Archiv für die Kategorie ‘Film’

Angeblich hat jeder seine Leiche im Keller. Hätte das jemand von uns Silberdistels behauptet, wäre ich wahrscheinlich bis eben noch zutiefst beleidigt gewesen. Inzwischen muss leider auch ich zugeben, wir haben uns eingereiht in die Schlange all derer mit ihren Kellerleichen. Obwohl … bei uns lag sie nicht im Keller. Unsere Leiche hatte es wärmer und irgendwie auch gemütlicher. So sind wir Silberdistels eben. Wenn schon eine Leiche, dann soll sie es auch gut haben.
Aber vielleicht lag es auch ganz einfach nur in der Ermangelung eines Kellers im Hause Silberdistel. Da wollen wir vielleicht doch lieber ehrlich bleiben und uns nicht über den grünen Klee loben.

Zunächst jedoch ahnten wir noch gar nichts von unserer Leiche, schließlich hatten wir ein reines Gewissen. Mit unserer „Keller“-Leiche ist es nämlich etwas anders als mit den Kellerleichen all der anderen, die krampfhaft versuchen, sie unter den Teppich zu kehren. Unsere wurde uns ohne unser Wissen einfach untergeschoben. Ja, untergeschoben. Was? Das behaupten die Täter in den Krimis auch immer? Nein, wir sind wirklich ganz, total und völlig unschuldig. Sie war plötzlich einfach da – ohne unser Zutun.

Wie gesagt, wir ahnten zunächst noch gar nichts von ihr. Dann aber machte sie sich bemerkbar – erst langsam und dann immer heftiger. Herr Silberdistel und ich saßen in trauter Zweisamkeit vor dem Fernseher und schauten diese „Lucifer-Serie“, in der ja nun in einer Tour auch Leichen vorkommen. Ich glaubte schon, dass die Technik wieder einmal in einem enormen Weitsprung zu neuen Möglichkeiten gehüpft war. Konnte man jetzt schon nicht nur Geräusche so hautnah miterleben, als würde man selbst in der jeweiligen Filmszene agieren, konnte man neuerdings etwa auch schon die jeweiligen im Film vorherrschenden Gerüche wahrnehmen?
Warum sollte man nicht die Gerüche wahrnehmen können? Unlängst hatten wir während eines Kurzurlaubs in Franken die Cadolzburg im Landkreis Fürth besucht. Dort lernten wir, wozu Technik und Fantasie in der Lage sind.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Die Burg an sich war schon mehr als sehenswert. Ihr Erlebnis-Museum jedoch war das berühmte Sahnehäubchen auf unseren Ausflug – ein Museum nicht nur zum Anfassen, An- und Ausprobieren.

Genau dort nämlich sollten wir sogar miterleben, wie die Cadolzburg einst brannte. Wir sahen UND rochen, wie sich das Feuer durch die Burg fraß. Warum also sollten nicht auch die „Lucifer“-Macher über diese Kunst verfügen und die Düfte aus der Serie in unser Wohnzimmer zaubern können?

Jedenfalls schien es, während wir gespannt auf den Fernsehschirm starrten, als würde ein leichter Verwesungsgeruch durch unser Wohngemach wabern. Zunächst wollte ich noch den Katzen die Schuld daran geben. Hatte sich eine von ihnen irgendwo mit diesem ekligen Geruch parfümiert? Katzen sind ja mitunter etwas seltsam drauf.
Eine Geruchsprobe aus der Nähe ließ jedoch nichts in dieser Richtung erkennen. Kam es doch vom Fernseher und dieser teuflischen Serie? Oder schlug meine Fantasie bei all dem Grusel wieder einmal Purzelbäume?
Herr Silberdistel war sich derweil auch nicht mehr ganz sicher, ob ich ihn nur mit meiner Hysterie angesteckt hatte oder ob er selbst tatsächlich auch etwas roch, das nicht in unser Wohnzimmer gehörte.

Wir beschlossen, zunächst einmal gründlich durchzulüften. Dann gingen wir beruhigt zu Bett. Die Luft schien nun wieder rein zu sein.

Anderntags, ich trat frisch geduscht und wohlparfümiert in unser Wohnzimmer. Das bettelnde Katzenvolk wollte schleunigst hinaus in den Garten. Wir hatten für den Geschmack unserer pelzigen Mitbewohner wieder einmal viel zu lange geschlafen. Ungehalten sprangen sie mir vor den Füßen herum und mauzten mir zu, mich gefälligst etwas mit dem Türöffnen zu beeilen.
Ich hatte das Zimmer noch nicht einmal ganz durchstolpert, als mir das Frischgeduschte und Wohlparfümierte abhanden zu kommen schien. Erneut wehte mir statt meines eigenen Wohlgeruchs diese Duftwolke vom Abend vorher um die Nase.
Irritiert blickte ich zum Fernseher. War Lucifer … ? Doch der Bildschirm war dunkel. Dennoch schien dieser Ekelgeruch stärker geworden zu sein. Hatte uns hier vielleicht doch jemand eine Leiche in den Keller ins Wohnzimmer gelegt? Ich würde der Sache auf den Grund gehen müssen.

Nachdem wir im Wintergarten, in dem glücklicherweise angenehme Frischluft herrschte, gefrühstückt hatten, machte ich mich ans Werk. Ich kroch in alle Ecken und Winkel unseres Wohngemachs. Am stärksten schien mir der fiese Geruch in der Nähe unserer Sitzmöbel  spürbar.

12-DSC01629-k

Die Sitzecke musste also weg und alles gründlich durchforstet werden. Dumm nur, dass die Sessel auch als Stauraum dienen und so allerlei beherbergen, was man braucht oder auch nicht.
Ich musste Klarheit haben. Also rückte ich Möbel hin und Möbel her. Letztendlich immer noch nicht fündig geworden, baute ich Stück für Stück auseinander und inspizierte zugleich jeden einzelnen Sesselinhalt. Überall konnte die vermutete Leiche versteckt sein. Gründlichkeit war angesagt. Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein, Schätze, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass wir sie jemals hatten. Eine Leiche brachte meine Inspektion allerdings nicht zutage. Wie hätte sie auch da hineinpassen sollen? Obwohl … klein und zusammengerollt …

Bei meiner Aktion musste mir immer wieder Herr Silberdistel zur Hand gehen. Er befüllte die Mülltonne mit Dingen, die wir einst dringend zu brauchen glaubten, die aber bald aus unserer Erinnerung verschwunden sein mussten. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Vermisst hatten wir davon kaum etwas. Wie konnte besser bewiesen werden, dass wir all den Kram nicht mehr brauchten? Also weg damit!

