Mit ‘Bäcker’ getaggte Beiträge

Der Winter steht mit Kälte, Schnee oder hier im Norden vielleicht auch nur wieder, wie so oft, mit Schneematsch vor der Tür.  Vielleicht ist es da gar nicht so übel, gedanklich noch einmal zurück in den vergangenen Sommer zu wandern und ein wenig Wärme und Sonne nachzutanken, auch wenn der zurückliegende Sommer damit eigentlich ziemlich gegeizt hat. Dennoch machen sommerliche Gedanken und das eine oder andere Bild aus dieser Zeit ganz bestimmt die kalten Füße und vielleicht auch das Herz ein wenig wärmer. Na, und um Herzen geht es hier so ganz nebenbei auch noch.

Und andererseits passt dieser Beitrag so oder so gut in diese Zeit, in die Zeit des Backens und Schlemmens.  Gut, es handelt sich nicht gerade ums weihnachtliche Plätzchenbacken oder um den berühmten Gänsebraten, der gern zu Weihnachten auf den Tisch kommt. Es geht um Brot – um Brot aus Sauerteig.

Unsere Enkeltochter verbrachte, wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnte, einen Teil ihrer Sommerferien bei uns Silberdistels. Natürlich gaben wir uns Mühe, diese Ferientage möglichst abwechslungsreich und spannend zu gestalten, sollten sie unserem Ferienkind doch in guter Erinnerung bleiben. So hatten wir an einem Mittwoch im August einen Ausflug nach Klockenhagen ins dortige Freilichtmuseum geplant.
Wir Silberdistels hatten bei einem früheren Besuch in dem Bauernmuseum unweit der Ostseeküste erfahren, dass dort neuerdings auch fleißig gebacken wird. Diese Brotbacktage sind in erster Linie für Kinder gedacht. Aber ich habe gemerkt, auch als vielleicht im Backen schon ein wenig geübter Zaungast kann man noch eine ganze Menge dazulernen.

Wir waren spät dran an jenem Tag, als wir uns auf den Weg zum Klockenhagener  Backhaus machten. Der Straßenverkehr hatte uns doch glatt einen dicken Strich quer durch unsere, wie wir dachten, so gut kalkulierte Rechnung gezogen. Wir wollten lange vor 10.30 Uhr in Klockenhagen sein, sollte doch zu dieser Zeit bereits der Brotbacklehrgang für die jungen Bäcker in spe beginnen. Gewöhnlich sichert rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze. Kurz vor besagter Urzeit schneiten wir ziemlich entnervt endlich durch den Eingangsbereich des Freilichtmuseums. Das mit den besten Plätzen dürfte wohl derweil gegessen sein.

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Eilig hasteten wir weiter durchs Freilichtgelände, vorbei an dem alten Backofen, der uns die Richtung zum eigentlichen Backhaus vorgab.

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Dann der letzte Fingerzeig …

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… und das Backhaus lag vor uns – bereits, wie zu vermuten war, von zahlreichen Backwilligen und Zuschauern umschwärmt.
Für die erste Backrunde waren wir leider tatsächlich zu spät dran. Da fielen mir doch glatt wieder einmal Gorbatschows Worte mit dem Zuspätkommen ein. Nun gut, bestraft wurden wir zum Glück nicht. Das waren wir eh schon durch die bummelige Autofahrt, die fast doppelt solange gedauert hatte wie geplant. Doch der Bäcker beruhigte uns. Es wäre genug Teig für alle vorhanden. Wir müssten uns lediglich ein kleines Stündchen gedulden. Erst dann würde sich die zweite Gruppe der kleinen Bäckerlehrlinge an die Arbeit machen können.
Okay, wenigstens hatten wir uns nicht total umsonst auf den Weg gemacht. Das wäre dann doch sehr ärgerlich gewesen, auch wenn wir uns in Klockenhagen sicher nicht gelangweilt hätten. Zu sehen gibt es dort immer allemal genug. Aber dieses Mal galt unser Besuch ja einem ganz besonderen Ereignis. Es wäre dumm gewesen, hätten wir unsere Enkeltochter enttäuschen müssen.

Die eine Stunde verging schließlich fast wie im Fluge. Das Zuschauen allein war schon enorm spannend und äußerst lehrreich. Und irgendwie sah auf den ersten Blick alles kinderleicht aus.

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Dann endlich war es soweit. Die nächste Gruppe von Bäckerlehrlingen durfte sich in Vorbereitung auf ihre Arbeit mit dem Brotteig die Hände waschen, eine schicke weiße  Schürze umbinden und sich einen Platz am gut bemehlten Tisch des Geschehens aussuchen.

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Der Herr und Meister über den Sauerteig, aus dem ein lecker duftendes Brot entstehen sollte, hatte bereits für jeden Lehrling einen Batzen Sauerteig abgewogen und ihn zur weiteren Bearbeitung durch die jungen Bäckerlehrlinge bereitgelegt.

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Und dann ging’s los. Der Meister erklärte den Kindern sehr anschaulich, wie das, was vor ihnen lag, noch bearbeitet werden müsste, damit daraus am Ende ein richtig gutes Brot entstehen könnte.
Bisher war ich der irrigen Annahme gewesen, dass Falten mehr zu Papier oder vielleicht noch zu Handtüchern oder Tischwäsche gehört. Doch man lernt nie aus. Auch Brotteig kann gefaltet werden.

