Archiv für die Kategorie ‘Naturgewalten’

Wenn es um Wind geht, untertreiben wir Nordlichter es ja gern einmal. An der Küste geht es höchst selten ganz windstill zu. So empfinden wir das, was andere bereits als stürmisch betrachten würden, höchsten als büschen windiger als sonst. Las ich nicht unlängst, für uns Küstenbewohner gilt, dass Sturm erst dann ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben?

01-Dsc_0037Am vergangenen Sonntag waren einige von uns Silberdistels wieder einmal gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen Seebestatteter zu einer Gedenkfahrt mit dem Schiff vom Wismarer Hafen aus zum Urnenfeld vor der Insel Poel unterwegs. Alljährlich zum Volkstrauertag und zum Totensonntag werden den Angehörigen und Freunden solche Fahrten zum Platz der letzten Ruhestätte ihrer Lieben angeboten. Für uns war es bereits die fünfte Reise zu dem Ort, an dem mein Vater einst vom Meer in Empfang genommen wurde. Bisher waren es dem Anlass entsprechend immer recht besinnliche und ruhige Fahrten gewesen. Vom Wetter her haben wir schon fast alle Witterungsvarianten erlebt – von strahlendem Sonnenschein mit silbern glitzerndem Wasser über herrliches Abendrot mit golden leuchtender See bis hin zu einem still vor sich hin weinenden Himmel mit einem in trauriges Grau gekleideten Meer.

Als wir uns dieses Mal auf die Reise zu unseren lieben Verstorbenen machten, formten sich am Himmel in rascher Folge die spannendsten Wolkenbilder. Dann wieder zauberte die Sonne ein betörendes Lächeln an einen strahlend blauen Himmel. Das alles ging in rascher Folge hin und her. Auch so mancher Regenguss fehlte an diesem Tag nicht.

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Der Wettergott durchschritt offensichtlich gerade ein Wechselbad der Gefühle. Und diese Gefühle machten sich auch noch ordentlich Luft. Das büschen Wind, denn mehr war es für uns im ersten Moment nicht, mit dem wir den Wismarer Hafen in Richtung Insel Poel verließen, entwickelte sich bald zu einem recht lungenstarken Burschen.

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Der windige Geselle wurde stürmischer und stürmischer. Die Schafe hätten wohl wirklich um ihre Locken im Pelz fürchten müssen, wären sie mit uns auf See gewesen. Je mehr wir uns dem Urnenfeld näherten, umso mehr spürten wir die recht bewegte See. Die Wellen platschten spritzend gegen den Schiffsbug und donnerten dann brausend gegen die vorderen Scheiben des Fahrgastraumes. Welch imposantes Bild! Die Fahrt war bereits bis dahin schon fast ein kleines Abenteuer.

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Inzwischen sind wir vor der Insel Poel angekommen – wir erleben ein tiefblaues Meer

Nach einer knappen Stunde hatten wir das Urnenfeld erreicht. Doch dieses Mal war alles etwas anders. Der Käpt’n forderte die wenigen, die sich bis dahin auf dem Oberdeck den kalten und stürmischen Wind um die Ohren wehen ließen, dazu auf, sich aus Sicherheitsgründen wieder unter Deck zu begeben. Unser Schiff würde gleich wenden. Wegen des Sturms wäre es leider dieses Mal nicht möglich, das Urnenfeld, wie es sonst jeweils üblich war, für einige Minuten zu umkreisen. Wir sollten uns auf unsere Plätze begeben und uns gut festhalten. Das Schiff würde bei der Wende seitlich von den Wellen getroffen werden und so dem Seegang entsprechend hart ausgeliefert sein.

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Wenig später erfahren wir dann live, was die See alles kann, wenn sie aufgebracht ist. Mir entgleitet bei der Kehrtwendung unseres Schiffes fast meine Knipse, so schräg liegt die „Mecklenburg“ plötzlich in der tosenden Ostsee. Und dann klirrt und scheppert es heftig um uns und an Bord geht einiges an Gläsern und Geschirr zu Bruch.
Als wir uns von unserem Schreck erholt haben und das Schiff wieder vergleichsweise ruhig im Wasser liegt, dürfen wir dennoch dem Meer die Blumengrüße für unsere verstorbenen Angehörigen übergeben. Dieses Mal sind es mehr stürmische denn andächtige Grüße. Unsere Blumen werden uns regelrecht aus der Hand gerissen und fast gierig von der See verschlungen.

