Archiv für die Kategorie ‘Filmabenteuer’

Na, wie wäre es einmal zur Abwechslung mit einem Trip rund um den Globus? Noch dazu, ohne dafür sein Köfferchen packen, ins Auto, in die Bahn oder gar ins Flugzeug steigen zu müssen. Wäre das nicht ein Deal? Für unseren Trip würde nämlich eine kleine gemütliche Leseecke schon genügen. Die gibt es doch sicher im Garten oder auf dem Balkon – mit einem bequemen Liegestuhl oder mit einer von der Lieblingsrose umrankten Bank, davor ein Tischchen, darauf ein Glas mit einem verlockend kühlen Getränk oder ersatzweise eine Tasse herrlich duftenden Kaffees oder ein Cappuccino mit einem Berg von leckerer Sahne. Wer sich auf Weltreise begibt, muss schließlich auch irgendwann die müden Geister wieder ein wenig aufwecken, damit das Abenteuer weitergehen kann. Und unser Abenteuer wird noch dazu ein ganz besonderes, ungewöhnliches werden. Da muss schon mal Energie nachgetankt werden.
Na, wie ist es? Alles parat? Die Sonne blinzelt auch ein wenig durch das Grün des Apfelbaums, unter dem unser Liegestuhl seinen Platz gefunden hat? Perfekt! Dann kann es also losgehen.

Vom Liegestuhl aus um die Welt

Um es gleich am Anfang zu sagen, unser Trip ist kein gewöhnlicher. Aber gewöhnlich kann schließlich jeder. Wir wollen die ganz große Welt erleben, wir wollen nicht nur hinein schnuppern in die Welt der Reichen und Schönen, wir wollen dort einen Platz finden und erleben, wie es ist, auf großem Fuße zu leben, nur zu genießen, ewig und immer auf Urlaub zu sein.
Tja, und um da hineinschnuppern zu können, brauchen wir natürlich Geld, denn ohne Geld geht da nichts, rein gar nichts. Da wir nun dummerweise für unser bisheriges normales und eher unaufgeregtes Leben Tag für Tag hart arbeiten mussten, dürfte unser Kleingeld wohl eher weniger für das große Leben von Welt reichen.

Aber ich weiß jetzt, wie es gehen könnte, denn ich habe gerade einen jungen Mann kennengelernt, an dessen Fersen wir uns gleich heften werden. Der scheint nämlich irgendwie den Dreh rauszuhaben, wie man zu genügend Kleingeld kommt, um sich unter die Reichen und Schönen mischen zu können. Ob uns seine Variante, durchs Leben zu gehen, gefallen wird? Folgen wir ihm doch ganz einfach auf seinem Weg durch sein etwas anderes  Leben und bilden uns dann ein Urteil darüber.

Aber zuvor klären wir vielleicht noch ein paar Fragen, damit wir am Ende auch richtig urteilen. Beginnen wir mit folgender Frage:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, ob es das mit dem Leben, so wie es bisher gelaufen ist, nun schon gewesen sein soll? Fehlt da nicht irgendwie noch etwas ganz Großes, ganz Besonderes? Sind da nicht immer noch Träume offen, die man gern erfüllt sehen würde, Träume, die sich fernab vom täglichen Einerlei, von Verpflichtungen und Verantwortung bewegen?
Also ich habe schon mehr als nur einmal von einem großen Lottogewinn geträumt, um endlich genau diese unerfüllten Träume schnell noch wahr werden zu lassen.
Und mal ehrlich, hat man nicht auch schon einmal im Geiste mit seiner besten Freundin oder seinem besten Kumpel eine Bank überfallen? Wie toll wäre es, den ganz großen Coup zu landen, nie wieder Geldsorgen zu haben und nie wieder von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Gibt es nicht immer wieder diese berühmten Beispiele, die besagen, dass der oder die Täter nie gefasst wurden?
Tja, und wer war nicht voll heimlicher Bewunderung für die Meisterdiebe in solchen Filmen wie „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant oder „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ mit Steve McQueen? Die Neuverfilmung des „Thomas Crown“ mit Pierce Brosnan, „Die Thomas Crown Affäre„, hat mich auch schwer begeistert. Okay, vielleicht hat ja auch der charmante Pierce Brosnan viel dazu beigetragen, dass ich Meisterdiebschwärmerin wurde.