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Besser gesagt:  Brotteig möchte sogar gefaltet werden.  Durch das Falten, eine spezielle Art des Teigknetens, bekommt der Brotteig erst die richtige Struktur und Konsistenz.
Dann war die Arbeit der Bäckerlehrlinge gefragt. Sie falteten, kneteten und drückten fleißig nach, was ihr „Vorturner“ ihnen vormachte – einer war dabei eifriger als der andere.

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Nachdem der Teig viele, viele Male so bearbeitet worden war, war er fast ofenreif. Ein paar Handgriffe vom Meister seines Faches fehlten allerdings noch. Er gab dem Teig schließlich die vollendete Brotform. Auch das sah wieder kinderleicht aus.
Aber wer sich selbst schon einmal an einem eigenen Brot versucht hat, wird wissen, so kinderleicht ist es nun doch nicht. Ich fand es faszinierend, was die Hände des Fachmannes vor unseren Augen aus dem Teigbatzen schließlich zauberten.

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Die Kinder durften zwischen einem länglichen Brot, einem runden oder einem Brot in Herzform wählen. Nicht nur unsere Enkelin wünschte sich spontan ein Herzbrot. So konnten wir mehrere Male die Kunstfertigkeit des Bäckers beim Formen eines herzigen Brotes beobachten. Das allein war schon fast den Ausflug nach Klockenhagen wert.

Und dann war noch einmal die Arbeit der Kinder gefragt. Damit am Ende auch jeder das von ihm selbst vorbereitete Brot bekam, musste der Teigrohling natürlich noch gekennzeichnet werden.
Aus einem weiteren kleinen Stückchen Teig sollte zunächst eine Rolle und daraus der Anfangsbuchstabe des Namens des jungen Bäckerlehrlings geformt werden.

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So wurde noch einmal fleißig herumgeknetet, gerollt und geformt. Der Meister befeuchtete, während die Kinder angestrengt an ihrem Namenskürzel arbeiteten, die Herzen, länglichen und runden Brotrohlinge ordentlich mit Wasser. Danach konnte der jeweilige Buchstabe kinderleicht auf das Kunstwerk aus Sauerteig geklebt werden.

Schließlich konnten die jungen Künstler ihrem Kunstwerk noch mit etwas draufgestaubtem Mehl oder mit ein paar Körnern den letzten Schick verleihen. Einige Kinder deuteten das ETWAS allerdings sehr großzügig, sodass es nur so staubte.
Dem Meister blieb ihm ersten Moment beim Anblick der unter Mehlbergen verschwindenden Teigrohlinge fast die Spucke weg.  Doch er fasste sich schnell wieder und erklärte, wie zart doch Frau Holle die Schneeflocken fallen lassen würde. Und genauso zart müsse man auch Mehl oder Körner über das Brot streuen. Das nun wiederum war einleuchtend. Wer wollte nicht gern neben einem Bäcker auch noch Frau Holle sein, und so rieselten sacht Mehl und Körner aus Kinderhänden auf teigige Herzen und Co.

Damit waren fast alle Arbeiten geschafft. Die letzten Handgriffe blieben dann aber doch dem Meister dieses schönen Handwerks vorbehalten, schließlich wollten wir am Ende der anstrengenden Bäckerlehre, die kinderleichter aussah als sie ist, ein fertig gebackenes Brot mit nach Hause nehmen. Die Brote mussten also noch in den Ofen.

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Und schon klappte die Backofentür vor unseren Augen zu. Nun war Warten angesagt. In etwa einer Stunde würden wir das erste selbst gefaltete und selbst gestaltete Brot unserer Enkelin abholen können.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einem kleinen Rundgang durch das Museumsdorf. Ich sprach währenddessen mit Hühnern und Blumen, und unsere Enkeltochter versuchte sich im Balancieren von Eiern über ein langes Holzbrett, auf dem viele kleine Hindernisse angebracht waren, die das Ei, möglichst ohne vorzeitigen Absturz, zu überwinden hatte. Natürlich habe auch ich probiert, ein Ei – zum Glück eine Plastik-Attrappe – sicher ins Ziel zu bringen. Die Sache war gar nicht so einfach. Aber während wir uns in dieser Kunst übten und übten und übten, war die Stunde ruckzuck vorbei.

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Derweil durch Arbeit, Spaß und Spiel schon etwas hungrig, eilten wir zurück zum Backhaus. Und da warteten sie schon auf uns – die frisch gebackenen lecker duftenden Brote.

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Beim Anblick der vielen köstlichen Brotlaibe knurrte der Magen gleich noch lauter als ohnehin schon. So kauften wir im Bäckerladen nicht nur noch ein weiteres Brot, sondern auch gleich noch einige Stückchen leckeren Kuchens, den wir fast im Stehen an Ort und Stelle hinunterschlangen. Er war einfach köstlich – so köstlich, dass es nicht einmal ein Foto von ihm gibt. Zu gierig waren wir auf diese leckere Köstlichkeit. Da rief tatsächlich erst der Magen nach seinem Recht. Die Fotografin in mir hatte keine Chance.

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Und hier ist es –  das herzige Kunstwerk unserer Enkelin. Okay, das gemeinsame Kunstwerk mit dem Herrn und Meister in Weiß. Es war übrigens nicht nur hübsch, es war auch lecker, wie wir Silberdistels später hörten. Angeschnitten wurde es nämlich erst einige Tage später, als Mama, Papa und Bruderherz auch davon kosten konnten.

