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Bereits zum 14. Mal fand die bundesweite Aktion „Stunde der Gartenvögel“ statt. Wir Silberdistels waren natürlich wieder dabei und haben fleißig gezählt, wer so in unseren Garten hineinflatterte.
Es gestaltet sich allerdings meistens etwas schwierig, wenn man drei pelzige Mitbewohner hat, die Vögel auch sehr gern haben und sich durchaus nicht zu schade sind, bei der Zählung mit Pfote anzulegen.

Meine Versuche, die Vogelzählung gemeinsam mit den vierbeinigen kätzischen Ornithologen durchzuführen, waren recht aufregend. Jedenfalls missverstand zumindest Herr Haussperling die aufmerksamen Blicke meiner drei pelzigen Mitzähler.
Er schimpfte lautstark und empört von seiner Dachwohnung herunter und machte alle anderen Mitglieder seiner Großfamilie darauf aufmerksam, dass in unserem Garten Gefahr in Form von drei pelzigen Raubtieren lauern würde.

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Einen Vorteil hatte seine Schimpftirade wenigstens, so wurden wir schon mal auf den ersten Vogel in unserer Zählstatistik aufmerksam.

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Herr Amsel allerdings sah das Ganze recht locker und buddelte weiter fröhlich in unserem Garten nach Gewürm für den Nachwuchs.

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Die Katze dort auf dem Gartenstuhl schien weder an Vogelzählung noch an Amselbraten interessiert zu sein. Herr Amsel hatte einen Blick für so etwas. Die Katzendame hockte nämlich mehr dösend denn lauernd auf ihrem grünen Gartenstuhl.

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Auch der graue Tiger wirkte harmlos. Er genoss wohl mehr die Kühle der Steinplatten unter sich. Jedenfalls schaute auch er mehr gelangweilt als interessiert in die Gegend.

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Doch plötzlich gab sich dieses allgemeine Desinteresse. Unser Keks wechselte rasant schnell von tiefster Entspannung in höchste Anspannung über.

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„Heh, Torty, guck mal da!“

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„Was ist denn, Keks? Ja, Vögel, na und? Ich hab‘ keine Lust auf Vogelzählung. Lass das mal die Silberdistel allein machen.“

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„Hier, Keks, hier unten riecht es interessant. Ich glaube, da versteckt sich eine Maus. Das ist viel spannender als Vogelzählung und außerdem ist die Maus nicht so weit weg wie Dein Vogel dort am Futtersilo.“

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Auch wenn Torty lieber ihrem Mäusejagdfieber nachgab, als Vögel zu zählen, bei der grauen Eminenz war Keksens Ruf nicht ungehört geblieben. Wo wollte er denn jetzt hin?“

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Ahhhh, jetzt sah auch sie, was die Aufmerksamkeit des Katers erregt hatte. Es war gar nicht, wie sie erst dachte, diese kleine flinke Spatzenfrau am Futtersilo.

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Es war dieser herrlich appetitlich ausschauende glänzende Vogel mit den vielen Herzen im Gefieder. Da musste doch einfach jeder Katze das Jägerherz aufgehen. Kein Wunder also, dass Keks ihn sich unbedingt ganz aus der Nähe anschauen musste. Gespannt blickte die graue Dame zum Futtersilo, an dem gerade ein Star gelandet war.

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Doch der hatte natürlich die Katzen längst entdeckt. Interessiert verfolgte er den sich anschleichenden Kater.

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Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, dachte sich Meister Star, schimpfte lauthals mit dem seltsamen Vogelzähler und platzierte sich sicherheitshalber etwas oberhalb vom Futtersilo. Dort sollte er sicher sein vor dem pelzigen Jäger, denn schließlich können Katzen nicht fliegen.

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So jedenfalls dachte der Star. Er staunte allerdings nicht schlecht, als er merkte, dass Keks gar nicht so weit weg vom Fliegenkönnen war. Unser grauer Tiger flog nämlich tatsächlich fast in den Apfelbaum.

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Aber ein Vogel ist beim Fliegen eben doch etwas wendiger als ein fliegender Keks. Während unser Kater nun hoch oben im Apfelbaum stand, machte es sich der Star wieder am Futtersilo gemütlich. Keks schaut einigermaßen fassungslos hinunter zum Star, der schon wieder fröhlich Futter einwarf.

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Irgendwie dumm gelaufen – für unseren pelzigen Vogelzähler. Er hätte mir für meine Statistik so gern einen Vogel zur Begutachtung direkt vor die Füße gelegt.
Also wieder runter vom Baum. Das allerdings gestaltete sich wesentlich schwieriger als der Aufstieg wie im nachfolgenden Video gut zu erkennen sein sollte.

Was für ein Stress mit diesem Kater! Dass der dem Star immerzu nachsteigen musste! Meister Star schnappte sich schnell noch ein Körnchen und dann flog er flink wieder hinauf auf den Apfelbaum.

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Unser Keks hatte allerdings die Katernase voll. Er hatte genug von dem blöden Vogel, genug von seinen Kletterübungen und überhaupt genug von dieser albernen Vogelzählung.
Der Star jedoch lachte sich eins in sein kralliges Fäustchen und flog erneut den Futtersilo an, um seine Mittagsmahlzeit fortzusetzen.

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Keks musste nun erst einmal erschöpft abruhen. Wer hätte gedacht, dass Vogelzählung so nervenaufreibend sein kann und vor allem auch noch zu sportlichen Höchstleistungen aufforderte. Ja, irgendwie muss unser Kater da etwas falsch verstanden haben mit der Gartenvogelzählung. Er brauchte jetzt erst einmal ein paar Yogaübungen zur Entspannung.

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Den Rest meiner Vogelzählstunde hatten dann sowohl die Vögel als auch ich Ruhe vor meinen pelzigen Mitbewohnern. Außer den üblichen Verdächtigen wie Blaumeisen, Kohlmeisen, Amseln, Haussperlingen waren an besonderen Gästen neben diesem einen Star noch ein zweiter am Futterhaus zu Besuch und ein Hausrotschwanz turnte auf unserem Dach umher. Zwei Stockenten, mehreren Silbermöwen, eine Rauchschwalbe und ein Graureiher überflogen während dieser Zählstunde unseren Garten. Gehört, wenn auch nicht gesehen, habe ich noch einen Zilpzalp. Alles in allem also gar nicht so ein schlechtes Ergebnis.

Und schon steht das Pfingstfest vor der Tür. War nicht eben gerade noch Ostern? Man könnte sich doch glatt schon wieder darüber wundern, wie die Zeit so dahinrast. Na, was soll’s, genießen wir doch die Pfingsttage einfach ganz entspannt – vielleicht bei einem Spaziergang in der Natur oder wir machen’s wie unsere graue Eminenz. Wir setzen uns  in unseren Garten und machen einmal rein gar nichts – außer vielleicht dem Gezwitscher der Vögel zuhören.

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Also, habt schöne und entspannte Pfingsttage!

