Mit ‘Abenteuer’ getaggte Beiträge

Na, wie wäre es einmal zur Abwechslung mit einem Trip rund um den Globus? Noch dazu, ohne dafür sein Köfferchen packen, ins Auto, in die Bahn oder gar ins Flugzeug steigen zu müssen. Wäre das nicht ein Deal? Für unseren Trip würde nämlich eine kleine gemütliche Leseecke schon genügen. Die gibt es doch sicher im Garten oder auf dem Balkon – mit einem bequemen Liegestuhl oder mit einer von der Lieblingsrose umrankten Bank, davor ein Tischchen, darauf ein Glas mit einem verlockend kühlen Getränk oder ersatzweise eine Tasse herrlich duftenden Kaffees oder ein Cappuccino mit einem Berg von leckerer Sahne. Wer sich auf Weltreise begibt, muss schließlich auch irgendwann die müden Geister wieder ein wenig aufwecken, damit das Abenteuer weitergehen kann. Und unser Abenteuer wird noch dazu ein ganz besonderes, ungewöhnliches werden. Da muss schon mal Energie nachgetankt werden.
Na, wie ist es? Alles parat? Die Sonne blinzelt auch ein wenig durch das Grün des Apfelbaums, unter dem unser Liegestuhl seinen Platz gefunden hat? Perfekt! Dann kann es also losgehen.

Vom Liegestuhl aus um die Welt

Um es gleich am Anfang zu sagen, unser Trip ist kein gewöhnlicher. Aber gewöhnlich kann schließlich jeder. Wir wollen die ganz große Welt erleben, wir wollen nicht nur hinein schnuppern in die Welt der Reichen und Schönen, wir wollen dort einen Platz finden und erleben, wie es ist, auf großem Fuße zu leben, nur zu genießen, ewig und immer auf Urlaub zu sein.
Tja, und um da hineinschnuppern zu können, brauchen wir natürlich Geld, denn ohne Geld geht da nichts, rein gar nichts. Da wir nun dummerweise für unser bisheriges normales und eher unaufgeregtes Leben Tag für Tag hart arbeiten mussten, dürfte unser Kleingeld wohl eher weniger für das große Leben von Welt reichen.

Aber ich weiß jetzt, wie es gehen könnte, denn ich habe gerade einen jungen Mann kennengelernt, an dessen Fersen wir uns gleich heften werden. Der scheint nämlich irgendwie den Dreh rauszuhaben, wie man zu genügend Kleingeld kommt, um sich unter die Reichen und Schönen mischen zu können. Ob uns seine Variante, durchs Leben zu gehen, gefallen wird? Folgen wir ihm doch ganz einfach auf seinem Weg durch sein etwas anderes  Leben und bilden uns dann ein Urteil darüber.

Aber zuvor klären wir vielleicht noch ein paar Fragen, damit wir am Ende auch richtig urteilen. Beginnen wir mit folgender Frage:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, ob es das mit dem Leben, so wie es bisher gelaufen ist, nun schon gewesen sein soll? Fehlt da nicht irgendwie noch etwas ganz Großes, ganz Besonderes? Sind da nicht immer noch Träume offen, die man gern erfüllt sehen würde, Träume, die sich fernab vom täglichen Einerlei, von Verpflichtungen und Verantwortung bewegen?
Also ich habe schon mehr als nur einmal von einem großen Lottogewinn geträumt, um endlich genau diese unerfüllten Träume schnell noch wahr werden zu lassen.
Und mal ehrlich, hat man nicht auch schon einmal im Geiste mit seiner besten Freundin oder seinem besten Kumpel eine Bank überfallen? Wie toll wäre es, den ganz großen Coup zu landen, nie wieder Geldsorgen zu haben und nie wieder von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Gibt es nicht immer wieder diese berühmten Beispiele, die besagen, dass der oder die Täter nie gefasst wurden?
Tja, und wer war nicht voll heimlicher Bewunderung für die Meisterdiebe in solchen Filmen wie „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant oder „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ mit Steve McQueen? Die Neuverfilmung des „Thomas Crown“ mit Pierce Brosnan, „Die Thomas Crown Affäre„, hat mich auch schwer begeistert. Okay, vielleicht hat ja auch der charmante Pierce Brosnan viel dazu beigetragen, dass ich Meisterdiebschwärmerin wurde.

Ja, diese schicken Diebe – intelligent, charmant, humorvoll und immer einen Tick klüger als die Polizei – konnten wohl nicht nur Frauen begeistern. Dieser junge Mann, den ich da gerade kennengelernt habe, der ist ebenfalls überaus begeistert von diesen cleveren, selbstsicheren und charmanten Gentleman-Dieben. Bei ihm allerdings bleibt es nicht beim Anhimmeln der locker und lässig daherkommenden Einbrecher von der Filmleinwand, er lässt Taten folgen, um genau dieses abenteuerliche Leben der filmischen Meisterdiebe zu seinem eigenen Leben zu machen. Wie es ihm letztendlich gelingt, habe ich erfahren, weil ich seinen Spuren ganz einfach gefolgt bin, und diese Spuren führten mich über den Roman „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong zu ihm.
Na, Lust bekommen auf ein paar diebisch spannende Augenblicke? Also dann, den Liegestuhl noch einmal zurechtgerückt und los geht’s!

DeLong - Ein Dieb

Aber an wessen Fersen heften wir uns da eigentlich?

Diese Frage wollt Ihr sicher auch noch beantwortet haben. Man möchte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Das Leben unseres Romanhelden lief zunächst wie das Leben vieler anderer Menschen ab – Grundschule, Abitur, Wehrdienst, Lehre. 23jährig verdient er seinen Lebensunterhalt schließlich  in einem Reprostudio. Das Geld reicht gerade so zum Leben. Aber so, wie sein Leben läuft, findet er es stinklangweilig, öde und trist. Unvorstellbar für ihn, auf ewig so weiterleben zu müssen. Der Alltagstrott, wie er ihn auch von seinen Eltern und Freunden kennt, kann doch nicht das Leben sein. Sollte man es nicht in vollen Zügen auskosten, alles mitnehmen, was nur geht? Alles oder nichts?

Und so kommt ihm genau im richtigen Moment ein Zufall zu Hilfe, um aus diesem Nichts alles zu machen, aus diesem öden täglichen Einerlei auszubrechen. In einem Gespräch mit seinem besten Kumpel erfährt er so ganz nebenher, dass die Tageseinnahmen eines Einkaufszentrums abends jeweils von einer einzelnen weiblichen Person zu einem Nachttresor gebracht werden. Welche Gelegenheit! Ist es nicht genau das, wovon er schon immer geträumt hat – die Gelegenheit für den ganz großen Coup?

Was zunächst nur als Gedankenspiel abläuft, wird dann doch bitterer Ernst. Er überfällt die Geldbotin und eignet sich unerkannt die Tageseinnahmen des Einkaufszentrums an. Und weil es so perfekt geklappt hat, wiederholt er den Überfall ein Weilchen später – ebenfalls erfolgreich. Danach setzt er sich mit seinem neuen Reichtum nach Jamaika ab. Und so beginnt ein neues und aufregendes Leben für ihn, ein Leben, wie er es sich schon immer erträumt hat:

„Mein neues Leben begann! Nie werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, dieses dicke fette Grinsen auf meinem Gesicht, mit dem ich, den Koffer in der Hand in die Sonne trat. Diesen jubelnden Schrei, den ich innerlich ausstieß, diesen Sprung, den ich tat. YES! Das Leben lag vor mir, war groß und wunderbar. Das Paradies war hier!“ (S. 15)

Einmal Paradies – immer Paradies?

