Wo ist das Futterhaus?

Veröffentlicht: 29. April 2015 in Fotos, Garten, Natur, Tiere, Unterhaltendes, Vögel
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Irgendwie können es die Stammgäste noch nicht so recht glauben, dass das „Gasthaus zur Silberdistel“ nun geschlossen hat und sie gar nichts Körniges mehr anbietet. Zur gewohnten Frühstücks- und Mittagszeit, ja selbst zur nachmittäglichen Kaffeezeit schauen immer wieder einige gefiederte Gäste in das kleine Gartenlokal. Es könnte doch sein, dass sie da neulich, als von irgendeinem Saisonschluss die Rede war, etwas falsch verstanden haben. … und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, haben selbst die Vögel irgendwann oder irgendwo einmal gehört. Die Spatzen hatten’s von den Dächern gepfiffen.

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Die Ringeltaube ist solch ein Gast, der den ganzen Winter über pünktlich zu sämtlichen Mahlzeiten, die im Gasthaus angeboten wurden, zur Stelle war.

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Dass sie recht gut über den Winter gekommen ist, sieht man ihr durchaus an. Das spricht doch irgendwie auch für das Gasthaus, oder? Die hübsche Figur der Grauen mit dem Ringelpulli hat über die Wintermonate so gar nicht gelitten. Sie hat sich eher noch ein wenig mehr wohlig gerundet und eine überaus hübsche Taubenform angenommen. Kein Wunder also, dass das arme Federvieh nun fassungslos den Platz, an dem sonst gewöhnlich der gedeckte Frühstückstisch stand, absucht und völlig ungläubig den sonst so überaus gastfreundlichen Garten inspiziert. Dass die pummelige Schönheit nur durch die Anwendung höchsten fliegerischen Könnens ins Futterhaus passte, ist dabei von eher drittrangiger Bedeutung. Ich habe den Vogel bisher nur ein einziges Mal voller Bewunderung bei der Vollendung dieser hohen Kunstfertigkeit beobachten können. In der Regel blieb es dabei, dass sie sich vom Dach des Futterhauses aus ein Bild über das Tagesangebot machte und dann hinunter flog, um sich an dem gütlich zu tun, was die anderen Vögel großzügig aus dem Futterhaus warfen, wobei ich mich mitunter nicht des Eindrucks erwehren konnte, dass es da einen Deal zwischen Taube und Spatzen gab.

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„Wo ist denn bloß das Futterhaus hin? Es stand doch hier eben noch.“

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„Hm, ich verstehe es nicht. Wo soll ich denn jetzt jeden Morgen frühstücken?“

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„Ich muss mal einen kleinen Gartenrundflug machen. Vielleicht steht das Häuschen nur an anderer Stelle.“

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„Also, von hier aus kann ich es auch nirgends entdecken. Es kann doch wohl nicht sein, dass es ganz einfach weg ist?“

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„Es stand doch dort, genau dort unten, wo jetzt diese paar jämmerlichen Körnchen herumliegen.“

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„Hm, naja, immerhin etwas … diese paar Körner da unten. Eigentlich sehen sie gar nicht so unappetitlich aus. Vielleicht sollte ich mir das einmal ganz aus der Nähe anschauen.“

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Die Taube hatte das noch gar nicht richtig zu Ende gedacht, da flatterte sie auch schon los.

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Aber unsere Ringeltaube ist ein sehr vorsichtiger Vogel. Bevor sie ganz hin zu der Stelle flog, an der noch ein paar restliche Sonnenblumenkerne vom Freudenfest des letzten Frühstücksmahls im „Gasthaus zur Silberdistel“ kündeten, machte sie noch einen kurzen Zwischenstopp und äugte aus sicherer Höhe hinunter zur verlockenden Körnermahlzeit. Es schien alles sicher zu sein. Weit und breit auch keine Katze, also nichts wie los und Platz genommen am Frühstückstisch, auch wenn es sich dort nur noch um ein Resteessen handeln würde.

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Huch! Wo ist denn unsere Taube? Jetzt war sie doch glatt so schnell unterwegs, dass ihr die Fotografin gar nicht folgen konnte, ist ihr doch das Ringeltäubchen einfach aus dem Bild geflattert. Wo mag es nur …?

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Ach, da ist es ja, das Täubchen … Irgendwie schaut es aber immer noch ein wenig verwundert drein, als könne es nicht fassen, dass das Gasthaus wirklich und wahrhaftig Saisonschluss hat. Nun hat Familie Ringeltaube sein Nest extra dicht am Gasthaus erbaut, es in die Kiefer vom Nachbargarten gesetzt, weil es damit so schön nah an der Futterquelle steht. … und nun? Nun soll das alles umsonst gewesen sein? Einen kurzen Moment ringt unsere Taube noch um Fassung, …

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… doch dann pickt sie los. Was man hat, das hat man, zumal das Gasthaus wohl nun wirklich Sommerpause hat. Dann lieber erst einmal noch die Reste vertilgen, bevor man sich wieder auf zeit- und kalorienraubende großflächig angelegte Körnersuche machen muss.

