Neue Küchenkatastrophen – und noch ein Eierlikörkuchen

Veröffentlicht: 28. April 2017 in Bücher, Essen und Trinken, Fotos, Geschichten, Unterhaltendes
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Vielleicht sollte ich langsam doch eine Serie daraus machen – aus meinen Küchenkatastrophen. Schon wieder nämlich hatte ein Kuchenrezept nahezu katastrophale Folgen. Nein, dieses Mal lag es nicht daran, dass mir die Eier aus dem Blickfeld geraten waren, dieses Mal leiteten mich die Vorgaben in dem Backbuch, das ich für ein Rezept zu Rate gezogen hatte, in die Irre.

Aber beginnen wir von vorn. Es osterte ja unlängst und wir Silberdistels hatten uns wie alljährlich zum Karfreitag zusammen mit Sohn, Tochter und deren Freund bei meinem Mütterchen zum Kaffeebesuch angesagt. Da man einer 94jährigen weder zumuten kann, sich für die Gästeschar backenderweise in die Küche zu stellen, noch loszueilen und irgendwo beim Bäcker des Vertrauens Kuchen, Torten oder sonstiges Gebäck zu erstehen, hatte ich versprochen, den Kuchen für unsere österliche Kaffeerunde zu backen.
In Vorbereitung darauf hatte ich fleißig in meinen Backbüchern geblättert und nach einem lecker wirkenden Rezept Ausschau gehalten.

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Ein kleines, nicht allzu dickes, Büchlein schrie förmlich nach mir. Es stand schon eine ganze Weile in meinem Back- und Kochbuchregal und wollte nun endlich auch einmal zu einer besonderen Gaumenfreude beitragen. Bisher hatte ich die Rezepte darin zwar immer bewundert, vor allem, weil es mehr so ein für Zwei-Personen-Backbuch ist – ideal also für eine Kaffeerunde nur mit Herrn Silberdistel und mir, aber ausprobiert hatte ich bisher noch kein Rezept daraus. Als ich das Büchlein ursprünglich kaufte, kam es idealerweise gleich mit einem kleinen Backblech daher, auf das wohl auch die Rezepte zugeschnitten sein würden. So jedenfalls dachte ich.

Es war also endlich an der Zeit, einem Kuchen aus „Kleine Käsekuchen vom Blech“ von Oda Tietz aus dem Bassermann-Verlag – ISBN 978-3-8094-2961-6 eine Chance auf unserem Kaffeetisch zu geben. Am liebsten hätte ich ja gleich alles aus dem Büchlein gebacken, aber andererseits soll man es ja nun auch nicht gleich mit einer ganzen Palette von Käsekuchen übertreiben, auch wenn ich weiß, dass meine Familie aus ausgesprochenen Käsekuchenfans besteht. Aber als zweiten Kuchen hatte ich ohnehin schon meine berühmte Zitronentorte eingeplant, die schnell gezaubert ist und immer Anklang findet.

Als ich nun so in dem Käsekuchen-Büchlein blätterte, blieb mein Blick an einem „Eierlikörkuchen“ hängen. Oh, Eierlikör … Der hat es mir ohnehin angetan. Aber Eierlikör scheint auch irgendwie diese Küchenkatastrophen nach sich zu ziehen – bei mir jedenfalls. Dabei habe ich nicht einmal die winzigste Kostprobe von diesem leckeren Gesöff zu mir genommen. Mit dem „Eierlikörkuchen“ von Frau Morgentau, den ich unlängst nachgebacken hatte, begann diese seltsame Folge von Eierlikörkuchenbackunfällen in meiner silberdisteligen Backstube. Aber ich will jetzt nicht vorgreifen.

