Mit ‘Computer’ getaggte Beiträge

Angeblich hat jeder seine Leiche im Keller. Hätte das jemand von uns Silberdistels behauptet, wäre ich wahrscheinlich bis eben noch zutiefst beleidigt gewesen. Inzwischen muss leider auch ich zugeben, wir haben uns eingereiht in die Schlange all derer mit ihren Kellerleichen. Obwohl … bei uns lag sie nicht im Keller. Unsere Leiche hatte es wärmer und irgendwie auch gemütlicher. So sind wir Silberdistels eben. Wenn schon eine Leiche, dann soll sie es auch gut haben.
Aber vielleicht lag es auch ganz einfach nur in der Ermangelung eines Kellers im Hause Silberdistel. Da wollen wir vielleicht doch lieber ehrlich bleiben und uns nicht über den grünen Klee loben.

Zunächst jedoch ahnten wir noch gar nichts von unserer Leiche, schließlich hatten wir ein reines Gewissen. Mit unserer „Keller“-Leiche ist es nämlich etwas anders als mit den Kellerleichen all der anderen, die krampfhaft versuchen, sie unter den Teppich zu kehren. Unsere wurde uns ohne unser Wissen einfach untergeschoben. Ja, untergeschoben. Was? Das behaupten die Täter in den Krimis auch immer? Nein, wir sind wirklich ganz, total und völlig unschuldig. Sie war plötzlich einfach da – ohne unser Zutun.

Wie gesagt, wir ahnten zunächst noch gar nichts von ihr. Dann aber machte sie sich bemerkbar – erst langsam und dann immer heftiger. Herr Silberdistel und ich saßen in trauter Zweisamkeit vor dem Fernseher und schauten diese „Lucifer-Serie“, in der ja nun in einer Tour auch Leichen vorkommen. Ich glaubte schon, dass die Technik wieder einmal in einem enormen Weitsprung zu neuen Möglichkeiten gehüpft war. Konnte man jetzt schon nicht nur Geräusche so hautnah miterleben, als würde man selbst in der jeweiligen Filmszene agieren, konnte man neuerdings etwa auch schon die jeweiligen im Film vorherrschenden Gerüche wahrnehmen?
Warum sollte man nicht die Gerüche wahrnehmen können? Unlängst hatten wir während eines Kurzurlaubs in Franken die Cadolzburg im Landkreis Fürth besucht. Dort lernten wir, wozu Technik und Fantasie in der Lage sind.

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Die Burg an sich war schon mehr als sehenswert. Ihr Erlebnis-Museum jedoch war das berühmte Sahnehäubchen auf unseren Ausflug – ein Museum nicht nur zum Anfassen, An- und Ausprobieren.

Genau dort nämlich sollten wir sogar miterleben, wie die Cadolzburg einst brannte. Wir sahen UND rochen, wie sich das Feuer durch die Burg fraß. Warum also sollten nicht auch die „Lucifer“-Macher über diese Kunst verfügen und die Düfte aus der Serie in unser Wohnzimmer zaubern können?

Jedenfalls schien es, während wir gespannt auf den Fernsehschirm starrten, als würde ein leichter Verwesungsgeruch durch unser Wohngemach wabern. Zunächst wollte ich noch den Katzen die Schuld daran geben. Hatte sich eine von ihnen irgendwo mit diesem ekligen Geruch parfümiert? Katzen sind ja mitunter etwas seltsam drauf.
Eine Geruchsprobe aus der Nähe ließ jedoch nichts in dieser Richtung erkennen. Kam es doch vom Fernseher und dieser teuflischen Serie? Oder schlug meine Fantasie bei all dem Grusel wieder einmal Purzelbäume?
Herr Silberdistel war sich derweil auch nicht mehr ganz sicher, ob ich ihn nur mit meiner Hysterie angesteckt hatte oder ob er selbst tatsächlich auch etwas roch, das nicht in unser Wohnzimmer gehörte.