Aber wir Silberdistels hatten ja noch ein weiteres Brot mitgenommen – eines zur sofortigen Verkostung. Wir hatten also eine sehr genaue Vorstellung davon, wie lecker dieses Herzbrot schmecken würde.

Gelesen habe ich genau das in diversen Büchern. Ob es wirklich stimmt?
Bisher habe ich mich vom Brotbacken eigentlich immer eher ferngehalten. Ich bin mehr eine Keks- und Kuchenbäckerin. Obwohl … vor vielen Jahren, als plötzlich alle Welt Brotbackautomaten kaufte, musste selbstverständlich auch ich ein solches Backgerät haben. Natürlich gab es in der Folge auch bei uns Silberdistels viele leckere Brote zu essen. Mit denen hatte man allerdings fast gar keine Arbeit, zumal man für den elektrischen heimischen Brotbäcker noch dazu auf zahlreiche Brotbackmischungen zurückgreifen konnte. Und eine besondere Kunst war das Brotbacken auf diese Weise schon gar nicht.
Doch dann segnete das Teil plötzlich und unerwartet das Zeitliche und ein neues kam nicht mehr ins Haus. Warum eigentlich? Vielleicht war die Mode einfach vorbei? Ich weiß es, ehrlich gesagt, einfach nicht mehr. So wurde das Brot wieder eingekauft, aber so richtig zufrieden war ich damit auch nicht.

000-Buch Schmackhafte brote selber backen

ISBN 978-3-95540-156-6

Unlängst nun lief mir ein Brot-Backbuch über den Weg. Es lief so geschickt, dass ich regelrecht darüber stolperte. Höflich, wie ich bin, schaute ich meinen Stolperstein wenigstens an. Das aber hätte ich nicht tun sollen, denn ich infizierte mich umgehend mit dem Brotbackvirus, genauer gesagt – mit dem Sauerteigbrotbackvirus.
Da ich mitunter kleine Bauchwehprobleme mit einigen Brotsorten habe und nun las, dass Sauerteigbrote zur eher bekömmlichen Sorte von Broten gehören würden, schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf, ein Gedanke, der mich erstens dieses Buch kaufen ließ und der mir zweitens einredete, es doch noch einmal mit dem Selberbacken von Brot zu versuchen. Ich wollte mein eigenes Sauerteigbrot backen – ohne all die Zutaten, die uns die Industrie sicher noch so ganz nebenher in jedes Brot mischt, damit es besser schmeckt, super aussieht und noch dazu lange haltbar ist. Eigentlich sollten, wie ich nun weiß, für ein schmackhaftes Brot bereits Mehl, Wasser und etwas Salz genügen.

Die Herstellung von Sauerteig liest sich auf den ersten Blick so, als wäre es ganz leicht – nur Wasser, Mehl und Geduld wären notwendig.
Um meine neue Brotback-Karriere nicht gleich mit einem Misserfolg zu starten, kaufte ich zunächst beim Bäckermeister meines Vertrauens etwas Natursauerteig.

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Mein erstes eigenes Sauerteig-Roggenbrot

Und siehe da, mein erstes eigenes Roggenbrot sah gar nicht so übel aus und erstaunlicherweise schmeckte es auch noch. Und es war in reiner Handarbeit entstanden – also ohne Brotbackautomaten. Die ausgesprochenen Brotbackfans kneten ihren Brotteig nämlich mit der Hand. Okay, darin hatte ich mich nun versucht, aber ganz war ich der Sache mit dem klebrigen Teig noch nicht Herr geworden. Es blieben trotz des ersten Erfolgs noch so einige Fragen offen.
Und wegen dieser offenen Fragen waren dem einen Buch weitere Bücher übers Brotbacken in meine häusliche Backbibliothek gefolgt. Die Sache mit der Herstellung des eigenen Sauerteigs interessierte mich nun doch, schließlich wollte ich nicht immerzu Sauerteig kaufen müssen. Ich wollte ihn ständig parat haben, wenn ein neuer Brotbacktag anstand. Andererseits wollte ich auch noch wissen, wie ich den Teig richtig kneten muss, damit mein Brot ganz besonders gut ausschaut, wenn es den Backofen schließlich wieder verlässt.
Viele Bücher mögen gut sein, manchmal sind viele Bücher zu einem Thema auch eher verwirrend. Mit viel List und Tücke und lauter Fragezeichen im Kopf zum Thema Kneten und zum Thema Anstellgut oder Ansatz für einen neuen Sauerteig machte ich mich an mein zweites Brot.

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Mein Brot Nr. 2 – ein Roggen-Weizenmischbrot

Dieses Mal sollte es ein Roggen-Weizenmischbrot werden. Da ich meinem sogenannten Anstellgut, einem Restchen vom ursprünglichen Sauerteig, aus dem ich versuchte, den benötigten Sauerteig für das neue Brot herzustellen, nicht ganz über den Weg traute, gab ich etwas Hefe hinzu. Ob nun der zweite Brotbackversuch, den ich ebenfalls als recht gut gelungen abhaken konnte, der Hefe oder/und dem Sauerteig zu verdanken war, blieb mir dennoch ein kleines Rätsel. Zumindest musste ich mir über die Form meiner Brote vorerst keine Sorgen machen. Meine Kastenform ließ das Brot nach einem Brot aussehen und nicht nach einem Teil, das mehr einem missglückten Fladen glich. Aber die Kastenform beantwortete nur einen kleinen Teil meiner Fragen.