Endlich war ich im Schweiße meines Angesichts am letzten Sessel angelangt. Irgendwie war ich derweil schon ein wenig verzweifelt. Meine Suche nach der Herkunft dieser eigenartigen Duftnote war bisher erfolglos gewesen. Egal, auf zum Endspurt!

Bereits etwas entmutigt, hoben wir Silberdistels gemeinsam das letzte Sesselteil hoch. Und da waberte schlagartig eine unverdünnte Wolke dieses „edlen“ Geruchs zu uns empor. Fast hätte ich vor Entsetzen den Sessel wieder fallen lassen.
Unsere „Keller“-Leiche war gefunden. Winzig und ein wenig spitz im Gesicht lag sie dort – mausetot.

13-DSC01624-k

Und wir beiden Silberdistels, wir schwören es hoch und heilig, haben wirklich nichts mit ihrem Tod zu tun. Diese Leiche wurde uns von fremder Hand oder vielleicht auch von bekannter Pfote untergeschoben. Wir sind ziemlich sicher, dass mehr eine Pfote denn eine Hand im Spiel war. Lebt doch in unserem Hause ein recht geschickter getigerter Mauserich, der uns oft schon mit derartigen Mitbringseln  „beglückte“.

Das kleine Spitzmäuschen muss wohl noch gelebt haben, als es von dem vierbeinigen Jäger und von uns unbemerkt ins Haus getragen wurde. Sogar die Flucht unter besagten Sessel ist ihm offensichtlich noch gelungen. Dann jedoch muss der Stress wohl doch zu gewaltig gewesen sein und der Mäuse-Sensenmann hat dem armen Opfer still und leise unter unserer Sitzecke die Augen zugedrückt.

14-DSC01642-k

Bei der Befragung des Hauptverdächtigen konnten allerdings keine Beweise für seine Schuld erbracht werden. Er schwieg sich einfach aus.

15-DSC01644-k

Weitere Befragte wuschen ihre Pfoten laut Mauzsage ebenfalls in Unschuld.

16-DSC02647-k

Mangels an Beweisen mussten am Ende alle in Frage kommenden Verdächtigen freigesprochen werden.

16-DSC01636-k

Weitere Untersesselfundstücke konnten nicht als Beweisstücke für die Untat mit herangezogen werden. Sie schienen nicht mit dem Mordopfer und dieser Tat in Zusammenhang zu stehen. Mit den Verdächtigen aber wohl schon. Immerhin beweisen diese Stücke, dass bereits öfter Mäuse & Co. unter Sessel gehetzt wurden. Dieser Tatbestand könnte also durchaus auf einen Wiederholungstäter hinweisen. Nur konnten wir weder diese, noch die vorherigen Taten einem konkreten Täter zur Last legen. Wahrscheinlich aber stecken sie alle unter einer Decke – organisiertes Verbrechen gewissermaßen. Schwer gegen anzukommen. Wer traut sich da schon?

Ein Gutes jedoch hatte die ganze Sache. Endlich ist das kleine hölzerne Schaukelpferdchen wieder aufgetaucht. Gewöhnlich schmückte es zum Weihnachtsfest gemeinsam mit anderen Figuren unseren Christbaum. Vorletztes Weihnachten verschwand es plötzlich spurlos und ließ mich traurig zurück. Wie konnte es mir das antun und einfach davonschaukeln? Jetzt weiß ich, dass es ganz unfreiwillig verschwand, ich nur seine Hilferufe nicht gehört habe.

Ende gut, alles gut. Naja, nur für die arme kleine Spitzmaus nicht.

 

Na, wie wäre es einmal zur Abwechslung mit einem Trip rund um den Globus? Noch dazu, ohne dafür sein Köfferchen packen, ins Auto, in die Bahn oder gar ins Flugzeug steigen zu müssen. Wäre das nicht ein Deal? Für unseren Trip würde nämlich eine kleine gemütliche Leseecke schon genügen. Die gibt es doch sicher im Garten oder auf dem Balkon – mit einem bequemen Liegestuhl oder mit einer von der Lieblingsrose umrankten Bank, davor ein Tischchen, darauf ein Glas mit einem verlockend kühlen Getränk oder ersatzweise eine Tasse herrlich duftenden Kaffees oder ein Cappuccino mit einem Berg von leckerer Sahne. Wer sich auf Weltreise begibt, muss schließlich auch irgendwann die müden Geister wieder ein wenig aufwecken, damit das Abenteuer weitergehen kann. Und unser Abenteuer wird noch dazu ein ganz besonderes, ungewöhnliches werden. Da muss schon mal Energie nachgetankt werden.
Na, wie ist es? Alles parat? Die Sonne blinzelt auch ein wenig durch das Grün des Apfelbaums, unter dem unser Liegestuhl seinen Platz gefunden hat? Perfekt! Dann kann es also losgehen.

Vom Liegestuhl aus um die Welt

Um es gleich am Anfang zu sagen, unser Trip ist kein gewöhnlicher. Aber gewöhnlich kann schließlich jeder. Wir wollen die ganz große Welt erleben, wir wollen nicht nur hinein schnuppern in die Welt der Reichen und Schönen, wir wollen dort einen Platz finden und erleben, wie es ist, auf großem Fuße zu leben, nur zu genießen, ewig und immer auf Urlaub zu sein.
Tja, und um da hineinschnuppern zu können, brauchen wir natürlich Geld, denn ohne Geld geht da nichts, rein gar nichts. Da wir nun dummerweise für unser bisheriges normales und eher unaufgeregtes Leben Tag für Tag hart arbeiten mussten, dürfte unser Kleingeld wohl eher weniger für das große Leben von Welt reichen.

Aber ich weiß jetzt, wie es gehen könnte, denn ich habe gerade einen jungen Mann kennengelernt, an dessen Fersen wir uns gleich heften werden. Der scheint nämlich irgendwie den Dreh rauszuhaben, wie man zu genügend Kleingeld kommt, um sich unter die Reichen und Schönen mischen zu können. Ob uns seine Variante, durchs Leben zu gehen, gefallen wird? Folgen wir ihm doch ganz einfach auf seinem Weg durch sein etwas anderes  Leben und bilden uns dann ein Urteil darüber.

