In der vergangenen Woche werkelten mein pelziger Keks und ich fleißig im Garten, so fleißig, dass wir alle Restarbeiten erledigen und das Gartenjahr damit erfolgreich abschließen konnten. Ich berichtete hier darüber. Und es gab sogar Lohn für unsere fleißige Arbeit – Goldgeschenke. Gut, Keks hatte als Lohn für seine Arbeit eher anderes im Sinn, etwas Greif-, noch besser Fressbares, schwebte ihm vor. Diesen Wunsch habe ich ihm selbstverständlich erfüllt, hatte ich doch noch etwas gutzumachen wegen meiner Meckerei mit der Schnur für den Moorbottich.
Ich aber nahm das Geschenk aus Gold begeistert an,  auch wenn es scheinbar unerreichbar hoch am Himmel hing. Es war nämlich ein Himmelsgeschenk, ein Himmelsgeschenk, das die Sonne am Abend nach unserer Gartenarbeit mit Hilfe der Wolken in einen bezaubernden Abendhimmel gemalt hatte – ähnlich dem Goldrausch-Wochenende, von dem ich hier vor einer Weile ebenfalls berichtet hatte.
Eine gewisse Ähnlichkeit gab es schon mit den Himmelsgemälden vom Goldrausch-Wochenende, aber eher nur in der Farbwahl. Von den Strukturen her war es wieder einmal anders. Ich glaube, ich könnte den Himmel noch viele Tausend Male fotografieren und nie würde ein Bild dem anderen gleichen. Immer wieder wäre es neu, was die Zauberin Natur mit ihrem Malkasten dort oben in Wolkenhausen gestaltet.
Meine Kamera, die natürlich immer Kumpel ist, zwinkerte mir verschwörerisch zu. Auch wenn die Trauben wie in diesem Falle sehr hoch hingen, sie wusste, wie wir all das Gold in meine Schatzkiste zaubern könnten. So stiegen wir beide hinauf zu meinem Kranichausguck und dann begannen wir in bester Teamarbeit, das goldene Himmelgeschenk einzusammeln.

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Und während wir fleißig sammelten, drangen plötzlich wohlbekannte Laute an mein Ohr, Laute, wie ich sie den ganzen Oktober über bis in den November hinein fast täglich gehört hatte. Aber wo kamen sie her?

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Ich lauschte und suchte gespannt den immer dunkler werdenden Himmel ab und dann sah ich sie – schattenhaft, kaum noch in der hereinbrechenden Dunkelheit zu erkennen – eine kleine Formation von Kranichen. Schnell kamen sie näher und zogen schließlich über unser Haus hinweg. Noch lange klangen ihre Rufe durch den frühen Abend.
Ihrer Flugrichtung nach zu urteilen, waren sie Richtung Ostsee, zu ihren Schlafplätzen, unterwegs. Ob ich sie in den nächsten Tagen noch einmal wiedersehen würde? Sicher gehören sie zu den Kranichen, die alljährlich hier bei uns überwintern. Einige Tausend sollen es sein, die den beschwerlichen Flug in die wärmeren Regionen gar nicht erst auf sich nehmen. So können sie im Frühjahr die besten Brutplätze besetzen.

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Mein Blick fiel wieder nach Westen, zum Himmelsgold. Fasziniert schaute ich hinauf zu dem wellenförmigen Wolkenbild schräg über mir. Wenn ich nicht wüsste, dass dort oben kein Meer sein kann, würde ich glauben, es ist an diesem Tag ausgezogen, um den Himmel für sich zu erobern. Die Wolken ähnelten einem im Sturm tosenden Meer. Ich meinte fast, das Wellenrauschen zu hören. Und dann, wenige Augenblicke später ist all dieser Zauber vorbei, die Sonne ist in dem rotgoldenen Meer versunken  …

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Vier Tage später trifft das ein, was ich mir an jenen rotgoldenen Abend erhofft hatte, der Kranichgesang wiederholt sich. Dieses Mal hören wir ein Morgenlied. Als hätte ich es geahnt, habe ich am Abend zuvor meine Kamera mit hinauf in unseren Kranichausguck genommen. Ich fühle mich richtig belohnt, als ich am Morgen die Stimmen dieser herrlichen Vögel vernehme und wie der Wind bin ich mit der Kamera am Fenster. In rasanter Geschwindigkeit sehe ich sie auf mich zukommen und erwische sie gerade noch, bevor sie hinter dem Dachfirst unseres Hauses verschwinden. Zum Staunen bleibt kaum Zeit, obwohl mir während dieser wenigen Sekunden nicht entgeht, wie herrlich die eleganten Vögel aussehen. Vergoldet vom Licht der aufgehenden Sonne fliegen sie dahin, begleitet von ihren melancholisch klingenden Trompetenrufen. Welch unbeschreiblich schöner Anblick, welch herrlicher Gesang.
Später am PC sehe ich, dass die Kamera diesen Goldschimmer tatsächlich gut festgehalten hat und ich erlebe das ganze Spektakel von Neuem und nun bleibt mir auch genug Zeit zum Staunen und Bewundern.

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Doch bevor ich mir die Bilder am PC ansehe, schaue ich dankbar in die langsam immer höher steigende Morgensonne. Ohne sie wäre das eben nicht möglich gewesen, ohne sie hätte es diesen goldenen Kranichmoment, dieses fliegende goldene Himmelsgeschenk, nicht gegeben. Kraniche im Dezember! Ist das nicht schön?