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Der Klockenhagener Museumsbäcker lädt zum Brotbacken ein. Aber auch sonst gibt es allerlei Mitmachangebote.

Und plötzlich kam wieder einmal mein Herr Silberdistel ins Spiel. Er hatte nämlich gelesen, dass im Freilichtmuseum Klockenhagen, ich hatte hier schon öfter über das Museumsdorf berichtet, neuerdings fleißig Brot gebacken wird. Es gibt dort seit Mai 2017 einen Museumsbäcker, der an einigen Tagen in der Woche sogar zum Mitmachen einlädt. Vielleicht könnte ich dort ja meine Fragen klären.

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So machten wir Silberdistels uns am vergangenen Dienstag auf den Weg nach Klockenhagen. Wie Herr Silberdistel gelesen hatte, sollte einmal um 11.00 Uhr und ein weiteres Mal um 13.00 Uhr gebacken werden. Für 11.00 Uhr sind wir an diesem Tag etwas spät dran. Trotzdem eilen wir, bevor wir noch anderes im Museumsdorf anschauen, zum neuen Backhaus.

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Wie ich dort erfahre, hatte der Museums-Bäckermeister gerade an diesem Vormittag viel zu tun. 30 Kinder haben zusammen mit ihm Brote geformt und diese anschließend in den neuen Holzbackofen geschoben, der übrigens samt Backhaus ein Nachbau eines alten Backhauses aus Hanstorf ist.
Des Bäckers Teigreserven sind aufgebraucht, dennoch kann ich einige interessante Tipps über das Backen mit Sauerteig bekommen. Gern hätte ich natürlich dem Bäckermeister noch auf die Finger geschaut oder mich sogar selbst formend an einem Brotteig vergangen. Aber was dieses Mal nicht war, kann vielleicht ein anderes Mal werden.

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Wir Silberdistels bedanken uns herzlich für die Informationen, nehmen aus dem kleinen Ladengeschäft noch ein Roggenmischbrot und ein Dinkelbrot mit und natürlich lassen wir uns, bevor wir zu einem kleinen Rundgang durchs Freilichtmuseum aufbrechen, noch ein Stück Kuchen und den Kaffee aus der kleinen Bäckerei schmecken. Es war übrigens ein überaus leckerer Mohnkuchen.

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Ach, und das Dinkelbrot ist nicht irgendein Dinkelbrot. Es hat sogar ein Gesicht. Oder sehe ich ganz einfach immer und überall Gespenster?

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Nicht weit entfernt vom neuen Museumsbackhaus lockt uns eine Bank an ein kleines Teichlein. Wir lassen uns eine Weile die Nasen von der Sonne bescheinen und als Frau Sonne eine Pause macht, setzen wir unseren Museumsrundgang fort.
Mich interessieren natürlich besonders die hübschen Bauerngärten. Was mir auch hier wieder auffällt, es sind erstaunlich wenig Insekten zu sehen. Da kennen wir Silberdistels die Klockenhagener Bauergärten aber ganz anders. Dort war die Luft während der warmen Jahreszeit sonst fast ständig vom Summen der vielen Insekten erfüllt.
Dieses Mal muss ich nach den kleinen Fliegern regelrecht suchen. Zumindest die Fliegen bemühen sich um Nachwuchs. Ich will hoffen, auch Bienen und Hummeln nehmen sich daran ein Beispiel, damit es bald wieder mehr in unseren Gärten summt und brummt.

Ach, und um die Frage von oben, ob Brotbacken süchtig macht, zu beantworten. Ich denke schon, denn nicht nur meine Brotbackbüchersammlung, auch meine Mehlsammlung wird immer umfangreicher. Das lässt doch darauf schließen, dass mich das Brotbacken so schnell nicht wieder loslassen wird, oder?

