Der Winter steht mit Kälte, Schnee oder hier im Norden vielleicht auch nur wieder, wie so oft, mit Schneematsch vor der Tür.  Vielleicht ist es da gar nicht so übel, gedanklich noch einmal zurück in den vergangenen Sommer zu wandern und ein wenig Wärme und Sonne nachzutanken, auch wenn der zurückliegende Sommer damit eigentlich ziemlich gegeizt hat. Dennoch machen sommerliche Gedanken und das eine oder andere Bild aus dieser Zeit ganz bestimmt die kalten Füße und vielleicht auch das Herz ein wenig wärmer. Na, und um Herzen geht es hier so ganz nebenbei auch noch.

Und andererseits passt dieser Beitrag so oder so gut in diese Zeit, in die Zeit des Backens und Schlemmens.  Gut, es handelt sich nicht gerade ums weihnachtliche Plätzchenbacken oder um den berühmten Gänsebraten, der gern zu Weihnachten auf den Tisch kommt. Es geht um Brot – um Brot aus Sauerteig.

Unsere Enkeltochter verbrachte, wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnte, einen Teil ihrer Sommerferien bei uns Silberdistels. Natürlich gaben wir uns Mühe, diese Ferientage möglichst abwechslungsreich und spannend zu gestalten, sollten sie unserem Ferienkind doch in guter Erinnerung bleiben. So hatten wir an einem Mittwoch im August einen Ausflug nach Klockenhagen ins dortige Freilichtmuseum geplant.
Wir Silberdistels hatten bei einem früheren Besuch in dem Bauernmuseum unweit der Ostseeküste erfahren, dass dort neuerdings auch fleißig gebacken wird. Diese Brotbacktage sind in erster Linie für Kinder gedacht. Aber ich habe gemerkt, auch als vielleicht im Backen schon ein wenig geübter Zaungast kann man noch eine ganze Menge dazulernen.

Wir waren spät dran an jenem Tag, als wir uns auf den Weg zum Klockenhagener  Backhaus machten. Der Straßenverkehr hatte uns doch glatt einen dicken Strich quer durch unsere, wie wir dachten, so gut kalkulierte Rechnung gezogen. Wir wollten lange vor 10.30 Uhr in Klockenhagen sein, sollte doch zu dieser Zeit bereits der Brotbacklehrgang für die jungen Bäcker in spe beginnen. Gewöhnlich sichert rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze. Kurz vor besagter Urzeit schneiten wir ziemlich entnervt endlich durch den Eingangsbereich des Freilichtmuseums. Das mit den besten Plätzen dürfte wohl derweil gegessen sein.

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Eilig hasteten wir weiter durchs Freilichtgelände, vorbei an dem alten Backofen, der uns die Richtung zum eigentlichen Backhaus vorgab.

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Dann der letzte Fingerzeig …

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… und das Backhaus lag vor uns – bereits, wie zu vermuten war, von zahlreichen Backwilligen und Zuschauern umschwärmt.
Für die erste Backrunde waren wir leider tatsächlich zu spät dran. Da fielen mir doch glatt wieder einmal Gorbatschows Worte mit dem Zuspätkommen ein. Nun gut, bestraft wurden wir zum Glück nicht. Das waren wir eh schon durch die bummelige Autofahrt, die fast doppelt solange gedauert hatte wie geplant. Doch der Bäcker beruhigte uns. Es wäre genug Teig für alle vorhanden. Wir müssten uns lediglich ein kleines Stündchen gedulden. Erst dann würde sich die zweite Gruppe der kleinen Bäckerlehrlinge an die Arbeit machen können.
Okay, wenigstens hatten wir uns nicht total umsonst auf den Weg gemacht. Das wäre dann doch sehr ärgerlich gewesen, auch wenn wir uns in Klockenhagen sicher nicht gelangweilt hätten. Zu sehen gibt es dort immer allemal genug. Aber dieses Mal galt unser Besuch ja einem ganz besonderen Ereignis. Es wäre dumm gewesen, hätten wir unsere Enkeltochter enttäuschen müssen.

