… ist für mich und meine Familie seit drei Jahren einer der letzten Tage im Februar. Bis zum Jahre 2013 verbanden wir mit diesem Tag in der Regel fröhliches Miteinander und Freude schenken. Es war ein Tag, an dem wir wieder einmal ganz in Familie  zusammen waren. Selten fehlte jemand aus dem vertrauten Kreis. Aber wer fehlt schon gern, wenn die Mutter, Oma und Uroma ihren Geburtstag feiert. 2013 war es ihr 90. und jetzt vor wenigen Tagen war es bereits der 93. Ehrentag der liebsten Mutter, Oma, und Uroma, die wir uns denken können. Aber im Jahre 2013 änderte sich schlagartig etwas für uns an und mit diesem Tag. Mein Vater verstarb in den frühen Morgenstunden. So verbinden wir nun mit diesem Tag nicht nur Schönes, nicht nur die Geburtstagsfeier eines sehr lieben Menschen, sondern auch Trauriges, nämlich den Tod eines anderen lieben Familienmitgliedes. Und daher gab es in diesem Jahr, wie auch in den Jahren zuvor, natürlich nicht nur Blumen für meine Mutter, es gab auch Blumen in lieber Erinnerung an meinen Vater.

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Die Wismarer Seebrücke im neuen Outfit

Die Wismarer Seebrücke, die wegen dringend notwendiger Sanierungsmaßnahmen eine ganze Weile nicht begehbar war, steht seit dem letzten Sommer wieder den Erholungssuchenden zur Verfügung. Für uns war die Brücke jetzt Ende Februar weniger ein Ort der Erholung, sie war mehr ein Ort stillen Gedenkens, stillen Gedenkens an meinen Vater, ein Ort, von dem aus wir ihm einen Blumengruß brachten. Wer hier im Bücherstaub öfter zu Besuch ist, der weiß, dass mein Vater sich eine Seebestattung wünschte.

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Was anderen Menschen der Friedhof gibt, das schenkt uns die Ostsee – sie gibt uns Trost. Dieses Mal war sie dem Anlass entsprechend sehr ruhig und still. Selten einmal habe ich sie so glatt daliegen sehen, selten einmal erschien sie mir so überaus feinfühlig, fast verletzlich, als würde sie mit uns traurig sein.

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Unser Blumengruß entfernte sich auch nur sehr langsam, fast bedächtig und es schien beinahe so, als würde die See genau wissen, in welche Richtung die Blumen zu bringen waren.

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Unser Blumengruß – unterwegs zur Insel Poel

Sie machten sich ganz seicht schaukelnd auf zur Insel Poel, vor der mein Vater seine letzte Ruhe fand. Noch lange schauten wir hinterher.
Mein Vater war immer ein sehr lebenslustiger und humorvoller Mann. Mit ihm wurde jede Geburtstagsrunde, jedes Familientreffen zu einem schönen und heiteren Ereignis. Er wäre so gar nicht damit einverstanden gewesen, wenn wir an diesem Tag, seinem Todestag, nur trauern würden, schließlich war dieser Tag auch der Geburtstag seiner lieben Ehefrau, mit der er mehr als 65 Jahre glücklich verheiratet war.

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Geburtstagsblumen

Er hätte gewollt, dass wir an diesem Tag auch ein wenig fröhlich sein würden und das waren wir am Ende auch, wenn auch nicht gerade überschwänglich.

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Nach unserem Blumengruß von der Seebrücke aus aßen wir in der nahen Gaststätte zu Mittag und danach ging es zu einer kleinen Geburtstagfeier weiter.

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Sogar das jüngste Urenkelkind meiner Mutter war dabei, die kleine Enkelin meines Bruders. Mein Vater hat das kleine Mädchen leider nicht mehr kennengelernt.

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Wie sehr hätte er sich über sein 4. Urenkelkind gefreut. Aber so ist das Leben und so nah sind mitunter Leben und Tod beieinander. Unserer Familie ist gerade das vor drei Jahren sehr eindrücklich demonstriert worden, aber auch, dass das Leben weitergeht für diejenigen, die zurückbleiben und dass es das wirklich tut, das beweist dieses kleine neue gerade mal ein halbes Jahr alte Leben, unser jüngster Geburtstagsgast.

