Mein kleiner Märchenwald – Fortsetzung 18 – Märchenwalds Erwachen

Veröffentlicht: 6. April 2016 in Allgemein, Fotos, Geschichten, Natur, Pflanzen, Tiere, Unterhaltendes
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Fast ein Jahr ist der letzte Besuch in meinem kleinen Märchenwald nun schon her. Es wurde wirklich Zeit, wieder einmal nach ihm zu schauen. Wie mochte es ihm gehen? Ob er noch selig schlummerte oder ob ihn die inzwischen mächtig auf Frühling eingestellte Vogelwelt bereits aus seinen Träumen gerissen hat? Als ich dann schließlich vor ihm stehe und ehrfurchtsvoll durch die Märchenwaldtür eintrete, ist nichts Aufregendes zu sehen und zu hören. Nur ganz in der Ferne klingt der Ruf eines Greifvogels zu mir rüber. Ansonsten Stille. Konnte ich nicht hier an genau dieser Stelle im letzten Jahr die Schneeglöckchen fröhlich bimmeln hören? Mein kleines mir im Laufe der Jahre so lieb gewordenes Wäldchen sieht doch noch sehr nach Tiefschlaf aus. Kein Schneeglöckchen, kein sonstiges Blümchen.

Dsc05173

Mein kleiner Märchenwald

Rundum erscheint mir alles grau und düster. Würden nicht die ersten zarten Strahlen der Sonne, die sich inzwischen durch die Wolken gekämpft haben, die an den letzten Herbst erinnernden braunen Blätter eines kleinen Bäumchens beleuchten, würde der Wald wirklich nur Graues zu bieten haben. Und die kryptischen roten Zeichen dort rechts an der Waldestür bringen auch nicht gerade Licht ins Dunkel. Was mögen sie überhaupt bedeuten? Soll ich mich hier rechts halten? Oder beschreibt das „R“ einfach nur die Farbe, mit der es an den Baum gemalt wurde. Vielleicht wartet hier Robert immer auf seine Angebetete? Oder soll ich am Ende „R“ wie raten, wo es hier hingeht? Schau’n wir doch einfach einmal nach, wohin uns unsere Schritte führen.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Zumindest die allgegenwärtigen Lärchenzapfen scheinen wirklich noch zu schlafen, starr und bewegungslos hängen sie an ihren Zweigen. Ob sie wenigstens schon ihre Samen verstreut haben, damit für ausreichend Lärchennachwuchs im Wald gesorgt ist?

Dsc05178

Der Waldschrat – ebenso erschrocken wie ich?

Plötzlich knackt es hinter mir. Erschrocken schaue ich zurück in die Richtung des Knackgeräusches und blicke direkt in ein Gesicht. Ist das der Oberwaldschrat, den meine Anwesenheit hier stört? Es war mir doch gleich so, als hätte mich bei meinem Eintritt in den Wald jemand beobachtet. Allerdings schaut der Baumgeist mindestens so erschrocken drein wie ich. Ob er vielleicht gar nicht für das Knacken verantwortlich war und sich nun sogar selbst fürchtet? Aber sonst ist doch weit und breit nichts Aufregendes zu sehen. Vielleicht war es ein Vogel oder ein Mäuschen im Unterholz, das ein Zweiglein knacken ließ? Während ich noch einmal grübelnd in das erschrocken wirkende Baumgesicht schaue, gehe ich langsam weiter.

DSC05183

Was stellt sich mir da in den Weg?

Uups, das kommt davon, wenn man nach hinten schaut und vorwärts geht. Da wäre ich doch fast in diese Schlingpflanze gerannt, eines dieser Dinger, die mir so gar nicht geheuer sind, habe ich doch schon so manchen Film gesehen, in dem diese Schlingdingse plötzlich lebendig wurden und sich blitzschnell um ihr Opfer schlangen. Bloß weg hier, man kann nie wissen, schließlich bin ich in einem Märchenwald.

Dsc05204

Plötzlich und unerwartet – Schlingpflanzenarme überall um mich herum

Huch! Jetzt hab ich mich aber erst erschrocken! Da springe ich von dem einen unheimlichen Teil weg und lande Knall und Fall in einem ganzen Wirrwarr von Schlingpflanzenarmen. Geht’s eigentlich noch schlimmer?
Dsc05203

Gefährliches Wirrwarr in meinem Märchenwald

Mein Märchenwald hat dieses Mal höchst seltsame Überraschungen für mich bereit. Ist er sauer, weil ich so lange nicht hier war? Oder will er mich nur liebevoll umarmen, weil ich mich endlich, endlich wieder einmal sehen lasse? Naja, wenigstens halten mich die Pflanzenarme nicht fest und dann, dann fällt mein Blick auf etwas Leuchtendes – ganz nah vor meinen Augen – in all diesem Geschlingel und Geschlängel. Wollte der Wald meine Aufmerksamkeit nur darauf lenken? Hielt er mich deshalb an diesem Schlingwirrwarr auf, weil ich sonst, ohne auch nur ein Auge für die leuchtende Schönheit übrig zu haben, ganz einfach  an ihr vorbeigelaufen wäre?

