Angeblich hat jeder seine Leiche im Keller. Hätte das jemand von uns Silberdistels behauptet, wäre ich wahrscheinlich bis eben noch zutiefst beleidigt gewesen. Inzwischen muss leider auch ich zugeben, wir haben uns eingereiht in die Schlange all derer mit ihren Kellerleichen. Obwohl … bei uns lag sie nicht im Keller. Unsere Leiche hatte es wärmer und irgendwie auch gemütlicher. So sind wir Silberdistels eben. Wenn schon eine Leiche, dann soll sie es auch gut haben.
Aber vielleicht lag es auch ganz einfach nur in der Ermangelung eines Kellers im Hause Silberdistel. Da wollen wir vielleicht doch lieber ehrlich bleiben und uns nicht über den grünen Klee loben.

Zunächst jedoch ahnten wir noch gar nichts von unserer Leiche, schließlich hatten wir ein reines Gewissen. Mit unserer „Keller“-Leiche ist es nämlich etwas anders als mit den Kellerleichen all der anderen, die krampfhaft versuchen, sie unter den Teppich zu kehren. Unsere wurde uns ohne unser Wissen einfach untergeschoben. Ja, untergeschoben. Was? Das behaupten die Täter in den Krimis auch immer? Nein, wir sind wirklich ganz, total und völlig unschuldig. Sie war plötzlich einfach da – ohne unser Zutun.

Wie gesagt, wir ahnten zunächst noch gar nichts von ihr. Dann aber machte sie sich bemerkbar – erst langsam und dann immer heftiger. Herr Silberdistel und ich saßen in trauter Zweisamkeit vor dem Fernseher und schauten diese „Lucifer-Serie“, in der ja nun in einer Tour auch Leichen vorkommen. Ich glaubte schon, dass die Technik wieder einmal in einem enormen Weitsprung zu neuen Möglichkeiten gehüpft war. Konnte man jetzt schon nicht nur Geräusche so hautnah miterleben, als würde man selbst in der jeweiligen Filmszene agieren, konnte man neuerdings etwa auch schon die jeweiligen im Film vorherrschenden Gerüche wahrnehmen?
Warum sollte man nicht die Gerüche wahrnehmen können? Unlängst hatten wir während eines Kurzurlaubs in Franken die Cadolzburg im Landkreis Fürth besucht. Dort lernten wir, wozu Technik und Fantasie in der Lage sind.

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Die Burg an sich war schon mehr als sehenswert. Ihr Erlebnis-Museum jedoch war das berühmte Sahnehäubchen auf unseren Ausflug – ein Museum nicht nur zum Anfassen, An- und Ausprobieren.

Genau dort nämlich sollten wir sogar miterleben, wie die Cadolzburg einst brannte. Wir sahen UND rochen, wie sich das Feuer durch die Burg fraß. Warum also sollten nicht auch die „Lucifer“-Macher über diese Kunst verfügen und die Düfte aus der Serie in unser Wohnzimmer zaubern können?

Jedenfalls schien es, während wir gespannt auf den Fernsehschirm starrten, als würde ein leichter Verwesungsgeruch durch unser Wohngemach wabern. Zunächst wollte ich noch den Katzen die Schuld daran geben. Hatte sich eine von ihnen irgendwo mit diesem ekligen Geruch parfümiert? Katzen sind ja mitunter etwas seltsam drauf.
Eine Geruchsprobe aus der Nähe ließ jedoch nichts in dieser Richtung erkennen. Kam es doch vom Fernseher und dieser teuflischen Serie? Oder schlug meine Fantasie bei all dem Grusel wieder einmal Purzelbäume?
Herr Silberdistel war sich derweil auch nicht mehr ganz sicher, ob ich ihn nur mit meiner Hysterie angesteckt hatte oder ob er selbst tatsächlich auch etwas roch, das nicht in unser Wohnzimmer gehörte.

Wir beschlossen, zunächst einmal gründlich durchzulüften. Dann gingen wir beruhigt zu Bett. Die Luft schien nun wieder rein zu sein.

