Ein Fingerzeig Gottes?

Veröffentlicht: 16. Dezember 2016 in Fotos, Geschichte, Reisen, Sehenswürdigkeiten, Sehenswertes, Unterhaltendes, Urlaub
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In unserem kurzen Augusturlaub von diesem Jahr in Franken haben wir zu Beginn einiges angeschaut, was wir bereits aus den Vorjahren kannten und bei unseren Wanderungen sogar ein wenig lieben gelernt haben. Fast wäre ein Urlaub dort ohne eine Wanderung zur Gügelkirche und/oder zur Giechburg kein richtiger Frankenurlaub für uns. Eventuell berichte ich davon irgendwann doch noch, denn neue Eindrücke gewinnt man auch dann noch oder vielleicht sogar gerade dann, wenn man Bekanntes erneut betrachtet. Plötzlich bemerkt man Details, die zuvor entweder noch gar nicht da waren oder man hat sie ganz einfach durch die Vielzahl der Eindrücke übersehen. Mitunter hat sich auch nur die eigene Sichtweise verändert. Im Grunde genommen gibt es immer wieder Neues auch an Altbekanntem zu entdecken.

Aber heute möchte ich doch erst noch über eine Neuentdeckung berichten. Ich hatte bereits im Beitrag zuvor erzählt, dass ich während dieses Urlaubs fleißig in Prospekten über Franken geblättert hatte. Wir Silberdistels waren dieses Mal nämlich gut vorbereitet auf unseren Frankenurlaub und hatten einiges an Prospektmaterial mit auf die Reise genommen, das sich im Laufe der Zeit bei uns über Franken angesammelt hatte.

So entdecke ich neben dem wunderschönen Wanderweg rund um die Burg Rabenstein, dass Franken auch über interessante Kirchenburgen verfügt.  Zwei davon finden unser besonderes Interesse – Hohenpölz und Effeltrich. Sie sind von unserem Ferienort aus recht schnell zu erreichen. Nur zwei Kirchenburgbesichtigungen an einem Tag wären uns dann doch zu viel, also müssen wir uns für eine der beiden entscheiden. Die Wehrkirche Hohenpölz gewinnt, weil sie schlicht und einfach schneller zu erreichen ist.

Aber irgendwie steht die Fahrt nach Hohenpölz dann doch nicht unter einem so guten Stern.  Wir kommen nämlich nicht weit. Wir sind kaum aus unserem Ferienort raus, schon blockieren im nächsten Ortsteil einige Traktoren die Straße. Wir halten an und warten geduldig, aber es tut sich nichts und es sieht auch nicht so aus, als würde die Straße demnächst geräumt werden. Wir haben eher den Eindruck, als würde hier gleich gar nichts mehr gehen. Scheinbar bereitet man sich gerade auf die Kirchweih vor. Wir haben keine Lust, länger zu warten und so wenden wir kurzentschlossen.

Effeltrich hat nun doch noch gewonnen, denn wir haben umdisponiert. Effeltrich wollte sich mit der Niederlage bei unserer Kirchenburgbesichtigungsauslosung offensichtlich nicht so einfach geschlagen geben. Sie muss den Herrn da oben um Mithilfe gebeten haben und der hatte die clevere Idee, uns ein paar unüberwindbare Traktoren in den Weg zu stellen – ganz nach dem Motto: „Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Obwohl … das war dann wohl doch mehr der Erlkönig, der da seine Hand im Spiel hatte. Komisch, hatte der sich neulich nicht schon mal hier irgendwo eingemischt? Er wird sich doch hoffentlich nicht als Dauergast bei uns einschleichen. Naja, egal, wer sich da wie oder wo eingemischt hat … Tatsache ist, dass wir dieses Mal am Ende gar nicht so unzufrieden mit der Umorientierung sind.

Effeltrich, es liegt übrigens am Westrand der Fränkischen Schweiz, entpuppt sich als etwas ganz Besonderes. Der Ort ist nämlich nicht nur durch seine Wehrkirche bekannt, auch durch seinen Obstanbau – speziell Äpfel – und die Obstbaumzucht ist Effeltrich nahezu berühmt. Und wer hätte es gedacht, dass sich diese Äpfel auch im Ortsnamen niedergeschlagen haben. In einer Schreibweise aus dem Jahre 1121 nennt sich der Ort „Affaltere“. Aus dem Althochdeutschen abgeleitet sollte das ziemlich sicher auf „affaltra“ wie Apfelbaum zurückgehen. Schon vor Jahrhunderten handelte man bis weit über die Grenzen hinaus mit Obstbäumen und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Aber nicht nur durch seine Obstbäume ist Effeltrich berühmt, es gibt dort noch etwas, was speziell mich als Liebhaber alter Bäume ganz besonderes freute. Inmitten des Ortes steht nämlich eine uralte Tanzlinde – quasi gegenüber der Kirche. Ein Gerüst gab den vielen schweren Ästen des Baumes Halt. Aber darüber berichte ich noch in einem gesonderten Beitrag.