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… den Berliner, denn wir Silberdistels haben ihn zum Fressen gern. … und da ich weiß, dass Berliner nicht käuflich sind, machen wir sie uns ganz einfach selbst. Ich weiß das mit dem „Nichtkäuflich“ noch aus meiner Berliner Zeit vor vielen Jahren. Eine Urberliner Bäckersfrau hat mich zu Beginn meines Berlindaseins einmal ganz rüde zurechtgewiesen, als ich in ihrem Laden zwei Berliner verlangte. Total empört fuhr sie mich an, sie wären alle Berliner und man könne sie nich koofen. Inzwischen bin ich älter und auch ein wenig klüger geworden und kann beweisen, dass die Bäckersfrau mich damals zu unrecht rügte. Ich hab’s derweil in der Literatur nachgeschlagen. Ein Berliner Zuckerbäcker nämlich hat diese herrlichen runden gezuckerten Kuchen 1756 erfunden. Er wollte, wie man auch hier nachlesen kann, unter Friedrich dem Großen als Kanonier dienen. Der arme Kerl erwies sich allerdings als wehruntauglich. Zu seiner Freude durfte er jedoch als Feldbäcker dienen. Als kleines Dankeschön für diese Ehre erfand er den heute als „Berliner“ bekannten Pfannkuchen. Der Feldbäcker gab dem Kuchen aus Hefeteig die Form einer Kanonenkugel, schließlich wäre er gern Kanonier gewesen, und in Ermangelung eines Backofens im Felde buk er seine kugelförmigen Kuchen über offenem Feuer in mit heißem Fett gefüllten Pfannen. … et voilà … fertig war der Ur-Berliner Pfannkuchen. Also, wenn das kein Berliner ist, dann weiß ich auch nicht.
Meine Mutti zeigte mir einst, wie es geht, diese Sache mit den Berlinern, und  sie wiederum hat es auch von ihrer Mutti gelernt, also meiner Großmutter. Ob denn meine Großmutter das Berlinerbacken nun wiederum auch den Backkünsten ihrer Mutti zu verdanken hat, das verliert sich während unser Familiengeschichte leider irgendwo unterwegs in den bewegten Zeiten mehrerer Generationen. Wer weiß, vielleicht gab es ja auch diesen Berliner Zuckerbäcker irgendwo in einer Abzweigung unseres Familienstammbaums … Aber egal, wichtig ist schließlich, dass diese Kunst bis zu mir vorgedrungen ist. Da fällt mir ein, habe ich diese Kunst aller Künste eigentlich schon an meine Töchter weitergegeben? Naja, vielleicht lesen sie ja auch ab und zu einmal hier in meinem Blog und schütteln über den Unsinn, den ich in die Welt hinausposaune, den Kopf. Aber genau jetzt sollten sie vielleicht doch mit dem Kopfschütteln innehalten und lieber einmal aufpassen – wegen der Familientradition und so, damit sie sich im Falle der Fälle einen überaus knackigen und süßen Berliner backen können. Man weiß ja nie, wozu das mitunter noch gut sein kann. Ein Genuss ist so ein Berliner auf jeden Fall – irgendwie zum Reinbeißen süß.
Also los geht’s – selbst ist die Frau.

Man nehme ganz einfach:
500 g Mehl
100 g Zucker
80 g Margarine
1 Prise Salz
1 Päckchen Vanillinzucker
1/4 Liter Milch
2 Eier
1 Päckchen Trockenhefe (oder alternativ 30 g frische Hefe wie bei Oma)
Marmelade oder Konfitüre nach Wahl

Weiterhin benötigen wir:
Ausbackfett (ich nehme Schweineschmalz)
Zucker oder Zuckerglasur

Bastelanleitung:
Die Margarine, den Zucker, Vanillinzucker, Salz und Eier zu einem Teig verarbeiten.

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Mehl und Trockenhefe gut miteinander vermischen und ebenfalls unterarbeiten und nach und nach die Milch hinzugeben.

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Wenn wir mit frischer Hefe arbeiten, sollten wir das Hefestück zerbröckeln, in die etwas angewärmte (handwarme) Milch geben, gut miteinander verrühren und anschließend zu den übrigen Zutaten dazugeben und gut verarbeiten.

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Nun sollte der Teig an einen warmen, aber nicht heißen, Platz gestellt werden, damit er gehen kann. Ich decke die Schüssel gewöhnlich mit einem Geschirrtuch ab. Eine Zeitung tut es aber auch recht gut. So kann der Teig in Ruhe gehen und man muss nicht befürchten, dass ihm kalte Zugluft schaden könnte und ein Aufgehen des Teigs verhindert oder ihn sogar wieder zusammenfallen lässt.

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Nach 90 bis 120 Minuten sollte der Teig gut gegangen sein, d.h. unsere Teigkugel sieht deutlich größer aus als zu Beginn des Gehvorganges.

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Nun wird der Teig zusammengestoßen und noch einmal kurz durchgeknetet. 

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Anschließend geht es ans Formen unserer Berliner. Dazu reißen wir jeweils einen kleinen Teil von unserer Teigkugel ab, ziehen ihn zu einer handtellergroßen Teigscheibe zurecht, setzen ein teelöffelgroßes Stück Marmelade oder Konfitüre unserer Wahl in die Mitte …

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… und schließen die Teigscheibe zu einer Kugel, indem wir sie einfach über unserem Marmeladenklecks zusammenfalten oder zusammendrehen.

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Wenn der gesamte Teig in dieser Art geformt wurde, müssen die Berliner noch einmal auf einem bemehlten Brett …

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… oder Tablett für etwa eine viertel bis halbe Stunde zum erneuten Gehen warmgestellt werden.

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In der Zwischenzeit können wir das Ausbackfett erhitzen …

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… und schließlich die Berliner in dem siedenden Fett backen.

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Nach dem Abtropfen werden sie in Zucker gewälzt oder in Zuckerglasur getaucht. Wenn man nach obigem Rezept arbeitet, sollte man am Ende, je nachdem wie groß man die Berliner formt, 20 bis 25 Stück erhalten.

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Ich habe die Zutaten halbiert. Herr Silberdistel und ich hatten insgesamt 12 herrlich leckere mit schwarzer Johannisbeerkonfitüre gefüllte Berliner vor uns stehen. Noch warm schmecken sie übrigens am besten.