Na, war doch ganz einfach bis hierher, oder? Geht’s noch paradiesischer, wenn man weiten Strand, Meer, Sonne und Palmen vor sich hat? Und das Geld stimmt auch, um aus dem neuen Leben einen ewigen und immerwährenden Feiertag zu machen. Urlaub ohne Ende. Was kann schöner sein?

Für eine gewisse Weile mag sich ein solches Leben toll, wundervoll und erfüllend anfühlen. Ob aber nicht auch daraus irgendwann wieder so etwas wie Normalität wird und dann alles wie zuvor ist? Nur an einem anderen Ort?

Unserem Aussteiger aus dem normalen Leben wird genau das bald klar, denn tatsächlich verliert sein neues Paradies ganz heimlich, still und leise für ihn den Reiz. Das Neue ist weg, das tägliche Einerlei macht sich wieder breit, wenn auch auf einer anderen Stufe der Lebensleiter. Ernüchterung folgt dem Hoch. Nach gerade mal drei Monaten auf Jamaika, in denen unser Romanheld das Leben in vollen Zügen genossen und das Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, hängt ihm diese paradiesische Insel, dieses paradiesische Leben voller Partys, Sex und Alkohol, dieser Dauerurlaub zum Halse heraus. Deprimiert und unzufrieden mit sich und der Welt durchstreift er die Insel und  bekommt dabei eine Ahnung von dem, was einen Wunschtraum vom einem endlich wahr gewordenen Traum unterscheidet:

„Nicht immer ist der Traum ein Traum, wenn er wahr wird, und manchmal ist der Preis zu hoch. Mancher Traum bleibt besser dort, wo er entstand – im Kopf, und nur dort ist er wunderbar. Der Realität hält er nicht stand.

Im Kopf steht ein Traum nur für sich, die Realität und das Umfeld sind ausgeblendet. Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Der Traum ignoriert die Schlangen, die Menschen, die Unwetter und Unbill.“ (S. 23 f.)

Und er merkt auch bald, dass ihm trotz allen Geldes etwas fehlt. Er fühlt sich einsam und erfährt, dass das noble Leben in vornehmen Hotels, schicke Anzüge und tolle Autos auch nicht das allein Seligmachende sind.

Als nach einem halben Jahr dann auch nur noch die Hälfte des erbeuteten Geldes übrig ist, muss er sich darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Ursprünglich hatte er geglaubt, mit einem einzigen großen Coup für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Weiter hatte er nie gedacht. Doch jetzt muss er darüber nachdenken, wie er sein Leben von dem Moment an gestalten soll, in dem das Geld aufgebraucht sein wird.

Wenn einem „normal“ nicht genug ist

In einem fremden Land das neu zu beginnen, vor dem unser Aussteiger aus seiner Heimat Deutschland geflohen ist, erscheint ihm undenkbar. Er will nach wie vor kein langweiliges normales Leben führen, keinem normalen Arbeitsalltag nachgehen. Es bleibt ihm eigentlich nur ein Weg übrig. Er wird als Dieb leben müssen. Und so findet er seine neue Bestimmung – in einem Leben als Dieb. Und dieser Dieb soll nach seiner Vorstellung zu einem Meisterdieb werden, ein Meisterdieb, wie ihn Cary Grant und Steve McQueen darstellten. Wie wundervoll aufregend würde dieses Leben werden?
Und da ohnehin die Geldvorräte irgendwie erneuert werden müssen, wird der nächste Diebstahl sogar zu einer Notwendigkeit. Nach diesem erneuten Coup muss unser Dieb Jamaika jedoch verlassen, denn gefasst werden möchte er natürlich auch dieses Mal nicht, und so beginnt sein Trip rund um den Globus.

Von Diebeszug zu Diebeszug wird er geschickter und cleverer, und das nötige Quentchen Glück ist ebenfalls immer an seiner Seite.
Während wir mit ihm von Nobelhotel zu Nobelhotel durch die Welt reisen, denn nur, wo Geld ist, kann man auch zu Geld kommen, lernen wir nicht nur etwas über das Handwerk unseres etwas anderen „Reisebegleiters“, wir lernen nebenher auch viele Orte und Landschaften rund um den Globus kennen. Wir verbringen interessante Tage auf Cuba, im Steuerparadies auf den Bahamas und reisen von dort aus weiter nach New York.
Wir wandeln in Havanna an kolonialen Prachtbauten, Festungen und Stadtpalästen vorüber und genießen die immer und überall gegenwärtige Musik. Wir staunen über den ungeheuren Luxus auf den Bahamas und verspüren die enorme Anspannung und Aufregung unseres Diebes beim Ausrauben diverser Zimmer in einem der teuren Luxushotels. In New York lernen wir schließlich, dass es den einen großen Coup wohl nicht gibt und dass auch Diebsein in Arbeit ausarten kann.

Während all dieser Reisen und Diebeszüge lernen wir gemeinsam mit unserem „Reiseführer“ auch viele Menschen kennen. Verwundert stellt er fest, dass auch der normale Alltag eines Menschen ungeheuer spannend sein kann. Nie hätte er das bis dahin für möglich gehalten. Hatte er doch sein eigenes „altes“ Leben als entsetzlich langweilig und öde empfunden. Er hatte ganz einfach von seinem eigenen tristen Leben auf das aller anderen geschlossen.

Während seiner Reisen, die ihm seine „Geschäfte“ immer wieder aufzwingen, begegnen ihm auch zwei Frauen, Frauen, an denen ihm erstmals wirklich etwas liegt. Doch lassen sein Wanderdasein, seine „Tätigkeit“ überhaupt eine ernsthafte Bindung zu? Ist sie nicht immer zum Scheitern verurteilt? Ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er durch seinen „Beruf“ bedingt, als Einzelgänger durchs Leben läuft und wie schwierig es ist, ein ganzes Leben mit einer Lüge leben zu müssen.

Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Ob unser Romanheld doch noch die berühmte Kurve zurück ins normale Leben kriegt? Oder wird er tatsächlich zu DEM Meisterdieb, wie es ihm die großen Filmhelden vorgemacht haben? Wie wär’s, wenn Ihr das selbst herausfindet? Ich schleiche mich jetzt ganz heimlich aus meinem Liegestuhl fort und lass Euch allein mit Euren Gedanken über den ganz großen Coup.