Im vorangegangenen Beitrag habe ich von unserem erlebnisreichen Wochenende in Sömmerda berichtet. Damit war unser Ausflug gen Süden allerdings noch lange nicht beendet. Nach einem gemütlichen Frühstück in unserer Pension an der Stadtmauer machten wir uns, da wir gar nicht sooo weit weg waren von unserem bayerischen Familienableger, am letzten Sonntag des April von Sömmerda aus auf nach Franken. Die Gelegenheit war günstig, denn Tochter und Schwiegersohn wollten den Montag vor dem 1. Mai als Brückentag nutzen. Schade war nur, dass unsere Enkelin keinen solchen Brückentag zur freien Verfügung hatte. Sie musste am Vormittag noch die Schulbank drücken. Trotzdem oder gerade deshalb sollte der Montag noch zu einem besonders schönen Tag werden. Wir nutzen ihn für einen Familienausflug zum Schloss Thurn in Heroldsbach, einem Schlossbesuch der etwas anderen Art.

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01-Mit diesem schönen Anblick werden wir auf Schloss Thurn empfangen

Das Wetter hätte nicht besser sein können und die Wahl des Tages ebenso nicht. Wie wir später immer wieder hörten, hatte es am Vortag nur so von Besuchern gewimmelt. Wir dagegen hatten rundum freie Bahn.

Bevor wir aber genau erkundeten, was Schloss Thurn alles für Attraktionen zu bieten hat, mussten wir uns stärken, schließlich wollten wir möglichst schadlos über die Runden kommen. Also nahmen wir zunächst auf der Sonnenterrasse des Restaurants Platz und ließen uns ein leckeres Mittagessen munden.

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02-Zunächst ist auf der Sonnenterrasse des Restaurants Mittagessen angesagt

Gut gestärkt durch Speis und Trank machten wir uns auf zu unserem Erkundungsgang.

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03-Gut gestärkt durch Speis und Trank soll unser Erkundungsgang beginnen

Weit kamen wir aber erst einmal nicht, denn die Kinder stürmten, kaum, dass wir uns vom Tisch erhoben hatten, den Spielplatz neben der Sonnenterrasse und testeten ihre  Kondition für die weiteren Unternehmungen. Sie hatten enorm Spaß dabei, von ihrer Ausdauer ganz zu schweigen.

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04-Uups, was haben wir denn dort für ein langes Kind?

Eltern und Großeltern saßen derweil schwatzend auf einer Bank und staunten plötzlich nicht schlecht. Dieser Spielplatz musste Zauberkräfte besitzen. Oder handelte es sich gar um eine Streckbank? Das Kind sah auf einmal so erstaunlich überlang aus. Diese ungewöhnliche Überlänge erwies sich allerdings nicht als lange haltbar. Gerade als wir nach dem zweiten Kind, das uns irgendwie beim Plaudern aus dem Augen geraten war, Ausschau halten wollten, hatten wir wieder zwei von diesen Frechdachsen. Als das vermeintlich überlange Kind hinten am Tunnel wieder zum Vorschein kam, zerfiel es doch tatsächlich in zwei Teile – in einen weiblichen und einen männlichen Teil. Unser Problem war also gleich in doppelter Hinsicht gelöst – beide Kinder waren wieder da. Und so machten wir uns auf ins weitere Schlossvergnügen.

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05-Ein Drache verschlingt uns …

Und schon gab es das nächste Horrorszenario. Ein Drache drohte mit weit aufgerissenem Maul, uns verschlingen zu wollen. Und hast Du nicht gesehen, waren die Kinder bereits in seinem Rachen verschwunden. Was war das nun wieder? Die Kinder wie gewonnen, so zerronnen? Was blieb uns Erwachsenen anderes übrig, wir mussten uns ebenfalls in den Rachen stürzen – die Kinder vor dem Ungeheuer retten. Kaum waren wir durch den Drachenschlund gerutscht, legte das Untier auch schon ab und entführte uns auf den hinter ihm liegenden See.

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06-… und entführt uns auf den See

Aber irgendwie müssen wir dem Wasserdrachen schwer im Magen gelegen haben, denn nachdem er uns von der Fontäne im See ordentlich hatte benässen lassen, er umkreiste das sprühende Nass ganz nah, spuckte er uns wieder an Land und gleich auf den nächsten Spielplatz.

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07-Puhh, ging nochmal gut, der Drache hat uns wieder an Land gespuckt

Die Kinder waren nach dem Drachenerlebnis auf hoher See sofort wieder obenauf und tollten umher. Einige Erwachsene kämpften jedoch noch mit den Auswirkungen der sie ereilten Seekrankheit, wie man deutlich an dem mühsam auf allen Vieren kriechenden Papa erkennen kann.

Noch gar nicht wieder richtig bei Sinnen, zumindest wir Erwachsenen nicht, schrien die Kinder nach der Achterbahn.

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08-Und nun auf zur Achterbahn!

Oma und Papa, es ist eh schon alles egal, opfern sich und treten mit den Kindern eine aufregende Reise an. Achterbahn fahren ist so schon aufregend genug, aber im Erlebnispark Schloss Thurn wird die Fahrt sogar noch ein bisschen aufregender und spannender.

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09-Und schon sitzen wir in der Achterbahn …

Wenn man mutig genug ist, bekommt man eine VR-Brille (Virtual-Reality) aufgesetzt und dann geht es ab in ein buntes Märchenland. Man begegnet einem Ritter und vielen anderen aufregenden Gestalten. Man holpert und poltert über sich drehende und windende Wege, rauscht in Tiefen und unsagbare Höhen. Sogar eine riesige Fledermaus taucht plötzlich auf und zieht den Wagen, in dem man sitzt, hinter sich her.

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10-…und rasen durch ein aufregendes Wunderland

Das folgende Video, das ich mir bei YouTube ausgeliehen habe, gibt einen kleinen Eindruck von unserer so erlebnisreichen und abenteuerlichen Reise durch eine fantastische virtuelle  Welt.

Die Wagen standen noch gar nicht wieder richtig, da riefen die Kinder bereits nach einer Wiederholung der Fahrt. Okay, Oma stieg mutig ein zweites Mal mit ihnen in die Bahn – dieses Mal ohne Brille – aber mit ist es viel schöner. Man hat hier eine relativ alte Familienachterbahn durch dieses tolle virtuelle Erlebnis mächtig aufgepeppt.

Inzwischen dürfte nun jeder Leser mitbekommen haben, dass es sich bei Schloss Thurn um einen Erlebnispark für die ganze Familie handelt. Es gibt neben der Achterbahn noch viele andere aufregende Erlebniswelten zu erkunden, beispielsweise eine Wildwasserbahn, einen Freifallturm und vieles mehr. Aber auch Tierisches hat im großen Schlosspark eine Heimat gefunden. Man kann das Gelände per Eisenbahn, mit einer Schwebebahn oder zu Fuß erkunden. Wir waren zu Fuß unterwegs, wenn wir nicht gerade irgendwo durch die Lüfte flogen oder übers Wasser dahinschwebten.
Wer mag, kann uns nun noch ein wenig auf unserem Weg durch einen schön gestalteten Erlebnispark folgen. Vielleicht habt Ihr genauso viel Spaß dabei wie wir. Unsere Enkelin sagte am Ende zu mir: „!Oma, das war heute ein richtig schöner Tag!“  Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen 😀

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Angeblich hat jeder seine Leiche im Keller. Hätte das jemand von uns Silberdistels behauptet, wäre ich wahrscheinlich bis eben noch zutiefst beleidigt gewesen. Inzwischen muss leider auch ich zugeben, wir haben uns eingereiht in die Schlange all derer mit ihren Kellerleichen. Obwohl … bei uns lag sie nicht im Keller. Unsere Leiche hatte es wärmer und irgendwie auch gemütlicher. So sind wir Silberdistels eben. Wenn schon eine Leiche, dann soll sie es auch gut haben.
Aber vielleicht lag es auch ganz einfach nur in der Ermangelung eines Kellers im Hause Silberdistel. Da wollen wir vielleicht doch lieber ehrlich bleiben und uns nicht über den grünen Klee loben.