Ja, diese schicken Diebe – intelligent, charmant, humorvoll und immer einen Tick klüger als die Polizei – konnten wohl nicht nur Frauen begeistern. Dieser junge Mann, den ich da gerade kennengelernt habe, der ist ebenfalls überaus begeistert von diesen cleveren, selbstsicheren und charmanten Gentleman-Dieben. Bei ihm allerdings bleibt es nicht beim Anhimmeln der locker und lässig daherkommenden Einbrecher von der Filmleinwand, er lässt Taten folgen, um genau dieses abenteuerliche Leben der filmischen Meisterdiebe zu seinem eigenen Leben zu machen. Wie es ihm letztendlich gelingt, habe ich erfahren, weil ich seinen Spuren ganz einfach gefolgt bin, und diese Spuren führten mich über den Roman „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong zu ihm.
Na, Lust bekommen auf ein paar diebisch spannende Augenblicke? Also dann, den Liegestuhl noch einmal zurechtgerückt und los geht’s!

DeLong - Ein Dieb

Aber an wessen Fersen heften wir uns da eigentlich?

Diese Frage wollt Ihr sicher auch noch beantwortet haben. Man möchte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Das Leben unseres Romanhelden lief zunächst wie das Leben vieler anderer Menschen ab – Grundschule, Abitur, Wehrdienst, Lehre. 23jährig verdient er seinen Lebensunterhalt schließlich  in einem Reprostudio. Das Geld reicht gerade so zum Leben. Aber so, wie sein Leben läuft, findet er es stinklangweilig, öde und trist. Unvorstellbar für ihn, auf ewig so weiterleben zu müssen. Der Alltagstrott, wie er ihn auch von seinen Eltern und Freunden kennt, kann doch nicht das Leben sein. Sollte man es nicht in vollen Zügen auskosten, alles mitnehmen, was nur geht? Alles oder nichts?

Und so kommt ihm genau im richtigen Moment ein Zufall zu Hilfe, um aus diesem Nichts alles zu machen, aus diesem öden täglichen Einerlei auszubrechen. In einem Gespräch mit seinem besten Kumpel erfährt er so ganz nebenher, dass die Tageseinnahmen eines Einkaufszentrums abends jeweils von einer einzelnen weiblichen Person zu einem Nachttresor gebracht werden. Welche Gelegenheit! Ist es nicht genau das, wovon er schon immer geträumt hat – die Gelegenheit für den ganz großen Coup?

Was zunächst nur als Gedankenspiel abläuft, wird dann doch bitterer Ernst. Er überfällt die Geldbotin und eignet sich unerkannt die Tageseinnahmen des Einkaufszentrums an. Und weil es so perfekt geklappt hat, wiederholt er den Überfall ein Weilchen später – ebenfalls erfolgreich. Danach setzt er sich mit seinem neuen Reichtum nach Jamaika ab. Und so beginnt ein neues und aufregendes Leben für ihn, ein Leben, wie er es sich schon immer erträumt hat:

„Mein neues Leben begann! Nie werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, dieses dicke fette Grinsen auf meinem Gesicht, mit dem ich, den Koffer in der Hand in die Sonne trat. Diesen jubelnden Schrei, den ich innerlich ausstieß, diesen Sprung, den ich tat. YES! Das Leben lag vor mir, war groß und wunderbar. Das Paradies war hier!“ (S. 15)

Einmal Paradies – immer Paradies?

Na, war doch ganz einfach bis hierher, oder? Geht’s noch paradiesischer, wenn man weiten Strand, Meer, Sonne und Palmen vor sich hat? Und das Geld stimmt auch, um aus dem neuen Leben einen ewigen und immerwährenden Feiertag zu machen. Urlaub ohne Ende. Was kann schöner sein?

Für eine gewisse Weile mag sich ein solches Leben toll, wundervoll und erfüllend anfühlen. Ob aber nicht auch daraus irgendwann wieder so etwas wie Normalität wird und dann alles wie zuvor ist? Nur an einem anderen Ort?

