Zum „Welttag des Buches“ – Leseabenteuer 20 – Frank

Veröffentlicht: 23. April 2015 in Bücher, Geschichten, Leseabenteuer, Lesen, Unterhaltendes
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„Ein Leben ohne“ Buch „ist möglich, aber sinnlos“ – so möchte ich heute zum „Welttag des Buches“ einmal einen der vielleicht bekanntesten Sätze von Loriot ein wenig abändern. Für diejenigen, die nicht wissen, wovon Loriot ursprünglich sprach, möchte ich hier schnell noch die Auflösung des Rätsels anfügen. In Loriots Satz stand anstelle des Buches der Mops – der Hund also, der so oft zitierte beste Freund des Menschen und in diesem speziellen Fall der beste Freund von Loriot. Ich als Katzenmensch würde das natürlich etwas anders sehen. Mein Leben ist durchaus auch ohne Hund nicht sinnlos, aber ohne Katze wäre es schon ein bisschen weniger schön und vielleicht sogar nahe an sinnlos, aber ganz bestimmt sinnlos wäre mein Leben ohne Buch. … und schon bin ich bei meinem eigentlichen Anliegen gelandet. Ich möchte nämlich auf den „Welttag des Buches“ hinweisen, der sich mit dem heutigen Tag das 20. Mal jährt. In Zeiten, in denen mehr  auf  digitale Technik als auf zartes raschelndes Papier Wert gelegt wird, möchte ich dem lieben alten Buch mit seinem so ganz eigenen Geruch nach Druckerschwärze und Papier noch einmal mein Herz zu Füßen legen und ihm meine tiefe Liebe erklären, auch wenn ich meinen E-Book-Reader inzwischen ebenfalls sehr zu schätzen weiß. Kann ich doch mit ihm quasi all meine Lieblingsbücher immer bei mir haben, sei es während einer Wartezeit beim Arzt oder wenn es in den Urlaub geht. Die Extrareisetasche für unseren Lesestoff fällt neuerdings extrem klein aus. Sie muss nämlich nur zwei E-Book-Reader fassen. Früher mussten pro Kopf mindestens 3 Bücher mit ins Gepäck, manchmal sogar mehr – als Reserve für eventuelle Regentage, die schließlich auch irgendwie ausgefüllt sein wollten. Was lag da näher, als ein gutes Buch zu lesen? Ja, so ändern sich die Zeiten. Dennoch, E-Book-Reader hin, E-Book-Reader her, ohne die geliebten bunten papiernen Gesellen mag ich mir mein Haus nicht vorstellen. Ohne die vielen Bücherregale voll mit Geschichten und Abenteuern und voll mit dem enorm umfangreichen Wissen der Sachbücher würde mir etwas fehlen, würde mir ein ganz persönlicher, lieb gewordener Freund fehlen.

SONY DSC… und genau auf einen solchen Freund möchte ich heute, am „Welttag des Buches“  zu sprechen kommen – auf eines meiner Lieblingsbücher aus Kindertagen. Zu meinem Leben gehörten Bücher bereits, als ich noch gar nicht lesen konnte. Ich erinnere mich mit einem herrlichen Wohlgefühl daran, dass mein Vater in seiner freien Zeit oft im Sessel saß, meine Mutter mit einer Handarbeit ihm gegenüber und ich spielend unten auf dem Teppich und mein Vater las aus einem Roman vor. Meine Mutter war selbst nie eine große Leserin, selten einmal habe ich sie mit einem Buch in der Hand gesehen. Aber eine wundervolle Zuhörerin war sie damals schon und sie ist es heute noch immer. Ich glaube, wir haben diese gemütlichen Vorlesenachmittage und -abende alle drei sehr genossen, auch wenn ich sicher mitunter einiges aus diesen Erwachsenenbüchern nicht so recht verstanden habe. Die Atmosphäre allein war etwas enorm Wundervolles, etwas, das ich nie vergessen werde. Es war ein Gefühl von Wärme, Zuneigung, von Miteinander, von Zusammengehörigkeit.
Als ich dann endlich selbst lesen konnte, kam zu diesen Vorlesestunden eine Zeit, in der ich auch allein auf Abenteuerreise gehen konnte. Auch das war wichtig für mich. Ich verschlang ein Buch nach dem anderen. Auf dem Geburtstagstisch lagen natürlich von da an immer Bücher und auch zu Weihnachten fehlte nie ein Buch auf dem Gabentisch. Eines Tages, ich weiß nicht mehr, ob es zu einem Geburtstag, zu Weihnachten oder zu einem anderen Anlass war, wickelte ich das Buch „Frank“ von Karl Neumann aus seinem buntem Geschenkpapier. Der Frank auf dem Cover eroberte sofort mein Herz und er besitzt es irgendwie noch heute. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Buch inzwischen gelesen habe. Sogar als schon sehr erwachsene Frau habe ich es immer wieder zur Hand genommen, um noch einmal in die Erlebniswelt dieses Buches abzutauchen und jetzt, jetzt liegt es gerade wieder neben mir und wartet darauf, erneut aufgeschlagen und gelesen zu werden.