Wir beschlossen, zunächst einmal gründlich durchzulüften. Dann gingen wir beruhigt zu Bett. Die Luft schien nun wieder rein zu sein.

Anderntags, ich trat frisch geduscht und wohlparfümiert in unser Wohnzimmer. Das bettelnde Katzenvolk wollte schleunigst hinaus in den Garten. Wir hatten für den Geschmack unserer pelzigen Mitbewohner wieder einmal viel zu lange geschlafen. Ungehalten sprangen sie mir vor den Füßen herum und mauzten mir zu, mich gefälligst etwas mit dem Türöffnen zu beeilen.
Ich hatte das Zimmer noch nicht einmal ganz durchstolpert, als mir das Frischgeduschte und Wohlparfümierte abhanden zu kommen schien. Erneut wehte mir statt meines eigenen Wohlgeruchs diese Duftwolke vom Abend vorher um die Nase.
Irritiert blickte ich zum Fernseher. War Lucifer … ? Doch der Bildschirm war dunkel. Dennoch schien dieser Ekelgeruch stärker geworden zu sein. Hatte uns hier vielleicht doch jemand eine Leiche in den Keller ins Wohnzimmer gelegt? Ich würde der Sache auf den Grund gehen müssen.

Nachdem wir im Wintergarten, in dem glücklicherweise angenehme Frischluft herrschte, gefrühstückt hatten, machte ich mich ans Werk. Ich kroch in alle Ecken und Winkel unseres Wohngemachs. Am stärksten schien mir der fiese Geruch in der Nähe unserer Sitzmöbel  spürbar.

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Die Sitzecke musste also weg und alles gründlich durchforstet werden. Dumm nur, dass die Sessel auch als Stauraum dienen und so allerlei beherbergen, was man braucht oder auch nicht.
Ich musste Klarheit haben. Also rückte ich Möbel hin und Möbel her. Letztendlich immer noch nicht fündig geworden, baute ich Stück für Stück auseinander und inspizierte zugleich jeden einzelnen Sesselinhalt. Überall konnte die vermutete Leiche versteckt sein. Gründlichkeit war angesagt. Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein, Schätze, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass wir sie jemals hatten. Eine Leiche brachte meine Inspektion allerdings nicht zutage. Wie hätte sie auch da hineinpassen sollen? Obwohl … klein und zusammengerollt …

Bei meiner Aktion musste mir immer wieder Herr Silberdistel zur Hand gehen. Er befüllte die Mülltonne mit Dingen, die wir einst dringend zu brauchen glaubten, die aber bald aus unserer Erinnerung verschwunden sein mussten. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Vermisst hatten wir davon kaum etwas. Wie konnte besser bewiesen werden, dass wir all den Kram nicht mehr brauchten? Also weg damit!

Endlich war ich im Schweiße meines Angesichts am letzten Sessel angelangt. Irgendwie war ich derweil schon ein wenig verzweifelt. Meine Suche nach der Herkunft dieser eigenartigen Duftnote war bisher erfolglos gewesen. Egal, auf zum Endspurt!

Bereits etwas entmutigt, hoben wir Silberdistels gemeinsam das letzte Sesselteil hoch. Und da waberte schlagartig eine unverdünnte Wolke dieses „edlen“ Geruchs zu uns empor. Fast hätte ich vor Entsetzen den Sessel wieder fallen lassen.
Unsere „Keller“-Leiche war gefunden. Winzig und ein wenig spitz im Gesicht lag sie dort – mausetot.

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Und wir beiden Silberdistels, wir schwören es hoch und heilig, haben wirklich nichts mit ihrem Tod zu tun. Diese Leiche wurde uns von fremder Hand oder vielleicht auch von bekannter Pfote untergeschoben. Wir sind ziemlich sicher, dass mehr eine Pfote denn eine Hand im Spiel war. Lebt doch in unserem Hause ein recht geschickter getigerter Mauserich, der uns oft schon mit derartigen Mitbringseln  „beglückte“.