Aber zuvor klären wir vielleicht noch ein paar Fragen, damit wir am Ende auch richtig urteilen. Beginnen wir mit folgender Frage:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, ob es das mit dem Leben, so wie es bisher gelaufen ist, nun schon gewesen sein soll? Fehlt da nicht irgendwie noch etwas ganz Großes, ganz Besonderes? Sind da nicht immer noch Träume offen, die man gern erfüllt sehen würde, Träume, die sich fernab vom täglichen Einerlei, von Verpflichtungen und Verantwortung bewegen?
Also ich habe schon mehr als nur einmal von einem großen Lottogewinn geträumt, um endlich genau diese unerfüllten Träume schnell noch wahr werden zu lassen.
Und mal ehrlich, hat man nicht auch schon einmal im Geiste mit seiner besten Freundin oder seinem besten Kumpel eine Bank überfallen? Wie toll wäre es, den ganz großen Coup zu landen, nie wieder Geldsorgen zu haben und nie wieder von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Gibt es nicht immer wieder diese berühmten Beispiele, die besagen, dass der oder die Täter nie gefasst wurden?
Tja, und wer war nicht voll heimlicher Bewunderung für die Meisterdiebe in solchen Filmen wie „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant oder „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ mit Steve McQueen? Die Neuverfilmung des „Thomas Crown“ mit Pierce Brosnan, „Die Thomas Crown Affäre„, hat mich auch schwer begeistert. Okay, vielleicht hat ja auch der charmante Pierce Brosnan viel dazu beigetragen, dass ich Meisterdiebschwärmerin wurde.

Ja, diese schicken Diebe – intelligent, charmant, humorvoll und immer einen Tick klüger als die Polizei – konnten wohl nicht nur Frauen begeistern. Dieser junge Mann, den ich da gerade kennengelernt habe, der ist ebenfalls überaus begeistert von diesen cleveren, selbstsicheren und charmanten Gentleman-Dieben. Bei ihm allerdings bleibt es nicht beim Anhimmeln der locker und lässig daherkommenden Einbrecher von der Filmleinwand, er lässt Taten folgen, um genau dieses abenteuerliche Leben der filmischen Meisterdiebe zu seinem eigenen Leben zu machen. Wie es ihm letztendlich gelingt, habe ich erfahren, weil ich seinen Spuren ganz einfach gefolgt bin, und diese Spuren führten mich über den Roman „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong zu ihm.
Na, Lust bekommen auf ein paar diebisch spannende Augenblicke? Also dann, den Liegestuhl noch einmal zurechtgerückt und los geht’s!

DeLong - Ein Dieb

Aber an wessen Fersen heften wir uns da eigentlich?

Diese Frage wollt Ihr sicher auch noch beantwortet haben. Man möchte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Das Leben unseres Romanhelden lief zunächst wie das Leben vieler anderer Menschen ab – Grundschule, Abitur, Wehrdienst, Lehre. 23jährig verdient er seinen Lebensunterhalt schließlich  in einem Reprostudio. Das Geld reicht gerade so zum Leben. Aber so, wie sein Leben läuft, findet er es stinklangweilig, öde und trist. Unvorstellbar für ihn, auf ewig so weiterleben zu müssen. Der Alltagstrott, wie er ihn auch von seinen Eltern und Freunden kennt, kann doch nicht das Leben sein. Sollte man es nicht in vollen Zügen auskosten, alles mitnehmen, was nur geht? Alles oder nichts?

Und so kommt ihm genau im richtigen Moment ein Zufall zu Hilfe, um aus diesem Nichts alles zu machen, aus diesem öden täglichen Einerlei auszubrechen. In einem Gespräch mit seinem besten Kumpel erfährt er so ganz nebenher, dass die Tageseinnahmen eines Einkaufszentrums abends jeweils von einer einzelnen weiblichen Person zu einem Nachttresor gebracht werden. Welche Gelegenheit! Ist es nicht genau das, wovon er schon immer geträumt hat – die Gelegenheit für den ganz großen Coup?

Was zunächst nur als Gedankenspiel abläuft, wird dann doch bitterer Ernst. Er überfällt die Geldbotin und eignet sich unerkannt die Tageseinnahmen des Einkaufszentrums an. Und weil es so perfekt geklappt hat, wiederholt er den Überfall ein Weilchen später – ebenfalls erfolgreich. Danach setzt er sich mit seinem neuen Reichtum nach Jamaika ab. Und so beginnt ein neues und aufregendes Leben für ihn, ein Leben, wie er es sich schon immer erträumt hat:

„Mein neues Leben begann! Nie werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, dieses dicke fette Grinsen auf meinem Gesicht, mit dem ich, den Koffer in der Hand in die Sonne trat. Diesen jubelnden Schrei, den ich innerlich ausstieß, diesen Sprung, den ich tat. YES! Das Leben lag vor mir, war groß und wunderbar. Das Paradies war hier!“ (S. 15)

Einmal Paradies – immer Paradies?

Na, war doch ganz einfach bis hierher, oder? Geht’s noch paradiesischer, wenn man weiten Strand, Meer, Sonne und Palmen vor sich hat? Und das Geld stimmt auch, um aus dem neuen Leben einen ewigen und immerwährenden Feiertag zu machen. Urlaub ohne Ende. Was kann schöner sein?

Für eine gewisse Weile mag sich ein solches Leben toll, wundervoll und erfüllend anfühlen. Ob aber nicht auch daraus irgendwann wieder so etwas wie Normalität wird und dann alles wie zuvor ist? Nur an einem anderen Ort?

Unserem Aussteiger aus dem normalen Leben wird genau das bald klar, denn tatsächlich verliert sein neues Paradies ganz heimlich, still und leise für ihn den Reiz. Das Neue ist weg, das tägliche Einerlei macht sich wieder breit, wenn auch auf einer anderen Stufe der Lebensleiter. Ernüchterung folgt dem Hoch. Nach gerade mal drei Monaten auf Jamaika, in denen unser Romanheld das Leben in vollen Zügen genossen und das Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, hängt ihm diese paradiesische Insel, dieses paradiesische Leben voller Partys, Sex und Alkohol, dieser Dauerurlaub zum Halse heraus. Deprimiert und unzufrieden mit sich und der Welt durchstreift er die Insel und  bekommt dabei eine Ahnung von dem, was einen Wunschtraum vom einem endlich wahr gewordenen Traum unterscheidet:

„Nicht immer ist der Traum ein Traum, wenn er wahr wird, und manchmal ist der Preis zu hoch. Mancher Traum bleibt besser dort, wo er entstand – im Kopf, und nur dort ist er wunderbar. Der Realität hält er nicht stand.