Zunächst einmal zu den Backzutaten für diese neue Eierlikörkuchenkreation:

Für den Teig benötigen wir lt. Backbuch:

150 g Mehl
1 Teelöffel Backpulver
70 g Zucker
2 Eigelb
1 Esslöffel Milch
60 g kalte Butter

Für die Quarkcreme benötigen wir lt. Backbuch:

1 Päckchen Vanille-Puddingpulver
100 g Zucker
1/2 l Milch
30 g Rosinen
350 g Quark
30 g gehackte Mandeln
2 Eiweiß

Für die Eierlikörcreme benötigen wir lt. Backbuch:

2 Eier
80 g weiche Butter
80 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
125 ml Eierlikör
1 Prise Salz
20 g Speisestärke

Meine Zutaten standen bereit und vergnügt machte ich mich ans Werk. Zunächst kümmerte ich mich um den Teigboden für unseren Kuchen. Dazu mussten Mehl und Backpulver vermischt werden. Weiter kamen Zucker, die 2 Eigelb und der Esslöffel voll Milch zu Mehl und Backpulver.  Dann sollte noch die Butter in kleine Stückchen zerteilt und zu den anderen Zutaten hinzugegeben werden.  Der letzte Arbeitsgang für den Boden war das Verkneten aller Zutaten zu einem glatten Teig, der nach seiner Fertigstellung für etwa 30 Minuten kalt gestellt werden sollte.

Zwischenzeitlich sollte man den Backofen auf 160°C bei Umluft oder mit Ober- und Unterhitze auf 180°C vorheizen.

Während sich der Teig für den Boden noch die Frische des Kühlschranks zu Gemüte führte, widmete ich mich der Quarkcreme.

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Dazu wurden Milch, Zucker und Puddingpulver in einen Topf gegeben, gut miteinander verrührt und zum Kochen gebracht. Anschließend durfte unser Pudding ein wenig auskühlen.

Zeit also, zu schauen, ob dem Teig im Kühlschrank bereits kühl genug war. Wenn ja, könnte der nun ausgerollt und auf einer gefetteten Backform verteilt werden.

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Lt. kleinem Backbüchlein sollte diese Backform ein kleines Backblech sein. Ich nahm natürlich an, dass es sich dabei um das Backblech handeln würde, das einst mit dem Büchlein zusammen daherkam. So verteilte ich den Teig auf ebendiesem kleinen Backblech und schob es in den vorgeheizten Backofen.

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Nach 10 Minuten Backzeit war der Boden für unseren Eierlikörkuchen schon mal fertig.

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Rosinen, Quark und gehackte Mandeln hatten nun lange genug auf ihren Einsatz gewartet.

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Sie durften jetzt hinein ins Puddingvergnügen, das inzwischen recht gut abgekühlt sein dürfte. Alles gut miteinander vermischen, also schön unterrühren! Dann hätten wir da noch diese beiden Eiweiße.

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Sie wurden zu einer steifen Masse geschlagen und unter die schon sehr lecker duftende und höchst appetitlich ausschauende Pudding-Quarkcreme gehoben.

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Bis hierhin lief doch alles perfekt, oder?

So blieb uns noch die Eierlikörcreme, um die wir uns kümmern mussten. Dazu wurden zunächst Eier und Eiweiß voneinander getrennt.

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Dann sollten Butter, Zucker und Vanillezucker zu einer cremigen Masse verrührt werden, zu der zuerst das Eigelb zu geben war.

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Abschließend musste noch das mit einer Prise Salz versehene und zu Eischnee geschlagene Eiweiß samt der Speisestärke unter die Eierlikörcreme gehoben werden.

Soweit, so gut!

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Der inzwischen ja bereits fertig gebackene Boden für unseren Eierlikörkuchen sollte derweil wohl ein wenig abgekühlt sein, sodass zunächst die Quarkcreme auf den vorgebackenen Boden gestrichen werden könnte.

