Die verhinderte Schnapsidee – Teil I

Veröffentlicht: 7. März 2016 in Fotos, Geschichten, Tiere, Unterhaltendes
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Da haben wir nun schon eine ganze Weile diese zwei kleinen wilden Katzenjungspunde als neue Mitbewohner in unserem Heim. Bereut haben wir es keine Sekunde und auch unsere alte Katzendame hat die beiden inzwischen ein wenig ins Herz geschlossen und mitunter spielt selbst sie ganz wild mit, wenn Keks und Torty durchs Haus mehr fliegen denn springen. Es macht Spaß, diesem wirbelnden Leben zuzuschauen, zu merken, wie sehr sie uns seit Oktober letzten Jahres ans Herz gewachsen sind und zu spüren, wieviel Vertrauen die beiden Tiger derweil auch zu uns Menschen haben. So waren wir mitunter schon fast in Versuchung, einmal im Leben Katzennachwuchs haben zu wollen, weil uns das Zusammenleben mit den drei Pelzträgern sehr gefällt. Diese pure pelzige Lebensfreude ist einfach zu schön. Aber wollten wir das wirklich? Noch mehr Wirbel und Leben um uns? Wäre das am Ende nicht doch zu viel? Immerhin hatte die Katzenmama unserer beiden Jungspunde mit ihrem ersten Wurf gleich Achtlinge auf die Welt gebracht – so hübsche kleine flauschige Kätzchen, von denen wir sechs im Oktober, als wir Keks und Torty holten, kennengelernt haben. Zwei der Achtlinge waren zu schwach für das Leben gewesen und trotz Bemühen der menschlichen Helfer waren sie am Ende nicht lebensfähig. Immerhin hatte die Katzenmutti trotz dieser beiden Verluste noch sechs Kätzchen zu ernähren. Sicher verlangte das der jungen Katzendame ganz schön viel ab. Aber kleine Kätzchen sind nun mal überaus niedlich anzusehen. Man möchte sie den ganzen Tag, von morgens bis abends, nur knuddeln. Wie herrlich weich ihr Pelz ist. Wie unbeholfen sie zunächst umhertapsen. Da macht sich doch bei jedem ein gewisser Beschützerinstinkt bemerkbar. Man muss solche kleinen flauschigen Wesen  einfach mögen. Und so geisterte durch unser Silberdistelhirn immer wieder die Idee, nur einmal, ein einziges Mal, erleben zu wollen, wie es ist, wenn solche kleinen wuscheligen Fellbündel in unserem Zuhause das Licht der Welt erblicken würden, wenn wir zuschauen könnten, wie Mama Torty sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmerte, wenn wir erleben würden, wie die kleinen Fellkugeln heranwachsen und bald im ganzen Haus herumtollen würden. Unendlich niedlich, oder?

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An einem Abend, als wir Silberdistels uns ein Fläschchen Wein gegönnt hatten und Keks und Torty fröhlich und ausgelassen um uns herumsprangen und uns wieder einmal bewiesen, wie frech, aber auch niedlich und zugleich herzerwärmend Kätzchen sein können, blitzte in unserem Hirn wieder einmal dieser Gedanke auf, schien sich geradezu festzufressen. So beschlossen wir, wenn es denn rein zufällig so sein sollte, dass sich Katzennachwuchs anmelden würde, dann wäre das in Ordnung für uns. Unsere Torty würde es ja wohl nicht ihrer Katzenmama nachmachen und gleich Achtlingen das Leben schenken. Für vielleicht drei Kätzchen (oder  sogar fünf ???) würden wir doch sicher ein gutes Zuhause finden können. So ging die Zeit dahin. Keks und Torty wuchsen aus den Kätzchenschuhen heraus, wurden größer und jugendlicher und ab und zu tauchte in unseren Köpfen immer mal wieder diese Schnapsidee mit dem Katzennachwuchs auf. Wollten wir das eigentlich wirklich? Waren wir da tatsächlich Herr unserer Sinne gewesen? Manchmal kamen mir doch gewisse Zweifel. Vor allem dann, wenn Keks und Torty gerade so wild spielten, dass schon mal dieses und jenes aus unserem Haushalt zu Bruch ging. Ich brauchte da nur an das PCli von Herrn Silberdistel zu denken, dass eines schrecklichen Todes starb, als es von Keks, dem Tausendsassa, vom Schränkchen zu Boden gestürzt wurde. Die Gardinen, nebst verbogenen Gardinenstangen, tauchten wieder vor meinem inneren Auge auf oder  bei wildem Spiel von Fensterbrett oder Blumenbank zu Tode  gestürzte Blumentöpfe. Nein, irgendwie musste der Wein an jenem Abend unsere Sinne wohl doch ziemlich vernebelt haben. Ich veracht-, nein verzehnfachte, diese „Unfälle“ von PCs, Gardinen, Töpfen und Co. gedanklich, denn Keks und Torty waren ja auch immer noch nicht aus ihrer Sturm- und Drangphase heraus, und mir sträubte sich das Hirn in Anbetracht der Zukunft, die da über uns hereinbrechen könnte mit am Ende vielleicht 11 Katzen im Haus.

