Mit ‘Bauerngarten’ getaggte Beiträge

Der Winter steht mit Kälte, Schnee oder hier im Norden vielleicht auch nur wieder, wie so oft, mit Schneematsch vor der Tür.  Vielleicht ist es da gar nicht so übel, gedanklich noch einmal zurück in den vergangenen Sommer zu wandern und ein wenig Wärme und Sonne nachzutanken, auch wenn der zurückliegende Sommer damit eigentlich ziemlich gegeizt hat. Dennoch machen sommerliche Gedanken und das eine oder andere Bild aus dieser Zeit ganz bestimmt die kalten Füße und vielleicht auch das Herz ein wenig wärmer. Na, und um Herzen geht es hier so ganz nebenbei auch noch.

Und andererseits passt dieser Beitrag so oder so gut in diese Zeit, in die Zeit des Backens und Schlemmens.  Gut, es handelt sich nicht gerade ums weihnachtliche Plätzchenbacken oder um den berühmten Gänsebraten, der gern zu Weihnachten auf den Tisch kommt. Es geht um Brot – um Brot aus Sauerteig.

Unsere Enkeltochter verbrachte, wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnte, einen Teil ihrer Sommerferien bei uns Silberdistels. Natürlich gaben wir uns Mühe, diese Ferientage möglichst abwechslungsreich und spannend zu gestalten, sollten sie unserem Ferienkind doch in guter Erinnerung bleiben. So hatten wir an einem Mittwoch im August einen Ausflug nach Klockenhagen ins dortige Freilichtmuseum geplant.
Wir Silberdistels hatten bei einem früheren Besuch in dem Bauernmuseum unweit der Ostseeküste erfahren, dass dort neuerdings auch fleißig gebacken wird. Diese Brotbacktage sind in erster Linie für Kinder gedacht. Aber ich habe gemerkt, auch als vielleicht im Backen schon ein wenig geübter Zaungast kann man noch eine ganze Menge dazulernen.

Wir waren spät dran an jenem Tag, als wir uns auf den Weg zum Klockenhagener  Backhaus machten. Der Straßenverkehr hatte uns doch glatt einen dicken Strich quer durch unsere, wie wir dachten, so gut kalkulierte Rechnung gezogen. Wir wollten lange vor 10.30 Uhr in Klockenhagen sein, sollte doch zu dieser Zeit bereits der Brotbacklehrgang für die jungen Bäcker in spe beginnen. Gewöhnlich sichert rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze. Kurz vor besagter Urzeit schneiten wir ziemlich entnervt endlich durch den Eingangsbereich des Freilichtmuseums. Das mit den besten Plätzen dürfte wohl derweil gegessen sein.

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Eilig hasteten wir weiter durchs Freilichtgelände, vorbei an dem alten Backofen, der uns die Richtung zum eigentlichen Backhaus vorgab.

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Dann der letzte Fingerzeig …

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… und das Backhaus lag vor uns – bereits, wie zu vermuten war, von zahlreichen Backwilligen und Zuschauern umschwärmt.
Für die erste Backrunde waren wir leider tatsächlich zu spät dran. Da fielen mir doch glatt wieder einmal Gorbatschows Worte mit dem Zuspätkommen ein. Nun gut, bestraft wurden wir zum Glück nicht. Das waren wir eh schon durch die bummelige Autofahrt, die fast doppelt solange gedauert hatte wie geplant. Doch der Bäcker beruhigte uns. Es wäre genug Teig für alle vorhanden. Wir müssten uns lediglich ein kleines Stündchen gedulden. Erst dann würde sich die zweite Gruppe der kleinen Bäckerlehrlinge an die Arbeit machen können.
Okay, wenigstens hatten wir uns nicht total umsonst auf den Weg gemacht. Das wäre dann doch sehr ärgerlich gewesen, auch wenn wir uns in Klockenhagen sicher nicht gelangweilt hätten. Zu sehen gibt es dort immer allemal genug. Aber dieses Mal galt unser Besuch ja einem ganz besonderen Ereignis. Es wäre dumm gewesen, hätten wir unsere Enkeltochter enttäuschen müssen.

Die eine Stunde verging schließlich fast wie im Fluge. Das Zuschauen allein war schon enorm spannend und äußerst lehrreich. Und irgendwie sah auf den ersten Blick alles kinderleicht aus.

