Mit ‘Bücher’ getaggte Beiträge

… den Mäuse-Sensenmann. In meinem Beitrag zuvor, „Die Leiche im Keller“ war er unversehens in unserem Hause aufgetaucht und er hat dort sogar ganze Arbeit geleistet.  Screenshot 2017-10-08 19.00.45 - KopieUnd da einige über meinen Mäuse-Sensenmann leicht lächelten, muss ich jetzt wohl doch erst einmal einiges richtigstellen. Der Bursche ist nämlich keine Erfindung. Nee, nee, es gibt ihn wirklich.  So wirklich wie man bei Terry Pratchett von wirklich sprechen kann.
Okay, der vierbeinige Bursche mit der Sense ist etwas größer als eine Maus, mehr von der Größenordnung einer Ratte. Das aber sollten wir wohl als nebensächlich abtun. Wie wir Silberdistels selbst erfahren haben, kümmert sich der schwarze Rattenmann auch um die etwas kleineren Nager – um die Mäuse und auch um Spitzmäuse. Aber am besten ist es, Ihr lest das einfach selber nach. Manch einer mag es vielleicht erst glauben, wenn er es mit eigenen Augen in der Fachliteratur gelesen hat.

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Terry Pratchett ist immer noch DER Spezialist unter den Spezialisten. In seinen „Scheibenweltromanen“ schreibt er unter anderem über die Arbeit des Sensenmannes. Speziell in „Alles Sense“ lernen wir neben dem großen Bruder mit der Sense auch den kleineren Kollegen, den Rattenaugenschließer, kennen. Ich denke, „Alles Sense“ ist Beweis genug für die Existenz dieses kleinen vierbeinigen Sensenmannes.

So, das musste jetzt ganz einfach zum vorherigen Beitrag noch gesagt werden. Nicht, dass hier jemand meint, ich erzähle Märchen 😉

Na, wie wäre es einmal zur Abwechslung mit einem Trip rund um den Globus? Noch dazu, ohne dafür sein Köfferchen packen, ins Auto, in die Bahn oder gar ins Flugzeug steigen zu müssen. Wäre das nicht ein Deal? Für unseren Trip würde nämlich eine kleine gemütliche Leseecke schon genügen. Die gibt es doch sicher im Garten oder auf dem Balkon – mit einem bequemen Liegestuhl oder mit einer von der Lieblingsrose umrankten Bank, davor ein Tischchen, darauf ein Glas mit einem verlockend kühlen Getränk oder ersatzweise eine Tasse herrlich duftenden Kaffees oder ein Cappuccino mit einem Berg von leckerer Sahne. Wer sich auf Weltreise begibt, muss schließlich auch irgendwann die müden Geister wieder ein wenig aufwecken, damit das Abenteuer weitergehen kann. Und unser Abenteuer wird noch dazu ein ganz besonderes, ungewöhnliches werden. Da muss schon mal Energie nachgetankt werden.
Na, wie ist es? Alles parat? Die Sonne blinzelt auch ein wenig durch das Grün des Apfelbaums, unter dem unser Liegestuhl seinen Platz gefunden hat? Perfekt! Dann kann es also losgehen.

Vom Liegestuhl aus um die Welt

Um es gleich am Anfang zu sagen, unser Trip ist kein gewöhnlicher. Aber gewöhnlich kann schließlich jeder. Wir wollen die ganz große Welt erleben, wir wollen nicht nur hinein schnuppern in die Welt der Reichen und Schönen, wir wollen dort einen Platz finden und erleben, wie es ist, auf großem Fuße zu leben, nur zu genießen, ewig und immer auf Urlaub zu sein.
Tja, und um da hineinschnuppern zu können, brauchen wir natürlich Geld, denn ohne Geld geht da nichts, rein gar nichts. Da wir nun dummerweise für unser bisheriges normales und eher unaufgeregtes Leben Tag für Tag hart arbeiten mussten, dürfte unser Kleingeld wohl eher weniger für das große Leben von Welt reichen.

Aber ich weiß jetzt, wie es gehen könnte, denn ich habe gerade einen jungen Mann kennengelernt, an dessen Fersen wir uns gleich heften werden. Der scheint nämlich irgendwie den Dreh rauszuhaben, wie man zu genügend Kleingeld kommt, um sich unter die Reichen und Schönen mischen zu können. Ob uns seine Variante, durchs Leben zu gehen, gefallen wird? Folgen wir ihm doch ganz einfach auf seinem Weg durch sein etwas anderes  Leben und bilden uns dann ein Urteil darüber.

Aber zuvor klären wir vielleicht noch ein paar Fragen, damit wir am Ende auch richtig urteilen. Beginnen wir mit folgender Frage:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, ob es das mit dem Leben, so wie es bisher gelaufen ist, nun schon gewesen sein soll? Fehlt da nicht irgendwie noch etwas ganz Großes, ganz Besonderes? Sind da nicht immer noch Träume offen, die man gern erfüllt sehen würde, Träume, die sich fernab vom täglichen Einerlei, von Verpflichtungen und Verantwortung bewegen?
Also ich habe schon mehr als nur einmal von einem großen Lottogewinn geträumt, um endlich genau diese unerfüllten Träume schnell noch wahr werden zu lassen.
Und mal ehrlich, hat man nicht auch schon einmal im Geiste mit seiner besten Freundin oder seinem besten Kumpel eine Bank überfallen? Wie toll wäre es, den ganz großen Coup zu landen, nie wieder Geldsorgen zu haben und nie wieder von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Gibt es nicht immer wieder diese berühmten Beispiele, die besagen, dass der oder die Täter nie gefasst wurden?
Tja, und wer war nicht voll heimlicher Bewunderung für die Meisterdiebe in solchen Filmen wie „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant oder „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ mit Steve McQueen? Die Neuverfilmung des „Thomas Crown“ mit Pierce Brosnan, „Die Thomas Crown Affäre„, hat mich auch schwer begeistert. Okay, vielleicht hat ja auch der charmante Pierce Brosnan viel dazu beigetragen, dass ich Meisterdiebschwärmerin wurde.

Ja, diese schicken Diebe – intelligent, charmant, humorvoll und immer einen Tick klüger als die Polizei – konnten wohl nicht nur Frauen begeistern. Dieser junge Mann, den ich da gerade kennengelernt habe, der ist ebenfalls überaus begeistert von diesen cleveren, selbstsicheren und charmanten Gentleman-Dieben. Bei ihm allerdings bleibt es nicht beim Anhimmeln der locker und lässig daherkommenden Einbrecher von der Filmleinwand, er lässt Taten folgen, um genau dieses abenteuerliche Leben der filmischen Meisterdiebe zu seinem eigenen Leben zu machen. Wie es ihm letztendlich gelingt, habe ich erfahren, weil ich seinen Spuren ganz einfach gefolgt bin, und diese Spuren führten mich über den Roman „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong zu ihm.
Na, Lust bekommen auf ein paar diebisch spannende Augenblicke? Also dann, den Liegestuhl noch einmal zurechtgerückt und los geht’s!

DeLong - Ein Dieb

Aber an wessen Fersen heften wir uns da eigentlich?

Diese Frage wollt Ihr sicher auch noch beantwortet haben. Man möchte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Das Leben unseres Romanhelden lief zunächst wie das Leben vieler anderer Menschen ab – Grundschule, Abitur, Wehrdienst, Lehre. 23jährig verdient er seinen Lebensunterhalt schließlich  in einem Reprostudio. Das Geld reicht gerade so zum Leben. Aber so, wie sein Leben läuft, findet er es stinklangweilig, öde und trist. Unvorstellbar für ihn, auf ewig so weiterleben zu müssen. Der Alltagstrott, wie er ihn auch von seinen Eltern und Freunden kennt, kann doch nicht das Leben sein. Sollte man es nicht in vollen Zügen auskosten, alles mitnehmen, was nur geht? Alles oder nichts?

