Es ist bereits einige Jahre her, als ich hier etwas ausführlicher über die „Poppenhausener Kunstmeile“ berichtete. Bei unseren Wanderungen in der Rhön, die uns zum Grabhügel des Riesen Mils, der Milseburg, führten, wurden wir jeweils alljährlich ein Stück des Wegs von dieser Kunst am Wegesrand begleitet.

Als wir jetzt im September wieder einmal wandernd in der Rhön unterwegs waren, trafen wir auf, zumindest für uns, neue dieser Kunstwerke. Wir verdanken diesen Neuzugang in unserer innerlichen Kunstsammlung genau genommen den Straßenbauarbeiten, die uns überall den Weg zum Grab des Riesen Mils versperren wollten. Ich berichtete in meinem vorigen Beitrag von dieser Irrfahrt über Rhöner Landstraßen.
Am Ende dieser Irrfahrt standen wir, zwar ein wenig entnervt, aber immerhin am Südhang der Maulkuppe mit dem sehr interessanten Rundbau „Fuldaer Haus“. Gesehen hatten wir das „Fuldaer Haus“ bei unseren Wanderungen in den Jahren zuvor schon oft – allerdings immer nur aus der Ferne. Im Grunde genommen wurde es also Zeit, dass wir es endlich auch einmal aus der Nähe betrachteten. Wahrscheinlich waren die gesperrten Straßen ganz einfach nur so etwas wie ein Wink mit dem Zaunpfahl frei nach dem „Erlkönig: „Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ Wobei in unserem Falle wohl weniger der Erlkönig, sondern mehr der Riese Mils seine Hand im Spiel hatte, denn genau auf den trafen wir nämlich, kaum dass wir uns vom „Fuldaer Haus“ auf den Weg zur Milseburg gemacht hatten.

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Die Milseburg, von der ich bisher immer annahm, dass dort wirklich der Riese Mils begraben liegt

Bis zu diesem denkwürdigen Tag jetzt im September hatte ich immer angenommen, der Riese würde wirklich, wie die Sage zu berichten weiß, unter dem gewaltigen Milseburghügel vergraben sein.

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Aber da unterlag ich wohl einem Irrtum, denn plötzlich und unerwartet stand der Kerl weitab von seinem Grabhügel groß und mächtig auf einem dicken Baumstamm vor uns und schaute grimmig auf uns herab, so, als wären wir der Heilige Gangolf, der ihn bezwingen wollte. Als uns klar wurde, wer da vor uns stand, machten wir schnell, dass wir weiterkamen, bevor er vielleicht noch den mächtigen Felsbrocken, den er bei sich trug, nach uns warf.

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Aber, so ging mir durch den Kopf, wenn der Riese hier, immerhin ein ganzes Ende von der Milseburg entfernt herumstand, dann konnte er doch nicht auch noch auf der Milseburg liegen. Oder? Beschwingten Schrittes eilten wir mit diesem Wissen weiter und hielten zügig auf die Milseburg zu, mussten wir doch nun nicht mehr befürchten, dass sich der Riese Mils, während wir auf seinem Grabhügel die Aussicht genossen, plötzlich erheben würde und wir mit den Felsen, die er zur Seite stieß, in die Tiefe stürzten. So saßen wir dann eine ganze Weile später auch völlig ruhig und entspannt auf dem Gipfel der Milseburg und ließen uns die Nase von den warmen spätsommerlichen Sonnenstrahlen bescheinen.

Okay, wir mussten nach diesem sorglosen Nichtstun oben auf dem Berg später noch einmal an dem Riesen dort in der Nähe des „Fuldaer Hauses“ vorbei. Schließlich wollten wir irgendwie wieder zu unserem Auto. Aber wir hatten Glück. Neben dem Riesen Mils steht nämlich eine Bank und auf der hatte sich just in dem Augenblick, als wir am Riesen vorbei mussten, ein Radler niedergelassen. Seine lässige und dominante Sitzhaltung musste den Riesen geradezu provoziert haben und so galt seine ganze Aufmerksamkeit diesem Radler. An uns verschwendete er in diesem Moment keinen einzigen Blick.

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Der Riese schaut grimmig auf den Radler auf der Bank neben ihm (Der Vater des „Riesen Mils“ ist übrigens Elmar Baumgarten)

Mils schien in meinen Augen eben damit beschäftigt, die Flugbahn des Felsens in seinem Arm bis hinüber zum frechen Radler zu berechnen. Unser Riese hatte wohl gerade seinen Heiligen Gangolf in dem Radler gefunden. Wir nutzten die Gelegenheit und huschten hurtig an beiden vorbei.