SONY DSCWorum es in „Frank“ geht? Natürlich um einen Jungen mit diesem Namen, um seine Probleme in und mit seiner neuen Klasse, um die Idee, ein Kanu zu bauen und um, wie wir auch der kurzen Inhaltsangabe auf der Buchrückseite entnehmen können: „… Abenteuer und Träume, Siege und Niederlagen, Freundschaft und Feindschaft, Glück und Traurigkeit und die Liebe zu dem Mädchen Irene.“

Ein wenig widerspiegelt dieses Buch auch meine Kindheit und Jugend. So viel anders und simpler als die Kinder und Jugend von heute erlebten wir die Welt, dennoch war auch sie voller Abenteuer, Leben, Lachen und manchmal sicher auch Traurigkeit. Es war noch eine andere Welt, in der es uns Kindern aber trotzdem an nichts mangelte, eine Welt, in der es nur richtige Bücher aus Papier und gedruckten Buchstaben gab. Ich hoffe, diese Welt der gedruckten Bücher bleibt uns noch lange erhalten – gern NEBEN dem modernen elektronischen Buch, das eine neue Welt verkörpert, die aber auch Teil unseres Lebens und aus diesem ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist. Schön wäre es, wenn sie beide gut miteinander auskämen – der alte, in die Jahre gekommene Freund und der jugendliche Bursche mit all seiner Frische und seiner modernen Technik.

Das gedruckte Exemplar meines lieben „Frank“, das in meinem Bücherschrank schon viele Jahre sein Zuhause hat, ist nicht mehr jenes, das ich einst geschenkt bekam. Das steht inzwischen bei einem meiner Kinder. Aber weil  mich dieser „Frank“ nie so richtig losgelassen hat, ist irgendwann eine der Ausgaben, die auch noch zwei Folgebände zu „Frank“ enthält – nämlich „Frank und Irene“ und „Frank bleibt Kapitän“ – in meiner Büchersammlung gelandet. Diese Drei-Bände-in-einem-Band-Ausgabe ist wie auch die Einzelbände um Frank im Kinderbuchverlag Berlin erschienen. Mein Exemplar  ist eine 2. Auflage aus dem Jahre 1989. Übrigens gibt es die Bücher noch zu kaufen – sowohl als Einzelbände als auch als Sammelband, wobei der Sammelband wohl schon mehr als Liebhaberstück durchgeht und man dafür unter Umständen entsprechend mehr Euros auf den Tisch legen muss.

Welches Buch auch immer, nehmt heute zur Feier des „Welttages des Buches“ doch wieder einmal eines Eurer Lieblingsbücher, ein nach Farbe und Papier duftendes Buch, aus Eurem Bücherschrank, streichelt ihm liebevoll über seinen Buchrücken und sagt ihm ein Dankeschön für all die schöne Zeit, die Ihr mit ihm verbringen durftet. Ich denke, das Buch mit seinen raschelnden und so gut duftenden Papierseiten hat es sich verdient, dass wir ihm heute unsere ganz besondere Aufmerksamkeit schenken.