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Dann endlich war es soweit. Die nächste Gruppe von Bäckerlehrlingen durfte sich in Vorbereitung auf ihre Arbeit mit dem Brotteig die Hände waschen, eine schicke weiße  Schürze umbinden und sich einen Platz am gut bemehlten Tisch des Geschehens aussuchen.

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Der Herr und Meister über den Sauerteig, aus dem ein lecker duftendes Brot entstehen sollte, hatte bereits für jeden Lehrling einen Batzen Sauerteig abgewogen und ihn zur weiteren Bearbeitung durch die jungen Bäckerlehrlinge bereitgelegt.

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Und dann ging’s los. Der Meister erklärte den Kindern sehr anschaulich, wie das, was vor ihnen lag, noch bearbeitet werden müsste, damit daraus am Ende ein richtig gutes Brot entstehen könnte.
Bisher war ich der irrigen Annahme gewesen, dass Falten mehr zu Papier oder vielleicht noch zu Handtüchern oder Tischwäsche gehört. Doch man lernt nie aus. Auch Brotteig kann gefaltet werden.

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Besser gesagt:  Brotteig möchte sogar gefaltet werden.  Durch das Falten, eine spezielle Art des Teigknetens, bekommt der Brotteig erst die richtige Struktur und Konsistenz.
Dann war die Arbeit der Bäckerlehrlinge gefragt. Sie falteten, kneteten und drückten fleißig nach, was ihr „Vorturner“ ihnen vormachte – einer war dabei eifriger als der andere.

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Nachdem der Teig viele, viele Male so bearbeitet worden war, war er fast ofenreif. Ein paar Handgriffe vom Meister seines Faches fehlten allerdings noch. Er gab dem Teig schließlich die vollendete Brotform. Auch das sah wieder kinderleicht aus.
Aber wer sich selbst schon einmal an einem eigenen Brot versucht hat, wird wissen, so kinderleicht ist es nun doch nicht. Ich fand es faszinierend, was die Hände des Fachmannes vor unseren Augen aus dem Teigbatzen schließlich zauberten.

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Die Kinder durften zwischen einem länglichen Brot, einem runden oder einem Brot in Herzform wählen. Nicht nur unsere Enkelin wünschte sich spontan ein Herzbrot. So konnten wir mehrere Male die Kunstfertigkeit des Bäckers beim Formen eines herzigen Brotes beobachten. Das allein war schon fast den Ausflug nach Klockenhagen wert.

Und dann war noch einmal die Arbeit der Kinder gefragt. Damit am Ende auch jeder das von ihm selbst vorbereitete Brot bekam, musste der Teigrohling natürlich noch gekennzeichnet werden.
Aus einem weiteren kleinen Stückchen Teig sollte zunächst eine Rolle und daraus der Anfangsbuchstabe des Namens des jungen Bäckerlehrlings geformt werden.

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So wurde noch einmal fleißig herumgeknetet, gerollt und geformt. Der Meister befeuchtete, während die Kinder angestrengt an ihrem Namenskürzel arbeiteten, die Herzen, länglichen und runden Brotrohlinge ordentlich mit Wasser. Danach konnte der jeweilige Buchstabe kinderleicht auf das Kunstwerk aus Sauerteig geklebt werden.

Schließlich konnten die jungen Künstler ihrem Kunstwerk noch mit etwas draufgestaubtem Mehl oder mit ein paar Körnern den letzten Schick verleihen. Einige Kinder deuteten das ETWAS allerdings sehr großzügig, sodass es nur so staubte.
Dem Meister blieb ihm ersten Moment beim Anblick der unter Mehlbergen verschwindenden Teigrohlinge fast die Spucke weg.  Doch er fasste sich schnell wieder und erklärte, wie zart doch Frau Holle die Schneeflocken fallen lassen würde. Und genauso zart müsse man auch Mehl oder Körner über das Brot streuen. Das nun wiederum war einleuchtend. Wer wollte nicht gern neben einem Bäcker auch noch Frau Holle sein, und so rieselten sacht Mehl und Körner aus Kinderhänden auf teigige Herzen und Co.