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Wie richtig der Gedanke der Taube ist, sieht man am oberen rechten Bildrand. Dort lauert nämlich schon die Konkurrenz im Gewand einer Amseldame auf die letzten noch verbliebenen Körnchen. Hart ist das Vogelleben, wenn der Mensch keine Lust mehr hat zum Arbeiten und einfach sein Vogelgasthaus schließt.

Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    Ach ja, das ist wirklich hart. Einfach so das Gasthaus zu schließen 🙂
    Bei mir bekommen sie im Frühjahr noch etwas zu futtern, da die Meisen während der Brutzeit enormen Hunger haben und dürfen sich an der Hängetheke kostenlos bedienen 😀

    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße von Mathilda ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Ich komme mir auch ganz gemein vor – einfach in die Futter-Sommerpause zu gehen 😉 Aber inzwischen hat sich die Vogelschar wohl schon damit abgefunden, dass sie nun wieder selbst für das Futter arbeiten muss. Speziell die Meisen sind fleißig im Garten unterwegs und schauen unter jedem Blättchen nach, ob sich dort nicht etwas Fressbares versteckt hat. Ich denke mal, da ist der Tisch inzwischen auch durchaus reichlich gedeckt.
      Dir einen schönen Abend und ganz liebe Grüße zurück ❤

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  2. nixe sagt:

    Schlau sind sie doch, die Vögel – bauen ihr Nest unweit der verläßlichen Futterstelle: Aber irgenwann müssen sie halt Mutter Natur „anfliegen“.
    Liebe Grüße…schön geschrieben!
    I. Nixe

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    • Silberdistel sagt:

      Dass die Vögel ganz schön clever sind haben wir schon so manches Mal gedacht. Die Amseln bauen nämlich auch gern in Futterhausnähe. Nur, dass das Vogelgasthaus dann irgendwann Sommerpause macht, das haben sie noch nicht so richtig eingetaktet 😉
      Liebe Grüße auch an Dich und danke für den lieben Kommentar 🙂

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  3. kowkla123 sagt:

    sieht ja toll aus, wenn nicht immer dieser Kot wäre, alles Gute, Klaus

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, Klaus 🙂 Der Kot ist bei Ringeltauben eher weniger das Problem. Sie tauchen ja gewöhnlich nicht in so großen Massen auf wie die Stadttauben – also die verwilderten Haustauben. Die sind in DER Beziehung schon eher ein Problem oder sagen wir, sie sind das eigentliche Problem in den Städten.
      Herzliche Grüße an Dich und auch für Dich alles Gute

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  4. minibares sagt:

    Das Leben ist kein Wunschkonzert.
    Ringeltaube hat das wohl auch gemerkt.
    Ja die Amseline hat auch die Körnchen entdeckt, fiel mir sofort auf, liebe Silberdistel.
    Ein toller Tauben-Bericht.
    deine Bärbel

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  5. katerchen sagt:

    liebe Silberdistel ich habe NEU geöffnet..in der Früh Frost und über Tag kalt..da MUSSTE ich es NEU eröffnen. und sie kommen … aber nur in der Früh und dann suchen sie selbst ihr Futter.
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Das kann ich mir gut vorstellen, dass die Vögeln nach einer frostigen Nacht zumindest morgens gern noch einmal auf ein Futterangebot zurückkommen. Aber bei mir sind die Kornspeicher leer und ich denke, die Federbälle werden nun auch über die eine oder andere eisige Nacht ohne meine Hilfe hinwegkommen. Hier gibt es erst im Herbst wieder einen gedeckten Tisch für Federbälle 😀
      Liebe Grüße auch an Dich und komm gut in den Mai hinein 🙂

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  6. kowkla123 sagt:

    Liebes Silberdistelchen, auch für dich mein Gruß zum 1. Mai, Klaus

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  7. Morgentau sagt:

    Ach, liebe Silberdistel, wenn ich das Ringeltäubchen so sehe, dann hab ich keine Bange, dass es mangels Vogelgasthaus Hungers sterben muss … hihi.

    Ich wünsch dir einen freundlichen Start in den Mai
    mit lieben Abendgrüßen
    von Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Nein, ich denke auch, das Täubchen ist gut über den Winter gekommen und braucht meine Hilfe nun nicht mehr *lach*
      Dankeschön, liebe Frau Morgentau für Deine lieben Wünsche.
      Auch Dir einen guten Start in den Mai und ebenfalls ganz liebe Grüße an Dich

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  8. Ich habe bereits anfangs März das Gasthaus „Zur Meise“ geschlossen 😉

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