Rastlos – Leseabenteuer 23

Veröffentlicht: 14. Juli 2016 in Bücher, Leseabenteuer, Lesen, Unterhaltendes
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Scheinbar unauffällig kommt es auf den ersten Blick daher. Recht schlicht gehalten. Die obere Hälfte schwarz. Darauf in weißen Buchstaben das Wort „RASTLOS“.

Weber - Rastlos

Der Anfang – „RAST“ – liegt eng beisammen und hält wohl in der Tat gerade Rast. Dann das „LOS“ – gar nicht mehr so rastend wie die Nachbarbuchstaben. Das „L“ hängt zwar noch ein wenig am „T“, ist aber schon dabei, sich von ihm loszureißen. Das nachfolgende „O“ und das „S“ sind bereits in großen Schritten unterwegs, sie scheinen rastlos nach oben davonzueilen. Rastloser kann rastlos nicht sein.
Wer aber ist so erpicht darauf, nach der Rast schnell und weit fortzukommen? Stefanie Weber? Die, deren in schwarzen Buchstaben gehaltener Name auf weißem Grund das nach oben strebende „Los“ des „Rastlos“ zu unterstreichen scheint? Ist sie diese Rastlose? Und wenn ja, warum ist sie so rastlos? Läuft sie vor etwas davon, eilt sie etwas oder jemandem hinterher oder ist sie auf der Suche, auf der Suche nach dem Leben vielleicht oder dem, was das Leben ausmacht? Ich bin neugierig geworden.

Vor ein paar Tagen las ich im Nachbarblog, in „Zeilenendes Sammelsurium“, einen interessanten Beitrag – „Lesen auf Probe“.  In dem Post, in dem es erstaunlicherweise 😉  um Bücher geht, fragt das Zeilenende am Schluss seines Beitrags:  „Wie ist es mit euch? Lasst ihr euch durch Leseproben leiten? Orientiert ihr euch an Empfehlungen von Blogger*innen oder dem Feuilleton? Oder macht ihr es wie ich und greift einfach blindlings zu?“

Zeilenendes Fragen schwirrten mir bei der Vorbereitung dieses, meines „Rastlos-Beitrags“ noch einmal  durch den Kopf. Und da sie das taten, kann ich auch gleich anhand eines praktischen Beispiels diese Fragen beantworten. Da ich ab und zu das Pferd auch gern von hinten aufzäume, möchte ich auf Zeilenendes letzte Frage zuerst eingehen. Also … blindlings, blindlings habe ich sicher schon öfter einmal irgendwo zugegriffen. Meistens erwies sich das als dummer Fehler. Aber bei Büchern passiert mir das zum Glück eher selten. Einerseits, weil mein Bücherschrank eh schon übervoll ist und er sich nicht noch zusätzlich mit Fehlkäufen schmücken muss, denn leider kann ich mich auch von Fehlkäufen oft nur schwer trennen. Andererseits habe ich meine Bücher schon immer gern mit Bedacht gekauft. Zunächst muss mich ein Buch neugierig machen – durch den Autor, den Titel des Buches und/oder durch sein interessantes Cover. Dem aufmerksamen Leser dürfte nicht entgangen sein, dass „Rastlos“ das durchaus durch Cover und Titel geschafft hatte. Aber ein schöner und zum Lesen verlockender Titel und ein ansprechendes Cover sind ja durchaus noch nicht alles. Ein bisschen mehr als nur ein hübsches Gesicht darf es schon noch sein. Also, was sagt denn der Klappentext – so vorhanden? Nicht nur beim großen Buchverkäufer mit dem A am Anfang wurde ich fündig, auch auf Stefanie Webers Blog gescheuchteigel.wordpress.com erfuhr ich, was ich wissen wollte.

Übrigens, um noch einmal auf Zeilenendes Fragen zurückzukommen, aufmerksam überhaupt wurde ich auf Stefanie Weber, weil sie irgendwann einmal hier im „Bücherstaub“ Spuren hinterließ. Das führte mich zu ihrem Blog und dort stolperte ich über diesen Buchtitel „Rastlos“. Ja, liebes Zeilenende, man könnte also sagen, ich habe mich hier durchaus zunächst an der Empfehlung einer Bloggerin orientiert. Aber mehr wollte ich trotzdem noch vor dem eventuellen Kauf des Buches wissen. Ich lese gern ein wenig rein in den Anwärter auf einen Platz in meinem Bücherschrank. Also musste eine Leseprobe her und die ließ mich dann nicht mehr los.

