Wie ein Katerchen Frösche angelt

Veröffentlicht: 20. April 2016 in Allgemein, Fotos, Garten, Geschichten, Natur, Tiere, Unterhaltendes
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Da lag er nun wieder in seinem kleinen Teichlein – mein Froschkönig fürs Leben. Den Winter über hatte er im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen gelegen – in der Küche – auf einem Blumentopf. Wenigstens konnte er dort ab und zu das Wasser in der Spüle plätschern hören. Das war immerhin besser als überhaupt kein Wassergeplätscher. Na, und wenn dann auch noch die Sonne schien, konnte er, unter seiner Stapelie liegend, sogar ein wenig vom Sommer träumen, d.h., wenn die Sonne überhaupt mal schien, denn Großartiges hatte sie sich im letzten Winter ja irgendwie nicht gerade geleistet. Immerhin, es ließ sich irgendwie aushalten im Winterquartier Küche – so zwischen Traum und Wirklichkeit dahindösend. Ab und zu gab es zu seiner Freude sogar ein nasses Bäuchlein, wenn die Silberdistel die Pflanze neben ihm mit etwas Wasser versorgte. Das mit dem nassen Bäuchlein geschah zwar mehr aus Versehen, weil die Silberdistel nicht richtig zielen konnte, aber ihm war es Recht, denn Wasser war doch irgendwie sein Element. Dann lebte er jedes Mal ein wenig auf – aber immer nur kurz, denn schließlich war er ein Frosch, wenn auch ein tönerner, und Frösche verfielen natürlich im Winter in eine Art Starre – auch Küchenfrösche.

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Dann endlich, eines Tages, als die Sonne wieder einmal seinen grünen Bauch streichelte, fühlte er sich plötzlich hochgehoben, ihm war, als würde er schweben und dann war es auf einmal ganz nass und kalt am Froschpopo. Träumte er? Vorsichtig  öffnete er erst das eine und dann das andere Froschauge und was er sah, das war kein Traum, das war so herrlich, dass seinem Froschmaul ein leises und unendlich glücklich klingendes „Quaaaak“ entschlüpfte. Selig lächelnd blickte er auf federleicht dahinziehende weiße Wölkchen auf blauem Himmelsgrund. Blumentopf und Küche waren gerade Geschichte geworden. Er hatte sein Teichlein wieder, blickte auf dem Rücken schwimmend in den blauen Frühlingshimmel und ließ sich wonniglich die Sonne auf sein dickes Bäuchlein scheinen. Genüsslich schloss er wieder die Augen.

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Doch was war das plötzlich? Was für ein Schatten fiel da auf sein gerade so herrlich erwärmtes Bäuchlein?

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Erschrocken riss er die Augen wieder auf und schaute in das Gesicht eines grauen Monsters.

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Das Monster hielt sich nicht lange mit einer Froschbeschau auf, es hob zügig seine große grauslige pelzige Pranke und schlug nach ihm, dem armen Fröschlein, sodass das grüne Kerlchen nur so durchs Wasser zischte.

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Ganz starr vor Schreck ließ sich der kleine tönerne Froschkönig von dem grauen Monster durchs Wasser treiben – Runde um Runde. Einem Prankenhieb folgte der nächste.

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Das Monster trieb unser Fröschlein mit an Spielsucht grenzender Begeisterung durch das kleine Teichlein. Immer wilder und wilder wurde das feuchte Spiel …

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… und dem Fröschlein war’s schon ganz schwindlig vom vielen schier endlosen Kreisen.

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Oh weh, was sollte dieser plötzlich Stopp? Was sollte das jetzt werden? Wollte das Monster das Fröschlein aus seinem soeben wieder zurückgewonnenen Teichlein heben? Sollte es gar aus seinem geliebten Nass entführt und irgendwo tief in schwarzer Erde verbuddelt werden? Oder schlimmer noch, sollte es von Monsterzähnen zermalmt werden? War sein Teichlein wie gewonnen, so zerronnen? Warum half ihm nur niemand? Wo war die rettende Silberdistel?

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Doch auf einmal ließ das graue Monster vom Fröschlein ab und ließ es völlig unerwartet zurück ins Wasser plumpsen. Fast hätte sich der kleine Froschkönig am Wasserschwall, der in sein vor Staunen offen stehendes Maul strömte, verschluckt. Was machte das pelzige Monster denn nun? Neugierig sah das Fröschlein zu, wie der Graue vorsichtig eine Pfote ins Wasser tauchte und dann interessiert verfolgte, was um die Pfote herum geschah. Noch einmal und noch einmal wiederholte er dieses Spiel. Was war das jetzt? Ging das eben noch so wilde Monster plötzlich wissenschaftlichen Untersuchungen nach, studierte die Wasserbewegung auf dem Teichlein, die kreisende Ausbreitung der kleinen Wellen, die seine Pfote erzeugten? War das Fröschlein etwa eben nur ein Teil einer wissenschaftlichen Versuchsreihe gewesen?

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Das Fröschlein lag grübelnd und von den Wellen leicht schaukelnd im Wasser und entspannte sich durch die sanfte Wasserbewegung sogar wieder ein wenig. Der Wissenschaftler tatschte immer wieder aufs Wasser und beobachtete gebannt die sich auf der Wasseroberfläche bildenden Kreise.

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Und dann rutschte er doch tatsächlich ab vom Rand des Teichleins und wäre beinahe kopfüber ins Wasser geplantscht. Das Fröschlein kicherte schadenfroh vor sich hin und stieß sich gleich darauf den Kopf am Teichleinrand. Ja, Schadenfreude rächt sich eben auch.