Damit waren fast alle Arbeiten geschafft. Die letzten Handgriffe blieben dann aber doch dem Meister dieses schönen Handwerks vorbehalten, schließlich wollten wir am Ende der anstrengenden Bäckerlehre, die kinderleichter aussah als sie ist, ein fertig gebackenes Brot mit nach Hause nehmen. Die Brote mussten also noch in den Ofen.

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Und schon klappte die Backofentür vor unseren Augen zu. Nun war Warten angesagt. In etwa einer Stunde würden wir das erste selbst gefaltete und selbst gestaltete Brot unserer Enkelin abholen können.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einem kleinen Rundgang durch das Museumsdorf. Ich sprach währenddessen mit Hühnern und Blumen, und unsere Enkeltochter versuchte sich im Balancieren von Eiern über ein langes Holzbrett, auf dem viele kleine Hindernisse angebracht waren, die das Ei, möglichst ohne vorzeitigen Absturz, zu überwinden hatte. Natürlich habe auch ich probiert, ein Ei – zum Glück eine Plastik-Attrappe – sicher ins Ziel zu bringen. Die Sache war gar nicht so einfach. Aber während wir uns in dieser Kunst übten und übten und übten, war die Stunde ruckzuck vorbei.

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Derweil durch Arbeit, Spaß und Spiel schon etwas hungrig, eilten wir zurück zum Backhaus. Und da warteten sie schon auf uns – die frisch gebackenen lecker duftenden Brote.

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Beim Anblick der vielen köstlichen Brotlaibe knurrte der Magen gleich noch lauter als ohnehin schon. So kauften wir im Bäckerladen nicht nur noch ein weiteres Brot, sondern auch gleich noch einige Stückchen leckeren Kuchens, den wir fast im Stehen an Ort und Stelle hinunterschlangen. Er war einfach köstlich – so köstlich, dass es nicht einmal ein Foto von ihm gibt. Zu gierig waren wir auf diese leckere Köstlichkeit. Da rief tatsächlich erst der Magen nach seinem Recht. Die Fotografin in mir hatte keine Chance.

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Und hier ist es –  das herzige Kunstwerk unserer Enkelin. Okay, das gemeinsame Kunstwerk mit dem Herrn und Meister in Weiß. Es war übrigens nicht nur hübsch, es war auch lecker, wie wir Silberdistels später hörten. Angeschnitten wurde es nämlich erst einige Tage später, als Mama, Papa und Bruderherz auch davon kosten konnten.

Aber wir Silberdistels hatten ja noch ein weiteres Brot mitgenommen – eines zur sofortigen Verkostung. Wir hatten also eine sehr genaue Vorstellung davon, wie lecker dieses Herzbrot schmecken würde.

Gelesen habe ich genau das in diversen Büchern. Ob es wirklich stimmt?
Bisher habe ich mich vom Brotbacken eigentlich immer eher ferngehalten. Ich bin mehr eine Keks- und Kuchenbäckerin. Obwohl … vor vielen Jahren, als plötzlich alle Welt Brotbackautomaten kaufte, musste selbstverständlich auch ich ein solches Backgerät haben. Natürlich gab es in der Folge auch bei uns Silberdistels viele leckere Brote zu essen. Mit denen hatte man allerdings fast gar keine Arbeit, zumal man für den elektrischen heimischen Brotbäcker noch dazu auf zahlreiche Brotbackmischungen zurückgreifen konnte. Und eine besondere Kunst war das Brotbacken auf diese Weise schon gar nicht.
Doch dann segnete das Teil plötzlich und unerwartet das Zeitliche und ein neues kam nicht mehr ins Haus. Warum eigentlich? Vielleicht war die Mode einfach vorbei? Ich weiß es, ehrlich gesagt, einfach nicht mehr. So wurde das Brot wieder eingekauft, aber so richtig zufrieden war ich damit auch nicht.