Das kleine Spitzmäuschen muss wohl noch gelebt haben, als es von dem vierbeinigen Jäger und von uns unbemerkt ins Haus getragen wurde. Sogar die Flucht unter besagten Sessel ist ihm offensichtlich noch gelungen. Dann jedoch muss der Stress wohl doch zu gewaltig gewesen sein und der Mäuse-Sensenmann hat dem armen Opfer still und leise unter unserer Sitzecke die Augen zugedrückt.

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Bei der Befragung des Hauptverdächtigen konnten allerdings keine Beweise für seine Schuld erbracht werden. Er schwieg sich einfach aus.

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Weitere Befragte wuschen ihre Pfoten laut Mauzsage ebenfalls in Unschuld.

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Mangels an Beweisen mussten am Ende alle in Frage kommenden Verdächtigen freigesprochen werden.

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Weitere Untersesselfundstücke konnten nicht als Beweisstücke für die Untat mit herangezogen werden. Sie schienen nicht mit dem Mordopfer und dieser Tat in Zusammenhang zu stehen. Mit den Verdächtigen aber wohl schon. Immerhin beweisen diese Stücke, dass bereits öfter Mäuse & Co. unter Sessel gehetzt wurden. Dieser Tatbestand könnte also durchaus auf einen Wiederholungstäter hinweisen. Nur konnten wir weder diese, noch die vorherigen Taten einem konkreten Täter zur Last legen. Wahrscheinlich aber stecken sie alle unter einer Decke – organisiertes Verbrechen gewissermaßen. Schwer gegen anzukommen. Wer traut sich da schon?

Ein Gutes jedoch hatte die ganze Sache. Endlich ist das kleine hölzerne Schaukelpferdchen wieder aufgetaucht. Gewöhnlich schmückte es zum Weihnachtsfest gemeinsam mit anderen Figuren unseren Christbaum. Vorletztes Weihnachten verschwand es plötzlich spurlos und ließ mich traurig zurück. Wie konnte es mir das antun und einfach davonschaukeln? Jetzt weiß ich, dass es ganz unfreiwillig verschwand, ich nur seine Hilferufe nicht gehört habe.

Ende gut, alles gut. Naja, nur für die arme kleine Spitzmaus nicht.

 

… unsere graue Eminenz, denn sie hat heute …

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Geburtstag

Und so, wie auf dem Bild hier oben, sah sie aus, als sie am 23. September 2003 zu uns kam. Auch wenn sie auf dem Foto so unschuldig und vielleicht auch ein wenig ängstlich schaut, …

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… das täuschte gewaltig, denn sie war ein enormer Wirbelwind und sie ging nicht nur über Tische und Bänke, sie machte auch vor uns Silberdistels nicht halt. Jeans tragen wurde plötzlich für uns geradezu zur Pflicht, denn unser Katzenkind krabbelte mit wahrer Begeisterung und in rasanter Geschwindigkeit an unseren Hosenbeinen hoch, um Tische, Regale und Schränke zu erreichen, auf die sie noch nicht springen konnte. Wir dienten als Ersatzkletterbaum.

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Einen Tag später brachten wir ihr einen Spielkameraden mit – einen 12 Wochen alten Maine Coon Kater, der sie an Größe nahezu mächtig überragte. Ich hatte später immer Angst, er würde unser kleines Katzenmädchen eines Tages beim Spiel erdrücken. Aber der kleine graue Wirbelwind ließ sich nie unterkriegen. Schnell wurden die beiden zu engen Freunden.

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Viel Schönes, Lustiges und mitunter auch Aufregendes haben wir mit ihr und natürlich auch mit ihrem und unserem langjährigen Begleiter Bärchen erlebt. Etliche Geschichten habe ich hier im Blog festgehalten. Für mich sind es wundervolle Erinnerungen.

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Inzwischen ist unsere nun schon 14 Jahre alte graue Lady nicht mehr ganz so aktiv. Sie schläft gern und viel. Ihr allerliebster Schlafplatz ist schon eine ganze Weile mein Schreibtischsessel. Und wenn ich ihn gerade besetze, weiß sie sehr wohl, wie sie mich nötigen kann, aufzustehen und den Sessel ihr zu überlassen.

