Diebesbande

Veröffentlicht: 13. Oktober 2017 in Unterhaltendes, Tiere, Geschichten, Fotos, Katzen
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„Herr Silberdistel, das Mittagessen ist fertig!“, rufe ich durchs Haus. Wenig später poltert mein Gatte die Treppe hinunter und steht kurz darauf in der Küche. Er greift die beiden bereits gefüllten Teller und trägt sie zu unserem Essplatz in den Wintergarten hinaus. Leicht stöhnend steht er fast sofort wieder hinter mir. Sein Stöhnen erklärt sich mir mit dem Satz: „Ich muss schon wieder eine Maus entsorgen.“ Mit einer alten Zeitung, die er aus unserem Zeitungsständer greift, eilt er zurück ins Tatortzimmer Wintergarten. Ob die Maus noch lesen kann? Sicher nicht, oder? Herr Silberdistel braucht wohl nur einen Papiersarg für das arme Mäuschen.

Dieses Mal hat unser keksiger Mausetod eine graue Hausmaus erwischt. So langsam lernen wir durch ihn die gesamte Mäusepopulation rund um unser Haus kennen. Unser Mauserkater wird von Tag zu Tag geübter. Oder laufen ihm die Mäuse von ganz allein in selbstmörderischer Absicht ins Maul? Vielleicht leiden wir sogar unter einer von uns Menschen bisher unbemerkten Mäuseplage? Und in dem Mäusegedränge suchen einige von ihnen in Panik gar den Freitod?

Nein, nein … das kann ich mir nach genauerer Überlegung dann doch nicht vorstellen –  also das mit dem Freitod der Mäuse. Das mit der Mäuseplage schon eher. Und auch die Möglichkeit, dass unser getigerter Vierbeiner Keks genau dieser Plage entschlossen den Kampf angesagt hat. Wenn dem mit der Mäuseplage tatsächlich so sein sollte, können wir sicher froh sein, über gleich drei dieser lebenden Mausefallen zu verfügen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Obwohl … zwei der Lebendfallen der besonderen Art scheinen doch mehr auf anderes, denn auf Mäuse spezialisiert zu sein …

Nach getaner Bestatterarbeit kümmert sich mein Herr Silberdistel wieder um unseren Mittagstisch. Das Dessert will schließlich auch noch in den Wintergarten getragen werden. Ich räume, während mein Gatte mit dem Vanillepudding davoneilt, schnell noch Töpfe und Pfanne vom Herd und folge dann Herrn Silberdistel zum Mittagsschmaus.

Als ich den Raum betrete, fällt mein Blick auf unsere beiden Katzendamen. Sie stehen auf der Fußmatte vor der Tür zum Garten und knabbern an einer … hm … nein, nicht schon wieder … an einer Maus. Das sieht eher wie … wie ein Stückchen Leber aus, ein recht großes sogar.

Etwas strafend schaue ich zu Herrn Silberdistel hinüber und sage: „Hättest Du ihnen das nicht auf einen Teller legen können? Sie schmaddern doch so alles voll. Und warum hast Du ihnen gleich so ein großes Stück gegeben? Wenn sie es am Ende doch nicht fressen, können wir es nur noch in den Müll werfen.“
Der Gerügte schaut mich verständnislos an: „Wovon sprichst Du überhaupt?“
„Na, von dem Stück Leber dort auf der Fußmatte.“
„Ich hab‘ den Katzen nichts gegeben!“, sagt mein Gatte und schaut verwundert zu den beiden Katzendamen.

Ich blicke Herrn Silberdistel an, dann auf unsere Teller. Da hat sich doch eine der beiden pelzigen Damen, während unser Essen für einen Moment wegen der sterblichen Mausüberreste unbeaufsichtigt war, frech von einem unserer Teller bedient. Herr Silberdistel vermutet, dass auf seinem ein Stückchen Hähnchenleber fehlt.
Die graue Eminenz saß nämlich zuvor genau an der Seite des Tisches, an der sein Mittagsteller immer noch steht – nur mit einer Lücke im Hähnchenleberabteil.

