Ganz schön übel …

Veröffentlicht: 16. Oktober 2015 in Fotos, Geschichten, Tiere, Unterhaltendes
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… ist es, wenn das kleine Übel plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist und Herr Silberdistel und ich durch das ganze Haus laufen, kriechen und klettern, um es wiederzufinden – das kleine Übel, nicht das Haus – das war zum Glück noch da. Wenn schließlich alle bis dahin bekannten Katzenruheplätze „abgegrast“ sind und nichts, aber auch gar nichts auf die Anwesenheit unseres neuen pelzigen Mitbewohners hindeutet, dann beginnt man doch, sich langsam Sorgen um ihn zu machen. Unternehmungslustig wie er ist, wird er doch wohl nicht völlig unbemerkt zur Haustür hinaus sein, um die weite Welt zu erkunden? Sogleich entstanden vor meinem inneren Auge die schlimmsten Horrorvisionen. Schon einmal nämlich war uns vor vielen Jahren ein Kätzchen entführt worden. Zum Glück konnten wir es nach einer Woche Abwesenheit wieder in unsere Arme schließen. Wenn nun irgendwelchen Kindern so wie damals auch dieses Kätzchen über den Weg gelaufen war und sie es bereits ganz stolz als Fundsache nach Hause getragen hatten? Nicht immer machen sich Kinder und Eltern darüber Gedanken, dass ein solch kleines Kätzchen bereits ein Zuhause haben könnte und sehr vermisst werden würde. Der kleine graue Wirbelwind war zwar eben erst bei uns eingezogen, aber dennoch hatte er bereits unser Herz erobert – im Sturm quasi. Aus mehreren misslichen Situationen hatten wir ihn innerhalb kürzester Zeit schon retten müssen. So etwas verbindet. Das geht nicht spurlos an einem vorüber und an einer Silberdistel schon gar nicht. Aufgeregt wuselten wir Menschen weiter durchs Haus und suchten ein kleines graues pelziges Katerchen, das seinen Namen, der eigentlich noch gar kein Name war, nun wohl doch zu recht trug. Es spielte uns übel mit. Unsere Katzendame schaute dem Ganzen kopfschüttelnd und fast augenverdrehend zu. So ein Wirbel um diesen frechen Zwerg. Nee, dafür hatte sie nun doch kein Verständnis. Endlich war er wieder weg, war ihr eh viel zu frech und aufdringlich. Endlich hatte sie wieder ihre Ruhe. Oder, oder tat ich ihr unrecht? War sie am Ende die Ruhe selbst, weil sie wusste, wo das kleine Übel war? Waren für ihre Begriffe weder Hektik noch Panik angebracht?

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Meine Frage, ob sie vielleicht zufällig wisse, wo das kleine Übel stecke, beantwortete sie mit einem gelangweilten nahezu überheblichen Blick. Dann schloss sie gequält ihre Augen und blickte mich nur noch aus ganz schmalen Sehschlitzen an. Schließlich gähnte sie mir auch noch ganz herzhaft etwas vor. So sind sie, diese Katzen, sprechen nur mit uns, wenn sie Lust drauf haben und diese hier hatte gerade so gar keine Lust auf Konversation. Wo mochte unser winziges pelziges Etwas nur sein? Inzwischen hatten wir ausgeschlossen, dass es hinaus in die weite Welt geflüchtet sein konnte, denn uns fiel ein, wir hatten das Pelzbündel nach der letzten Öffnung des Tors zur Welt noch einmal im Haus gesehen. Es MUSSTE also im Haus sein. Im WC ertrunken konnte es nicht sein. Ich hatte dort zuerst nachgeschaut. Wo aber mochte es stecken? Ein wenig zumindest darüber beruhigt, dass es im Haus sein musste, grübelten wir weiter über die Versteckmöglichkeiten eines winzigen Kätzchens in unserem Hause nach. Es passte ja eigentlich überall hinein und überall drunter. Wir hatten alle Türen geöffnet, in und unter alle Schränke und Betten geschaut. Es war weg, dieses kleine Übel. Es war und blieb verschwunden. So hieß es also abwarten. Manches erledigt sich ja gewöhnlich durch langes Liegen von selbst, vielleicht galt das auch für kleine Kätzchen und es würde gewissermaßen von selbst wieder auftauchen.  So widmete ich mich, zwar immer noch grübelnd, erst einmal wieder meinen hausfraulichen Tätigkeiten und Herr Silberdistel strebte seinem Zimmer entgegen, um sich die Wartezeit auf unseren vermissten Mitbewohner am PC zu verkürzen.

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Plötzlich hörte ich von oben: „Komm mal schnell her!“ Natürlich eilte ich, so schnell ich konnte, die Treppen hinauf und prallte fast auf meinen Herrn Silberdistel, der in der Tür zu seinem Zimmer stehengeblieben war und verzückt auf eines seiner Bücherregale schaute. Ich folgte seinem Blick und mein eben noch mit Grübelfalten bedecktes Gesicht entspannte sich zu einem Lächeln. Da war er – unser Zwerg – träge und müde blinzelnd.

