Hier im „Bücherstaub“ treiben sich nicht nur auf den Büchern mitunter das eine oder andere kleine StaubStaubkörnchen herum, manchmal schwebt auch Staubiges durch der Silberdistels Küche. Dabei handelt es sich allerdings um eine ganz andere Art von Staub – mehr Staub mit mehligem Charakter.

Unlängst war es wieder soweit, dass Mehliges durch meine Küche waberte. Brotbacken war nämlich angesagt. Seit Anfang letzten Jahres versuche ich mich in der Kunst des Brot- und Brötchenbackens – einer Kunst, die gar nicht so einfach zu erlernen ist, auch wenn es vom Fachmann vorgeführt, wie ich in einem meiner Beiträge berichtete, kinderleicht ausschaut. Aber wie heißt es so schön? Probieren geht über Studieren. Na, und probiert habe ich inzwischen eine ganze Menge.

Essen konnten wir bisher alles, was aus meinen Versuchen hervorging, ganz zufrieden war ich dennoch nicht. Rein äußerlich sahen all meine Brote und Brötchen recht ansprechend aus, nur der Geschmack hatte mich bis eben noch nicht 100%ig überzeugt. Besonders die Brote stellte ich mir geschmacklich noch etwas herzhafter vor. Wir sprechen hier übrigens von Broten, die mit Sauerteig zu vollendetem Geschmack kommen sollten. Angeblich schmeckt selbstgebackenes Brot doch so ganz besonders gut, wenn man den Hobbybäckern dieser Welt Glauben schenken kann. Was andere können, sollte ich doch auch irgendwie hinkriegen.

Gut, meine Backversuche waren so übel nicht. Zumindest konnten sie allemal mit den Broten, die die Supermärkte anbieten, mithalten. Mir schien es aber so, als würden sämtliche Hobbybrotbäcker mehr können als ein gewöhnliches Supermarktbrot backen. Entweder schwindelten sie alle oder ich hatte das Geheimnis des Brotbackens noch nicht bis in alle Einzelheiten ergründen können … bis, ja bis mir eines Tages Lutz Geissler über den Weg lief, d.h., er lief mir nicht selbst und höchstpersönlich über den Weg, sondern eines seiner Bücher.

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So studierte ich wieder einmal ein Brotbackbuch und stieß bald auf ganz simple Rezepte, die noch dazu kaum Arbeit erforderten – nur Zeit und die nicht zu knapp.

Auf Seite 62 des oben abgebildeten Buches fand ich ein Rezept für ein Roggenvollkornbrot, dessen Foto mir förmlich zuschrie: „Probier‘ mich aus, probier‘ mich aus! Wenn nicht, wirst Du es bereuen!“ Vielleicht sollte ich einfach einmal testen, ob es stimmte, was Lutz Geissler versprach. Aus ganz wenigen Zutaten sollte nach seinen Worten „Ein kräftiges, überaus lockeres und tagelang frisch bleibendes Brot“ entstehen.

Also an die Arbeitsplatte, fertig los!

Wir benötigen für ein Roggenvollkornbrot, das aus einer schlichten Kastenform daherkommt (meine hat folgende Maße: 27 cm lang, 8 cm breit und 7 cm hoch – Länge und Breite am Boden der Form gemessen), folgende

Zutaten:
580 g Roggenvollkornmehl
550 g Wasser
13 g Salz
4 g Roggensauerteig

Zubereitung:
Alle Zutaten zu einer einheitlichen Masse vermengen. Lt. Anweisung aus dem Buch kann das von Hand mit einem Löffel geschehen. Ich habe dazu kurz meine Küchenmaschine bemüht.

Anschließend soll der Teig in eine gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Kastenform gegeben werden. Ich habe den Basteltipp bevorzugt und mir Backpapier passend für die Form zurechtgeschnitten.

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Wenn die Form hübsch ausgelegt oder eingefettet ist, kann der Teig in die Form gefüllt werden. Das Ganze sieht dann natürlich noch nicht so hübsch glatt aus wie auf dem Bild oben. Der Teig ist nämlich recht klebrig und wir haben zunächst ein entsprechend hügeliges Gebilde in unserer Kastenform. Wenn wir die Teigoberfläche nun aber mit einem in Wasser getauchten Löffel glattstreichen, wird er recht schnell dem obigen Bild gleichen.