Unserem Aussteiger aus dem normalen Leben wird genau das bald klar, denn tatsächlich verliert sein neues Paradies ganz heimlich, still und leise für ihn den Reiz. Das Neue ist weg, das tägliche Einerlei macht sich wieder breit, wenn auch auf einer anderen Stufe der Lebensleiter. Ernüchterung folgt dem Hoch. Nach gerade mal drei Monaten auf Jamaika, in denen unser Romanheld das Leben in vollen Zügen genossen und das Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, hängt ihm diese paradiesische Insel, dieses paradiesische Leben voller Partys, Sex und Alkohol, dieser Dauerurlaub zum Halse heraus. Deprimiert und unzufrieden mit sich und der Welt durchstreift er die Insel und  bekommt dabei eine Ahnung von dem, was einen Wunschtraum vom einem endlich wahr gewordenen Traum unterscheidet:

„Nicht immer ist der Traum ein Traum, wenn er wahr wird, und manchmal ist der Preis zu hoch. Mancher Traum bleibt besser dort, wo er entstand – im Kopf, und nur dort ist er wunderbar. Der Realität hält er nicht stand.

Im Kopf steht ein Traum nur für sich, die Realität und das Umfeld sind ausgeblendet. Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Der Traum ignoriert die Schlangen, die Menschen, die Unwetter und Unbill.“ (S. 23 f.)

Und er merkt auch bald, dass ihm trotz allen Geldes etwas fehlt. Er fühlt sich einsam und erfährt, dass das noble Leben in vornehmen Hotels, schicke Anzüge und tolle Autos auch nicht das allein Seligmachende sind.

Als nach einem halben Jahr dann auch nur noch die Hälfte des erbeuteten Geldes übrig ist, muss er sich darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Ursprünglich hatte er geglaubt, mit einem einzigen großen Coup für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Weiter hatte er nie gedacht. Doch jetzt muss er darüber nachdenken, wie er sein Leben von dem Moment an gestalten soll, in dem das Geld aufgebraucht sein wird.

Wenn einem „normal“ nicht genug ist

In einem fremden Land das neu zu beginnen, vor dem unser Aussteiger aus seiner Heimat Deutschland geflohen ist, erscheint ihm undenkbar. Er will nach wie vor kein langweiliges normales Leben führen, keinem normalen Arbeitsalltag nachgehen. Es bleibt ihm eigentlich nur ein Weg übrig. Er wird als Dieb leben müssen. Und so findet er seine neue Bestimmung – in einem Leben als Dieb. Und dieser Dieb soll nach seiner Vorstellung zu einem Meisterdieb werden, ein Meisterdieb, wie ihn Cary Grant und Steve McQueen darstellten. Wie wundervoll aufregend würde dieses Leben werden?
Und da ohnehin die Geldvorräte irgendwie erneuert werden müssen, wird der nächste Diebstahl sogar zu einer Notwendigkeit. Nach diesem erneuten Coup muss unser Dieb Jamaika jedoch verlassen, denn gefasst werden möchte er natürlich auch dieses Mal nicht, und so beginnt sein Trip rund um den Globus.

Von Diebeszug zu Diebeszug wird er geschickter und cleverer, und das nötige Quentchen Glück ist ebenfalls immer an seiner Seite.
Während wir mit ihm von Nobelhotel zu Nobelhotel durch die Welt reisen, denn nur, wo Geld ist, kann man auch zu Geld kommen, lernen wir nicht nur etwas über das Handwerk unseres etwas anderen „Reisebegleiters“, wir lernen nebenher auch viele Orte und Landschaften rund um den Globus kennen. Wir verbringen interessante Tage auf Cuba, im Steuerparadies auf den Bahamas und reisen von dort aus weiter nach New York.
Wir wandeln in Havanna an kolonialen Prachtbauten, Festungen und Stadtpalästen vorüber und genießen die immer und überall gegenwärtige Musik. Wir staunen über den ungeheuren Luxus auf den Bahamas und verspüren die enorme Anspannung und Aufregung unseres Diebes beim Ausrauben diverser Zimmer in einem der teuren Luxushotels. In New York lernen wir schließlich, dass es den einen großen Coup wohl nicht gibt und dass auch Diebsein in Arbeit ausarten kann.

Während all dieser Reisen und Diebeszüge lernen wir gemeinsam mit unserem „Reiseführer“ auch viele Menschen kennen. Verwundert stellt er fest, dass auch der normale Alltag eines Menschen ungeheuer spannend sein kann. Nie hätte er das bis dahin für möglich gehalten. Hatte er doch sein eigenes „altes“ Leben als entsetzlich langweilig und öde empfunden. Er hatte ganz einfach von seinem eigenen tristen Leben auf das aller anderen geschlossen.