Die eine Stunde verging schließlich fast wie im Fluge. Das Zuschauen allein war schon enorm spannend und äußerst lehrreich. Und irgendwie sah auf den ersten Blick alles kinderleicht aus.

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Dann endlich war es soweit. Die nächste Gruppe von Bäckerlehrlingen durfte sich in Vorbereitung auf ihre Arbeit mit dem Brotteig die Hände waschen, eine schicke weiße  Schürze umbinden und sich einen Platz am gut bemehlten Tisch des Geschehens aussuchen.

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Der Herr und Meister über den Sauerteig, aus dem ein lecker duftendes Brot entstehen sollte, hatte bereits für jeden Lehrling einen Batzen Sauerteig abgewogen und ihn zur weiteren Bearbeitung durch die jungen Bäckerlehrlinge bereitgelegt.

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Und dann ging’s los. Der Meister erklärte den Kindern sehr anschaulich, wie das, was vor ihnen lag, noch bearbeitet werden müsste, damit daraus am Ende ein richtig gutes Brot entstehen könnte.
Bisher war ich der irrigen Annahme gewesen, dass Falten mehr zu Papier oder vielleicht noch zu Handtüchern oder Tischwäsche gehört. Doch man lernt nie aus. Auch Brotteig kann gefaltet werden.

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Besser gesagt:  Brotteig möchte sogar gefaltet werden.  Durch das Falten, eine spezielle Art des Teigknetens, bekommt der Brotteig erst die richtige Struktur und Konsistenz.
Dann war die Arbeit der Bäckerlehrlinge gefragt. Sie falteten, kneteten und drückten fleißig nach, was ihr „Vorturner“ ihnen vormachte – einer war dabei eifriger als der andere.

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Nachdem der Teig viele, viele Male so bearbeitet worden war, war er fast ofenreif. Ein paar Handgriffe vom Meister seines Faches fehlten allerdings noch. Er gab dem Teig schließlich die vollendete Brotform. Auch das sah wieder kinderleicht aus.
Aber wer sich selbst schon einmal an einem eigenen Brot versucht hat, wird wissen, so kinderleicht ist es nun doch nicht. Ich fand es faszinierend, was die Hände des Fachmannes vor unseren Augen aus dem Teigbatzen schließlich zauberten.

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Die Kinder durften zwischen einem länglichen Brot, einem runden oder einem Brot in Herzform wählen. Nicht nur unsere Enkelin wünschte sich spontan ein Herzbrot. So konnten wir mehrere Male die Kunstfertigkeit des Bäckers beim Formen eines herzigen Brotes beobachten. Das allein war schon fast den Ausflug nach Klockenhagen wert.

Und dann war noch einmal die Arbeit der Kinder gefragt. Damit am Ende auch jeder das von ihm selbst vorbereitete Brot bekam, musste der Teigrohling natürlich noch gekennzeichnet werden.
Aus einem weiteren kleinen Stückchen Teig sollte zunächst eine Rolle und daraus der Anfangsbuchstabe des Namens des jungen Bäckerlehrlings geformt werden.

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So wurde noch einmal fleißig herumgeknetet, gerollt und geformt. Der Meister befeuchtete, während die Kinder angestrengt an ihrem Namenskürzel arbeiteten, die Herzen, länglichen und runden Brotrohlinge ordentlich mit Wasser. Danach konnte der jeweilige Buchstabe kinderleicht auf das Kunstwerk aus Sauerteig geklebt werden.