Und so kommt ihm genau im richtigen Moment ein Zufall zu Hilfe, um aus diesem Nichts alles zu machen, aus diesem öden täglichen Einerlei auszubrechen. In einem Gespräch mit seinem besten Kumpel erfährt er so ganz nebenher, dass die Tageseinnahmen eines Einkaufszentrums abends jeweils von einer einzelnen weiblichen Person zu einem Nachttresor gebracht werden. Welche Gelegenheit! Ist es nicht genau das, wovon er schon immer geträumt hat – die Gelegenheit für den ganz großen Coup?

Was zunächst nur als Gedankenspiel abläuft, wird dann doch bitterer Ernst. Er überfällt die Geldbotin und eignet sich unerkannt die Tageseinnahmen des Einkaufszentrums an. Und weil es so perfekt geklappt hat, wiederholt er den Überfall ein Weilchen später – ebenfalls erfolgreich. Danach setzt er sich mit seinem neuen Reichtum nach Jamaika ab. Und so beginnt ein neues und aufregendes Leben für ihn, ein Leben, wie er es sich schon immer erträumt hat:

„Mein neues Leben begann! Nie werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, dieses dicke fette Grinsen auf meinem Gesicht, mit dem ich, den Koffer in der Hand in die Sonne trat. Diesen jubelnden Schrei, den ich innerlich ausstieß, diesen Sprung, den ich tat. YES! Das Leben lag vor mir, war groß und wunderbar. Das Paradies war hier!“ (S. 15)

Einmal Paradies – immer Paradies?

Na, war doch ganz einfach bis hierher, oder? Geht’s noch paradiesischer, wenn man weiten Strand, Meer, Sonne und Palmen vor sich hat? Und das Geld stimmt auch, um aus dem neuen Leben einen ewigen und immerwährenden Feiertag zu machen. Urlaub ohne Ende. Was kann schöner sein?

Für eine gewisse Weile mag sich ein solches Leben toll, wundervoll und erfüllend anfühlen. Ob aber nicht auch daraus irgendwann wieder so etwas wie Normalität wird und dann alles wie zuvor ist? Nur an einem anderen Ort?

Unserem Aussteiger aus dem normalen Leben wird genau das bald klar, denn tatsächlich verliert sein neues Paradies ganz heimlich, still und leise für ihn den Reiz. Das Neue ist weg, das tägliche Einerlei macht sich wieder breit, wenn auch auf einer anderen Stufe der Lebensleiter. Ernüchterung folgt dem Hoch. Nach gerade mal drei Monaten auf Jamaika, in denen unser Romanheld das Leben in vollen Zügen genossen und das Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, hängt ihm diese paradiesische Insel, dieses paradiesische Leben voller Partys, Sex und Alkohol, dieser Dauerurlaub zum Halse heraus. Deprimiert und unzufrieden mit sich und der Welt durchstreift er die Insel und  bekommt dabei eine Ahnung von dem, was einen Wunschtraum vom einem endlich wahr gewordenen Traum unterscheidet:

„Nicht immer ist der Traum ein Traum, wenn er wahr wird, und manchmal ist der Preis zu hoch. Mancher Traum bleibt besser dort, wo er entstand – im Kopf, und nur dort ist er wunderbar. Der Realität hält er nicht stand.

Im Kopf steht ein Traum nur für sich, die Realität und das Umfeld sind ausgeblendet. Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Der Traum ignoriert die Schlangen, die Menschen, die Unwetter und Unbill.“ (S. 23 f.)

Und er merkt auch bald, dass ihm trotz allen Geldes etwas fehlt. Er fühlt sich einsam und erfährt, dass das noble Leben in vornehmen Hotels, schicke Anzüge und tolle Autos auch nicht das allein Seligmachende sind.

Als nach einem halben Jahr dann auch nur noch die Hälfte des erbeuteten Geldes übrig ist, muss er sich darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Ursprünglich hatte er geglaubt, mit einem einzigen großen Coup für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Weiter hatte er nie gedacht. Doch jetzt muss er darüber nachdenken, wie er sein Leben von dem Moment an gestalten soll, in dem das Geld aufgebraucht sein wird.

Wenn einem „normal“ nicht genug ist

In einem fremden Land das neu zu beginnen, vor dem unser Aussteiger aus seiner Heimat Deutschland geflohen ist, erscheint ihm undenkbar. Er will nach wie vor kein langweiliges normales Leben führen, keinem normalen Arbeitsalltag nachgehen. Es bleibt ihm eigentlich nur ein Weg übrig. Er wird als Dieb leben müssen. Und so findet er seine neue Bestimmung – in einem Leben als Dieb. Und dieser Dieb soll nach seiner Vorstellung zu einem Meisterdieb werden, ein Meisterdieb, wie ihn Cary Grant und Steve McQueen darstellten. Wie wundervoll aufregend würde dieses Leben werden?
Und da ohnehin die Geldvorräte irgendwie erneuert werden müssen, wird der nächste Diebstahl sogar zu einer Notwendigkeit. Nach diesem erneuten Coup muss unser Dieb Jamaika jedoch verlassen, denn gefasst werden möchte er natürlich auch dieses Mal nicht, und so beginnt sein Trip rund um den Globus.

Von Diebeszug zu Diebeszug wird er geschickter und cleverer, und das nötige Quentchen Glück ist ebenfalls immer an seiner Seite.
Während wir mit ihm von Nobelhotel zu Nobelhotel durch die Welt reisen, denn nur, wo Geld ist, kann man auch zu Geld kommen, lernen wir nicht nur etwas über das Handwerk unseres etwas anderen „Reisebegleiters“, wir lernen nebenher auch viele Orte und Landschaften rund um den Globus kennen. Wir verbringen interessante Tage auf Cuba, im Steuerparadies auf den Bahamas und reisen von dort aus weiter nach New York.
Wir wandeln in Havanna an kolonialen Prachtbauten, Festungen und Stadtpalästen vorüber und genießen die immer und überall gegenwärtige Musik. Wir staunen über den ungeheuren Luxus auf den Bahamas und verspüren die enorme Anspannung und Aufregung unseres Diebes beim Ausrauben diverser Zimmer in einem der teuren Luxushotels. In New York lernen wir schließlich, dass es den einen großen Coup wohl nicht gibt und dass auch Diebsein in Arbeit ausarten kann.

Während all dieser Reisen und Diebeszüge lernen wir gemeinsam mit unserem „Reiseführer“ auch viele Menschen kennen. Verwundert stellt er fest, dass auch der normale Alltag eines Menschen ungeheuer spannend sein kann. Nie hätte er das bis dahin für möglich gehalten. Hatte er doch sein eigenes „altes“ Leben als entsetzlich langweilig und öde empfunden. Er hatte ganz einfach von seinem eigenen tristen Leben auf das aller anderen geschlossen.

Während seiner Reisen, die ihm seine „Geschäfte“ immer wieder aufzwingen, begegnen ihm auch zwei Frauen, Frauen, an denen ihm erstmals wirklich etwas liegt. Doch lassen sein Wanderdasein, seine „Tätigkeit“ überhaupt eine ernsthafte Bindung zu? Ist sie nicht immer zum Scheitern verurteilt? Ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er durch seinen „Beruf“ bedingt, als Einzelgänger durchs Leben läuft und wie schwierig es ist, ein ganzes Leben mit einer Lüge leben zu müssen.

Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Ob unser Romanheld doch noch die berühmte Kurve zurück ins normale Leben kriegt? Oder wird er tatsächlich zu DEM Meisterdieb, wie es ihm die großen Filmhelden vorgemacht haben? Wie wär’s, wenn Ihr das selbst herausfindet? Ich schleiche mich jetzt ganz heimlich aus meinem Liegestuhl fort und lass Euch allein mit Euren Gedanken über den ganz großen Coup.