Aber bevor ich mich durch mein bücherstaubiges Türchen für heute davonmache, sollt Ihr schnell noch erfahren, wie mir diese abenteuerliche Reise im Schatten eines Diebes gefallen hat.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, als mir vom Phantomverlag angeboten wurde, das Buch zu lesen und gegebenenfalls zu rezensieren. Würden mich die Bekenntnisse eines Diebes wirklich so brennend interessieren, dass ich dafür andere spannende Lektüren, die sich auf meinem Nachttischchen schon bis fast unter die Decke stapeln, erst einmal würde zur Seite schieben wollen? Aber als ich durch den Trailer zum Buch …

… und durch den Text auf dem Cover über den Vergleich mit „Über den Dächern von Nizza“ und mit „Thomas Crown“ erfuhr, wurde ich dann doch ein kleines bisschen neugierig. Ja, sie hatten mich am Haken, und ich blieb auch während der Lektüre am Haken. Der Schreibstil nämlich gefiel mir sofort und einmal angefangen, musste ich natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

Und bald zog mich diese etwas andere Reise durch ferne Länder in ihren Bann. Schön und detailliert beschrieben sind die Besonder- und Eigenheiten einzelner Städte und die Lebensart der dort lebenden Menschen. In Teilen könnte das Buch einem Reiseführer durchaus alle Ehre machen. Wenn es nicht sogar fast das Zeug zu einem kleinen ReiseVERführer hat.
Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann sogar einmal dort wandeln, wo ich eben noch mit einem Dieb unterwegs war. Allerdings schweben mir eher keine Raubzüge vor. Ich bleibe dann doch lieber bei meinem normalen Leben. Ich brauche meine Vergangenheit, meine Familie, meine tierischen Mitbewohner, meine Freunde und ein eher unaufgeregtes Leben, das durchaus auch ohne Stress und Panik im Nacken spannend und unterhaltsam sein kann. Na, und meine vielen Bücher möchte ich auch nicht immer irgendwo zurücklassen müssen, denn ein Dieb kann immer nur mit kleinem Koffer reisen.

Ebenso bildreich wie Orte und Landschaften wird auch die Gefühlswelt des Protagonisten beschrieben. Es macht richtig Spaß, in diese Gefühlsbeschreibungen einzutauchen. Einzelne Szenen musste ich immer wieder lesen, sie mir förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Am Ende habe ich ein Buch aus der Hand gelegt, das ich nach anfänglichen Zweifeln gerne gelesen habe. Das Ende allerdings hatte ich mir etwas anders erhofft. Aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ihr wollt ja schließlich noch selbst auf die Reise gehen.
Eines kann ich aber doch noch verraten, nämlich die Antwort auf die obige Frage: Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Sie lautet: Und ob es ein Lesevergnügen für mich war!

Für diejenigen, die nun hoffentlich ganz neugierig geworden sind, hier noch die genauen Angaben zum Buch. Es kommt übrigens als richtig schön gebundenes Buch mit einem Hardcover daher und kostet 14,90 Euro.

DeLong, Lucien: Ein Dieb : Bekenntnisse ; Roman. – Berlin : Phantom Verl., 2017. – 143 S.
ISBN 13-978-3-927447-07-3

… haben wir Silberdistels gerade hinter uns gebracht und da stand mir vor lauter Aufregung so gar nicht der Sinn danach, mich mit neuen Blogbeiträgen zu befassen. Also herrschte hier im „Bücherstaub“ Ruhe – im Gegensatz zum wirklichen Leben, das gerade alles andere als ruhig verlief.

Wir Silberdistels hatten am vergangenen Sonntag kurzentschlossen einen Ausflug unternommen. Schon lange wollten wir uns das Kloster Jerichow anschauen. Unzählige Male in unserem Leben sind wir bereits daran vorbeigefahren und jedes Mal nahmen wir uns vor, endlich einmal anzuhalten und den beeindruckenden Bau ganz aus der Nähe anzuschauen. Bei diesem Vorhaben blieb es, bis mein Herr Silberdistel mich vor einer Woche fragte, ob ich Lust hätte, am Sonntag das Kloster in Jerichow anzuschauen. Und ob ich Lust dazu hatte.

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Kloster Jerichow – vom Gemüse- und Würzgarten aus betrachtet

So machten wir uns am späten Sonntagvormittag auf den Weg dorthin. Es wurde ein zwar anstrengender, aber auch erlebnisreicher Tag. Dass er auch noch nervenaufreibend werden sollte, ahnten wir da noch nicht.

Zurück von unserem Ausflug saßen wir abends noch lange bei dem herrlich warmen Sommerwetter draußen im Garten. Unsere drei Pelzträger, die während unserer Abwesenheit  das Haus hüten mussten, durften nun endlich noch einen kleinen Gartenrundgang machen. Begeistert schossen sie zur Tür hinaus. Einer drängelte mehr als der andere. Jeder wollte als erster in den Garten abtauchen. Und dann waren sie alle drei für eine Weile verschwunden.

Unsere graue Eminenz gab sich mit einen kleinen Rundgang zufrieden und trudelte bald wieder ein. Keks folgte eine ganze Weile später. Fehlte also nur noch Torty. Sicher würde auch sie bald wieder auftauchen.

Doch unsere Torty ließ sich an diesem Abend erstaunlich viel Zeit mit ihrem Revierrundgang. Wir warteten und warteten und allmählich schaute ich bereits recht sorgenvoll auf die Uhr und hinaus in den immer dunkler werdenden Garten. Wo blieb sie nur?

Die Zeiger der Uhr gingen bereits auf Mitternacht zu und noch immer war unsere Torty nicht daheim. Obwohl ich ein recht ungutes Gefühl hatte, beschlossen wir schließlich doch, schlafen zu gehen.
In der Nacht schauten wir beiden Menschen im Wechsel immer wieder nach unserem Katzenmädchen. Ich schlief mehr schlecht als recht. Herr Silberdistel träumte zumindest positiv. Einmal sagte er, als er wohl merkte, dass ich im Zimmer herumtappte, im Halbschlaf zu mir: „Sie ist wieder da.“ Als ich fragte, wann er sie denn hereingelassen hätte, antwortete er erstaunt: „Oder habe ich das nur geträumt?“ Offensichtlich hatte er das nur geträumt, denn von unserer Torty gab es weder im Haus, noch im Garten eine Spur. Ich hatte nämlich gerade nach ihr geschaut.

Am nächsten Morgen war unsere Torty noch immer nicht da. So etwas gab es bisher noch nie. Das war so gar nicht ihre Art.

Nach einem sehr frühen Frühstück, denn Tortys Fernbleiben ließ mich sehr zeitig die Nachtruhe, die ohnehin keine war, beenden, machte ich mich auf die Suche nach ihr. Doch es gab weit und breit keine Spur von ihr.
Immerhin konnte sich unser Nachbar, der am Sonntagabend wie wir noch lange in seinem Garten gesessen hatte, daran erinnern, sie am Abend noch einmal kurz in seinem Garten gesehen zu haben. Doch das war inzwischen ganz schön lange her.

Wo mochte sie nur sein? Wir horchten im Laufe des Tages an verschiedenen Geräteschuppen, Gartenhäusern und Garagen, befragten rundum im Dorf mehrere weitere Bewohner und suchten ängstlich die Dorfstraße ab. Unsere Katze blieb verschwunden.

Am Dienstag machten wir uns nun doch ernsthaft Sorgen. Wir informierten Tierärzte, Tierheim und „Tasso“ über das Verschwinden unserer Katze, hängten weiträumig Suchzettel aus und hofften, dass irgendjemand unsere Torty gesehen hatte und uns einen entsprechenden Hinweis geben würde.

Immer wieder grübelte ich über Tortys Verschwinden nach. Sie ist zwar eine neugierige und unternehmungslustige Katze, andererseits aber auch sehr vorsichtig und misstrauisch Fremden gegenüber. Sie würde nie einfach mit jemandem mitgehen oder sich gar ohne Widerstand einfangen lassen.
Irgendetwas musste passiert sein, was sie daran gehindert hatte, nach Hause zu kommen. Meine Fantasie gaukelte mir die schlimmsten Szenarien vor.