Der Schreibstil gefiel mir außerordentlich gut und nicht nur der, auch die Ansichten der Ich-Erzählerin gefielen mir und irgendwie sogar ihre Gedankensprünge, die erstaunlich oft vorkommen und dem Buch einen ganz eigenen Charakter geben. Ich habe diese Sprünge auch durchaus nicht als lästig empfunden. Sie halten das Buch eher lebendig und es kam mir wie im wirklichen Leben vor, wo man oft gedanklich hin- und herspringt.

Wie man der Biografie der Autorin entnehmen kann, verlief ihr Lebensweg ähnlich dem der Ich-Erzählerin aus dem Buch. Vielleicht begleiten wir Stefanie Weber mit diesem, ihrem Debütroman sogar ein Stück auf ihrem eigenen Lebensweg, folgen ihr durch einen wichtigen Teil ihres Lebens, durch genau den, den wir alle mehr oder weniger suchend durchschritten haben, durch die Zeit, in der man bereits zu den Erwachsenen  zählt, seinen Platz unter ihnen aber noch nicht gefunden hat, durch die Zeit, in der man weder genau weiß, wohin es beruflich gehen wird, noch wohin der Weg partnerschaftlich führen wird. Es braucht halt seine Zeit, bis man im Leben ankommt. Der eine kommt eher an, der andere später. Manch einer sucht vielleicht auch nach vielen Jahren noch immer nach dem, was das Leben ausmacht, nach Erfolg im Beruf, nach einer Schulter, an die er sich in guten wie in schlechten Tagen anlehnen kann, nach dem eigentlichen Zuhause, nach dem, was uns letztendlich glücklich und zufrieden sein lässt. Manchmal dauert es lange, aber irgendwann kommt man an im Leben und dieser kleine Funke leuchtet auch am Ende des Buches von Stefanie Weber auf. Jedenfalls würde ich es so interpretieren.

Fazit: Unbedingt lesen! Für mich ein bemerkenswertes Buch von einer Autorin mit bemerkenswerten Ansichten, Ansichten, die ich in vielem bedingungslos teile. Für mich war genau das durchaus erstaunlich. Bei diesem Buch hatte ich das Gefühl, in vielen Teilen auf einer Wellenlänge mit der Erzählerin zu liegen. Ich konnte ihr Tun und Handeln, ihre Gefühle, ihre Ängste, ihre Sorgen verstehen, in einigen Teilen sogar nachvollziehen und das, obwohl wir nicht zu ein und derselben Generation gehören, denn gerade da gibt es ja oft sehr unterschiedliche Ansichten und Meinungen.
Ich habe mit „Rastlos“ wieder einmal ein Buch in Händen gehalten, das mich ausgesöhnt hat mit vielem, das mir wieder Mut gemacht hat, dass es da doch noch stimmen könnte im allgemeinen Miteinander, in der gegenseitigen Achtung, dass wir doch noch Gemeinsamkeiten haben – egal, wie viele Lebensjahre uns trennen. Und dass diese Gemeinsamkeiten gar nicht einmal so wenige sind.
Und noch etwas war an diesem Buch für mich erstaunlich, nämlich wie spannend und mitreißend Stefanie Weber über ein in gewisser Weise doch ganz normales Leben schreiben konnte. Aber ich glaube, gerade das macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem, gerade deshalb geht es unter die Haut, man fühlt mit – man freut sich mit, sorgt sich mit und man leidet mit, aber man hofft auch mit.

Ein Frage muss ich allerdings am Ende offen lassen, nämlich die, ob „Rastlos“ eventuell nur ein reines Frauenbuch ist oder ob es ein Buch ist, das die männlichen Leser genauso fesselt, wie es mich gefesselt hat. Aber ich denke, das kriegt ihr selber raus, Ihr lesebegeisterten Jungs, oder? Wozu schließlich gibt es Leseproben? 😉

Kommentare
  1. stefanini sagt:

    Eben schrieb ich über Glück. Und das hier, das macht mich direkt wieder einen Moment lang sehr glücklich! Ich danke dir für deine Worte. So schöne wie deine, habe ich schon lange nicht mehr über mein Geschriebenes gehört.
    Lieber Gruß!