Zunächst jedoch ahnten wir noch gar nichts von unserer Leiche, schließlich hatten wir ein reines Gewissen. Mit unserer „Keller“-Leiche ist es nämlich etwas anders als mit den Kellerleichen all der anderen, die krampfhaft versuchen, sie unter den Teppich zu kehren. Unsere wurde uns ohne unser Wissen einfach untergeschoben. Ja, untergeschoben. Was? Das behaupten die Täter in den Krimis auch immer? Nein, wir sind wirklich ganz, total und völlig unschuldig. Sie war plötzlich einfach da – ohne unser Zutun.

Wie gesagt, wir ahnten zunächst noch gar nichts von ihr. Dann aber machte sie sich bemerkbar – erst langsam und dann immer heftiger. Herr Silberdistel und ich saßen in trauter Zweisamkeit vor dem Fernseher und schauten diese „Lucifer-Serie“, in der ja nun in einer Tour auch Leichen vorkommen. Ich glaubte schon, dass die Technik wieder einmal in einem enormen Weitsprung zu neuen Möglichkeiten gehüpft war. Konnte man jetzt schon nicht nur Geräusche so hautnah miterleben, als würde man selbst in der jeweiligen Filmszene agieren, konnte man neuerdings etwa auch schon die jeweiligen im Film vorherrschenden Gerüche wahrnehmen?
Warum sollte man nicht die Gerüche wahrnehmen können? Unlängst hatten wir während eines Kurzurlaubs in Franken die Cadolzburg im Landkreis Fürth besucht. Dort lernten wir, wozu Technik und Fantasie in der Lage sind.

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Die Burg an sich war schon mehr als sehenswert. Ihr Erlebnis-Museum jedoch war das berühmte Sahnehäubchen auf unseren Ausflug – ein Museum nicht nur zum Anfassen, An- und Ausprobieren.

Genau dort nämlich sollten wir sogar miterleben, wie die Cadolzburg einst brannte. Wir sahen UND rochen, wie sich das Feuer durch die Burg fraß. Warum also sollten nicht auch die „Lucifer“-Macher über diese Kunst verfügen und die Düfte aus der Serie in unser Wohnzimmer zaubern können?

Jedenfalls schien es, während wir gespannt auf den Fernsehschirm starrten, als würde ein leichter Verwesungsgeruch durch unser Wohngemach wabern. Zunächst wollte ich noch den Katzen die Schuld daran geben. Hatte sich eine von ihnen irgendwo mit diesem ekligen Geruch parfümiert? Katzen sind ja mitunter etwas seltsam drauf.
Eine Geruchsprobe aus der Nähe ließ jedoch nichts in dieser Richtung erkennen. Kam es doch vom Fernseher und dieser teuflischen Serie? Oder schlug meine Fantasie bei all dem Grusel wieder einmal Purzelbäume?
Herr Silberdistel war sich derweil auch nicht mehr ganz sicher, ob ich ihn nur mit meiner Hysterie angesteckt hatte oder ob er selbst tatsächlich auch etwas roch, das nicht in unser Wohnzimmer gehörte.

Wir beschlossen, zunächst einmal gründlich durchzulüften. Dann gingen wir beruhigt zu Bett. Die Luft schien nun wieder rein zu sein.

Anderntags, ich trat frisch geduscht und wohlparfümiert in unser Wohnzimmer. Das bettelnde Katzenvolk wollte schleunigst hinaus in den Garten. Wir hatten für den Geschmack unserer pelzigen Mitbewohner wieder einmal viel zu lange geschlafen. Ungehalten sprangen sie mir vor den Füßen herum und mauzten mir zu, mich gefälligst etwas mit dem Türöffnen zu beeilen.
Ich hatte das Zimmer noch nicht einmal ganz durchstolpert, als mir das Frischgeduschte und Wohlparfümierte abhanden zu kommen schien. Erneut wehte mir statt meines eigenen Wohlgeruchs diese Duftwolke vom Abend vorher um die Nase.
Irritiert blickte ich zum Fernseher. War Lucifer … ? Doch der Bildschirm war dunkel. Dennoch schien dieser Ekelgeruch stärker geworden zu sein. Hatte uns hier vielleicht doch jemand eine Leiche in den Keller ins Wohnzimmer gelegt? Ich würde der Sache auf den Grund gehen müssen.

Nachdem wir im Wintergarten, in dem glücklicherweise angenehme Frischluft herrschte, gefrühstückt hatten, machte ich mich ans Werk. Ich kroch in alle Ecken und Winkel unseres Wohngemachs. Am stärksten schien mir der fiese Geruch in der Nähe unserer Sitzmöbel  spürbar.

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Die Sitzecke musste also weg und alles gründlich durchforstet werden. Dumm nur, dass die Sessel auch als Stauraum dienen und so allerlei beherbergen, was man braucht oder auch nicht.
Ich musste Klarheit haben. Also rückte ich Möbel hin und Möbel her. Letztendlich immer noch nicht fündig geworden, baute ich Stück für Stück auseinander und inspizierte zugleich jeden einzelnen Sesselinhalt. Überall konnte die vermutete Leiche versteckt sein. Gründlichkeit war angesagt. Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein, Schätze, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass wir sie jemals hatten. Eine Leiche brachte meine Inspektion allerdings nicht zutage. Wie hätte sie auch da hineinpassen sollen? Obwohl … klein und zusammengerollt …

Bei meiner Aktion musste mir immer wieder Herr Silberdistel zur Hand gehen. Er befüllte die Mülltonne mit Dingen, die wir einst dringend zu brauchen glaubten, die aber bald aus unserer Erinnerung verschwunden sein mussten. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Vermisst hatten wir davon kaum etwas. Wie konnte besser bewiesen werden, dass wir all den Kram nicht mehr brauchten? Also weg damit!

Endlich war ich im Schweiße meines Angesichts am letzten Sessel angelangt. Irgendwie war ich derweil schon ein wenig verzweifelt. Meine Suche nach der Herkunft dieser eigenartigen Duftnote war bisher erfolglos gewesen. Egal, auf zum Endspurt!

Bereits etwas entmutigt, hoben wir Silberdistels gemeinsam das letzte Sesselteil hoch. Und da waberte schlagartig eine unverdünnte Wolke dieses „edlen“ Geruchs zu uns empor. Fast hätte ich vor Entsetzen den Sessel wieder fallen lassen.
Unsere „Keller“-Leiche war gefunden. Winzig und ein wenig spitz im Gesicht lag sie dort – mausetot.

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Und wir beiden Silberdistels, wir schwören es hoch und heilig, haben wirklich nichts mit ihrem Tod zu tun. Diese Leiche wurde uns von fremder Hand oder vielleicht auch von bekannter Pfote untergeschoben. Wir sind ziemlich sicher, dass mehr eine Pfote denn eine Hand im Spiel war. Lebt doch in unserem Hause ein recht geschickter getigerter Mauserich, der uns oft schon mit derartigen Mitbringseln  „beglückte“.