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Stilles Gedenken ist, wie wir alle wissen, doch ein wenig anders. Aber andererseits wäre unser Vater sicher stolz auf uns, hatten wir uns doch trotz der widrigen Wetterverhältnisse zu ihm auf den Weg gemacht.

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Ich sah ihn regelrecht vor mir, wie er uns grinsend zuzwinkerte und sagte, er habe das Wetter so bestellt. Er wollte einmal sehen, wie seefest seine Familie ist.

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Wir sind bereits wieder auf den Rückweg – vor uns liegt das Panorama der alten Hansestadt Wismar

Ob unser Vater deshalb eine Seebestattung wollte, weil er wusste, dass jeder Besuch bei ihm für uns ein kleines unvergessliches Abenteuer werden könnte?

Übrigens waren scheinbar alle Mitfahrer seefest. Jedenfalls konnte ich nichts Gegenteiliges beobachten. Sogar meine Mutter, die ich schon recht seekrank erlebt habe, hat unsere Sturmfahrt gut überstanden. Hinterher meinte sie nur, es wäre dieses Mal ja recht windig gewesen. Ob man mit zunehmendem Alter einfach seefester wird? Oder wollten wir uns nur nicht vor unseren Lieben dort im Meer blamieren?

Trotz oder vielleicht gerade wegen des Sturms war es eine schöne Fahrt, wenn auch nicht so andächtig wie sonst. Auf jeden Fall wird uns diese Reise wohl immer im Gedächtnis bleiben und mit ihr auch derjenige von uns, der dort im Meer sein letztes Zuhause hat. Das Meer hat uns für die diesjährige aufregende Schaukelei aber reich entschädigt. Es zeigte sich uns in vielen wundervollen Farbschattierungen – von hellem bis zu dunklem Grün, zwischendurch mit silbrigem Glanz und dann wieder in herrlichem Himmelblau und schließlich  in einem fantastisch tief dunklen Meeresblau. Und natürlich fehlte höchst selten das für diesen Tag so bezeichnende weiße Spitzenhäubchen auf den Wellen.

Gerade hat der Winter es hier in meinem Teil des Nordens diesen kleinen Fliegen, den Eintagsfliegen, nachgemacht. Am Mittwoch dieser Woche begann er früh morgens damit, lebendig zu werden – sehr sogar, denn er hatte mächtig Unterstützung von dem stürmischen Dieter, der es zusammen mit Frau Holle da draußen mitunter ganz schön undurchsichtig machte.

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Da wirbelte zeitweise mächtig viel Schnee durch die Gegend. Unsere Katzen schauten sich das lieber vom, wie sie glaubten, schneesicheren Wintergarten aus an.

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Aber wie die zwei Plüschlöwen bald merkten, ist ein Wintergarten eben auch ein Wintergarten, in dem es unter Umständen sogar schneit – allerdings nur, wenn man die Nase zu weit raushält 😉 Aber als Hauskatze hat man es dennoch gut, man kann sich im Bedarfsfall immer mal wieder schnell an der Heizung aufwärmen. Der Bedarfsfall trat bei unserem Keks recht schnell ein. Die Vögel draußen im Garten hatten es so betrachtet weniger gut und das freche Rotkehlchen besetzte auch noch das Futterhaus ganz für sich allein. So hatte es sogar ein Dach über dem Kopf, aber die anderen Federbälle mussten draußen  dumm herumsitzen. Manchmal können scheinbar also auch Rotkehlchen ganz furchtbar gemein sein.

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Unsere Torty hatte sich übrigens auch nicht mehr lange im Wintergarten aufgehalten. Nachdem sich bereits Keks aus dem Staube gemacht hatte, folgte sie mir, kaum dass ich mich zur Tür umdrehte, um ins  Haus zu eilen. Beinahe hätte sie mich noch über den Haufen gerannt, so eilig hatte sie es plötzlich. Wenig später ließ sie sich am Fenster in meinem Zimmer nieder. Vögel im Schneesturm beobachten konnte sie auch von dort aus.

