Archiv für die Kategorie ‘Geschichten’

Der Winter steht mit Kälte, Schnee oder hier im Norden vielleicht auch nur wieder, wie so oft, mit Schneematsch vor der Tür.  Vielleicht ist es da gar nicht so übel, gedanklich noch einmal zurück in den vergangenen Sommer zu wandern und ein wenig Wärme und Sonne nachzutanken, auch wenn der zurückliegende Sommer damit eigentlich ziemlich gegeizt hat. Dennoch machen sommerliche Gedanken und das eine oder andere Bild aus dieser Zeit ganz bestimmt die kalten Füße und vielleicht auch das Herz ein wenig wärmer. Na, und um Herzen geht es hier so ganz nebenbei auch noch.

Und andererseits passt dieser Beitrag so oder so gut in diese Zeit, in die Zeit des Backens und Schlemmens.  Gut, es handelt sich nicht gerade ums weihnachtliche Plätzchenbacken oder um den berühmten Gänsebraten, der gern zu Weihnachten auf den Tisch kommt. Es geht um Brot – um Brot aus Sauerteig.

Unsere Enkeltochter verbrachte, wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnte, einen Teil ihrer Sommerferien bei uns Silberdistels. Natürlich gaben wir uns Mühe, diese Ferientage möglichst abwechslungsreich und spannend zu gestalten, sollten sie unserem Ferienkind doch in guter Erinnerung bleiben. So hatten wir an einem Mittwoch im August einen Ausflug nach Klockenhagen ins dortige Freilichtmuseum geplant.
Wir Silberdistels hatten bei einem früheren Besuch in dem Bauernmuseum unweit der Ostseeküste erfahren, dass dort neuerdings auch fleißig gebacken wird. Diese Brotbacktage sind in erster Linie für Kinder gedacht. Aber ich habe gemerkt, auch als vielleicht im Backen schon ein wenig geübter Zaungast kann man noch eine ganze Menge dazulernen.

Wir waren spät dran an jenem Tag, als wir uns auf den Weg zum Klockenhagener  Backhaus machten. Der Straßenverkehr hatte uns doch glatt einen dicken Strich quer durch unsere, wie wir dachten, so gut kalkulierte Rechnung gezogen. Wir wollten lange vor 10.30 Uhr in Klockenhagen sein, sollte doch zu dieser Zeit bereits der Brotbacklehrgang für die jungen Bäcker in spe beginnen. Gewöhnlich sichert rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze. Kurz vor besagter Urzeit schneiten wir ziemlich entnervt endlich durch den Eingangsbereich des Freilichtmuseums. Das mit den besten Plätzen dürfte wohl derweil gegessen sein.

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Eilig hasteten wir weiter durchs Freilichtgelände, vorbei an dem alten Backofen, der uns die Richtung zum eigentlichen Backhaus vorgab.

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Dann der letzte Fingerzeig …

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… und das Backhaus lag vor uns – bereits, wie zu vermuten war, von zahlreichen Backwilligen und Zuschauern umschwärmt.
Für die erste Backrunde waren wir leider tatsächlich zu spät dran. Da fielen mir doch glatt wieder einmal Gorbatschows Worte mit dem Zuspätkommen ein. Nun gut, bestraft wurden wir zum Glück nicht. Das waren wir eh schon durch die bummelige Autofahrt, die fast doppelt solange gedauert hatte wie geplant. Doch der Bäcker beruhigte uns. Es wäre genug Teig für alle vorhanden. Wir müssten uns lediglich ein kleines Stündchen gedulden. Erst dann würde sich die zweite Gruppe der kleinen Bäckerlehrlinge an die Arbeit machen können.
Okay, wenigstens hatten wir uns nicht total umsonst auf den Weg gemacht. Das wäre dann doch sehr ärgerlich gewesen, auch wenn wir uns in Klockenhagen sicher nicht gelangweilt hätten. Zu sehen gibt es dort immer allemal genug. Aber dieses Mal galt unser Besuch ja einem ganz besonderen Ereignis. Es wäre dumm gewesen, hätten wir unsere Enkeltochter enttäuschen müssen.

Die eine Stunde verging schließlich fast wie im Fluge. Das Zuschauen allein war schon enorm spannend und äußerst lehrreich. Und irgendwie sah auf den ersten Blick alles kinderleicht aus.

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Dann endlich war es soweit. Die nächste Gruppe von Bäckerlehrlingen durfte sich in Vorbereitung auf ihre Arbeit mit dem Brotteig die Hände waschen, eine schicke weiße  Schürze umbinden und sich einen Platz am gut bemehlten Tisch des Geschehens aussuchen.

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Der Herr und Meister über den Sauerteig, aus dem ein lecker duftendes Brot entstehen sollte, hatte bereits für jeden Lehrling einen Batzen Sauerteig abgewogen und ihn zur weiteren Bearbeitung durch die jungen Bäckerlehrlinge bereitgelegt.

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Und dann ging’s los. Der Meister erklärte den Kindern sehr anschaulich, wie das, was vor ihnen lag, noch bearbeitet werden müsste, damit daraus am Ende ein richtig gutes Brot entstehen könnte.
Bisher war ich der irrigen Annahme gewesen, dass Falten mehr zu Papier oder vielleicht noch zu Handtüchern oder Tischwäsche gehört. Doch man lernt nie aus. Auch Brotteig kann gefaltet werden.