Dass unser Nachbar sie bei sich im Garten gesehen hatte, war sicher nicht ungewöhnlich, aber irgendwie ließ mich dieser Gedanke nicht los. Der Nachbar hatte auch angedeutet, dass unsere graue Eminenz an dem bewussten Abend kurz durch seine Terrassentür geschritten sei und in sein Wohnzimmer geschaut hätte. Ob Torty es ihr gleichgetan hatte? Dass unsere First Lady wieder herausgekommen war, hatte der Nachbar beobachtet. Mehr allerdings nicht.

Auf meinen Wunsch hin hatte der Nachbar bereits am Montagmorgen sicherheitshalber in seinem Haus nach Torty Ausschau gehalten, falls sie doch unserer grauen Eminenz am Abend zuvor ins Haus gefolgt sein sollte. Die Suche blieb ergebnislos. Er hatte weder etwas Ungewöhnliches sehen noch hören können. … und würde sich eine eingesperrte Katze nicht auch bemerkbar machen? Das sollte man doch eigentlich denken, und unsere Torty hat eine durchaus kräftige Stimme, die ganz gewiss nicht, wenn sie sie denn einsetzt, zu überhören wäre.

Doch dann fiel mir auch wieder ein, dass sie sich selbst bei uns, als wir sie als kleines Katzenkind geholt hatten, nach dem Verlassen des Transportkörbchens zunächst versteckt hatte. Wer weiß, wie lange sie damals noch hinter den Büchern im Bücherregal ausgehalten hätte, wenn unser Keks sie nicht hervorgelockt hätte?
Sollten wir den Nachbarn vielleicht doch noch bitten, mit ihm gemeinsam im Haus schauen zu dürfen? Vielleicht wäre es etwas anderes, wenn Torty eine vertraute Stimme hören würde.

Herr Silberdistel stand am Dienstagnachmittag vor unserem Haus und berichtete gerade einer anderen Nachbarin, dass unser Katzenmädchen immer noch nicht wieder aufgetaucht wäre, als besagter direkter Nachbar vorbeikam. Er gesellte sich dazu und erzählte Herrn Silberdistel, dass er meinte, in der vergangenen Nacht ein Maunzen gehört zu haben. Er war sich allerdings nicht sicher, woher es gekommen war und vermutete schließlich, dass es  über das offene Fenster zu ihm gedrungen sein musste. Geisterte unsere Torty etwa irgendwo draußen umher? Aber warum harrte sie dann nicht in unserem Garten aus, bis ihr jemand die Tür öffnete. Bisher hatte sie immer beharrlich gewartet, wenn nicht sofort jemand zur Tür eilte.

Meinem Herrn Silberdistel kam an diesem Abend durch die Worte des Nachbarn die Idee, ihm ein gefülltes Futterschälchen zu geben, um es in seinem Haus aufzustellen. Würde das Futter unberührt bleiben, könnten wir zumindest das Nachbarhaus bei der weiteren Suche nach Torty ausschließen. Soweit der Plan.

Am späten Abend dann klingelte es bei uns. Aufgeregt rannte ich in der Hoffnung zur Tür, das Klingeln könnte etwas mit unserer Vermissten zu tun haben. Hatte jemand unsere Torty gesehen?

Ich öffnete. Draußen stand der Nachbar vor der Tür und sagte: „Ihre Katze ist wohl doch bei mir – auf dem Boden. Das Futter ist nämlich angerührt worden.“ Ob ich mitkommen wolle? Welche Frage?

Aufgeregt eilte ich hinter ihm her.  Im Haus schloss er klugerweise zunächst sämtliche Zimmertüren, um Torty nicht noch neue Fluchtwege zu eröffnen. Dann stiegen wir hinauf zum Boden, wo er mich schließlich allein ließ. Da er selbst bereits mehrmals Katzenvater gewesen ist, wusste er, dass sich Torty durch seine Anwesenheit nur noch weiter verunsichert fühlen könnte.

Da stand ich nun in einem fremden Haus, auf einem fremden Boden – scheinbar allein, hätte nicht das angeschleckte Katzenfutter auf die Anwesenheit eines anderen Lebewesens hingedeutet. Aber war Torty überhaupt in diesem Raum, in dem ich stand oder doch in dem Raum gegenüber?
Da stand ich nun und lauschte, lauschte mit spitzen Ohren wie ein Katze. Aber nichts, nichts war zu hören. Ob sich Torty melden würde, wenn sie meine Stimme hörte? Ich rief sie bei ihrem Namen, einmal, zweimal, dreimal … nichts. Noch einmal lockte ich und schüttelte das Tütchen mit ihren Lieblingssnacks, das ich schnell noch gegriffen hatte, bevor ich dem Nachbarn hinterher geeilt war. Hatte da eben etwas geraschelt – ganz leise, wie eine Maus?

Nein, keine Maus, denn jetzt vernahm ich ein ganz leises Maunzen und noch eins. Ich musste noch etliche Male fast wie eine Katze gurren, dann endlich tauchte in der hintersten Ecke, hinter einem Karton, Tortys Köpfchen auf. Vorsichtig und äußerst misstrauisch kam sie näher, fast so, als könne sie ihren Augen und Ohren noch nicht trauen. Hockte da wirklich die Rettung vor ihr? War das wirklich die Silberdistel?
… und dann fing das Fellbündel vor mir an zu beben, es schnurrte erst leise und dann immer lauter und ein weiches braunes Köpfchen näherte sich meiner Hand und stieß sie vorsichtig an. Ganz leicht strich ich über das weiche Fell, hielt dem Schnurrbündel ein paar der Snacks hin und dann durfte ich mein Katzenmädchen endlich in die Arme schließen. Welch wundervolles Gefühl! Ich hatte sie wieder.

Langsam ging ich mit meinem Fellbündel im Arm zur Treppe und Stufe für Stufe hinunter. Doch je weiter ich die Treppe hinab stieg, umso ängstlicher, nahezu panisch, wurde mein Katzenmädchen. Natürlich wollte ich das eben neu gewonnene Vertrauen nicht verlieren und so ließ ich Torty wieder hinunter. Ihre erste Reaktion war, sofort nach oben, zurück Richtung Boden, zu flüchten. Ich musste all meine Überredungskunst aufwenden, um sie letztendlich dazu zu bewegen, wieder herunter zu kommen. Schließlich kam sie, wenn auch langsam, misstrauisch und äußerst vorsichtig.

Als ich sie zur Haustür nach vorn lenken wollte, ergriff sie erneut Panik. Ich sprach wieder beruhigend auf sie ein und überließ ihr am Ende die Wahl des Ausgangs und die fiel auf die Terrassentür. Torty wollte offensichtlich genau dort hinaus, wo sie wahrscheinlich zwei Tage zuvor hinein gekommen war.

Noch im Zimmer, vor der Terrassentür angekommen, durfte ich unser Katzenmädchen wieder auf den Arm nehmen. Torty schien nun zu wissen, dass alles gut werden würde und dass es nach Hause ging. Immerhin sah sie bereits den Garten vor sich, den sie recht gut kennen dürfte und von dort aus war es bis zu ihrem Zuhause gar nicht mehr weit.