Im Kopf steht ein Traum nur für sich, die Realität und das Umfeld sind ausgeblendet. Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Der Traum ignoriert die Schlangen, die Menschen, die Unwetter und Unbill.“ (S. 23 f.)

Und er merkt auch bald, dass ihm trotz allen Geldes etwas fehlt. Er fühlt sich einsam und erfährt, dass das noble Leben in vornehmen Hotels, schicke Anzüge und tolle Autos auch nicht das allein Seligmachende sind.

Als nach einem halben Jahr dann auch nur noch die Hälfte des erbeuteten Geldes übrig ist, muss er sich darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Ursprünglich hatte er geglaubt, mit einem einzigen großen Coup für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Weiter hatte er nie gedacht. Doch jetzt muss er darüber nachdenken, wie er sein Leben von dem Moment an gestalten soll, in dem das Geld aufgebraucht sein wird.

Wenn einem „normal“ nicht genug ist

In einem fremden Land das neu zu beginnen, vor dem unser Aussteiger aus seiner Heimat Deutschland geflohen ist, erscheint ihm undenkbar. Er will nach wie vor kein langweiliges normales Leben führen, keinem normalen Arbeitsalltag nachgehen. Es bleibt ihm eigentlich nur ein Weg übrig. Er wird als Dieb leben müssen. Und so findet er seine neue Bestimmung – in einem Leben als Dieb. Und dieser Dieb soll nach seiner Vorstellung zu einem Meisterdieb werden, ein Meisterdieb, wie ihn Cary Grant und Steve McQueen darstellten. Wie wundervoll aufregend würde dieses Leben werden?
Und da ohnehin die Geldvorräte irgendwie erneuert werden müssen, wird der nächste Diebstahl sogar zu einer Notwendigkeit. Nach diesem erneuten Coup muss unser Dieb Jamaika jedoch verlassen, denn gefasst werden möchte er natürlich auch dieses Mal nicht, und so beginnt sein Trip rund um den Globus.

Von Diebeszug zu Diebeszug wird er geschickter und cleverer, und das nötige Quentchen Glück ist ebenfalls immer an seiner Seite.
Während wir mit ihm von Nobelhotel zu Nobelhotel durch die Welt reisen, denn nur, wo Geld ist, kann man auch zu Geld kommen, lernen wir nicht nur etwas über das Handwerk unseres etwas anderen „Reisebegleiters“, wir lernen nebenher auch viele Orte und Landschaften rund um den Globus kennen. Wir verbringen interessante Tage auf Cuba, im Steuerparadies auf den Bahamas und reisen von dort aus weiter nach New York.
Wir wandeln in Havanna an kolonialen Prachtbauten, Festungen und Stadtpalästen vorüber und genießen die immer und überall gegenwärtige Musik. Wir staunen über den ungeheuren Luxus auf den Bahamas und verspüren die enorme Anspannung und Aufregung unseres Diebes beim Ausrauben diverser Zimmer in einem der teuren Luxushotels. In New York lernen wir schließlich, dass es den einen großen Coup wohl nicht gibt und dass auch Diebsein in Arbeit ausarten kann.

Während all dieser Reisen und Diebeszüge lernen wir gemeinsam mit unserem „Reiseführer“ auch viele Menschen kennen. Verwundert stellt er fest, dass auch der normale Alltag eines Menschen ungeheuer spannend sein kann. Nie hätte er das bis dahin für möglich gehalten. Hatte er doch sein eigenes „altes“ Leben als entsetzlich langweilig und öde empfunden. Er hatte ganz einfach von seinem eigenen tristen Leben auf das aller anderen geschlossen.

Während seiner Reisen, die ihm seine „Geschäfte“ immer wieder aufzwingen, begegnen ihm auch zwei Frauen, Frauen, an denen ihm erstmals wirklich etwas liegt. Doch lassen sein Wanderdasein, seine „Tätigkeit“ überhaupt eine ernsthafte Bindung zu? Ist sie nicht immer zum Scheitern verurteilt? Ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er durch seinen „Beruf“ bedingt, als Einzelgänger durchs Leben läuft und wie schwierig es ist, ein ganzes Leben mit einer Lüge leben zu müssen.

Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Ob unser Romanheld doch noch die berühmte Kurve zurück ins normale Leben kriegt? Oder wird er tatsächlich zu DEM Meisterdieb, wie es ihm die großen Filmhelden vorgemacht haben? Wie wär’s, wenn Ihr das selbst herausfindet? Ich schleiche mich jetzt ganz heimlich aus meinem Liegestuhl fort und lass Euch allein mit Euren Gedanken über den ganz großen Coup.

Aber bevor ich mich durch mein bücherstaubiges Türchen für heute davonmache, sollt Ihr schnell noch erfahren, wie mir diese abenteuerliche Reise im Schatten eines Diebes gefallen hat.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, als mir vom Phantomverlag angeboten wurde, das Buch zu lesen und gegebenenfalls zu rezensieren. Würden mich die Bekenntnisse eines Diebes wirklich so brennend interessieren, dass ich dafür andere spannende Lektüren, die sich auf meinem Nachttischchen schon bis fast unter die Decke stapeln, erst einmal würde zur Seite schieben wollen? Aber als ich durch den Trailer zum Buch …

… und durch den Text auf dem Cover über den Vergleich mit „Über den Dächern von Nizza“ und mit „Thomas Crown“ erfuhr, wurde ich dann doch ein kleines bisschen neugierig. Ja, sie hatten mich am Haken, und ich blieb auch während der Lektüre am Haken. Der Schreibstil nämlich gefiel mir sofort und einmal angefangen, musste ich natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

Und bald zog mich diese etwas andere Reise durch ferne Länder in ihren Bann. Schön und detailliert beschrieben sind die Besonder- und Eigenheiten einzelner Städte und die Lebensart der dort lebenden Menschen. In Teilen könnte das Buch einem Reiseführer durchaus alle Ehre machen. Wenn es nicht sogar fast das Zeug zu einem kleinen ReiseVERführer hat.
Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann sogar einmal dort wandeln, wo ich eben noch mit einem Dieb unterwegs war. Allerdings schweben mir eher keine Raubzüge vor. Ich bleibe dann doch lieber bei meinem normalen Leben. Ich brauche meine Vergangenheit, meine Familie, meine tierischen Mitbewohner, meine Freunde und ein eher unaufgeregtes Leben, das durchaus auch ohne Stress und Panik im Nacken spannend und unterhaltsam sein kann. Na, und meine vielen Bücher möchte ich auch nicht immer irgendwo zurücklassen müssen, denn ein Dieb kann immer nur mit kleinem Koffer reisen.