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Nach diesen Streicheleinheiten braucht der Teig 24 Stunden Ruhe. Damit er während seiner Ruhezeit nicht austrocknet, sollte er gut abgedeckt werden, z.B. mit einer Folie. So gut zugedeckt kann er bis zum nächsten Tag reifen. Das sollte bei einer Temperatur zwischen 18 und 20° C geschehen.

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Am darauffolgenden Morgen hatte sich bei meinem Teig noch nicht allzu viel getan. Ein wenig war er aber dennoch gegangen. Ich war gespannt, wie er sich weiterentwickeln würde.

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Nach etwa 24 Stunden Gesamtruhe hatte mein Brotteig dann aber doch den Kastenrand erreicht und war somit fast um das Doppelte Teigvolumen gewachsen. Zeit, den Backofen auf 250° C Ober- und Unterhitze vorzuheizen und den Teig noch mit etwas Mehl zu bestreuen. Das Bemehlen kann man aber auch nach etwa 12 Stunden Teigruhezeit schon tun. Wenn nun die 250° C im Ofen erreicht sind, kann die Form mit unserem Teig auf die mittlere Stufe in den Backofen geschoben werden. Ich habe noch eine Tasse mit etwas Wasser unten in den Ofen gestellt, um, wie es allgemein beim Brotbacken empfohlen wird, die richtige Atmosphäre im Ofeninneren zu schaffen. Die Temperatur sollte nach dem Einschieben der Form auf 200° C reduziert werden. Die Backzeit sollte 60 bis 65 min. betragen.

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Bei meinem Backofen passte diese Backzeit perfekt. Nach genau 65 min. konnte ich ein lecker duftendes Roggenvollkornbrot aus dem Ofen ziehen.

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Eigentlich soll man Sauerteigbrot ja erst am nächsten Tag anschneiden, weil sich sein Geschmack dann erst so richtig gut entfaltet hat. Aber es duftete so verführerisch, ich konnte nicht anders und musste es nach dem Auskühlen, das am besten auf einem Gitterrost geschieht, gleich anschneiden. Na, und außerdem waren mein Herr Silberdistel und ich äußerst gespannt, ob das Brot auch so schmecken würde, wie es duftete.

Und dann war er da, der spannende Moment: Ich führte die herrlich duftende Brotscheibe zum Munde, biss hinein, kaute und verdrehte vor Wonne die Augen. Endlich war mir ein Brot so gelungen, wie ich es mir vorstellte. Lecker und luftig. Nur eines stimmte nicht, da hatte Lutz Geissler unrecht, es hielt sich nicht viele Tage. Es war ganz schnell aufgegessen 😀

Fazit: Es lohnt sich, dieses Brot nachzubacken. Es ist wirklich überaus köstlich und schreit nach Butter und/oder Käse. Besser geht nicht!

Vielleicht noch eine kleine Ergänzung: Falls jemand das Brot nachbacken möchte und noch keine Erfahrung mit Sauerteig hatDSC07547. Es gibt auch fertigen Sauerteig zu kaufen. Wenn man ihn auf die Schnelle nicht selbst herstellen mag oder kann, ist diese Variante zugleich eine gute Möglichkeit, sich daraus für alle folgenden Brotbacktage seinen eigenen Sauerteig herzustellen. Hebt man nämlich davon ein Löffelchen Sauerteig auf, kann man ihn mit etwas Mehl und Wasser (jeweils gleiche Grammzahl) füttern, also zu diesem Ansatz hinzufügen, alles gut umrühren und das Ganze in einem Schraubglas verschlossen in den Kühlschrank stellen. Dieser Sauerteig, auch als Anstellgut bezeichnet, hält sich nach meinen bisherigen Erfahrungen so aufbewahrt viele Wochen. Daraus kann man jeweils für den nächsten Brotbacktag entweder soviel Sauerteig abnehmen, wie man benötigt oder man stellt daraus die notwendige Menge her, indem man entsprechend viel Wasser und Mehl hinzufügt. Wichtig ist, dass man immer etwas von dem Anstellgut übrig behält, das man dann wiederum mit Mehl und Wasser füttert. Ich habe meinen ersten Sauerteig bei einem Bäcker gekauft. Von jenem Sauerteig habe ich vor etwa einem Jahr zwei Esslöffel voll übrig behalten und davon lebe ich jetzt immer noch. Wenn man immer wieder einmal etwas Wasser und Mehl hinzu gibt (möglichst von der gleichen Mehltypsorte), ihn also damit füttert, hat man zu jeder Zeit lebenden Sauerteig zur Hand. Sauerteig kann aus Roggenmehl, aber durchaus auch aus Weizen- oder Dinkelmehl hergestellt werden, je nachdem, welcher Sorte Sauerteig für das entsprechende Rezept benötigt wird.