Wie waren wir glücklich, unsere vermisste pelzige Mitbewohnerin wiederzuhaben. Uns war ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Eine aufregende Geschichte hatte ein gutes Ende gefunden.
Torty allerdings hatte noch ein wenig länger an diesem Abenteuer zu knabbern. Sie musste in ihrem Zuhause zunächst alles ganz intensiv beschnüffeln. Aufgeregt rannte sie durchs Haus. Wahrscheinlich konnte sie immer noch nicht so ganz an ihre Rettung glauben. Selbst für Keks hatte sie im ersten Moment weder Auge noch Ohr. Nicht einmal der gefüllte Futternapf lockte sie, obwohl sie seit Sonntag weder etwas gefressen, noch getrunken hatte, außer dem Wenigen, was in der Lockfutterschale beim Nachbarn gestanden hatte.
Wir mussten ihr ein wenig Zeit lassen. Schließlich hatte sie jede Menge Stress abzubauen. Ihr ging es sicher nicht anders als uns. Wir waren allerdings nicht in einer völlig fremden Umgebung eingesperrt gewesen.

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Inzwischen ist die Welt fast wieder in Ordnung für unsere Torty. Ein wenig steckt ihr der Schreck aber immer noch im Nacken. So ganz ist sie noch nicht wieder die Katze, die sie vor diesem für sie sicher sehr traumatischen Erlebnis war. Sie schaut öfter als sonst, ob wir noch da sind und so genießt sie momentan auch eine extra liebevolle Behandlung.

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Wir können das Pfingstfest nun doch noch in Ruhe genießen. Wir sahen das für uns schon fast den berühmten Bach runterlaufen. Aber die Ruhe und Entspannung werden wir nun auch brauchen – wir zwei Menschen und die drei Pelzträger.
Unserem Keks hat die Schwester übrigens auch gefehlt. Das war deutlich zu merken. Wir hatten ständig den Eindruck, er wollte uns sagen: „So tut doch endlich etwas, damit Torty wieder da ist!“

Euch allen ein schönes, sonniges und ganz entspanntes Pfingstfest – das wünschen fünf glückliche Silberdistels.

Da bin ich also wieder. Ob nur kurz oder wie bisher gewohnt, wird sich noch zeigen. Der Garten und vieles andere mehr rufen momentan ganz gewaltig laut nach mir und verlangen meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Zumindest der Garten sollte sich aber eigentlich nicht allzu sehr über Vernachlässigung beklagen können, denn ihm habe ich während meiner Abwesenheit hier im Netz sehr viel Zeit gewidmet und an Arbeitskraft hat es auch nicht gefehlt. Aber darüber werde ich noch berichten. Andererseits gab es nach der vielen Gartenarbeit auch Ruhemomente, die ich mit einer weiteren Lieblingsbeschäftigung neben dem Werkeln im Garten ausgefüllt habe. Ich habe gelesen.

Monti - Jahrmarkt der Gier

Die Autorin Olivia Monti hat mir unlängst ein Rezensionsexemplar ihres Buches „Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“ angeboten. Da ich Kinderbücher, Märchen und auch Fantastisches durchaus gern lese, stand ich Olivias „Luna Park“ natürlich nicht ablehnend gegenüber. Die Thematik schien mir recht interessant zu sein. Also machte ich mich freudig und voller Erwartung ans Lesen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Olivia Monti für das Rezensionsexemplar, das mir als Kindle-Edition vorliegt.

Worum geht es im „Luna Park“
Der „Luna Park“ aus Olivia Montis Buch ist ein Berliner Vergnügungspark. Es gab ihn übrigens wirklich einmal, den „Luna Park“, und wer mehr darüber lesen möchte, der kann gern hier schauen – vielleicht als kleine Vorbereitung auf Olivias fantasiereiche Variante eines solchen Vergnügungsparks. Sie lässt nämlich in ihrem bisher zweibändigen fantastischen Roman vier Teenager auf seltsame Weise in einem Berliner „Luna Park“ landen. Im Band 1 präsentiert sich der „Luna Park“ für die vier jugendlichen Helden als „Jahrmarkt des Grauens“. Was genau die vier Freunde Dugo, Zaza, Brauni und Camel dort Grauenvolles erleben mussten, das ist für mich eigentlich fast noch ein Geheimnis, denn ich weiß bisher nur aus der kleinen Vorgeschichte zum 2. Band des „Luna Park“, dass man sich dort hemmungslos vergnügen konnte, dass die ganze Sache aber einen Haken hatte. Und genau da wurde es scheinbar grausam. Tatsache ist aber, dass die vier Freunde am Ende dem „Jahrmarkt des Grauens“ entkommen konnten und sehr froh darüber waren. Warum nur gibt es dann einen 2. Band zum „Luna Park“? Vielleicht, weil den Teenies die Lust auf einen Rummelplatzbesuch doch nicht so ganz abhandengekommen war? Aber eigentlich geschah dieser erneute Jahrmarktbesuch mehr aus einer Art Frustration heraus. Brauni nämlich ärgerte sich wie schon so oft wieder einmal über seine Pflegefamilie, musste also, um es konkret zu sagen, Frust abbauen, und so überredete er seine drei Freunde dazu, ein Volksfest in Berlin Mitte zu besuchen. Und damit nahm das Verhängnis erneut seinen Lauf. Übrigens versichert die Autorin, dass man auch ohne den Band 1 des „Luna Park“ gelesen zu haben, voll auf seine Kosten kommt und keinerlei Verständnisschwierigkeiten haben wird. Jeder Band ist ein in sich abgeschlossener Roman. Das vielleicht schon mal für diejenigen vorausgeschickt, die wie ich, das Pferd von hinten aufzäumen wollen und sich erst einmal über den zweiten Band der „Luna Park“-Geschichte hermachen möchten. Dann also los: Hinein ins Getümmel auf dem „Jahrmarkt der Gier“. Wir gruseln uns mit dem Band 1 also später, weil wir jetzt erst einmal ganz gierig auf den zweiten Band vom „Luna Park“ sind.

Da sind Dugo, Zaza, Brauni und Camel, vier 13-jährige Freunde,  also wieder einmal auf einem Berliner Rummelplatz unterwegs. Brauni hat die Freunde ganz einfach dazu überredet,  nach längerer Abstinenz endlich mal wieder einen Rummelplatz zu besuchen. Er meint: „Wir könnten eigentlich mal wieder auf nen Rummel, sozusagen aus alter Erinnerung.“ Nicht gerade überschäumend begeistert, aber dennoch machen sich die Freunde gemeinsam mit Brauni auf den Weg zu besagtem Berliner Volksfest. Sie haben dann auch einen recht erlebnisreichen Tag, den eine Fahrt mit der dortigen Geisterbahn zu einem schönen Abschluss bringen soll. Aber dann passiert’s, die Bahn bringt die vier Jugendlichen auf mysteriöse Weise erneut in den „Luna Park“. Allerdings sieht der Park, den sie bereits als „Jahrmarkt des Grauens“ kennengelernt hatten, dieses Mal ganz anders aus und bald erfahren sie auch, dass sie dazu verdammt sind, ein Spiel zu spielen, ein Spiel, bei dem es darum geht, eine Million Euro zu verdienen. Wer das geschafft hat, der darf den „Luna Park“ wieder verlassen, so heißt es. Um überhaupt die Million verdienen zu können, erhält jeder der Freunde einen Job wie ihn sonst eigentlich nur Erwachsene ausüben. Brauni  erhält einen Posten in einer Geschäftsbank, Camel und Dugo werden Geschäftsinhaber einer Rennbahn bzw. einer Videothek und Zaza  soll  in der Zentralbank arbeiten. Bald stellen alle vier nach und nach fest, dass sie auf ehrliche Weise kaum dazu kommen können, so viel Geld zu verdienen. Sie werden praktisch immer wieder dazu gezwungen, durch unlautere Methoden anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dabei spielt der König des Luna Park, den sie bereits aus dem „Jahrmarkt des Grauens“ kennen, immer wieder eine gewichtige Rolle. Dass sie auf ehrliche Weise zu der ersehnten Million kommen können und das auch noch schnell, das erscheint ihnen nahezu unmöglich. Doch wollen Dugo, Zaza, Brauni und Camel nicht nur andere, sondern auch einander betrügen, ihre Freundschaft, gegenseitiges Vertrauen und mehr aufs Spiel setzen, nur damit sie am Ende auf der Gewinnerseite stehen und den Park wieder verlassen können? Gibt es auch eine andere Möglichkeit, um dem „Luna Park“ erneut zu entkommen? Sie hatten es ja bereits einmal geschafft. Warum sollte das nicht erneut gelingen können? Aber, ob es ihnen wirklich gelingt?

