenig mit dem Auto unterwegs sein müssen, um überhaupt erst zu dem Kloster, das auf unserer Oma-Opa-Wunschliste stand, zu kommen.  So war das Kind dann doch recht schnell guter Dinge, denn ich konnte den Kinderaugen nicht widerstehen und hatte einer dringlichen Bitte zugestimmt. Unser Enkelkind durfte während der Fahrt zu unserem Ausflugsort mit Omas schwarzem I-Pad alle Spiele rauf und runter spielen. Am Rande bemerkt, Oma hat gar kein I-Pad, aber die Mutti hat eins und das ist weiß. Da mein Tablet schwarz ist, ist es logischerweise in Enkelinnenaugen ein schwarzes I-Pad. So schnell kann man mitunter zu einem I-Pad kommen. Bis eben hat man überhaupt noch nicht geahnt, dass man eins hat. Die Fahrt war also fürs Kind eine durchaus spannende Angelegenheit, aber kaum waren wir aus dem Auto gestiegen, war die Spannung auf Null gefallen, denn wir hatten ein wenig Fußmarsch vor uns und ich kam mir recht bald wie in dem Zeichentrickfilm „Shrek“ vor, in dem der Esel in rastloser Folge fragt: „Sind wir schon da?“ In unserem Falle lautete die Frage allerdings: „WANN sind wir denn endlich da?“

Die Donau bei Kelheim

Die Donau bei Kelheim

Und dann waren wir endlich da – am Kloster Weltenburg, einer Benediktinerabtei, die sich direkt an der Donau unweit der Stadt Kelheim (Niederbayern) befindet.

Eine Informationstafel vor dem Kloster

Eine Informationstafel vor dem Kloster

Gegründet worden sein soll es um 617. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgelöst, doch bereits 1842 wurde es wieder errichtet und im Jahre 1903 wurde es wieder zur Abtei erhoben.

Die Abteikirche

Die Abteikirche

Sehenswert ist die von den Gebrüdern Asam im Stil des Rokoko entworfene und ausgestaltete Abteikirche. Errichtet wurde sie zwischen 1716 und 1739. Ihre Entstehung fällt in die Zeit des Abtes Maurus I. Bächl (1713–1743), in der auch die ebenfalls sehr interessante Frauenbergkapelle entstand. Leider durfte man in der Abteikirche nicht fotografieren. Schade, denn den Anblick empfand ich als überwältigend. Besonders das Deckenfresko ist nahezu atemberaubend. Darin haben sich sogar die Brüder Asam, der eine als Gemälde und der andere als Stuck-Skulptur verewigt. Damit haben sie sich quasi selbst ein Denkmal gesetzt. Auch die Brandenstein-Orgel ist ein Augenschmaus. Es gibt so viel zu sehen, man könnte dort sicher Stunden und Tage zubringen, wenn man jedes kleine Detail betrachten wollte – einfach nur schön.

Blick in die Frauenbergkapelle

Blick in die Frauenbergkapelle

Natürlich war das alles für Kinderaugen eher langweilig, obwohl wir beiden Mädels dann doch recht lange in der Frauenbergkapelle, in der wir auch einige Bilder machen durften, verweilten und schauten und schauten. Irgendwann hörte ich dann leise: „Oma, gehen wir jetzt wieder?“ Der Opa hatte sich eh schon lange abgeseilt und wartete draußen auf uns.

Von einem Aussichtspunkt nahe der Frauenbergkapelle hat man einen schönen Blick auf die Donau

Von einem Aussichtspunkt nahe der Frauenbergkapelle hat man einen schönen Blick auf die Donau

Der Vierbeiner hat viel Spaß am und im Wasser

Der Vierbeiner hat viel Spaß am und im Wasser

Immer wieder lässt er das Wasser spritzen

Immer wieder lässt er das Wasser spritzen

In Windeseile waren meine beiden Begleiter dann auch schon wieder zum Kloster unterwegs, während ich mir noch einen Blick von oben auf die Donau …

Von meinem Aussichtspunkt kann man auch auf das Klostergelände blicken

Von meinem Aussichtspunkt aus kann man auch auf das Klostergelände blicken

… und die imposante Klosteranlage gönnte. Dann aber folgte ich meinen beiden und machte mich ebenso wie sie Richtung Kloster und von dort zum Ausgang auf den Weg. Die Donau glitzerte uns verlockend an, als wir am Klostereingang standen und hinunterschauten.