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Und dann sehe ich nicht nur die in der Sonne strahlenden zartgrünen fein geäderten Blättchen des Geißblatts mit ihrem leisen Hauch von Rot, auf einmal verzaubert die Sonne auch die eben noch so schläfrig dreinblickenden Lärchenzapfen, die schräg vor mir hängen. Der rosa Lichtschein im Hintergrund steht ihnen herrlich zu Gesicht. Solche Bilder wollte ich sehen – zartes Grün, von der Wärme und vom Licht der Sonne hervorgelockt, vom Frühlingslicht verzauberte Lärchenzapfen und  dort, den hübschen grünen in der Sonne ganz wundervoll glänzenden Efeu-Blattschmuck am Baumstamm gegenüber. Auf einmal wird der Wald doch noch bunt für mich.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

DSC05192

Ein alter Bekannter hockt plötzlich vor mir

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Als ich weitergehe, scheint auch die Sonne wieder zu verschwinden. Der Wald wird dichter und wieder dunkler. Eben freue ich mich noch über leuchtendes Grün, die freundlichen Sonnenstrahlen und das erwachende Waldleben und nun, nun wieder dieses Dunkle, fast Unheimliche des Waldes. Wenn da mal nicht gleich wieder etwas auf mich lauert. Und dann ist es tatsächlich auch da, hinter der nächsten Baumgruppe. Obwohl … ganz so sehr erschrocken bin ich nun doch nicht, denn der Bursche, der da gerade vor mir  fast auf den Knien liegt, den kenne ich bereits von früheren Besuchen in meinem Märchenwald. Gebrechlicher scheint mein alter Bekannter, das Dreihorn, geworden zu sein. Auch an Waldgeistern gehen die Jahre wohl nicht ganz, ohne ihre Spuren zu hinterlassen, vorüber. Leise schleiche ich an meinem Freund vorbei, er scheint noch zu schlafen. Lassen wir ihm noch ein wenig seine Ruhe. Schließlich ist er nicht mehr so ganz jugendlich, da darf es ruhig mal eine etwas längere Winterpause geben.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Ein Stückchen weiter treffe ich einen weiteren Bekannten – eine Moosmaus. Auch ihr bin ich hier im Märchenwald bereits öfter über den Weg gelaufen. Oder ob sie doch, wie ich schon früher vermutete, ein Bär ist – ein Bär im Mäusepelz? Denn für eine Maus ist sie erstaunlich groß. In so einem Märchenwald ist schließlich alles möglich. Und wenn es einen Wolf im Schafspelz gibt, warum nicht auch einen Bären in einem Mäusepelz? Während ich noch über Maus und Bär sinniere, bemerke ich schräg über mir an einem dicken Ast zwei Gesichter mit weit aufgerissenen Mäulern. Die beiden fallen mir allerdings heute zum ersten Mal auf. Sicherheitshalber lege ich einen Schritt zu, nicht, dass sie am Ende noch auf mich herabspringen. Sie machen einen recht hungrigen Eindruck auf mich.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Ach, übrigens Wolf und Schafspelz … Ich traf doch während meines kleinen Waldbesuches tatsächlich auch noch auf ein weiteres solches Ding, dass mir wie ein Doppelwesen erschien. Einerseits dachte ich, da winkt mir ein Maulwurf von einem Baum aus mit einem Stöckchen in der Pfote zu und andererseits glaubte ich, als ich fast an ihm vorbei war, einen Schweinekopf zu erkennen. Tja, und was der letzte schlangenähnliche Waldgeist darstellte, also darüber grübele ich immer noch nach. Oder waren es sogar zwei, sich gegenseitig jagende, Schlangengeister? Es ist doch immer wieder spannend, wenn man durch einen Märchenwald läuft. Da sollte man sich wohl auch nicht über die märchenhaften Wesen wundern, die einem dort begegnen können.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Aber für heute genug von Geistern, Monstern und Fangarmen! Schauen wir lieber zum Abschied noch einmal hinauf ins Dach des Waldes. Noch können wir sogar den blauen Himmel über uns erkennen und gleich kommt mir mein Märchenwald auch gar nicht mehr so dunkel und grau vor wie zu Beginn meines kleinen Erkundungsganges. Hätte ich nur gleich nach oben geschaut. Da wären mir auch die Lärchenzapfen gleich etwas freundlicher erschienen und die leuchtend gelben und orangefarbenen Flechten hätten gar nicht erst düstere Gedanken aufkommen lassen.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Und schon sind wir wieder am Waldesrand, wo das Leben fast schon ein wenig boomt. Was hier bereits so lebendig wirkt, das wird sicher auch bald in den Wald überschwappen. Den ersten Blättchen des Märchenwald-Geißblattes werden die nächsten folgen und ihnen wiederum die kleinen lindgrünen Nadelbüschel der Lärchen und zum Summen und geschäftigen Treiben der Insekten wird sich lautes Vogelgezwitscher hinzugesellen und zu den kleinen Gelbsternen, die ich ebenfalls noch am Waldesrand entdeckte, werden weitere bunte Farben hinzukommen.