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Das sieht wirklich sehr gut aus 🍞. Ich habe mir das Rezept gesichert und werde es bei Gelegenheit auch backen. Danke, liebe Silberdistel, ich bin gespannt. Sei lieb gegrüßt von meinem Waldrand und hab ein schönes Wochenende 💕🐝

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    • Silberdistel sagt:

      Hier habe ich Roggenvollkornmehl verwendet. Eine Variante mit einfachem Roggenmehl ist ebenfalls sehr lecker. Ich bin gespannt, solltest Du es nachbacken, ob es Euch ebenso gut schmeckt wie uns. Ich habe gestern gerade für Nachschub gesorgt. Dieses Brot wird es sicher noch oft bei uns geben.
      Auch Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße zurück an Deinen Waldrand

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  2. einfachtilda sagt:

    Natürlich hält sich das bei euch nicht einige Tage 😊😊 wenn es so gut schmeckt, dann ist das ratzeputz aufgefuttert 😁 also gleich ein neues backen.
    Freue mich mit dir, dass es so gut gelungen ist 👍👍

    Alles Liebe von Mathilda ❤ ❤❤

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    • Silberdistel sagt:

      Ich habe gestern schon wieder ein neues Brot gebacken. Aber viel ist auch davon nicht mehr übrig. Und wenn man mal davon absieht, dass der Teig jeweils 24 Stunden ruhen muss, hat man im Grunde genommen nicht viel Arbeit damit. Der Teig arbeitet durch die Zeit sozusagen für sich. Also mir gefällt diese Variante ausgesprochen gut und das leckere Ergebnis ohnehin.
      Liebe Grüße an Dich und hab ein schönes Wochenende ❤ ❤

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  3. kowkla123 sagt:

    das sieht echt lecker aus, leider lässt meine Op nicht zu, dass ich sowas zur Zeit essen kann, wünsche ein gemütliches Wochenende, Klaus

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    • Silberdistel sagt:

      Es schmeckt auch sehr lecker, Klaus. Aber dass Du im Moment kein Brot essen kannst, leuchtet mir schon ein. Irgendwann wird es aber wieder sein und dann schmeckt alles doppelt so gut 😉
      Dir weiterhin alles Gute und liebe Grüße an Dich

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  4. Ich meine gerade, hier etwas von dem verführerischen Duft zu riechen….
    Das sieht extrem lecker und schön locker aus! Probieren geht also tatsächlich über Studieren, und eine gute Anleitung und Geduld (Reifezeit) sind wohl zusätzlich sehr hilfreich.

    Das Brot hast du wahrscheinlich nicht zum letzten Mal gebacken. ^^ Danke für die Beschreibung deiner Vorgehensweise beim Backen und das Rezept! So kann man sich gut selbst heranwagen.