000-Buch Schmackhafte brote selber backen

ISBN 978-3-95540-156-6

Unlängst nun lief mir ein Brot-Backbuch über den Weg. Es lief so geschickt, dass ich regelrecht darüber stolperte. Höflich, wie ich bin, schaute ich meinen Stolperstein wenigstens an. Das aber hätte ich nicht tun sollen, denn ich infizierte mich umgehend mit dem Brotbackvirus, genauer gesagt – mit dem Sauerteigbrotbackvirus.
Da ich mitunter kleine Bauchwehprobleme mit einigen Brotsorten habe und nun las, dass Sauerteigbrote zur eher bekömmlichen Sorte von Broten gehören würden, schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf, ein Gedanke, der mich erstens dieses Buch kaufen ließ und der mir zweitens einredete, es doch noch einmal mit dem Selberbacken von Brot zu versuchen. Ich wollte mein eigenes Sauerteigbrot backen – ohne all die Zutaten, die uns die Industrie sicher noch so ganz nebenher in jedes Brot mischt, damit es besser schmeckt, super aussieht und noch dazu lange haltbar ist. Eigentlich sollten, wie ich nun weiß, für ein schmackhaftes Brot bereits Mehl, Wasser und etwas Salz genügen.

Die Herstellung von Sauerteig liest sich auf den ersten Blick so, als wäre es ganz leicht – nur Wasser, Mehl und Geduld wären notwendig.
Um meine neue Brotback-Karriere nicht gleich mit einem Misserfolg zu starten, kaufte ich zunächst beim Bäckermeister meines Vertrauens etwas Natursauerteig.

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Mein erstes eigenes Sauerteig-Roggenbrot

Und siehe da, mein erstes eigenes Roggenbrot sah gar nicht so übel aus und erstaunlicherweise schmeckte es auch noch. Und es war in reiner Handarbeit entstanden – also ohne Brotbackautomaten. Die ausgesprochenen Brotbackfans kneten ihren Brotteig nämlich mit der Hand. Okay, darin hatte ich mich nun versucht, aber ganz war ich der Sache mit dem klebrigen Teig noch nicht Herr geworden. Es blieben trotz des ersten Erfolgs noch so einige Fragen offen.
Und wegen dieser offenen Fragen waren dem einen Buch weitere Bücher übers Brotbacken in meine häusliche Backbibliothek gefolgt. Die Sache mit der Herstellung des eigenen Sauerteigs interessierte mich nun doch, schließlich wollte ich nicht immerzu Sauerteig kaufen müssen. Ich wollte ihn ständig parat haben, wenn ein neuer Brotbacktag anstand. Andererseits wollte ich auch noch wissen, wie ich den Teig richtig kneten muss, damit mein Brot ganz besonders gut ausschaut, wenn es den Backofen schließlich wieder verlässt.
Viele Bücher mögen gut sein, manchmal sind viele Bücher zu einem Thema auch eher verwirrend. Mit viel List und Tücke und lauter Fragezeichen im Kopf zum Thema Kneten und zum Thema Anstellgut oder Ansatz für einen neuen Sauerteig machte ich mich an mein zweites Brot.

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Mein Brot Nr. 2 – ein Roggen-Weizenmischbrot

Dieses Mal sollte es ein Roggen-Weizenmischbrot werden. Da ich meinem sogenannten Anstellgut, einem Restchen vom ursprünglichen Sauerteig, aus dem ich versuchte, den benötigten Sauerteig für das neue Brot herzustellen, nicht ganz über den Weg traute, gab ich etwas Hefe hinzu. Ob nun der zweite Brotbackversuch, den ich ebenfalls als recht gut gelungen abhaken konnte, der Hefe oder/und dem Sauerteig zu verdanken war, blieb mir dennoch ein kleines Rätsel. Zumindest musste ich mir über die Form meiner Brote vorerst keine Sorgen machen. Meine Kastenform ließ das Brot nach einem Brot aussehen und nicht nach einem Teil, das mehr einem missglückten Fladen glich. Aber die Kastenform beantwortete nur einen kleinen Teil meiner Fragen.

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Der Klockenhagener Museumsbäcker lädt zum Brotbacken ein. Aber auch sonst gibt es allerlei Mitmachangebote.

Und plötzlich kam wieder einmal mein Herr Silberdistel ins Spiel. Er hatte nämlich gelesen, dass im Freilichtmuseum Klockenhagen, ich hatte hier schon öfter über das Museumsdorf berichtet, neuerdings fleißig Brot gebacken wird. Es gibt dort seit Mai 2017 einen Museumsbäcker, der an einigen Tagen in der Woche sogar zum Mitmachen einlädt. Vielleicht könnte ich dort ja meine Fragen klären.