Das kleine Spitzmäuschen muss wohl noch gelebt haben, als es von dem vierbeinigen Jäger und von uns unbemerkt ins Haus getragen wurde. Sogar die Flucht unter besagten Sessel ist ihm offensichtlich noch gelungen. Dann jedoch muss der Stress wohl doch zu gewaltig gewesen sein und der Mäuse-Sensenmann hat dem armen Opfer still und leise unter unserer Sitzecke die Augen zugedrückt.

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Bei der Befragung des Hauptverdächtigen konnten allerdings keine Beweise für seine Schuld erbracht werden. Er schwieg sich einfach aus.

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Weitere Befragte wuschen ihre Pfoten laut Mauzsage ebenfalls in Unschuld.

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Mangels an Beweisen mussten am Ende alle in Frage kommenden Verdächtigen freigesprochen werden.

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Weitere Untersesselfundstücke konnten nicht als Beweisstücke für die Untat mit herangezogen werden. Sie schienen nicht mit dem Mordopfer und dieser Tat in Zusammenhang zu stehen. Mit den Verdächtigen aber wohl schon. Immerhin beweisen diese Stücke, dass bereits öfter Mäuse & Co. unter Sessel gehetzt wurden. Dieser Tatbestand könnte also durchaus auf einen Wiederholungstäter hinweisen. Nur konnten wir weder diese, noch die vorherigen Taten einem konkreten Täter zur Last legen. Wahrscheinlich aber stecken sie alle unter einer Decke – organisiertes Verbrechen gewissermaßen. Schwer gegen anzukommen. Wer traut sich da schon?

Ein Gutes jedoch hatte die ganze Sache. Endlich ist das kleine hölzerne Schaukelpferdchen wieder aufgetaucht. Gewöhnlich schmückte es zum Weihnachtsfest gemeinsam mit anderen Figuren unseren Christbaum. Vorletztes Weihnachten verschwand es plötzlich spurlos und ließ mich traurig zurück. Wie konnte es mir das antun und einfach davonschaukeln? Jetzt weiß ich, dass es ganz unfreiwillig verschwand, ich nur seine Hilferufe nicht gehört habe.

Ende gut, alles gut. Naja, nur für die arme kleine Spitzmaus nicht.

 

Na, wie wäre es einmal zur Abwechslung mit einem Trip rund um den Globus? Noch dazu, ohne dafür sein Köfferchen packen, ins Auto, in die Bahn oder gar ins Flugzeug steigen zu müssen. Wäre das nicht ein Deal? Für unseren Trip würde nämlich eine kleine gemütliche Leseecke schon genügen. Die gibt es doch sicher im Garten oder auf dem Balkon – mit einem bequemen Liegestuhl oder mit einer von der Lieblingsrose umrankten Bank, davor ein Tischchen, darauf ein Glas mit einem verlockend kühlen Getränk oder ersatzweise eine Tasse herrlich duftenden Kaffees oder ein Cappuccino mit einem Berg von leckerer Sahne. Wer sich auf Weltreise begibt, muss schließlich auch irgendwann die müden Geister wieder ein wenig aufwecken, damit das Abenteuer weitergehen kann. Und unser Abenteuer wird noch dazu ein ganz besonderes, ungewöhnliches werden. Da muss schon mal Energie nachgetankt werden.
Na, wie ist es? Alles parat? Die Sonne blinzelt auch ein wenig durch das Grün des Apfelbaums, unter dem unser Liegestuhl seinen Platz gefunden hat? Perfekt! Dann kann es also losgehen.

Vom Liegestuhl aus um die Welt

Um es gleich am Anfang zu sagen, unser Trip ist kein gewöhnlicher. Aber gewöhnlich kann schließlich jeder. Wir wollen die ganz große Welt erleben, wir wollen nicht nur hinein schnuppern in die Welt der Reichen und Schönen, wir wollen dort einen Platz finden und erleben, wie es ist, auf großem Fuße zu leben, nur zu genießen, ewig und immer auf Urlaub zu sein.
Tja, und um da hineinschnuppern zu können, brauchen wir natürlich Geld, denn ohne Geld geht da nichts, rein gar nichts. Da wir nun dummerweise für unser bisheriges normales und eher unaufgeregtes Leben Tag für Tag hart arbeiten mussten, dürfte unser Kleingeld wohl eher weniger für das große Leben von Welt reichen.

Aber ich weiß jetzt, wie es gehen könnte, denn ich habe gerade einen jungen Mann kennengelernt, an dessen Fersen wir uns gleich heften werden. Der scheint nämlich irgendwie den Dreh rauszuhaben, wie man zu genügend Kleingeld kommt, um sich unter die Reichen und Schönen mischen zu können. Ob uns seine Variante, durchs Leben zu gehen, gefallen wird? Folgen wir ihm doch ganz einfach auf seinem Weg durch sein etwas anderes  Leben und bilden uns dann ein Urteil darüber.

Aber zuvor klären wir vielleicht noch ein paar Fragen, damit wir am Ende auch richtig urteilen. Beginnen wir mit folgender Frage:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, ob es das mit dem Leben, so wie es bisher gelaufen ist, nun schon gewesen sein soll? Fehlt da nicht irgendwie noch etwas ganz Großes, ganz Besonderes? Sind da nicht immer noch Träume offen, die man gern erfüllt sehen würde, Träume, die sich fernab vom täglichen Einerlei, von Verpflichtungen und Verantwortung bewegen?
Also ich habe schon mehr als nur einmal von einem großen Lottogewinn geträumt, um endlich genau diese unerfüllten Träume schnell noch wahr werden zu lassen.
Und mal ehrlich, hat man nicht auch schon einmal im Geiste mit seiner besten Freundin oder seinem besten Kumpel eine Bank überfallen? Wie toll wäre es, den ganz großen Coup zu landen, nie wieder Geldsorgen zu haben und nie wieder von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Gibt es nicht immer wieder diese berühmten Beispiele, die besagen, dass der oder die Täter nie gefasst wurden?
Tja, und wer war nicht voll heimlicher Bewunderung für die Meisterdiebe in solchen Filmen wie „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant oder „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ mit Steve McQueen? Die Neuverfilmung des „Thomas Crown“ mit Pierce Brosnan, „Die Thomas Crown Affäre„, hat mich auch schwer begeistert. Okay, vielleicht hat ja auch der charmante Pierce Brosnan viel dazu beigetragen, dass ich Meisterdiebschwärmerin wurde.

Ja, diese schicken Diebe – intelligent, charmant, humorvoll und immer einen Tick klüger als die Polizei – konnten wohl nicht nur Frauen begeistern. Dieser junge Mann, den ich da gerade kennengelernt habe, der ist ebenfalls überaus begeistert von diesen cleveren, selbstsicheren und charmanten Gentleman-Dieben. Bei ihm allerdings bleibt es nicht beim Anhimmeln der locker und lässig daherkommenden Einbrecher von der Filmleinwand, er lässt Taten folgen, um genau dieses abenteuerliche Leben der filmischen Meisterdiebe zu seinem eigenen Leben zu machen. Wie es ihm letztendlich gelingt, habe ich erfahren, weil ich seinen Spuren ganz einfach gefolgt bin, und diese Spuren führten mich über den Roman „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong zu ihm.
Na, Lust bekommen auf ein paar diebisch spannende Augenblicke? Also dann, den Liegestuhl noch einmal zurechtgerückt und los geht’s!

