Was rumpelt und pumpelt da nur?

Veröffentlicht: 29. Oktober 2016 in Fotos, Geschichten, Natur, Sehenswertes, Tiere, Unterhaltendes, Urlaub
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Nach unserem Besuch des Kreuzberges in der bayerischen Rhön, ich berichtete im Beitrag zuvor darüber, sahen wir Silberdistels noch einem ruhigen und gemütlichen Nachmittag entgegen – versüßt mit etwas Kuchen, den wir uns bei einem kurzen Zwischenstopp schnell noch beim örtlichen Bäcker geholt hatten. Herr Silberdistel baute, kaum, dass wir wieder  am Ferienhaus waren, die Liegestühle auf, ich eilte in die Küche und kümmerte mich derweil um den Kaffee. Die Sonne schien immer noch herrlich und Kuchen und Kaffee waren das kleine i-Tüpfelchen und die Abrundung für einen schönen und gelungenen Tag. Wie angenehm entspannend und erholsam doch ein paar warme Sonnenstrahlen, etwas Gutes für den Magen und etwas Ruhe sein können.

Ruhe? Ja, genau! Rein theoretisch sollte es in unserem kleinen Waldferienhaus auch fantastisch ruhig sein. Weit und breit kein Autoverkehr und auch sonst keinerlei Zivilisationslärm. Wo sollte, fernab der Straße, hier mitten im Wald auch Lärm herkommen? So zumindest hatten wir gedacht.

Doch irgendwie hatte da jemand nicht mit meinem sensiblen Gehör gerechnet. Ich war gerade ein wenig eingeschlummert, als etwas über uns zu rumpeln und pumpeln begann und mich aus meiner nachmittäglichen Ruhe riss. Gut, es war nicht schallend laut, aber doch deutlich hörbar, so hörbar, dass mich interessierte, was das war. Lärmte ganz in der Nähe ein Vogel? Pochte da eine Amsel Morsesignale aufs Dach? Oder machte sich gar ein Specht an unserem Dach zu schaffen? Ein Buntspecht vielleicht? Je wacher ich wurde, um so mehr regte sich auch die Neugierde in mir. Und da das Klopfen, Pochen und Rumpeln kein Ende nahm, hielt es mich dann doch nicht länger auf meinem Liegestuhl. Ich musste wissen, wer der Verursacher dieser Geräusche war.

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Was mochte da nur auf dem Dach sein?

Wie dumm nur, ich konnte nicht aufs Dach schauen. Ob ein Hüpfer helfen würde? Versuch macht kluch! So sprang ich wie ein Stehaufmännchen vor dem Haus auf und nieder, konnte aber immer noch keinen Blick aufs Dach des Ferienhauses werfen. In der Regel war ich bisher immer mit meiner Größe zufrieden gewesen. Dieses Mal hätten ein paar Zentimeter mehr vielleicht hilfreich sein können. Aber wer nicht gerade als Riese durch die Welt geht, der ist auch erfinderisch. Man muss sich halt nur zu helfen wissen. Nein, nein, mein Herr Silberdistel durfte weiterschlummern, er musste weder eine Räuberleiter machen, noch mich irgendwie anders aufs Dach heben. Ich hatte eine andere Idee, ich holte mir ganz einfach einen Stuhl aus dem Ferienhaus, stellte ihn in angemessener Entfernung vors Haus und kletterte drauf – also auf den Stuhl, nicht aufs Haus. Und jawohl, in angemessener Entfernung! Wer weiß, wer mich da sonst vielleicht angesprungen hätte, wenn ich nahe der Dachkante gestanden und den Lärmpegel dort oben mit meinem plötzlichen Auftauchen erschreckt hätte.
Aber ich hätte ruhig ganz dicht an der Dachkante stehen können, da war nichts, aber auch gar nichts auf dem Dach. Obwohl ich nichts sah, pochte und rumpelte es immer fort. Und es kam irgendwie vom Dach. Da biss die Maus nun wirklich keinen Faden ab. Hm, also wieder dichter ans Haus. Ich lauschte nun ganz aufmerksam, um das Geräusch genauer zu orten.

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Uups, was rieselt mir denn da von oben ins Auge?

War da vielleicht etwas in der Zwischendecke? Jetzt pochte es direkt über mir und fast wäre mir beim Hochschauen zur Dachunterkante feiner Staub ins Auge gerieselt.

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Was machen dort oben Grashalme und Blätterreste?