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    • Silberdistel sagt:

      Ein Dankeschön zurück für Deinen Besuch und für Deine Zeilen. Es freut mich natürlich sehr, dass ich mit meiner Rezension für ein bisschen Glück in Deinem Tag sorgen durfte. So konnte ich Dir vielleicht ein wenig von dem zurückgeben, was Du mir beim Lesen Deines Buches gegeben hast. Ich hab’s unwahrscheinlich gern gelesen – ein Buch, das ganz vorn bei mir steht und eines, das ich ganz sicher nicht das letzte Mal in die Hand genommen und gelesen habe. Da ist Dir etwas ganz Bemerkenswertes gelungen. Aber auch Deine kleinen Texte gefallen mir sehr. Ich freue mich auf hoffentlich noch viel Neues von Dir.
      Einen lieben Gruß auch an Dich

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  2. minibares sagt:

    Schön, dass dich das Buch erfreut.
    LG

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Bärbel, das Buch hat mich schon sehr beeindruckt – ein Buch, das mit viel Gefühl geschrieben ist, ein Buch, das ich eigentlich gar nicht aus der Hand legen mochte.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  3. kowkla123 sagt:

    du hast dich sehr ausgiebig damit befasst, aber ich habe es gelesen und finde, du hast es toll gemacht, bin nun etwas weniger „ratlos“, aber ehrlich, ich habe früher so viel und gerne gelesen, das hat leider sehr nachgelassen, wünsche einen guten Donnerstag

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  4. Zeilenende sagt:

    Ich kenne den Blog auch und schaue gelegentlich hinein. Wenn das mal kein Grund ist, sich doch einmal eine Leseprobe anzuschauen, auch wenn ich das verhältnismäßig selten tue. Aber: Dein Beitrag hat mich ebenso neugierig gemacht wie das Cover. Und man merkt mal wieder, dass das Lesen von Blogs im Reader allein auch nicht glücklich macht. Dank dir also für die Verlinkung, für das Anwendungsbeispiel meiner Frage und die Empfehlung. 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Den Reader benutze ich eher selten einmal. Irgendwie fühle ich mich mit der Variante nicht so recht glücklich. Aber jeder so, wie er mag.
      Fein, dass ich mit meinem heutigen Post Deine Neugierde wecken konnte. Ich bin gespannt, ob mehr daraus wird. Aber wenn, dann wird mir das sicher nicht verborgen bleiben, denke ich 😉
      Dein Beitrag passte so perfekt, da musste ich einfach verlinken 🙂

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  5. Und schon bin ich neugierig geworden. ^^ Ich glaube, da muss ich mich doch auch einmal um ein Hereinschnuppern kümmern, und es könnte durchaus sein, dass es am Ende genau dieses Buch werden wird ..
    Liebe Silberdistel, danke für deinen Buchtipp, die anschauliche Rezension zu „Rast l o s “ von Stefanie Weber und weitere Hinweise (Blogs, Autorin etc.) die ich gleich auch noch aus deinem Beitrag entnehmen konnte. Das war sehr interessant für mich! Auch dein Vorgehen bei der Buchauswahl!

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Na, das liest sich doch gut, denn Neugierde wollte ich natürlich wecken. Ich dachte mir, was mich neugierig gemacht hat, lockt vielleicht auch andere. Ich finde, es ist ein Buch, das man gelesen haben sollte.
      Danke für Deine Zeilen und dann vielleicht irgendwann eine rastlose Lesezeit mit einem für meine Begriffe sehr bemerkenswertem Buch.
      Liebe Grüße zurück nach Hamburg

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  6. […] so lange her scheint, hat mich gestern so sehr überrascht und sehr, sehr gefreut, was ich bei der Silberdistel fand. Eine Rezension voll lobender […]

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  7. kowkla123 sagt:

    schönes Wochenende nicht nur mit Regen

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  8. Frau Tonari sagt:

    Ja, ich glaube, das Buch landet nachher gleich im Einkaufskörbchen.
    Ich lasse mich bei der Literatur nämlich gerne mal von Anregungen aus Nachbarblogs leiten. 😉

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  9. kowkla123 sagt:

    schönen Sonntag und eine gute neue Woche

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  10. […] allem Mädels zwischen 21 und 35. Aber Silberdistel hat mich da schon Lügen […]

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