Während seiner Reisen, die ihm seine „Geschäfte“ immer wieder aufzwingen, begegnen ihm auch zwei Frauen, Frauen, an denen ihm erstmals wirklich etwas liegt. Doch lassen sein Wanderdasein, seine „Tätigkeit“ überhaupt eine ernsthafte Bindung zu? Ist sie nicht immer zum Scheitern verurteilt? Ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er durch seinen „Beruf“ bedingt, als Einzelgänger durchs Leben läuft und wie schwierig es ist, ein ganzes Leben mit einer Lüge leben zu müssen.

Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Ob unser Romanheld doch noch die berühmte Kurve zurück ins normale Leben kriegt? Oder wird er tatsächlich zu DEM Meisterdieb, wie es ihm die großen Filmhelden vorgemacht haben? Wie wär’s, wenn Ihr das selbst herausfindet? Ich schleiche mich jetzt ganz heimlich aus meinem Liegestuhl fort und lass Euch allein mit Euren Gedanken über den ganz großen Coup.

Aber bevor ich mich durch mein bücherstaubiges Türchen für heute davonmache, sollt Ihr schnell noch erfahren, wie mir diese abenteuerliche Reise im Schatten eines Diebes gefallen hat.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, als mir vom Phantomverlag angeboten wurde, das Buch zu lesen und gegebenenfalls zu rezensieren. Würden mich die Bekenntnisse eines Diebes wirklich so brennend interessieren, dass ich dafür andere spannende Lektüren, die sich auf meinem Nachttischchen schon bis fast unter die Decke stapeln, erst einmal würde zur Seite schieben wollen? Aber als ich durch den Trailer zum Buch …

… und durch den Text auf dem Cover über den Vergleich mit „Über den Dächern von Nizza“ und mit „Thomas Crown“ erfuhr, wurde ich dann doch ein kleines bisschen neugierig. Ja, sie hatten mich am Haken, und ich blieb auch während der Lektüre am Haken. Der Schreibstil nämlich gefiel mir sofort und einmal angefangen, musste ich natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

Und bald zog mich diese etwas andere Reise durch ferne Länder in ihren Bann. Schön und detailliert beschrieben sind die Besonder- und Eigenheiten einzelner Städte und die Lebensart der dort lebenden Menschen. In Teilen könnte das Buch einem Reiseführer durchaus alle Ehre machen. Wenn es nicht sogar fast das Zeug zu einem kleinen ReiseVERführer hat.
Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann sogar einmal dort wandeln, wo ich eben noch mit einem Dieb unterwegs war. Allerdings schweben mir eher keine Raubzüge vor. Ich bleibe dann doch lieber bei meinem normalen Leben. Ich brauche meine Vergangenheit, meine Familie, meine tierischen Mitbewohner, meine Freunde und ein eher unaufgeregtes Leben, das durchaus auch ohne Stress und Panik im Nacken spannend und unterhaltsam sein kann. Na, und meine vielen Bücher möchte ich auch nicht immer irgendwo zurücklassen müssen, denn ein Dieb kann immer nur mit kleinem Koffer reisen.

Ebenso bildreich wie Orte und Landschaften wird auch die Gefühlswelt des Protagonisten beschrieben. Es macht richtig Spaß, in diese Gefühlsbeschreibungen einzutauchen. Einzelne Szenen musste ich immer wieder lesen, sie mir förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Am Ende habe ich ein Buch aus der Hand gelegt, das ich nach anfänglichen Zweifeln gerne gelesen habe. Das Ende allerdings hatte ich mir etwas anders erhofft. Aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ihr wollt ja schließlich noch selbst auf die Reise gehen.
Eines kann ich aber doch noch verraten, nämlich die Antwort auf die obige Frage: Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Sie lautet: Und ob es ein Lesevergnügen für mich war!

Für diejenigen, die nun hoffentlich ganz neugierig geworden sind, hier noch die genauen Angaben zum Buch. Es kommt übrigens als richtig schön gebundenes Buch mit einem Hardcover daher und kostet 14,90 Euro.