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Wer kann diesem Blick schon widerstehen? Aber wenn ich das dann doch einmal kann, fuscht sie mir auch mal ordentlich ins Handwerk und übernimmt mal schnell die Arbeit am PC  – ganz nach dem Motto:  Wenn die Arbeit getan ist, wird die Silberdistel ja wohl den Sessel freigeben.

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Da zeigt sie mir, was eine Katze in ihrem Alter noch alles kann. Ganz flink klimpert sie mit ihren flauschigen Zehen über die Tastatur und …

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… schon hat sie ein Screenshot geschossen und gleich noch gut abgespeichert.

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Katze müsste man sein. Ich grüble jedes Mal neu, wie das noch war mit den Screenshots. Aber wozu habe ich schließlich meine kluge graue Eminenz?

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Und da ich nun eh schon wieder einmal vor meinem Schreibtischstuhl stehe, kann ich auch gleich die obligatorische Thunfischgeburtstagsfrühstücksdose öffnen und dann wird ordentlich Katzengeburtstag gefeiert.

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Ich erwähnte es bereits in einem anderen Post, dass ich neuerdings ständig Hilfe am PC habe. Unsere neuen pelzigen Mitbewohner bekamen offensichtlich PC-Kenntnisse in die Wiege gelegt. So mischen sie sich dauernd  in meine Arbeit ein und gewöhnlich wissen sie alles besser. Nun werden sogar die Blogposts, in denen ich ein wenig aus ihrem abenteuerlichen Leben hier bei uns berichte, zensiert. Wahrscheinlich muss ich sehen, dass ich diese Katzenkinderposts nur noch heimlich schreibe, wenn sie schlafen z. B., obwohl auch das schwierig ist.

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Oft legen sie ihre Ruhepausen nämlich unmittelbar am PC ein. So muss ich damit rechnen, dass sie stets und ständig eingriffsbereit sind in mein Tun. Ich sag’s immer wieder, wir sind übel dran.
Mein Post „Ein Übel kommt selten allein“ wurde förmlich verrissen, besonders von Übel 2. Ich musste alles ändern, was sie in ein negatives Licht hätte stellen können.
Heimlich, als sie und Übel 1 gerade mit wildem Spiel beschäftigt waren und ausnahmsweise einmal kein Interesse an meiner PC-Arbeit hatten, habe ich meinen vorherigen Entwurf wieder hergestellt und ihn somit gerade noch einmal in unzensierter Form veröffentlichen können. Aber pssst, verratet mich bloß nicht. Und dies hier habe ich auch allein und im Verborgenen verfasst. Am Ende mögen sie nicht, dass Ihr wisst, dass hier in den „Bücherstaub“ die Zensur in Gestalt zweier Katzenkinder eingezogen ist. Im Folgenden nun eine kleine Dokumentation über meine neuerdings so erschwerten Arbeitsbedingungen:

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„Lass mal den Experten sehen, Silberdistel, was Du da zusammengeschrieben hast?“

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„Also das hier, das kann aber nicht so stehen bleiben. Da musst Du noch ein wenig nachbessern. Das wirft auf uns irgendwie ein übles Licht.“

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„Lass mich mal weitersehen, Silberdistel. Was sagst Du? Das ist kein Touchscreen? Was ist das hier für ein unmoderner Haushalt. Dann wird es aber Zeit, dass sich da etwas ändert.“

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„Hm, tatsächlich, kein Touchscreen.“

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„Na dann ist Dir nicht zu helfen, Silberdistel, dann musst Du eben weiter auf der Tastatur rumtippeln. In meinem alten Zuhause wurde fleißig getoucht. Was? Natürlich schreibt man das so.“

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„Magst Du, Schwesterchen Torty, noch mal gucken, ob das so in Ordnung ist, was die Silberdistel da geschrieben hat?“

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„Ich mach dann erst mal Pause. Ohne Touch macht es eh keinen Spaß.“

