Wo man einst das Tanzbein schwang

Veröffentlicht: 20. Dezember 2016 in Fotos, Geschichte, Natur, Pflanzen, Reisen, Sehenswertes, Unterhaltendes, Urlaub
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Bereits in meinem Beitrag über die Wehrkirche St. Georg in Effeltrich, gelegen am Westrand der Fränkischen Schweiz, hatte ich erzählt, dass wir in dem kleinen Ort über einen uralten Baum quasi „stolperten“. Gegenüber der hübschen Wehrkirche, auf dem Dorfplatz des Ortes, steht ein beeindruckendes Naturdenkmal – eine Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Für die Bewohner von Effeltrich ist es die Tanzlinde oder ihre Tausendjährige. Der Baum war viele Jahrhunderte ein Ort für Versammlungen, für die Gerichtsbarkeit und auch ein Ort, an dem Tanzvergnügen und andere Festlichkeiten stattfanden. Wie wir aus dem Schaukasten an der Linde erfuhren, konnte man noch bis zum Jahre 1950, bewirtet vom nahen Gasthaus, im Schatten des Baumes eine echte fränkische Brotzeit zu sich nehmen.

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Ich berichtete bereits im Beitrag über die Effeltricher Kirchenburg, dass der Ort nicht nur durch seine Kirchenburg bekannt ist, sondern auch durch seine Obstbaumzucht eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Sogar die Linde hat lange Zeit ihren Beitrag bei der Zucht der jungen Obstbäume geleistet. Sie hat mit ihren Ästen zur Bastgewinnung beigetragen. Bast benötigte man bei der Veredlung der jungen Obstbäume zum Festbinden und Fixieren der Pfropfstellen. Durch diese Art der Nutzung der Linde erhielt sie im Laufe der Zeit ihren so markanten Wuchs, die sehr flach gestaltete Krone. Dafür wurden die in die Höhe strebenden Äste der Tanzlinde nach unten gebunden, wodurch sich neue starke und querstrebende Äste entwickelten. Aus diesen Ästen wiederum wuchsen neue senkrechte Triebe, die dann jeweils der Bastgewinnung dienten. So wurde mit dem jeweiligen Fixieren und Schneiden die Krone des Baumes flach gehalten, dafür ging sie aber entsprechend in die Breite.

Über das Alter der Linde gibt es recht geteilte Ansichten. Nach verschiedenen Expertenmeinungen reichen die Schätzungen von 400 bis zu 1000 Jahren. Wahrscheinlich hat sie aber wohl eher ein Alter von etwa 800 Jahren. Der Stammumfang beträgt an der schlankestes Stelle der Linde gut 7 ½ m und kurz über dem Boden gemessen sind es mehr als 11 m. Der Kronenumfang der Linde beträgt etwa 60 m. Ihre Wurzeln reichen bis zu 40 m weit im Umkreis.

Wegen der immer stärker und somit auch schwerer werdenden Äste erhielt die Linde 1905 rundherum zur Abstützung ein Eichenholzgerüst. Damit wurden die diversen Einzelstützen, die es zuvor gab, ersetzt. Im Laufe der Zeit wurde der Baum mehrmals saniert, der hohle Stamm beispielsweise ausgemauert. Die Vermauerung wurde allerdings später wieder entfernt. Auch das Eichengerüst wurde mehrmals erneuert.

Der Baum ist, obwohl nicht nur der Stamm hohl ist, sondern auch viele Äste hohl sind, in einem sehr guten Zustand. Aus meinen Bildern sollte ganz gut hervorgehen, dass die Tanzlinde durchaus gut und kräftig belaubt ist. Sicher hat das auch mit der stets guten und  liebevollen Pflege zu tun.