Kommentare
  1. Dina sagt:

    Ein sehr schön einfühlsamer und fein bebilderter Beitrag. So ist das Leben. Mit Jung und Alt, wie schön, dass die Jüngste dabei war. Ich kann solche gemischten Gefühle sehr gut nachempfinden. Ein Feiertag und man ist nicht ganz nach feiern.
    Mein Mann wurde im jungen Alter von 34 überfallen und ermordet. An dem Tag wurde sein Vater 60 und für den rest seines Lebens war jeden Geburtstag den schlimmsten Tag des Jahres.
    Herzliche Grüße, Dina

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    • buchpost sagt:

      Über Ländergrenzen hinweg einfach ein lieber Gruß an dich, Anna

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    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön, liebe Dina, für Deinen Besuch und Kommentar. Oh, da ist es Dir und Deiner Familie ja sehr schlimm ergangen. Wenn jemand ein langes Leben hatte, dann mag man sich immer noch damit trösten können, dass es sicher auch ein erfülltes Leben war, wenn derjenige dann stirbt. Wenn aber jemand auf schreckliche und noch dazu gewaltsame Weise zu Tode kommt, dann stelle ich mir das doch noch um Größenordnungen schlimmer vor, weil da etwas geschehen ist, was nicht geschehen musste. Ich glaube, dafür gibt es auch so gar keinen Trost. Ich könnte mir denken, dass man so einen Verlust nur sehr schwer verwinden kann, wenn überhaupt. Dann weißt Du fast mehr als wir, wie zwiespältig die Gefühle an einem solchen Tag sind, wo zwei so entgegengesetzte Geschehnisse einen Tag für immer bestimmen. Es tut mir sehr leid, dass Dich ein solch schwerer Schicksalsschlag getroffen hat.
      Herzliche Grüße auch an Dich, liebe Dina, und ein Dankeschön dafür, dass Du uns diesen schlimmen Tag aus Deinem Leben hier anvertraut hast ❤

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  2. Feine und berührende persönliche Gedanken…

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  3. Ich erlaube mir zu schreiben:
    *ich denke euer Vater ist sehr glücklich,
    so wie alles läuft bei euch!*
    Im Lichtschloss Gottes mit euch v-ER-bunden!
    Segen und danke…
    M.M.

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  4. Frau Hummel sagt:

    Und ein doch wunderbarer Tag.
    Wie feierlich Ihr ihn begangen habt. Einen kurzen Moment hatte ich eine Gänsehaut beim Betrachten Deiner so schönen Bilder, liebe Silberdistel.
    So einen Tag, an dem Trauer und Geburtstag aufeinander treffen, erlebt der Mensch doch viel intensiver. Sei lieb gegrüßt von einer oft an Dich denkenden Frau Hummel ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Es ist gar nicht so einfach, einen solchen Tag auch mit der entsprechenden Würde zu begehen. Aber ich denke, wir haben beide Ereignisse doch irgendwie vernünftig miteinander verbunden. Der Vormittag mit unserem Besuch an der Seebrücke gehörte unserem Vater, Opa und Uropa und der Nachmittag unserem Geburtstagskind. Wir sind ganz sacht und andächtig von dem einen Ereignis zum anderen übergegangen. Ich denke, es war gut so und meine Mutter hat nicht nur den ganzen Tag an den schlimmen Teil, den dieser Tag nun mal für uns alle beinhaltet, denken müssen. Sie hat am Ende auch wieder einmal ein wenig an sich denken können und sehen können, dass sie vor drei Jahren nicht alles verloren hat, sondern dass da immer noch ihre Familie ist, die sich um sie kümmert und die sie lieb hat.
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und für Deine Gedanken an mich ❤ Mir geht's mit dem Denken nicht anders. Alles Liebe für Dich ❤

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  5. Das hast Du sehr schön erzählt, sodass sich mir unweigerlich ein Tränchen im Augenwinkel gesammelt hat. Und, Deine Feststellung, dass Leben und Tod so nah beieinander liegen, kann ich nur bestätigen. An dem Tag, an dem meine Mutti verstarb, erzählte mir eine gute Bekannte, dass sie gerade erfahren hatte, schwanger zu sein. Da dachte ich auch, einer geht und einer kommt. LG Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Elke, oft erfährt man ja von so einem fast parallelen Gehen und Kommen gar nicht. In der Wirklichkeit kommt das ja jeden Tag vor, nur dass uns so etwas nicht so besonders häufig gleich beides betrifft. Wenn es einen dann aber doch so trifft wie uns oder auch wie es in Deinem Falle war, dann wird man sich eigentlich erst richtig bewusst, wie nah Leben und Tod doch eigentlich immer beieinander sind.
      Dankeschön für Deinen Besuch und Deinen lieben Kommentar und liebe Grüße an Dich

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  6. kowkla123 sagt:

    hat mich schon sehr berührt, wie du das hier eingebracht hast, beste Grüße an dich

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  7. buchpost sagt:

    Lieben Dank für das berührende und doch nicht indiskrete Teilen. Ich blieb neben all den anderen Gedanken auch hängen an dem „über 65 Jahre glücklich verheiratet“. Was für ein Geschenk, auch an die Kinder und Enkel und Urenkel. LG, Anna