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„Boahhhh, was hat sie da über mich geschrieben? Unverschämt! Ich bin doch das liebste Kätzchen der Welt!“

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„Mach das sofort weg, Silberdistel!“

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„Los, mach’s weg!“

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„Wenn Du das nicht sofort wegmachst, dann … dann …

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… dann schmeiß ich den Bildschirm um.“

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„Aber Torty …“

„Lass mich, Silberdistel. Ich mache das jetzt selbst.“

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„Aber … aber … aber was hast Du denn jetzt gemacht? Du kennst Dich doch am PC gar nicht aus, Torty.“

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„Ach was, pass nur auf, Silberdistel. Von mir kannst Du noch was lernen.“

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„Siehst Du, Silberdistel, so macht man das, wenn man einmal nicht weiter weiß. So wird Dir geholfen.“

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„Dann schauen wir mal, wie man hier herumändern kann.“

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„Na, geht doch. So sieht das schon besser aus und ich stehe gleich viel besser da. So darf das jetzt bleiben. Und weil ich jetzt eine Entschuldigung von Dir erwarte, Silberdistel, für das, was Du hier beinahe Schlechtes über mich geschrieben hättest, bekomme ich ein kleines Geschenk.“

„Ein Geschenk, Du, Torty? Was, was hattest Du Dir denn da vorgestellt?““

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„Warte, ich zeig’s Dir! Ich will diese Maus hier oben.“

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Tja, so bin ich sie denn los, meine hübsche rote Maus. Eine Weigerung war unmöglich. Torty drohte gleich wieder mit dem Umwerfen des Monitors, sollte ich auch nur einen Moment unschlüssig sein. Aber kaum hatte sie die Maus vom Monitorrand gepflückt, mischte sich ihr Bruder ein und um die kleine rote Maus begann ein wildes Gerangel. Man sah nur noch um einen roten Fleck wirbelnde Kätzchen.

Das kleine Übel

Veröffentlicht: 14. Oktober 2015 in Fotos, Geschichten, Tiere, Unterhaltendes
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01-20151010_220034Hallo Ihr! Ich wohne seit ein paar Tagen bei den Silberdistels. Ich bin das kleine Übel. Hübsch, oder? Den Namen hat mir die Silberdistel gegeben. Sie freut sich schon darauf, wenn ich groß bin, weil …  weil ich dann zu einem großen Übel werden könnte. Was heißt hier, ich KÖNNTE? Natürlich möchte ich ein großes Übel werden und das schnell. Darum fresse ich auch fleißig und viel. So bin ich schon ein etwas größeres kleines Übel geworden, seitdem ich bei den Silberdistels wohne.

Obwohl ich erst ein paar Tage hier bin, habe ich bereits soooo viel erlebt. Ich bin sogar schon ins Klo, also ins Menschenklo, gefallen. Die Silberdistel meinte aber, das wäre nicht so schlimm. Ich solle mir keine Sorgen machen. Das könne schließlich jedem passieren. Ich habe vergessen, sie zu fragen, ob sie auch schon mal ins Klo gefallen ist. Ich muss die Silberdistel demnächst einmal drüber aushorchen. Ob da wohl auch ein Retter in der Not neben ihr gestanden hat? Also aus so einer Kloschüssel wieder allein rauszukommen, das ist gar nicht so einfach. Probiert das mal. Und nass wird man auch noch, aber das kann man ja wieder abputzen.