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Torty bei der Radioprogrammauswahl

Und eines Morgens, als Torty gerade wieder einmal unter Beweis stellte, wie sehr wir bereits von unserer kätzischen Herrschaft unterjocht werden – sie schaltete gerade gekonnt an unserem Küchenradio herum, ging zunächst auf neue Sendersuche und, als sie nichts Interessantes fand, wieder zurück auf den vorherigen Sender und schließlich befreite sie uns ganz von den Schreckensmeldungen des Tages, indem sie den Ausknopf drückte, genau da meinte ich, dass es Zeit wäre für ein ernsthaftes Gespräch mit Herrn Silberdistel. Wollten wir denn wirklich und wahrhaftig ein Haus voll solcher tyrannischer Pelzwesen? Wenn wir nun kein neues Zuhause für die kleinen Wuschelwesen finden würden oder wir uns am Ende gar nicht von ihnen trennen könnten, weil sie uns allesamt ganz furchtbar ans Herz gewachsen wären und uns eine Trennung von ihnen völlig unmöglich erschien? Was, ja, was dann? Herr Silberdistel grinste mich an und meinte:  „Das war wohl doch mehr eine Schnapsidee damals, oder? Lass sie uns lieber ganz schnell begraben.“ Wie gut, dass wir drüber gesprochen haben, denn gar nicht so viel später interessierte sich unser Keks plötzlich auffallend für die beiden Katzenmädels in unserem Hause. Er eilte ihnen fleißig hinterher, ließ sie gar nicht mehr aus den Augen, schnüffelte hier und schnüffelte da an ihnen, heftete sich quasi wie ein Schatten an ihre Katzenfersen und machte seinem Spitznamen Keks alle Ehre. Er hatte urplötzlich so gar kein Interesse mehr am spielerischen Herumtollen und mitunter stieg uns doch tatsächlich ein leichter Katergeruch in die Nase. Torty allerdings hatte noch kein rechtes Interesse an diesem frühpubertierenden Jungspund und unsere alte Katzendame gab dem Draufgänger eins hinter die Ohren, wenn er gar zu frech wurde. Doch dann eines Tages wurde es uns zu bunt mit diesem kleinen Casanova und so machten wir schnell einen OP-Termin bei unserem Tierarzt aus, bevor Herr Silberdistel und ich vielleicht wieder einmal bei einem Gläschen Wein saßen und sich in unseren weinvernebelten Hirnen doch noch einmal kleine Katzenkinder breitmachten. Schlecht kamen wir uns schon vor, ganz schlecht, als wir, ohne es vorher mit den beiden OP-Kandidaten abgesprochen zu haben, den Termin beim Tierdoktor ausmachten. Aber wir Menschen sind ja Meister im Verdrängen schlechten Gewissens – auch wir Silberdistels leider – irgendwie. Und so war dann schließlich der große Tag gekommen. Am Abend zuvor hatte es nicht einmal mehr ein Gute-Nacht-Leckerli für die beiden Katzenjungspunde gegeben. Beleidigt und mit Schmollschnäuzchen stiegen sie in ihre Lieblingshängematte bzw. in ihr Lieblingsschlafkörbchen. Dass es noch viel schlimmer kommen würde, das ahnten sie noch nicht. Am anderen Morgen gab es nämlich nicht einmal mehr Frühstück. Sogar eingesperrt wurden sie zu all dem Ärger noch – in diese blöde Box, in der das Personal sie immer zu diesem Bauchdrücker, Maulschauer und Piekser schleppte. Vor lauter Beleidigtsein gaben die beiden Pelzwesen während der kurzen Autofahrt nicht einen einzigen Piep von sich. Der Bauchdrücker weidete sich dann auch noch daran, dass sie kein Frühstück bekommen hatten. Er fragte nämlich extra nach, ob sie auch wirklich nüchtern wären und als er hörte, dass dem so sei, grinste er vergnügt. Den Kätzchen erschien dieses Grinsen entsetzlich erschreckend und furchterregend. Dann entriss der Doc kurzerhand den Silberdistels die kleinen Katzengefängnisse samt armen Katzen darin und eilte mit ihnen in seine Folterkammer. Wenig später verloren Keks und Torty auf seltsame Weise das Bewusstsein.