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Besser gesagt:  Brotteig möchte sogar gefaltet werden.  Durch das Falten, eine spezielle Art des Teigknetens, bekommt der Brotteig erst die richtige Struktur und Konsistenz.
Dann war die Arbeit der Bäckerlehrlinge gefragt. Sie falteten, kneteten und drückten fleißig nach, was ihr „Vorturner“ ihnen vormachte – einer war dabei eifriger als der andere.

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Nachdem der Teig viele, viele Male so bearbeitet worden war, war er fast ofenreif. Ein paar Handgriffe vom Meister seines Faches fehlten allerdings noch. Er gab dem Teig schließlich die vollendete Brotform. Auch das sah wieder kinderleicht aus.
Aber wer sich selbst schon einmal an einem eigenen Brot versucht hat, wird wissen, so kinderleicht ist es nun doch nicht. Ich fand es faszinierend, was die Hände des Fachmannes vor unseren Augen aus dem Teigbatzen schließlich zauberten.

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Die Kinder durften zwischen einem länglichen Brot, einem runden oder einem Brot in Herzform wählen. Nicht nur unsere Enkelin wünschte sich spontan ein Herzbrot. So konnten wir mehrere Male die Kunstfertigkeit des Bäckers beim Formen eines herzigen Brotes beobachten. Das allein war schon fast den Ausflug nach Klockenhagen wert.

Und dann war noch einmal die Arbeit der Kinder gefragt. Damit am Ende auch jeder das von ihm selbst vorbereitete Brot bekam, musste der Teigrohling natürlich noch gekennzeichnet werden.
Aus einem weiteren kleinen Stückchen Teig sollte zunächst eine Rolle und daraus der Anfangsbuchstabe des Namens des jungen Bäckerlehrlings geformt werden.

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So wurde noch einmal fleißig herumgeknetet, gerollt und geformt. Der Meister befeuchtete, während die Kinder angestrengt an ihrem Namenskürzel arbeiteten, die Herzen, länglichen und runden Brotrohlinge ordentlich mit Wasser. Danach konnte der jeweilige Buchstabe kinderleicht auf das Kunstwerk aus Sauerteig geklebt werden.

Schließlich konnten die jungen Künstler ihrem Kunstwerk noch mit etwas draufgestaubtem Mehl oder mit ein paar Körnern den letzten Schick verleihen. Einige Kinder deuteten das ETWAS allerdings sehr großzügig, sodass es nur so staubte.
Dem Meister blieb ihm ersten Moment beim Anblick der unter Mehlbergen verschwindenden Teigrohlinge fast die Spucke weg.  Doch er fasste sich schnell wieder und erklärte, wie zart doch Frau Holle die Schneeflocken fallen lassen würde. Und genauso zart müsse man auch Mehl oder Körner über das Brot streuen. Das nun wiederum war einleuchtend. Wer wollte nicht gern neben einem Bäcker auch noch Frau Holle sein, und so rieselten sacht Mehl und Körner aus Kinderhänden auf teigige Herzen und Co.

Damit waren fast alle Arbeiten geschafft. Die letzten Handgriffe blieben dann aber doch dem Meister dieses schönen Handwerks vorbehalten, schließlich wollten wir am Ende der anstrengenden Bäckerlehre, die kinderleichter aussah als sie ist, ein fertig gebackenes Brot mit nach Hause nehmen. Die Brote mussten also noch in den Ofen.

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Und schon klappte die Backofentür vor unseren Augen zu. Nun war Warten angesagt. In etwa einer Stunde würden wir das erste selbst gefaltete und selbst gestaltete Brot unserer Enkelin abholen können.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einem kleinen Rundgang durch das Museumsdorf. Ich sprach währenddessen mit Hühnern und Blumen, und unsere Enkeltochter versuchte sich im Balancieren von Eiern über ein langes Holzbrett, auf dem viele kleine Hindernisse angebracht waren, die das Ei, möglichst ohne vorzeitigen Absturz, zu überwinden hatte. Natürlich habe auch ich probiert, ein Ei – zum Glück eine Plastik-Attrappe – sicher ins Ziel zu bringen. Die Sache war gar nicht so einfach. Aber während wir uns in dieser Kunst übten und übten und übten, war die Stunde ruckzuck vorbei.

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Derweil durch Arbeit, Spaß und Spiel schon etwas hungrig, eilten wir zurück zum Backhaus. Und da warteten sie schon auf uns – die frisch gebackenen lecker duftenden Brote.

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Beim Anblick der vielen köstlichen Brotlaibe knurrte der Magen gleich noch lauter als ohnehin schon. So kauften wir im Bäckerladen nicht nur noch ein weiteres Brot, sondern auch gleich noch einige Stückchen leckeren Kuchens, den wir fast im Stehen an Ort und Stelle hinunterschlangen. Er war einfach köstlich – so köstlich, dass es nicht einmal ein Foto von ihm gibt. Zu gierig waren wir auf diese leckere Köstlichkeit. Da rief tatsächlich erst der Magen nach seinem Recht. Die Fotografin in mir hatte keine Chance.

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Und hier ist es –  das herzige Kunstwerk unserer Enkelin. Okay, das gemeinsame Kunstwerk mit dem Herrn und Meister in Weiß. Es war übrigens nicht nur hübsch, es war auch lecker, wie wir Silberdistels später hörten. Angeschnitten wurde es nämlich erst einige Tage später, als Mama, Papa und Bruderherz auch davon kosten konnten.