Bei genauerer  Betrachtung sah ich nun an der Unterkante des Daches eine kleine Ritze, aus der Reste von Laub und Gräsern heraushingen. Und genau von dort kamen auch diese rumpelnden Geräusche. Wer mochte dort oben wohnen? Das musste ich doch gleich etwas genauer beobachten. Nichts wie rein ins Ferienhaus und die Kamera geholt! Ich platzierte meinen Liegestuhl nun schräg unter der Stelle mit dem schmalen Spalt zwischen den Brettern vom Vordach des Hauses.

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In dem Spalt war deutlich eine Bewegung auszumachen

Dann hob ich die Kamera und schaute durch den Sucher. Mein Objektiv brachte mir den kleinen Spalt wie ein Fernglas noch ein ganzes Ende näher. Und genau in dem Moment, als ich durch den Sucher blickte, bemerkte ich in der Ritze dort oben eine Bewegung.

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Wenig später waren helle Krallen zu sehen, …

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Eindeutig – dort oben wohnt jemand – ein grauweißer Pelz ist zu sehen

… dann helles weißliches bis graues Fell …

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Plötzlich ist ein grauer wuschelig behaarter Schwanz zu sehen

… und Bruchteile von Sekunden später rutschte ein wuscheliger grauer Schwanz nach unten durch den schmalen Schlitz. Boah, begeistert starrte ich nach oben und versuchte, meinen Herrn Silberdistel darauf aufmerksam zu machen. Doch so schnell, wie das Schwänzchen erschienen war, war es auch wieder verschwunden. Irgendwann im Leben habe ich genau so ein Schwänzchen schon einmal gesehen. Wir waren damals wandernd in der Pfalz unterwegs und entdeckten bei einem unserer Ausflüge einen toten Siebenschläfer am Wegesrand im Wald.

Wahrscheinlich wohnt genau so ein Siebenschläfer in dem Ferienhaus in der Rhön als Untermieter. Herr Silberdistel bestätigte später, als er die Fotos am PC sah, meine Annahme. Mehr als die Krallen, ein wenig eines grau-weißen Pelzes und dieses wuschelige Schwänzchen gab es allerdings nicht zu sehen – weder an diesem Tag noch an den folgenden Tagen.
Der Siebenschläfer ist eigentlich ein nachtaktiver Geselle. Daher war es schon erstaunlich, dass wir überhaupt etwas von ihm zu Gesicht bekamen. Des Nachts haben wir allerdings kaum einmal etwas von ihm gehört. Sicher war er da mehr außerhäusig unterwegs.

Ein Siebenschläfer kann bis etwa 19 cm lang werden. Sein Fell ist graubraun bis silbrig gefärbt. An der Unterseite ist es weiß, der buschig behaarte Schwanz kann bis zu 15 cm lang sein. Das Tierchen wiegt je nach Jahreszeit zwischen 200 und 700 g. Der Siebschläfer ist ein guter und geschickter Kletterer. So sucht er seine Nahrung durchaus auch hoch in den Bäumen, wo er Knospen, Früchte und mehr frisst. Er nimmt aber gern auch tierische Nahrung zu sich und bedient sich nicht nur an Insekten, sondern ebenso an Vogeleiern oder Jungvögeln. Den Winter über verbringt der kleine Kerl schlafend und wie sein Name es eigentlich schon sagt, schläft er unter Umständen von September/Oktober bis zum Siebenschläfertag im Juni (27. Juni) durch.

Ist es nicht interessant, was man im Urlaub so alles erleben kann, wenn man nur ein wenig aufmerksam oder zumindest ein bisschen neugierig ist? Na, und der Zufall hatte wohl auch irgendwie die Hand im Spiel.
Ich habe nach diesem Erlebnis immer wieder den Spalt zwischen den Brettern am Dach beobachtet, gehört habe ich unseren Untermieter noch öfter. Er aber hat es leider von da ab immer nur bei diesen kleinen Klopfsignalen belassen. Sicher war er der Meinung, sich ohnehin bereits genug geoutet zu haben.