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Ich hab mir dann gleich hinterher die Pfoten gewaschen. Wir Katzen sind schließlich reinliche Wesen. Ja, und dann bin ich noch mit dem Badteppich, der zum Trocknen aufgehängt war, abgestürzt. Ich wollte an ihm hochspringen und plötzlich fielen wir beide schneller runter als ich hochkam. Seltsam. Naja, probiere ich später noch einmal. Dass ich das Kakteenregal erkunden wollte, fand die Silberdistel nicht so gut. Ganz schnell hat sie mich dort wieder abgepflückt und dann ganz aufmerksam meine Pfoten angeschaut. Ich weiß gar nicht, warum sie so aufgeregt war. Dabei war es dort oben so spannend. Ach ja, und dann die Sache mit der Silberdistel selbst, als ich an ihr hochsprang. Sie machte Frühsport oder so ähnlich und da hatte sie so ein Dingens in den Händen, mit dem sie herumzappelte. Ich glaube, es heißt Expander. Das war unglaublich spannend. Aber als ich das zappelnde Etwas fangen wollte und an Silberdistels nacktem Bein hochsprang, kreischte sie ganz laut. Menno, hab ich mich da erschrocken. Naja, jedenfalls habe ich das Spielzeug vor lauter Schreck dann doch nicht fangen können. Die Silberdistel hat aber nun ein hübsches Katzenpfotentattoo am Oberschenkel. Ich bin ein richtiger Künstler mit meinen feinen eingebauten Nadeln an den Pfoten.
Ach ja, und dann wohnt hier ja noch eine andere Katze. Die ist manchmal ein echter Spielverderber. Erst konnte sie mich gar nicht leiden und hat mich furchtbar angefaucht und angeknurrt. Dann hatten wir uns schon ein wenig angefreundet und ich wollte einmal kurz mit ihrem Schwanz spielen und schon war sie wieder böse auf mich und hat mich unter den Schrank gejagt.

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Ja, und sonst? Ach ja, ich helfe der Silberdistel immer fleißig am Computer. Ich kann z. B. schon gut auf der Tastatur liegen.

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Die Maus vom Computer konnte ich auch schon mehrmals fangen. Das war aber keine Kunst. Ich glaube, die lag schon tot auf dem Schreibtisch. Bestimmt hat die andere Katze sie schon irgendwann erlegt. Dann kann ich noch gut vor dem Bildschirm herumsitzen. Ich helfe der Silberdistel auch gern dabei, wenn die Bilder, die sie von mir gemacht hat, von einem ihrer Knipsdingse auf den Computer gestupst werden müssen.

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Und schließlich kann ich noch etwas ganz Besonderes, ich kann ganz allein und ohne fremde Hilfe den Computer herunterfahren. Darüber hat die Silberdistel am allermeisten gestaunt. Da starrte sie mit offenem Mund auf den Bildschirm, als der langsam dunkel wurde und sich zum Schlafen zusammenrollte. Bis dahin wollte die Silberdistel noch nicht glauben, dass ich ein echter Computerspezialist bin. Aber jetzt weiß sie das und lächelt nicht mehr so milde und ungläubig. Jetzt schauen mich alle immer ganz ehrfurchtsvoll an. Nur die Katze nicht. Die meint, das war ein blöder Zufall. So etwas könne sie schon lange und noch viel mehr. Ich solle nicht so angeben, sonst gibt es was auf die Nase.

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Dann geh ich jetzt lieber wieder spielen, sonst macht sie noch ernst und jagt mich wieder unter den Schrank. Ich berichte demnächst weiter,                          rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr          Bis dann also! Das da eben, diese geschmackvolle Buchstabenreihe, das ist noch einmal eine Kostprobe meiner Computerkenntnisse. Ich kann also auch schreiben und nicht nur den Computer runterfahren und das in einem Alter von nur 13 Wochen. Das soll mir erst mal einer nachmachen. Jaja, Katze, ich weiß, Du konntest das sogar schon mit 8 Wochen.

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So, nun muss ich mich ausruhen. So eine Vorstellung ist doch ganz schön anstrengend. Na denn, gute Nacht und bis demnächst mal wieder.