DeLong - Ein Dieb

Aber an wessen Fersen heften wir uns da eigentlich?

Diese Frage wollt Ihr sicher auch noch beantwortet haben. Man möchte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Das Leben unseres Romanhelden lief zunächst wie das Leben vieler anderer Menschen ab – Grundschule, Abitur, Wehrdienst, Lehre. 23jährig verdient er seinen Lebensunterhalt schließlich  in einem Reprostudio. Das Geld reicht gerade so zum Leben. Aber so, wie sein Leben läuft, findet er es stinklangweilig, öde und trist. Unvorstellbar für ihn, auf ewig so weiterleben zu müssen. Der Alltagstrott, wie er ihn auch von seinen Eltern und Freunden kennt, kann doch nicht das Leben sein. Sollte man es nicht in vollen Zügen auskosten, alles mitnehmen, was nur geht? Alles oder nichts?

Und so kommt ihm genau im richtigen Moment ein Zufall zu Hilfe, um aus diesem Nichts alles zu machen, aus diesem öden täglichen Einerlei auszubrechen. In einem Gespräch mit seinem besten Kumpel erfährt er so ganz nebenher, dass die Tageseinnahmen eines Einkaufszentrums abends jeweils von einer einzelnen weiblichen Person zu einem Nachttresor gebracht werden. Welche Gelegenheit! Ist es nicht genau das, wovon er schon immer geträumt hat – die Gelegenheit für den ganz großen Coup?

Was zunächst nur als Gedankenspiel abläuft, wird dann doch bitterer Ernst. Er überfällt die Geldbotin und eignet sich unerkannt die Tageseinnahmen des Einkaufszentrums an. Und weil es so perfekt geklappt hat, wiederholt er den Überfall ein Weilchen später – ebenfalls erfolgreich. Danach setzt er sich mit seinem neuen Reichtum nach Jamaika ab. Und so beginnt ein neues und aufregendes Leben für ihn, ein Leben, wie er es sich schon immer erträumt hat:

„Mein neues Leben begann! Nie werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, dieses dicke fette Grinsen auf meinem Gesicht, mit dem ich, den Koffer in der Hand in die Sonne trat. Diesen jubelnden Schrei, den ich innerlich ausstieß, diesen Sprung, den ich tat. YES! Das Leben lag vor mir, war groß und wunderbar. Das Paradies war hier!“ (S. 15)

Einmal Paradies – immer Paradies?

Na, war doch ganz einfach bis hierher, oder? Geht’s noch paradiesischer, wenn man weiten Strand, Meer, Sonne und Palmen vor sich hat? Und das Geld stimmt auch, um aus dem neuen Leben einen ewigen und immerwährenden Feiertag zu machen. Urlaub ohne Ende. Was kann schöner sein?

Für eine gewisse Weile mag sich ein solches Leben toll, wundervoll und erfüllend anfühlen. Ob aber nicht auch daraus irgendwann wieder so etwas wie Normalität wird und dann alles wie zuvor ist? Nur an einem anderen Ort?

Unserem Aussteiger aus dem normalen Leben wird genau das bald klar, denn tatsächlich verliert sein neues Paradies ganz heimlich, still und leise für ihn den Reiz. Das Neue ist weg, das tägliche Einerlei macht sich wieder breit, wenn auch auf einer anderen Stufe der Lebensleiter. Ernüchterung folgt dem Hoch. Nach gerade mal drei Monaten auf Jamaika, in denen unser Romanheld das Leben in vollen Zügen genossen und das Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, hängt ihm diese paradiesische Insel, dieses paradiesische Leben voller Partys, Sex und Alkohol, dieser Dauerurlaub zum Halse heraus. Deprimiert und unzufrieden mit sich und der Welt durchstreift er die Insel und  bekommt dabei eine Ahnung von dem, was einen Wunschtraum vom einem endlich wahr gewordenen Traum unterscheidet:

„Nicht immer ist der Traum ein Traum, wenn er wahr wird, und manchmal ist der Preis zu hoch. Mancher Traum bleibt besser dort, wo er entstand – im Kopf, und nur dort ist er wunderbar. Der Realität hält er nicht stand.

Im Kopf steht ein Traum nur für sich, die Realität und das Umfeld sind ausgeblendet. Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Der Traum ignoriert die Schlangen, die Menschen, die Unwetter und Unbill.“ (S. 23 f.)

Und er merkt auch bald, dass ihm trotz allen Geldes etwas fehlt. Er fühlt sich einsam und erfährt, dass das noble Leben in vornehmen Hotels, schicke Anzüge und tolle Autos auch nicht das allein Seligmachende sind.

Als nach einem halben Jahr dann auch nur noch die Hälfte des erbeuteten Geldes übrig ist, muss er sich darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Ursprünglich hatte er geglaubt, mit einem einzigen großen Coup für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Weiter hatte er nie gedacht. Doch jetzt muss er darüber nachdenken, wie er sein Leben von dem Moment an gestalten soll, in dem das Geld aufgebraucht sein wird.

Wenn einem „normal“ nicht genug ist

In einem fremden Land das neu zu beginnen, vor dem unser Aussteiger aus seiner Heimat Deutschland geflohen ist, erscheint ihm undenkbar. Er will nach wie vor kein langweiliges normales Leben führen, keinem normalen Arbeitsalltag nachgehen. Es bleibt ihm eigentlich nur ein Weg übrig. Er wird als Dieb leben müssen. Und so findet er seine neue Bestimmung – in einem Leben als Dieb. Und dieser Dieb soll nach seiner Vorstellung zu einem Meisterdieb werden, ein Meisterdieb, wie ihn Cary Grant und Steve McQueen darstellten. Wie wundervoll aufregend würde dieses Leben werden?
Und da ohnehin die Geldvorräte irgendwie erneuert werden müssen, wird der nächste Diebstahl sogar zu einer Notwendigkeit. Nach diesem erneuten Coup muss unser Dieb Jamaika jedoch verlassen, denn gefasst werden möchte er natürlich auch dieses Mal nicht, und so beginnt sein Trip rund um den Globus.

Von Diebeszug zu Diebeszug wird er geschickter und cleverer, und das nötige Quentchen Glück ist ebenfalls immer an seiner Seite.
Während wir mit ihm von Nobelhotel zu Nobelhotel durch die Welt reisen, denn nur, wo Geld ist, kann man auch zu Geld kommen, lernen wir nicht nur etwas über das Handwerk unseres etwas anderen „Reisebegleiters“, wir lernen nebenher auch viele Orte und Landschaften rund um den Globus kennen. Wir verbringen interessante Tage auf Cuba, im Steuerparadies auf den Bahamas und reisen von dort aus weiter nach New York.
Wir wandeln in Havanna an kolonialen Prachtbauten, Festungen und Stadtpalästen vorüber und genießen die immer und überall gegenwärtige Musik. Wir staunen über den ungeheuren Luxus auf den Bahamas und verspüren die enorme Anspannung und Aufregung unseres Diebes beim Ausrauben diverser Zimmer in einem der teuren Luxushotels. In New York lernen wir schließlich, dass es den einen großen Coup wohl nicht gibt und dass auch Diebsein in Arbeit ausarten kann.