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„Nebelzeit – Schattenzeit“ von Klaus Urban

Obwohl der Riese mit uns scheinbar momentan so gar nichts im Sinn hatte, schaute ich mich sicherheitshalber noch einmal nach ihm um. Man weiß ja nie. Und während ich so nach hinten schaute und weiter vorwärts ging, hätte ich fast zwei Koppelpfähle umgerannt. Uups, das waren aber riesige Koppelpfähle. Erstaunt blickte ich nach oben. Und so hübsch verziert waren sie. Äh, Moment mal, das, das waren gar keine Koppelpfähle. Ein Schild neben diesem hölzernen Duo klärte mich dann auch auf. Obwohl, eigentlich verwirrte es mich fast noch mehr, denn wie ich las, stand ich vor Nebligem, Schattenzeitigem. Für Nebel und Schatten schienen mir meine beiden Stolperhölzer doch ganz schön handfest zu sein und für Zeit waren sie erst recht sehr greifbar. Und dann begriff ich, dass ich mich hier nicht nur auf einem ganz normalen Wanderweg befand, ich war zugleich auf der „Poppenhausener Kunstmeile“ unterwegs. Also stand ich hier vor Kunst und schaute die Teile gleich mit ganz anderen Augen an. Dennoch … Nebelzeit und/oder Schattenzeit … Aber vielleicht bin ich nur zu fantasielos. Aber eins hatte der Künstler erreicht, ich dachte nach über das, was da vor mir stand.

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Und dann ging es Schlag auf Schlag mit der Kunst. Aber seht selbst, was da noch alles so am Wegesrand auf uns lauerte. Auf jeden Fall gab es viel zu sehen und darüber nachzudenken.

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Und während ich schaute, bewunderte oder mich mitunter auch über das eine oder andere wunderte und nachdachte, stand schon wieder das „Fuldaer Haus“ vor mir, was aber noch nicht hieß, dass es hier auch mit der Kunst am Wegesrand zu Ende war.

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Ich schlenderte am „Fuldaer Haus vorbei …

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Maulkuppenborn – etwas für den vierbeinigen Wanderer (?)

… entdeckte dabei nicht nur hölzerne Kunst, sondern auch noch diesen netten kleinen Brunnen.

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„Links oben – Jugendheim an der Maulkuppe, rechts hinten – „Fuldaer Haus“ und mittig – hier nur recht schemenhaft zu sehen – „Der Mensch im Aufwind“ von Klaus-Dieter Locke

Ach ja, und dann war da doch noch dieser „Mensch im Aufwind“ mit seinen ihm zu Berge stehenden Haaren vor dem Jugendheim an der Maulkuppe. Diesen Burschen gab es ja bereits als kleinen Vorgeschmack auf die „Poppenhausener Kunstmeile“ im vorigen Beitrag zu sehen.

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Und damit dieser Mensch nicht nur eine schemenhafte Erscheinung bleibt, gibt es ihn nun auch noch einmal in voller Schönheit zu sehen.

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Apropos volle Schönheit, hier ebenso noch einmal in voller Pracht das Jugendheim, vor dem „Der Mensch im Aufwind“ seinen Standort gefunden hat. Das Jugendheim entstand gewissermaßen als Ergänzung zum „Fuldaer Haus“ in den Jahren 1955/56. Damit sollte wandernden Jugendgruppen noch zusätzlich Unterkunft geboten werden. Allerdings ist hier Selbstverpflegung angesagt.

Und wer nun glaubt, dass das alles war, was an Kunst auf der „Poppenhausener Kunstmeile“ zu sehen ist, der irrt. Wir Silberdistels haben nämlich noch immer nicht alles bis zum bitteren Ende angeschaut, aber wir wollen ja auch in den kommenden Jahren noch einiges zu bewundern haben.

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    toll gemacht, war zu früh da, alles Gute, KLaus

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  2. kowkla123 sagt:

    beste Grüße kommen von mir zu dir

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  3. katerchen sagt:

    in Portionen sind Kunstwerke auch gut liebe Silberdistel,sehe ich auch so.
    Hier gibt es in Neu Duvenstedt den Kolonistenhof,dort gibt es auch KUNST satt..
    mit einem LG vom katerchen zum Wochenende

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    • Silberdistel sagt:

      Vor allem so nebenher beim Wandern ein wenig Kunst – da schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe 😉
      Danke für Deine Zeilen und auch für den Tipp mit der Kunst in Deiner Nähe.
      LG zurück und Dir ebenfalls ein schönes Wochenende

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  4. Tolle Kombination von Kunst und Natur! Ich liebe solche Wege -.hier im Odenwald gibt es auch etliche davon, allerdings sind die Kunstwerke nicht ganz so „riesig“ 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Ich schrieb es gerade in meiner Antwort auf Katerchens Kommentar, man schlägt auf dem Milseburgweg gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, weil man zum Wandern nebenher auch noch Kunst bewundern darf.
      Neuerdings gibt es dort auch noch einen Malerweg – ebenfalls eine interessante Sache. Die Bilder sind auch mehr in handlicher Größe und fast noch eher nach meinem Geschmack als die hölzernen Riesen, für die man z.T. echt viel Fantasie braucht, um zu verstehen, was da vor einem steht. Ohne ein Schild mit näherer Erklärung hätte ich bei etlichen Skulpturen so meine liebe Mühe. Aber vielleicht macht gerade das den Spaß an der Sache aus, man macht sich Gedanken 😀

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  5. kowkla123 sagt:

    schönes Wochenende wünsche ich

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  6. Ein interessanter Bericht mit sehenswerten Bildern. Die Holz-Skulpturen haben etwas archaisches an sich, gefallen mir. Einen lieben Gruss in den Norden. Ernst

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    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Dir die Skulpturen gefallen. Ich finde es sehr interessant, wie die Künstler die Themen jeweils umgesetzt haben. Man steht davor und grübelt und staunt, was da am Ende als Ergebnis rauskam. Schon nicht uninteressant.
      Einen lieben Gruß auch zu Dir in den Süden

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