Bereits vor einigen Tagen hat man uns angekündigt, dass wir Donnerstag Nachmittag ohne Strom auskommen müssen, da irgendeine Großreparatur an unserem betrieblichen Stromnetz notwendig sei. Früher, als wir noch mit kaum irgendwelcher Technik auskommen mussten, um den Bibliotheksbetrieb aufrecht zu erhalten, wäre das alles sicher nur halb so problematisch gewesen. Heutzutage sind inzwischen auch kleinere Bibliotheken durchaus schon der modernen Technik auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Was um Himmels Willen mache ich ohne meinen heißgeliebten PC? Wie finde ich die Bücher, die mein Kunde wünscht, aus dem Wirrwarr von Buchreihen heraus? Gar nicht so einfach, wenn der Online-Katalog plötzlich ausgeknipst wird.

Aber angeblich weiß ja ein Bibliothekar immer, wo es steht, das Buch, das man jetzt und sofort unbedingt braucht. Richtig, wozu hat dieses Bibliothekspersonal schließlich seinen Kopf. Da ist alles drin, was irgendwie mit Büchern zusammenhängt. Sicher, in diesem bibliothekarischen Kopf ist durchaus einiges gespeichert, sodass man König Nutzer auch ohne diesen Online-Katalog noch ein wenig unter die Arme greifen und ihn ein ganz klein wenig glücklich machen kann mit dem Buch fürs Leben, wenn selbiges denn in irgendeiner Art von Ordnung in der Freihandabteilung der Bibliothek zu finden ist.

Aber ohne Strom in der Bibliothek muss man heutzutage ganz schön schlimme Hürden überwinden. Da der Platz für Bücher in Bibliotheken generell nie ausreicht, steht ein Teil des Bestandes meistens möglichst platzsparend aufgestellt in irgendwelchen, dem Nutzer verborgenen, Magazinen. So auch bei uns. Solange man eine gute Beleuchtung hat, kann man da auch finden, was man sucht, wobei es bei bestimmten Arten von Magazinaufstellung auch bei Lichte betrachtet ohne Katalog eher schwierig wird, weil die Bücher da, aus Laiensicht, völlig durcheinander stehen. Für einen Außenstehenden sind sie ohne Sinn und Verstand ins Regal gestellt worden – für uns Bibliothekare steckt da doch ein wenig mehr dahinter, weil die Bücher so platzsparend wie nur möglich aufgestellt wurden. Nur, um da ein ganz bestimmtes Buch herausfinden zu können, geht ohne Katalog, in welcher Form auch immer, kaum etwas. Na, und ohne Licht …

Ich sitze also diesen Tags in meiner dämmrigen Bibliothek; die anderen Kollegen durften ihre Überstunden in Anspruch nehmen, weil wir ohne Technik und strahlende Helligkeit von der Decke kaum etwas ausrichten können. So bin ich heute nur die Hilfe in allerletzter Not, denn unsere Kundschaft ist uns lieb und teuer, auch wenn manche das nicht glauben wollen. Aber es ist so, ganz bestimmt! Wir sind durchaus aufopferungsvoll, denn vielleicht möchte auch heute jemand seine in unserer Bibliothek ausgeliehenen Bücherberge wieder zurückgeben oder braucht ganz dringend ein Buch, das nur bei uns steht und sonst nirgendwo auf der Welt. Tatsächlich kommen auch heute, obwohl wir unsere Leserschaft auf den heutigen Lichtmangel in unserer edlen Bücherhalle hingewiesen haben, einige Nutzer, die ganz vorsichtig die Tür öffnen und noch vorsichtiger um die Ecke schauen, ob denn auch irgendwo ein Bücherwurm versteckt ist, der die im Schweiße seines Angesichts hergeschleppten Bücher entgegennimmt.

… und siehe da, aus der Dämmerung spricht eine Stimme zu ihnen: „Kommen Sie ruhig herein. Leider gibt es heute für Sie hier keine Erleuchtung, weil an der Stromleitung etwas repariert werden muss.“ Meistens geht es schnell, denn der Kunde muss nicht einmal warten, bis ich alles zurückgebucht habe, da mir derzeit jede Kontrollmöglichkeit genommen ist. Ich kann sogar noch manch anderem Nutzer helfen, der ein Buch mitnehmen möchte, weil ich selbst im Dunklen in meiner Bibliothek ganz gut zuhause bin. Nur ist das in letzterem Falle mit viel Schreiberei meinerseits verbunden, weil ich, da ich nicht elektronisch verbuchen kann, wohl oder übel trotzdem erfassen muss, wer was mitgenommen hat. Aber, wie gesagt, wir sind durchaus aufopferungsvoll. Ich brauche Stift und Papier – wer hätte das gedacht im Zeitalter des Computers. Ich komme mir in längst vergangene Zeiten zurückversetzt vor. Aber wie heißt das so schön? Einst erlerntes Handwerk vergisst man nicht so schnell wieder. So komme ich ganz gut zurecht.