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Bei uns gibt es selbstgebackene Berliner gewöhnlich am Silvestertag, wie auch das letzte Bild hier oben zeigt. Das ist schon seit vielen Jahren so. Als ich noch nicht dazu übergegangen war, meine eigenen Berliner zu backen, kam mein Vater am letzten Tag des Jahres immer mit einer großen Schüssel voller Berliner zu uns, damit auch wir Silberdistels UNSERE Berliner hatten – eine schöne und liebe Erinnerung. Als wir dann eines Tages wegzogen aus dem Ort meiner Kindheit und nicht mehr ganz so nah bei meinen Eltern wohnten, war ich selbst gefragt und so backe ich seitdem fast alljährlich meine eigenen Berliner.

Übrigens ist das Backen und Essen der Berliner nicht zwingend an den Silvestertag gebunden. Hier im kühlen Norden isst man sie gern auch während der Faschingszeit. Auch wenn wir Norddeutschen nicht DIE Faschingsfans sind, aber ein Berliner am 11.11. oder/und am Faschingsdienstag darf’s dann doch gern sein – unsere Art,  Fasching zu feiern  😉

… dann hat das seine Gründe, denn langsam aber sicher gehen wir der kalten Jahreszeit entgegen, einer  Zeit, in der man es sich gern drinnen an der warmen Heizung gemütlich macht. Natürlich gehören zur Rundum-Gemütlichkeit neben ansprechender leiser Musik vielleicht auch ein heißer Kaffee, ein wärmender Tee oder ein leckerer Cappuccino. Was aber wären Kaffee, Tee oder Cappuccino ohne eine nette kleine Süßigkeit dazu? Also los, helfen wir der Gemütlichkeit ein wenig auf die Sprünge!

Es ist noch gar nicht so lange her, da erinnerte ich mich daran, unter meinen zahlreichen Backutensilien auch zwei Muffinformen haben zu müssen. Bisher hatte ich diese winzigen Kuchenformen noch nie benutzt. Ich weiß nicht einmal, wie ich überhaupt zu ihnen kam. Gehörten sie einst zu einem Backformen-Set oder waren sie gar ein Überbleibsel aus Zeiten, als unsere Kinder noch bei uns wohnten und ich mich ihnen zuliebe auch einmal im Backen von Muffins üben wollte? Nur, dass ich mich dann doch nicht ans Backen dieser leckeren kleinen Kuchen gemacht hatte. Bis vor kurzem hatte ich keinerlei Ahnung, worin die hohe Kunst des Muffinbackens besteht. Irgendwie war dieser Trend bisher immer an mir vorbeigegangen. Doch da Herr Silberdistel und ich gern zum Kaffee ein kleines süßes Teilchen zu uns nehmen, uns riesige Kuchenstückchen oft zu kalorienreich erscheinen, kramte mein Gehirn aus seinen tiefsten Tiefen die Erinnerung an zwei total vernachlässigte Muffinförmchen hervor. Ich fand sie dann auch erstaunlich schnell und seitdem bin ich eine begeisterte Muffin-Bäckerin geworden. Die ersten kleinen Kuchen dieser Art misslangen so ziemlich, aber Herr Silberdistel und ich, wir aßen sie trotzdem tapfer. Sie schmeckten auch gar nicht einmal so übel, nur klebten sie ganz hartnäckig an den kleinen Papierförmchen fest, sodass sich das Verzehren meiner Muffin-Probeserie ein wenig wie eine Pusselarbeit gestaltete. So suchte und fand ich andere Rezepte und unser Testessen gestaltete sich immer netter und leckerer.
Herr Silberdistel, ein großer Verehrer meiner neu erlernten Backkünste, zauberte mir unlängst mit seinem Tablet, also diesem Dingsda, diesem elektronischen Teilchen, auf dem man gewöhnlich nicht mehr als zwei kleine Gläschen oder allerhöchstens eine Tasse abstellen kann, ein Filmchen aus dem All WWW hervor, in dem es um Muffins für Angeber ging. Herr Silberdistel kam also mit seinem Tablet, ich sah die Muffinkünstlerin mit ihren Angebermuffins und sie siegte über Herrn Silberdistel und mich. Wer gern im Originalfilmchen schauen möchte, der darf nun gern diesem Link hier folgen: http://www.focus.de/kultur/videos/backen-fuer-angeber-diese-muffins-sind-schokoladiger-als-alles-was-sie-bisher-gegessen-haben_id_4225137.html
Wer lieber hier bei mir bleiben möchte und meinen neu erworbenen Muffin-Backkünsten ebenso traut wie der Muffinkünstlerin in dem kleinen Video, der wird ganz sicher auch aus meiner Küche nicht enttäuscht davongehen. Ich möchte sogar ganz frech behaupten, mit meinen nachgebackenen Muffins kann ich auch angeben. Natürlich hatte ich in dem Moment, als mich die Backlust überkam, nicht genau die Zutaten, wie im Video empfohlen, zur Hand. Ich musste ein wenig improvisieren und auf Übriggebliebenes von Halloween zurückgreifen. Aber die netten Reste taten’s auch und sogar recht gut.

Die Kalorienbombe

Die Silberdistel nahm für ihre Angeber-Muffins folgende Zutaten:
2 Eier
100 g Butter
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillinzucker
150 ml Milch
1 Prise Salz
200 g Mehl
2 Teelöffel Backpulver
3 Esslöffel Trinkschokoladenpulver
1 Tafel K*hfleck*n-Schokolade
1 Packung K**der-Sch*ko-Bons

(Anmerkung: im Original werden statt der Tafel Schokolade und der K**der-Sch*ko-Bons K**der-Riegel genommen)

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 Zur Zubereitung der kleinen Köstlichkeiten:
Alle Zutaten zusammen?