DeLong, Lucien: Ein Dieb : Bekenntnisse ; Roman. – Berlin : Phantom Verl., 2017. – 143 S.
ISBN 13-978-3-927447-07-3

Castle01Rein zufällig bin ich eines Abends an einer Krimiserie hängengeblieben. Nachdem wir Silberdistels gemeinsam einen Film angeschaut hatten, verschwand der Herr des Hauses mit den Worten: „Bin gleich wieder hier.“ So saß ich da, nahm mein kleines Tablet, der Fernseher lief immer noch, jetzt nebenher als eine Art von Hintergrundberieselung, und schaute in die weite Welt des Internet. Herr Silberdistel war fort und ich befand mich in dem Glauben, er würde gleich wieder auftauchen und sich um den Fernseher und unsere weitere Abendprogrammgestaltung kümmern. Es dauerte und dauerte und kein Gatte erschien. Saß er am PC, räumte er irgendwo umher oder war er unterwegs ins Wohnzimmer an seiner Lieblingszeitschrift hängengeblieben und konnte sich nicht von ihr losreißen? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls saß ich allein vor dem Fernseher, schaute mit Hilfe meines kleinen Tablets in mein Blog und fühlte mich irgendwie etwas verlassen – von der Welt und meinem Gatten. Nein, von der Welt wohl doch nicht so ganz, denn mit ihr sprach ich ja gerade über mein kleines PCli. Nur der Gatte fehlte mir ein wenig an meiner Seite – als Gesprächspartner und Wärmelieferant. Ansonsten hätte die Welt vollkommen sein können. Es war ruhig, behaglich und gemütlich. Unser Kater war auch da und verschönte die Wohnzimmerwelt mit seinem leisen Schnurren, während er unter der Blumenbank am Fenster lag, den weichen Teppich unter sich genoss und sich über meine schlichte Anwesenheit freute. Ihm fehlte scheinbar nichts zu seinem vollkommenen Glück.

Zwischen dem Warten auf Herrn Silberdistel und dem Umhertippen auf dem Tablet wanderte meine Aufmerksamkeit immer wieder zum Fernseher, bis sie sich schließlich gänzlich vom Tablet entfernte und nur noch dem Geschehen auf dem Fernsehbildschirm galt. Vor lauter Spannung bemerkte ich nicht einmal mehr, dass Herr Silberdistel immer noch nicht wieder an meiner Seite saß.

Da lieferten sich auf dem Fernsehbildschirm eine Detective Kate Beckett (Stana Katic) und ein Krimiautor namens Rick Castle (Nathan Fillion) witzige und z. T. bissige Wortgefechte, denen ich nicht weiter widerstehen konnte und die mich wunderbar erheiterten und zu manchem lauten Lacher animierten. Daneben zog mich die Krimihandlung mehr und mehr in ihren Bann. Ich gebe zu, es war spannend und wurde von Minute zu Minute spannender und aufregender. Immer wieder gab es eine neue Entwicklung in der Handlung, wenn ich schon zu wissen glaubte, wer der Täter war.

Der Krimiautor Castle wird von der Polizei zu einem Mordfall als Berater hinzugezogen, weil ein Täter plötzlich die Romanhandlung eines von Castles Büchern nachzugestalten scheint. Wenig begeistert von dieser neuen Situation hat Detective Kate Beckett nicht nur den Fall zu lösen, sondern auch noch einen neugierigen, vorlauten und mitunter recht arroganten Schriftsteller unter Kontrolle zu halten. Mehr und mehr erweist sich Rick Castle jedoch als echte Hilfe bei der Aufklärung dieses Falls, vielleicht gerade deshalb, weil er viele Aspekte, die er auch als Schriftsteller von Kriminalromanen bedenken muss, mit in seine Überlegungen einbezieht. Als guter Krimiautor, der er ist, muss er sich in die Gedanken und Handlungsweise eines Mörders, aber auch in die Arbeitsweise eines Ermittlers hineinversetzen können. Auch wenn sich Detective Beckett immer wieder von dem recht undisziplinierten Castle genervt fühlt, merkt sie ein wenig erstaunt und mitunter etwas ungehalten, dass ihr neuer Begleiter sich als recht fähiger Hobby-Ermittler erweist. Der Schlagabtausch, den sich Beckett und Castle während ihrer Zusammenarbeit liefern, ist ein echtes Vergnügen. Der erste Fall wird gelöst und Kate Beckett glaubt, den nervigen Schreiberling los zu sein, doch da irrt sie. Castle hat Gefallen an seinem neuen Nebenjob gefunden und der Bürgermeister, ein Freund und Fan des Schriftstellers, ermöglicht ihm eine weitere Mitarbeit an der Seite der polizeilichen Ermittlerin Detective Kate Beckett, die wenig erfreut über diese neue vorlaute und undisziplinierte Dauerbegleitung ist, die sich von nun an an ihre Hacken heften wird, um neben der Ermittlungsarbeit Material für einen nächsten Kriminalroman zu sammeln.