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Trotz des heftigen Sturms war in unserem Garten an diesem Tag erstaunlich viel Betrieb an den Futterstellen für die Federbälle. Aber wer weiß, vielleicht gab es den regen Flugbetrieb auch gerade wegen des Schneegestöbers, denn im Schnee war wohl bei diesem Wetter eher kaum Futter zu finden. Der Feldsperling an der Knödelstation hatte es übrigens gar nicht so leicht, denn die Station flatterte fröhlich im Sturm hin und her. Sich draufsetzen und mitfliegen mochte er scheinbar auch nicht. So wartete er jeweils den Moment ab, wenn die Station vorbeigeflogen kam, um dann schnell einen Schnabel voll Knödel zu erhaschen, was manchmal wohl sogar gelang.

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Meine Birke hatte es an diesem Tag auch schwer. Sie fühlte sich mindestens so gerüttelt und geschüttelt wie die Knödelstation in unserem Garten, wenn nicht mehr. Aber irgendwie, fand ich, sah sie durchaus recht fesch aus mit ihrem vom Schnee leicht ergrauten und im Winde wehenden langen Haar. Aber natürlich wäre sie nicht die stolze Birke, die hier in meinem Blog bereits so oft einen Platz gefunden hat, wenn sie nicht wüsste, wie sie sich auch unter solchen Extrembedingungen noch vorteilhaft ins Bild setzen kann. So machte sie doch glatt aus Dieters stürmischem Gehabe noch eine Tugend.

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Irgendwann im Laufe des späten Nachmittags hatte Frau Holle dann nichts mehr zu bieten. Da reichte sie den Staffelstab einfach an die Regentrude weiter und so kam es, dass wir am Mittwoch einen Eintagswinter hatten, denn Trude wusch allen Schnee hemmungslos wieder fort und ließ so diesen Eintagswinter am Abend einfach still und leise sterben. Naja, ging ja auch nicht anders, sonst wäre er ja kein Eintagswinter gewesen. Aber selbst ein Eintagswinter hat irgendwie was. Wenigstens konnten wir mal wieder kurz sehen, dass auch dem Norden durchaus so ein keckes Schneemützchen ganz gut steht.

So fragten gestern Morgen unsere Jungspunde, als sie sich zu ihrem kleinen Reviergang aufmachen wollten. Die Welt sah so anders aus. Wo kam das plötzlich her, was da so kalt vom Himmel fiel?

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Staunend standen sie im Wintergarten und betrachteten ihre kleine Gartenwelt, die über Nacht den Hauch eines weißen Kleides angezogen hatte. Sonst sind die beiden immer wie der Wind draußen. Gestern stockte ihnen nicht nur der Atem von der kalten Luft, auch die Beine waren plötzlich starr und wollten nicht hinaus in den Garten. Eigentlich kannten sie doch vom letzten Winter her bereits Schnee. Ob sich diese Erinnerung über Sommer ganz einfach in Luft aufgelöst hat und ihren Köpfen wieder entwichen ist? Sie staunten, als würden sie das alles das erste Mal sehen.
Wir Silberdistels staunten aber auch nicht schlecht, als wir früh zum Fenster hinausblickten, das müssen wir der Ehrlichkeit halber schon zugeben. So früh fällt speziell hier an der Küste selten der Winter über uns her. Da darf man dann schon ein bisschen staunen. Also wollen wir es auch unseren Katzen zugestehen, sich ein wenig wundern zu dürfen.

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Trotz aller Wunderei hatte ich es doch tatsächlich noch rechtzeitig geschafft, die üblichen Wintervorbereitungen für unsere gefiederten Gartengäste zu treffen. Vor wenigen Tagen erst hatte das „Gasthaus zur Silberdistel“ gezwungenermaßen die Wintersaison eröffnet und die Körnerbar bestückt. Hatten mich doch Millionen von Spatzen, die schon seit Tagen unseren Garten bevölkerten, regelrecht genötigt, nun endlich Tor und Tür unseres Vogelgasthauses zu öffnen. Ob die Vogelschar da schon wusste, dass der Winter so zeitig über uns herfallen würde? Wie gut, dass ich die Vogelsprache doch irgendwie ein wenig zu deuten wusste. Wie? Ja, okay, ich habe nichts gedeutet, die Federbälle haben mir einfach die Pistole auf die Brust gesetzt und da konnte ich nicht anders. Jaja, ich geb’s ja zu.