Anderntags, ich trat frisch geduscht und wohlparfümiert in unser Wohnzimmer. Das bettelnde Katzenvolk wollte schleunigst hinaus in den Garten. Wir hatten für den Geschmack unserer pelzigen Mitbewohner wieder einmal viel zu lange geschlafen. Ungehalten sprangen sie mir vor den Füßen herum und mauzten mir zu, mich gefälligst etwas mit dem Türöffnen zu beeilen.
Ich hatte das Zimmer noch nicht einmal ganz durchstolpert, als mir das Frischgeduschte und Wohlparfümierte abhanden zu kommen schien. Erneut wehte mir statt meines eigenen Wohlgeruchs diese Duftwolke vom Abend vorher um die Nase.
Irritiert blickte ich zum Fernseher. War Lucifer … ? Doch der Bildschirm war dunkel. Dennoch schien dieser Ekelgeruch stärker geworden zu sein. Hatte uns hier vielleicht doch jemand eine Leiche in den Keller ins Wohnzimmer gelegt? Ich würde der Sache auf den Grund gehen müssen.

Nachdem wir im Wintergarten, in dem glücklicherweise angenehme Frischluft herrschte, gefrühstückt hatten, machte ich mich ans Werk. Ich kroch in alle Ecken und Winkel unseres Wohngemachs. Am stärksten schien mir der fiese Geruch in der Nähe unserer Sitzmöbel  spürbar.

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Die Sitzecke musste also weg und alles gründlich durchforstet werden. Dumm nur, dass die Sessel auch als Stauraum dienen und so allerlei beherbergen, was man braucht oder auch nicht.
Ich musste Klarheit haben. Also rückte ich Möbel hin und Möbel her. Letztendlich immer noch nicht fündig geworden, baute ich Stück für Stück auseinander und inspizierte zugleich jeden einzelnen Sesselinhalt. Überall konnte die vermutete Leiche versteckt sein. Gründlichkeit war angesagt. Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein, Schätze, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass wir sie jemals hatten. Eine Leiche brachte meine Inspektion allerdings nicht zutage. Wie hätte sie auch da hineinpassen sollen? Obwohl … klein und zusammengerollt …

Bei meiner Aktion musste mir immer wieder Herr Silberdistel zur Hand gehen. Er befüllte die Mülltonne mit Dingen, die wir einst dringend zu brauchen glaubten, die aber bald aus unserer Erinnerung verschwunden sein mussten. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Vermisst hatten wir davon kaum etwas. Wie konnte besser bewiesen werden, dass wir all den Kram nicht mehr brauchten? Also weg damit!

Endlich war ich im Schweiße meines Angesichts am letzten Sessel angelangt. Irgendwie war ich derweil schon ein wenig verzweifelt. Meine Suche nach der Herkunft dieser eigenartigen Duftnote war bisher erfolglos gewesen. Egal, auf zum Endspurt!

Bereits etwas entmutigt, hoben wir Silberdistels gemeinsam das letzte Sesselteil hoch. Und da waberte schlagartig eine unverdünnte Wolke dieses „edlen“ Geruchs zu uns empor. Fast hätte ich vor Entsetzen den Sessel wieder fallen lassen.
Unsere „Keller“-Leiche war gefunden. Winzig und ein wenig spitz im Gesicht lag sie dort – mausetot.

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Und wir beiden Silberdistels, wir schwören es hoch und heilig, haben wirklich nichts mit ihrem Tod zu tun. Diese Leiche wurde uns von fremder Hand oder vielleicht auch von bekannter Pfote untergeschoben. Wir sind ziemlich sicher, dass mehr eine Pfote denn eine Hand im Spiel war. Lebt doch in unserem Hause ein recht geschickter getigerter Mauserich, der uns oft schon mit derartigen Mitbringseln  „beglückte“.

Das kleine Spitzmäuschen muss wohl noch gelebt haben, als es von dem vierbeinigen Jäger und von uns unbemerkt ins Haus getragen wurde. Sogar die Flucht unter besagten Sessel ist ihm offensichtlich noch gelungen. Dann jedoch muss der Stress wohl doch zu gewaltig gewesen sein und der Mäuse-Sensenmann hat dem armen Opfer still und leise unter unserer Sitzecke die Augen zugedrückt.