Eine Wasserstandsmarke am Klostergebäude

Eine Wasserstandsmarke am Klostergebäude

Während wir dort so standen, fiel mein Blick auf eine Hochwassermarke am Gebäude. Ich mochte es gar nicht glauben, dass das so harmlos erscheinende Wässerchen dort unten einmal mit seinem Wasserstand hier oben erst Halt gemacht hatte. Wieviel Meter mochten das gewesen sein? Ich schaute die Donau gleich ein wenig ehrfürchtiger an.

Ein Gedenkstein für drei amerikanische Soldaten

Ein Gedenkstein für drei amerikanische Soldaten

Da gruselte es mich dann doch ein bisschen und es erklärte sich in gewisser Hinsicht auch ein Gedenkstein für 3 amerikanische Soldaten, an dem wir auf dem Hinweg zum Kloster vorbeigekommen waren und für den unsere Enkelin von uns eine Erklärung haben wollte. Es beschäftigte sie doch sehr, warum die Männer hier ums Leben gekommen waren.

Eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands

Eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands

Das Kloster befindet sich mit seiner Lage direkt an einer Donauschleife in einer der schönsten Flusslandschaften Deutschlands. Natürlich mussten wir auch noch direkt ans Wasser.

Wir lassen kleine Steine auf dem Wasser und große ins Wasser springen

Wir lassen kleine Steine auf dem Wasser und große ins Wasser springen

Opa und Enkeltochter ließen fröhlich kleine Steinchen über die Wasseroberfläche springen. Auch andere Ausflügler ließen sich davon anstecken. Wobei die Steine, die unsere Enkelin ins Wasser warf, doch von einem etwas größeren Kaliber waren als die kleinen Springsteine der Erwachsenen. So ein großer Stein ergab wenigstens einen satten Klang, wenn er ins Wasser fiel und somit war er viel interessanter als diese winzigen Hüpfsteine.

Am Wasser ist es dann doch interessanter fürs Kind als im Kloster

Am Wasser ist es dann doch interessanter fürs Kind als im Kloster

So war es am Wasser dann doch wesentlich interessanter fürs Kind und unser im Kloster mitunter schon ein wenig maulig schauendes Mädchen war plötzlich wieder fröhlich und guter Dinge. Kurz bevor wir an dieser Stelle die Donau mit einem Steinwall angestaut hätten, machten wir uns dann doch wieder auf den Weg. Wir wollten nicht später  in der Zeitung lesen müssen, dass Unbekannte an der Donauschleife bei Kelheim mit unbedachtem Steinewerfen die Donau angestaut und die Schifffahrt behindert hätten.

Eine Fähre setzt über

Eine Fähre setzt über

Das Drahtseil, mit dessen Hilfe sich die Fähre über die Donau bewegt

Das Drahtseil, mit dessen Hilfe sich die Fähre über die Donau zieht

Unterwegs zu unserem Auto beobachteten wir noch, wie eine Donaufähre übersetzte. Es war schon höchst interessant, wie sich die Fähre an einem über den Fluss gespannten Drahtseil entlanghangelte.

An einer Felswand entdecken wir eine Eidechse

An einer Felswand entdecken wir eine Eidechse

Und dann gab’s noch etwas fürs Kind. Es entdeckte nämlich an der Felswand neben der Straße eine Eidechse. So etwas sind echte Erlebnisse, nicht das Kloster mit seiner langweiligen Abteikirche oder seiner berühmten Bierbrauerei. Die Weltenburger Klosterbrauerei ist übrigens die älteste ihrer Art weltweit. Aber das war wohl mehr für den Opa von Interesse 😉 Mit Omas schwarzem I-Pad, der angestauten Donau und der Eidechse im Fels war es dann doch noch ein rundum gelungener Tag geworden – selbst fürs Kind.