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Naja, jedenfalls schien es so, ob gezwungen oder nicht, als wäre ich gut vorbereitet, als gestern Morgen die Körnerbar mit einem weißen Mützchen brillierte. Wer hätte das gedacht? Na gut, die Vögel haben es wohl gedacht. Aber ich? Nein! Es hängt noch viel Laub an Bäumen und Sträuchern und die Cosmeen hatten sich gerade noch auf den Weg zur Blüte gemacht. Ich wollte endlich noch ein bisschen Herbst genießen, bunte Blätter und die Cosmeen, die wollte ich auch noch blühen sehen. Aber zumindest die Cosmeenblüten werde ich nun wohl vergessen können.

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Da stand ich nun und schaute hinaus auf meine eingeschneiten Cosmeen und auf all das, was ich noch im Garten tun wollte – vor dem Wintereinbruch. Vor mir saßen die Katzen, blinzelten hoch in die fallenden Flocken, ansonsten aber schienen sie festgewachsen. Sie überlegten wohl noch immer, ob sie sich hinaus getrauen konnten. Es dauerte eine ganze Weile, bis unsere beiden Jungspunde Mut fassten und hinaus in den kalten und nassen Garten stiefelten.

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Unsere graue Eminenz staunte auch über das kalte Weiß, allerdings hatte sie schneller ihre Fassung zurück. Sie schritt ziemlich schnell und beherzt als erste in die weiße Welt. Da ihr nichts Unangenehmes zu passieren schien, stürzten sich bald auch Torty und Keks ins Schneevergnügen. Es wurden aber immer nur kurze Ausflüge in die neue Gartenwelt. Nasse UND kalte Pfoten waren dann doch nicht so ihr Ding.

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Keks ging bald einem anderen Vergnügen nach – einem, das nicht ganz so nass und kalt war. Er nahm auf der weichen Fußmatte im Wintergarten Platz und hatte so zumindest ein trockenes und einigermaßen warmes Popöchen. Dabei hielt er die Nase in die winterliche Luft und konnte so von einem angenehmen und bequemen Sitzplatz aus seine über Sommer gesammelten ornithologischen Grundkenntnisse erweitern.

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Die Blaumeise hatte allerdings nur bedingten Respekt vor dem pelzigen Vogelforscher. Sie getraute sich zwar nicht ins Futterhaus, das stand ihr dann wohl doch zu nah am Beobachtungsplatz des vierbeinigen Ornithologen, aber an der Knödelstation fühlte sich der kleine Federball scheinbar recht sicher und von hier aus hatte Frau Meise den Beobachter mindestens so gut im Blick wie er sie. Und im Falle der Fälle kann sie schließlich fliegen, unser Keks leider nicht, auch wenn er das mitunter denkt.

Das waren unsere ersten Wintererlebnisse dieser Saison. Wir hoffen, Ihr hattet auch welche der eher netten Art.
Zum Glück sind auch unsere vierrädrigen Helferlein bereits winterbereift, sodass wir gestern auch keine Panik haben mussten, als wir bei dem Wetter noch hinaus auf die frühwinterlichen Straßen mussten. Wenn Ihr ebenfalls hinaus musstet, will ich hoffen, dass auch Ihr wieder gut und heil daheim gelandet seid.