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So machten wir Silberdistels uns am vergangenen Dienstag auf den Weg nach Klockenhagen. Wie Herr Silberdistel gelesen hatte, sollte einmal um 11.00 Uhr und ein weiteres Mal um 13.00 Uhr gebacken werden. Für 11.00 Uhr sind wir an diesem Tag etwas spät dran. Trotzdem eilen wir, bevor wir noch anderes im Museumsdorf anschauen, zum neuen Backhaus.

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Wie ich dort erfahre, hatte der Museums-Bäckermeister gerade an diesem Vormittag viel zu tun. 30 Kinder haben zusammen mit ihm Brote geformt und diese anschließend in den neuen Holzbackofen geschoben, der übrigens samt Backhaus ein Nachbau eines alten Backhauses aus Hanstorf ist.
Des Bäckers Teigreserven sind aufgebraucht, dennoch kann ich einige interessante Tipps über das Backen mit Sauerteig bekommen. Gern hätte ich natürlich dem Bäckermeister noch auf die Finger geschaut oder mich sogar selbst formend an einem Brotteig vergangen. Aber was dieses Mal nicht war, kann vielleicht ein anderes Mal werden.

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Wir Silberdistels bedanken uns herzlich für die Informationen, nehmen aus dem kleinen Ladengeschäft noch ein Roggenmischbrot und ein Dinkelbrot mit und natürlich lassen wir uns, bevor wir zu einem kleinen Rundgang durchs Freilichtmuseum aufbrechen, noch ein Stück Kuchen und den Kaffee aus der kleinen Bäckerei schmecken. Es war übrigens ein überaus leckerer Mohnkuchen.

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Ach, und das Dinkelbrot ist nicht irgendein Dinkelbrot. Es hat sogar ein Gesicht. Oder sehe ich ganz einfach immer und überall Gespenster?

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Nicht weit entfernt vom neuen Museumsbackhaus lockt uns eine Bank an ein kleines Teichlein. Wir lassen uns eine Weile die Nasen von der Sonne bescheinen und als Frau Sonne eine Pause macht, setzen wir unseren Museumsrundgang fort.
Mich interessieren natürlich besonders die hübschen Bauerngärten. Was mir auch hier wieder auffällt, es sind erstaunlich wenig Insekten zu sehen. Da kennen wir Silberdistels die Klockenhagener Bauergärten aber ganz anders. Dort war die Luft während der warmen Jahreszeit sonst fast ständig vom Summen der vielen Insekten erfüllt.
Dieses Mal muss ich nach den kleinen Fliegern regelrecht suchen. Zumindest die Fliegen bemühen sich um Nachwuchs. Ich will hoffen, auch Bienen und Hummeln nehmen sich daran ein Beispiel, damit es bald wieder mehr in unseren Gärten summt und brummt.

Ach, und um die Frage von oben, ob Brotbacken süchtig macht, zu beantworten. Ich denke schon, denn nicht nur meine Brotbackbüchersammlung, auch meine Mehlsammlung wird immer umfangreicher. Das lässt doch darauf schließen, dass mich das Brotbacken so schnell nicht wieder loslassen wird, oder?

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Noch einmal geht es zurück in den letzten Sommer, aber nicht nur das, eigentlich geht es noch viel weiter zurück – nämlich in die Zeit unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern und damit ein bisschen sogar in meine eigene Vergangenheit. Wir Silberdistels haben unserer Enkeltochter im letzten Sommer bei unserem Ferienprogramm nicht nur Tiere, Sand und Meer geboten, ein kleiner Rückblick in die dörfliche Vergangenheit unserer Vorfahren war auch dabei. Ich denke, auch das fand unser Feriengast durchaus interessant und spannend. Angeschaut haben wir uns das Freilichtmuseum in Klockenhagen. Hier im Bücherstaub gab es schon öfter etwas über dieses Dorfmuseum zu lesen und zu sehen.

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Obwohl wir Silberdistel schon so oft in diesem Museum waren, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Dieses Mal waren es neue alte Fahrräder, die nicht nur mein Interesse geweckt haben, auch unsere Enkelin fand die alten Drahtesel erstaunlich interessant.