Wie es mir im „Luna Park 2 – dem Jahrmarkt der Gier“ gefallen hat
„Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“  ist laut Titelblatt ein „fantastischer Roman für Kinder“, und zwar für Kinder „von 11 bis 111 Jahren“. Er ist also, betrachtet man jetzt einmal nur die Altersspanne, für einen recht breiten Leserkreis gedacht. Ein 11-Jähriger sollte demnach genauso viel Spaß und Spannung mit dem Buch haben können wie ein 111-Jähriger. Außerdem  sollten beide gleichermaßen verstehen können, was uns die Geschichte und somit die Autorin sagen möchten. Ist das mit diesem Buch gelungen? Es geht im „Jahrmarkt der Gier“ zunächst um das Vergnügen, das man auf so einem Rummelplatz miteinander haben kann. Es geht hier aber auch tiefer, es geht um Freundschaft, die Liebe zueinander, Vertrauen und es geht in diesem Buch um Verantwortungen und Verpflichtungen wie sie ein Erwachsener im beruflichen Alltag ständig erfährt. Es geht außerdem um eine reichliche Portion Gesellschaftskritik, um Profit, Geldgier und Macht – kurz gesagt – um ein ordentliches Schippchen Wirtschaft und Politik, um Manipulation von Menschen. Nicht nur zwischen den Zeilen wird hier gefragt, ob mit Europa alles so richtig läuft, wie es läuft. Und an dieser Stelle hatte ich so meine ersten Zweifel, ob ein 11-Jähriger für solche finanzpolitischen und gesellschaftskritischen Probleme überhaupt schon zu interessieren ist. Dass er in den Arbeitsalltag eines Erwachsenen einen kleinen Einblick erhält, selbst einmal sieht, welche schwerwiegenden Folgen unbedachte oder egoistische Entscheidungen haben können, das ginge für mich noch in Ordnung. Damit kann man nicht früh genug konfrontiert werden. Aber sind nicht all die finanztechnischen Details und ihre politischen Auswirkungen, von denen hier die Rede ist, für einen 11-Jährigen möglicherweise zu schwere Kost? Gut, andererseits handelt es sich hier um ein Buch, das zugleich mehrere Generationen ansprechen soll. So betrachtet muss der jugendliche Leser vielleicht auch nicht bis ins kleinste Detail überblicken, was es mit den jeweiligen Bankgeschäften und ihren Auswirkungen auf sich hat. Der erwachsene Leser dagegen bekommt hier einen recht interessanten Denkanstoß, wenn nicht mehr.
Was mir an anderer Stelle etwas Bauchschmerzen bereitete, das war der Punkt, dass Bier scheinbar für 13-Jährige ein fast normales Getränk zu sein scheint. Es wird zwar an einer Stelle im Buch gesagt, dass weder Zaza noch Dugo wie 16 aussehen würden, trotzdem hätten sie das Bier bekommen. Hier hätte ich mir durchaus einen deutlichen Hinweis gewünscht, dass Bier, bzw. Alkohol, eben nicht das Teenie-Getränk N. 1 sein kann. Fast am Ende des Buches, als man im Grunde genommen denken sollte, dass die vier Freunde während ihres aufregenden Abenteuers einiges dazu gelernt haben, greift Brauni nicht nur zum Würstchen, sondern auch wieder zum Bier. Beides wird ihm zwar vom König durch einen Fingerschnipps weggenommen, aber das heißt für mich durchaus noch nicht, dass der König es nicht gutheißt, dass Brauni seinen Durst mit Bier stillen möchte, denn am Ende landet beides wieder auf dem Tresen – Bier UND Würstchen.
Ein bisschen schwer tat ich mich beim Lesen mit der Erzählperspektive. Eigentlich erzählt uns Dugo, der eine der vier Freunde, die Geschichte aus seinem Erleben heraus. Immer wieder aber gibt es Teile, in denen diese Ich-Perspektive verlassen wird, denn Dugo kann von dem parallel zu seinen eigenen Erlebnissen laufenden Geschehen eigentlich noch gar nichts wissen, weil er selbst nicht dabei ist. Trotzdem tritt er auch hier als Erzähler auf. An einer Stelle im Buch erfährt man allerdings, dass Zaza Dugo später ihre Erlebnisse erzählte, sodass er sie im Nachhinein quasi wiedergeben konnte. Es muss also zwingend auch so mit den Erlebnissen der anderen beiden Freunde gewesen sein. Meiner Meinung nach ist das keine so gelungene Erzählweise. Eine auktoriale Erzählsituation, also ein allwissender Erzähler, wäre meines Erachtens für den Lesefluss besser gewesen. Der ständige Wechsel zwischen dem eigenen Erleben Dugos und dem Beschreiben der weiteren Ereignisse nervten mich ehrlich gesagt sogar in gewisser Weise, weil man sich immer wieder umorientieren musste. Sicher, ich habe mich hineingelesen, aber es brauchte halt seine Zeit.

„Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“  – eine Lektüre, die zu empfehlen ist?
Die Idee, die hinter diesem Buch steht, hat mir durchaus gefallen. So war ich nach der kurzen Inhaltsangabe, die ich mir vor dem eigentlichen Lesebeginn des Buches zu Gemüte führte, auch recht gespannt auf das, was mich im „Jahrmarkt der Gier“ alles erwarten würde. Einerseits wurden meine Erwartungen erfüllt, andererseits wurden sie aber auch ein wenig enttäuscht. Olivia Montis Buch las sich, sicher auch bedingt durch die stets wechselnde Erzählperspektive, längst nicht so flüssig, wie man es sich gewöhnlich von einem guten Buch erhofft. Andererseits konnte mich die Lektüre aber auch nicht uneingeschränkt von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Es gab immer wieder Momente, Passagen, in denen ich den „Jahrmarkt der Gier“ erst einmal aus der Hand legen musste, weil er mir schlicht und einfach zu langatmig erschien. Da braucht man halt zwischendurch doch einmal eine Pause. An solchen Stellen wäre vielleicht weniger sogar mehr gewesen, um die Spannung durchweg aufrechterhalten zu können. Ein Erwachsener kämpft sich vielleicht durch solche eher weniger fesselnden Stellen noch durch. Ob das Kinder oder Jugendliche auch tun, das ist für mich wirklich ein wenig fraglich.
Aber kommen wir zum Schluss und dem Eigentlichen dieser Rezension. Trotz der hier aufgezählten Kritikpunkte kann und möchte ich eine Leseempfehlung geben. Auch wenn ich das Buch immer wieder einmal zur Seite legen musste, es zumindest mich nicht durchweg mit Spannung überzeugen konnte, wollte ich wissen, wie es Dugo, Zaza, Brauni und Camel am Ende ergeht. Würden sie dem „Jahrmarkt der Gier“ entkommen können, wollten sie ihm überhaupt entkommen? Und ich muss sagen, zum Schluss hin wurde es dann durchaus wieder spannend und aufregend und wären die oben aufgezählten Schwächen nicht gewesen, dann hätte ich mich mit dieser Rezension auch nicht so schwer getan. Und das habe ich, denn ich war und bin bei diesem Buch doch recht hin- und hergerissen zwischen mehreren Gefühlen. Wir haben hier eine gute Geschichte mit interessanten Charakteren, die ein wenig besser umgesetzt, etwas ganz Tolles sein könnte – dennoch auch so ein Buch, an dem man nicht ganz achtlos vorübergehen sollte. Aber was sag ich? Selber lesen macht klug und meine Meinung ist sicher nur eine von vielen Meinungen.

Erschienen ist Olivia Montis „Luna Park 2 – Jahrmarkt der Gier“ übrigens im April 2016 und zwar sowohl als Taschenbuch als auch als Kindle-Edition.

Als ich hier das letzte Mal von unserem diesjährigen Frühjahrsurlaub in der Rhön erzählt habe, habt Ihr mich an der Stelle verlassen, als ich mich nach einem langen Spaziergang durch die schöne Natur rund um den kleinen Ort Hilders …

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… auf dem Balkon unserer Ferienwohnung niedergelassen hatte. Ich hatte erwähnt, dass es nach meiner Fototour dann doch noch ein wenig Aufregung gab. So will ich Euch jetzt nicht mehr länger auf die Folter spannen und darüber berichten. Ich saß also auf dem Balkon, vor mir stand ein Teller mit einem leckeren Stück Himbeerkuchen und außerdem wartete noch ein wunderhübscher süßer Amerikaner darauf, von mir vernascht zu werden. Dass ich nach der langen Fototour auch einen stärkenden Kaffee brauchte, versteht sich sicher von selbst. Freude pur also. Ein bisschen k. o., aber zufrieden und glücklich mit mir und der Welt, machte ich mich über diese wundervollen Genüsse her und ließ nebenher meine Blicke über das hübsche Umfeld unserer Ferienwohnung schweifen. Recht betagte Gebäude, denen man ihr enormes Alter durchaus ansehen konnte und wieder hübsch hergerichtete Häuschen, die eher jugendlich frisch und neu aussahen, wohl aber auch schon etliche Jahre auf dem Buckel hatten, bildeten eine schöne Einheit. Hier konnte man sich wirklich wohlfühlen. Hübsch sah es aus. Ich war zufrieden – nicht nur mit der Ferienwohnung an sich, auch mit all ihrem Drumherum.

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Hat dieses alte Gebäude nicht einen ungeheuren Charme?

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Und dieses nette Häuschen hier ist doch auch etwas zum Verlieben, oder? Strahlt es nicht Ruhe und Gemütlichkeit aus?

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Schräg gegenüber ist eine Schreiner-Werkstatt. Aber da Samstag ist, herrscht dort drüben absolute Stille. Auch die Werkstattgebäude passen wunderbar hierher und ich darf verraten, auch in der Woche gab es von dort keinen unangenehmen Lärm. So schaue ich mir alles an, freue mich auf den vor uns liegenden Urlaub und verplane im Kopf schon mal die nächsten Tage.

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Während ich mit Wanderplanung beschäftigt bin, bleibt mein Blick plötzlich an einer Bewegung in einem der Fenster des gegenüberliegenden Werkstattgebäudes hängen. Es scheint mir so, als würde dort innen am Fenster ein Vogel flattern. Ob der Schreiner in einer Dachkammer irgendwelche Vögel hält – Wellensittiche vielleicht? Der kleine Federball scheint auch ab und zu direkt gegen die Fensterscheibe zu fliegen, was ich dann doch etwas ungewöhnlich finde. Vögel, die in Gefangenschaft gehalten werden, tun das eher selten, denn sie sind es gewöhnt, in einem Raum oder Käfig gehalten zu werden. Sicher würden sie interessiert aus dem Fenster schauen, aber nicht panisch gegen eine Scheibe fliegen, so wie es hier der Fall zu sein scheint.

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Mir lässt es keine Ruhe. Ich möchte nun doch genauer wissen, was das für ein Vogel ist, der sich dort drüben so merkwürdig verhält. Ich gehe zurück in die Wohnung und suche mein kleines Fernglas heraus. Wenig später stehe ich wieder auf dem Balkon und schaue rüber zum Fenster mit dem vermeintlichen Wellensittich.

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Was ich da entdecke, das ist dann doch kein Wellensittich und auch kein anderer sogenannter Stubenvogel. Ich erkenne eine Bachstelze, die sich offensichtlich irgendwie in das Gebäude hineinverirrt haben muss.

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Was tun? Es ist Samstag und der Schreiner erholt sich natürlich von seiner anstrengenden Wochenarbeit. Bis zum Montag ist die Bachstelze unter Umständen schon vor lauter Stress verendet. Wer weiß, ob sie in dem Gebäude überhaupt lebensnotwendiges Futter findet? Ich beschließe, unseren Vermieter auf den Vogel aufmerksam zu machen und frage, ob er wisse, wie man jemanden aus der Werkstatt erreichen könnte. Er verspricht, sich darum zu kümmern.

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Beruhigt setze ich mich wieder hin und widme mich erneut meinem, inzwischen kalten, Kaffee und dem noch immer auf mich wartenden Amerikaner. Immer wieder schaue ich hinüber zu der kleinen Bachstelze, die sicher nicht versteht, warum sie hinaus in die Freiheit schauen kann, aber trotzdem nicht dorthin kommt, wo all die anderen Vogelbrüder und -schwestern umherflattern.

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Die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als wären bereits Stunden vergangen seit dem Zeitpunkt, als ich meinen Hilferuf für die Bachstelze losgeworden bin. Ich überlege bereits, ob ich noch einmal an die Bachstelzenrettung erinnern sollte. Dann endlich fährt ein Auto vor, geschäftiges Treiben beginnt, die Werkstatttore werden geöffnet und wieder geschlossen. Wie ich höre, ist das Fenster, gegen das der Vogel bis eben noch fleißig flatterte, gar nicht zu öffnen. Aber dort ist er plötzlich auch gar nicht mehr zu sehen. Er taucht nun in dem angebauten Gebäudeteil am Fenster auf.

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Es dauert auch nicht lange und das Fenster wird geöffnet. Aber sonst passiert nichts weiter. Kein Vogel flattert in die Freiheit. Er ist plötzlich nicht mehr aufzufinden, wie ich höre. Offensichtlich ist er irgendwo in den Tiefen der aneinandergebauten Gebäude verschwunden. Scheinbar sind alle Räume so miteinander verbunden, dass der Vogel durch den gesamten Komplex fliegen kann.