In der Bilderschau hier unten ist für die besonders Interessierten noch ein wenig mehr von unserem Kloster-Weltenburg-Ausflug zu sehen. Auch hier viel Spaß beim Anschauen!

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Da liegt schon eine ganze Weile die „Landlust“ auf dem kleinen Tischchen neben meinem PC und wartet darauf, dass ich endlich einmal hineinschaue und mich darüber freue, was sie alles zu bieten hat. Interessiert hatten mich in erster Linie die beiden Esel, die auf dem Cover von Heft 5/2012 zu sehen sind. Doch dann finde ich, während ich so in dem Heftli umherblättere, auf Seite 33 einen hochinteressanten Artikel, der mit „Unser Garten ein Tatort“ überschrieben ist. Ein Landpfarrer, Thomas Braun, hat sich dieses kriminalistisch anmutenden Themas angenommen. Er beschreibt, was alles für gruselige Dinge in unserem ach so wunderschönen Gartenreich vor sich gehen. Kann man denn sein armes Kind überhaupt noch in die freie Natur lassen oder läuft man vielleicht Gefahr, dass der Nachwuchs gar einen Schock fürs Leben bekommt? Da draußen, in der so lieblich und idyllisch erscheinenden grünen Oase regieren Mord und Totschlag. Wer weiß, was das aufgeweckte und an allem interessierte Kind im Garten alles mit ansehen muss?

Ja, gar furchtbar spielt das Leben. Wir selbst haben diese geballte Grausamkeit während eines Urlaubs in der Pfalz mit ansehen müssen. Eben noch schauten wir den possierlichen Eidechsen zu, wie sie gegenseitig Fangen spielten, hier und dort im Efeu auf der Burgmauer umherraschelten und uns zwischendurch fröhlich zulächelten, so, als könnten sie kein Wässerchen trüben.
… und dann geschah es plötzlich, ganz unerwartet, hinterhältig und gemein. Eine kleine Fliege saß auf den warmen Steinen der Burg Neudahn, die wir beiden Wanderer bestiegen hatten, sonnte sich und fühlte sich unsagbar wohl. Es war ein so wundervoller Tag, fröhlich war sie hierhin und dorthin geflogen, hatte sich vom Wind, der mit ihr spielte, leicht und locker durch die Lüfte tragen lassen und nun, nun hatte sie sich eine kleine Ruhepause verdient. Die Fliege ließ sich am Rande der efeubewachsenen Mauer nieder, schläfrig saß sie in der Sonne und freute sich des Lebens. …und plötzlich, oh Schreck, spürte sie einen großen dunklen Schatten über sich, ganz kurz nur, dann verließen sie die Sinne, denn ein kleiner Drachen hatte sie gepackt und ließ nicht mehr los. Er biss immer fester zu, drehte die Fliege noch ein wenig im Eidechsenmaul zurecht und schluckte sie dann Stück für Stück hinunter.
Wie gebannt schauten wir beiden Wanderer zu, wie der Minidrachen die zu seinem Mittagsmahl gewordene Fliege verzehrte, sich anschließend mit der langen Zunge noch ein wenig das Maul putzte und dann vor sich hinschaute, als hätte er eine wunderbare Tat vollbracht. Das Leben kann so grausam sein, das Leben ist grausam. Wie gut, dass wir kein Kind dabei hatten. Was hätten wir ihm sagen sollen, wie hätten wir ihm das alles erklären können? Hätten wir ihm auch einen Hund und höheres Taschengeld versprechen müssen, wie unser Landpfarrer seinem Kinde, damit seine kleine Seele wieder ins Gleichgewicht käme? … und was ist überhaupt mit unserer Seele? Wie konnten wir nur, ohne Schaden genommen zu haben, in dieses immerhin schon etwas fortgeschrittene Alter kommen?