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    • Silberdistel sagt:

      Liebe Anna, meine Eltern kennen oder kannten sich schon aus Kindertagen. Sie waren, wenn man so will, also noch viel, viel länger zusammen als diese 65 Jahre. Sie haben gute, schlechte (während des Krieges) und wieder gute Zeiten miteinander verbracht und wir alle sind sehr dankbar dafür, dass wir sie haben durften. Wir können uns wirklich keine besseren, liebevolleren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern vorstellen.
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  8. Zeilenende sagt:

    Freud und Leid liegen im Leben manchmal dicht beisammen. Das hast du mit deinem Beitrag sehr eindringlich in Erinnerung gerufen, mit einem klaren Plädoyer dafür, dass das Leben trotz aller Enden immer Neues zu bieten hat.



    (Und Kuchen, das ist genau so wichtig. Im Leben sollte immer Platz für Kuchen sein. 🙂 )

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, zum Glück merkt man es meistens nicht so massiv, dass Freud und Leid so eng beieinander liegen können. Aber das ist auch gut so, sonst würde man sicher manchmal verzweifeln.
      … und auch der Kuchenbäcker in Dir hat recht, für Kuchen sollte auch immer ein Platz im Leben sein, denn der gehört zu den schönen Seiten des Lebens, die einem auch erst so richtig bewusst werden, wenn man schon mal auf die nicht so schöne Seite des Lebens geschubst wurde. Außerdem kann Kuchen auch ungemein trösten 😉

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  9. Es macht alles nicht einfacher, wenn solche Tage zusammenfallen … Dein einfühlsamer Bericht und das liebevolle Erinnern zeigen aber, dass man es schaffen kann, den Verlust gemeinsam zu betrauern und trotzdem auch die fröhlichen (gemeinsamen) Momente aufblitzen lässt. Dass man um den Wunsch des bereits Gegangenen weiß, der nicht hätte wollen, dass nur Trübsal geblasen wird …
    Wie schön, dass ein 4. (Ur-)Enkelkind inzwischen auf der Welt ist und nun mitfeiert.

    Sehr liebe Grüße sende ich!
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, einfacher macht es absolut nichts, wenn solche Tage zusammenfallen, liebe Michèle, aber ändern kann man es auch nicht. Man kann nur versuchen, beide Ereignisse doch irgendwie entsprechend zu würdigen und einen vernünftigen Übergang von dem einen Ereignis zum anderen zu finden. Ich denke aber, das ist uns bisher ganz gut gelungen. Besonders leidet ja auch immer noch meine Mutter. Aber da einige aus der Familie auch den ganzen Tag mit ihr zusammen waren, hatte sie eben doch Ablenkung von den schweren Gedanken, die logischerweise an solch einem Tag immer da sein werden. Das 4. Urenkelchen hat ihr dann doch so manches Lächeln ins Gesicht gezaubert und das färbte förmlich auf alle anderen ab, sodass man sagen kann, es war am Ende doch ein rundum gelungener Tag.
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  10. einfachtilda sagt:

    Danke für den liebevollen Beitrag, mehr mag ich grad nicht schreiben.

    LG Mathilda ❤

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  11. Gudrun sagt:

    Der Zusammenhalt in eurer Familie ist so wohltuend. Ich glaube, so lassen sich Verluste wahrscheinlich viel besser verwinden. Fast ist es so, als ob der Vater in alle Aktivitäten des Tages einbezogen ist. Ich finde das gut so.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Ich bin auch sehr froh darüber, liebe Gudrun, dass es so ist und sich jeder ein wenig für den anderen verantwortlich fühlt. Da lässt sich vieles doch etwas leichter ertragen. Andererseits ist es auch immer wieder schön, wenn man auch gemeinsam lachen kann und sich an all die schönen Erlebnisse erinnern kann.
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  12. kowkla123 sagt:

    liebes Silberdistelchen, schönen Donnerstag wünsche ich dir

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  13. Flohnmobil sagt:

    Sehr schön, wie du das beschrieben hast. Freud und Leid sind zwar zwei ungleiche, aber irgendwie auch unzertrennliche Partner.
    Herzliche Grüsse
    Bea

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  14. katerchen sagt:

    so ist es leider liebe Silberdistel..der Tod fragt nicht nach besonderen Tagen im Familienkreis.
    was so per Bild und TON rüberkommt liebe Silberdistel..ich glaube dein Vater hätte es genau SO gewollt wie ihr es gemacht habt.
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Liebes Katerchen, ich hoffe es. Letztendlich wird es aber nie wieder ein solch unbeschwerter Tag werden, wie er es einmal war. Aber ich denke, wir haben da einen goldenen Mittelweg gefunden.
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und liebe Grüße an Dich

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