Aber bevor ich mich durch mein bücherstaubiges Türchen für heute davonmache, sollt Ihr schnell noch erfahren, wie mir diese abenteuerliche Reise im Schatten eines Diebes gefallen hat.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, als mir vom Phantomverlag angeboten wurde, das Buch zu lesen und gegebenenfalls zu rezensieren. Würden mich die Bekenntnisse eines Diebes wirklich so brennend interessieren, dass ich dafür andere spannende Lektüren, die sich auf meinem Nachttischchen schon bis fast unter die Decke stapeln, erst einmal würde zur Seite schieben wollen? Aber als ich durch den Trailer zum Buch …

… und durch den Text auf dem Cover über den Vergleich mit „Über den Dächern von Nizza“ und mit „Thomas Crown“ erfuhr, wurde ich dann doch ein kleines bisschen neugierig. Ja, sie hatten mich am Haken, und ich blieb auch während der Lektüre am Haken. Der Schreibstil nämlich gefiel mir sofort und einmal angefangen, musste ich natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

Und bald zog mich diese etwas andere Reise durch ferne Länder in ihren Bann. Schön und detailliert beschrieben sind die Besonder- und Eigenheiten einzelner Städte und die Lebensart der dort lebenden Menschen. In Teilen könnte das Buch einem Reiseführer durchaus alle Ehre machen. Wenn es nicht sogar fast das Zeug zu einem kleinen ReiseVERführer hat.
Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann sogar einmal dort wandeln, wo ich eben noch mit einem Dieb unterwegs war. Allerdings schweben mir eher keine Raubzüge vor. Ich bleibe dann doch lieber bei meinem normalen Leben. Ich brauche meine Vergangenheit, meine Familie, meine tierischen Mitbewohner, meine Freunde und ein eher unaufgeregtes Leben, das durchaus auch ohne Stress und Panik im Nacken spannend und unterhaltsam sein kann. Na, und meine vielen Bücher möchte ich auch nicht immer irgendwo zurücklassen müssen, denn ein Dieb kann immer nur mit kleinem Koffer reisen.

Ebenso bildreich wie Orte und Landschaften wird auch die Gefühlswelt des Protagonisten beschrieben. Es macht richtig Spaß, in diese Gefühlsbeschreibungen einzutauchen. Einzelne Szenen musste ich immer wieder lesen, sie mir förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Am Ende habe ich ein Buch aus der Hand gelegt, das ich nach anfänglichen Zweifeln gerne gelesen habe. Das Ende allerdings hatte ich mir etwas anders erhofft. Aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ihr wollt ja schließlich noch selbst auf die Reise gehen.
Eines kann ich aber doch noch verraten, nämlich die Antwort auf die obige Frage: Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Sie lautet: Und ob es ein Lesevergnügen für mich war!

Für diejenigen, die nun hoffentlich ganz neugierig geworden sind, hier noch die genauen Angaben zum Buch. Es kommt übrigens als richtig schön gebundenes Buch mit einem Hardcover daher und kostet 14,90 Euro.

DeLong, Lucien: Ein Dieb : Bekenntnisse ; Roman. – Berlin : Phantom Verl., 2017. – 143 S.
ISBN 13-978-3-927447-07-3

Gelesen habe ich genau das in diversen Büchern. Ob es wirklich stimmt?
Bisher habe ich mich vom Brotbacken eigentlich immer eher ferngehalten. Ich bin mehr eine Keks- und Kuchenbäckerin. Obwohl … vor vielen Jahren, als plötzlich alle Welt Brotbackautomaten kaufte, musste selbstverständlich auch ich ein solches Backgerät haben. Natürlich gab es in der Folge auch bei uns Silberdistels viele leckere Brote zu essen. Mit denen hatte man allerdings fast gar keine Arbeit, zumal man für den elektrischen heimischen Brotbäcker noch dazu auf zahlreiche Brotbackmischungen zurückgreifen konnte. Und eine besondere Kunst war das Brotbacken auf diese Weise schon gar nicht.
Doch dann segnete das Teil plötzlich und unerwartet das Zeitliche und ein neues kam nicht mehr ins Haus. Warum eigentlich? Vielleicht war die Mode einfach vorbei? Ich weiß es, ehrlich gesagt, einfach nicht mehr. So wurde das Brot wieder eingekauft, aber so richtig zufrieden war ich damit auch nicht.

000-Buch Schmackhafte brote selber backen

ISBN 978-3-95540-156-6

Unlängst nun lief mir ein Brot-Backbuch über den Weg. Es lief so geschickt, dass ich regelrecht darüber stolperte. Höflich, wie ich bin, schaute ich meinen Stolperstein wenigstens an. Das aber hätte ich nicht tun sollen, denn ich infizierte mich umgehend mit dem Brotbackvirus, genauer gesagt – mit dem Sauerteigbrotbackvirus.
Da ich mitunter kleine Bauchwehprobleme mit einigen Brotsorten habe und nun las, dass Sauerteigbrote zur eher bekömmlichen Sorte von Broten gehören würden, schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf, ein Gedanke, der mich erstens dieses Buch kaufen ließ und der mir zweitens einredete, es doch noch einmal mit dem Selberbacken von Brot zu versuchen. Ich wollte mein eigenes Sauerteigbrot backen – ohne all die Zutaten, die uns die Industrie sicher noch so ganz nebenher in jedes Brot mischt, damit es besser schmeckt, super aussieht und noch dazu lange haltbar ist. Eigentlich sollten, wie ich nun weiß, für ein schmackhaftes Brot bereits Mehl, Wasser und etwas Salz genügen.

Die Herstellung von Sauerteig liest sich auf den ersten Blick so, als wäre es ganz leicht – nur Wasser, Mehl und Geduld wären notwendig.
Um meine neue Brotback-Karriere nicht gleich mit einem Misserfolg zu starten, kaufte ich zunächst beim Bäckermeister meines Vertrauens etwas Natursauerteig.

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Mein erstes eigenes Sauerteig-Roggenbrot

Und siehe da, mein erstes eigenes Roggenbrot sah gar nicht so übel aus und erstaunlicherweise schmeckte es auch noch. Und es war in reiner Handarbeit entstanden – also ohne Brotbackautomaten. Die ausgesprochenen Brotbackfans kneten ihren Brotteig nämlich mit der Hand. Okay, darin hatte ich mich nun versucht, aber ganz war ich der Sache mit dem klebrigen Teig noch nicht Herr geworden. Es blieben trotz des ersten Erfolgs noch so einige Fragen offen.
Und wegen dieser offenen Fragen waren dem einen Buch weitere Bücher übers Brotbacken in meine häusliche Backbibliothek gefolgt. Die Sache mit der Herstellung des eigenen Sauerteigs interessierte mich nun doch, schließlich wollte ich nicht immerzu Sauerteig kaufen müssen. Ich wollte ihn ständig parat haben, wenn ein neuer Brotbacktag anstand. Andererseits wollte ich auch noch wissen, wie ich den Teig richtig kneten muss, damit mein Brot ganz besonders gut ausschaut, wenn es den Backofen schließlich wieder verlässt.
Viele Bücher mögen gut sein, manchmal sind viele Bücher zu einem Thema auch eher verwirrend. Mit viel List und Tücke und lauter Fragezeichen im Kopf zum Thema Kneten und zum Thema Anstellgut oder Ansatz für einen neuen Sauerteig machte ich mich an mein zweites Brot.

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Mein Brot Nr. 2 – ein Roggen-Weizenmischbrot

Dieses Mal sollte es ein Roggen-Weizenmischbrot werden. Da ich meinem sogenannten Anstellgut, einem Restchen vom ursprünglichen Sauerteig, aus dem ich versuchte, den benötigten Sauerteig für das neue Brot herzustellen, nicht ganz über den Weg traute, gab ich etwas Hefe hinzu. Ob nun der zweite Brotbackversuch, den ich ebenfalls als recht gut gelungen abhaken konnte, der Hefe oder/und dem Sauerteig zu verdanken war, blieb mir dennoch ein kleines Rätsel. Zumindest musste ich mir über die Form meiner Brote vorerst keine Sorgen machen. Meine Kastenform ließ das Brot nach einem Brot aussehen und nicht nach einem Teil, das mehr einem missglückten Fladen glich. Aber die Kastenform beantwortete nur einen kleinen Teil meiner Fragen.

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Der Klockenhagener Museumsbäcker lädt zum Brotbacken ein. Aber auch sonst gibt es allerlei Mitmachangebote.