Aber wir Silberdistels hatten ja noch ein weiteres Brot mitgenommen – eines zur sofortigen Verkostung. Wir hatten also eine sehr genaue Vorstellung davon, wie lecker dieses Herzbrot schmecken würde.

Und schon ist er da – der 2. Advent. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Advent hat es in diesem Jahr besonders eilig. Geradezu in Riesensprüngen scheint mir der 2. seinem älteren Bruder nachgeeilt zu sein. Aber was soll’s, wir müssen die vier Brüder nehmen, wie sie kommen – ob schnell oder langsam.

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Übrigens hatte es mein Weihnachtkaktus (Schlumbergera) auch wieder einmal sehr eilig. Er konnte sich mit seinen roten Blüten so gar nicht bis zum Weihnachtsfest gedulden. Aber von ihm bin ich es schon gewohnt, dass er bereits spätestens im November die Weihnachtszeit mit seinen roten Blüten einläutet. Zum eigentlichen Weihnachtsfest dann steht er schon wieder ganz entspannt und in reinem Grün da.
Gewöhnlich verschläft er so die Weihnachtstage und auch zu Beginn des Jahres hält er sein kleines Winterschläfchen noch durch. Doch dann, zu Ostern, gibt er noch einmal eine kleine Vorstellung in Rot, wenn auch etwas verhaltener als jeweils zum Jahresende.
Anfang November war er auch in diesem Jahr wieder startklar für sein rotes Blütenkleid. Trägt er nicht ein schönes Weihnachtsrot? Ob er so ein Frühstarter ist, weil er in all dem Rot, das gewöhnlich mit dem Weihnachtsfest daherkommt, nicht untergehen will?

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Dieses Jahr habe ich ihn natürlich wie immer ausgiebig bewundert, gehegt und gepflegt und ihm viele liebe Worte zukommen lassen. Ja, ich bin eine, die nicht nur mit ihrem Herrn Silberdistel und ihren Tieren spricht, ich bin eine von denen, die auch mit  ihren Blumen spricht  😉 Aber manche Blumen hören einfach nicht auf mich. Sie haben ihren eigenen Kopf und tun einfach das, was SIE wollen. So auch dieser Weihnachtskaktus. Meine Bitte, all die Blütenpracht wenigstens ein einziges Mal erst ab der Adventszeit zu zeigen, bleibt seit Jahren ungehört.

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Aber einmal möchte ich auch zu Weihnachten einen blühenden Weihnachtskaktus bewundern dürfen. Sein Name sollte doch schon Grund genug sein, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Aber wer nicht hören will, der muss fühlen 😉 Und so habe ich meinen Frühstarter ganz einfach überlistet. Ich habe ihm still und leise einen zweiten Kumpel an die Seite gestellt. Und der, der beginnt nun gerade damit, seine Blütenpracht zu entfalten 😉

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Da er noch diverse Knospen hat, hoffe ich, dass er mich auch am Heiligabend noch mit einigen seiner hübschen Blüten erfreut. Ich bin gespannt.
Vor allen Dingen bin ich aber gespannt, ob auch dieser Weihnachtskaktus sich im kommenden Jahr zu einem solchen Frühstarter entwickelt oder ob er der eigentliche Weihnachtskaktus sein wird. Ich werde berichten 😀

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Und mit diesem blumigen Adventsgruß wünschen sowohl die zwei zwei- als auch die drei vierbeinigen Silberdistels allen, die heute unser Adventstürchen öffnen und zu uns hineinschauen, …

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… einen wunderschönen und ganz geruhsamen zweiten Advent.

Wie gut, dass zumindest einer unserer Nachbarn gewöhnlich sehr zeitig mit seiner Weihnachtsdekoration beginnt. Als grobe Orientierung ist so ein Frühstarter gar nicht so übel. Auf jeden Fall habe ich durch ihn schon mal eine leichte Ahnung davon, dass es auch in diesem Jahr wieder einen 1. Advent geben wird. Gefühlt hätte ich auch dieses Mal noch Wochen Zeit haben müssen bis zum Anzünden der ersten roten Kerze. Doch dann steht das erste Adventswochenende trotz aller Vorwarnung wieder einmal ganz plötzlich und unerwartet vor der Tür. So grübelte ich dann auch gleich angestrengt  ob des an die Tür klopfenden 1. Advents, wo ich wohl zu Beginn des Jahres all das weihnachtliche Dekozeugs verstaut hatte.

Aber während ich gestern tatsächlich noch einmal für letzte Arbeiten in meinem Gärtchen herumwerkelte, wurde mein Kopf an der erstaunlich frischen Luft angenehm frei. Und siehe da, nach und nach tauchten vor meinem inneren Auge all die Versteckplätze auf, an denen die vorweihnachtliche Gemütlichkeit verbreitenden Sterne, Kugeln, Figuren und Häuschen die meiste Zeit des Jahres verbracht haben.

Nach meiner Gartenarbeit inspizierte ich dann auch an den vermuteten Stellen Schränke & Co., und bald darauf war alles im Haus verteilt, um ab sofort seinen unnachahmlichen Weihnachtszauber verbreiten zu können. Nur einer der Adventssterne hatte keine Lust auf Advent. Sein Lichtlein war ihm scheinbar im dunklen Schrank abhanden gekommen. Aber so einfach konnte er mir nicht davonkommen.