Papierförmchen
Gut, dann sollten wir vielleicht zuerst einmal unsere Muffinformen vorbereiten und sie mit kleinen Papierförmchen für Muffins auslegen. Wer mag, kann die Muffinform natürlich auch ohne Papierförmchen benutzen. Dann sollte die Form allerdings schön eingefettet werden, damit die Muffins sich nach dem Backen auch gut aus der Form lösen. Ich finde, mit den Papierförmchen ist der Arbeitsaufwand ganz einfach geringer. Aber das sollte jeder so machen, wie er mag.

Butter schmelzen
Dann also an den eigentlichen Teil unserer Backorgie. Zunächst sollten wir die Butter in einem Topf zum Schmelzen bringen.

Eier und Zucker

Zur flüssigen Butter geben wir anschließend die beiden Eier, die Milch, den Zucker, das Tütchen Vanillezucker und die Prise Salz.

Alles verrühren

Nun alles ordentlich miteinander verrühren. Es darf gern ein bisschen schaumig werden, um so besser wird später unser Endergebnis.

Schokopulver

Nun kommen Mehl, Backpulver und die 3 Esslöffel Schokopulver zu den gut verrührten flüssigen Zutaten. Wiederum alles ordentlich miteinander vermengen, am besten und einfachsten geht es mit dem elektrischen Rührbesen.

Schokolade

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Schoko-Bons

Was bleibt jetzt noch zu tun? Richtig, wir haben noch unsere Schokolade und die Sch*ko-Bons oder alternativ die Schokoriegel.

Förmchen befüllen

Die Schokolade in kleine Stückchen brechen und eins davon in jedes Muffinförmchen legen. Nun befüllen wir die Muffinförmchen mit unserem Muffinteig, geben jeweils noch eins der Sch*ko-Bons hinein und füllen den Rest des Teigs obendrauf. Die Schokolade, die noch übrig ist, können wir nun gern verkosten 😉

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Wer die Riegel verwendet, verfährt ebenso, …

Riegel02

… nur dass die Riegel zuvor in kleine Stückchen gebrochen und dann zum Teig gegeben werden – ein Stückchen kommt natürlich, wie wir es zuvor mit der Schokolade taten, in jede Muffinform. … und nicht vergessen – auch Riegelverkosten ist eine leckere Angelegenheit 😉

Muffinteig ferig eingefüllt
Der Rest geht dann wie von allein. Der Backofen kann zuvor auf 175° C vorgeheizt werden, ich heize allerdings nie vor. Trotzdem dauert das Backen (mit Umluft) nicht länger als etwa 20 Minuten.

Muffins fertig gebacken

Wer mag, kann die fertig gebackenen Muffins noch mit einer Schokoladenglasur überziehen und mit Schokostreuseln nach Wahl bestreuen.

Schokoglasur

Ich habe einige Schoko-Bons in einem Wasserbad aufgelöst …

Muffins mit Schokoglasur

… und die Muffins dann damit überhäuft bestrichen.

Fertige Muffins

Obendrauf kamen zum guten Schluss noch Schokostreusel.

Für die Kalorienrechner unter uns hier ein kleiner bescheidener Hinweis: Nur einer dieser herrlichen Schoko-Bon-Muffins hat  318 kcal. Da vom Blog Flohnmobil der Hinweis kam, dass bei Schokolade die Kalorien nicht zählen, habe ich mir erlaubt, sie hier wieder zu streichen, zumal auch sonst Kritik wegen der Nennung einer Zahl kam, die es eigentlich gar nicht  gibt. Da aber auch Schokolade etwas ist, das man einnimmt, sei mir trotzdem noch eine kleine Bemerkung erlaubt: Achtet auf eventuelle Nebenwirkungen, für die ich hier allerdings keinerlei Verantwortung übernehme 😉

TROTZ DER vielen KALORIEN – G U T E N  APPETIT !!!

Als wir Silberdistels nach dem Rhönrundflug, über den ich hier am Montag berichtet hatte, wieder in unserem Ferienort eintrudelten, hatten wir eigentlich genug Aufregung hinter uns. So gedachten wir, den Rest des Tages angenehm ruhig und gemütlich zu gestalten. Schließlich war zumindest für Herrn Silberdistel der Tag anstrengend genug gewesen. Andererseits hatten wir neben dem gut überstandenen Flugerlebnis noch eine andere Kleinigkeit zu feiern. Ein leckerer Kuchen könnte da durchaus angebracht sein und ein ordentlicher Kaffee oder Cappuccino dazu würde die Sache durchaus rund machen. So hielten wir noch kurz, bevor wir unsere Ferienwohnung aufsuchten, beim örtlichen Supermarkt, um dem kleinen dazugehörigen Bäckerladen zu ein wenig Umsatz zu verhelfen.
Erinnert Ihr Euch noch an diese aufregenden Fußballtage, die auch an uns Silberdistels nicht so ganz spurlos vorüber gegangen sind, speziell an jenen Tag, als ich dem hübschen Süd-Amerikaner verfiel? Ja? Na fein, denn genau an diesem Tag, als ich neben dem Rhönrundflug auch noch das hinreißende Erlebnis mit diesem zauberhaft ausschauenden Südländer hatte, stolperten wir Silberdistels doch richtiggehend noch über etwas anderes – nämlich über unseren Traumwagen. So wollte man uns jedenfalls suggerieren.