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Wahrscheinlich waberte auch noch etwas Duft von meinem gestrigen Backtag zu Dir hinüber 😉 Gestern musste nämlich schon wieder ein neues Brot her. Auch das ist wieder bestens gelungen. Ich denke, dieses Brot wird hier noch oft auf den Tisch kommen. Schon interessant, was man Leckeres aus nur Mehl, Wasser und etwas Salz zaubern kann.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch zu Dir

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  5. Mmmmmmmhhhhhh, sieht das lecker aus, liebe Silberdistel, und einmal mehr bedauere ich, daß es kein Duft-Internetz gibt, wie würde das jetzt hier duften!
    Ein tolles Rezept, ich hab es mir auch abgespeichert, das möchte ich auch mal nachbacken. Muß herrlich schmecken mit Butter drauf und Käse! Oder Schmalz! Mmmmhhhh!!!
    Nee, von so einem tollen Brot bleibt bestimmt so lange nix über, das wäre bei mir auch ratzfatz weg, hihihi!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße
    Monika.

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    • Silberdistel sagt:

      Duft durchs Netz wäre ja nicht übel, noch besser wär’s, wenn man eine Kostprobe mit durchschicken könnte 😉 😀
      Schmalz steht gerade nicht in unserem Kühlschrank. Aber das würde natürlich auch bestens mit dem Brot munden. Ich muss mal bei Gelegenheit wieder welches selbst machen. Das war ein guter Tipp 😀
      Also ich finde diese Brotherstellungsvariante toll. Man muss nicht ewig kneten und hat trotzdem ein enorm schmackhaftes Brot.
      Danke für Deinen Besuch, liebe Monika, auch Dir und Mimi ein schönes Wochenende und ganz liebe Grüße auch an Dich und Schnurrgrüße von meiner pelzigen Mannschaft an Mimi

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      • Oooh, ja, eine Kostprobe einmal so rauslangen können wäre natürlich noch besser gewesen als duften, hihihihi!
        Ich hab gerade geguckt, ihr habt wieder Schnee, ich maul jetzt mal, wir immer noch nicht, so schade! Ich geh jetzt gucken und träumen bei dir, hihihi, Mimi schickt Schnurrgrüße an die pelzige Mannschaft!

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        • Silberdistel sagt:

          Ich kann Dich ein wenig trösten wegen des Schnees 😉 Er ist schon wieder bis auf einige kümmerliche Reste weggetaut. Aber vielleicht bekommt Ihr in diesem Winter doch noch irgendwann etwas ab von Frau Holles Vorräten. Irgendwie muss sie doch dort oben Unmengen gehortet haben, denn bisher ist sie damit wohl fast überall recht sparsam umgegangen.
          Liebe Grüße und Schnurrgrüße zurück an Euch von uns allen ❤ ❤

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          • Schade, schade, mit eurem Schnee, hier war heute doch tatsächlich auch mal eine Puderzuckerschicht zu bewundern, freu, freu! Mal gucken, ob Frau Holle doch noch mal ordentlich die Betten ausschlagen muß, bevor die ersten Frühlingslüftchen wehen, hihihi, schön wär’s!
            Schönen Sonntagabend gewunschen mit Schnurr- und lieben Grüßen
            Monika und Mimi.

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            • Silberdistel sagt:

              Na bitte, dann hattet Ihr ja wenigstens auch einmal eine kleine Puderzuckerschicht 😀 Aber für einen richtigen Schneeliebhaber reicht das sicher nicht. Frau Holle liest hier bestimmt mit und wird sicher noch einmal zum Bettenausschütteln zu Euch kommen 😀 😉
              Liebe Grüße und auch Euch einen schönen Sonntagabend ❤

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  6. kowkla123 sagt:

    genieße den Samstag und entspanne dich, Klaus

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  7. Eva sagt:

    die Zeit ist das WUNDER des guten Geschmacks an diesem Brot liebe Silberdistel..und dann Roggenmehl..es muss einfach SUPER werden was du da für EUCH gebacken hast.
    mit einem Lg vom Eva die gerne die Kruste gehabt hätte..grins

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, Eva, so ist es, die Zeit, die man dem Teig lässt, um zu reifen, die bringt dieses Geschmackswunder zustande. Ich habe eben gerade wieder eins aus dem Ofen gezogen. Der Duft allein ist schon etwas ganz Herrliches. Wenn es dann auch noch schmeckt … Was will man mehr? Oh ja, die Kruste ist mit das schönste am Brot 😀
      Danke für Deinen Besuch und einen lieben Gruß auch zu Dir

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