Schließlich konnten die jungen Künstler ihrem Kunstwerk noch mit etwas draufgestaubtem Mehl oder mit ein paar Körnern den letzten Schick verleihen. Einige Kinder deuteten das ETWAS allerdings sehr großzügig, sodass es nur so staubte.
Dem Meister blieb ihm ersten Moment beim Anblick der unter Mehlbergen verschwindenden Teigrohlinge fast die Spucke weg.  Doch er fasste sich schnell wieder und erklärte, wie zart doch Frau Holle die Schneeflocken fallen lassen würde. Und genauso zart müsse man auch Mehl oder Körner über das Brot streuen. Das nun wiederum war einleuchtend. Wer wollte nicht gern neben einem Bäcker auch noch Frau Holle sein, und so rieselten sacht Mehl und Körner aus Kinderhänden auf teigige Herzen und Co.

Damit waren fast alle Arbeiten geschafft. Die letzten Handgriffe blieben dann aber doch dem Meister dieses schönen Handwerks vorbehalten, schließlich wollten wir am Ende der anstrengenden Bäckerlehre, die kinderleichter aussah als sie ist, ein fertig gebackenes Brot mit nach Hause nehmen. Die Brote mussten also noch in den Ofen.

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Und schon klappte die Backofentür vor unseren Augen zu. Nun war Warten angesagt. In etwa einer Stunde würden wir das erste selbst gefaltete und selbst gestaltete Brot unserer Enkelin abholen können.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einem kleinen Rundgang durch das Museumsdorf. Ich sprach währenddessen mit Hühnern und Blumen, und unsere Enkeltochter versuchte sich im Balancieren von Eiern über ein langes Holzbrett, auf dem viele kleine Hindernisse angebracht waren, die das Ei, möglichst ohne vorzeitigen Absturz, zu überwinden hatte. Natürlich habe auch ich probiert, ein Ei – zum Glück eine Plastik-Attrappe – sicher ins Ziel zu bringen. Die Sache war gar nicht so einfach. Aber während wir uns in dieser Kunst übten und übten und übten, war die Stunde ruckzuck vorbei.

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Derweil durch Arbeit, Spaß und Spiel schon etwas hungrig, eilten wir zurück zum Backhaus. Und da warteten sie schon auf uns – die frisch gebackenen lecker duftenden Brote.

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Beim Anblick der vielen köstlichen Brotlaibe knurrte der Magen gleich noch lauter als ohnehin schon. So kauften wir im Bäckerladen nicht nur noch ein weiteres Brot, sondern auch gleich noch einige Stückchen leckeren Kuchens, den wir fast im Stehen an Ort und Stelle hinunterschlangen. Er war einfach köstlich – so köstlich, dass es nicht einmal ein Foto von ihm gibt. Zu gierig waren wir auf diese leckere Köstlichkeit. Da rief tatsächlich erst der Magen nach seinem Recht. Die Fotografin in mir hatte keine Chance.

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Und hier ist es –  das herzige Kunstwerk unserer Enkelin. Okay, das gemeinsame Kunstwerk mit dem Herrn und Meister in Weiß. Es war übrigens nicht nur hübsch, es war auch lecker, wie wir Silberdistels später hörten. Angeschnitten wurde es nämlich erst einige Tage später, als Mama, Papa und Bruderherz auch davon kosten konnten.

Aber wir Silberdistels hatten ja noch ein weiteres Brot mitgenommen – eines zur sofortigen Verkostung. Wir hatten also eine sehr genaue Vorstellung davon, wie lecker dieses Herzbrot schmecken würde.

Kommentare
  1. Hach, bei diesem Bericht aus sommerlichen Tagen wird einem wirklich warm ums Herz, herrlicher Anblick bei dem Usselwetter, und von Schnee auch keine Spur mehr.
    Die Uhr ist übrigens der Hit!!!
    Und ehrlich, ich hab jetzt richtig innerlich mitgeknetet, hihihi, das ist ja wohl mal ein toller Lehrgang gewesen, und ein Sauerteigbrot, da steigt einem ja beim gucken schon der Duft in die Nase, frischgebackenes Brot, einfach göttlich!
    Das Ergebnis kann sich aber sowas von sehen lassen, das hat eure Enkeltochter toll gemacht, und wie lecker das war, kann ich mir auch gut vorstellen, es sieht nämlich schon so aus!
    Danke für den feinen Eintrag, ich hab jetzt Hunger, hihihi, liebe Grüße
    Monika.