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Was mir persönlich neben den alten Fahrrädern ganz besonders gut gefallen hat, das war das große Mecklenburg-Panorama, das den Betrachter nicht nur anhand alter Bilder, sondern auch lautmalerisch in die Zeit unserer Vorfahren entführt. Wenn man dieses Panorama, das in dem Nachbau einer Göpelscheune aus dem Jahre 1900 zu sehen ist, auf sich wirken lässt und anschließend noch einmal durch das Museumsdorf läuft, wird Geschichte wirklich lebendig – zumindest in unserem Kopf.

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… am rauschenden Bach, klipp, klapp …

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Ja, einen kleinen rauschenden Bach, wie in dem bekannten alten Kinderlied, gab es tatsächlich auch, einen Bach, der das Mühlrad einer Mühle in Schwung versetzte, das Mühlrad einer alten Getreidemühle. Ob allerdings bei den Mühlrädern etwas klapperte? Ich würde sagen, da klapperte nichts, da plätscherte nur das Wasser lustig und angenehm glitzernd über die hölzernen Schaufelräder. Naja, vielleicht hat sich der Schulmeister Ernst Anschütz, als ihm dieser Liedtext in den Sinn kam, doch ein wenig künstlerische Freiheit gegönnt oder „seine“ Mühle klapperte tatsächlich irgendwo. Also hier, würde ich sagen, bei „unserer“ Mühle, klapperte nichts. Vielleicht jedoch lag es auch daran, dass nicht mehr das ganze geräderte Mühlenkraftwerk in Aktion war oder aber das seichte Wasserrauschen übertönte ganz einfach das Mühlenklappern.

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Getreidemühle – Baujahr 1576

Ursprünglich stand diese uralte Schönheit einmal in Unterschlauersbach, das derweil zur Gemeinde Großhabersdorf im heutigen Landkreis Fürth gehört. Ist es nicht lustig – „Unterschlauersbach“ und „Großhabersdorf“? Da möchte man doch am liebsten noch weiter nachforschen, wie diese Orte einst zu diesen kuriosen Namen kamen, oder? Aber vielleicht würde das hier dann doch zu weit führen, bleiben wir also bei der hübschen Getreidemühle an sich. Sie steht nämlich heute im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim und lässt immer noch die Mühlräder klappern – zumindest das eine oder andere für den Museumsbesucher – zur Anschauung.

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Eines der ältesten noch erhaltenen Bauernhäuser – Baujahr 1367

Doch bevor wir bei unserem Urlaubsausflug ins Fränkische Freilandmuseum im letzten August, ich hatte ja am vergangenen Montag eine Fortsetzung versprochen, das rauschende Bächlein und die klappernden Mühlräder entdeckten, bestaunten wir noch zwei besonders interessante Bauten des Museums und zwar eines der ältesten in Europa noch erhaltenen Bauernhäuser überhaupt und ein Bauernhaus, das der spätmittelalterlichen Bautradition zuzuordnen ist. Ersteres stammt aus dem Jahre 1367 und stand ursprünglich in Höfstetten (Landkreis Ansbach, Stadt Heilsbronn) …

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Kleinbauernhaus aus dem Jahre 1554

… und Letzteres, als „Schwedenhaus“ bezeichnet, ist ein Kleinbauernhaus aus dem Jahre 1554, das aus Almoshof (Stadt Nürnberg) ins Freilandmuseum umziehen durfte und so zum Glück der Nachwelt nicht verlorenging.

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Fenster des sogenannten „Schwedenhauses“

Ganz besonders gefielen mir beim Schwedenhaus die hübsch gestalteten Fenster.

Unterwegs von den uralten Bauernhäusern zu dem schicken Mühlengebäude gab es wieder viel Natur zu erleben und nicht zum ersten Mal staunten wir über die ungeheure Weite des Bad Windsheimer Freilandmuseums. Aber so  hatte man zwischen den einzelnen Gebäudekomplexen des Museums immer wieder Zeit, das eben Gesehene erst einmal auf sich wirken zu lassen, bevor man in die Geschichte des nächsten Hauses und seiner Bewohner abtauchte.

Mühle und hinten rechts Stadel aus dem Jahre 1680

Mühle und hinten rechts Stadel aus dem Jahre 1680

… und dann lag sie vor uns, die Getreidemühle aus Unterschlauersbach. Erbaut wurde sie 1576. Im Jahre 1601 erfuhr der Bau sogar noch eine Erweiterung.