 

Panorama von der Madenburg aus gesehen

Donnerstag, 1. September: Laut Wetterbericht soll es nachmittags gewittern. So nehmen wir uns auch heute sicherheitshalber eine nicht so lange Tour vor. … und wir könnten mal wieder Flammkuchen essen. So schnüre ich das Ränzlein und los geht’s – erst einmal ein Stück mit dem Auto nach Waldhambach. Gegenüber der Ortseinfahrt ist ein kleiner Parkplatz, dem wir unser Auto für eine Weile anvertrauen können.

Brunnen am Ortseingang von Waldhambach

Ein kleiner Brunnen direkt an der Straße, die wir überqueren müssen, lädt zum Zwischenstopp für einige Fotos ein. Auf unserem weiteren Weg durch den kleinen Ort sehen wir wunderhübsche kleine Häuschen, die dem Ort sein nettes Aussehen verleihen. Wir haben das Ortsende erreicht. Von nun an schlängelt sich unser Wanderweg durch den Wald. Unterwegs entdecke ich noch einen weiteren hübschen kleinen Brunnen, an dem man sich im Notfall mit Trinkwasser versorgen könnte. Unsere Getränke möchten wir aber dann doch lieber auf der Madenburg zu uns nehmen, dem Zielpunkt unseres heutigen Wandertages. Wir müssen noch ein Stückchen bergauf durch den Wald. Nach ca. einer Stunde haben wir die Madenburg erreicht. Sie ist bewirtschaftet, sodass wir hier zu unserem Mittagessen und natürlich auch zu unseren Getränken kommen. An der Burgmauer lädt uns ein schöner Sonnenplatz ein sich niederzulassen. Von hier aus kann man weit in die Gegend unterhalb der Madenburg blicken, man schaut auf so bekannte Weinorte wie Eschbach und Göcklingen und auf eine Gegend, die nur aus Weinstöcken zu bestehen scheint.

Wein über Wein

Mein Gatte hat sich, während ich wieder einmal nichts anderes als das Fotografieren im Sinn habe, um unser Mittagessen gekümmert, denn hier draußen ist Selbstbedienung. Ich würde also verhungern, wenn ich nur fotografiere. Aber mein Gatte ist auch um mein Wohl besorgt und trägt einen wohlduftenden Flammkuchen zu uns an den Tisch. Unsere Mägen haben auch bereits signalisiert, dass sie nicht böse wären, wenn es endlich eine Kleinigkeit zu essen gäbe. So machen wir uns über den appetitlichen Flammkuchen her.

Wie bestellt, taucht plötzlich auf der Mauer eine Eidechse auf. Wir haben auch sogleich wieder die Fotoapparate schussbereit. Diese Madenburger Eidechse ist allerdings ein wenig misstrauisch und lässt uns nicht so dicht heran, wie wir das gern hätten, um gute Bilder zu machen. Wir werden später sehen, was daraus geworden ist. So schnell wie er gekommen ist, verschwindet der kleine Drachen wieder und sonnt sich an einer geschützten Stelle, die für Fotografen nur schlecht zu erreichen ist. Er hat auf jeden Fall seinen guten Willen gezeigt. Wir tun es der Eidechse nach und genießen die spätsommerlichen Sonnenstrahlen und lassen unsere Blicke über die Gegend mit dem unendlich vielen Wein schweifen.

Blick vom Burgturm auf das Gelände der Burg darunter

Als wir genug Sonne getankt haben und schon trunken vom Anblick des Weins sind, machen wir noch einen kleinen Rundgang auf der Burg und klettern schließlich auch noch auf einen der Burgtürme.

Greifvogel über der Madenburg

Von hier oben ist die Aussicht noch phantastischer als praktisch eine Etage tiefer. Wir schauen eine Weile einigen Greifvögeln zu, die in der luftigen Höhe miteinander zu spielen scheinen. Wir mögen uns gar nicht von diesem herrlichen Ausblick hier oben trennen. Man glaubt, in die unendliche Ferne sehen zu können. Was soll’s, schließlich trennen wir uns doch und treten langsam den Rückmarsch durch den Wald in Richtung Waldhambach an. Wir biegen gleich hinter dem Burgtor in den Weg auf der linken Seite ein, gekommen waren wir von rechts. Wir wollen auf dem Rückweg eine neue Gegend erkunden, wer weiß, was es dort noch alles zu entdecken gibt.