Und plötzlich kam wieder einmal mein Herr Silberdistel ins Spiel. Er hatte nämlich gelesen, dass im Freilichtmuseum Klockenhagen, ich hatte hier schon öfter über das Museumsdorf berichtet, neuerdings fleißig Brot gebacken wird. Es gibt dort seit Mai 2017 einen Museumsbäcker, der an einigen Tagen in der Woche sogar zum Mitmachen einlädt. Vielleicht könnte ich dort ja meine Fragen klären.

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So machten wir Silberdistels uns am vergangenen Dienstag auf den Weg nach Klockenhagen. Wie Herr Silberdistel gelesen hatte, sollte einmal um 11.00 Uhr und ein weiteres Mal um 13.00 Uhr gebacken werden. Für 11.00 Uhr sind wir an diesem Tag etwas spät dran. Trotzdem eilen wir, bevor wir noch anderes im Museumsdorf anschauen, zum neuen Backhaus.

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Wie ich dort erfahre, hatte der Museums-Bäckermeister gerade an diesem Vormittag viel zu tun. 30 Kinder haben zusammen mit ihm Brote geformt und diese anschließend in den neuen Holzbackofen geschoben, der übrigens samt Backhaus ein Nachbau eines alten Backhauses aus Hanstorf ist.
Des Bäckers Teigreserven sind aufgebraucht, dennoch kann ich einige interessante Tipps über das Backen mit Sauerteig bekommen. Gern hätte ich natürlich dem Bäckermeister noch auf die Finger geschaut oder mich sogar selbst formend an einem Brotteig vergangen. Aber was dieses Mal nicht war, kann vielleicht ein anderes Mal werden.

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Wir Silberdistels bedanken uns herzlich für die Informationen, nehmen aus dem kleinen Ladengeschäft noch ein Roggenmischbrot und ein Dinkelbrot mit und natürlich lassen wir uns, bevor wir zu einem kleinen Rundgang durchs Freilichtmuseum aufbrechen, noch ein Stück Kuchen und den Kaffee aus der kleinen Bäckerei schmecken. Es war übrigens ein überaus leckerer Mohnkuchen.

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Ach, und das Dinkelbrot ist nicht irgendein Dinkelbrot. Es hat sogar ein Gesicht. Oder sehe ich ganz einfach immer und überall Gespenster?

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Nicht weit entfernt vom neuen Museumsbackhaus lockt uns eine Bank an ein kleines Teichlein. Wir lassen uns eine Weile die Nasen von der Sonne bescheinen und als Frau Sonne eine Pause macht, setzen wir unseren Museumsrundgang fort.
Mich interessieren natürlich besonders die hübschen Bauerngärten. Was mir auch hier wieder auffällt, es sind erstaunlich wenig Insekten zu sehen. Da kennen wir Silberdistels die Klockenhagener Bauergärten aber ganz anders. Dort war die Luft während der warmen Jahreszeit sonst fast ständig vom Summen der vielen Insekten erfüllt.
Dieses Mal muss ich nach den kleinen Fliegern regelrecht suchen. Zumindest die Fliegen bemühen sich um Nachwuchs. Ich will hoffen, auch Bienen und Hummeln nehmen sich daran ein Beispiel, damit es bald wieder mehr in unseren Gärten summt und brummt.

Ach, und um die Frage von oben, ob Brotbacken süchtig macht, zu beantworten. Ich denke schon, denn nicht nur meine Brotbackbüchersammlung, auch meine Mehlsammlung wird immer umfangreicher. Das lässt doch darauf schließen, dass mich das Brotbacken so schnell nicht wieder loslassen wird, oder?

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Unsere Glückskatze Torty ist die umwerfendste Katze, die wir je kennengelernt haben. Wo sie geht und steht, fällt ihrem umwerfenden Wesen alles zum Opfer. Dabei habe ich in einem klugen Buch gelesen, dass Katzen überaus vorsichtig selbst auf dem voll gestelltesten Regal aller Regale herumlaufen können, ohne dabei etwas um- oder gar herunterzustoßen. Torty hat dieses Buch offensichtlich nicht gelesen oder sie ist eine andere Spezies als die, von der in dem Buch die Rede ist.
Wo immer Torty entlang geht, wird sie von scheppernden Geräuschen begleitet.

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Mitunter rumst es auch unüberhörbar laut, weil sie wieder einmal ein Buch aus dem Regal befördert hat. Nicht selten fallen die Bücher auch gleich zuhauf.
Inzwischen hat Torty den Meister des Hauses, unseren Keks, völlig in den Schatten gestellt. Über das von ihm zerschmetterte PCli meines Herr Silberdistel sprechen hier kein Mensch und kein Katz mehr. Blumentöpfe, Bilderrahmen und mehr gehen derweil auf Tortys Konto. Über beim Aufprall auf den Boden verschandelte Bücher reden wir gar nicht erst.

Unlängst hat unsere Torty ihr Meisterstück abgeliefert. Es weihnachtet ja nun bald und somit sind auch Apfelsinen und Mandarinen wieder in unser Blickfeld geraten. Wir Silberdistels decken unseren Vitamin-C-Bedarf gern mit den kleinen handlichen Mandarinen. So steht auch ständig ein Körbchen mit diesen leckeren Früchten irgendwo im Hause zum Verzehr bereit. Mitunter passen nicht alle ins dafür vorgesehene Körbchen, dann liegen die überzähligen Kandidaten übergangsweise schon mal an anderer Stelle. So vor einigen Tagen wieder einmal geschehen. Ein kleines Einzelstück hatte einen vorläufigen Sonderplatz zugeteilt bekommen – an exponierter Stelle, damit es auch ja nicht übersehen wird.

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So lag es leuchtend schön vor einem Korb, der gerade mit Äpfeln besetzt war, und damit lag es dummerweise, was ich bei der Standortvergabe für die einzelne Mandarine leider nicht bedacht hatte, auf Tortys täglichem Küchenwechsel. Sie steigt nämlich gern vom nahen Kleiderständer auf dieses Beistelltischchen, auf dem nun gerade auch unser orangenes Einzelstück lag, und von dort aus läuft Torty in der Regel weiter über den daneben stehenden Küchenschrank hinüber zur Spüle und Arbeitsplatte, um zu schauen, ob nicht zufällig an der Zubereitung eines leckeren Mahls für das Katzenvolk gearbeitet wird. Es könnte ja sein, da die Silberdistel just in diesem Moment so geschäftig an eben dieser Arbeitsplatte herumwirbelt. Eine Katze, die etwas auf sich hält, sollte in solchen Fällen immer rechtzeitig zur Stelle sein. Keks frisst ansonsten unerbittlich alles allein.

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Während nun Torty auf ihrem erhabenen Küchenpfad unterwegs ist, wirft sie traditionsgemäß alltäglich mehrmals die auf dem Schrank stehenden hölzernen Salz- und Pfefferstreuer um, die ich ebenso traditionsgemäß jeweils wieder aufstelle. Schließlich lasse ich mir von einer Katze nicht vorschreiben, wo ich was hinzustellen habe.

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Nun war ich in der Tat an diesem bewussten Tag und in diesem Moment, als es hinter mir so seltsam klirrte, mit dem Zubereiten des Abendessens beschäftigt. Auf das klirrende Geräusch hin schaute ich mich verwundert um und sah … Wen wohl? Natürlich Torty auf dem Küchenschrank. Aha, unsere Käsematze erhoffte sich eine milde Gabe von unserem Abendessen.
Nur, was hatte da eben geklirrt? Die hölzernen Gewürzstreuer standen ausnahmsweise noch ganz akkurat auf dem Schrank. Außerdem klirrten sie gewöhnlich nicht in solch hellen Tönen, wie ich es eben vernommen hatte. Torty blickte irgendwie leicht erstaunt, verwundert, begeistert, wie auch immer, auf das Beistelltischchen, das nun wiederum auf mich einen seltsam verlassenen Eindruck machte. Was fehlte da nur?

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Ja, aber, aber … da lag doch eben noch die Mandarine. Genau! Ich bin ganz sicher, sie lag da eben noch. Wo war sie nur hin?

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Tortys Blick sagte mir dann alles. Ich musste nach unten auf die Erde schauen. Und was entdeckte ich dort?