Ebenso bildreich wie Orte und Landschaften wird auch die Gefühlswelt des Protagonisten beschrieben. Es macht richtig Spaß, in diese Gefühlsbeschreibungen einzutauchen. Einzelne Szenen musste ich immer wieder lesen, sie mir förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Am Ende habe ich ein Buch aus der Hand gelegt, das ich nach anfänglichen Zweifeln gerne gelesen habe. Das Ende allerdings hatte ich mir etwas anders erhofft. Aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ihr wollt ja schließlich noch selbst auf die Reise gehen.
Eines kann ich aber doch noch verraten, nämlich die Antwort auf die obige Frage: Lesevergnügen? Oder eher nicht?

Sie lautet: Und ob es ein Lesevergnügen für mich war!

Für diejenigen, die nun hoffentlich ganz neugierig geworden sind, hier noch die genauen Angaben zum Buch. Es kommt übrigens als richtig schön gebundenes Buch mit einem Hardcover daher und kostet 14,90 Euro.

DeLong, Lucien: Ein Dieb : Bekenntnisse ; Roman. – Berlin : Phantom Verl., 2017. – 143 S.
ISBN 13-978-3-927447-07-3

Da wollte ich doch neulich gerade in den Garten eilen, um dort vor dem Mittagessen  schnell noch ein paar Handgriffe zu verrichten, als ich auf meinem Weg durchs Wohnzimmer ein seltsam grünes Blatt auf dem Teppich entdeckte. Im ersten Moment dachte ich, eine der Katzen hätte ein Blatt von unserer Korkenzieherhasel im Pelz mit hineingeschleppt und dort verloren. Nicht selten ist der Weg vom Wintergarten quer durchs Wohnzimmer bis hin zum Katzenfressplatz in der Küche mit solchen Katzenmitbringseln förmlich gepflastert. Während ich noch so auf das vermeintliche Blatt starrte, bewegte es sich plötzlich, obwohl doch im Wohnzimmer totale Windstille herrschte. Je näher ich  dem Blatt kam, umso mehr verformte es sich in meinen Augen und schließlich verwandelte es sich in ein grünes Lebewesen. Wow! Da lag mir doch tatsächlich etwas Königliches zu Füßen.
Hatte mir etwa eine der Katzen diesen entzückenden Froschkönig ins Haus getragen? Oder war der königliche Besucher auf eigenen vier Füßen in unser Wohngemach gehüpft? Sofort fiel mir der Film „Ein Kuss mit Folgen“ ein, in dem ein in einen Frosch verwandelter Königssohn versuchte, wieder in seine menschliche Gestalt zurück verwandelt zu werden. In seiner Not suchte er krampfhaft nach einer Frau, die ihn küssen und damit die Verwandlung wieder rückgängig machen sollte. Hm, nun ja, eigentlich hatte ich meinen Prinzen ja schon vor sehr langer Zeit gefunden und was man hat, das weiß man. Was man bekommt, das ist doch irgendwie immer ungewiss – selbst bei einem König.
Vielleicht sollte ich der Sache lieber erst einmal auf den Grund gehen und erforschen, wie der kleine Froschkönig in unser Wohngemach kam.  Danach würden wir weitersehen. Vielleicht könnte dem grünen Gesellen ja auch ohne Kuss zu seinem Glück verholfen werden.
Ach, da ist ja unser Keks, mein Hauptverdächtiger in puncto Frosch-Kidnapping.

01-DSC01914

„Heh, Keksilein, hast DU den Frosch in unser Wohnzimmer getragen?“
„Stör mich nicht, Silberdistel, ich meditiere gerade.“
„Du mediwas? Nee, also Sachen gibt es in diesem Hause … Also gut, befrage ich erst einmal die anderen Herrschaften?“

01-DSC01920

„Graue Eminenz, weißt Du etwas über den Frosch in unserem Wohnzimmer?“
„Frosch? Ich? Damit gebe ich mich nicht ab. Frösche schmecken nicht.“

02-DSC01922

„Ach Torty, wie schön, dass Du auch hier bist. Sag mal, weißt Du, wie der Frosch in unser Wohnzimmer gekommen ist?“
„Tja, Silberdistel, vielleicht gehüpft?“
„Tolle Antwort, Torty, danke! Weißt Du vielleicht auch noch, ob er auf den eigenen vier Beinen hinein ins Wohnzimmer gehüpft ist?“

03-DSC01912

„Vielleicht auch auf denen von Keks? Aber nun lass mich schlafen, Silberdistel.“
„Du meinst auf den Beinen von Keks, Torty? Dachte ich es mir doch gleich. Dieser Schlingel!“

05-DSC01961

Während ich noch mit meiner Befragung befasst war, hatte Herr Silberdistel schon mal verhindert, dass unser grüner Besucher auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen unseres Wohnzimmers verschwand. Und so hatte er dem Gast gegen unkontrolliertes Davonhüpfen ein Glas übergestülpt. Herr Silberdistel glaubt nämlich nicht an Märchen und stand somit meiner Variante mit dem verzauberten Königssohn eher skeptisch gegenüber. Aber vielleicht wollte er mich auch ganz einfach nur nicht in Versuchung führen.

06-DSC01931

Derweil schaute ich, ob Keks zu Ende meditiert hatte. Ich wollte ihn nach Tortys Hinweis noch einmal befragen, ob er nicht doch seine Pfoten bei unserem grünen Gast im Spiel gehabt hatte. Doch der würdigte mich erneut keines Blickes und täuschte jetzt sogar tiefsten Schlaf vor.