In Waldhambach angekommen, locken links und rechts der Straße noch einige schöne Fotomotive, denen ich natürlich nicht widerstehen kann. Mein Gatte ist mir schon wieder weit voraus. Ab und zu bleibt er geduldig stehen und wartet, bis ich wieder bei ihm bin. Ist er nicht lieb? Ich bin ganz stolz auf ihn.

Sonnenblume in einem Garten in Waldhambach

Irgendwann sind wir doch tatsächlich wieder am Auto. Weit und breit sieht der Himmel immer noch blau und strahlend aus wie bereits am Vormittag. Von einem Gewitter ist nichts zu entdecken. So haben wir wohl sogar noch Zeit, den Rest des Nachmittags in Ruhe auf dem Balkon unserer Ferienwohnung zu verbringen, wozu haben wir uns schließlich mit Literatur eingedeckt. Ich habe außer meinem E-Book-Reader sogar noch ein richtiges Buch mitgenommen. Bisher bin ich damit kaum vorangekommen, weil wir dauernd unterwegs waren. Aber lieber so als Dauerregen. So gern ich lese, nur lesen und nichts anderes ist auch irgendwie nicht so ganz die rechte Vorstellung von Urlaub.

Als wir auf der Rückfahrt durch Silz kommen, sagt mein Gatte: “Ich fahre noch beim Bäcker vorbei, ja?“ Er fährt aber nicht vorbei, er biegt auf Bäckers Parkplatz ein, stellt den Motor aus, steigt aus dem Auto und geht zielstrebig auf die Bäckerei zu. Da sieht man mal wieder, wie widersprüchlich die deutsche Sprache sein kann. Vorbei heißt also nicht unbedingt vorbei. Ich bin aber nicht böse, dass wir nicht vorbei gefahren sind, denn der Kuchen dort ist Spitzenklasse und schließlich gehört zum Kaffee auch ein ordentliches Stück Kuchen, obwohl wir uns das heute wahrscheinlich eher nicht leisten können, das mit dem Kuchen, wo wir gar nicht so viel gelaufen sind. Aber ich schiebe diese blöden Gedanken über Kalorien, die sich da in mein Hirn zu drängen suchen, schnell beiseite.  Ich will KUCHEN!

Ein Männlein steht im Walde ...

Noch eine Bemerkung zur Wettervorhersage. Liebe Wetterfrösche! Nichts, aber auch gar nichts stimmte. Weder hat es nachmittags noch in der darauf folgenden Nacht gewittert. Wir konnten noch bis in die Nacht hinein unbeschadet auf dem Balkon sitzen und uns von den furchtbaren Urlaubsstrapazen erholen 😉 und unser Buch lesen, bis es dunkel wurde. Danke, dass Ihr so schief lagt mit Eurer Vorhersage, sonst hätte ich mein Buch noch nicht  einmal begonnen.

 

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Panorama vom Wasigenstein aus aufgenommen

Dienstag, 30. August: Da wir heute etwas länger geschlafen haben, offensichtlich setzt der erste Urlaubseffekt ein, und somit die Zeit schon etwas weiter vorangeschritten ist, überlegen wir, ob nicht noch einmal eine kurze Wandertour besser wäre. Da käme beispielsweise eine Mini-Frankreichtour in Frage. Wir könnten uns die Burgruinen Blumenstein und Wasigenstein anschauen. Wir kennen zwar diese Burgen, wie fast alle hier, auch bereits aus vergangenen Jahren, aber die Natur verändert sich stets und jedes Mal sieht es wieder ganz anders aus. So machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Wir fahren mit dem Auto auf einen Parkplatz, der mit der Bezeichnung „Gebüg“ eingetragen ist. Von hier aus führen mehrere Wanderwege in Richtung Frankreich. Unser Weg wird durch ein kleines rotes Karo markiert.