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Eigentlich sollte es unter dem Beistelltischchen so wie auf dem Bild hier oben aussehen. Gewöhnlich stehen darunter die Katzenfutternäpfe, die gerade nicht in Gebrauch sind, und in einem der Futternäpfe liegt immer die kleine Gabel, mit der ich jeweils zu den Katzenmahlzeiten die Näpfe fülle. Aber genau so sah es eben dieses Mal dort unten nicht aus. Mir bot sich ein ganz anderes Bild.

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Die Näpfe standen schon so da, wie ich es erwartet hatte, nur … sie hatten Gesellschaft bekommen, Gesellschaft von der vermissten Mandarine. Allerdings hatte die Mandarine ein schweres Schicksal ereilt. Torty muss auf ihre umwerfende Art mit einem eleganten Hüftschwung unter Zuhilfenahme des Schwanzes oder gar einer Pfote (?) die Mandarine vom Beistelltischchen in die Tiefe befördert haben. So sauste die Mandarine, sanft geschubst und sicher zunächst nichts Böses ahnend, eher noch vom freien Fall wie ein Fallschirmspringer glücksberauscht der Schwerkraft folgend, in die Tiefe. Nur dummerweise hatte das arme Früchtchen keinen Fallschirm dabei. Da dämpfte nichts den dumpfen Aufprall, nicht einmal ein Teppich. Ein Teppich wäre wohl in diesem Falle eh nicht hilfreich gewesen. Er wäre zu spät als Retter in Erscheinung getreten, denn über ihm lauerte bereits die kleine spitze und gehässig grinsende Gabel. Womit wir bei dem klirrenden Geräusch wären, das an mein Ohr gedrungen war. Die hinterlistige kleine Gabel stoppte nämlich mit einen scheppernden Jauchzer aus dem Futternapf heraus, in dem sie vorübergehend weilte, unerwartet abrupt den freien Fall der eben noch so glücksberauscht dahinsausenden Mandarine , stoppte den Fall nicht nur, sie stach der armen kleinen Frucht einfach mitleidslos ins Herz, spießte sie gnadenlos auf.
Mit offenem Munde schaute ich auf das eben Geschehene und die schwerverletzte Frucht zu meinen Füßen.

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Sanft hob ich sie auf und bestaunte die auf die Gabel gespießte Mandarine dabei so, wie ich als Kind zu Weihnachten jeweils die auf einem hölzernen Stöckchen sitzenden kandierten Äpfel bewundert hatte, die es auf dem Weihnachtsmarkt zu kaufen gab und die ich so gern mochte.
Unmerklich, fast automatisch wanderte mein Blick zu Torty. Wie hatte sie dieses Kunststück nur vollbringen können?

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Ehrfurchtsvoll und zutiefst beeindruckt von einer solch enormen Präzisionsarbeit blickte ich auf die Katzenkünstlerin, die sich nach dieser anstrengenden Tätigkeit auch gleich auf ihren Ruheplatz zurückzog und über weitere Projekte ähnlicher Art sinnierte. Bewundernd schaute ich ihr nach und eilte hinterher, musste ich doch noch mein Lob loswerden.

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„Torty, Du bist eine Könnerin!“, so sprach ich.

„Ich weiß, Silberdistel und endlich siehst auch Du das ein und meckerst hoffentlich nicht mehr, wenn ich etwas gekonnt zu Boden werfe.“

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„Bescheiden, Torty, bescheiden bist Du gar nicht, oder?“

„Bescheidenheit ist gut, aber eben nur dort, wo es angebracht ist, Silberdistel.“

„Ahja, Torty, man lernt doch nie aus.“!

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„Und jetzt, Silberdistel, jetzt bin ich müde. Solche Präzisionsarbeit ist nämlich überaus anstrengend. Du kannst es ja mal selbst probieren. Ich wette, Du kriegst das nicht hin. Und nun gute Nacht, Silberdistel!“

Tja, so ist sie, unsere Torty. Jetzt hatte sie es mir aber mal ordentlich gezeigt.

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Und was nun die arme Mandarine betraf, da blieb uns Silberdistels nur noch die Notschlachtung übrig. Aber was soll’s?

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Dieses Schicksal hätte sie ohnehin bald ereilt. So hatte sie vorher wenigstens noch ordentlich Action und konnte dieses berauschende Glücksgefühl eines Fallschirmspringers während des freien Falles fühlen 😉 Das wird auch nicht jedem geboten und einer Mandarine schon gar nicht.

Und noch einmal muss ich mich, bevor ich erneut in der Versenkung, sprich: In der Sommerpause, verschwinde, kurz aus meiner Küche zu Wort melden, hatte doch der Nachbar unlängst noch eine Zucchini über unsere Türschwelle geschoben. Und die wollte schließlich ihrer Vorgängerin gegenüber nicht benachteiligt werden. Also die Zucchini, nicht die Türschwelle. So forderte sie, die Zucchini, eine gelbe übrigens, kaum, dass ich sie liebevoll in meine Arme genommen hatte, recht nachdrücklich ihren ganz eigenen Auftritt in meinem Küchen-Blog. Meine Worte: „Aber … aber Zucchini hatten wir doch gerade, sogar so hübsche gelbe!“, ließ sie nicht gelten. Neue Ideen mussten also her, wenn ich das gelbe Früchtchen nicht enttäuschen wollte. Doch wozu hat man schließlich eine umfangreiche Kochbuchsammlung? In dem einen oder anderen Büchlein sollte wohl ein gewinnendes Outfit für eine stolze Zucchinidame zu finden sein.

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Und siehe da, ich wurde in der Tat fündig – in dem Büchlein: „Gemüse : ein besonderes Bildkochbuch mit reizvollen Rezeptideen. – 3. Aufl. – München : Gräfe und Unzer, 1998. – ISBN 3-7742-3947-9“ auf Seite 46. Die Bilder im Buch sind übrigens von Christian Teubner. Die Bilder hier im Blog sind allerdings von mir – vielleicht nicht ganz so professionell, aber hoffentlich trotzdem appetitanregend  😉

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Ich fand in besagtem Büchlein sogar ein Rezept, dass gerade ganz besonders gut in meinen Plan passte, denn es wartete nicht nur diese gelbe Zucchini auf eine besondere Verwendung. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an meine hübschen weißen Pflanzkästen, in die im Frühjahr nicht nur Kräuter, sondern in zwei von ihnen auch einige Tomatenpflanzen eingezogen sind. Aus den kleinen Pflänzchen sind derweil ansehnliche Pflanzen geworden, die auch schon reichlich Ertrag gebracht haben.

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Einige Tomaten haben es sogar zu einer respektablen Größe gebracht. Diese Riesentomate ist inzwischen schon längst verspeist.

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Aber es wuchsen noch weitere prachtvolle rote Früchte heran. Mitunter konnten wir sie gar nicht so schnell verspeisen, wie sie erröteten und nach Ernte riefen. So passte also, als die gelbe Zucchinidame in unser Haus trudelte, alles zusammen – für einen Tomaten-Zucchini-Auflauf. Wie der geht? Wer also für das Sonntagsessen morgen noch keine Idee hat, im Küchenschrank aber Zucchini und Tomaten und der Kühlschrank vielleicht sogar noch ein wenig Hack beherbergt, der könnte mir dann jetzt in die Küche folgen und schauen, was er Leckeres auf den sonntäglichen Mittagstisch bringen kann!

Wir brauchen für unseren Tomaten-Zucchini-Auflauf folgende Zutaten:

1 gelbe Zucchini (unser gelbes Prachtstück wog etwa 600 g)
etwa 300 g Tomaten
1 Zwiebel (ca. 50 g)
250 g gemischtes Hackfleisch
100 g Reis
Salz
1 Esslöffel gehacktes Basilikum
gemahlenen Pfeffer
1 Ei
80 g Butter
geriebenen Käse (etwa 60 g oder nach Belieben)

Übrigens weichen die Mengenangaben hier wieder etwas vom Originalrezept aus dem Buch ab. Ich habe etwa die doppelte Menge an Zucchini verwendet und nur halb soviel Hackfleisch. Wir beiden Silberdistels hatten so trotzdem für zwei Tage ein jeweils sehr leckeres Essen. Am zweiten Tag, aufgewärmt, schmeckte es übrigens noch vorzüglicher.