Unseren Weihnachtsbaum im Garten schmückt dieses Jahr eine neue Lichterkette. Aus der alten war er derweil herausgewachsen. Die Minikette, die er bisher in der Weihnachtszeit gewöhnlich trug, war nun noch übrig. Ob ich dem Stern damit neues Leben einhauchen könnte? Und siehe da, ich konnte. Der alte Bursche erstrahlte nach einer kleinen Umbauaktion in neuem Lichterglanz und macht uns hoffentlich mit seinem neuen leuchtenden Innenleben noch lange Freude.

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Also, Advent, obwohl Du mich wie jedes Jahr, auch dieses Mal wieder, mit Deinem gefühlt viel zu zeitigen Erscheinen überrascht hast, Du bist willkommen. Wir Silberdistels sind bereit!

Na, und wenn der Winter will, dann darf auch der kommen. Für die gefiederten Gartengäste habe ich gestern auch noch ausreichend gesorgt. Zu Futterhaus und Knödelstation sind im Garten noch ein zusätzlicher Futtersilo und eine zweite Stelle für die Knödelliebhaber gekommen.
Sogar im Vorgarten hat unser Vogelgasthaus so einiges im Angebot. Schließlich sollen die Federbälle merken, dass Weihnachten nicht nur ein Fest für uns Menschen ist. Wenn wir schon reichlich und meistens viel zu viel essen, dann sollen selbstverständlich auch die gefiederten Gäste nicht darben.

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Mein Angebot wurde übrigens sofort fleißig genutzt. Spatzen, Blau- und Kohlmeisen bedienten sich begeistert, und auch mein Rotkehlchen fehlte nicht.

Und dann war da noch ein kleines Vögelchen, das ich zunächst für eine Kohlmeise hielt. Erst als sich die vermeintliche Kohlmeise an die Wasserstelle setzte, konnte ich sie etwas genauer betrachten. Das war doch …, das war doch keine Kohlmeise. Dieser lange weiße Nackenfleck, der fast wie ein Scheitel wirkte, gehörte doch einer ganz anderen Meise. Dort saß eine Tannenmeise in meinem Garten – ein eher seltener Gast hier bei mir. Umso größer war meine Freude.

Und um mein Glück vollkommen zu machen, tauchten sogar noch zwei Schwanzmeisen auf. Sie hatten es allerdings sehr eilig. Oder ich war nicht schnell genug. Jedenfalls gelang mir kein Beweisfoto. Aber vielleicht schauen sie irgendwann noch einmal vorbei und ich habe mehr Fotoglück.

So, mit der Gartenarbeit ist es aber jetzt vorbei. Der Rest hat Zeit bis zum nächsten Frühjahr. Nun widmen wir uns in aller Ruhe der Adventszeit. Wir Silberdistels werden’s uns ganz gemütlich machen.

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Unser Keks macht sich schon mal hübsch für den gemeinsamen Adventsnachmittag – mit einer kurzen Katzenwäsche – das muss reichen, wie er meint.

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Unsere beiden Damen wählten für die Schönheit die weniger aufwendige Variante – den Schönheitsschlaf.

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Und wir Silberdistels sind von Natur aus schön. Eigenlob? Okay, okay, aber wir wissen, dass Kaffee schön macht und das eine und/oder andere Plätzchen doch wohl auch 😉

In diesem Sinne macht auch Ihr es Euch gemütlich und habt zusammen mit Euren Lieben einen wunderschönen 1. Advent!

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Ssssssrr sssssrr sssssrr sssssrr sssssrr sssssrr … Was ist denn das für ein Geräusch? Bringt mir etwa ein Bienchen zu dieser späten Jahreszeit noch ein Ständchen? Im Sommer gab es kaum Insekten und nun, nun hat sich eins dieser pelzigen Brummer häuslich in meinem Zimmer eingerichtet?
Langsam wende ich meinen Kopf vom PC-Bildschirm weg in Richtung des sirrenden Geräusches, das vom Fenster zu kommen scheint. Nein, irgendwie muss der Sänger etwas unterhalb des Fensters sitzen. Da, er muss auf der Heizung …
Und schon klappt mir vor lauter Verblüffung der Unterkiefer herunter. Sprachlos blicke ich auf das singende Etwas, das jetzt, nachdem ich es entdeckt habe, noch lauter zu singen scheint. Das auf- und abschwingende Geräusch klingt nun in meinen Ohren auch etwas anders als das feine melodische Summen dieser lustigen pelzigen Insekten aus dem Garten. Dieses Summen hier mit dem leisen r-Kratzer am Ende gleicht mehr einem verzweifelten Hilferuf. Und Hilfe ist wohl in der Tat angesagt. Ganz schlapp und gebrochen hängt der Sänger mit der kratzigen Stimme gerade noch so mit dem  sprichwörtlichen seidenen Faden an seinem Platz. Krampfhaft klammert er sich fest, als wisse er, dass ohne ihn hier nichts, aber auch gar nichts mehr geht. Trotz tiefer Wunde will er weiter seiner Pflicht nachkommen.
Nur … ich befürchte, ihm ist nicht mehr zu helfen. Seine letzte Stunde dürfte gerade geschlagen haben – seine letzte Stunde als derjenige, der lange Jahre zuverlässig über gemütliche Wärme in meinem Zimmerchen wachte. Nun, nun werden wir ihn zur letzten Ruhe betten müssen. Seine Wunde ist zu tief, geht sie doch mitten durch sein Herz. Es schmerzt mich sehr, ihn so sehen zu müssen. Helfen können wir ihm wohl nur noch, wenn wir ihn von seiner Arbeit entbinden, ihn abschrauben von seinem zweiten Ich – vom Heizkörper, mit dem er so viele Jahre eng verbunden war.
Danke, Du Lieber, Du lieber Heizungsthermostat für die vielen Jahre, in denen Du mir immer und genau zur rechten Zeit Wärme und Wohlbefinden geschenkt hast. Mit Deiner Hilfe hatte mein Zimmerchen erst das besondere Etwas – unendliche Gemütlichkeit und ich warme Füße.