Was ich alles so während meiner kleinen Blogpause gemacht habe? Naja, dass ich gelesen habe, das hatte ich ja schon erzählt. Und dass ich viel im Garten gewerkelt habe, das hatte ich ebenso bereits erwähnt. Und dann, dann war da noch diese Sache mit dem Mittelpunkt der Erde, den ich, wie Keks meinte, entdecken wollte. Na, und bei einer solch wichtigen Angelegenheit konnte er doch nicht außen vor bleiben …

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„Was macht die Silberdistel da im Garten? Sie buddelt und buddelt und hört überhaupt nicht mehr auf. Ob sie den Mittelpunkt der Erde sucht? Den will ich auch sehen. Die Silberdistel hatte da neulich nämlich ein Buch, auf dem was vom Mittelpunkt der Erde stand. Daraus hat sie bestimmt gelernt, wie man den findet und nun, nun buddelt sie nach ihm. Boahhh, ist das spannend!“

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„Warum hast Du das Loch hier zugedeckt, Silberdistel? Ich will auch sehen, was Du darunter versteckt hast.“

„Unter der Folie ist nur Erde versteckt, mein Keks.“

„Nee, Silberdistel, ich hab Dich durchschaut, Du willst den Mittelpunkt der Erde entdecken. Ich hab‘ gesehen, wie Du neulich ganz interessiert in das Buch geguckt hast, in das mit dem Mittelpunkt der Erde.“

„Nein, Katerchen, bis zum Mittelpunkt der Erde müsste ich noch viel, viel weiter graben. Das wäre mir dann doch zu mühsam.“

„Ich hab’s, Silberdistel, Du baust uns ein neues Freiluftkatzenklo. Aber Du denkst schon daran, dass da noch Sand rein muss, ja?“

„Nein, Keks, das wird auch kein neues Freiluftkatzenklo.“

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„Dann setz ich mich jetzt hier hin und beobachte Deine Buddelei, Silberdistel. Und wenn Du doch zum Mittelpunkt der Erde willst, dann sehe ich das sofort und dann musst Du mich mitnehmen. Du weißt doch, ohne mich geht hier gar nichts.“

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„Jaja, Katerchen, dann lass Dich mal überraschen. Aber es könnte noch ein Weilchen dauern.“

„Brrrrpuhhh, brrrrpuhhh …“

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„Na, das ist mir vielleicht ein aufmerksamer Beobachter. Er sitzt noch nicht einmal richtig auf seinem kleinen Thron und schon fallen ihm die Augen zu.“

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„Wie? Was hast Du eben gesagt, Silberdistel?“

„Du sollst nicht ganz von Deinem Thron fallen. Das hast Du wohl gar nicht gemerkt, dass Du eben mit dem Pöpöchen abgerutscht bist, oder? Pass bloß auf, dass Du nicht noch weiter  nach hinten rutscht. Am Ende bist Du schneller am Mittelpunkt der Erde, als Du dachtest, Katerchen.“

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„Wie? Was für ein … Mittelpunkt … der … der … Erde? Brrrrpuhhh … puhhh …“

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„Heh, Katerchen, aufwachen!!! Das Spannendste hast Du schon verpasst – nämlich den Mittelpunkt der Erde.“

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„Was? Warum hast Du mich nicht geweckt, Silberdistel?“

„Katerchen, Du hast so schön geschlafen. Da konnte ich Dich doch nicht einfach wecken. So haben Herr Silberdistel und ich den Mittelpunkt der Erde allein angeschaut und dann haben wir schnell alles mit Wasser aufgefüllt.“

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„Schau mal, was hier entstanden ist, als Du tief und fest geschlafen hast.“

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„Silberdistel, Ihr seid gemein, habt den sicher wunderschönen Mittelpunkt der Erde einfach mit Wasser zugeschüttet. Ich wollte ihn doch auch sehen.“

„Tja, Keks, wenn Du den nun sehen willst, dann wirst Du wohl tauchen müssen. Aber wie ich Dich kenne, ist das mit dem Tauchen ganz sicher kein Hinderungsgrund. Torty und die graue Eminenz hätten damit schon eher ein Problem.“

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„Ich weiß noch, wie entsetzt die beiden Damen geguckt haben, als es der Wettergott Ende April hier bei uns wieder einmal zu gut mit dem Wasser meinte, das er über uns ausschüttete. Da hatten wir ja nicht zum ersten Mal in unserem Garten die Mecklenburgische Seenplatte en miniature.“

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„Wie schnell die beiden Katzendamen doch damals wieder hinein ins Trockene wollten.“

