… ist er oft, der Weg zur Erkenntnis. Unser Urlaub dieses Jahr in der Rhön hat mir das wieder einmal bewiesen.

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Ich stand während dieser einen Woche Feriengenusses, die wir gewissermaßen mitten im Wald verbringen durften, öfter einmal an diesem Fenster und schaute hinaus. Was es da zu sehen gab? Nun ja, eigentlich irgendwie nichts oder besser – viel wohltuendes Grün für die Augen. Aber sonst eben nichts weiter – so auf den ersten Blick. Andererseits alles kein Wunder, befanden wir uns doch am Ende der Welt, also, naja, am Ende der Welt einer kleinen Ferienhaussiedlung, am Ende eines schmalen, mehr schlecht als recht, geschotterten Waldweges, der in einer Art Sackgasse mündete, wenn man denn einen Waldweg überhaupt so bezeichnen kann.  Jedenfalls endete der Holperweg vor einem Geräteschuppen, der wohl zu unserem Ferienhaus zu gehören schien. Von dort aus ging also nichts mehr vorwärts, von dort aus konnte man den Weg nur wieder zurück holpern. So es dunkel war, konnte das mit dem Zurück für Ungeübte oder zur Orientierungslosigkeit Neigende schon ziemlich schwierig werden. Aber auch das Hin war nichts für schwache Nerven. Wir wären einige Male fast in der Unendlichkeit der Rhönwälder verschollen, zumal hier eine ganz andere Dunkelheit herrschte als daheim. Dunkel ist eben doch nicht gleich dunkel und unsere nörgelnde Nora, das Navi in unserem Auto, war da irgendwie auch keine Hilfe. Wenn die Dunkelheit hereinbrach, sah man, wie man so schön sagt, des Nachts die Hand vor Augen nicht mehr, es sei denn Mond und Sterne sorgten für eine gewisse Helligkeit. Übrigens ist diese Gegend wie gemacht für Sternengucker. Die Rhön wirbt sogar in dieser Richtung mit ihrer besonderen Finsternis. Zum Glück bekamen wir selbst abends  und trotz dieser enormen Finsternis jedes Mal gerade noch rechtzeitig die entscheidende Kurve zu fassen und fanden unser Ferienhaus wieder.
Uups, da bin ich doch jetzt irgendwie von der Mücke zum Elefanten gekommen. Also, wo war ich? Ach ja, bei der Mücke, also dem vielen Grün, das da vor dem Fenster waberte.

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Irgendwann während des Urlaubs, als mein Blick wieder einmal zum Fenster und darüber hinaus wanderte, entdeckte ich in all dem Grün ein seltsames Stückchen Zivilisation schräg gegenüber des Fensters – eine Art Schranke. Im Wilden Westen hätte der Cowboy dieses Teil sicher als Einladung zum Parken seines Pferdes verstanden. Ob es hier Cowboys gab – hier im tiefen Rhönwald – mit Pferden gar? Wozu mochte dieses Teil gut sein, wenn nicht dafür, um sein Pferd anzubinden?
Doch dann wanderten meine Gedanken wieder zum Frühstückstisch und das hölzerne Gebilde verschwand nicht nur aus meinen Augen, es verschwand auch wieder aus meinem Sinn – bis mich Herr Silberdistel am letzten Samstag unseres Urlaubs wegen einer Tagung, an der er seine Teilnahme zugesagt hatte, allein ließ. Auch nicht weiter schlimm, so dachte ich, und bald schwebte mir für diesen Tag eine kleine Naturkundesolowanderung vor. Das Wetter sah prächtig aus – wie einem Bilderbuch entsprungen. Sollte ich noch einmal hinauf zum Buchschirmberg wandern?

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Panorama vom Buchschirmberg aus aufgenommen

Ein verlockender Gedanke, hatte ich doch noch immer diesen herrlichen Ausblick dort oben von unserer letzten Wanderung vor Augen.
So schnürte ich nach einem gemütlich im Liegestuhl verbrachten Lesevormittag gegen Mittag mein Ränzlein, packte sicherheitshalber noch eine Wanderkarte der unmittelbaren Umgebung mit ein, schließlich wollte ich nicht doch noch wegen Orientierungslosigkeit in den Tiefen der Rhönwälder spurlos verschwinden, und stiefelte los – bergab zunächst. Aber nur kurz. Auf Höhe der hölzernen Sperre stoppte ich abrupt meine Schritte. Wieder fielen mir die Cowboys und die Pferde ein. Ich schaute den Hang hinauf. Ob es dort oben noch irgendwie weiterging? So richtig Vertrauen erweckend sah das Dickicht nicht aus. Obwohl, wenn man wollte, konnte man den Hauch eines schmalen Trampelpfades erkennen. Man musste allerdings schon sehr wollen. War dieser scheinbare Pfad vielleicht ein Wildwechsel? Oder handelte es sich hier doch um einen alten Weg. Sollte eventuell nur verhindert werden, dass aus unserer scheinbaren Sackgasse eine Durchfahrtsstraße wurde? Sollte dieses schrankenähnliche Gebilde nur einfach eine Wegsperre sein? Jetzt hielt mich nichts mehr, das wollte erkundet werden.