Ich finde es immer wieder interessant, das Innere einer Mühle anzuschauen, das gewaltige Räderwerk, das letztendlich die Wasserkräfte auf die Mühlsteine überträgt und das Mahlen des Getreides überhaupt erst möglich machte. Welch imposantes Bauwerk doch so eine Mühle ist, egal, ob sie mit Wind- oder Wasserkraft angetrieben wird.

Während mein Herr Silberdistel und unsere zwei Begleiter, wir waren mit lieber Verwandtschaft unterwegs, von einer Bank vor dem Mühlengebäude aus einem umherspazierenden Pfau zuschauten, …

… konnte ich es natürlich nicht sein lassen, mir auch noch die riesigen wasserangetrieben Mühlräder auf der Rückseite der Mühle anzuschauen.

Dabei entdeckte ich in dem den Mühlenbach speisenden Teich mehrere Stockenten bei einer fröhlichen Tauchrunde. Nicht nur die Enten hatten ihren Spaß, auch mir gefiel dieser Badespaß außerordentlich gut und er soll hier heute auch den Schlusspunkt setzen. Wem aber unser Museumsausflug in Franken gefallen hat, der darf sich noch auf eine weitere Fortsetzung freuen. Bis dahin aber erst einmal viel Vergnügen  zwischen den uralten Bauernhäusern, in der hübschen alten Getreidemühle, mit dem stolzen Pfau und den fröhlich plantschenden Enten.

Zum Schluss noch ein Tipp für diejenigen, die es noch nicht oder nicht wissen, ein Klick auf die Bilder in den Collagen lässt die Fotos ein wenig größer und in einer Diaschau erscheinen.

00-Logo des Klockenhagener Freilichtmuseums auf  dem Eintrittsbon… dann könnte er eventuell in einem Museum landen und vielleicht sogar in Klockenhagen, dem Freilichtmuseum, das wir Silberdistels unlängst besucht haben. Wie ich bereits berichtet habe, waren wir zum diesjährigen Erntedankfest am 21. September dort. Neben dem hübschen kleinen Festumzug gab es natürlich noch viel mehr zu sehen. Einiges kennen  wir bereits von früheren Besuchen in Klockenhagen, anderes war neu für uns. Gut beraten ist frau, wenn sie ihren Museumsbesuch vielleicht ab sofort etwas anders gestaltet als in den Vorjahren. Sie sollte gleich zu Anfang erst einmal einen Gang aufs Töpfchen einplanen, sprich für kleine Mädchen gehen.  Ich, die Silberdistel, suche gewöhnlich eher ungern in der Fremde das bewusste Örtchen auf. Dieses Mal ließ es sich leider nicht vermeiden und das war gut so. Der viele Frühstückstee hatte sich während der Fahrt nach Klockenhagen durch das silberdistelige Innenleben hindurchgearbeitet und rief dringend nach Entsorgung. Zum Glück für mich und den „Earl Grey“ hat das Freilichtmuseum nicht nur irgendwo ein Trockenklo aus Uromas Zeit zu bieten, vor dem ich mich in der Kindheit immer ein klein wenig gefürchtet habe. Nein, für den Gebrauch der Museumsbesucher steht selbstverständlich ein helles, freundliches und sauberes WC zur Verfügung. Wer nun ebenso wie ich gern ein Fremd-WC-Ignorierer ist, der sollte bei einem Besuch in Klockenhagen doch unbedingt über seinen eigenen Schatten springen und hinein ins moderne Museums-WC. Falls er das nicht tut, verpasst er etwas ganz Wundervolles. Ja, wirklich! Nicht lachen jetzt, ja! Reißt Euch zusammen und Schluss mit dem Gekichere! Auch ein WC-Besuch kann uns schöne Momente bescheren. Da ist nichts Lächerliches dran … wirklich nicht. Also, Spaß beiseite, Ernst komm her. Ach, menno, durch diese Rumalberei bin ich jetzt ganz vom Wege … äh … von dem wundervollen WC abgekommen. Also, wer meint, er will unter gar keinen Umständen das Museums-WC besuchen, der würde etwas verpassen.