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„Nur Du, Kekschen, warst eine Weile länger in der nassen Landschaft verschwunden. Guck mal, dort, wo der Pfeil hinzeigt, dort ist nun unser neues Teichlein. Das passt doch perfekt. Und wenn es dann wieder einmal etwas zuuuu viel regnet, dann haben wir, zumindest scheinbar, den ganz perfekten Wassergarten. Bin ich nicht furchtbar klug, Katerchen? Nicht jeder kann aus einer Überschwemmungsnot eine Tugend machen.“

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„So, Katerchen, ein paar Rest- und Verschönerungsarbeiten an unserer Seenplatte sind noch zu machen. Dabei hilfst Du mir doch bestimmt und verschläfst nicht wieder den spannendsten Teil, oder? Katerchen? Katerchen? Wo bist Du plötzlich?“

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„Pssssst, Silberdistel, sei still! Ich hab‘ zu tun!“

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„Was hast Du denn … zu tun, Katerchen? Nee, ne? Katerchen, die steht unter meinem ganz persönlichen Schutz.“

„Ich pass ja nur auf sie auf, Silberdistel. Du machst das neue Teichlein fertig und ich erzähl‘ der Amsel schon mal, wo der neue Badeteich ist.“

Eigentlich hatten wir gedacht, wir könnten am Sonntag so richtig schön ausschlafen, d.h., wenn unsere Katzen das zulassen würden. Aber vielleicht hatten sie Mitleid mit ihrem Personal, das ihnen gewöhnlich Tag für Tag fast rund um die Uhr zur Verfügung steht und ihnen jeden noch so kleinen Wunsch von den Augen abzulesen versucht. Ja, wir versuchen es, in den Katzenaugen zu lesen. Ob das immer 100 %ig gelingt, das steht auf einem anderen Blatt. Aber darüber reden wir jetzt nicht. Das wäre, wie sagte doch Fontane schon? Richtig, das wäre ein weites Feld. Aber zurück zu unserem Ausschlafwunsch vom Sonntag. Wir Silberdistels schlummerten, fein bis über die Ohren zugedeckt, damit wir nicht am Ende doch noch ein leises Maunzen zu früher Stunde vernehmen mussten. Ich träumte, dass ich schlief – tief und fest. Und plötzlich setzte in meinem Traum ein wahres Trommelfeuer ein. Irgendwer hämmerte lauter und lauter an unsere Schlafzimmertür. Nein, nein und nochmals nein, ich würde nicht wach werden. Doch das Hämmern ließ nicht nach. Was lärmte hier nur so furchtbar? War irgendetwas passiert? Brannte unser Haus und ein Feuerwehrmann pochte an unsere Schlafzimmertür? Aber warum kam er dann nicht hinein? Wir schließen doch gewöhnlich nicht ab. Oder war es am Ende eine Katze in Not, die wie wahnsinnig an die Tür trommelte? Allmählich dämmerte ich fort aus meinem Traum und das Geräusch verwandelte sich vom Türpochen in ein Fenstertrommeln. Kein Feuerwehrmann weit und breit, kein Brandgeruch stieg mir in die Nase und auch von einer an die Tür hämmernden Katze war nichts zu vernehmen. Kein panisches Maunzen zum Trommeln. Nur dieses eklig laute Geräusch, das, wie mir jetzt schien, von den Dachfenstern zu mir rüber drang. Was war das nur, das da unseren Schlaf so überaus unfreundlich störte? Inzwischen war wohl auch mein Herr Silberdistel aus seinem Schlummer in den frühen Sonntag gerissen worden. Ich hörte neben mir ein schlaftrunkenes: „Was ist das denn?“ Derweil ein wenig wacher konnte ich sogar schon wieder minimal denken und fragte: „Hagelt es oder was ist das?“ Ich kam mir verdammt unausgeschlafen vor, rappelte mich dennoch hoch und wankte zum Fenster, von dem aus es immer noch heftig trommelte.

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Als ich dann aus dem Fenster schaute, hörte ich doch tatsächlich jemanden ganz frech rufen: „April, April …!“, und dann prasselten zu den bereits reichlich vorhandenen weitere viele kleine weiße Kugeln auf das Dachfenster. Was war das für ein Scherzkeks, der da eben gerufen hatte? War das etwa der Herr April persönlich? Träumte ich denn immer noch? Verwundert blickte auf das Dach unterhalb des Fensters.

