Machen wir’s den Schwalben nach …

Veröffentlicht: 20. Mai 2015 in Fotos, Garten, Geschichten, Natur, Tiere, Unterhaltendes, Vögel
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„… bau’n wir uns ein Nest. Ob die beiden Ringeltauben gerade durch ein frühlingsoffenes Fenster diese Textzeilen aus der Operette „Die Csárdásfürstin“ gehört haben oder ob ganz einfach nur der Frühling ihnen eingeflüstert hat, dass es höchste Zeit für den Nestbau ist? Vielleicht waren es auch die vielen zwitschernden Rauchschwalben höchstpersönlich, die täglich über unseren Köpfen ihre Runden drehen. Wer weiß das schon? Aber letztendlich ist es auch egal.

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Tatsache ist, dass wir unlängst in unserem Wintergarten saßen, die Katzenprinzessin schlief tief und fest auf ihrem Thron von gestapelten Stühlen …

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… und der Kater saß draußen im Garten auf seinem kleinen Sonnenbänkchen und erklärte mir gerade, dass er sich jetzt zur Vogelzählung aufmachen würde. Es war nämlich das Wochenende, als wir dem Aufruf des NABU zur „Stunde der Gartenvögel“ folgten und uns eine ganze Stunde herrliche Ruhe und Vogelbetrachtung gönnten.

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Der Kater war eben von seinem Bänkchen gestiegen und hatte sich zwei Schritte weiter erneut niedergelassen, um über den Weg, den er einschlagen wollte, angestrengt nachzudenken, als es plötzlich laut über unseren Köpfen klapperte.

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Sofort war natürlich die vor wenigen Bruchteilen von Sekunden noch tief schlummernde Katzenmajestät hellwach. Ich bewundere immer wieder, wie schnell eine Katze geistig und körperlich von Null auf Hundert sprinten kann.  Aufgeregt schnatternd schaute sie hinauf zum Dach unseres Wintergartens.

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Trotz angestrengten Nachdenkens über seine nächsten Schritte hatte der Kater selbstverständlich ebenso wie seine kätzische Mitbewohnerin die Klappergeräusche hinter sich wahrgenommen. Auch er blickte hinauf zum gläsernen Dach.

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Wir Menschen waren zwar von der Reaktion her etwas lahmer als die Katzen, aber immerhin noch schnell genug, um verfolgen zu können, was sich gerade über unseren Köpfen abspielte. Eine Ringeltaube kämpfte mit einem Stöckchen, dem sie offensichtlich nicht so ganz gewachsen war.

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Sie flog damit unseren neben dem Wintergarten stehenden Wacholder an, prallte jedoch im oberen Drittel einfach von ihm ab.

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Der Baum hatte scheinbar etwas gegen die Ringeltaube, denn er wollte ihr mit einem solch langen Holzteil im Schnabel keinen Einlass in sein geheimnisvolles Inneres gewähren. Während die Taube mit ihrem Baumaterial kämpft, wechsle ich schnell die Zuschauerposition und sehe dem Schauspiel aus einem Fenster im ersten Stock zu. Von hier aus kann ich alles viel besser beobachten.

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Unsere Ringeltaube landete kurz nach diesem unsanften Aufprall samt Stöckchen wieder auf dem Glasdach. Einige Male versuchte der Vogel noch, den Stock zu bändigen, doch irgendwann blieb das störrische Teil einfach auf unserem Glasdach liegen.

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Später beobachteten wir noch eine andere Abwehrvariante des Baumes. Das Stöckchen wurde dem Baumeister von einem vorwitzigen Zweig des Wacholders schlichtweg aus dem Schnabel gerissen und polterte nach unten aufs Dach. Erstaunt über so viel scheinbar eigenes Ungeschick saß die Taube ohne ihr Mitbringsel oben im Baum.

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Im Laufe der Zeit entstand auf unserem gläsernen Zimmerchen eine richtig hübsche Stöckchensammlung der abschreckenden Art, also eine Sammlung DER Stöckchen, die ein Taubennestbaumeister wohl eher nicht verwenden sollte, wenn er zufällig einen widerspenstigen Wacholder wie den unsrigen als Bauplatz erwählt hat.

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Während die eine Ringeltaube hier gerade noch über ihr Missgeschick nachgrübelt, …

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… kommt der Partner angerauscht und verbittet sich solche Grübelstunden. Für Pausen ist jetzt keine Zeit. Schließlich muss das Nest fertig werden. Also, Platz da oben!