Während all dieser Reisen und Diebeszüge lernen wir gemeinsam mit unserem „Reiseführer“ auch viele Menschen kennen. Verwundert stellt er fest, dass auch der normale Alltag eines Menschen ungeheuer spannend sein kann. Nie hätte er das bis dahin für möglich gehalten. Hatte er doch sein eigenes „altes“ Leben als entsetzlich langweilig und öde empfunden. Er hatte ganz einfach von seinem eigenen tristen Leben auf das aller anderen geschlossen.

Während seiner Reisen, die ihm seine „Geschäfte“ immer wieder aufzwingen, begegnen ihm auch zwei Frauen, Frauen, an denen ihm erstmals wirklich etwas liegt. Doch lassen sein Wanderdasein, seine „Tätigkeit“ überhaupt eine ernsthafte Bindung zu? Ist sie nicht immer zum Scheitern verurteilt? Ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er durch seinen „Beruf“ bedingt, als Einzelgänger durchs Leben läuft und wie schwierig es ist, ein ganzes Leben mit einer Lüge leben zu müssen.

Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Ob unser Romanheld doch noch die berühmte Kurve zurück ins normale Leben kriegt? Oder wird er tatsächlich zu DEM Meisterdieb, wie es ihm die großen Filmhelden vorgemacht haben? Wie wär’s, wenn Ihr das selbst herausfindet? Ich schleiche mich jetzt ganz heimlich aus meinem Liegestuhl fort und lass Euch allein mit Euren Gedanken über den ganz großen Coup.

Aber bevor ich mich durch mein bücherstaubiges Türchen für heute davonmache, sollt Ihr schnell noch erfahren, wie mir diese abenteuerliche Reise im Schatten eines Diebes gefallen hat.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, als mir vom Phantomverlag angeboten wurde, das Buch zu lesen und gegebenenfalls zu rezensieren. Würden mich die Bekenntnisse eines Diebes wirklich so brennend interessieren, dass ich dafür andere spannende Lektüren, die sich auf meinem Nachttischchen schon bis fast unter die Decke stapeln, erst einmal würde zur Seite schieben wollen? Aber als ich durch den Trailer zum Buch …

… und durch den Text auf dem Cover über den Vergleich mit „Über den Dächern von Nizza“ und mit „Thomas Crown“ erfuhr, wurde ich dann doch ein kleines bisschen neugierig. Ja, sie hatten mich am Haken, und ich blieb auch während der Lektüre am Haken. Der Schreibstil nämlich gefiel mir sofort und einmal angefangen, musste ich natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

Und bald zog mich diese etwas andere Reise durch ferne Länder in ihren Bann. Schön und detailliert beschrieben sind die Besonder- und Eigenheiten einzelner Städte und die Lebensart der dort lebenden Menschen. In Teilen könnte das Buch einem Reiseführer durchaus alle Ehre machen. Wenn es nicht sogar fast das Zeug zu einem kleinen ReiseVERführer hat.
Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann sogar einmal dort wandeln, wo ich eben noch mit einem Dieb unterwegs war. Allerdings schweben mir eher keine Raubzüge vor. Ich bleibe dann doch lieber bei meinem normalen Leben. Ich brauche meine Vergangenheit, meine Familie, meine tierischen Mitbewohner, meine Freunde und ein eher unaufgeregtes Leben, das durchaus auch ohne Stress und Panik im Nacken spannend und unterhaltsam sein kann. Na, und meine vielen Bücher möchte ich auch nicht immer irgendwo zurücklassen müssen, denn ein Dieb kann immer nur mit kleinem Koffer reisen.

Ebenso bildreich wie Orte und Landschaften wird auch die Gefühlswelt des Protagonisten beschrieben. Es macht richtig Spaß, in diese Gefühlsbeschreibungen einzutauchen. Einzelne Szenen musste ich immer wieder lesen, sie mir förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Am Ende habe ich ein Buch aus der Hand gelegt, das ich nach anfänglichen Zweifeln gerne gelesen habe. Das Ende allerdings hatte ich mir etwas anders erhofft. Aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ihr wollt ja schließlich noch selbst auf die Reise gehen.
Eines kann ich aber doch noch verraten, nämlich die Antwort auf die obige Frage: Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Sie lautet: Und ob es ein Lesevergnügen für mich war!

Für diejenigen, die nun hoffentlich ganz neugierig geworden sind, hier noch die genauen Angaben zum Buch. Es kommt übrigens als richtig schön gebundenes Buch mit einem Hardcover daher und kostet 14,90 Euro.

DeLong, Lucien: Ein Dieb : Bekenntnisse ; Roman. – Berlin : Phantom Verl., 2017. – 143 S.
ISBN 13-978-3-927447-07-3

Da wollte ich doch neulich gerade in den Garten eilen, um dort vor dem Mittagessen  schnell noch ein paar Handgriffe zu verrichten, als ich auf meinem Weg durchs Wohnzimmer ein seltsam grünes Blatt auf dem Teppich entdeckte. Im ersten Moment dachte ich, eine der Katzen hätte ein Blatt von unserer Korkenzieherhasel im Pelz mit hineingeschleppt und dort verloren. Nicht selten ist der Weg vom Wintergarten quer durchs Wohnzimmer bis hin zum Katzenfressplatz in der Küche mit solchen Katzenmitbringseln förmlich gepflastert. Während ich noch so auf das vermeintliche Blatt starrte, bewegte es sich plötzlich, obwohl doch im Wohnzimmer totale Windstille herrschte. Je näher ich  dem Blatt kam, umso mehr verformte es sich in meinen Augen und schließlich verwandelte es sich in ein grünes Lebewesen. Wow! Da lag mir doch tatsächlich etwas Königliches zu Füßen.
Hatte mir etwa eine der Katzen diesen entzückenden Froschkönig ins Haus getragen? Oder war der königliche Besucher auf eigenen vier Füßen in unser Wohngemach gehüpft? Sofort fiel mir der Film „Ein Kuss mit Folgen“ ein, in dem ein in einen Frosch verwandelter Königssohn versuchte, wieder in seine menschliche Gestalt zurück verwandelt zu werden. In seiner Not suchte er krampfhaft nach einer Frau, die ihn küssen und damit die Verwandlung wieder rückgängig machen sollte. Hm, nun ja, eigentlich hatte ich meinen Prinzen ja schon vor sehr langer Zeit gefunden und was man hat, das weiß man. Was man bekommt, das ist doch irgendwie immer ungewiss – selbst bei einem König.
Vielleicht sollte ich der Sache lieber erst einmal auf den Grund gehen und erforschen, wie der kleine Froschkönig in unser Wohngemach kam.  Danach würden wir weitersehen. Vielleicht könnte dem grünen Gesellen ja auch ohne Kuss zu seinem Glück verholfen werden.
Ach, da ist ja unser Keks, mein Hauptverdächtiger in puncto Frosch-Kidnapping.

