Da wollte ich doch neulich gerade in den Garten eilen, um dort vor dem Mittagessen  schnell noch ein paar Handgriffe zu verrichten, als ich auf meinem Weg durchs Wohnzimmer ein seltsam grünes Blatt auf dem Teppich entdeckte. Im ersten Moment dachte ich, eine der Katzen hätte ein Blatt von unserer Korkenzieherhasel im Pelz mit hineingeschleppt und dort verloren. Nicht selten ist der Weg vom Wintergarten quer durchs Wohnzimmer bis hin zum Katzenfressplatz in der Küche mit solchen Katzenmitbringseln förmlich gepflastert. Während ich noch so auf das vermeintliche Blatt starrte, bewegte es sich plötzlich, obwohl doch im Wohnzimmer totale Windstille herrschte. Je näher ich  dem Blatt kam, umso mehr verformte es sich in meinen Augen und schließlich verwandelte es sich in ein grünes Lebewesen. Wow! Da lag mir doch tatsächlich etwas Königliches zu Füßen.
Hatte mir etwa eine der Katzen diesen entzückenden Froschkönig ins Haus getragen? Oder war der königliche Besucher auf eigenen vier Füßen in unser Wohngemach gehüpft? Sofort fiel mir der Film „Ein Kuss mit Folgen“ ein, in dem ein in einen Frosch verwandelter Königssohn versuchte, wieder in seine menschliche Gestalt zurück verwandelt zu werden. In seiner Not suchte er krampfhaft nach einer Frau, die ihn küssen und damit die Verwandlung wieder rückgängig machen sollte. Hm, nun ja, eigentlich hatte ich meinen Prinzen ja schon vor sehr langer Zeit gefunden und was man hat, das weiß man. Was man bekommt, das ist doch irgendwie immer ungewiss – selbst bei einem König.
Vielleicht sollte ich der Sache lieber erst einmal auf den Grund gehen und erforschen, wie der kleine Froschkönig in unser Wohngemach kam.  Danach würden wir weitersehen. Vielleicht könnte dem grünen Gesellen ja auch ohne Kuss zu seinem Glück verholfen werden.
Ach, da ist ja unser Keks, mein Hauptverdächtiger in puncto Frosch-Kidnapping.

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„Heh, Keksilein, hast DU den Frosch in unser Wohnzimmer getragen?“
„Stör mich nicht, Silberdistel, ich meditiere gerade.“
„Du mediwas? Nee, also Sachen gibt es in diesem Hause … Also gut, befrage ich erst einmal die anderen Herrschaften?“

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„Graue Eminenz, weißt Du etwas über den Frosch in unserem Wohnzimmer?“
„Frosch? Ich? Damit gebe ich mich nicht ab. Frösche schmecken nicht.“

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„Ach Torty, wie schön, dass Du auch hier bist. Sag mal, weißt Du, wie der Frosch in unser Wohnzimmer gekommen ist?“
„Tja, Silberdistel, vielleicht gehüpft?“
„Tolle Antwort, Torty, danke! Weißt Du vielleicht auch noch, ob er auf den eigenen vier Beinen hinein ins Wohnzimmer gehüpft ist?“

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„Vielleicht auch auf denen von Keks? Aber nun lass mich schlafen, Silberdistel.“
„Du meinst auf den Beinen von Keks, Torty? Dachte ich es mir doch gleich. Dieser Schlingel!“

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Während ich noch mit meiner Befragung befasst war, hatte Herr Silberdistel schon mal verhindert, dass unser grüner Besucher auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen unseres Wohnzimmers verschwand. Und so hatte er dem Gast gegen unkontrolliertes Davonhüpfen ein Glas übergestülpt. Herr Silberdistel glaubt nämlich nicht an Märchen und stand somit meiner Variante mit dem verzauberten Königssohn eher skeptisch gegenüber. Aber vielleicht wollte er mich auch ganz einfach nur nicht in Versuchung führen.

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Derweil schaute ich, ob Keks zu Ende meditiert hatte. Ich wollte ihn nach Tortys Hinweis noch einmal befragen, ob er nicht doch seine Pfoten bei unserem grünen Gast im Spiel gehabt hatte. Doch der würdigte mich erneut keines Blickes und täuschte jetzt sogar tiefsten Schlaf vor.

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Herr Silberdistel hatte sich inzwischen des königlichen Fröschleins angenommen, ihm eine alte Katalogkarte unter den Froschpopo geschoben – wozu doch solche Bibliotheksüberbleibsel heutzutage noch nützlich sein können – und war mit dem Frosch im Glase in den Garten geschritten.

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Eines unserer drei kleinen Teichlein war das Ziel des tapferen Ritters Retters des kleinen verirrten Froschkönigs.