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Irgendwann lichtet sich der grüne Vorhang vor mir

Und siehe da, nach etlichen Metern hangaufwärts lichtete sich das grüne Dickicht und aus dem schmalen Grat, der mich dort hinaufgeführt hatte, wurde Erkenntnis. Dafür musste ich zunächst aber noch unter einem weiteren schrankenähnlichen Konstrukt hindurchtauchen, danach weitete sich mein „Wildwechsel“ zu einem deutlich sichtbaren Pfad, verwandelte sich weiter zu einem gut gangbaren Weg und wurde schließlich zu so etwas wie einer schmalen Schotterstraße, an deren linker Seite sich nun auch wieder Ferienhäuser reihten.

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Aus dem Garten eines Ferienhauses beobachtet mich diese Eule

Wer hätte gedacht, dass sich hier oben eine weitere Ferienhaussiedlung anschloss. Wunderhübsch sahen einige der Häuser aus – mit vielen liebevoll gestalteten Details verziert. Eine hölzerne Eule hatte es mir ganz besonders angetan. Wie gut würde sie auch in meinen Garten passen.

Am Ende der Schotterstraße stieß ich schließlich auf eine weitere, eine asphaltierte, Straße und da ging mir dann endgültig ein Lichtlein auf. Ich wusste plötzlich sehr genau, wo ich mich befand und ich wusste nun auch, dass ich eine Abkürzung von unserem Ferienhaus hinauf zum Buchschirmberg gefunden hatte. Ein paar Tage zuvor, als wir zum Thüringer Rhönhaus über den Buchschirmberg unterwegs waren, hatten wir also einen riesigen Umweg gemacht, weil wir es einfach nicht besser wussten. Wir hätten uns etliche Schweißperlen ersparen können, wenn wir bereits zu dem Zeitpunkt von diesem kurzen Weg Kenntnis gehabt hätten. Ich stand jetzt weit oberhalb der Stelle, an der wir bei unserer ersten Wanderung hoch zum Buchschirm auf diese Straße getroffen waren. Sie führt hinauf bis zum „Thomas-Morus-Haus“, einem katholischen Jugendheim, das seit 1980 als Jugendbildungsstätte existiert. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zum Gipfel des Buchschirmberges.

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Das „Thomas-Morus-Haus“ am Buchschirmberg – ein katholisches Jugendheim

Auch wenn ich mir durch die Abkürzung ein ganzes Stück besonders schweren Anstiegs erspart hatte, wurde mir dennoch warm, denn einige Höhenmeter gab es trotzdem noch bis zum Jugendheim und weiter bis hinauf auf den höchsten Punkt des Berges zu bewältigen.

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Neugierig halte ich nach dem freilaufenden Bullen Ausschau

Kurz hinter dem „Thomas-Morus-Haus“ sollte ein freilaufender Bulle unterwegs sein. Was einem in der Rhön doch so alles über den Weg laufen kann? Aber so sehr ich auch Ausschau hielt, weit und breit kein Bulle zu sehen.

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In der Nähe des „Thomas-Morus-Hauses“ kann ich einen gefiederten Jäger beobachten

Doch bei meiner Bullensuchaktion stach mir etwas anderes ins Auge, vor dem vielleicht nicht gerade ich, aber doch so manche Maus Respekt haben sollte. Wobei, wenn ich den wilden Jäger jetzt so anschaue, dann scheint es mir fast so, als hätte er mich doch ganz schön fest im Visier gehabt. Nun, vielleicht sollte ich froh sein, dass ich ungeschoren davongekommen bin. Mitunter ahnt man gar nicht, in welcher Gefahr man schwebt.

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Irgendwann erhob sich der gefiederte Jäger und verschwand hinter einer Baumreihe, für mich also das Zeichen zum Weiterwandern. Am Wegesrand entdeckte ich nicht nur trockene Schönheiten, auch ein Baumgeist war dabei, mit roten Beeren geschmückte Büsche säumten meinen Weg und sogar Schmetterlinge waren an diesem Tag noch auf Nahrungssuche unterwegs.

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Und dann tauchte die Aussichtsplattform vom Buchschirmberg vor mir auf. Dieses Mal wollte ich hinauf und noch einmal den Blick in die Weite der Rhön genießen, ihn einfangen mit dem Augen, mit allen Sinnen und natürlich auch mit der Kamera.

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Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort oben zugebracht habe. Der Blick ist so bezaubernd und er begeistert mich immer wieder aufs Neue, dass ich mich jedes Mal nur schwer von ihm trennen kann. Jedes Mal ist er anders – je nach Jahreszeit und Lichteinfall. Ich könnte mich fast in all dieser Schönheit verlieren.