Kommentare
  1. Das erinnert mich an die Nistkasten-Räumaktionen aus der Schulzeit. Wir hatten einen tollen Biologielehrer – nun, zumindest ich fand ihn toll, weil ich gern in der Natur bin 🙂 – der die Klasse auch schon mal zum Errichten von Krötenzäunen eingespannt hat. Und zu besagter Räumaktion, die darin bestand, im Frühjahr die Nistkästen für seltenere Vögel darauf zu checken, ob es sich andere Bewohner darin gemütlich gemacht hatten, und diese im Bedarfsfall zu kündigen und in passendes Unterholz zu verfrachten. Dabei habe ich mal einen Siebenschläfer erwischt, der zu müde war, um wegzurennen, so dass ich ihn tatsächlich zu fassen bekam. Mit Handschuhen, natürlich. Nachdem er so halbwegs aufgewacht war, entschied er, dass ein Laubhaufen zwischen herabgefallenen Ästen kein angemessenes Ersatzquartier war und versuchte, den Nistkasten wieder zu besetzen. Ich also wieder den Nistkasten geöffnet und den Siebenschläfer hinauskomplimentiert. Woraufhin er meinte, eine Hosenbein ginge auch. Also hatte ich einen zwar immer noch verschlafenen, aber auch schlecht gelaunten Siebenschläfer am Bein. 😀 Am Ende habe ich ihn dann doch aus der Hose bekommen, und als er wieder in den Nistkasten geschlüft ist, haben wir in dringelassen.

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    • Silberdistel sagt:

      Na das war ja ein aufregendes Abenteuer 😀 Ich wäre wahrscheinlich aus der Hose gesprungen, denn mit dem Siebenschläfer im Hosenbein war es doch sicher ganz schön unheimlich. Das kleine Kerlchen war aber gewaltig hartnäckig mit seinem Nistkasten. Da hatte der Bursche schon verdient, dass er ihn letztendlich dann doch weiter bewohnen durfte.
      Aber diese Art von Biologieunterricht hat sicher viel Spaß gemacht. Ich hatte übrigens auch eine tolle Biolehrerin, die ebenfalls öfter mit uns in der Natur unterwegs war. Solche Stunden haben uns immer sehr gefallen.
      Danke für die interessante und spannende Geschichte 🙂

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  2. kowkla123 sagt:

    schön beschrieben hast du das, liebes Silberdistelchen, beste Grüße zum Wochenende und passe auf dich auf

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  3. minibares sagt:

    was du alles entdeckst…

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  4. katerchen sagt:

    ÜBERALL ist etwas los liebe Silberdistell
    so einen Gesellen kenne ich nur von Bildern.
    DANKE für diese spannende Begebenheit mit dem ..OBERMIETER..
    mit einem LG zum Wochenende vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Bis auf diesen einen, leider toten, Siebenschläfer, den wir vor einigen Jahren fanden, habe ich auch noch kein solches Bürschchen gesehen. Na, und dieser hier hat sich ja auch ziemlich bedeckt gehalten und nur einige Körperteile anschauen lassen. Vielleicht sollte das eine Ratestunde für uns werden 😉 Aber ich würde behaupten, wir haben gut geraten.
      Einen lieben Gruß auch an Dich und ein schönes Wochenende

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  5. Ich habe noch nie einen echten Siebenschläfter in freier Wildbahn bzw. als Quartiersgast im Haus kennengelernt! Wie abenteuerlich! 🙂
    Liebe Silberdistel, ich bin ja schwer begeistert, dass du a) die Quelle des Lärms lokal so ausmachen konntest und b) darüber hinaus das Kerlchen auch noch (zumindest in Teilen) fotografisch festgehalten hast. In flagranti erwischt. ^^
    Ein Urlaubserlebnis, dass euch bestimmt lang in Erinnerung bleiben wird.

    Liebe Grüße und weiterhin ein nettes Wochenende!
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Es hatte mir einfach keine Ruhe gelassen, was da immer wieder pochte. Dass ich allerdings dann sogar noch das Glück hatte und von dem Bürschchen wenigstens einen Teil mit der Kamera festhalten konnte, das war schon erstaunlich – auch für mich.
      Ich denke schon, dass auch dieses Erlebnis eines ist, dass uns lange, wenn nicht sogar immer, im Gedächtnis bleiben wird. Das sind so die kleinen Freuden, die eben auch einen Urlaub zu etwas Besonderem machen.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  6. Ein origineller Bericht über den Bilch, wie wir ihn auch noch nennen. Danke und dir eine gute Zeit. Einen lieben Gruss in den Norden. Ernst

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    • Silberdistel sagt:

      Es freut mich, dass Dir mein Bericht über diesen kleinen Mitbewohner dort während unseres Urlaubs gefällt. Ja, die Bezeichnung Bilch kenne ich auch für den Siebenschläfer und er gehört ja auch zur Familie der Bilche.
      Danke für Deinen Besuch und Kommentar und liebe Grüße zurück in den Süden

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