Es geht zunächst gemächlich bergauf, auch mehr ein gemütlicher Spazierweg. Nach ca. 15 Minuten taucht vor uns die Ruine der Burg Blumenstein auf. Wir beschließen, hinaufzuklettern und oben den Blick über den Blätterwald zu genießen und dabei unser mitgebrachtes Mittagessen einzunehmen. Unser Entschluss, oben Mittag zu essen, war richtig, denn die Bank unterhalb der Burg ist bereits mit Mittagsgästen besetzt. So kraxeln wir hinauf, essen und genießen noch eine ganze Weile die unterschiedlichen Grünfarben des Waldes ringsherum und lassen uns von der Sonne bescheinen. Herrlich, so sollte Urlaub sein.

Kiefer auf dem Blumenstein

Leider sehen wir hier heute nicht eine einzige Eidechse. Vielleicht ist es ihnen zu kühl. Sie sind ja eigentlich sehr wärmeliebend. Vielleicht gefällt ihnen auch bloß unsere Anwesenheit hier oben auf ihrem Heiligtum nicht. Na, macht nichts, wir werden sicher auf irgendeiner Burgruine noch Eidechsen entdecken.

Plötzlich hören wir von unten Stimmen und dann tauchen schon ein kleiner und ein großer Wanderer auf. Sie klettern die Treppen zu unserem Ruheplatz hoch, Zeit also, für andere Platz zu machen. Wenig später kommt den beiden noch  eine Frau mit schwerem Gepäck, einem Kleinkind in einem Tragegestell auf dem Rücken, hinterher. Sie hat ganz schön an ihrer Last zu tragen und ist erst einmal auch entsprechend atemlos. Es dauert eine Weile bis sie in der Lage ist, uns zu grüßen. Wir wechseln noch ein paar Worte und räumen dann unseren Platz, denn für sechs Personen ist es hier auf dem kleinen Turm  doch etwas eng. Aber wir sind ja bereits gestärkt und schon wieder recht gut erholt. So klettern wir hinunter und laufen Richtung Wasigenstein, einer Burgruine in Frankreich, weiter. Dahin geht es erst einmal steil bergauf, also etwas, um die Kondition zu stärken, dann geht es aber auf gleicher Höhe weiter, sodass man sich in aller Ruhe wieder vom Aufstieg erholen kann. Wir brauchen etwa 30 Minuten bis Wasigenstein. Unterwegs sehen wir einige wenige Pilze und auch hier in Frankreich begegnet uns wieder Kunst am Wegesrand.

Volkskunst Steinfamilie

Auf einem Baumstumpf sitzt eine zu Stein gewordenen Familie – endlich einmal Kunst, die aussagekräftig ist und kein erklärendes Schild braucht. Ein Stückchen weiter finde ich auch hier noch eine etwas anders gestaltete „Verbindung“.  Schön, so haben wir auch heute wieder neues entdecken können.

Ein paar Meter steil bergab und wir sind an der Burgruine Wasigenstein. Wir beschließen, auch hier hinaufzuklettern.

Kunst am Wegesrand - einnert an "Verbindung" - siehe Poppenhausen

Man muss zwei recht steile Treppen mit furchtbar ausgetretenen Stufen bewältigen, bevor man den Ausblick, der hier eigentlich nicht so spektakulär ist, genießen kann. Man schaut im Grunde nur auf ein verschiedenfarbiges Blätterdach, obwohl auch das seine Reize hat. Die Ruine hat bereits Besuch von einem älteren und einem jüngeren Herrn und einem Mädchen, das mehrmals ungeduldig auf seinen Vater einredet: „Papa, komm doch jetzt endlich!“ Papa und Opa fotografieren aber, was das Zeug hält und hören wahrscheinlich gar nicht, was das Mädchen sagt. So setzt sie sich auf einen Stein und blubbert weiter vor sich hin. Irgendwie scheint sie keinen Sinn für die Naturschönheiten rundherum zu haben, während die beiden Männer begeistert Pflanzen, Tiere, Burg und Tochter fotografieren. Schließlich haben wir die Burg für uns allein und können so auch noch unsere Fotos machen. Mein Gatte ist dann bald wieder verschwunden. Ich muss aber unbedingt noch schauen, ob der ältere der beiden Männer nicht da drüben auf dem anderen Teil der Burg Eidechsen fotografiert hat. Natürlich hat er. So komme auch ich zu meinen Eidechsenfotos.