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Er rückte sich ein wenig zurecht, legte den Kopf auf die Pfote und schlummerte noch ein wenig. Zuvor muss unser kleines Übel noch weiter hinten im Bücherregal gelegen haben, sodass es während unserer Suche praktisch für uns unsichtbar im Regal schlummerte. Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, dass man als kleines Katerchen in einem Bibliothekarshaushalt selbstverständlich hinter Büchern schlummert. Da träumt es sich doch schließlich ganz besonders schön – so nah an den vielen Geschichten.

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Wie erleichtert waren wir, unseren neuen Hausgenossen wiederzuhaben. Wer eben ganz leise war, der hat ganz sicher gehört, wie zwei Steine von zwei Herzen plumpsten. Unser kleiner Schelm war wieder da. Auch wenn wir Silberdistels wissen, dass Katzen Höhlenbewohner sind, alle Höhlen in unserem Heim kennen wir wohl also doch noch nicht, auch wenn wir uns das eingebildet haben. Dieser kleine Kater wird uns wohl noch öfter Rätsel aufgeben. Aber für dieses Mal ist unsere Welt nun erst einmal wieder in Ordnung.

Kommentare
  1. nixe sagt:

    😆 Gut ausgewählt und vor allem sicher! So ein schlaues kleines Kätzchen..nicht übel!
    Lachende Grüße
    von der Nixe

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  2. Helionelle sagt:

    Ooooh! ❤ Meine graue Mausi sieht genauso aus! Wie Herzig 🙂 Lieben Gruss, Helen

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  3. Zeilenende sagt:

    Ich habe ja schon von Leseratten und Bücherwürmern gehört. Seit heute kommt gibt es also auch den Regalkater. *g*

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  4. minibares sagt:

    Oha, was für eine Aufregung!
    Sorgen über Sorgen.
    Gut, dass dein Mann in sein Zimmer ging.
    Ende gut – alles gut.
    deine Bärbel

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  5. einfachtilda sagt:

    Hach….der wird garantiert noch ein paar schöne Schlummerecken finden…wenn er Hunger hat, wird er sich schon melden 😀

    LG Mathilda ❤

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  6. Frau Hummel sagt:

    Hihi, ich habe in solchen Fällen immer mit der Trockenfuttertüte (laut) geraschelt 🙂

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  7. Charis sagt:

    Natürlich – im Bücherregal … 😀
    Ich habe auch schon für unsere Lilly, als sie noch ganz jung war,
    Schränke und Sofas verrückt und Staub in rauhen Mengen gesehen, als ich so auf dem Bauch kriechend alle Ecken abgesucht habe –> auf dem Kleiderschrank, in der allerhintersten Ecke, auf dem kleinsten Koffer – da, genau dort war es wohl am gemütichsten … *seufz* und *lach* 😉

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  8. kowkla123 sagt:

    wieder so super toll beschrieben, danke, mache es gut

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  9. Ich kenne dieses Versteckproblem, die finden immer wieder neue Plätze. Ich suche manchmal eine halbe Stunde ohne Erfolg und dann hilft nur noch die besten Leckerlies aus der Schublade zu holen und dann kommen die Katzen angerannt. 😀

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  10. Michaela sagt:

    Euer Staubwedel ist so süß, zum knuddeln niedlich 😀

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  11. Aber Übelchen, das macht man doch nicht, die arme Silberdistel so zu erschrecken. 😉

    (Ich habe mich, nachdem die Erkältung endlich besser ist, mal aufgerafft, ein paar Fotos zu posten. Bäume und Wasser diesmal, keine Fische. 🙂 )

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    • Silberdistel sagt:

      Doch, doch! Wenn man ein Übelchen ist, dann erschreckt man die Silberdistel auch mal, damit ein bisschen Leben in die Bude kommt 😉

      Ich habe gerade Bäume, Wasser und keine Fische angeschaut – hat mir sehr gefallen – eine reizvolle Landschaft.

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  12. Flachlandliebe sagt:

    Ganz herzliche Glückwünsche zum neuen süßen “Übel“. Hat das kleine Übel auch einen Namen (doch wohl nicht Übel?). Habe gerade erst die Zeit gefunden, bei Dir vorbei zu schauen. Sorry. Alles Liebe mit dem Zwerg – dem Bücherzwerg 😉. LG Elke

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    • Silberdistel sagt:

      Dankeschön, liebe Elke 🙂 Der Zwerg hält uns ganz schön in Schwung, aber er tut uns auch gut, auch wenn er immer wieder an die Zeiten erinnert, zu denen sein Vorgänger in dem Alter war und hier umherwirbelte. Ja, sicher hat unser kleines Übel auch einen richtigen Namen. Wir überlegen noch, ob wir ihn hier verraten wollen 😉
      Liebe Grüße auch an Dich und Deine Vierbeiner

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