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Am Teichlein angekommen, durfte das Fröschlein seine gläserne Behausung wieder verlassen und auf einem Teichrosenblatt Platz nehmen. Scheinbar wusste der grüne Prinz im ersten Moment nicht, wie ihm geschah, denn er blieb ganz starr und steif auf dem Blatt sitzen.
Hatte er vielleicht doch allein den Weg in unser Wohnzimmer gefunden und nach einem weiblichen Wesen Ausschau gehalten, dass ihn würde retten wollen und ihm seine menschliche Gestalt zurückgab? Und nun sah er sich fortgestoßen und missverstanden?

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Ich blickte ihm noch einmal tief in die Augen und plötzlich … Was mochte er in meinen Augen wohl gesehen haben? Auf einmal nämlich …

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… machte er einen riesigen Satz und hechtete ins kleine Teichlein. Hm, war er nun doch kein Froschkönig? Oder was hatte er in meinen Augen gesehen, dass er doch lieber ein Frosch bleiben wollte?

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Doch plötzlich wurde ich ganz unsanft aus meinem Märchen mit dem Froschkönig gerissen. Etwas Pelziges drängelte sich an mir vorbei und starrte ebenfalls ins Teichlein. Irritiert erkannte ich Keks, der doch eben noch tief und fest im Wintergarten zu schlafen schien: „Silberdistel, wo, wo, wo ist mein Frosch? In welches Teichlein hast Du ihn getan? Das war mein Frosch, meiner ganz allein! Ich will ihn zurück!“
Aha, wegen Keksens Erscheinen war mein Froschkönig also geflüchtet, nicht, weil ICH so entsetzlich zum Fürchten aussah. Sicher hatte der grüne Geselle den pelzigen Jäger wiedererkannt und ein zweites Mal wollte er ihm nicht in die Fänge geraten.
Damit dürfte dann wohl geklärt sein, wie der grüne Gast in unser Wohnzimmer gekommen war.

Da war doch mein Märchen ganz einfach wie eine Seifenblase zerplatzt. Andererseits soll es ja wiederum auch nicht von Übel sein, wenn man nach einem solch märchenhaften Ausflug auch wieder auf dem Boden der Tatsachen landet.

Apropos märchenhafter Ausflug – hier geht’s entlang für diejenigen, die nun doch noch ein wenig weiterträumen möchten bei einem „Kuss mit Folgen„. Es lohnt sich – versprochen – besonders, wenn man Froschkönige und Märchen mag.

Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    😂😁😊😊😊 nur gut, dass Keks nichts mit dem Frosch anfangen konnte oder war es vielleicht ein Geschenk für dich ??
    Und… Wenn Katzen tief und fest schlafen, dann können sie ratzfatz wieder aufwachen…ist die Neugier 😚😊😎

    LG Mathilda ❤❤❤

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    • Silberdistel sagt:

      Ich bin immer froh, wenn ich rechtzeitig mitbekomme, dass er einen Frosch entdeckt hat. Dann kann ich wenigstens rettend eingreifen. Keks schleppt den Frosch gewöhnlich nur durch die Gegend oder versucht, mit ihm zu spielen, indem er ihn zum Hüpfen animiert, um ihn dann wieder zu fangen. Das bekommt dem Frosch auf die Dauer natürlich nicht. Also ist Rettung zur rechten Zeit angesagt. Ich musste schon mehrmals von Keks verfolgte Frösche im rettenden Teichlein unterbringen.
      Bei der Kröte hat Keks allerdings schon gemerkt, dass die sich wehren kann. Dumm, dass Frösche das nicht auch tun können 😦
      Ja, ich staune auch immer wieder, wie schnell Katzen vom Tiefschlaf hoch auf vollste Konzentration sind.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße zum Wochenende an Dich ❤ ❤

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      • einfachtilda sagt:

        Da bin ich immer wieder überrascht, womit Katzen spielen.
        Wir haben keinen Teich, somit gab es keine Frösche im Haus🐸🐸 , aber ein angrenzendes großes Gelände beherbergte eine Invasion von Wildkaninchen. Da hatte sich unsere Katze damals eins geschnappt….nicht zum ersten mal…denn wir hörten in ihrem Versteck, dass es ihr schmeckte 😯😯 ….aber das letzte kleine Kaninchen konnten wir retten und mein Mann trug es nach draußen. Ohh, das hat mächtig laut gequiet vor Angst.
        Seitdem zum Glück nie wieder.