Dann also zur Zubereitung:

Zunächst einmal widmen wir uns dem Reis. Ich habe losen Reis verwendet (also keinen Kochbeutelreis), habe zu den 100 g Reis die 6-fache Menge Wasser gegeben, etwas Salz dazu getan und das Ganze etwa 15 Minuten im offenen Topf auf kleiner Flamme kochen lassen.

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Nach dem Kochvorgang den Reis durch ein Sieb abgießen und gut abtropfen lassen. Während der Reis so vor sich hin köchelt, können wir uns schon mal nach einer passenden Auflaufform in unserer Küche umschauen. Wenn wir sie gefunden haben, wird sie mit der Hälfte der Butter (40 g) ausgestrichen, anschließend nehmen wir uns der Zucchini und der Tomaten an.

Zucchini und Tomaten werden in Scheiben geschnitten …

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… und jeweils die Hälfte davon wird in die Auflaufform geschichtet.

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Nun können wir uns den anderen Zutaten widmen. Wir geben das Hackfleisch, die in Würfel geschnittenen Zwiebeln, das Basilikum und das Ei in eine Schüssel und würzen nach Belieben mit Salz und Pfeffer.

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Inzwischen dürfte auch der Reis fertig gekocht sein. Er kommt mit in die Schüssel mit dem Gehackten. Jetzt wird alles gut miteinander vermengt …

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… und dann darf die Hackfleisch-Reismischung auf die bereits in die Auflaufform geschichteten Zucchini- und Tomatenscheiben.

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Damit die Hackfleischmischung gut eingepackt ist, bekommt sie als Deckmäntelchen jetzt noch die restlichen Zucchini- und Tomatenscheiben drauf geschichtet. Harmonieren das Rot und Gelb nicht trefflich miteinander? Ich kann versprechen, sie tun es nicht nur farblich, auch vom Geschmack her passen sie vorzüglich zueinander. Die Tomaten peppen die eher geschmacksneutralen Zucchini deutlich auf.

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Aber der geriebene Käse, der abschließend noch auf die obere Schicht kommt, …

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… ist das kleine i-Tüpfelchen des Ganzen und rundet unser Gericht wunderbar ab. Ein Auflauf wäre natürlich kein Auflauf, wenn er nicht noch in den heißen Ofen müsste. Wir geben erst noch die restliche Butter (40 g) in Flöckchen auf die Käseschicht und dann kann unser Auflauf für etwa 40 Minuten bei 200° C hinein ins heiße Vergnügen, also in den vorgeheizten Backofen.

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So, es schaut gut aus dort im Backofen. Ich denke, wir haben fertig. Dann können wir uns also jetzt endlich gemütlich an den Tisch setzen und uns unseren Tomaten-Zucchini-Auflauf schmecken lassen.

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Neben den „Gefüllten Zucchini“ mit der herrlichen Sauce (siehe den Eintrag zuvor) steht dieser Auflauf hier bei uns Silberdistels ebenfalls ganz hoch im Kurs. Aber probiert’s einfach selbst. Ihr werdet sicher nicht enttäuscht sein.

Also dann … guten Appetit!

Da bin ich also wieder. Ob nur kurz oder wie bisher gewohnt, wird sich noch zeigen. Der Garten und vieles andere mehr rufen momentan ganz gewaltig laut nach mir und verlangen meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Zumindest der Garten sollte sich aber eigentlich nicht allzu sehr über Vernachlässigung beklagen können, denn ihm habe ich während meiner Abwesenheit hier im Netz sehr viel Zeit gewidmet und an Arbeitskraft hat es auch nicht gefehlt. Aber darüber werde ich noch berichten. Andererseits gab es nach der vielen Gartenarbeit auch Ruhemomente, die ich mit einer weiteren Lieblingsbeschäftigung neben dem Werkeln im Garten ausgefüllt habe. Ich habe gelesen.

Monti - Jahrmarkt der Gier

Die Autorin Olivia Monti hat mir unlängst ein Rezensionsexemplar ihres Buches „Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“ angeboten. Da ich Kinderbücher, Märchen und auch Fantastisches durchaus gern lese, stand ich Olivias „Luna Park“ natürlich nicht ablehnend gegenüber. Die Thematik schien mir recht interessant zu sein. Also machte ich mich freudig und voller Erwartung ans Lesen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Olivia Monti für das Rezensionsexemplar, das mir als Kindle-Edition vorliegt.

Worum geht es im „Luna Park“
Der „Luna Park“ aus Olivia Montis Buch ist ein Berliner Vergnügungspark. Es gab ihn übrigens wirklich einmal, den „Luna Park“, und wer mehr darüber lesen möchte, der kann gern hier schauen – vielleicht als kleine Vorbereitung auf Olivias fantasiereiche Variante eines solchen Vergnügungsparks. Sie lässt nämlich in ihrem bisher zweibändigen fantastischen Roman vier Teenager auf seltsame Weise in einem Berliner „Luna Park“ landen. Im Band 1 präsentiert sich der „Luna Park“ für die vier jugendlichen Helden als „Jahrmarkt des Grauens“. Was genau die vier Freunde Dugo, Zaza, Brauni und Camel dort Grauenvolles erleben mussten, das ist für mich eigentlich fast noch ein Geheimnis, denn ich weiß bisher nur aus der kleinen Vorgeschichte zum 2. Band des „Luna Park“, dass man sich dort hemmungslos vergnügen konnte, dass die ganze Sache aber einen Haken hatte. Und genau da wurde es scheinbar grausam. Tatsache ist aber, dass die vier Freunde am Ende dem „Jahrmarkt des Grauens“ entkommen konnten und sehr froh darüber waren. Warum nur gibt es dann einen 2. Band zum „Luna Park“? Vielleicht, weil den Teenies die Lust auf einen Rummelplatzbesuch doch nicht so ganz abhandengekommen war? Aber eigentlich geschah dieser erneute Jahrmarktbesuch mehr aus einer Art Frustration heraus. Brauni nämlich ärgerte sich wie schon so oft wieder einmal über seine Pflegefamilie, musste also, um es konkret zu sagen, Frust abbauen, und so überredete er seine drei Freunde dazu, ein Volksfest in Berlin Mitte zu besuchen. Und damit nahm das Verhängnis erneut seinen Lauf. Übrigens versichert die Autorin, dass man auch ohne den Band 1 des „Luna Park“ gelesen zu haben, voll auf seine Kosten kommt und keinerlei Verständnisschwierigkeiten haben wird. Jeder Band ist ein in sich abgeschlossener Roman. Das vielleicht schon mal für diejenigen vorausgeschickt, die wie ich, das Pferd von hinten aufzäumen wollen und sich erst einmal über den zweiten Band der „Luna Park“-Geschichte hermachen möchten. Dann also los: Hinein ins Getümmel auf dem „Jahrmarkt der Gier“. Wir gruseln uns mit dem Band 1 also später, weil wir jetzt erst einmal ganz gierig auf den zweiten Band vom „Luna Park“ sind.