07-DSC01967

Herr Silberdistel hatte sich inzwischen des königlichen Fröschleins angenommen, ihm eine alte Katalogkarte unter den Froschpopo geschoben – wozu doch solche Bibliotheksüberbleibsel heutzutage noch nützlich sein können – und war mit dem Frosch im Glase in den Garten geschritten.

08-DSC01968

Eines unserer drei kleinen Teichlein war das Ziel des tapferen Ritters Retters des kleinen verirrten Froschkönigs.

09-DSC01970

Am Teichlein angekommen, durfte das Fröschlein seine gläserne Behausung wieder verlassen und auf einem Teichrosenblatt Platz nehmen. Scheinbar wusste der grüne Prinz im ersten Moment nicht, wie ihm geschah, denn er blieb ganz starr und steif auf dem Blatt sitzen.
Hatte er vielleicht doch allein den Weg in unser Wohnzimmer gefunden und nach einem weiblichen Wesen Ausschau gehalten, dass ihn würde retten wollen und ihm seine menschliche Gestalt zurückgab? Und nun sah er sich fortgestoßen und missverstanden?

10-DSC019759

Ich blickte ihm noch einmal tief in die Augen und plötzlich … Was mochte er in meinen Augen wohl gesehen haben? Auf einmal nämlich …

11-DSC01979

… machte er einen riesigen Satz und hechtete ins kleine Teichlein. Hm, war er nun doch kein Froschkönig? Oder was hatte er in meinen Augen gesehen, dass er doch lieber ein Frosch bleiben wollte?

12-DSC01394

Doch plötzlich wurde ich ganz unsanft aus meinem Märchen mit dem Froschkönig gerissen. Etwas Pelziges drängelte sich an mir vorbei und starrte ebenfalls ins Teichlein. Irritiert erkannte ich Keks, der doch eben noch tief und fest im Wintergarten zu schlafen schien: „Silberdistel, wo, wo, wo ist mein Frosch? In welches Teichlein hast Du ihn getan? Das war mein Frosch, meiner ganz allein! Ich will ihn zurück!“
Aha, wegen Keksens Erscheinen war mein Froschkönig also geflüchtet, nicht, weil ICH so entsetzlich zum Fürchten aussah. Sicher hatte der grüne Geselle den pelzigen Jäger wiedererkannt und ein zweites Mal wollte er ihm nicht in die Fänge geraten.
Damit dürfte dann wohl geklärt sein, wie der grüne Gast in unser Wohnzimmer gekommen war.

Da war doch mein Märchen ganz einfach wie eine Seifenblase zerplatzt. Andererseits soll es ja wiederum auch nicht von Übel sein, wenn man nach einem solch märchenhaften Ausflug auch wieder auf dem Boden der Tatsachen landet.

Apropos märchenhafter Ausflug – hier geht’s entlang für diejenigen, die nun doch noch ein wenig weiterträumen möchten bei einem „Kuss mit Folgen„. Es lohnt sich – versprochen – besonders, wenn man Froschkönige und Märchen mag.

Also, genaugenommen waren es Kraniche, die uns ein Konzert aus luftiger Höh‘ gaben und sie spielten nicht Geige, sie hatten ihre Trompeten dabei. Herr Silberdistel und ich waren wieder einmal zu einem kleinen Spaziergang unterwegs, schließlich wollen wir das frühlingshafte Wetter voll auskosten. Man weiß ja nie, wann wieder Schluss damit ist und was man hat, das hat man schließlich und man kann es an grauen Tagen einfach wieder aus der Erinnerung hervorzaubern.
So schlenderten wir also dahin und plötzlich hörten und sahen wir sie. Wieder einmal war nur Herrn Silberdistels kleine Kamera unsere digitale Begleiterin. Für ein paar Eindrücke von dem, was sich hoch über uns am blauen Himmel abspielte, sollten die Fotos aber wohl dennoch reichen.
Was übrigens ganz erstaunlich war, außer uns blieben noch zwei andere Passanten stehen und schauten hinauf zum himmlischen Trompetenkonzert der Kraniche. Und sie zückten, genau wie wir, eine kleine Kamera und nahmen das Schauspiel auf. Selten einmal habe ich es erlebt, dass außer mir und meinem Herrn Silberdistel noch andere Menschen andachtsvoll gen Himmel schauten, wenn sich eine Formation dieser imposanten Vögel näherte. Schön, zu erleben, dass es doch noch einige Menschen mehr gibt, die sich durch ein solch herrliches Schauspiel am Himmel für einige Augenblicke aus ihrem Alltagstrott reißen lassen.
Die Kraniche über uns drehten, sicher wegen des äußerst interessierten Publikums, mehrere Kreise, bevor sie sich auf ihre jeweilige Weiterreise machten. Eine Formation entschied sich für eine nordöstliche Reiseroute und die andere wendete sich nach Südwesten.
Ein paar Möwen kreisten fröhlich mit den Kranichen, wenn auch etwas tiefer. Sie wollten wohl ein paar zusätzliche fröhliche Akzente in meine Bilder setzen. Ich finde, es ist ihnen durchaus gelungen.
Aber jetzt – hochgeschaut und dem klassischen Trompetenkonzert gelauscht!

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Und damit das auch klappt mit dem Konzertfeeling, bitte das nachfolgende Video anklicken. Das ist zwar nicht brandaktuell von diesem Jahr, es stammt aus meinem Archiv und gibt einen Einblick in den Kranichzug vom Herbst 2013, aber die Melodie der Kraniche hat sich nicht verändert, sie klingt nach wie vor unbeschreiblich schön.

Zwei Tage nach diesem schönen Erlebnis während unseres Spaziergangs hörte ich, als ich gerade ein wenig in meinem Garten herumwerkelte, erneut Kranichrufe über mir. Der Tag neigte sich bereits langsam dem Abend entgegen und so stand auch die Sonne bereits entsprechend tief.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Aber gerade dieses abendliche Licht tauchte die Kraniche wieder einmal in einen wundervollen Goldschimmer. Schade, dass solche Momente immer viel zu schnell wieder vorüber sind.

08-DSC08730

Inzwischen dürfte nun wohl die Masse der Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück sein.
Wahrscheinlich wird es schon wieder Herbst sein, wenn es hier erneut etwas von den Vögeln des Glücks zu lesen und zu sehen geben wird. Es sei denn, ich entdecke im Laufe des Sommers das eine oder andere Kranichpaar. Dann berichte ich natürlich.