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Ich machte mich also frisch ans Werk … und … ohhh … meine Quarkcreme schien mir aus diesem Märchentopf mit dem süßen Brei zu kommen. Ich hatte viel mehr davon als auf mein kleines Blech passte.  Wo aber sollte dann jetzt noch die Eierlikörcreme hin? Da sie ebenfalls eher dickflüssig denn fest war, konnte ich also auch keine Berge auf die Quarkcreme häufen. Ein Überlaufen bzw. Überquellen des Teigs war vorauszusehen. Und nun? Wohin mit meiner überzähligen Eierlikörcreme? Irgendwie wieder einmal dumm gelaufen.

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Ich schaute noch einmal in mein Büchlein und las wirklich. Die Zutaten waren für ein kleines Backblech gedacht. Was also tun, wenn das Backblech  trotz Einhaltung aller Rezeptvorgaben zu winzig war für das, was man zusammengerührt hatte?

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Kurzentschlossen löffelte ich einen Teil der Quarkcreme wieder aus der Form, strich alles schön glatt und gab nun soviel Eierlikörcreme auf die Quarkcreme, wie die Form gerade noch fassen konnte. Dann wanderte alles in den Backofen und durfte noch einmal 25 Minuten backen.
Sicherheitshalber hatte ich das kleine Blech noch auf ein größeres Blech gestellt, falls mein Kuchen doch noch während des Backvorganges zum Überquellen neigen würde. Und der neigte. Aber das geneigte Übergequollene (auf dem folgenden Bild links am Rand gut zu erkennen) durfte ich später gleich als Kostprobe für meinen Herrn Silberdistel und mich auf einen Teller bröseln. Wow, war das lecker!

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Leider habe ich kein Kuchenanschnitt-Foto von diesem superleckeren Eierlikörkuchen. Wie oben erwähnt, war er ja ein Mitbringsel und dort, beim Kaffeetrinken und Kuchenessen vergaß ich ganz, schnell noch ein Handy-Foto zu schießen. … und als es mir einfiel, war schon nichts mehr da von dem herrlich leckeren Teil.

Nachdem ich später noch einmal in mich ging und erneut ins Büchlein schaute, hatte ich des Rätsels Lösung für meinen Küchenunfall entdeckt. In dem Käsekuchen-Backbüchlein gibt es natürlich auch ein Foto von einem Stück des Eierlikörkuchens. Hätte ich mich nur gleich darüber gewundert, warum dort ein Stück Kuchen abgebildet ist, das offensichtlich in einer runden Springform gebacken wurde, dann wäre sicher alles perfekt gelaufen.

Nun aber musste ich meine überzählige Quark- und Eierlikörcreme noch irgendwie unterbringen.

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Also habe ich noch einen weiteren Boden zusammengerührt, meine Restcreme draufgekippt und noch einen kleinen Quarkkuchen dazu gebacken, der ebenfalls reißenden Absatz fand. Ja, so macht man aus der Not einem Beinahe-Backunfall am Ende noch eine Tugend 😉

Also, solltest Ihr diesen Eierlikörkuchen nachbacken, nehmt um Himmels willen (trotz meines tugendhaften Handelns am Schluss) kein kleines Backblech, nehmt eine runde Springform und davon nicht gerade die winzigste, die Ihr zur Verfügung habt, und dann habt guten Appetit! Es lohnt sich! Versprochen! Der Eierlikörkuchen war sooo überaus lecker, dass ich dem Büchlein diese kleinen Irreführung der Behörden Bäckerin schnell verzieh.

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    schmeckt sicher gut, dürfte ja ein Autofahrer nicht essen, ich mag Eierlikör auf Wallnuseis, ein schönes Wochenende mit freundlichem Wetter wünsche ich uns

    Gefällt 2 Personen

    • Silberdistel sagt:

      Naja, ich denke mal, wenn der Autofahrer es nicht übertreibt mit dem Eierlikörkuchenessen, dann dürfte er ruhigen Gewissens etwas davon verkosten. Der Kuchen besteht ja nicht nur aus Eierlikör 😉
      Ich mag Eierlikör zu fast jeder Eissorte 😉 😀 Aber durchaus auch ohne Eis 😀
      Liebe Grüße an Dich