        LG Mathilda 😚😎😍❤❤

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        • Silberdistel sagt:

          Wir hatten mit einem der Vorgänger unseres Keks auch einmal so ein Kaninchenproblem. Da handelte es sich aber um ein Zwergkaninchen aus dem Nachbarhaus. Das Kaninchen hatte auf dem Hof nebenan Freigang. Unser Kater war über die Mauer gehüpft und jagte das weiße Kaninchen, das schreiend durch die Gegend raste. Zum Glück haben wir das mitbekommen und eilten panisch auf das Nachbargrundstück. Ich erwischte das Kaninchen zuerst und unsere Tochter packte dann unseren Kater. Was meinst Du, wie mir da die Schweißperlen auf der Stirn standen. Ich mochte die ganze Sache gar nicht zu Ende denken.
          So hat man mitunter ganz schön ernste Probleme mit seinen Katzen 😦
          LG zurück an Dich ❤ ❤

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  2. kowkla123 sagt:

    wollte doch auch mal schauen, was bei euch los ist, hättest ihn mal küssen sollen, so sollte aber nicht der Sommer sein, so hoffe ich für uns

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Dann hätte ich hier am Ende zwei Prinzen. Bigamie ist doch nicht erlaubt 😉 Außerdem … ich glaube, SO zum Küssen süß und unwiderstehlich fand ich den Froschkönig dann auch wieder nicht 😉

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  3. katerchen sagt:

    nichts ist UNMÖGLICH..wenn man Katzen hat liebe Silberdistel
    DANKE für diese wundervolle Geschichte in Wort und Bild
    mit einem LG zu EUCH vom katerchen und dem Pauli..mann

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    • Silberdistel sagt:

      Da hast Du wohl Recht, liebes Katerchen. Katzen sind immer für eine Überraschung gut. Da kommt man aus der Aufregung nicht raus. Wir hatten gerade wieder so eine Aufregung – mit gutem Ende.
      Danke fürs Reinschauen und Kommentieren und ganz liebe Grüße an Dich und den Paulimann

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  4. naturfreundin59 sagt:

    Es passieren also doch nicht nur Abenteuerfilme in Silberdistels Garten, sondern auch Märchen. Gedacht habe ich es mir schon immer … wie neulich, als mich alles an Dornröschen erinnerte.

    Nun ist also auch der Froschkönig aufgetaucht … halt: aufgetaucht ist er ja nicht und König wollte er wohl auch nicht werden … der Frosch, der lieber untertauchte.

    Dass es nicht an dir lag, liebe Silberdistel, ist aber selbstredend.
    Obwohl … ??? … wäre deine Enkelin dagewesen, hätte er die vielleicht lieber geküsst, kann schon sein … lach. Aber ich denke auch, dass es wohl eher die Flucht vor Keks und den gar so üblen Aussichten war, die ihn haben flüchten und in sein wässriges Reich untertauchen liessen.

    Wie dem auch sei … ich hab mich wieder köstlich amüsiert über die gar nicht so üblen Geschichten, die ich hier lesen und – durch zahlreiche wundervolle Fotos belegt – genießen durfte.
    Mein herzlicher Dank dafür und liebe Grüße und Wünsche für ein schönes Wochenende

    von Frau Morgentau

    (Hab dir auch ein Mailchen geschickt!)

    Gefällt 2 Personen

    • Silberdistel sagt:

      Es gibt hier wohl kaum einen Tag, wo nichts passiert. Noch sorgt unsere Jungspundbande für genug Abwechslung und Aufregung in Haus und Garten. Ich glaube, wir könnten hier sämtliche Film- oder Literaturkategorien bestücken. Auf jeden Fall wird es so nie langweilig 😀
      Ja, der kleine Froschkönig schien uns noch recht jung zu sein. So denke ich, dass Du nicht so falsch liegst mit der Annahme, dass der grüne Kerl lieber meine Enkelin geküsst hätte. Naja, wer weiß, was nicht ist, kann ja noch werden. Sie ist nämlich bald wieder als Ferienkind bei uns.
      Dankeschön für Deine Gedanken zu unserem kleinen Wunderreich und ganz liebe Grüße auch an Dich.
      P.S.: Das Mailchen habe ich gestern Abend schon gelesen. Wollte aber lieber heute – ausgeschlafen 😉 – darauf antworten

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  5. naturfreundin59 sagt:

    … sollte heißen: … „die Furcht vor Keks“ …

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  6. kowkla123 sagt:

    beste Grüße zum Wochenende und das mit dem Küssen versehe ich

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  7. Dina sagt:

    Gottogott, wie herrlich! 🙂

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  8. Charis {ma} sagt:

    Ach ja, unser Sonntagsmärchen von Silberdistels … 🙂
    Zum Lächeln und Schmunzeln – gut geschrieben, wie immer … 😀

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  9. kowkla123 sagt:

    genieße den Rest des Sonntags noch gut

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