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Fröhlich purzelten die weißen Kugeln vom Fenster aus die Dachschräge hinunter, drängten und schubsten sich gegenseitig und blieben schließlich kichernd als fette weiße Streifen auf den Dachziegeln liegen. Durch den kalten Luftzug am Fenster war ich etwas wacher geworden und mein Gehirn bemühte sich, von der Sparflammenschaltung herunterzukommen. Immerhin konnte es mir in einem lichten Moment mitteilen, dass in der Tasche dort drüben auf dem Stuhl meine kleine Kompaktkamera stecken müsste. So wankte ich also zur Tasche und kramte das Knipsding hervor. Ein Täter- oder/und Tatortfoto konnten sicher nicht schaden. Wer weiß, wozu das noch gut sein könnte. Bloß … hm, wo war er nur, der da eben noch gerufen und säckeweise Gefriergut auf unser Dach geschüttet hatte? Er war verschwunden, als ich erneut am Dachfenster auftauchte. Oder war das alles nur Einbildung oder gar Traum gewesen? Wahrscheinlich aber war er ganz einfach bereits zum nächsten Tatort geeilt, um weitere noch wonniglich in den Federn Ruhende am heiligen Sonntagmorgen um 6.00 Uhr früh aus dem Schlaf zu trommeln. Egal jetzt, mir war noch nach einer Mütze voll Schlaf zumute und meinem Herrn Silberdistel auch, wie ich sehen konnte. Er schlummerte schon wieder tief und fest.
Gut 1  1/2 Stunden später weckten mich leise Kratzgeräusche an der Tür und ein erst vorsichtig klingendes, dann immer energischer werdendes, Mauuuu drang an mein Ohr. Oh, die Herrschaft hatte Hunger. Aber immerhin hatte sie uns nach dem Schreck in der frühen Morgenstunde noch ganz schön lange schlafen lassen. Also, raus aus den Federn!
Bald darauf waren wir Silberdistels frisch geduscht und gekämmt und die Katzen sonntäglich gestriegelt und gebügelt. Wenig später waren auch noch die drei pelzigen Bäuchlein mit einigen leckeren Frühstückshappen gefüllt, der Tag konnte also beginnen – mit dem üblichen Rundgang durch den Garten.

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Doch was lag da auf der Fußmatte? Igitt! Lauter kleine eisige Bällchen hatten es sich dort bequem gemacht. Während die Katzen irritiert in ihren Garten starrten, schaute ich, ob der freche April im Morgengrauen nicht am Ende gar all meine Blumen zunichte gemacht hatte.

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Erleichtert stellte ich fest, dass durch den morgendlichen Trommelwirbel augenscheinlich nichts Blumiges zu Schaden gekommen war.

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Während ich so in die Runde blickte, tat es mir Keks gleich. Er ließ sich zwei Schritte von der Wintergartentür entfernt im Garten nieder und schaute wie ich in die feuchtkalte Natur. Unsere weise graue Katzendame steckte nur kurz die Nase raus und verschwand dann gleich wieder im Haus.

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Torty inspizierte mit spitzen Pfoten den nahen Gartenstuhl und die kleinen kalten, inzwischen schon etwas wässrigen, Kugeln darauf.

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Und dann werkelte plötzlich der Herr April wieder los – dieses Mal hatte er Schnee im Gepäck. Katzen und Silberdistel eilten hinein und verbrachten den Rest des Tages lieber im Haus, denn draußen gaben sich Schnee und Regen im Wechsel die Hand und winterlich kalt war’s auch – mehr die Zeit, um am warmen Öfchen zu sitzen, ein Märchenbuch zu lesen und sich mit einem heißen Kakao warmzuhalten. So verging der Sonntag dann doch noch ganz gemütlich und am Ende waren auch Schnee und Eiskügelchen wieder verschwunden – so, als wäre nichts gewesen.