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    • Silberdistel sagt:

      Die Uhr hat mir auch sehr gefallen. Hätte ich gern mitgenommen 😉 😀 Aber das konnte ich dem Bäcker nicht antun, schließlich muss er wissen, wann er das Brot wieder aus dem Backofen holen muss. Im Märchen rufen die Brote, wie wir wissen, wenn sie fertig gebacken sind 😉 In der Wirklichkeit sieht das wohl doch ein wenig anders aus 😀
      Danke für Deine Zeilen und liebe Grüße auch an Dich und Mimi

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  2. kowkla123 sagt:

    na, da war ich doch mit dabei, kenne es ja und du lasse dir die gute Laune vom schlechten Wetter nicht verderben, Klaus

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  3. Gudrun sagt:

    Der Duft von frisch gebackenem Brot ist doch etwas Schönes.
    Solche Orte, an denen man Handwerkskünste kennenlernen kann, sind für mich immer etwas besonders Erfreuliches. Und das Backen nach alter Tradition gehört da mit dazu.
    Schön, liebe Silberdistel, dass du deine Erinnerungen mit uns teilst. Ich habe den Beitrag gerne gelesen.
    Liebe Grüße von der Gudrun.

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    • Silberdistel sagt:

      Oh ja, Gudrun, frisch gebackenes Brot ist nahezu unwiderstehlich.
      Ich finde übrigens die Idee einfach toll, dass man die Kinder dort auf diese Art mit solchen Handwerken bekanntmacht. Wie wir nicht nur selbst sahen, sondern auch vom Bäcker hörten, sind diese Brotbacktage immer recht gut besucht. Und wir hatten den Eindruck. dass es allen Kindern enorm viel Spaß gemacht hat. Unsere Enkelin war auch ganz aufgeregt, als es nachher zum Abholen ihres Brotes ging. Ich denke, das war durchaus ein besonderer Ferientag für sie.
      Und uns beiden Silberdistels hat auch das Zuschauen viel Spaß gemacht.
      Danke für Deine Zeilen, liebe Gudrun, und liebe Grüße auch an Dich

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  4. naturfreundin59 sagt:

    Gerade hatte ich`s auch mit Erinnerungen … aber da ging es mehr um die weihnachtlichen aus meiner Kindheit. Aber deine vom Sommer, liebe Silberdistel, die sind auch wundervoll. Da wird mir auch ganz warm ums Herz. Gut, dass du diesen besonderen Tag eingefangen hast. Ich kann mir alles so gut vorstellen und das frische Brot sogar riechen. Das käme mir jetzt recht … frische Butter drauf … lecker. Ein herrliches Museum. Danke fürs Mitnehmen, ich habe es wieder sehr genossen.

    Einen gemütlichen 3. Advent wünscht dir
    mit einem lieben Abendgruß
    die etwas müde Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Genau das haben wir mit dem Brot getan, das wir uns noch zusätzlich gekauft hatten – Butter drauf und uns schmecken lassen. Das war ein echter Genuss.
      Wir waren ja schon oft in diesem Museum, aber die Brotbacktage sind neu und auch das Backhaus an sich. Es hat, wie wir lasen, Fördergelder gegeben. So konnte man diesen alten Backofen wieder nachbauen. Und das Dorf Klockenhagen hat nun sogar seinen eigenen Bäcker, denn die Dorfbevölkerung hat einen eigenen Seiteneingang, ohne dass sie direkt ins Museum muss und kann so dort einkaufen. Wie ich auch im Beitrag schrieb, wird neben Brot und Brötchen auch leckerer Kuchen angeboten.
      Danke für Deinen Kommentar, liebe Frau Morgentau, auch Dir einen schönen 3. Advent und ganz liebe Grüße an Dich

      Gefällt 1 Person

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