Ich fasse es nicht! Sollte etwa die graue Eminenz die Diebin gewesen sein? Ausgerechnet die Katze, die immer als Vorzeigekatze herhalten muss, wenn es um gute Erziehung, um gute Manieren geht?
Meine Fassungslosigkeit hält sich allerdings nur kurz, dann bahnt sich aus meinem Innern glucksend ein Lachen den Weg nach draußen. Herr Silberdistel kann nicht anders und muss ebenso loslachen.
Die Katzen fühlen sich durch unseren Heiterkeitsausbruch nur noch in der Rechtmäßigkeit ihres Diebstahls bestätigt und nagen weiter an ihrem Anteil an unserem Mittagsmahl herum. Aber irgendwie scheint Hähnchenleber mit Sherry-Essig angerichtet, doch nicht so ganz nach ihrem Geschmack zu sein. Die graue Eminenz tritt zur Seite und lässt Torty kosten. Die leckt nur ein wenig halbherzig daran herum und lässt das Stück dann ebenfalls liegen.

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Die graue Eminenz ist derweil auf ihren Lieblingsstuhl gesprungen und rollt sich, als wäre nichts geschehen, zu einem Nickerchen zusammen.

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Torty huscht zur Wintergartentür hinaus und macht sich zu einem Gartenrundgang auf. Na toll, so hatte ich mir das fast vorgestellt – erst stehlen und dann nicht einmal auffressen.

Unser Keks war nach der erfolgreichen Mäusejagd hungrig in die Küche geeilt. Er musste nun erst einmal seinen Futterteller inspizieren. Die mausigen Mitbringsel können gewöhnlich wir Silberdistels essen. Keks steht nicht so auf Mausbraten. Er mag lieber einen ordentlichen Berg Thunfisch.
Oh, schon fertig? Da steht unser Mausetod ja schon wieder neben uns. Den Magen voll, ist er nun bereit für den nächsten Jagdausflug.
Doch was ist das? Mit geübter Nase erfasst er sofort das von den Damen verschmähte Stückchen Leber auf der Fußmatte. Jagen macht hungrig. Offensichtlich passt noch ein wenig mehr als ein Berg von Thunfisch in den Katermagen hinein. Gierig stürzt sich Keks auf das im wahrsten Sinne des Wortes gefundene Fressen. Ratz Batz ist das Diebesgut verspeist.

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So hat die gestohlene Leber am Ende doch noch die ihr gebührende Aufmerksamkeit gefunden, wenn auch nicht durch die eigentliche Diebin.

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Sicher wollte unsere graue Eminenz dem Jungvolk nur zeigen, dass auch sie es noch immer faustdick hinter ihren pelzigen Ohren hat.

Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    🤗🤗🤗🤣🤣🤣😁😁😁
    So eine Räuberbande. Mir hätte die Leber auch geschmeckt. Mausbraten eher nicht „ggggg“.
    Bei euch ist immer was los 👍👍

    Liebe Grüße von Mathilda ❤❤❤❤

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  2. kowkla123 sagt:

    und dann so unschuldig schauen, Freitag, der 13., wenn du es fürchtest, passe auf dich auf, Klaus

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  3. Christina sagt:

    Ich erinnere mich gerade lachend an die Zeiten, als wir keinen Brötchenteller unbewacht auf dem Tisch zurücklassen konnten, ohne dass uns das halbe Frühstück abhanden zu kommen drohte… Danke schön für diesen Flashback, liebe Silberdistel! Genieße dieses fragwürdige Vergnügen ruhig mit herzhaftem Lachen – ich vermisse diese vergangenen Zeiten ein wenig. Unsere derzeitigen jungen Herrschaften legen nicht allzuviel Wert darauf, uns so humorig zu unterhalten… 😉
    Liebe Grüße von Christina

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    • Silberdistel sagt:

      Dass wir bei unserem Keks keine Teller unbeaufsichtigt stehen lassen dürfen, wissen wir. Dass aber unsere graue Eminenz plötzlich zur Diebin wird, das ist wirklich ungewöhnlich. Bärchen und sie haben nie etwas von unseren Tellern gestohlen. Unser Essen hat sie herzlich weng interessiert. Ihr Vorgänger war allerdings ein Dieb erster Klasse. Unsere graue Eminenz hat scheinbar inzwischen von unseren Jungspunden gelernt 😀
      Danke für Deine Zeilen und liebe Grüße an Dich und Deine drei Pelzträger

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  4. Aber so einem hübschen Dieb kann man nicht böse sein 😉. LG und schönes Wochenende und… Essen sichern – Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, irgendwie kann man nicht böse sein. Katzen können ja nach den schlimmsten Missetaten soooo treuherzig gucken. Da muss man schon automatisch lachen. Aber Deine Vierbeiner können bestimmt ebenso treuherzig schauen 😀 Ich glaube, Hunde stehen da den Katzen in nichts nach 😀
      Danke für Deinen Kommentar und auch Dir ein schönes Wochenende

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  5. Charis {ma} sagt:

    Also daß eine ‚Gouvernante‘ von ihren Jungspunden sich was abguckt, ist sehr ungewöhnlich und dann gerade das noch – die Klaueritis, ts,ts … 🙂 😀 :mrgreen:

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    • Silberdistel sagt:

      Da sieht man mal wieder, wenn man sich in jugendlicher Gesellschaft befindet, dann bleibt man selbst jung 😉 Das scheint auch für Katzen zu gelten. Irgendwie schlummert aber wohl in jeder Katze die Klaueritis. Bei einer bricht sie früher, bei der anderen halt später aus 😀
      Danke für Deinen Besuch und liebe Grüße an Dich

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  6. kowkla123 sagt:

    schönen Restsonntag und guten Start in die neue Woche, Klaus

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  7. naturfreundin59 sagt:

    Ganz gleich, was bei uns auf den Tisch kommt, … ist das Tigerle in der Nähe, ist unbedingter Speisenschutz angesagt. Probiert wird einfach alles … ob gewürzt, mariniert, gebraten oder gekocht. Nichts ist vor ihm sicher.

    Neulich fiel mir beim Einfüllen der Pfefferkörner in die Mühle ein Körnchen auf den Küchenboden und rollte irgendwo hin. Puh, das hätte schief gehen können. Zum Glück hab ich es noch entdeckt, bevor es das verfressene Katzenmäulichen für ein Trockenfutterkügelchen gehalten hätte.

    Du siehst, liebe Silberdistel, auch hier hat es einer dickfellig hinter den Katzenohren.

    Ganz liebe Grüß zu dir,
    Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Ich hatte mir diesen Speiseschutz schon fast abgewöhnt, weil unsere graue Eminenz und ihr langjähriger Begleiter Bärchen eher wenig Interesse an unserem Essen zeigten. Und was auf dem Tisch stand, das war für sie immer tabu. Tja, scheinbar aber gehört das bei unserer grauen Eminenz nun auch der Vergangenheit an 😦 Egal, die beiden Jungspunde müssen wir eh im Auge behalten. Die würden sich immer bedienen, wenn sie denn könnten.
      Meinst Du, Dein Tigerle hätte das Pfefferkörnchen wirklich gefressen? Aber wenn, dann wäre das sicher eine einmalige Attraktion gewesen.
      Der Vorgänger unserer grauen Eminenz und unseres Bärchens war ein ganz schlimmer Dieb. Vor dem war nichts, aber auch gar nichts sicher. Da war ich schon so auf Speisensicherung trainiert, dass ich sogar dann den Drang verspürte, etwas katzensicher wegräumen zu müssen, wenn wir einmal irgendwo zu Besuch waren, wo es gar keine Katzen gab 😀
      Aber wenn ich so lese, wie es Dir mit Deinem Tigerle geht, dann könnte ich mir fast vorstellen, Du kennst diesen Drang 😀
      Dankeschön für Deine Zeilen, liebe Frau Morgentau, und ganz liebe Abendgrüße zu Dir

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  8. naturfreundin59 sagt:

    Ja, das hätte er sicher probiert, liebe Silberdistel. Wenn mir was auf den Boden fällt (ob mit oder ohne Absicht) ist er sofort zur Stelle und überlegt nicht groß. Solche Bröckchen scheinen eine ganz besondere Faszination auf ihn auszuüben, ist es doch etwas von der menschlichen Speisekarte, hinter der er wohl besondere Leckerbissen wittert. Während er bei dem für ihn gedachten katzengerechten Futter oft sehr wählerisch ist und erst mal schnuppern muss.

    Vielleicht ist er auch nur verwöhnt … lach.

    Gute Nacht, liebe Silberdistel,
    ich geh jetzt ins Bett und hol meinen Schlaf nach, sofern möglich …

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    • Silberdistel sagt:

      Vielleicht hätte er nicht einmal gemerkt, dass es scharf ist. Oftmals schlingen sie solche Bröckchen ja als Ganzes hinunter. Er wird wohl wissen, dass auf unserer menschlichen Speisekarte auch recht leckeres Futter steht 😀 😉 Ja, Katzen sind schon Schelme. Unsere mäkeln nämlich auch. Aber in der Regel bin ich eisern. Wenn sie etwas nicht fressen, dann gibt es nichts anderes. Ist auch gut für die schlanke Linie 😉
      Ich hoffe, Du hast gut geschlafen, liebe Frau Morgentau. Falls nicht, kannst Du ja bald einen neuen Versuch starten 😉
      Einen lieben Abendgruß zu Dir und Deinem pelzigen Feinschmecker 😀

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