Wer gern noch mehr über die Tanzlinde aus Effeltrich wissen möchte, der kann gern unter Wikipedia schauen. Von dort habe auch ich einen Teil meines Wissens bezogen. So, dann jetzt viel Freude beim Anschauen dieses wunderschönen alten Prachtstücks von Baum. Mich hat er wirklich tief beeindruckt.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Oh ich mag Bäume und ganz besonders diesen tollen und interessanten Bericht. Herzlichen Dank meine Liebe…
    Ernst

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    • Silberdistel sagt:

      Bäume haben ja auch viel Charme. Ich finde, man muss sie einfach mögen und solche edlen alten Persönlichkeiten unter ihnen sind eh etwas ganz Besonderes. Was würden sie alles erzählen können, wenn sie denn reden könnten. Obwohl diese Tanzlinde eigentlich auch ohne Stimme ziemlich viel erzählen kann, allein schon durch ihr äußeres Erscheinungsbild.
      Dankeschön für Deinen Kommentar und toll, dass Dir mein Bericht und dieser schöne alte Baum gefallen haben.
      Liebe Grüße in den Süden

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  2. kowkla123 sagt:

    ich bin in Gedanken in Berlin, KLaus

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    • Silberdistel sagt:

      Ja Klaus, wer ist das im Moment nicht? Schlimm, was dort passiert ist und unbegreiflich, dass ein Mensch (vielleicht waren es auch mehrere) anderen Menschen so etwas antun kann. Was, wer treibt so jemanden zu so einer Tat? Was nur geht in deren Köpfen vor?

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  3. einfachtilda sagt:

    Eine riesige Linde und gut, dass sie so gut gestützt wird und erhalten bleibt.

    LG Mathilda ♥

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  4. An dem Baum ist aber auch alles sagenhaft! Alter, die Geschichte dazu, Stammumfang (!), Zustand … Ich finde solche Bäume toll. Lang lebe die alte LInde! ^^
    Und danke für den schönen Beitrag!

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, Du hast es perfekt zusammengefasst 🙂 Ich hoffe auch sehr, dass diese Linde noch ein langes, langes Leben vor sich hat und auch die nächste und übernächste und jede weitere Menschengeneration sich so liebevoll wie bisher um sie kümmert. Da könnte sie auch unserer Nachwelt noch viele, viele Geschichten erzählen.
      Danke für Deine freundlichen Zeilen und auch an Dich liebe Grüße

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  5. Frau Hummel sagt:

    Hörst Du es auch? Sie erzählt von einem interessanten Leben…

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  6. kowkla123 sagt:

    Liebe Silberdistel, für alles, was du vorhast, wünsche ich gutes Gelingen.

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  7. katerchen sagt:

    ..und im Sommer summt und brummt es..ein toller Baum für die insekten und die Vogelwelt.
    DANKE für diesen Bericht von der Linde liebe Silberdistel
    durch die schönen Bilder kann man sich ..etwas..die gewaltige GRÖSSE dieses Baumes vorstellen.
    mit einem LG vom katerchen der auch hofft sie schafft noch VIELE Jahre und sie wird weiter gehegt und gepflegt.

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, in den Linden summt und brummt es im Frühjahr oft ganz besonders. Das hat mich schon immer fasziniert. Was für ein gewaltiger Gesang muss das bei diesem Prachtexemplar von Linde sein, wenn sich dort zur Blütezeit das versammelte Insektenvolk satt trinkt?
      Drücken wir alle der Linde die Daumen, dass sie noch viele, viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte leben darf. Aber so vital, wie sie aussieht, könnte ihr das Gelingen, wenn sie noch dazu von Menschenhand immer liebevoll gepflegt wird.
      Danke für Deine Zeilen und liebe Grüße zu Dir

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  8. gageier sagt:

    Liebe Silberdistel komme doch noch zum schreiben Heiligabend Menü ist alles vorbereitet und jetzt wird es gemütlich hab ein schönes Weihnachtsfest Klaus in Freundschaft

    Gefällt 1 Person

  9. […] Silberdistel stellt uns eine imposante und interessante Sommerlinde in Effeltrich […]

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