Da sind Dugo, Zaza, Brauni und Camel, vier 13-jährige Freunde,  also wieder einmal auf einem Berliner Rummelplatz unterwegs. Brauni hat die Freunde ganz einfach dazu überredet,  nach längerer Abstinenz endlich mal wieder einen Rummelplatz zu besuchen. Er meint: „Wir könnten eigentlich mal wieder auf nen Rummel, sozusagen aus alter Erinnerung.“ Nicht gerade überschäumend begeistert, aber dennoch machen sich die Freunde gemeinsam mit Brauni auf den Weg zu besagtem Berliner Volksfest. Sie haben dann auch einen recht erlebnisreichen Tag, den eine Fahrt mit der dortigen Geisterbahn zu einem schönen Abschluss bringen soll. Aber dann passiert’s, die Bahn bringt die vier Jugendlichen auf mysteriöse Weise erneut in den „Luna Park“. Allerdings sieht der Park, den sie bereits als „Jahrmarkt des Grauens“ kennengelernt hatten, dieses Mal ganz anders aus und bald erfahren sie auch, dass sie dazu verdammt sind, ein Spiel zu spielen, ein Spiel, bei dem es darum geht, eine Million Euro zu verdienen. Wer das geschafft hat, der darf den „Luna Park“ wieder verlassen, so heißt es. Um überhaupt die Million verdienen zu können, erhält jeder der Freunde einen Job wie ihn sonst eigentlich nur Erwachsene ausüben. Brauni  erhält einen Posten in einer Geschäftsbank, Camel und Dugo werden Geschäftsinhaber einer Rennbahn bzw. einer Videothek und Zaza  soll  in der Zentralbank arbeiten. Bald stellen alle vier nach und nach fest, dass sie auf ehrliche Weise kaum dazu kommen können, so viel Geld zu verdienen. Sie werden praktisch immer wieder dazu gezwungen, durch unlautere Methoden anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dabei spielt der König des Luna Park, den sie bereits aus dem „Jahrmarkt des Grauens“ kennen, immer wieder eine gewichtige Rolle. Dass sie auf ehrliche Weise zu der ersehnten Million kommen können und das auch noch schnell, das erscheint ihnen nahezu unmöglich. Doch wollen Dugo, Zaza, Brauni und Camel nicht nur andere, sondern auch einander betrügen, ihre Freundschaft, gegenseitiges Vertrauen und mehr aufs Spiel setzen, nur damit sie am Ende auf der Gewinnerseite stehen und den Park wieder verlassen können? Gibt es auch eine andere Möglichkeit, um dem „Luna Park“ erneut zu entkommen? Sie hatten es ja bereits einmal geschafft. Warum sollte das nicht erneut gelingen können? Aber, ob es ihnen wirklich gelingt?

Wie es mir im „Luna Park 2 – dem Jahrmarkt der Gier“ gefallen hat
„Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“  ist laut Titelblatt ein „fantastischer Roman für Kinder“, und zwar für Kinder „von 11 bis 111 Jahren“. Er ist also, betrachtet man jetzt einmal nur die Altersspanne, für einen recht breiten Leserkreis gedacht. Ein 11-Jähriger sollte demnach genauso viel Spaß und Spannung mit dem Buch haben können wie ein 111-Jähriger. Außerdem  sollten beide gleichermaßen verstehen können, was uns die Geschichte und somit die Autorin sagen möchten. Ist das mit diesem Buch gelungen? Es geht im „Jahrmarkt der Gier“ zunächst um das Vergnügen, das man auf so einem Rummelplatz miteinander haben kann. Es geht hier aber auch tiefer, es geht um Freundschaft, die Liebe zueinander, Vertrauen und es geht in diesem Buch um Verantwortungen und Verpflichtungen wie sie ein Erwachsener im beruflichen Alltag ständig erfährt. Es geht außerdem um eine reichliche Portion Gesellschaftskritik, um Profit, Geldgier und Macht – kurz gesagt – um ein ordentliches Schippchen Wirtschaft und Politik, um Manipulation von Menschen. Nicht nur zwischen den Zeilen wird hier gefragt, ob mit Europa alles so richtig läuft, wie es läuft. Und an dieser Stelle hatte ich so meine ersten Zweifel, ob ein 11-Jähriger für solche finanzpolitischen und gesellschaftskritischen Probleme überhaupt schon zu interessieren ist. Dass er in den Arbeitsalltag eines Erwachsenen einen kleinen Einblick erhält, selbst einmal sieht, welche schwerwiegenden Folgen unbedachte oder egoistische Entscheidungen haben können, das ginge für mich noch in Ordnung. Damit kann man nicht früh genug konfrontiert werden. Aber sind nicht all die finanztechnischen Details und ihre politischen Auswirkungen, von denen hier die Rede ist, für einen 11-Jährigen möglicherweise zu schwere Kost? Gut, andererseits handelt es sich hier um ein Buch, das zugleich mehrere Generationen ansprechen soll. So betrachtet muss der jugendliche Leser vielleicht auch nicht bis ins kleinste Detail überblicken, was es mit den jeweiligen Bankgeschäften und ihren Auswirkungen auf sich hat. Der erwachsene Leser dagegen bekommt hier einen recht interessanten Denkanstoß, wenn nicht mehr.
Was mir an anderer Stelle etwas Bauchschmerzen bereitete, das war der Punkt, dass Bier scheinbar für 13-Jährige ein fast normales Getränk zu sein scheint. Es wird zwar an einer Stelle im Buch gesagt, dass weder Zaza noch Dugo wie 16 aussehen würden, trotzdem hätten sie das Bier bekommen. Hier hätte ich mir durchaus einen deutlichen Hinweis gewünscht, dass Bier, bzw. Alkohol, eben nicht das Teenie-Getränk N. 1 sein kann. Fast am Ende des Buches, als man im Grunde genommen denken sollte, dass die vier Freunde während ihres aufregenden Abenteuers einiges dazu gelernt haben, greift Brauni nicht nur zum Würstchen, sondern auch wieder zum Bier. Beides wird ihm zwar vom König durch einen Fingerschnipps weggenommen, aber das heißt für mich durchaus noch nicht, dass der König es nicht gutheißt, dass Brauni seinen Durst mit Bier stillen möchte, denn am Ende landet beides wieder auf dem Tresen – Bier UND Würstchen.
Ein bisschen schwer tat ich mich beim Lesen mit der Erzählperspektive. Eigentlich erzählt uns Dugo, der eine der vier Freunde, die Geschichte aus seinem Erleben heraus. Immer wieder aber gibt es Teile, in denen diese Ich-Perspektive verlassen wird, denn Dugo kann von dem parallel zu seinen eigenen Erlebnissen laufenden Geschehen eigentlich noch gar nichts wissen, weil er selbst nicht dabei ist. Trotzdem tritt er auch hier als Erzähler auf. An einer Stelle im Buch erfährt man allerdings, dass Zaza Dugo später ihre Erlebnisse erzählte, sodass er sie im Nachhinein quasi wiedergeben konnte. Es muss also zwingend auch so mit den Erlebnissen der anderen beiden Freunde gewesen sein. Meiner Meinung nach ist das keine so gelungene Erzählweise. Eine auktoriale Erzählsituation, also ein allwissender Erzähler, wäre meines Erachtens für den Lesefluss besser gewesen. Der ständige Wechsel zwischen dem eigenen Erleben Dugos und dem Beschreiben der weiteren Ereignisse nervten mich ehrlich gesagt sogar in gewisser Weise, weil man sich immer wieder umorientieren musste. Sicher, ich habe mich hineingelesen, aber es brauchte halt seine Zeit.

„Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“  – eine Lektüre, die zu empfehlen ist?
Die Idee, die hinter diesem Buch steht, hat mir durchaus gefallen. So war ich nach der kurzen Inhaltsangabe, die ich mir vor dem eigentlichen Lesebeginn des Buches zu Gemüte führte, auch recht gespannt auf das, was mich im „Jahrmarkt der Gier“ alles erwarten würde. Einerseits wurden meine Erwartungen erfüllt, andererseits wurden sie aber auch ein wenig enttäuscht. Olivia Montis Buch las sich, sicher auch bedingt durch die stets wechselnde Erzählperspektive, längst nicht so flüssig, wie man es sich gewöhnlich von einem guten Buch erhofft. Andererseits konnte mich die Lektüre aber auch nicht uneingeschränkt von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Es gab immer wieder Momente, Passagen, in denen ich den „Jahrmarkt der Gier“ erst einmal aus der Hand legen musste, weil er mir schlicht und einfach zu langatmig erschien. Da braucht man halt zwischendurch doch einmal eine Pause. An solchen Stellen wäre vielleicht weniger sogar mehr gewesen, um die Spannung durchweg aufrechterhalten zu können. Ein Erwachsener kämpft sich vielleicht durch solche eher weniger fesselnden Stellen noch durch. Ob das Kinder oder Jugendliche auch tun, das ist für mich wirklich ein wenig fraglich.
Aber kommen wir zum Schluss und dem Eigentlichen dieser Rezension. Trotz der hier aufgezählten Kritikpunkte kann und möchte ich eine Leseempfehlung geben. Auch wenn ich das Buch immer wieder einmal zur Seite legen musste, es zumindest mich nicht durchweg mit Spannung überzeugen konnte, wollte ich wissen, wie es Dugo, Zaza, Brauni und Camel am Ende ergeht. Würden sie dem „Jahrmarkt der Gier“ entkommen können, wollten sie ihm überhaupt entkommen? Und ich muss sagen, zum Schluss hin wurde es dann durchaus wieder spannend und aufregend und wären die oben aufgezählten Schwächen nicht gewesen, dann hätte ich mich mit dieser Rezension auch nicht so schwer getan. Und das habe ich, denn ich war und bin bei diesem Buch doch recht hin- und hergerissen zwischen mehreren Gefühlen. Wir haben hier eine gute Geschichte mit interessanten Charakteren, die ein wenig besser umgesetzt, etwas ganz Tolles sein könnte – dennoch auch so ein Buch, an dem man nicht ganz achtlos vorübergehen sollte. Aber was sag ich? Selber lesen macht klug und meine Meinung ist sicher nur eine von vielen Meinungen.