Eidechse auf Wasigenstein

Überall krabbeln sie hier umher. Kein Wunder, hier, in diesem Teil der Ruine, scheint es auch besonders warm zu sein. Endlich bin ich zufrieden mit den Eidechsen und der Welt, packe meine Sachen zusammen und klettere die steilen Treppen wieder hinunter. Hinunter muss man noch mehr aufpassen, um sich ja keinen Fehltritt zu leisten. Als ich glücklich unten angekommen bin, kommen mir ein Mann und eine Frau entgegen und grüßen mich höflich mit „Bonjour“. Ich grüße natürlich ebenso höflich mit „Bonjour“ zurück. Als sie vorbei sind, höre ich sie miteinander sprechen – sie sprechen deutsch. Ich muss vor mich hin lächeln, denn das kommt hier, nicht weit von der deutsch-französischen Grenze entfernt, öfter vor, dass sich deutsche Landsleute mit „Bonjour“ begrüßen.

Eidechse auf Wasigenstein

Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass die Franzosen hinter das „Bonjour“ meistens noch ein „Madame“ setzen, sodass man dann ziemlich sicher weiß, dass das eben wirklich ein Franzose war. Sicher trifft man auch öfter mal auf Franzosen, aber die Deutschen sind meistens in der Überzahl. Da soll mir jetzt noch mal einer sagen, wir Deutschen wären nicht anpassungsfreudig, wir sprechen sogar französisch – miteinander.

Zisterne vor Wasigenstein

Derweil sitzt mein Gatte unten vor der Burg auf einer Bank und lässt sich von der Sonne bescheinen und meint, er dachte schon, ich wäre verloren gegangen. Aber so ruhig, wie er dort noch sitzt, scheint ihn das nicht weiter belastet zu haben. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Oder soll ich das einfach als Scherz abtun? Hm, grübel … Allerdings lässt mir mein Wanderbegleiter nicht lange Zeit zum Grübeln. Kaum bin ich bei der Bank angekommen, springt er auf und bedeutet mir somit, dass wir nun wieder weiter wollen. Hat er schon wieder Hunger oder warum hat er es so eilig. Na egal, ich folge ihm … langsam, schließlich geht es hier wieder bergauf.

Nelken, die überall auf den Ruinen wachsen

Nach guten fünf Minuten bin ich oben angekommen und blicke ganz stolz um mich, weil ich die zehn Minuten, die unten an der Burg für diese Strecke angegeben waren, glatt in der Hälfte der Zeit geschafft habe. Wir bewundern noch einmal die kleine Steinfamilie auf ihrem Baumstamm und ziehen dann weiter in Richtung Blumenstein. Das schaffen wir in den angegeben 30 Minuten. Nach einer weiteren Viertelstunde sind wir wieder an unserem Auto.

Auf der Rückfahrt zu unserer Ferienwohnung kommen wir am Silzer Bäcker vorbei, d. h. wir kommen dort eben nicht vorbei. Mein Gatte biegt auf den Parkplatz gegenüber ein und geht zielstrebig auf den Bäckerladen zu. Hach, jetzt weiß ich, dass er wirklich Hunger hatte, als er so schnell von seiner Bank aufsprang. Aber ich bin jetzt völlig wehrlos und suche mir ein leckeres Stück Kuchen aus, denn plötzlich meldet sich auch mein Magen zu Wort.

Etwas später sitzen wir auf unserem Balkon und widmen uns zufrieden und glücklich unserem Kuchen.

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