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Im Laufe des Mordfalls, den ich von meinem Wohnzimmer her mit aufzuklären versuchte, muss sich auch Herr Silberdistel wieder an meine Seite gesetzt haben. Vor lauter Begeisterung und Spannung fiel mir sein Kommen kaum auf. Irgendwann merkte ich, dass auch er genauso fasziniert, gespannt und manchmal lächelnd auf den Bildschirm schaute wie ich. An jenem Abend sahen wir noch zwei weitere Folgen und wurden damit abhängig von Castle und Beckett. In einigen Tagen beginnt die 5. Staffel dieser Krimiserie mit dem Titel „Castle“, die wir nicht versäumen dürfen. Wir Silberdistels sind inzwischen stolze Besitzer aller bisher erschienenen Staffeln dieser Serie. Wer humorvolle und dennoch spannende Krimis mag, der sollte sich einen Besuch bei Castle und Beckett gönnen. Ich bin überzeugt, dass es nicht nur uns Silberdistels so geht, dass man, wenn man erst einmal in diese Serie, die aus den USA zu uns kam, hineingeschnuppert hat, mehr von und über Kate Backett und ihre Kollegen von der Mordermittlung und mehr von und über Rick Castle, eine Tochter im Teeniealter und seine etwas ausgeflippte, aber überaus sympathische, Mutter sehen möchte.

Noch einmal befinden wir uns im Ivenacker Tiergarten mit seinem uralten Eichenbestand. Noch einmal möchte ich die Geister, die uns dort begegnet sind, zeigen. Ich glaube, man braucht gar nicht einmal so sehr viel Fantasie, um all die Gnome, Wichte, Riesen, Nonnen und schrecklichen Reiter zum Leben zu erwecken. Mir jedenfalls hat es unheimlich viel Spaß gemacht und je länger ich schaute, umso mehr Gesichter und Gestalten konnte ich entdecken.

Sogar mein Herr Silberdistel meinte, nachdem er eingehend diese wundervollen Eichen betrachtet hatte, er fühle sich irgendwie an den Film „Sleepy Hollow“ erinnert, in dem neben Johnny Depp ein riesiger Baum eine der Hauptrollen spielt. Dieser Filmbaum bietet einem grausamen kopflosen Reiter, der mordend durch die Gegend zieht, samt Pferd immer wieder Unterschlupf vor seinen Verfolgern. Die eine dieser riesigen Eichen sähe aus wie diese Filmkulisse, so mein Herr Silberdistel. Ich bin sicher, wir müssen demnächst wieder einmal diesen Film ansehen, um den Filmbaum und die viele hundert Jahre alte Eiche im Ivenacker Wald miteinander vergleichen zu können. Und schon sind wir bei den Sagen. Nun wissen wir endlich, wie Sagen und Märchen entstehen – einer wie der Herr Silberdistel mit viel Fantasie erzählt seiner Frau Silberdistel, die auch nicht gerade unter Fantasielosigkeit leidet, eine Gruselgeschichte, die Silberdistel erzählt sie wiederum mit Worten, die Herr Silberdistel so gar nicht benutzt hat, weiter, und so macht die Geschichte die Runde zum nächsten und übernächsten Zuhörer, der jeweils selbst wieder zum Erzähler wird. Jeder kleidet die Geschichte mit ein wenig eigener Fantasie aus und schon rankt sich um den Baum allerlei Seltsames. Unsere Eiche hat eine neue Geschichte zu erzählen 😉