Es flog gestern Morgen kurz nach 9.00 Uhr über unser Haus hinweg – bei recht stürmischem Wetter. Das, wo sich die Kraniche durchkämpfen mussten, war grau und hässlich. Immer wieder wurden die Formationen, die ohnehin jeweils nur aus 8 bis 15 Vögeln bestanden, durch heftigen Gegenwind auseinander gerissen. Mitunter schienen sie gar nicht vorwärts zu kommen. Dann ließen sie sich im reinen Segelflug höher und höher tragen, um kurz darauf doch wieder in tiefere Regionen hinabzutauchen. Der starke Wind, der schon fast Sturmcharakter trug, machte ihnen offensichtlich in fast allen Höhen die gleichen Probleme. Ich beobachtete das eine Weile aus unserem Dachfenster und beschloss dann doch noch, die Kamera zu holen. Zunächst hatte ich gedacht, die Kraniche würden so schnell vorübergezogen sein, dass sich ein Gang zum Fotoapparat eine Etage tiefer nicht lohnen würde.  Doch dieses Mal waren die Vögel im Gegensatz zu sonst wegen der gewaltigen Luftbewegung eher betulich unterwegs.
Wer also gedacht hat, die Vögel des Glücks sind schon lange, lange fort, den muss ich jetzt dann doch enttäuschen. Einige von ihnen sind immer noch hier und ich empfand sie am gestrigen Tag als ein ganz besonderes Nikolausgeschenk. Auch wenn die Fotos wegen des grauen Tages und der noch dazu relativ frühen Stunde nicht gerade prächtig geworden sind, schön war der Anblick der großen Vögel für mich trotzdem. Unlängst las ich, dass noch etwa 40 000 Kraniche hier bei uns ausharren sollen. Ein paar davon habe ich dann gestern wohl noch einmal bewundern dürfen. Kraniche im Dezember – fast nicht zu glauben, aber ich schrieb es bereits in einem Kommentar zu einem anderen Post, es ist für uns, die wir auf ihrer Zugroute wohnen, nicht unbedingt ein Anblick, der nur alle Jubeljahre vorkommt. Ich habe sie auch schon im Januar über unser Haus hinwegfliegen sehen. Angeblich harren die Kraniche momentan hier bei uns wegen des ständigen starken Gegenwindes, der ihnen ihre lange Reise nur unnötig schwer machen würde, noch aus. Zu kräftezehrend würde ein solcher Flug sein. Ja, so gibt es hier heute noch einmal die Vögel des Glücks zu sehen – mein ganz besonderes Nikolausgeschenk, das ich gern mit Euch teile.

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… und mit ihrer Liebeserklärung an ihn hat sie bei mir genau den richtigen Nerv getroffen. Unlängst bekam ich von einem anderen Nordlicht den Link auf das nachfolgende YouTube-Video zugeschickt. Er wusste, dass ich mögen würde, was ich dort sehen und hören würde.

Frech und zugleich liebevoll kommt Mona Harry mit ihrem Liebesgedicht für unsere feuchte, neblige, oft gnadenlos stürmische und endlos weit und platt erscheinende Gegend daher. Einer Nordländerin wie mir, die bis auf ganz wenige Jahre ihr Leben  dort verbrachte, wo gern Sturm und tobende Meereswellen das Sagen haben, wo im Winter mehr Nebel, Regen und Schneematsch die Welt regieren als eine im wunderweißen Schneekleid idyllisch versunkene Welt, spricht Mona Harry mit ihrem Gedicht  sehr aus dem Herzen. Sicher bin ich auch gern in den Bergen, aber immer wieder hat es mich bisher zurück in den Norden gezogen, in eine Gegend, in der ich mich überaus wohl und zuhause fühle. Und genau darum hat diese wunderhübsche Liebeserklärung hier bei mir heute einen Platz gefunden. Ich könnte es nicht besser sagen. Auch wenn ich meinem Norden mit etlichen Texten und Bildern hier in meinem Blog bereits viele, viele Male meine Liebe zu Füßen gelegt habe, Mona Harrys Gedicht setzt meiner Liebe zu dieser Gegend das berühmte i-Tüpfelchen auf. Bei ihrem Gedicht geht mir ganz einfach das Herz auf. Als Illustration zu Mona Harrys Worten gibt es von MEINEM Norden, der sicher noch ein wenig anders ist als der, den Mona so sehr mag, eine kleine Bilderauswahl – eine Bilderauswahl aus dem östlichen Teil des Nordens.

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