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Die Kirchenburg St. Georg in Effeltrich

Zurück zur Kirche: Die Kirchenburg St. Georg stammt aus dem 15. Jh.  Wie wir lesen konnten, ist sie die Wehrkirche in Oberfranken, die am besten erhalten ist. Ihre Mauer hat eine Länge von über 200 m.

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Hier sind die Reste des Wehrganges gut zu erkennen und links einer der 4 Türme

Es gibt 4 Türme und die noch gut erhaltenen Reste eines Wehrganges an der Südmauer. Zur Wehrkirche wurde sie zum Ende des 15. Jahrhundert hin ausgebaut. Anlass dafür waren brutale Überfälle von Nürnberger Truppen, die den Ort erbarmungslos ausgeraubt hatten. So baute man die Kirche zur Schutzburg für die Bewohner des Ortes um.

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Das Eingangsportal der Kirche mit den Heiligen Laurentius, Georg und Sebastian

Kaum auf dem Kirchhof, werde ich von einem älteren Herrn angesprochen, ob ich wüsste, um was für eine Kirche es sich hier handeln würde. Natürlich wusste ich, dass ich vor einer Wehrkirche stand, schließlich hatten wir sie deshalb anschauen wollen. Mein Herr Silberdistel kann dann sogar die nächste Preisfrage beantworten.

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Hier noch einmal die Figuren zur Preisfrage aus der Nähe (v.l.n.r. Laurentius, Georg, Sebastian)

Unser Showmaster will nämlich auch noch wissen, wer wohl die drei Heiligen über dem Eingangsportal wären. Herr Silberdistel kontert: Laurentius, Georg und Sebastian – gut zu erkennen an ihren Heiligenattributen – Rost, Drache, Pfeile. Unser Gegenüber ist von dieser Kenntnis einigermaßen  beeindruckt, denn, wie er sagt, würden viele Touristen fotografieren, ohne zu wissen, was sie da überhaupt vor sich hatten.
Ich muss zugeben, wäre mir nicht mein Herr Silberdistel zur Seite gesprungen, ich hätte nur Georg parat gehabt – wegen des Drachen, aber mein Retter in der Not stand, Glückes Geschick, ja neben mir und glänzte mit seinem Wissen. Rechts neben den drei goldenen Heiligenfiguren reitet uns übrigens noch einmal der Schutzheilige dieser Kirche, der Heilige Georg, entgegen.

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Der Schutzheilige der Kirche – der Heilige Georg

Nachdem wir noch einige Worte mehr miteinander getauscht haben, wobei wir nicht nur erfahren, dass wir einen ehemaligen Küster der Wehrkirche vor uns haben, sondern auch noch einiges mehr über die Kirche und Effeltrich hören, umrunden wir das Gotteshaus und werfen schließlich noch einen Blick ins Innere.

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Die prunkvolle Ausstattung der Kirchen im Süden beeindruckt mich immer wieder. Dagegen machen unsere norddeutschen fast einen ärmlichen Eindruck.
In der Kirche sind unter anderem ein barocker Hochaltar und eine Rokokokanzel zu sehen, außerdem ein als Lebensbaum gestalteter Bronzealtar und ein Ambo im gleichen Stil.

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Nach der Kirchenbesichtigung schauen wir neben der Kirche einen alten Backofen an und natürlich die Linde gegenüber der Kirchenburg, ebenso ein Fachwerkhaus und andere nette Details auf dem Weg zu unserem Auto.