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Er würde eine ganz wundervolle und entzückende Sammlung verpassen, eine Sammlung alter und doch so schöner Nachtgeschirre. Ich musste mich sehr beherrschen, um nicht lauthals Ahhhh- und Ohhh-Rufe auszustoßen, so begeisterte mich der Anblick der Henkel- und Stieltöpfchen.

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Aufgereiht im Toilettenvorraum erfreuen sie den WC-Besucher mit ihrer entzückenden Schönheit, manche schlicht, andere liebevoll bemalt, große, kleine, dicke und schlanke Geschirrchen warten auf ihre Bewunderer. Ich schäme mich, aber ich konnte trotz des Wissens, dass ein Fotoapparat nicht aufs WC gehört, nicht umhin, meine Kamera nach meiner WC-Visite zu zücken und die hübschen kleinen Töpfchen zu fotografieren.

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Sie schmücken den Fensterbereich des Vorraums zu den Damentoiletten mit ihrer diskreten Schönheit und machen  zumindest das Damen-WC zu einem wunderhübschen intimen Erlebnissraum. Gern hätte ich noch mehr fotografiert, jedes einzelne Ausstellungsstück mit seinen wundervollen Details, aber eine Dame in noch mehr vorangeschrittenem Alter als dem meinigen schaute mich überaus streng an, sodass ich von noch weiteren Töpfchenaufnahmen abließ, ehe die Dame vielleicht die Miliz herbeiholte und ich wegen unsittlichen Verhaltens verhaftet würde. Aber schauen darf man, einfach so – ganz hingerissen und verliebt in diese Geschirrsammlung der etwas anderen Art. Vielleicht kann man ja mit dem Handy etwas diskreter knipsen als mit einer großen Spiegelreflexkamera 😉

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Also Mädels, wenn Ihr das Museumsdorf in Klockenhagen besucht, nicht vergessen, Ihr MÜSST dort unter allen Umständen und ganz unaufschiebbar dringend zum WC – gleich rechts neben dem Eingangsbereich des Freilichtmuseums – da findet Ihr das herrliche nachttöpfchendekorierte WC 😉  Ob es bei den Jungs auch so schmuck aussieht, konnte mir Herr Silberdistel nicht verraten. Entweder hatte er keinen Blick für diese einstmals unentbehrlichen Schönheiten der Nacht oder aber das Herren-WC fällt in der Gestaltung etwas schlichter aus. Ja, schön ist’s in Klockenhagen. Also, willst Du etwas erleben, schau in Klockenhagen vorbei und vergiss vor allem nicht, das dortige WC zu bestaunen.

Fahrrad als Transportmittel
So, wenn wir dann nun diesen dringenden Gang hinter uns gebracht haben, können wir uns locker und entspannt auf den weiteren Rundgang durch das Dorfmuseum machen, um Katzen zu beobachten, die Abfallkörbe umwerfen, um zu einem leckeren Schmalzbrot zu kommen, oder, um, was wir ja eigentlich wollten, die interessante Sammlung alter Fahrräder anzuschauen, die man neuerdings in Klockenhagen bewundern kann.

Damenfahrrad "Möve" aus dem Jahre 1950 - gebaut in Mühlhausen/Thüringen

Damenfahrrad „Möve“ aus dem Jahre 1950 – gebaut in Mühlhausen/Thüringen

Wir fanden sogar ein altes Möve-Fahrrad. Froh leuchteten da der Silberdistels Augen, denn auf einem solchen Gefährt lernte sie einst die hohe Kunst des Drahteselbändigens. Ach ja *versonnenvorsichhinblick* Lang, lang ist’s her … Aber genug geträumt und zurück in die Gegenwart! Für diejenigen, die sich nicht so für Drahtesel interessieren, gibt es natürlich auch noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten wie z.B. die, Stallhasen zu streicheln, Ziegen zu füttern, Kühe zu melken oder einfach nur zu trinken, zu essen und fröhlich zu sein. Jeder, wie er es am liebsten mag.

Was wir Silberdistels bei unserem Rundgang durch das Klockenhagener Freilichtmuseum am Tag des Erntedankfestes außer den hübschen Nachtgeschirren und den sehenswerten Drahteseln noch alles entdeckt haben, das ist in der nachfolgenden Bilderschau zu sehen. Viel Spaß bei unserem gemeinsamen Rundgang!

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