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Bei der Befragung des Hauptverdächtigen konnten allerdings keine Beweise für seine Schuld erbracht werden. Er schwieg sich einfach aus.

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Weitere Befragte wuschen ihre Pfoten laut Mauzsage ebenfalls in Unschuld.

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Mangels an Beweisen mussten am Ende alle in Frage kommenden Verdächtigen freigesprochen werden.

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Weitere Untersesselfundstücke konnten nicht als Beweisstücke für die Untat mit herangezogen werden. Sie schienen nicht mit dem Mordopfer und dieser Tat in Zusammenhang zu stehen. Mit den Verdächtigen aber wohl schon. Immerhin beweisen diese Stücke, dass bereits öfter Mäuse & Co. unter Sessel gehetzt wurden. Dieser Tatbestand könnte also durchaus auf einen Wiederholungstäter hinweisen. Nur konnten wir weder diese, noch die vorherigen Taten einem konkreten Täter zur Last legen. Wahrscheinlich aber stecken sie alle unter einer Decke – organisiertes Verbrechen gewissermaßen. Schwer gegen anzukommen. Wer traut sich da schon?

Ein Gutes jedoch hatte die ganze Sache. Endlich ist das kleine hölzerne Schaukelpferdchen wieder aufgetaucht. Gewöhnlich schmückte es zum Weihnachtsfest gemeinsam mit anderen Figuren unseren Christbaum. Vorletztes Weihnachten verschwand es plötzlich spurlos und ließ mich traurig zurück. Wie konnte es mir das antun und einfach davonschaukeln? Jetzt weiß ich, dass es ganz unfreiwillig verschwand, ich nur seine Hilferufe nicht gehört habe.

Ende gut, alles gut. Naja, nur für die arme kleine Spitzmaus nicht.

 

Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    😁😁😁😉😉😉😂😂😂😂
    Ich lach mich hier gerade schlapp.
    Mäuse-Sensemann.
    So etwas passiert, wenn Katzen im Haus sind.
    Die arme Spitzmaus 😐😐
    Selber fand ich eine Maus in einem grossen Blumentopf, der voll Regenwasser war.
    Diese Maus suchte nicht den Ertrinkungstod, die wurde Opfer ihrer Gier…Vogelfutter klauen 😂😁
    Danke für die tolle Story.

    Alles Liebe von Mathilda 😁😊❤❤

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    • Silberdistel sagt:

      Genau deshalb wird es hier auch nie eine Katzenklappe an irgendeiner Tür geben. Da würde ich meines Lebens nicht mehr froh werden. Sicher hätten wir im Haus dann bald ein fröhliches Katz- und Mausspiel 😀
      Die kleine Spitzmaus tat mir auch leid. Aber Katzen sind nun mal Jäger. Mit solchen Mitbringseln der pelzigen Mitbewohner wird man leben müssen, wenn man Katzen hat, die auch Freigang haben.
      Ja, die Gier der Mäuse kostet sie manchmal das Leben. Rein kommen sie überall, aber nicht überall wieder raus.
      Danke für Deinen Kommentar 🙂 Liebe Grüße zu Dir und hab ein schönes Wochenende

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      • einfachtilda sagt:

        Wir hatten auch keine Katzenklappe. Was meine Katzen alles für Beute ins Haus schleppten, das war nicht immer schön und man konnte es ihnen nicht wegnehmen….die hielten fest. Ein kleines Wildkaninchen haben wir gerettet und konnten es nur an den Ohren festhalten. Es hat so laut gequiekt, die Kinder fanden das nicht toll 😯😯

        Ein schönes Wochenende wünsche ich dir ebenfalls.
        Alles Liebe von Mathilda ❤❤❤❤

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  2. Sehr schön hast Du die Story mal wieder für uns in tolle Worte gefasst. Das arme Mäuschen 😉. Aber wenigstens ist es im Warmen in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Und schön, dass das Schaukelpferdchen pünktlich vor’m Weihnachtsfest wieder aufgetaucht ist. LG und schönes Wochenende – Elke