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„Heh, Keksilein, hast DU den Frosch in unser Wohnzimmer getragen?“
„Stör mich nicht, Silberdistel, ich meditiere gerade.“
„Du mediwas? Nee, also Sachen gibt es in diesem Hause … Also gut, befrage ich erst einmal die anderen Herrschaften?“

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„Graue Eminenz, weißt Du etwas über den Frosch in unserem Wohnzimmer?“
„Frosch? Ich? Damit gebe ich mich nicht ab. Frösche schmecken nicht.“

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„Ach Torty, wie schön, dass Du auch hier bist. Sag mal, weißt Du, wie der Frosch in unser Wohnzimmer gekommen ist?“
„Tja, Silberdistel, vielleicht gehüpft?“
„Tolle Antwort, Torty, danke! Weißt Du vielleicht auch noch, ob er auf den eigenen vier Beinen hinein ins Wohnzimmer gehüpft ist?“

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„Vielleicht auch auf denen von Keks? Aber nun lass mich schlafen, Silberdistel.“
„Du meinst auf den Beinen von Keks, Torty? Dachte ich es mir doch gleich. Dieser Schlingel!“

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Während ich noch mit meiner Befragung befasst war, hatte Herr Silberdistel schon mal verhindert, dass unser grüner Besucher auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen unseres Wohnzimmers verschwand. Und so hatte er dem Gast gegen unkontrolliertes Davonhüpfen ein Glas übergestülpt. Herr Silberdistel glaubt nämlich nicht an Märchen und stand somit meiner Variante mit dem verzauberten Königssohn eher skeptisch gegenüber. Aber vielleicht wollte er mich auch ganz einfach nur nicht in Versuchung führen.

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Derweil schaute ich, ob Keks zu Ende meditiert hatte. Ich wollte ihn nach Tortys Hinweis noch einmal befragen, ob er nicht doch seine Pfoten bei unserem grünen Gast im Spiel gehabt hatte. Doch der würdigte mich erneut keines Blickes und täuschte jetzt sogar tiefsten Schlaf vor.

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Herr Silberdistel hatte sich inzwischen des königlichen Fröschleins angenommen, ihm eine alte Katalogkarte unter den Froschpopo geschoben – wozu doch solche Bibliotheksüberbleibsel heutzutage noch nützlich sein können – und war mit dem Frosch im Glase in den Garten geschritten.

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Eines unserer drei kleinen Teichlein war das Ziel des tapferen Ritters Retters des kleinen verirrten Froschkönigs.

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Am Teichlein angekommen, durfte das Fröschlein seine gläserne Behausung wieder verlassen und auf einem Teichrosenblatt Platz nehmen. Scheinbar wusste der grüne Prinz im ersten Moment nicht, wie ihm geschah, denn er blieb ganz starr und steif auf dem Blatt sitzen.
Hatte er vielleicht doch allein den Weg in unser Wohnzimmer gefunden und nach einem weiblichen Wesen Ausschau gehalten, dass ihn würde retten wollen und ihm seine menschliche Gestalt zurückgab? Und nun sah er sich fortgestoßen und missverstanden?

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Ich blickte ihm noch einmal tief in die Augen und plötzlich … Was mochte er in meinen Augen wohl gesehen haben? Auf einmal nämlich …

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… machte er einen riesigen Satz und hechtete ins kleine Teichlein. Hm, war er nun doch kein Froschkönig? Oder was hatte er in meinen Augen gesehen, dass er doch lieber ein Frosch bleiben wollte?

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Doch plötzlich wurde ich ganz unsanft aus meinem Märchen mit dem Froschkönig gerissen. Etwas Pelziges drängelte sich an mir vorbei und starrte ebenfalls ins Teichlein. Irritiert erkannte ich Keks, der doch eben noch tief und fest im Wintergarten zu schlafen schien: „Silberdistel, wo, wo, wo ist mein Frosch? In welches Teichlein hast Du ihn getan? Das war mein Frosch, meiner ganz allein! Ich will ihn zurück!“
Aha, wegen Keksens Erscheinen war mein Froschkönig also geflüchtet, nicht, weil ICH so entsetzlich zum Fürchten aussah. Sicher hatte der grüne Geselle den pelzigen Jäger wiedererkannt und ein zweites Mal wollte er ihm nicht in die Fänge geraten.
Damit dürfte dann wohl geklärt sein, wie der grüne Gast in unser Wohnzimmer gekommen war.

Da war doch mein Märchen ganz einfach wie eine Seifenblase zerplatzt. Andererseits soll es ja wiederum auch nicht von Übel sein, wenn man nach einem solch märchenhaften Ausflug auch wieder auf dem Boden der Tatsachen landet.

Apropos märchenhafter Ausflug – hier geht’s entlang für diejenigen, die nun doch noch ein wenig weiterträumen möchten bei einem „Kuss mit Folgen„. Es lohnt sich – versprochen – besonders, wenn man Froschkönige und Märchen mag.

Also, genaugenommen waren es Kraniche, die uns ein Konzert aus luftiger Höh‘ gaben und sie spielten nicht Geige, sie hatten ihre Trompeten dabei. Herr Silberdistel und ich waren wieder einmal zu einem kleinen Spaziergang unterwegs, schließlich wollen wir das frühlingshafte Wetter voll auskosten. Man weiß ja nie, wann wieder Schluss damit ist und was man hat, das hat man schließlich und man kann es an grauen Tagen einfach wieder aus der Erinnerung hervorzaubern.
So schlenderten wir also dahin und plötzlich hörten und sahen wir sie. Wieder einmal war nur Herrn Silberdistels kleine Kamera unsere digitale Begleiterin. Für ein paar Eindrücke von dem, was sich hoch über uns am blauen Himmel abspielte, sollten die Fotos aber wohl dennoch reichen.
Was übrigens ganz erstaunlich war, außer uns blieben noch zwei andere Passanten stehen und schauten hinauf zum himmlischen Trompetenkonzert der Kraniche. Und sie zückten, genau wie wir, eine kleine Kamera und nahmen das Schauspiel auf. Selten einmal habe ich es erlebt, dass außer mir und meinem Herrn Silberdistel noch andere Menschen andachtsvoll gen Himmel schauten, wenn sich eine Formation dieser imposanten Vögel näherte. Schön, zu erleben, dass es doch noch einige Menschen mehr gibt, die sich durch ein solch herrliches Schauspiel am Himmel für einige Augenblicke aus ihrem Alltagstrott reißen lassen.
Die Kraniche über uns drehten, sicher wegen des äußerst interessierten Publikums, mehrere Kreise, bevor sie sich auf ihre jeweilige Weiterreise machten. Eine Formation entschied sich für eine nordöstliche Reiseroute und die andere wendete sich nach Südwesten.
Ein paar Möwen kreisten fröhlich mit den Kranichen, wenn auch etwas tiefer. Sie wollten wohl ein paar zusätzliche fröhliche Akzente in meine Bilder setzen. Ich finde, es ist ihnen durchaus gelungen.
Aber jetzt – hochgeschaut und dem klassischen Trompetenkonzert gelauscht!

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Und damit das auch klappt mit dem Konzertfeeling, bitte das nachfolgende Video anklicken. Das ist zwar nicht brandaktuell von diesem Jahr, es stammt aus meinem Archiv und gibt einen Einblick in den Kranichzug vom Herbst 2013, aber die Melodie der Kraniche hat sich nicht verändert, sie klingt nach wie vor unbeschreiblich schön.

Zwei Tage nach diesem schönen Erlebnis während unseres Spaziergangs hörte ich, als ich gerade ein wenig in meinem Garten herumwerkelte, erneut Kranichrufe über mir. Der Tag neigte sich bereits langsam dem Abend entgegen und so stand auch die Sonne bereits entsprechend tief.