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Sieht der arme Kerl nicht echt jammervoll aus – wie er dort so schief, traurig und mit gebrochenem Herzen hängt? Was aber ist ihm nur zugestoßen? So ein Teil bricht doch nicht einfach aus heiterem Himmel ab – ohne fremdes Zutun.
Nachdem Herr Silberdistel den schwer Gebrochenen von seinem Leiden erlöst hatte, mussten wir einen Kollegen des verunglückten Heizungsthermostaten aus dem Ruhestand zurückrufen. Glücklicherweise war der Ruheständler willig, seinen Dienst am Heizkörper noch einmal aufzunehmen.

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Aber wie es so ist mit der etwas älteren Generation, sie steht mehr auf Handfestes und einfach zu Handhabendes. So ist also vorerst wieder meine Mitarbeit angesagt. Was eben noch die moderne Technik wie von allein auf wundersame Weise vollbrachte, muss z. T. nun wieder ich tun, um mein Zimmerchen warm und gemütlich zu halten. Ich muss dem alten Herrn Thermostaten zumindest sagen, wann er schalten und walten soll. Aber er meinte, das würde er hinkriegen. Ausgeruht wäre er ja durchaus. Und wieder einmal eine Aufgabe wäre gar nicht so übel.

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Tja, aber wem der jugendliche vollautomatische Wärmeregulierer diese klaffende Wunde zu verdanken hat, das würden wir Silberdistels nur zu gern wissen.
Einen Verdacht haben wir da schon. Ach, was sag ich? EINEN Verdacht? Es gibt sogar mehrere Verdachtsmomente – pelzige Verdachtsmomente.

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Als ich den ersten … ähem … Verdachtsmoment – die graue Eminenz – mit den nackten Tatsachen konfrontiere und frage,  ob sie nicht versehentlich …. auf den Thermostaten  getreten sein könnte, ernte ich einen empörten Blick. Sie? Mit ihrem Leichtgewicht? Da könne eher ich, die Silberdistel, darüber nachdenken, ob ich nicht auf dem Thermostaten Balanceübungen gemacht hätte, sprach’s und …

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… schaute konsterniert ob dieser haltlosen Verdächtigung zum Fenster hinaus. Für die Beantwortung weiterer Fragen stand die graue Lady nicht mehr zur Verfügung.

Nun ja, ich muss zugeben, sie ist wirklich ein Leichtgewicht. Und große Sprünge macht sie eh nicht mehr. Sie geht alles langsam und ruhig an. Und ihr Forscherdrang ist auch nicht mehr so groß wie einst, schließlich ist sie inzwischen so alt und weise, dass es fast nichts mehr gibt, was sie nicht weiß. Warum also sollte sie plötzlich wissen wollen, wie ein Heizungsthermostat funktioniert und nach seinem Innenleben schauen wollen? Ich glaube, wir können sie bedenkenlos von der  Verdächtigenliste streichen.

Dann wäre da noch ein weiterer Kunde, ein Kunde, der bereits so einiges auf dem berühmten Kerbholz hat. Ich denke da nur an Herrn Silberdistels PCli oder an unseren krallengestylten Fliegenvorhang im Wintergarten. Ich werde den Burschen mal befragen.

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„Hähhh, was, wie, wo? Heizung? Ich hab‘ keine Ahnung, wovon Du sprichst, Silberdistel. Ich hab‘ doch genug mit der Mäusejagd zu tun. Wie sollte ich da noch Zeit haben, um irgendwelche Heizungs …, Heizungs … was(?) zu untersuchen? Auf was für Ideen Du kommst, Silberdistel. So, nun mach endlich die Tür auf, ich hab‘ draußen einen Maustermin“, sprach’s und …

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… machte sich auf und davon in den Garten.

Hm, tja, da bleibt dann wohl nur noch ein Kandidat aus der Liste der Verdächtigen übrig. Besser gesagt: Eine Kandidatin – eine, die überaus klettergewandt und auch sehr klettertüchtig ist. Na, und ihr Forscherdrang grenzt fast schon an Besessenheit.

Ah, da ist sie ja, die Hauptverdächtige. Sie scheint gerade schwer beschäftigt zu sein. Na, mal schauen, ob wir trotzdem bei der Dame Gehör finden.