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Aber dann wird es doch Zeit für den Rückweg. Da ruft jemand ganz laut in meinem Innern nach einem Kaffee, einem kleinen Imbiss und irgendwie auch nach ein bisschen Ruhe im Liegestuhl auf der Terrasse unseres Ferienhauses. So geht es dann wieder bergab. Auch jetzt entdecke ich noch viel Interessantes – wie z.B. die Wohnung der Fledermäuse Tonia und Valentin oder einen Baumgeist mit gleich drei Gesichtern.

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Doch bevor ich mich, wieder zurück am Ferienhaus, dem Kaffee und dem Liegestuhl widme, muss ich noch einen kleinen Rundgang machen und einsammeln, was an der Terrasse noch alles blüht. Hübsch, was hier angepflanzt ist und die Sinne erfreut. Erstaunlich auch, wie viele Insekten an diesem späten Nachmittag noch unterwegs sind. Es summt und brummt wie im Hochsommer und lässt mich an meinen eigenen Garten zuhause denken. Ob da gerade auch auf den Blumen so viel Betrieb ist?

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    wenn der MUT belohnt wird..manchmal ist viel SCHÖN so nah..
    DANKE für den Weg durch die Wildnis liebe Silberdistel…
    nur Bullen möchte ich NIE begegnen..da ist der Vogel doch eher nach meinem Geschmack,so ein Glück hat man in der freien Natur auch selten.
    einen guten Start in die Woche mit einem LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ohne Zaun zwischen mir und einem Bullen würde ich so eine Begegnung auch nicht haben wollen und über eine Weide mit DEM Schild hätte ich mich schon gar nicht getraut, liebes Katerchen.
      Stimmt, einen Greifvogel so schön fotogen auf einem Koppelpfahl sitzend bekommt man auch nicht alle Tage vor die Kamera. Diese Vögel sind in der Regel ja mehr als vorsichtig. Um so mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass er ein Weilchen für mich sitzen blieb 😀
      Danke für Deine Zeilen, auch Dir einen guten Start in die neue Woche und liebe Grüße an Dich

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  2. kowkla123 sagt:

    ich danke dir dafür, dich begleiten zu können, eine gute Woche wünsche ich dir

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  3. Zeilenende sagt:

    Hach, was ist die Rhön so schön. Und du bestätigst mir einmal wieder, dass es meistens eine gute Idee ist, erst einmal loszugehen und zu schauen, wo man so landet. Auch wenn man am Ende keinen Bullen zu sehen bekommt und das Schild einem womöglich bloß einen Bären aufbinden wollte.

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  4. kowkla123 sagt:

    hier noch ohne Schnee, schönen Dienstag ohne Stress wünsche ich

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  5. Ein feiner Bericht aus der Rhöen, was Umwege manchmal so alles bewirken.

    Einen lieben Gruss aus dem nasskalten grauen Kanton Aargau schickt dir Ernst.

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  6. Charis {ma} sagt:

    Wunderschöne Naturfotos –
    ich bewundere immer wieder dein Talent, so gestochen scharfe und auch nahe Aufnahmen zu machen … 🙂 Wahrscheinlich hast du eine sehr gut und auch teuere Kamera – da kann meine Digicam mit Automatikknips natürlich nicht mit 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Naja, alle Bilder werden auch nicht gestochen scharf. Aber die muss ich hier ja auch nicht unbedingt zeigen 😉 Aber es stimmt schon, die Kamera ist eine Spiegelreflexkamera von Sony. Die kann schon so einiges, mehr als ich momentan in der Lage bin zu nutzen. Ich übe noch fleißig 😀
      Automatik muss übrigens nicht schlecht sein, nutze ich auch, vor allem für Schnappschüsse. Ich habe auch noch eine kleine Kompaktkamera von Canon, die durchaus auch tolle Bilder macht.

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      • Charis {ma} sagt:

        Ich habe nicht so die Geduld, Blende und Belichtung und so weiter einzustellen – Automatik ist praktisch und braucht nur wenig nachträgliche Korrektur am Compi. Ich habe noch eine Canon Power shot A630, die für meine Zwecke gute Fotos und Schnappschüsse macht. Mit einer Spiegelreflex wäre ich definitiv überfordert … 😉

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        • Silberdistel sagt:

          Naja, mit der Spiegelreflex kann man ja auch die Automatik rauf und runter nutzen, aber wenn man halt doch mal die Bilder ein wenig mehr beeinflussen möchte, dann kann man eben viele Einstellungen auch per Hand vornehmen. Da muss man unter Umständen viel herumprobieren und vor allem auch Spaß an der Freude an sich haben. Und wenn man vergleichsweise wenig fotografiert, dann lohnt sich eine Spiegelreflex eher weniger.

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