Lesen geht heute anders, ganz anders als damals, als wir, besonders wir ganz schön doll Erwachsenen, noch in den Kinderschuhen steckten. Das ist mir heute wieder einmal klar geworden, als ich meinen letzten Rest vom Frühstückstee genüsslich in mich hineinschüttete und dann mein kleines Tablet zur Hand nahm, um zu schauen, was es Neues in der Welt gibt. Da las ich doch gleich: Heute ist „Welttag des Buches“. Uups, wie peinlich ist das denn? … und ich sitze hier mit meinem Tablet statt mit einem ordentlichen Buch oder einer raschelnden Zeitung in den Händen. Tja, und da sind wir dann auch genau bei dem Thema, dass das Lesen heute eben anders geht als damals, als klein Silberdistelchen noch in einem ihrer ach so geliebten Märchenbücher aus richtigem Papier blätterte und sich schließlich in diese Geschichte mit dem süßen Brei vertiefte. Meine alten Märchenbücher hat mir unlängst ein Blogbeitrag von Gudrun aus dem „Spinnstübchen“ wieder einmal ins Gedächtnis gerufen. Gudrun hatte nämlich überglücklich in einem Antiquariat genau die Ausgabe ihres einstigen Lieblingsmärchenbuches aus Kindertagen wiederentdeckt. Natürlich musste sie hinein in die Buchhandlung und das Buch, das wunderschöne alte Erinnerungen weckte, mitnehmen. Als ich Gudruns Beitrag las, da musste auch ich meine beiden Lieblinge aus der Kinderzeit wieder einmal aus dem Bücherregal nehmen und hineinschauen.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Mein allerliebstes Märchenbuch mit Grimms Märchen hatte sich durch den vielen Gebrauch zur Kinderzeit schon etwas aufgelöst, wie es auch mit Gudruns ursprünglichem Buch einst geschah. Ihres sollte zum Buchbinder, verschwand dann aber auf seltsame Weise auf dem Weg dahin ganz. Meines hingegen fand den Weg zum Buchbinder, allerdings erst spät. Die Kindheit lag schon eine erstaunlich lange Zeit hinter mir, mein Herr Silberdistel war bereits in mein Leben getreten und ich hatte sogar selbst schon Kinder. Der kleine Märchenschatz stand nach wie vor im Bücherschrank und eines Tages wollte mein Herr Silberdistel einige Bücher, die ihm sehr am Herzen lagen, zum Buchbinder bringen. Was lag da näher, als mein altes Lieblingsmärchenbuch, „Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“, illustriert von Lea Grundig, erschienen im Kinderbuchverlag Berlin im Jahre 1955, mitwandern zu lassen. Es hatte sich ein neues Kleid verdient, hatte es mir doch schon so viele wunderbare märchenhafte Stunden im Leben geschenkt – erst mir selbst, dann mir und meinen Kindern und vielleicht schaut ja auch noch einmal eines meiner Enkelkinder gemeinsam mit mir hinein. Aber wer weiß, möglicherweise schauen wir auch auf mein Tablet und lesen dort Grimms Märchen oder aber wir spielen mit Playmobilfiguren und nehmen dabei so ganz nebenbei eine Kelle voll klassischer Bildung zu uns – ganz spielerisch und so gar nicht anstrengend. Wie das geht? Ganz einfach. Ich hab’s gerade bei „Fernweh“ gelernt.
Als ich nämlich heute mit meinem elektronischen Lesegerät nach dem Frühstück noch ein wenig weiter durchs WWW schlenderte, blieb ich bei einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kultur – für Banausen???“ hängen. In diesem Post ging es unter anderem um diese geliebten oder mitunter auch gehassten kleinen Heftchen, die wahrscheinlich ähnlich wie Märchenbücher in wohl fast jedem Haushalt zu finden sind oder die dort zumindest irgendwann einmal zu finden waren – die kleinen Büchlein vom Reclam Verlag. Wie oft haben wir sie in der Schulzeit gehasst, mussten wir uns doch durch sie und ihren mitunter unverständlichen alten klassischen Inhalt quälen. Und nun lese ich bei „Fernweh„, dass auch „Reclam“ mit der Zeit geht und uns das Leseleben leichter macht, besonders das, bei dem es um unsere sogenannte klassische Bildung geht. Mit Hilfe von Playmobilfiguren erzählt uns der Literaturwissenschaftler, Regisseur, Autor und Dramaturg Michael Sommer in einem etwa 10-Minuten-Filmchen den Inhalt einiger gewichtiger Theaterstücke und inzwischen auch den Inhalt etlicher anderer Werke der Weltliteratur. Begonnen hat das Ganze mit einer Einführungs-Veranstaltung zur Inszenierung von „Dantons Tod“ am Ulmer Theater. Da dieses Filmchen so enorm gut ankam, folgten bald weitere solcher Kurzfilme und inzwischen gibt es eine richtig kleine Serie unter dem Titel „Sommers Weltliteratur to go„. Wie ich bei „Fernweh“ las, wird das Projekt seit Sommer 2015 vom Reclam Verlag unterstützt, dem Verlag also, dem wir fast alle einen Teil unserer klassischen Bildung zu verdanken haben.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Übrigens war Reclambuch nicht immer gleich Reclambuch. Die ganz alten Heftchen kamen im schlichten mehr oder weniger Braun daher. Nach der deutschen Teilung trugen die Reclam-Ausgaben im Westen ein gelbes Outfit und die im Osten ein weißes bzw. schwarzes. Die einen erschienen in Stuttgart und die anderen in Leipzig.

Als kleines Filmbeispiel aus „Sommers Weltliteratur to go“ hier nun „Romeo und Julia to go“. Wie hätten wir uns damals über eine solche, noch dazu sehr unterhaltsame, Kurzfassung gefreut, denn gewöhnlich hatte man doch viel zu spät mit dem Lesen begonnen und wusste im Literaturunterricht zunächst bei der Besprechung des Werkes gar nicht, was Sache war, wobei, unter uns gesagt, ich „Romeo und Julia“ noch ganz gern gelesen habe. Neuerdings kann also das Schulkind seine Ferien bei der Oma verbringen und anschließend kommt es mit einem großen Sack voller Playmobilfiguren klassischer Bildung nach Hause zurück. Apropos Märchen, sicher ließe sich auch das eine oder andere Märchen genauso überaus humorvoll als Film umsetzen. Mir geht da gerade „Der süße Brei to go“ durch den Kopf 😉 Aber was heißt hier könnte? Mein Wunsch ist bereits Wirklichkeit, denn unter „Geheimakte Grimm“ gibt es schon so allerlei Märchenhaftes von Herrn Sommer zu sehen.