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„Hallo, Torty, hast Du ein paar Sekunden Zeit für mich? Ich muss Dich was fragen.“

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„Frag‘, aber beeil Dich, Silberdistel. Ich hab‘ zu tun.“

„Sag mal, Torty, weißt Du, wer den Thermostaten vom Heizkörper in meinem Zimmer zerbröselt hat?“

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„Den was, Silberdistel?“

„Das Teil, das an der Seite oben an der Heizung in meinem Zimmer hängt. Es reguliert normalerweise die Wärme vom Heizkörper. Aber damit ist es nun vorbei, weil es kaputt ist und schräg auf halb acht hing.“

„Ach dieses Dingens meinst Du. Aber, wer das war, Silberdistel, das fragst Du jetzt nicht im Ernst, oder? Du kannst nämlich froh sein, dass Du mich nicht mit zerschmettertem Hirn aufgefunden hast und Du nicht noch zusätzlich zu den Kosten für ein neues Heizungdingsda auch noch hohe Kosten bei meinem Arzt Deines, wohlgemerkt nicht meines, Vertrauens zu tragen hast. Du, Du allein, Silberdistel, bist die Schuldige an dem schiefen Thermosdings. Als ich wie immer von Deinem Schreibtisch aus auf meinen Fensterplatz steigen wollte, musste ich wieder einmal zunächst einen Müllberg bewältigen, bevor ich auf meinem Lieblingsplatz abruhen konnte.“

„Einen was? Einen Müllberg, Torty?“

„Na, was war dieses rutschige Gerümpel, das mich in die Tiefe rauschen ließ, denn sonst? Im letzten Moment konnte ich mich noch an diesem Heizungsdings festkrallen. Aber besonders hilfreich war es nicht. Mit einem lauten Knack hat es mich dann doch noch abgeworfen.“

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„Ach deshalb lagen meine Bücher und CDs dort unten vor statt auf dem Schreibtisch. Aber Gerümpel, Torty, ist was anderes. Ich dachte, Du als versierte Ornithologin könntest zwischen wertvollen Sachbüchern und Gerümpel sehr wohl unterscheiden.“

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„Guck hier, Silberdistel, auf diesen Fuß ist am Ende noch eins von Deinen wertvollen Sachbüchern gedonnert. Ich hab‘ unter Schmerzen gelitten und Du, Du jammerst, weil der Müll unten lag und das Heizungsdings zerbrochen ist.“

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„Okay, Torty, ich seh’s ein, ich bin an der ganzen Misere schuld. Aber Du musst ja ganz schön Schwung gehabt haben, als du den Thermostaten abgebrochen hast. Naja, und Dein momentanes Wintervorbereitungsgewicht ist ja auch gar nicht mal das einer fliegengewichtigen Katze. Da kam wohl eins zum anderen.“

„Unterstelle mir mal jetzt nicht Unsportlichkeit wegen zu hoher Körperfülle, Silberdistel. Du kannst gern ausprobieren, ob Du Deinen rutschigen Müllberg besser hättest bewältigen können. Du hättest bestimmt gleich die ganze Heizung abgebrochen.“

„Okay, okay, Torty, ich seh’s ein. Es war alles meine Schuld. Und Euren Zugang zum Fenster, den ich gerade schon wieder als Ablage benutzt habe, werde ich auch gleich beräumen. Kannst Du mir noch einmal verzeihen, dass ich Dir Bücher in den Weg gelegt habe?“

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„Ja, ja, schon verziehen, Silberdistel! Und so wie jetzt sieht der Fensterzugang schon besser aus. Das kleine Teil da darfst Du liegen lassen, das rutscht nicht. Das hab‘ ich schon öfter getestet. So und jetzt muss ich meine Verletzung noch ein wenig pflegen.“

„Ach, Du pflegst Deine Verletzung, Torty? Und ich dachte, Du machst Yoga.“

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„Auch, Silberdistel, auch. Ich verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen. Ich muss schließlich fit bleiben. Wie ich gemerkt habe, lauern überall Gefahren, auch dort, wo man sich sicher glaubt, in den eigenen vier Wänden.“

Es war kurz vor Sommerbeginn, als ich meiner Weigelie im Vorgarten einen kleinen Rückschnitt verpassen musste. Ich wollte unserem Postmann nicht ständig ein anstrengendes Hürdenlaufen zumuten.

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So musste ein etwas größerer Zweig dieses wunderhübsch blühenden Strauches weichen, weil er vorwitzig in den Zugang zu unserem Haus hineinragte.
Da er über und über mit Knospen bedeckt war, konnte ich mich einfach nicht dazu durchringen, ihn herz- und schmerzlos dem Kompost zuzuführen. So landete er in einer Vase. Vielleicht würden sich all die Knospen noch in wunderhübsche rote Blüten verwandeln. Ein Versuch war es mir jedenfalls wert.

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Und der kleine Weigelienableger enttäuschte mich nicht. Nicht nur die bereits vorhandenen Knospen entfalteten sich, es bildeten sich sogar noch etliche neue, die uns dann ebenfalls mit ihrem leuchtenden Rot erfreuten.
Und eines Tages entdeckten wir im sonnigen Morgenlicht an dem im Wasser stehenden Ende des Weigelienzweiges kleine Ausbuchtungen.

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Wollten das etwa Wurzeln werden? Gespannt beobachteten wir, was weiter geschah.

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Vier Wochen später war das im Wasser stehende Zweigende regelrecht aufgeplatzt.

Neue Blütenknospen hatten sich nicht mehr gebildet. Unser Zweig hatte jetzt anderes zu tun. An seinem im Wasser stehenden Teil waren winzige Wurzelfäden zu sehen und zahlreiche kleine helle Nasen.