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Inzwischen hat sich bei uns der kleine Hunger gemeldet. Wir haben die Idee, das Problem in der Gaststätte auf unserer Lieblingsburg, der Giechburg, zu lösen. Als wir bereits fast an der Giechburg sind, reiht sich plötzlich Auto an Auto und es geht nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Verwundert stellen wir kurze Zeit später fest,  dass alle hoch zur Burg wollen. Bunte Luftballons am Straßenrand lassen uns auch hier ein Kirchweihfest vermuten. Also vollziehen wir das zweite Mal an diesem Tag eine Wende und auf geht es zum Schloss Seehof, wo wir endlich etwas gegen unseren kleinen Hunger tun können. Wobei der Hunger derweil schon zu einem richtigen Bärenhunger angewachsen ist und da dieser Tag eh der letzte Urlaubstag ist, schlagen wir zum guten Schluss ordentlich zu.  Es gibt Kaffee, Torte und Eis, aber wir schwören fast noch während des genussvollen Essens, dass wir ab dem vor uns liegenden Montag Diät leben werden.

Kommentare
  1. wolke205 sagt:

    Wunderschön ❤ Ich hab mit der Kirche zwar nichts zu tun, aber es gibt viele Kirchen die ich mir sehr gerne ansehe.

    Der Altar als Lebensbaum gefällt mir besonders gut.

    Wart Ihr schon einmal in Dettelbach in der Wallfahrtskirche? Ich fand sie immer traumhaft. Die Gegend mit ihren Weinbergen, der Bastille und Residenz in Würzburg ist immer eine Reise wert 🙂

    Liebe Grüße

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, der Bronzealtar ist schon etwas Besonderes. Den habe ich auch sehr bewundert. Aber auch sonst eine sehr sehenswerte Kirchenburganlage.
      Nein, die Wallfahrtskirche in Dettelbach kenne ich nicht. Aber was nicht ist, kann ja irgendwann noch werden. In Würzburg allerdings waren wir schon, hat uns sehr gefallen.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  2. kowkla123 sagt:

    gefällt mir sehr, wir lassen Kirchen übrigens auch nie aus, wünsche einen guten Start ins Wochenende

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  3. Charis {ma} sagt:

    Prächtig finde ich die Kirchen – nicht überladen. Die Dresdner Frauenkirche würde ich dagegen echt prunkvoll nennen … 😉
    Überm Höchster Schlosstor ist St. Martin zu sehen, den ich manchmal mit dem ‚Schorsch‘ verwechsele … 😀

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  4. einfachtilda sagt:

    Das ist eine Kirche, die sogar mir sehr gut gefällt, da ich selten mal eine Kirche fotografiere. Auch die Details gefallen mir.
    Danke für diesen tollen Beitrag und einen schönen 4. Advent.

    LG Mathilda ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Ich fand die Kirche auch rundum sehr hübsch. Wir schauen eigentlich generell ganz gern Kirchen an und wenn man fotografieren darf, dann tu ich das auch sehr gern. Und gerade die Wehrkirchen unter den Kirchen sind schon etwas Besonderes, wobei diese auch noch dazu ganz besonders gut erhalten geblieben ist. So schöne Überreste von einem Wehrgang z.B. findet man auch nicht überall.
      Danke für Deine Zeilen und auch Dir und den Deinen einen schönen 4. Advent und liebe Grüße an Dich ❤

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  5. Eine sehr schöne Kirchenanlage und feine Foto Sujets wie immer
    Grüess ond e gueti Zit. Ernst

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  6. kowkla123 sagt:

    eine gute Zeit wünsche ich dir

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  7. katerchen sagt:

    der Altar..der ist so schön..sehr BESONDERES liebe Silberdistel..genau wie die Kirche und was es dort noch gibt.schön vorgestellt in Wort und Bild(ern).
    die FRAGEN hätte sicher für JAUCH gereicht,da hätte wohl kaum wer mit den großen Geldtopf abziehen können..grins
    DANKE mit einem LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ich denke, der Altar ist auch ein bisschen etwas Außergewöhnliches – hat mir sehr gefallen. Aber auch sonst die Kirche – einfach schön.
      Es war schon lustig mit dem Herrn und seinen Fragen. Wir hatten die Vermutung, er macht so etwas öfter und testet die Leute. Oft fotografiere ich auch und schaue erst hinterher nach, was das eigentlich war. In diesem Falle hatten wir uns ja schon ein bisschen vorgebildet. Aber mein Herr Silberdistel kennt sich mit den Heiligen eh besser aus als ich. Ich vergesse immer schnell wieder, welche Attribute zu welchem Heiligen gehören. Aber Georg und der Drache waren mir dann doch ein Begriff. Aber wer ahnt schon, dass er, wenn er eine Kirche anschaut, vorher eine Quizshow bestehen muss? 😉 😀
      Liebe Grüße auch an Dich und es freut mich, dass Dir Wort und Bild gefallen haben 🙂

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