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Aber gerade dieses abendliche Licht tauchte die Kraniche wieder einmal in einen wundervollen Goldschimmer. Schade, dass solche Momente immer viel zu schnell wieder vorüber sind.

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Inzwischen dürfte nun wohl die Masse der Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück sein.
Wahrscheinlich wird es schon wieder Herbst sein, wenn es hier erneut etwas von den Vögeln des Glücks zu lesen und zu sehen geben wird. Es sei denn, ich entdecke im Laufe des Sommers das eine oder andere Kranichpaar. Dann berichte ich natürlich.

Lesen geht heute anders, ganz anders als damals, als wir, besonders wir ganz schön doll Erwachsenen, noch in den Kinderschuhen steckten. Das ist mir heute wieder einmal klar geworden, als ich meinen letzten Rest vom Frühstückstee genüsslich in mich hineinschüttete und dann mein kleines Tablet zur Hand nahm, um zu schauen, was es Neues in der Welt gibt. Da las ich doch gleich: Heute ist „Welttag des Buches“. Uups, wie peinlich ist das denn? … und ich sitze hier mit meinem Tablet statt mit einem ordentlichen Buch oder einer raschelnden Zeitung in den Händen. Tja, und da sind wir dann auch genau bei dem Thema, dass das Lesen heute eben anders geht als damals, als klein Silberdistelchen noch in einem ihrer ach so geliebten Märchenbücher aus richtigem Papier blätterte und sich schließlich in diese Geschichte mit dem süßen Brei vertiefte. Meine alten Märchenbücher hat mir unlängst ein Blogbeitrag von Gudrun aus dem „Spinnstübchen“ wieder einmal ins Gedächtnis gerufen. Gudrun hatte nämlich überglücklich in einem Antiquariat genau die Ausgabe ihres einstigen Lieblingsmärchenbuches aus Kindertagen wiederentdeckt. Natürlich musste sie hinein in die Buchhandlung und das Buch, das wunderschöne alte Erinnerungen weckte, mitnehmen. Als ich Gudruns Beitrag las, da musste auch ich meine beiden Lieblinge aus der Kinderzeit wieder einmal aus dem Bücherregal nehmen und hineinschauen.

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Mein allerliebstes Märchenbuch mit Grimms Märchen hatte sich durch den vielen Gebrauch zur Kinderzeit schon etwas aufgelöst, wie es auch mit Gudruns ursprünglichem Buch einst geschah. Ihres sollte zum Buchbinder, verschwand dann aber auf seltsame Weise auf dem Weg dahin ganz. Meines hingegen fand den Weg zum Buchbinder, allerdings erst spät. Die Kindheit lag schon eine erstaunlich lange Zeit hinter mir, mein Herr Silberdistel war bereits in mein Leben getreten und ich hatte sogar selbst schon Kinder. Der kleine Märchenschatz stand nach wie vor im Bücherschrank und eines Tages wollte mein Herr Silberdistel einige Bücher, die ihm sehr am Herzen lagen, zum Buchbinder bringen. Was lag da näher, als mein altes Lieblingsmärchenbuch, „Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“, illustriert von Lea Grundig, erschienen im Kinderbuchverlag Berlin im Jahre 1955, mitwandern zu lassen. Es hatte sich ein neues Kleid verdient, hatte es mir doch schon so viele wunderbare märchenhafte Stunden im Leben geschenkt – erst mir selbst, dann mir und meinen Kindern und vielleicht schaut ja auch noch einmal eines meiner Enkelkinder gemeinsam mit mir hinein. Aber wer weiß, möglicherweise schauen wir auch auf mein Tablet und lesen dort Grimms Märchen oder aber wir spielen mit Playmobilfiguren und nehmen dabei so ganz nebenbei eine Kelle voll klassischer Bildung zu uns – ganz spielerisch und so gar nicht anstrengend. Wie das geht? Ganz einfach. Ich hab’s gerade bei „Fernweh“ gelernt.
Als ich nämlich heute mit meinem elektronischen Lesegerät nach dem Frühstück noch ein wenig weiter durchs WWW schlenderte, blieb ich bei einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kultur – für Banausen???“ hängen. In diesem Post ging es unter anderem um diese geliebten oder mitunter auch gehassten kleinen Heftchen, die wahrscheinlich ähnlich wie Märchenbücher in wohl fast jedem Haushalt zu finden sind oder die dort zumindest irgendwann einmal zu finden waren – die kleinen Büchlein vom Reclam Verlag. Wie oft haben wir sie in der Schulzeit gehasst, mussten wir uns doch durch sie und ihren mitunter unverständlichen alten klassischen Inhalt quälen. Und nun lese ich bei „Fernweh„, dass auch „Reclam“ mit der Zeit geht und uns das Leseleben leichter macht, besonders das, bei dem es um unsere sogenannte klassische Bildung geht. Mit Hilfe von Playmobilfiguren erzählt uns der Literaturwissenschaftler, Regisseur, Autor und Dramaturg Michael Sommer in einem etwa 10-Minuten-Filmchen den Inhalt einiger gewichtiger Theaterstücke und inzwischen auch den Inhalt etlicher anderer Werke der Weltliteratur. Begonnen hat das Ganze mit einer Einführungs-Veranstaltung zur Inszenierung von „Dantons Tod“ am Ulmer Theater. Da dieses Filmchen so enorm gut ankam, folgten bald weitere solcher Kurzfilme und inzwischen gibt es eine richtig kleine Serie unter dem Titel „Sommers Weltliteratur to go„. Wie ich bei „Fernweh“ las, wird das Projekt seit Sommer 2015 vom Reclam Verlag unterstützt, dem Verlag also, dem wir fast alle einen Teil unserer klassischen Bildung zu verdanken haben.

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Übrigens war Reclambuch nicht immer gleich Reclambuch. Die ganz alten Heftchen kamen im schlichten mehr oder weniger Braun daher. Nach der deutschen Teilung trugen die Reclam-Ausgaben im Westen ein gelbes Outfit und die im Osten ein weißes bzw. schwarzes. Die einen erschienen in Stuttgart und die anderen in Leipzig.

Als kleines Filmbeispiel aus „Sommers Weltliteratur to go“ hier nun „Romeo und Julia to go“. Wie hätten wir uns damals über eine solche, noch dazu sehr unterhaltsame, Kurzfassung gefreut, denn gewöhnlich hatte man doch viel zu spät mit dem Lesen begonnen und wusste im Literaturunterricht zunächst bei der Besprechung des Werkes gar nicht, was Sache war, wobei, unter uns gesagt, ich „Romeo und Julia“ noch ganz gern gelesen habe. Neuerdings kann also das Schulkind seine Ferien bei der Oma verbringen und anschließend kommt es mit einem großen Sack voller Playmobilfiguren klassischer Bildung nach Hause zurück. Apropos Märchen, sicher ließe sich auch das eine oder andere Märchen genauso überaus humorvoll als Film umsetzen. Mir geht da gerade „Der süße Brei to go“ durch den Kopf 😉 Aber was heißt hier könnte? Mein Wunsch ist bereits Wirklichkeit, denn unter „Geheimakte Grimm“ gibt es schon so allerlei Märchenhaftes von Herrn Sommer zu sehen.