***

Fortsetzung folgt!

Kommentare
  1. kowkla123 sagt:

    bin ja nun gewaltig gespannt, schöne Woche wünsche ich

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  2. Ja, Katzen fange früh an mit den Bienchen und Blümchen. Meine Wohnungsnachbarin, die sich vor einigen Jahren ein graugetigertes Geschwisterpaar in die Wohnung (und auf den Balkon, wo sie dann immer neugierig zu mir rüberschauen 🙂 ) geholt hat, musste auch früher einen Termin mit dem Tierarzt abmachen, als sie gedacht hatte. Aber wer will schon mit siebenundsiebzig Kätzchen „weiss mit schwarzen Schwänzchen“ dastehen, wie in dem Gedicht von Theodor Storm. 😀

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, nach einem kurzen irren Moment im Kopf sind wir wieder bei vollem Bewusstsein gewesen und haben den Tierarzt lieber handeln lassen. Manchmal muss man auch den Kopf und nicht das Herz sprechen lassen 😉 Ich habe mir nicht einmal 77 Kätzchen vorstellen müssen, mir reichten „schon“ 11 und mich Ergriff ein leichtes Panikgefühl 😀

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  3. nixe sagt:

    Ich denke, so schön der Gedanke auch sein mag, kleine kuschelige Tiger aufwachsen zu sehen – ihr habt euch dagegen entschieden.
    Noch mehr Unruhe, eventuell dann 5-Fach – oje ob man dem gewachsen ist?
    ❤ liche Grüße von der Nixe

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    • Silberdistel sagt:

      Ich habe mir das Ganze Gewusel hier dann bildlich vorgestellt und da war ich von diesem Gedanken mit Katzennachwuchs geheilt 😉 😀 Drei solche Pelzwesen, von denen zwei momentan noch ziemlich hyperaktiv sind, reichen allemal als Mitbewohner.
      Liebe Grüße zurück

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  4. einfachtilda sagt:

    Komme noch mal zum Lesen, hab so Ärger mit meinem Mailprogramm, das muss erst wieder laufen.

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  5. minibares sagt:

    Oh, da habt ihr ja ganze Sache machen lassen.
    Sicher ist sicher.
    deine Bärbel

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  6. einfachtilda sagt:

    Selber habe ich vier kleine Katzenkinder großgezogen, das war nicht mühsam, sondern wunderschön. Wie rührend die Mama sich um sie kümmerte, ihnen so viel beibrachte, das war schöner als fernsehen.
    Aber sie durften ein neues zuhause finden, nachdem sie groß genug waren und auch stubenrein.
    Nur eine haben wir behalten und die ging auch zum Mann im weißen Kittel und hat das bestens überstanden.
    Ich kann mir schon vorstellen, wie es weitergeht 🙂

    LG Mathilda ❤

    PS: musste dich neu abbonieren, warst nie im Reader und Benachrichtigung bekam ich auch nicht 😦

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    • Silberdistel sagt:

      Ich weiß schon, dass es auch sehr schön ist, Katzenkinder aufzuziehen. Bei meinen Großeltern habe ich das öfter einmal miterleben dürfen. Aber letztendlich wäre es ja wirklich so, dass wir keines der Kleinen würden behalten wollen und da müsste man schon sicher sein, dass man sie in, wie es so schön heißt, gute Hände geben kann. Wenn das unsicher ist oder nicht gelingt, dann tut man weder sich noch den Katzen einen Gefallen. Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann reichen unsere drei Mitbewohner uns voll und ganz.

      Das mit dem neu Abonnieren von Blogs ist mir auch schon so gegangen. In einem Fall habe ich das sogar mehrmals versucht, aber irgendwie funktioniert es trotzdem nicht 😦

      Dankeschön für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich ❤

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  7. kowkla123 sagt:

    alles Gute zum Frauentag, beste Grüße von mir

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  8. katerchen sagt:

    besser ist ein PFLASTER unter dem Schwänzchen liebe Silberdistell ob man die Niedlichen nachher wirklich in gute Hände geben kann??ich habe da so meine Zweifel.
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, Katerchen, wir denken das auch so. Wir hatten, bevor alles zu späte wäre, vorher einmal ein bisschen herumgefragt, wer vielleicht gerne ein Kätzchen möchte, aber wir haben nur abschlägige Antworten bekommen. Deine Zweifel sind also sehr berechtigt.
      Dankeschön für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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