      Gefällt mir

  2. katerchen sagt:

    grins..liebe Silberdistel DU konnstest den Kuchen ja brauchen,dann ist es keine Katastope ich habe meinen ERSTEN Rhabarberkuchen in diesem Jahr(auch einem neuen Rezept) mit dem Rezept in die Tonne geschickt..da war NICHTS was lecker war.1Stunde Backzeit und INNERN lief der Teig noch..Klitsch.. hätte man ja noch etwas dulden können..
    mit einem LG vom katerchen der ein schönes Wochenende wünscht

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Bisher konnte ich aus meinen Katastrophenkuchen immer noch irgendetwas retten. Aber solche Totalausfälle hatte ich auch schon. Meine After-Eight-Torte war einmal ein solch totaler Reinfall. Da wurde die Sahne beim besten Willen nicht fest und die Gäste standen schon fast vor der Tür. Mein Herr Silberdistel schaute dann im Internet, welcher Bäcker sonntags geöffnet hat, fuhr hin, kaufte frischen Bäckerkuchen und die Situation war gerettet. Ärgerlich war es trotzdem für mich, dass der Kuchen nicht gelang. Aber meine Familie hat dennoch die dünne Sahne mit dem herrlichen After-Eight-Aroma und den Tortenboden weggeschlabbert 😀 Das hat mich am Ende dann wieder etwas getröstet.
      Einen lieben Gruß zurück und eine gute Woche für Dich – hoffentlich bald mit etwas mehr Wärme

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  3. Frau Hummel sagt:

    Bei Dir wird Backen schnell zum Abenteuer, liebe Silberdistel 😉
    Was ich besonders an Deinen kleinen Backgeschichten mag, ist, dass sie immer gut ausgehen 🙂
    Der Kuchen sieht sehr lecker aus. Vielleicht werde ich ihn mal nachbacken. Sei lieb gegrüßt und hab einen schönen 1. Mai ❤

    Gefällt 2 Personen

    • Silberdistel sagt:

      Naja, liebes Hummelchen, nicht immer wird es zum Abenteuer, aber scheinbar immer öfter 😉 😀 Und ja, es stimmt, diese beinahe Backunfälle gehen irgendwie immer gerade noch gut aus. Vielleicht liegt es aber auch an meiner Familie, die selbst Misslungenes noch tapfer verspeist 😉 😀 Vielleicht aber hat sie Angst, ich würde sonst nie, nie wieder backen 🙄 😀
      Der Kuchen IST sehr lecker. Du wirst nicht enttäuscht sein. Aber nicht meinen Fehler wiederholen, solltest Du irgendwo im Schrank auch ein kleines Backblech haben 😉 Nimm es bloß nicht!!!
      Dankeschön für die lieben Wünsche. Ich hoffe, Du hattest auch einen schönen ersten Mai.
      LG auch an Dich und Deinen Hummelmann ❤ und danke für Deinen Kommentar ❤

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  4. kowkla123 sagt:

    wünsche einen schönen ersten freien Tag von drei

    Gefällt 2 Personen

  5. Diese Küchenkatastrophe mit Eierlikör backe ich nach, sobald wir wieder zuhause sind. Hört sich nämlich nicht nach einer trockenen Angelegenheit an, und scheint deshalb für uns sehr geeignet zu sein. Bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Danke fürs Rezept und einen schönen Sonntag – Elke

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Du wirst nicht enttäuscht sein, wenn Du nicht meinen Fehler wiederholst. Der Kuchen ist äußerst lecker. Der kommt bei uns nun öfter auf den Kaffeetisch.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße an Dich

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  6. kowkla123 sagt:

    einen schönen 1. Mai wünsche ich

    Gefällt 1 Person

  7. giselzitrone sagt:

    Mm lecker ich wünsche dir einen schönen ersten Mai und eine gute Woche für dich liebe Grüße von mir Gislinde

    Gefällt 1 Person

  8. kowkla123 sagt:

    möge der Monat Mai ein guter Monat sein

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