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Auch dieses Haus hier oben ist Teil der Schreinerei und steht im rechten Winkel zu dem Teil, in dem sich die Bachstelze befand, als ich sie entdeckte. Lange tut sich nichts, der Vogel scheint verschwunden zu sein. Während ich die Szenerie gespannt verfolge und hoffe, dass die kleine Bachstelze erkennt, dass ihr keine Gefahr droht und ihr nur geholfen werden soll, wird auch hier in dem schicken weißen Gebäudeteil ein Fenster geöffnet. Ich sehe und höre, dass Bretter und anderes Inventar in der Nähe des linken Fensters hin- und hergeräumt werden und dann plötzlich saust etwas aus dem Fenster und gibt einen lauten verzückten Aufschrei von sich. Im Gebäude gegenüber ruft eine Frauenstimme: „Er ist rauhaus! Der Vogel ist raus!“ In mehreren Wellenlinien flattert die Bachstelze über mich hinweg und mir ist, als hätte sie mit ihrem zwitschernden Aufschrei ein Dankeschön gerufen. Am liebsten hätte ich Beifall geklatscht.

14-Bachstelze

Aber ich gebe mich mit einem Lächeln zufrieden und freue mich über die wiedergewonnene Freiheit der Bachstelze. Fast ein wenig erschöpft von all der Aufregung sinke ich in meinen Liegestuhl. Ich freue mich, dass mein Hilferuf ernst genommen wurde und es Menschen gibt, denen so ein kleines Vogelleben genauso am Herzen liegt wie mir. Dankeschön, dass Ihr einen Teil Eures freien Samstags für eine kleine Bachstelze geopfert habt. Ich glaube, das ist nicht immer und überall selbstverständlich.

Als mein Herr Silberdistel, der an diesem Tag ja fernab der Rhön zu tun hatte,  später wieder bei mir ist und sich das Stückchen Himbeerkuchen, das ich für ihn aufgehoben habe, schmecken lässt, habe ich ihm von einem aufregenden Abenteuer zu berichten, einem Abenteuer, das nicht nur für ein kleines Vögelchen aufregend war … Noch lange sitzen wir an diesem Abend auf dem Balkon unserer Ferienwohnung und freuen uns auf die noch vor uns liegenden Urlaubstage. Die herrliche Abendstimmung mit dem sich von Minute zu Minute ändernden Licht ist für mich ein wundervoller Abschluss für einen wundervollen Tag.

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Unsere Katzendame sitzt eben noch neben mir, wir genießen den warmen Sommernachmittag, die Katze döst, ich lese in einem Katzenkrimi von Andrea Schacht. Plötzlich wird’s auch hier im Garten kriminell. Katzenohren sind scheinbar immer auf Empfang. Ihnen entgeht nichts von dem, was im kleinen Katzenrevier vor sich geht. Es raschelt irgendwo hinten im Garten unter einer Staudengruppe. Wusch ist die Katze runter von ihrem Stuhl, wird augenblicklich ganz flach und schleicht lautlos auf die raschelnde Stelle zu, stets bemüht, Deckung hinter Blumen und Steinen zu suchen. Dann bleibt das graue Untier plötzlich stehen, setzt sich hin und schaut interessiert auf den Boden vor sich. Was mag sie auf ihrer Verbrecherjagd entdeckt haben? Den Gärtner, der immer der Mörder ist? Doch nur einen Frosch? Die Kröte? Es raschelt wieder. Die Katze, ganz aufgeregt und angespannt, verfolgt das Rascheln mit Jägeraugen. Schon bin ich infiziert, neugierig geworden schleiche ich der Katze hinterher. Was mag ich entdecken? Die Katze visiert etwas an, das noch außerhalb meines Blickfeldes ist, und schlägt ein wenig hektisch, aber dennoch spielerisch, mit der Tatze nach dem für mich Unsichtbarem. 01 Dann endlich kann ich sehen, was die Aufmerksamkeit unserer grauen Tigerin erweckte – unsere Haus- und Hofkröte ist wieder einmal auf Wanderschaft. Die braune Erdkröte schreitet gemächlich durch den Garten, scheint sich aber durch die Katze gestört zu fühlen. So verschwindet sie erst einmal, um den unangenehmen Verfolger abzuschütteln, unter dem schützenden Blätterwald meiner Christrosen. Die Katze nichts wie hinterher, dabei aber wohl ein wenig sehr stürmisch. Plötzlich legt unser Grautier den Rückwärtsgang ein wie unlängst unser Kater bei seinem Zusammentreffen mit der Kröte am kleinen Teichlein. 03

Die Katzendame schüttelt den Kopf und wischt mehrmals mit der Pfote über die Nase.

02Aha, die Kröte hat zu ihrem Notmittel gegriffen, und die Katze musste wieder einmal mit dem giftigen Sekret der braunen Warzenträgerin Bekanntschaft machen. In angemessenem Abstand bleibt unsere Katzendamen nun sitzen und schaut der Kröte etwas irritiert hinterher. 04 Die läuft, eigentlich schreitet sei mehr, auf unsere Terrasse zu und betrachtet eingehend die kleine Ziegelsteinmauer vor unserem Sitzplatz. Auf einmal reckt sich das Tier etwas nach vorn, schaut interessiert, aber so als wäre es ein wenig kurzsichtig,  auf eine ganz bestimmte Stelle an der Mauer und in rasanter Geschwindigkeit kommt die Krötenzunge hervorgeschnellt und klatscht gegen den steinernen Wall. Genüsslich sitzt die Kröte da und kaut vor sich hin. Wenig später wiederholt sich das Ganze. Ich habe meine Kamera gerade noch rechtzeitig auf den Filmmodus umgestellt, um dieses kleine Abendmahl per Video zu erfassen. Offensichtlich ist unsere Kröte satt. Interessiert schaut sie nun die drei an der Hauswand liegenden Ziegel an, blinzelt durch eine kleine Öffnung, die dann wohl doch für zu klein befunden wird. 06 Aber etwas weiter oben scheint ein besserer Eingang zu sein. Die Kröte steigt auf die Steine und zwängt sich durch den äußerst schmalen Spalt. Sie hat richtig Mühe dabei, schiebt und dreht und zwängt sich schließlich hindurch. Mir ist, als würde sie noch „geschafft“ stöhnen und erleichtert ausatmen. Dann ist Ruhe im Karton. 07 Ein Abenteuer hat wieder einmal einen guten Abschluss gefunden, die Katze hat bereits wieder ihren Ruheplatz eingenommen, eine Kröte hat gesättigt ein Nachtlager gefunden und eine Silberdistel hat einen abenteuerlichen Film gedreht und einige interessante Bilder geschossen. 08

Zufrieden setze auch ich mich an meinen Platz zurück und betrachte in der Vorschau meiner Kamera Bilder und Film.

Tatsächlich kann man auf der kleinen Videosequenz ganz kurz sehen, wie die Kröte die Zunge ausfährt und sie dann wieder im Maul verschwinden lässt. Es geht so rasch, dass man Mühe hat, dieses Geschehen überhaupt wahrzunehmen. Wenn man jedoch aufmerksam schaut, sieht man dieses interessante Schauspiel. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich so etwas beobachten konnte. Ist es nicht spannend, welche Abenteuer man in einem kleinen Garten so erleben kann?