Wie sich bald herausstellte, waren diese Nasen das Anfangsstadium weiterer Wurzeln. Am Ende war in der Vase ein richtig großes Wurzelgeflecht zu sehen. Leider habe ich das nicht mehr dokumentiert. Dummerweise ließ ich dieses Mal der Gärtnerin in mir den Vortritt und nicht der Fotografin. Die vielen Wurzeln hatten mich wohl so beeindruckt, dass ich nur noch ans Wohlergehen des Zweigleins dachte und nicht mehr daran, dieses schöne Naturwunder auch noch fotografisch festzuhalten.
Ich hatte in der Antwort auf einen Kommentar zu meinem ursprünglichen Beitrag versprochen, über den weiteren Werdegang der kleinen Weigelie zu berichten. Nun, das gesamte beeindruckende Wurzelgeflecht kann ich meinem Bericht nun zwar nicht mehr bildlich beifügen, aber alles andere möchte ich dann doch noch mit Euch teilen.

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Inzwischen hat die kleine Weigelie nämlich einen Platz ganz in der Nähe ihrer Urmutter in unserem Vorgarten gefunden. Dass ich hätte auch noch ein Bild ihrer Wurzeln machen sollen, fiel mir erst ein, als ich ihre Füße bereits mit Erde bedeckt hatte. Wieder ausbuddeln kam natürlich für mich nicht in Frage. Vielleicht hätte ich das zarte Geflecht damit am Ende noch beschädigt. So müsst ihr also Eurer Fantasie freien Lauf lassen. Aber ein richtiger Hobbygärtner kann auch das. Schließlich weiß er, wie ein prächtiges Wurzelgeflecht ausschaut.
Noch trägt meine kleine Weigelie ihr rotbuntes Herbstkleid. Und obwohl ich ihr am Ende nach einiger Überlegung doch keinen Pflanzschnitt verpasst habe, scheint es ihr gut zu gehen. Sie ist eine starke Pflanze, die sich nicht so schnell unterkriegen lässt. Sie wird ganz sicher auch so gut klar- und bestens über den Winter kommen.
Und natürlich werde ich weiter aus ihrem Leben bei uns Silberdistels berichten 😉 😀

Wenn es um Wind geht, untertreiben wir Nordlichter es ja gern einmal. An der Küste geht es höchst selten ganz windstill zu. So empfinden wir das, was andere bereits als stürmisch betrachten würden, höchsten als büschen windiger als sonst. Las ich nicht unlängst, für uns Küstenbewohner gilt, dass Sturm erst dann ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben?

01-Dsc_0037Am vergangenen Sonntag waren einige von uns Silberdistels wieder einmal gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen Seebestatteter zu einer Gedenkfahrt mit dem Schiff vom Wismarer Hafen aus zum Urnenfeld vor der Insel Poel unterwegs. Alljährlich zum Volkstrauertag und zum Totensonntag werden den Angehörigen und Freunden solche Fahrten zum Platz der letzten Ruhestätte ihrer Lieben angeboten. Für uns war es bereits die fünfte Reise zu dem Ort, an dem mein Vater einst vom Meer in Empfang genommen wurde. Bisher waren es dem Anlass entsprechend immer recht besinnliche und ruhige Fahrten gewesen. Vom Wetter her haben wir schon fast alle Witterungsvarianten erlebt – von strahlendem Sonnenschein mit silbern glitzerndem Wasser über herrliches Abendrot mit golden leuchtender See bis hin zu einem still vor sich hin weinenden Himmel mit einem in trauriges Grau gekleideten Meer.

Als wir uns dieses Mal auf die Reise zu unseren lieben Verstorbenen machten, formten sich am Himmel in rascher Folge die spannendsten Wolkenbilder. Dann wieder zauberte die Sonne ein betörendes Lächeln an einen strahlend blauen Himmel. Das alles ging in rascher Folge hin und her. Auch so mancher Regenguss fehlte an diesem Tag nicht.

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Der Wettergott durchschritt offensichtlich gerade ein Wechselbad der Gefühle. Und diese Gefühle machten sich auch noch ordentlich Luft. Das büschen Wind, denn mehr war es für uns im ersten Moment nicht, mit dem wir den Wismarer Hafen in Richtung Insel Poel verließen, entwickelte sich bald zu einem recht lungenstarken Burschen.

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Der windige Geselle wurde stürmischer und stürmischer. Die Schafe hätten wohl wirklich um ihre Locken im Pelz fürchten müssen, wären sie mit uns auf See gewesen. Je mehr wir uns dem Urnenfeld näherten, umso mehr spürten wir die recht bewegte See. Die Wellen platschten spritzend gegen den Schiffsbug und donnerten dann brausend gegen die vorderen Scheiben des Fahrgastraumes. Welch imposantes Bild! Die Fahrt war bereits bis dahin schon fast ein kleines Abenteuer.

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Inzwischen sind wir vor der Insel Poel angekommen – wir erleben ein tiefblaues Meer

Nach einer knappen Stunde hatten wir das Urnenfeld erreicht. Doch dieses Mal war alles etwas anders. Der Käpt’n forderte die wenigen, die sich bis dahin auf dem Oberdeck den kalten und stürmischen Wind um die Ohren wehen ließen, dazu auf, sich aus Sicherheitsgründen wieder unter Deck zu begeben. Unser Schiff würde gleich wenden. Wegen des Sturms wäre es leider dieses Mal nicht möglich, das Urnenfeld, wie es sonst jeweils üblich war, für einige Minuten zu umkreisen. Wir sollten uns auf unsere Plätze begeben und uns gut festhalten. Das Schiff würde bei der Wende seitlich von den Wellen getroffen werden und so dem Seegang entsprechend hart ausgeliefert sein.