DSC05277

Für heute fällt der Vorhang zum Märchenwald wieder einmal

Für heute lassen wir den Vorhang zu meinem kleinen Märchenwald wieder einmal fallen. Schau’n wir mal, wann wir wieder hindurchschlüpfen mögen, um Neues, Interessantes und Märchenhaftes zu entdecken. Wie mag der Vorhang dann aussehen? Dicht und grün beblättert, gelb herbstlich oder gar kahl und vielleicht sogar mit glitzerndem und leuchtend weißem Schneebehang?

 

 

 

Kommentare
  1. katerchen sagt:

    wundervoll liebe Silberdistel
    Ein Schwein ein Gesicht und was da ALLES kriecht und krabbelt oder STARR vor Schreck durch den unerwarteten Besucher ausharrt bis die Waldgeister neu unter sich sind.
    DANKE liebe Silberdistel
    glaube dort konnte der Pauli..mann DIE treffen die er gerne erlleben möchte.(wir sicher auch)
    eine Wald-Fee,Elfen ..Zwerge ..Schrate..:D
    LG vom katerchen

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön, liebes Katerchen, für Deine lieben Zeilen 🙂 Oh ja, das könnte ich mir auch vorstellen, dass es dem Paulimann in einem solchen Märchenwald gefallen könnte. Da würde er sicher so manches aufregende Abenteuer erleben können, wo er doch immer so unternehmungslustig und wissensdurstig ist 🙂
      Liebe Grüße auch an Dich und den Paulimann

      Gefällt mir

  2. Charis sagt:

    Superschöne Fotos! Danke dafür … 🙂

    Gefällt mir

  3. Alexandra sagt:

    Zauberhafte Eindrücke, die zu einem Märchenwald passen.

    VG
    Alexandra

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön 🙂 Ich glaube, man kann fast in jedem Wald Märchenhaftes entdecken, wenn man nur richtig schaut. Aber dieses, eigentlich fast unberührte, Waldstück könnte gut in einen Märchenfilm passen 😀
      Dankeschön für Deinen Kommentar und auch viele Grüße an Dich

      Gefällt mir

  4. kowkla123 sagt:

    schön in deinem Märchenwald, liebe Silberdistel, einen guten Tag wünsche ich dir

    Gefällt mir

  5. nixe sagt:

    🙂 Tolle (gruselige) Geschichte, liebe Silberdistel!
    Das R ….vielleicht gehts ja demnächst weiter und ein A für Anna kommt dazu mit einem dicken Herz drumherum ❤
    Herrlich auch der Wurzelherr..wie er dort vom Waldboden aufstehen will…sich reckt und streckt.
    Mit jedem Foto wird es frühlingshaft bunter…gefällt mir gut!
    Liebe Grüße lass ich hier

    Gefällt mir

    • Silberdistel sagt:

      Wow, nun bin ich aber gespannt auf Anna 😀 Ja, früher nahm man ein Messerchen, um in die Baumrinde zu schnitzen, heute tut es Farbe 😉 Auf jeden Fall tut sie dem Baum nicht so weh wie das Schnitzmesser.
      Der Wurzelherr – es ist schon erstaunlich, wie lange solche Baumreste noch liegen und sich mehr und mehr zu urigen Gestalten verwandeln. Aber das geht auch nur in einem so unaufgeräumten Wald. Aber eben weil er so unaufgeräumt ist, liegt er mir besonders am Herzen.
      Danke für Deine lieben Zeilen und liebe Grüße auch an Dich

      Gefällt 1 Person

  6. Herrliche Naturbilder aus dem Märchenwald zeigst Du, liebe Silberdistel. Das erste Bild mit den von der Sonne beschienenen leuchtenden goldbraunen Buchenblättern gefällt mir sehr wie auch die vielen unscheinbaren Natur-Kleinode, die modernden Baumstrünke und vor allem das wunderbare gelbe Flechtenmosaik, einfach Klasse.
    Dir einen angenehmen Sonntag! Ernst

    Gefällt 1 Person

    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön 🙂 Ja, die Flechten mag ich auch immer sehr. Es sind schon sehr interessante Gebilde, die auch in der eher farblosen Zeit des Jahres doch noch ein wenig Licht ins Dunkel des Waldes bringen und durch die Kamera betrachtet kann man ihre Schönheit erst so richtig erkennen.
      Dankeschön für Deine freundlichen Zeilen, auch Dir einen angenehmen Sonntag und liebe Grüße an Dich

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s