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Immerhin stand es dort in großen Lettern über dem Parkplatz der kleinen Wagen. Hätte man uns nicht mit der Nase drauf gestoßen, nie im Leben wäre uns eingefallen, dass ein solches Gefährt zu unserem Traumwagen werden könnte.

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Aber schick sah er schon aus, ein durchaus modernes Design. Es gab ihn sogar in mehreren Farben. Man konnte ihn in silberfarben, sogar in hinreißend leuchtendem Postgelb …

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… oder aber in feuerwehrroter Lackierung haben. Dazu passend für jedes Modell ein in wundervollem Rot formvollendet gestyltes rutschfestes Lenkrad. Doch, dieser kleine Renner hatte schon etwas. Kurzentschlossen entschied ich mich zu einer kleinen Testfahrt mit dem postgelben Modell. Das hatte es mir irgendwie angetan.

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Die individuelle Ausstattung, die wir dann drinnen im Traumwagencenter erhalten sollten, sagte uns durchaus zu, nur der Wagen an sich, der war dann doch ein wenig zu winzig für unsere Fahrten durch die Rhön. Es war halt nur ein Wagen für eine Person, mehr ein Single-Wagen, so gar nicht für zwei die Bequemlichkeit liebende gestandene Herrschaften geeignet, und die Lenkung unseres Testwagens ließ dann doch so ziemlich zu wünschen übrig.  Ständig hatte er einen leichten Linksdrall. So etwas kann auf die Dauer nicht gutgehen. Man wird doch nicht stets und ständig irgendwo anecken wollen. Gerade ein Traumwagen sollte durchaus ein besseres Fahrverhalten haben. Ja, und dann die Bremse … Von einer Bremse war weit und breit nichts zu entdecken. Die sollte für einen gebirgstauglichen Wagen doch wohl wenigstens vorhanden sein. Nein, das war nicht UNSERE Vorstellung von einem Traumwagen, auch wenn mir das Postgelb durchaus zusagte. Einen postgelben Traumwagen fährt halt doch nicht jeder. Ein hübscher sportlicher Flitzer wär es schon. Naja, aber die technischen Details wären dann wohl doch wichtiger, wie mir mein Herr Silberdistel erklärte. Also, nichts da mit dem Traumwagen … Aber Herr Silberdistel tröstete mich damit, dass ich mir doch gern öfter einmal einen dieser netten Flitzer ausleihen könnte. Das hätte außerdem den Vorteil, dass ich auf diese Weise auch noch die feuerwehrrote und ebenso die silberfarbene Farbvariante ausgiebig testen könne. Dieser Gedankengang fand schließlich durchaus mein Wohlgefallen.

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So landeten wir nach der Testfahrt mit unserem postgelben Mobil vor dem Bäckerstand. Ja, und da erblickte ich dann diesen traumhaften Süd-Amerikaner. Fast im selben Moment hatte mein Herr Silberdistel sich mit einer zauberhaft ausschauenden Lady in Red angefreundet. So wurde der Traumwagen in rasanter Geschwindigkeit uninteressant. Wir widmeten unsere ganze Aufmerksamkeit dem Süd-Amerikaner und der schicken Lady, parkten den sogenannten Traumwagen wieder in seiner Garage und machten uns voller Freude auf den Weg zu unserem Kaffeeparadies Ferienbalkonien.

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Zusammen mit dem zauberhaften Süd-Amerikaner und seiner hübschen rotgewandeten Begleiterin hatten wir dann noch einen sehr netten und angenehmen Nachmittag.

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Da blieben für den Tag eigentlich keine Wünsche mehr offen.

Sie hatte recht, die Frau, die vorgestern ihrem Kind lauthals zugerufen hatte: „Mir ist auch immer arschkalt!“ Da stand tatsächlich „arschkalt“. Ich hab es heute selbst nachgelesen. Wir waren nämlich nicht nur an einem Bäcker vorbeigekommen sondern auch an einem Kino. Dort wird gerade Werbung für einen neuen Film gemacht und der Titel des Films lautet tatsächlich „Arschkalt“ bzw. „Der Sommer wird arschkalt“. Ob der gegenwärtige gemeint ist?

Nun weiß ich nicht, ob Mutter und Sohn auf Werbetour waren. Jedenfalls bin zu mindestens ich auf diesen Film aufmerksam geworden. Eventuell ging es anderen Mittagspäuslern ähnlich wie mir, denn laut genug hat die Frau den Titel des Films durch die Gegend gebrüllt. Nun bin ich doch glatt versucht, mir diesen Film anzusehen, zumal ich nicht umhin konnte, mir schon mal den Trailer anzuschauen.

Schon immer wollte ich wissen, was oder wie arschkalt ist. Nun bietet sich mir endlich die Möglichkeit, diese Wissenslücke zu schließen. Die Bildung lauert doch wirklich überall, sogar ganz unerwartet in der Mittagspause und noch dazu hinter dem Rücken.
Und der Junge von vorgestern wird sicher auf dem Rückweg auch noch seine Leselektion erhalten haben und spätestens jetzt ein neues Wort in seinem Wortschatz sein Eigen nennen. Ich hoffe, er brüllt es nicht von nun ab auch so penetrant durch die Gegend wie seine vermeintliche Mutter und infiziert noch andere Kinder damit.