Vor einigen Tagen wurde ich doch tatsächlich durch eine E-Mail an einen meiner Lieblingsfilme erinnert, schlicht und einfach dadurch, dass im Betreff dieser Mail „Schlaflos in Seattle“ stand. Na gut, nein, dort stand einfach nur „Schlaflos in …“. Aber genau diese Worte hatten zur Folge, dass sogleich vor meinem inneren Auge Szenen aus dem Film „Schlaflos in Seattle“ auftauchten. Wer nun dieser Mailschreiber war und wo und warum er schlaflos war, soll dann doch mein kleines Geheimnis bleiben und natürlich das des Mailschreibers. Dass diese Mail aber irgendwie in mir den Wunsch weckte, diesen Film wieder einmal anzuschauen, auch wenn ich ihn schon viele, viele Mal gesehen habe, das kann ich dann doch nicht für mich behalten, denn „Schlaflos in Seattle“ ist für mich einer DER Filme, die ich immer wieder anschauen kann. Er rangiert unter meinen Lieblingsfilmen ganz weit vorn und das nicht nur, weil Tom Hanks und Meg Ryan in den Hauptrollen zu sehen sind und diese mit viel Witz und Charme ausfüllen. Nein, auch deshalb, weil es sich  bei diesem Film um eine einfach wundervolle Komödie handelt, die  mit zahlreichen Gags, viel Humor und zugleich viel Romantik gewürzt ist.

Auf dem Cover der DVD ist folgendes zu lesen: „Sam (Tom Hanks), Architekt und Witwer, wird über Nacht zum Star. Seit Sohn Jonah (Ross Malinger) ihn dazu animierte, in einer Radio-Show sein trauriges, einsames Dasein zu beklagen, kann Sam sich vor Briefen und Anrufen nicht mehr retten. Frauen aus ganz Amerika wollen Sam und Sohnemann kennenlernen. Besonders der Journalistin Annie (Meg Ryan) bricht Sams Story das Herz. Völlig aufgelöst fliegt sie ins dreitausend Meilen entfernte Seattle – und in das Abenteuer ihres Lebens …“

In Memoriam

Veröffentlicht: 13. Februar 2012 in Film, Filmabenteuer, Musik
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Schade, Whitney, dass es Dich nun nicht mehr gibt. Du hast mich mit Deiner Musik und Deiner wundervollen Stimme ein Stück meines Lebens begleitet. … und wie begeistert habe ich damals Deinen ersten Film „Bodyguard“, in dem Du zusammen mit Kevin Costner auf der Leinwand zu sehen warst, miterlebt. Inzwischen habe ich ihn wieder und wieder gesehen. Er gefällt mir immer noch, und immer noch gefallen mir Deine Songs, auch wenn es nun wohl keine neuen mehr von Dir geben wird. Das stimmt mich traurig. Viel zu früh bist Du von uns gegangen. Aber Deine Musik mit dieser einzigartigen Stimme wird uns für immer bleiben – ein kleiner schwacher Trost.

Zwischendurch einmal etwas anderes, damit man ein wenig von der Kälte da draußen abgelenkt wird. Hier schneit es nämlich gerade wieder. Der Winter scheint also noch ein Weilchen bei uns bleiben zu wollen. So ist zum Abschluss eines eisigen Tages ein nettes Plätzchen vor dem Fernseher, vielleicht sogar den warmen Kamin in der Nähe, doch durchaus nicht zu verachten und da das Fernsehprogramm nach wie vor nicht so berauschend ist, greifen wir immer öfter auf unsere private Filmsammlung zurück. So stand kürzlich „Solomon Kane“ auf unserem häuslichen Kinoprogramm.

Solomon Kane ist eigentlich eine Romangestalt des amerikanischen Autors Robert E. Howard, aus dessen Feder auch der berühmte „Conan“ stammt. Der Film berichtet über den Krieger Solomon Kane, einem Soldaten, der für seine Härte und Grausamkeit bekannt ist. Die Geschichte spielt im 16. Jahrhundert. Kane ist für Königin Elizabeth kriegerisch durch Europa unterwegs. Wegen seiner besonderen Härte und Grausamkeit trifft Kane irgendwann auf einen Gesandten des Teufels, der seine Seele fordert. Kane kann ihm jedoch im letzten Moment entkommen und schwört, sein Leben von nun an zu ändern und nicht mehr grausam mordend durch die Welt zu ziehen. Er will ab jetzt friedlich leben und dem kriegerischen Tun völlig abschwören und zieht sich so in die Ruhe und Geborgenheit der Kirche zurück.

Eines Tages drohen seinem Land Tod und Zerstörung durch eine grausame Macht. So beschließt er, um seine Seele reinzuwaschen, noch ein letztes Mal in einen Kampf zu ziehen, auch wenn er das eigentlich nie wieder tun wollte.