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Unglaublich. Welch ein Geschenk *staun*.
    Bei Deinen Bildern habe ich eben tatsächlich ein wenig Herzklopfen bekommen. Traumhaft schön… ich kann mich gar nicht satt sehen. Und dann auch noch die Vögel des Glücks vor die Linse zu bekommen nenne ich mal echt dekadent. Du Glückliche ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Unglaublich vor allen Dingen, dass hier immer noch Kraniche fliegen. Aber das habe ich schon in den Jahren zuvor gemerkt, dass es nur eine ganz kurze Zeitspanne – von Anfang/Mitte Dezember bis Mitte Januar – gab, in der ich gar keine Kraniche hörte und sah. Aber wie man nachlesen kann, bleiben wohl doch etliche Tausend der Vögel den Winter über hier bei uns. Schon irgendwie erstaunlich.
      Danke für Deinen begeisterten Kommentar und liebe Grüße in Deine Heide ❤

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  2. einfachtilda sagt:

    Ganz wundervolle Bilder und den goldenen Schein der Sonne kann man an den Flügeln der Kraniche auch seht gut sehen.

    LG Mathilda ❤

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  3. kowkla123 sagt:

    Wunderschöne Bilder wie immer, liebe Silberdistel, schönen Donnerstag

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  4. naturfreundin59 sagt:

    Ja, ist denn schon Weihnachten, liebe Silberdistel? Mir scheint, bei dir war schon Bescherung. Was dir der Himmel beschert hat, ist wahrlich Gold wert.
    Wow … ein goldenes Himmelsmeer, das hast du gut erkannt. So wirkt es auf mich auch, dabei hast du es live erleben dürfen.

    Wie wunderbar und erhebend dieser Moment gewesen sein muss, als die Kraniche im goldenen Schein der Abendsonne, der auf ihre Flügel fiel, über dich hinweggeflogen sind, kann ich mir gut vorstellen.

    Beeindruckend sind auch immer wieder die Silhouetten …

    Danke, dass du dein Gold mit uns teilst!

    Ein lieber Gruß aus dem Krankenlager

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    • Silberdistel sagt:

      Ich sehe es als wunderschönes Adventsgeschenk an, liebe Frau Morgentau 😉 So als himmlisches Adventslicht war es schon etwas Besonderes, als die Kraniche diesen ohnehin fantastisch ausschauenden Himmel noch mehr vergoldeten. Das war für mich schon ein erhebendes Erlebnis. Leider gehen solche Momente immer viel zu schnell vorbei. Wie kurz ist doch ein Sonnenuntergang und wie schnell sind Kraniche vorübergezogen. Da bin ich immer wieder froh, dass es Fotoapparate gibt, die uns solche Augenblicke einfrieren können. Ich weiß, Du kennst dieses Gefühl und weißt es ebenso zu schätzen.
      Nicht schön, dass ich einen Gruß aus dem Krankenlager bekomme 🙂 Ich hoffe, mein Gold samt Kranichen haben Dich ein wenig aufmuntern können. Ganz schnelle und gute Besserung wünsche ich Dir und schicke ganz liebe Grüße mit zu Dir auf die Reise ❤

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  5. Ich bin begeistert und mal wieder ein klein wenig neidisch, weil ich hier noch keinen einzigen Kranich erwischen habe. Ich glaube, die mögen das Emsland nicht 😦
    Ganz tolle Fotos hast Du da wieder geschossen. Glückwunsch. Und noch viele solcher Eindrücke wünsche ich Dir (und mir) von Herzen. LG Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Wir haben das Glück, in einer ihrer Überflugschneisen zu wohnen, sodass wir zu ihren Zugzeiten im Frühjahr und Herbst ihren Gesang fast täglich hören können und sie natürlich auch immer wieder sehen können. Obwohl ich das nun schon fast mein Leben lang kenne, ist der Zug der Kraniche für mich immer wieder faszinierend und es wird mir nicht langweilig, ihnen zuzuschauen. Aber zu dieser Jahreszeit noch Kraniche zu sehen, das ist, obwohl etliche von ihnen seit einigen Jahren hier überwintern, trotzdem noch etwas ganz Besonderes.
      Danke für Deine Zeilen und Dein Lob und liebe Grüße auch zu Dir

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  6. kowkla123 sagt:

    liebe Grüße zum Wochenende

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  7. katerchen sagt:

    keine Frage liebe Silberdistel solche GOLD-Bilder und dann Kraniche..wunderschöne Geschenke
    DANKE und mit einem LG vom katerchen zum 3. Advent

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    • Silberdistel sagt:

      Die Kraniche waren in diesem Falle wirklich das perfekte i-Tüpfelchen, liebes Katerchen. Das passt nicht oft so wunderbar zusammen. Das hat mich schon ganz schön begeistert.
      Danke für den Kommentar und die lieben Wünsche. Auch Dir/Euch einen schönen 3. Advent und liebe Grüße

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  8. Gudrun sagt:

    Das sind wunderschöne Bilder zu einem gut geschriebenen Beitrag. Es ist eine Freude, zu schauen und zu lesen. Du findest immer so tolle Worte für das, wasdu siehst.
    Da wird mir bewusst, dass ich ganz schnell gesund werden muss, damit ich mit der Kamera raus kann. Ich muss immer ein Stücke weg aus der Stadt.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Danke für Deinen lieben Kommentar, liebe Gudrun, der mich sehr gefreut hat.
      Ich wünsche Dir ganz schnelle Besserung und trotz Erkältung doch einen angenehmen und geruhsamen 3. Advent und ganz liebe Grüße zurück in Dein Katzenhaus und Spinnstübchen

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  9. Ruthie sagt:

    Einfach herrlich! Ich kann vom Himmelsgold auch nicht genug kriegen!

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