Erschienen ist Olivia Montis „Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“ übrigens im April 2016 und zwar sowohl als Taschenbuch als auch als Kindle-Edition.

Lesen geht heute anders, ganz anders als damals, als wir, besonders wir ganz schön doll Erwachsenen, noch in den Kinderschuhen steckten. Das ist mir heute wieder einmal klar geworden, als ich meinen letzten Rest vom Frühstückstee genüsslich in mich hineinschüttete und dann mein kleines Tablet zur Hand nahm, um zu schauen, was es Neues in der Welt gibt. Da las ich doch gleich: Heute ist „Welttag des Buches“. Uups, wie peinlich ist das denn? … und ich sitze hier mit meinem Tablet statt mit einem ordentlichen Buch oder einer raschelnden Zeitung in den Händen. Tja, und da sind wir dann auch genau bei dem Thema, dass das Lesen heute eben anders geht als damals, als klein Silberdistelchen noch in einem ihrer ach so geliebten Märchenbücher aus richtigem Papier blätterte und sich schließlich in diese Geschichte mit dem süßen Brei vertiefte. Meine alten Märchenbücher hat mir unlängst ein Blogbeitrag von Gudrun aus dem „Spinnstübchen“ wieder einmal ins Gedächtnis gerufen. Gudrun hatte nämlich überglücklich in einem Antiquariat genau die Ausgabe ihres einstigen Lieblingsmärchenbuches aus Kindertagen wiederentdeckt. Natürlich musste sie hinein in die Buchhandlung und das Buch, das wunderschöne alte Erinnerungen weckte, mitnehmen. Als ich Gudruns Beitrag las, da musste auch ich meine beiden Lieblinge aus der Kinderzeit wieder einmal aus dem Bücherregal nehmen und hineinschauen.

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Mein allerliebstes Märchenbuch mit Grimms Märchen hatte sich durch den vielen Gebrauch zur Kinderzeit schon etwas aufgelöst, wie es auch mit Gudruns ursprünglichem Buch einst geschah. Ihres sollte zum Buchbinder, verschwand dann aber auf seltsame Weise auf dem Weg dahin ganz. Meines hingegen fand den Weg zum Buchbinder, allerdings erst spät. Die Kindheit lag schon eine erstaunlich lange Zeit hinter mir, mein Herr Silberdistel war bereits in mein Leben getreten und ich hatte sogar selbst schon Kinder. Der kleine Märchenschatz stand nach wie vor im Bücherschrank und eines Tages wollte mein Herr Silberdistel einige Bücher, die ihm sehr am Herzen lagen, zum Buchbinder bringen. Was lag da näher, als mein altes Lieblingsmärchenbuch, „Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“, illustriert von Lea Grundig, erschienen im Kinderbuchverlag Berlin im Jahre 1955, mitwandern zu lassen. Es hatte sich ein neues Kleid verdient, hatte es mir doch schon so viele wunderbare märchenhafte Stunden im Leben geschenkt – erst mir selbst, dann mir und meinen Kindern und vielleicht schaut ja auch noch einmal eines meiner Enkelkinder gemeinsam mit mir hinein. Aber wer weiß, möglicherweise schauen wir auch auf mein Tablet und lesen dort Grimms Märchen oder aber wir spielen mit Playmobilfiguren und nehmen dabei so ganz nebenbei eine Kelle voll klassischer Bildung zu uns – ganz spielerisch und so gar nicht anstrengend. Wie das geht? Ganz einfach. Ich hab’s gerade bei „Fernweh“ gelernt.
Als ich nämlich heute mit meinem elektronischen Lesegerät nach dem Frühstück noch ein wenig weiter durchs WWW schlenderte, blieb ich bei einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kultur – für Banausen???“ hängen. In diesem Post ging es unter anderem um diese geliebten oder mitunter auch gehassten kleinen Heftchen, die wahrscheinlich ähnlich wie Märchenbücher in wohl fast jedem Haushalt zu finden sind oder die dort zumindest irgendwann einmal zu finden waren – die kleinen Büchlein vom Reclam Verlag. Wie oft haben wir sie in der Schulzeit gehasst, mussten wir uns doch durch sie und ihren mitunter unverständlichen alten klassischen Inhalt quälen. Und nun lese ich bei „Fernweh„, dass auch „Reclam“ mit der Zeit geht und uns das Leseleben leichter macht, besonders das, bei dem es um unsere sogenannte klassische Bildung geht. Mit Hilfe von Playmobilfiguren erzählt uns der Literaturwissenschaftler, Regisseur, Autor und Dramaturg Michael Sommer in einem etwa 10-Minuten-Filmchen den Inhalt einiger gewichtiger Theaterstücke und inzwischen auch den Inhalt etlicher anderer Werke der Weltliteratur. Begonnen hat das Ganze mit einer Einführungs-Veranstaltung zur Inszenierung von „Dantons Tod“ am Ulmer Theater. Da dieses Filmchen so enorm gut ankam, folgten bald weitere solcher Kurzfilme und inzwischen gibt es eine richtig kleine Serie unter dem Titel „Sommers Weltliteratur to go„. Wie ich bei „Fernweh“ las, wird das Projekt seit Sommer 2015 vom Reclam Verlag unterstützt, dem Verlag also, dem wir fast alle einen Teil unserer klassischen Bildung zu verdanken haben.

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Übrigens war Reclambuch nicht immer gleich Reclambuch. Die ganz alten Heftchen kamen im schlichten mehr oder weniger Braun daher. Nach der deutschen Teilung trugen die Reclam-Ausgaben im Westen ein gelbes Outfit und die im Osten ein weißes bzw. schwarzes. Die einen erschienen in Stuttgart und die anderen in Leipzig.

Als kleines Filmbeispiel aus „Sommers Weltliteratur to go“ hier nun „Romeo und Julia to go“. Wie hätten wir uns damals über eine solche, noch dazu sehr unterhaltsame, Kurzfassung gefreut, denn gewöhnlich hatte man doch viel zu spät mit dem Lesen begonnen und wusste im Literaturunterricht zunächst bei der Besprechung des Werkes gar nicht, was Sache war, wobei, unter uns gesagt, ich „Romeo und Julia“ noch ganz gern gelesen habe. Neuerdings kann also das Schulkind seine Ferien bei der Oma verbringen und anschließend kommt es mit einem großen Sack voller Playmobilfiguren klassischer Bildung nach Hause zurück. Apropos Märchen, sicher ließe sich auch das eine oder andere Märchen genauso überaus humorvoll als Film umsetzen. Mir geht da gerade „Der süße Brei to go“ durch den Kopf 😉 Aber was heißt hier könnte? Mein Wunsch ist bereits Wirklichkeit, denn unter „Geheimakte Grimm“ gibt es schon so allerlei Märchenhaftes von Herrn Sommer zu sehen.