„Solomon Kane“ zählt zu den Fantasy-Filmen. Er ist ein Film mit ausdrucksstarken Bildern, wundervoller Filmmusik (Klaus Badelt – Fluch der Karibik) und ein Film, in dem viel mit christlicher Symbolik gearbeitet wird. Die Schlussszene ist in dieser Hinsicht wohl das beste Beispiel dafür. Für Fans von Fantasyfilmen der ernsten Art ist dieser Film einfach ein Muss.

Also, spannende und interessante Unterhaltung! Ach  ja, und wenn schon Kamin …, dazu passt vielleicht auch ein Gläschen Glühwein.  😉

Filmabenteuer – Australia

Veröffentlicht: 24. November 2011 in Film, Filmabenteuer, Unterhaltendes
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„Goßes Land, große Gefühle, großes Kino“ – so steht es auf der Blu-Ray zu dem Film „Australia“. Vor schon einer ganzen Weile gekauft, haben wir ihn jetzt endlich angesehen, denn das Fernsehprogramm hat ja derzeit so gut wie nichts zu bieten. Offensichtlich muss man sich allein kümmern und die Programmgestaltung selbst übernehmen.

„Australia“ spielt, man glaubt es kaum, in Australien. Die Handlung beginnt im Jahre 1939 kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Eine etwas überdrehte englische Lady namens Sarah Ashley reist zu ihrem Mann nach Australien. Ihr Mann besitzt dort eine Rinderfarm, die Lady Ashley zu verkaufen gedenkt. Als sie auf der Farm eintrifft, findet sie ihren Mann nur noch tot vor, er wurde angeblich von einem der australischen Ureinwohner, einem Aborigine, von denen auch einige auf seiner Farm für ihn arbeiteten, ermordet.

Lady Ashley erfährt, dass ein Handlanger des örtlichen Rinderbarons, sie um die Viehherde ihres Mannes betrügen will. Ein rauhbeiniger und zunächst etwas überheblich anmutender Viehtreiber, Drover genannt, verhilft ihr wieder zu ihrer Rinderherde und gemeinsam mit einigen Arbeitern und dem Mischlingsjungen Nullah treiben sie die Herde durch die Wüste an die Küste zum Verkauf. Nullah führt uns übrigens erzählend durch die Handlung des Films.

Ein wenig versucht der Film seinen Frieden mit den einstigen australischen Kolonialherren und den australischen Ureinwohnern zu machen. Ob das so uneingeschränkt gut gelungen ist, will ich einmal dahingestellt sein lassen, auf jeden Fall war es ein gutgemeinter Versuch. Neben diesen grandiosen Viehtreibeaktionen erleben wir auch noch ein Stück Zweiten Weltkrieg mit japanischen Luftangriffen, die irgendwie an die Pearl-Harbour-Angriffe erinnern. So viel sollte zum Inhalt des Films vielleicht genügen. ich will nicht alles vorwegnehmen. Selbst anschauen und sich eine eigene Meinung bilden.

Was mich an diesem Film besonders fasziniert hat, sind die wirklich grandiosen Landschaftsaufnahmen, phantastische Bilder von dem herrlich weiten Land Australien. Das allein schon ist sehenswert genug.

Nicole Kidman als Lady Ashley und Hugh Jackman als Drover bringen eine wirklich nette Romanze auf die Leinwand. Für Fans des Films „Jenseits von Afrika“ oder dem noch älteren Filmepos „Vom Winde verweht“ ist „Australia“ durchaus empfehlenswert, sie werden ihn mögen. Mir hat er gefallen, aber ich liebe ohnehin „Jenseits von Afrika“ und auch „Vom Winde verweht“, und deshalb landete auch diese Blu-Ray in unserem DVD-Regal.

Ach ja, vielleicht noch ein Hinweis darauf, dass es sich hier um einen Film von Baz Luhrmann handelt. Wer Baz Luhrmann kennt, wird sich sicher gut vorstellen können, welche Art von Film ihn hier erwartet. Viel Spaß also und gute Unterhaltung! Noch ein Hinweis (wohl mehr an die Damenwelt), wenn man ein Taschentuch dabei hat, ist man gut und für alle Fälle ausgerüstet je nachdem, wie nah man am Wasser gebaut hat. Es ist schön, mit Hugh Jackman gemeinsam die Tränen fließen zu lassen  😉