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Wieder ist das Paar ein Stückchen weiter gekommen mit dem Bau der Sommerwohnung. Dieses kleinere Stöckchen machte keine Schwierigkeiten.

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Vielleicht aber hat Vogel Nr. 2 auch ganz einfach nur schon etwas fundiertere Kenntnisse im fachgerechten Nestbau. Vorsichtig kämpft er sich gerade wieder aus dem Inneren des Baumes hervor. Hier heißt es, die Balance nicht zu verlieren. Die Zweige sind dünn und weich und geben dem Gewicht des großen Vogels schnell nach.

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So, geschafft! Die richtige Startposition für den Abflug dürfte wieder einmal gefunden sein.

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„Wer starrt da aus dem Fenster zu mir rüber?“

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„Ach, ich erkenne sie, das ist die Silberdistel, die hier im Winter immer das leckere Futter anbietet. Die dürfte wohl keine Gefahr für uns sein.“

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„Ich muss dann mal wieder … Stöckchen suchen …“

So erlebten wir Silberdistels einige Tage die Nestbaumaßnahmen eines Ringeltaubenpärchens in unserem Garten mit. Ob nun inzwischen gebrütet wird oder ob sich die beiden noch eine zweite Sommerwohnung gebaut haben, wissen wir nicht. Wir beobachten schon seit Tagen keinen Flugverkehr mehr.

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Sicherheitshalber aber hat der Wacholder an mehreren Stellen einen kleinen stacheligen Gürtel bekommen, damit der eventuellen Neugierde unserer Katzen ein kleiner Riegel vorgeschoben ist. Aber wie gesagt, es ist seit dieser angestrengten und emsigen Bauphase der Ringeltauben dort oben im Wacholder erstaunlich ruhig geworden. Nur manchmal hören wir ganz in unserer Nähe einen Täuberich gurren. Gestern zum Beispiel saß er auf unserem Dach und weckte uns des Morgens mit seinem „Gurrgurr-gurr“ …

Schau’n wir mal, ob ich irgendwann noch mehr über unser Ringeltaubenpaar berichten kann.

Kommentare
  1. Waldameise sagt:

    Tiere beobachten zu können, ist immer eine wunderbare Beschäftigung, bei der man niemals müde wird. Gell, liebe Silberdistel?! 🙂

    All die kleinen und großen Wunder, die uns der Frühling beschert, kann man kaum mehr erfassen. Es ist herrlich, wie deine vielen schönen Momentaufnahmen, die ich schon gestern per Dia-Show bewundert habe.

    Eigentlich müsste man damit die Wintermonate aufpeppen, was wir zum Teil ja auch tun. Aber so ganz frisch macht es auch Spaß, noch einmal bewundern zu können, was da draußen grad so abgeht … 😉

    Ein lieber Gruß zum Mittwoch aus dem Wald 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Du sagst es, liebe Waldameise, Tiere könnte ich pausenlos beobachten. Da werde ich so gar nicht müde. Es macht nicht nur Spaß, es ist auch sehr entspannend und man lernt oft noch eine ganze Menge dazu. Das mit den Tauben war etliche Tage hier für uns ein spannendes Morgenprogramm, denn meistens hatten sie morgens ihre Bauphase. Es war schon lustig, wie kompliziert es doch manchmal für die beiden war, mit ihren Stöckchen in den Baum zu kommen. Da sieht man mal, Vögel haben es auch gar nicht so leicht 😉
      Damit könnte man sich in der Tat die grauen Wintermonate aufpeppen, wenn man dann alles noch einmal wieder anschaut. Andererseits ist hier dann ja gewöhnlich auch immer viel am Futterhaus los, sodass es also auch im Winter genug Interessantes zu sehen gibt.
      Dankeschön für Deinen lieben Besuch und Deinen Kommentar und einen lieben Gruß zurück in Deine Ameisenburg 🙂

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  2. kowkla123 sagt:

    so eine schöne Bildergeschichte, echt toll, alles Gute für dich, Klaus

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  3. minibares sagt:

    Liebe Silberdistel, das war aber auch ein großer Zweig, lach.
    Das musste ja schiefgehen.
    Aber die zweite ist wohl pfiffiger, grins.
    Herrliche Bildgeschichte auch mit euren Katzen dazu.
    Danke, deine Bärbel

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    • Silberdistel sagt:

      Wir haben auch gestaunt, liebe Bärbel, mit was für gewaltigen Zweigen die Tauben hier mitunter ankamen. Bei DEM Baum hier musste das ganz sicher schiefgehen. In einem etwas lichteren Laubbaum hätte es vielleicht besser geklappt. Am liebsten hätte ich ihnen die Zweige gern etwas kleiner geschnitten 😉 😀 Aber wahrscheinlich hätten sie meine Schnipsel dann achtlos liegen lassen 🙄
      Dankeschön für Deinen lieben Kommentar und ganz liebe Grüße an Dich

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  4. Pauline sagt:

    An das „Geschnatter“ der Katzen kann ich mich auch noch gut erinnern, wenn sie aufgeregt sind, liebe Silberdistel und es gab ja immerhin auch was zu sehen 😉
    Die eine Taube war aber auch zu blöde oder schlau genug, der anderen Taube das Stöckchen-Holen zu überlassen, gell? 😆
    Hast wieder so eine schöne Bildergeschichte draus gemacht, herrlich, wobei – wie immer – mir Deine Pelzträger am allerbesten gefallen 😆
    Hab‘ einen schönen Abend und ganz liebe Grüße von der ♥ Pauline ❤ ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Es war echt witzig, wie die Taube immer mit ihrem Riesenstock da oben im Baum hängen blieb. Wir waren am Ende schon ganz gespannt, was für ein Stöckchen sie wohl als nächstes anbringen würde.
      Liebe Grüße und macht aus Eurem Abend das Beste ❤ ❤

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  5. Ocean sagt:

    Guten Morgen, liebe Silberdistel 🙂

    Was für eine tolle spannende Foto-Story! Super. Dass das aufregend für die Fellnasen war, die „Tauben-Aktion“ zu beobachten, glaube ich sofort. Schön hast du die Tiere eingefangen. Dass sie es immer wieder versuchen, das Unmögliche möglich zu machen – faszinierend!

    Liebe Grüße zu dir und Krauler für die Samtpfoten 🙂
    Ocean

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo, liebe Ocean 🙂
      schön, wieder von Dir zu lesen 🙂 Danke für Deinen Besuch und den netten Kommentar. Ja, die Nestbauaktion der Ringeltauben war schon spannend – nicht nur für uns, die Katzen hatten auch ihren Spaß dabei.
      Liebe Grüße an Dich und natürlich einen lieben Streichler für Deine vierbeinige Freundin 🙂

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  6. katerchen sagt:

    Vögel.. die Katzen werden OFT als Nestplüderer gesehen..hier haben die Elster die Amselkinder aus dem Nest geholt..wie im letzten Jahr auch :((
    Tauben… sicher werden sie noch ein Nest haben,dieses war wohl von der Idee her sicher aber man konnte die Idee nicht richtig umsetzen.
    DANKE für die schöne Bildergeschichte liebe Silberdistel
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Stimmt, Katerchen, die Vögel sind auch nicht so ohne, wenn es ums Plündern von Nestern geht. Wir haben hier auch gerade eine Elster verscheuchen müssen, die fleißig auf der Suche nach einem Nest war. Ob dann solche Vertreibungsaktionen auf Dauer nützen, das ist sicher die Frage, weil man ja doch nicht rund um die Uhr im Garten ist. Hoffen wir also das Beste.
      Danke für Deinen Kommentar und ganz liebe Grüße an Dich

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  7. kowkla123 sagt:

    ich danke für deine schönen Worte, beste Grüße, Klaus

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  8. Winnie sagt:

    Hast du versteckte Kameras oder einfach zu viel Zeit um an solch tolle Bilder zu kommen ❤ wunderschööööön

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    • Silberdistel sagt:

      Weder habe ich eine versteckte Kamera benutzt, noch habe ich zuuuu viel Zeit 😀 Ich glaube, zu viel Zeit hat wohl kaum jemand. ICH jedenfalls kann es mir nicht vorstellen. Aber darüber könnte man sicher stunden- oder tagelang oder noch länger drüber diskutieren 🙄 Wahrscheinlich gibt es dann doch einige Menschen, die sich tatsächlich langweilen 🙄
      Die Tauben waren einfach einige Tage immer zu einer ganz bestimmten Zeit mit dem Bauen beschäftigt. Man konnte fast die Uhr danach stellen. Andererseits hat es sie gar nicht gekümmert, ob wir da nun saßen oder nicht. Ich konnte also in aller Ruhe Fotos machen – war gar kein Problem.
      Danke für Deinen Besuch und den Kommentar und liebe Grüße zu Dir

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