Ob Frau Müller vom „Herr und Frau Mueller Blog“ es schon weiß, dass sie Patenhennengroßtante geworden ist? Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die vielen niedlichen Küken, die ich vor einem Jahr bestaunen durfte. Frau Müller war damals Patenhenne geworden und ihre Patenkinder waren in einem kleinen Dorf gar nicht so weit von meinem Zuhause entfernt auf die Welt gekommen. Sie, also Frau Müller, hatte mich gebeten, die kleinen Federbälle doch einmal anzuschauen, was ich natürlich gern und sogar mehrmals getan habe. Ich habe sozusagen ihrer Entwicklung beiwohnen dürfen, also der der Küken und nicht der der Frau Müller. Inzwischen haben nun einige der Patenkinder selbst schon wieder Nachwuchs. So durften wir Silberdistels auch jetzt wieder einen Blick in die Babystube von Familie Huhn werfen. Am vergangenen Freitag waren wir auf dem Hühnerhof verabredet, um die fedrigen Bällchen der müllerschen Patenhühner anzuschauen. Mama Huhn mit dem schicken Backenbart hat Drillinge bekommen, die sie ganz stolz durch den Garten führt, und die anderen Damen kümmern sich gemeinsam um, wenn ich richtig gezählt habe, neun winzige Federbälle. Dieses Mal wurde also nicht die künstliche Glucke bemüht, die neuen Winzlinge haben eine richtige Mama Huhn aus Fleisch und Blut, die sich um ihr Wohlbefinden kümmert und ihnen alles beibringt, was man für ein Hühnerleben wissen und können muss. Papa Hahn ist derweil natürlich auch sehr beschäftigt. Schließlich muss er sich um all seine Damen und Kinder kümmern und sie gut beschützen. So mancher Menschenhahn würde ihn bestimmt um seinen Harem beneiden … Mich schaute er sehr durchdringend und aufmerksam an, als ich mit der Kamera daherkam und seiner Familie auf die Federn schaute. Sicher nicht, weil er mich in seinen Harem übernehmen wollte, wohl mehr, weil er um das Wohlergehen seiner Hennen und seiner Kinderschar bedacht war. So ein Hahn hat es wirklich nicht leicht. Einmal rennt er aufgeregt zu seiner Frau mit den Drillingen, dann eilt er wieder zurück, um bei den anderen Damen mit den kleinen Wuschelbällen nach dem Rechten zu schauen. Für ihn ist es Arbeit und Aufregung, für uns Silberdistels war es wieder einmal ein sehr vergnüglicher Nachmittag. Also, wenn Ihr auch schauen mögt, dann los!

Und wer jetzt nach dem Filmchen noch Lust auf Bilder hat, der darf sich hier in der Bilderschau noch ein wenig weiter vergnügen, denn auf dem Hühnerhof, eigentlich ist es mehr ein Hühnergarten, läuft noch anderes herum, da gibt es nicht nur Küken mit ihren Hühnermuttis.

Für Diaschau eine der Bilder anklicken!

… ist nicht mehr, aber seine Scheibenweltromane bleiben uns und lassen ihn mit seinen Büchern in uns weiterleben. Er starb am Donnerstag letzter Woche im Alter von 66 Jahren, zu jung eigentlich, aber dennoch vielleicht auch gut für ihn. Er wusste schon seit einiger Zeit, dass er an Alzheimer erkrankt war und ihm war bekannt, was diese Krankheit am Ende aus ihm machen würde. Seitdem er von seiner Erkrankung erfahren hatte, setzte er sich intensiv für die Erforschung von Demenzerkrankungen ein. Gönnen wir ihm nun seinen Frieden. Vielleicht hat er irgendwo in seiner Scheibenwelt ein Plätzchen gefunden und kann dort mit den Helden seiner Bücher weiterleben, mit den Helden, die wir Silberdistels lieben gelernt haben und mit denen wir auf jeden Fall weiterleben werden, denn sie sind uns sehr ans Herz gewachsen mit ihrem Charme und ihrem Witz, dem Charme und dem scharfsinnigen Witz ihres Meisters Terry Pratchett. Mach’s gut, Terry, ganz sicher werde ich immer wieder einmal eines Deiner Bücher zu Hand nehmen oder vielleicht sogar einem der Kochrezepte aus Deinen Büchern Leben einhauchen.

Dsc09591

Ich erinnere mich, dass Frau Spätlese sogar Deinem Erdbeerwackler mit ihrem Beitrag „Rezeptetester – Folge 4“ ein Denkmal gesetzt hat. Nachlesen kann man das Rezept aber auch auf Seite 64 in „Nanny Oggs Kochbuch. – 2. Aufl. – München : Goldmann, 2006. – ISNN 978-3-442-46081-6

Dsc09589

… und wer noch ein klein wenig mehr über Terry Pratchett und sein Werk erfahren möchte,  dem lege ich gern noch einmal meine Beiträge „Filmabenteuer – The Color of Magic“ , „Filmabenteuer  – Going Postal“, „Filmabenteuer – Hogfather“ , und „Lese- oder Kochabenteuer?“ ans Herz. Übrigens hatte Terry Pratchett in allen drei hier genannten Filmen einen Kurzauftritt. In „The Color of Magic“ war er als Astrozoologe zu sehen, in „Going Postal“ als Postbote und in „Hogfather“ trat er als Spielzeugmacher in Erscheinung. Ich kann diese Filme nach wie vor sehr empfehlen. Wir Silberdistels haben sie schon viele Male gesehen. Immer wieder haben wir viel Spaß dabei.

Dsc09616

Also Pterry, danke für all das, was Du uns und all Deinen anderen Lesern gegeben hast. Wir vergessen Dich ganz sicher nicht! Deine Bücher werden ihren Platz in der ersten Reihe unseres Bücherschrankes immer behalten und vielleicht kommt ja auch noch das eine oder andere Buch, das wir bisher noch nicht kennen, hinzu.