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Wenig später erfahren wir dann live, was die See alles kann, wenn sie aufgebracht ist. Mir entgleitet bei der Kehrtwendung unseres Schiffes fast meine Knipse, so schräg liegt die „Mecklenburg“ plötzlich in der tosenden Ostsee. Und dann klirrt und scheppert es heftig um uns und an Bord geht einiges an Gläsern und Geschirr zu Bruch.
Als wir uns von unserem Schreck erholt haben und das Schiff wieder vergleichsweise ruhig im Wasser liegt, dürfen wir dennoch dem Meer die Blumengrüße für unsere verstorbenen Angehörigen übergeben. Dieses Mal sind es mehr stürmische denn andächtige Grüße. Unsere Blumen werden uns regelrecht aus der Hand gerissen und fast gierig von der See verschlungen.

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Stilles Gedenken ist, wie wir alle wissen, doch ein wenig anders. Aber andererseits wäre unser Vater sicher stolz auf uns, hatten wir uns doch trotz der widrigen Wetterverhältnisse zu ihm auf den Weg gemacht.

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Ich sah ihn regelrecht vor mir, wie er uns grinsend zuzwinkerte und sagte, er habe das Wetter so bestellt. Er wollte einmal sehen, wie seefest seine Familie ist.

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Wir sind bereits wieder auf den Rückweg – vor uns liegt das Panorama der alten Hansestadt Wismar

Ob unser Vater deshalb eine Seebestattung wollte, weil er wusste, dass jeder Besuch bei ihm für uns ein kleines unvergessliches Abenteuer werden könnte?

Übrigens waren scheinbar alle Mitfahrer seefest. Jedenfalls konnte ich nichts Gegenteiliges beobachten. Sogar meine Mutter, die ich schon recht seekrank erlebt habe, hat unsere Sturmfahrt gut überstanden. Hinterher meinte sie nur, es wäre dieses Mal ja recht windig gewesen. Ob man mit zunehmendem Alter einfach seefester wird? Oder wollten wir uns nur nicht vor unseren Lieben dort im Meer blamieren?

Trotz oder vielleicht gerade wegen des Sturms war es eine schöne Fahrt, wenn auch nicht so andächtig wie sonst. Auf jeden Fall wird uns diese Reise wohl immer im Gedächtnis bleiben und mit ihr auch derjenige von uns, der dort im Meer sein letztes Zuhause hat. Das Meer hat uns für die diesjährige aufregende Schaukelei aber reich entschädigt. Es zeigte sich uns in vielen wundervollen Farbschattierungen – von hellem bis zu dunklem Grün, zwischendurch mit silbrigem Glanz und dann wieder in herrlichem Himmelblau und schließlich  in einem fantastisch tief dunklen Meeresblau. Und natürlich fehlte höchst selten das für diesen Tag so bezeichnende weiße Spitzenhäubchen auf den Wellen.

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Es wurde wieder einmal Zeit, unsere Schränke von Sommer auf Winter umzuräumen. Und da ich eh schon am Räumen war, nahm ich die Gelegenheit gleich wahr, um Schränke und Schubladen generell ein wenig auszumisten. Am Ende stand ein ganz ansehnlicher Sack mit Altkleidungsstücken & Co. vor mir.
Kaum hatte ich das gut gefüllte Teil bis zum Abtransport in die Ecke gestellt, war es auch schon besetzt – mit etwas Pelzigem.
Sollten die eben ausgesonderten Klamotten nun etwa doch in unserem Haushalt noch eine neue Bestimmung gefunden haben?

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Es schaut fast so aus. Prinz Keks im edlen Tigerlook hat endlich seinen ihm zustehenden Thron gefunden. Schließlich ist unser Keks so blaublütig wie der Müll-Thron, den er seit gestern besetzt hält. Okay, der Thron ist ohne Blüten, aber blau ist er schon.

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„Was? Müll-Thron? Silberdistel, da musst Du etwas verwechseln. Dieser Thron ist angenehm weich und von müllig weit entfernt. Er ist sowas von gemütlich. Die graue Eminenz und Torty werden vor Neid erblassen, wenn sie mich hier so königlich sitzen sehen. Und guck mal, wie schön er glänzt. Wenn das nicht königlich ist, dann weiß ich auch nicht.“

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„Was? Ich soll hier runter, weil Du meinen Thron wegbringen willst, Silberdistel?“

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„Nein, ich bleib hier sitzen. Da kannst Du Dich auf den Kopf und wieder auf die Füße stellen, Silberdistel. Ich geh hier nicht weg.“

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„So, und jetzt stör‘ mich nicht weiter, Silberdistel. Ich will meinen Thron genießen. Und denk nicht, Du kannst mich überlisten und mein neues Ruhemöbel heimlich wegschaffen. Der Thron bleibt hier! Und wenn Du mich schön bittest, darfst Du vielleicht später auch einmal ein kurzes Probesitzen drauf machen. Aber wirklich nur kurz.“