Doch dann haben wir plötzlich das Problem! Eine Studentin betritt die Bibliothek und sucht ein relativ altes Buch. Nun will es einerseits die glückliche Fügung, dass wir für unseren älteren Bestand noch Zettelkataloge haben, sodass ich, zwar von Dunkelheit umhüllt, den entsprechenden Katalogkasten finde, in dem das Buch verzeichnet ist, und mit eben diesem Kasten zum Fenster schreiten und dort bei Lichte gesehen die Signatur des gesuchten Buches herausfinden kann. Da sieht man mal wieder, dass es doch irgendwie auch ein schönes Gefühl ist, wenn man seine Arbeit auch völlig ohne diese ganze Technik und Elektronik machen kann. So kann man den Kunden sogar völlig computerfrei ihre Wünsche erfüllen, dachte ich, denn nun kommt das Andererseits. Das Buch stand in dem Magazin mit der wunderbar platzsparenden Buchaufstellung, noch dazu in einem Kompaktmagazin, wo das spärliche Licht, das durch die Magazinfenster dringt, nun wahrlich nichts mehr in der letzten Ecke beleuchtet. So bitte ich die Studentin, doch mit ins Magazin zu kommen, weil sie bestimmt bessere Augen hat als ich und somit sicher auch im Dunkeln noch ein Signaturschild mit den winzigsten Zahlen und Buchstaben darauf erkennen könne. Meine Lesebrille ist nicht mehr so ganz topfit, ich bräuchte wieder einmal eine neue, hatte aber noch keine Gelegenheit und Zeit gefunden, um dieses Problem in Angriff zu nehmen. Man denkt doch immer: „Ach, es geht eigentlich noch.“ Die Studentin aber schaut mich schelmisch an und sagt: „Naja, ich glaube nicht, dass ich besser sehen kann als Sie. Eigentlich brauche ich auch eine Brille und wenn’s dunkel ist, bin ich erst recht blind wie ein Maulwurf.“ Ich sage: „Hm, na gut, dann muss ich sehen, was meine altersschwachen Augen hergeben.“ Die Studentin amüsiert sich noch über den Wortwitz, der mir zunächst gar nicht aufgefallen ist. Dann muss ich auch darüber lachen und mache mich auf den Weg ins Magazin.

Mit der Signatur, die ich krampfhaft im Kopf zu behalten suche, gehe ich in den finsteren Magazinraum und erkenne mühevoll, wo der Jahrgang beginnt, in dem das Buch zu finden sein müsste. Ich kämpfe mich quasi Buch um Buch vor, indem ich ab und zu immer mal eines aus dem Regal ziehe, damit ans Fenster laufe, um das Signaturschild erkennen zu können, dann wieder zurück zum Regal gehe, bis ich endlich bei dem gewünschten Titel angekommen bin. Die Studentin freut sich, als ich endlich mit ihrem Buch in der Hand wieder aus der Dunkelheit auftauche. Sie verschwindet glücklich damit in der Helligkeit des Tages.

Was lernen wir nun daraus? Es geht zwar ohne PC-Technik, aber ohne Licht, in welcher Form auch immer, ist es doch ein ganz klein wenig schwieriger. … und wären wir ganz super ordentlich vorbereitet gewesen, hätten wir für unsere Taschenlampe, die für solche Notfälle im Schrank liegt, auch einen frischen Batteriesatz gehabt. Nobody is perfect. 😉