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Erschrocken machte unser Frosch einige hektische Schwimmstöße und kreiselte somit weiter im Teichlein herum. Dabei starrte es interessiert auf das pelzige zum Wissenschaftler mutierte Monster. Würde es noch einmal über das Fröschlein herfallen?

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Doch das hatte seine Forschungsreihe soeben abgeschlossen, sprang zum anderen Teichufern hinüber und sortierte noch einmal gedanklich die gewonnenen Forschungsergebnisse.

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Und schließlich musste es sich auch noch von dem versehentlich passierten Tauchgang wieder trockenputzen. Für unseren kleinen Froschkönig hatte das graue Monster somit ohnehin keine Pfote mehr frei.

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Fröschlein atmete tief ein und aus und nahm schließlich eine seiner Yogahaltungen ein und entspannte sich endlich wieder voll und ganz. Der Stress war offensichtlich vorüber. Das war vielleicht eine Abenteuer gewesen! Und das gleich zu Beginn der Freiluftsaison. Ob das Froschjahr etwa so aufregend weitergehen würde?

Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    😊😀😂🐸🐸🐸🐸

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  2. Morgentau sagt:

    Vermutlich wird das – zugegebenermaßen – äußerst süße graufellige Monster noch öfter die badefroschruhige Atmosphäre stören.
    Ich kenn das … diese Art Monster finden derlei Spiel nämlich sehr interessant. Die zieht es glatt immer wieder dahin, liebe Silberdistel. Diesbezüglich solltest du dein starres Exküchenfröschlein gleich mal vorwarnen. Hihi …

    Ein lieber Gruß aus der Morgenwiese

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    • Silberdistel sagt:

      Ich befürchte auch, liebe Frau Morgentau, das Fröschlein wird sich noch auf viele solcher Monsterbesuche einstellen müssen und wer weiß, vielleicht findet das Fröschlein am Ende sogar selbst Gefallen an diesem Spiel 😉
      Dankeschön für Deine Zeilen und ganz herzliche Grüße zurück – dieses Mal auf Deine Abendwiese 😉

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  3. Zeilenende sagt:

    Ein Vierbeiner mit Interesse an Wasser. Liebe Silberdistel, ich will dich ja nicht in Sorge versetzen … Aber hat der kleine Hobbywissenschaftler vielleicht auch in letzter Zeit Ambitionen gehabt, eine Fremdsprache zu lernen? Eine mit Wuff- und Wau-Lauten? 😉

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    • Silberdistel sagt:

      Hm, Du bringst mich jetzt echt ins Grübeln 🙄 Er studiert öfter einmal irgendwelche Bücher – nicht nur Kochbücher. Vielleicht sollte ich einmal etwas genauer hinschauen, damit ich am Ende nicht gar so überrascht bin, wenn das Miauen hier ins Bellen umschlägt. Sein sonstiges Verhalten könnte durchaus auf eine bevorstehende Verwandlung hindeuten, er folgt mit nämlich stets auf dem Fuße.

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  4. minibares sagt:

    Was für eine tolle Story!
    Erst wird der arme Frosch gejagt, dann mutiert Katze zum Wissenschaftler.
    Eine tolle Wendung.
    deine Bärbel

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  5. kowkla123 sagt:

    was wäre gewesen, es hätte mit dem Küssen geklappt, alles Gute für dich

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  6. ann53 sagt:

    Zumindest war das Kätzchen bestens beschäftigt und sind wirklich zu allerliebst die Aufnahmen davon liebe Silberdistel! 🙂
    Liebs Grüßle von Herzen ❤ ☀ ツ

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  7. giselzitrone sagt:

    Oh je der arme Frosch aber ich denke der Kater hatte Freude schöne Fotos und Beitrag ich wünsche dir noch einen schönen Abend liebe Grüße noch von mir Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Und wie der Kater Freude hatte, liebe Gislinde 😀 Wenn er irgendwo Wasser sieht, dann muss er unbedingt darin herumplatschen. Aber ich hatte beim Zugucken auch meinen Spaß 😉
      LG auch an Dich und ein Dankeschön fürs Reinschauen und für Deine Zeilen

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  8. annapos sagt:

    Zábavná reportáž. Jsou tak milí, ti naši kočičí miláčci a dovedou nás pobavit. Dobrou noc, i můj manžel spí s podobným kocourkem, je mu deset měsíců a zábavu, máme také den co den..

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  9. katerchen sagt:

    sage nur..unsere Katzen sind immer für eine Überraschung gut
    ZAUBERHAFT was da in Wort und Bild gezeigt wurde liebe Silberdistel.
    eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack und ALLES ist Wirklichkeit..
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, unsere Katzentiere sind schon gute Unterhalter 🙂 Ich denke, wer Katzen hat, oder generell Tiere, der hat immer etwas zu erzählen.
      Das freut mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat, liebes Katerchen. Die könnte sicher auch von Deinem Paulimann sein 😉
      Liebe Grüße und ein Dankeschön für Deinen Kommentar

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  10. Frau Hummel sagt:

    Sicher fühlte sich der Winterblumentopfaufenthalt für Deinen Küchenfrosch wie Inselurlaub unter einer Palme an. Da kam ihm der Badeurlaub sicher recht. Er scheint doch ein Genießer zu sein 😉
    Aber wie war das doch noch: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn … 😀

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    • Silberdistel sagt:

      Dass der Frosch ein Genießer ist, das sieht man ihm doch an. Würde er sonst so wohlig schauen? 😉
      Und ansonsten sieht man mal wieder, dass man nirgends sicher ist, sogar im platten Teichleben schlägt Wilhelm Tell gnadenlos zu 😉 😀
      Liebe Grüße in Deine Heide und ein Dankeschön für Deinen Kommentar

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