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön für Deinen Kommentar, liebe Elke. Tja, das arme Mäuschen hat sich das alles sicher ganz anders vorgestellt. Aber nun wissen wir, dass es hier auch Spitzmäuse gibt 😉 Was alles so im Garten lebt, ahnt man ja manchmal gar nicht 😀
      Was meinst Du, wie ich das kleine Schaukelpferdchen gesucht habe. Ich hatte ja gleich unsere pelzigen Mitbewohner in Verdacht. Aber in einem geordneten Haushalt … 😀
      LG zurück und auch Dir ein schönes Wochenende

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  3. Zeilenende sagt:

    😂😂😂 Die naheliegende Erklärung ziehst du nicht in Betracht? Statt der Pfoten solltest du … nicht Herrn Silberdistel … Aber doch den höchst attraktiven Herrn Morningstar aus dem Fernseher in Betracht ziehen. Als kleine Spielerei. ☺

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    • Silberdistel sagt:

      Naja, ein wenig hatte ich den Lucifer Morningstar schon in Verdacht … Aber da ich ein aufgeklärter Mensch bin, habe ich diesen Gedanken dann doch wieder verworfen. Du meinst also, wir haben unsere pelzigen Mitbewohner völlig zu Unrecht verdächtigt? Okay, ich entschuldige mich nachher bei ihnen 😉 und rede ein ernstes Wörtchen mit Lucifer 😉 😀

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  4. kowkla123 sagt:

    so ist es nun mal, wenn man da hingeht, wo man nichts zu suchen hat, wünsche uns heute besseres Wetter, Klaus

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    • Silberdistel sagt:

      Nun ja, das arme Mäuschen wurde ja wohl mehr in unser Wohnzimmer gegangen. Insofern war es an der Sache an sich ganz unschuldig, und der Sessel erschien dem armen Tier sicher als Rettung in der Not. Dass der Mäuse-Sensenmann es dann dennoch gefunden hat, war so betrachtet doppelt tragisch.
      Na, heute war das Wetter hier auch nicht so doll 😦 Aber morgen wird’s bestimmt 😀 Dir ein schönes Wochenende

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  5. kowkla123 sagt:

    genieße den Tag in Ruhe, Klaus

    Gefällt 1 Person

  6. katerchen sagt:

    der DOPPELTE Fund..EINER der Freude bereitet hat liebe Silberdistel und der Rest vom Mausbraten..nah ja.grins
    Danke für die schöne Geschchte in Wort und BILD..
    mit einem LG zum Wochenstart vom katerchen

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  7. naturfreundin59 sagt:

    Schön, dass ihr wieder da seid, liebe Silberdistels, und du hier endlich wieder Staub aufwirbelst, liebe Silberdistel!

    Und gleich unterhälst du uns mit einer Mordsgeschichte, die spannender nicht beschrieben sein könnte. Unglaublich, dass so ein kleiner Verwesungskörper so penetrante Gase abgibt, gell? Wie gut, dass die Schiebe-und-Wühlaktion erfolgreich war.

    Das Holzpferdchen ist mir allerdings auch gleich ins Auge geschaukelt, ziert es doch gemeinsam mit anderen hübschen Holzfigürchen aus dem kleinen Original-Erzgebirge-Schächtelchen auch mein Weihnachtsbäumchen.

    Im Übrigen dürfte auch bei mir unter diversen, schwer zugänglichen Möbelstücken das eine oder andere Opfer brutaler Tatzenübergriffe zu finden sein. Im Lauf der Zeit verschwindet da so einiges. Aber so lange keines davon abgast, dürfte es wohl auch noch ein Weilchen dort vor neuen Angriffen sicher sein … 😉

    Ein ganz lieber Gruß zu dir
    von Frau Morgentau

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön für den Willkommensgruß, liebe Frau Morgentau 😀
      Ach, in Deinem Hause leben also auch solche Schaukelholzpferde & Co. 😀 Ich hüte sie eigentlich wie ein Heiligtum. Daher war ich auch ganz traurig, als eines von ihnen sich davon gemacht hatte. Aber nun ist ja alles wieder gut. Wozu doch so eine „duftende“ Spitzmaus gut sein kann 😉
      Einen ganz lieben Gruß auch zu Dir

      Gefällt 1 Person

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