Kommentare
  1. Arabella sagt:

    Danke für den Hinweis.:-)

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  2. giselzitrone sagt:

    Guter Tipp wünsche dir einen schönen Donnerstag lieber Gruß Gislinde

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  3. kowkla123 sagt:

    trotz Zeitmangel, schönen Tag, KLaus

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  4. b.sleegers sagt:

    Ja, die Frank-Bücher von Karl Neumann, ich habe sie auch verschlungen. Vielen Dank fürs Erinnern 🙂

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  5. minibares sagt:

    Ich nehme mal wieder das Buch: Das erleuchtete Gehirn zur Hand.
    Das ist so informativ, gerade für alle, die eine Nervenkrankheit haben.

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  6. katerchen sagt:

    auch hier ist die Zeit knapp liebe Silberdistel..aber einmal schauen ist PFLICHT..
    der Garten fordert im Moment sein RECHT.. es konmmen auch andere Zeiten.
    Idianermärchen liegen hier bereit wenn die Lust zum Schmöckern da ist.
    mit einem LG vom katerchen

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  7. nixe sagt:

    Aha….das wußte ich nicht, dass heut der Welttag des Buches ist. Das ist wenigstens ein sehr vernüftiger Welttag, ich lese immer gern…wenn ich Zeit dazu habe. Zu Beginn meiner Lesezeit mochte ich Pippi Langstrumpf sehr und verschlang Wilhelm Busch Bücher 😉
    Liebe Grüße
    von I.Nixe

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    • Silberdistel sagt:

      Ich denke auch, einen solchen Welttag halte ich durchaus für sinnvoll und gut. Viele andere Welttage sind da doch eher unsinnig.
      Pippi Langstrumpf ist erstaunlicherweise an mir fast vorbeigegangen, aber Wilhelm Busch fand ich damals schon gut und heute mag ich ihn immer noch 🙂
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Dich

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  8. Pauline sagt:

    Den „Frank“ kenne ich leider nicht, liebe Silberdistel, aber das ganze Geschehen darin, so wie Du es beschrieben hast, habe ich als Kind auch noch erleben dürfen 😀
    Und ein Leben ohne Buch ist zwar möglich, aber wahrscheinlich sehr armselig 😦
    Ich brauche auch richtige Bücher in der Hand, den Geruch, mal diese Seite aufschlagen, mal jene von Büchern, die man bestimmt schon einige Male gelesen hat, aber mit jedem eigenen zusätzlichen Lebensjahr kommt immer auch ein anderes Verständnis dazu 😉
    Sei von Herzen gegrüßt von dem Bücherwurm ♥ Pauline ❤ die das große Glück hatte, auch beruflich mit Büchern umzugehen …

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    • Silberdistel sagt:

      Mir fehlt bei den E-Book-Readern immer etwas. Irgendwie habe ich zu dem gelesenen E-Book am Ende nicht so eine enge Beziehung, wie es bei einem richtigen Buch aus „Fleisch“ und „Blut“ ist. Ich blättere nämlich auch gern einmal zurück oder vor oder schaue mir das Buch an sich immer wieder gern an. Da hat man doch etwas nettes in der Hand. Das geht mit einem E-Book eben so nicht und ich kann es auch nicht ins Regal stellen und mich im Vorbeigehen noch einmal an dieses schöne Buch erinnern, es schnell noch einmal zur Hand nehmen. Was in meinem E-Book-Reader liegt, ist eigentlich doch irgendwie verschwunden. Wenn ich aus dem Reader ein Buch wieder hervorholen will, muss ich gezielt nach ihm suchen, was manchmal gar nicht so einfach ist, wenn mir Verfasser und/oder Titel entfallen sind. Ich könnte da noch ganz viel aufzählen, was mir ein richtiges Buch lieber macht. Ich habe manchmal übrigens immer noch den Drang, in meinen E-Book-Reader ein Lesezeichen zu legen 😀
      Ja, Pauline, wenn man beruflich auch noch mit Büchern zu tun hatte, ich glaube, dann sind einem die papiernen Gesellen vielleicht ohnehin noch ein bisschen mehr ans Herz gewachsen. Ich denke, wir wissen da beide, wovon ich spreche 🙂
      Liebe Grüße an Dich und Deine kleine Schlummerrolle ❤ ❤ und habt einen schönen Freitag

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  9. Morgentau sagt:

    Schön, diese Erinnerungen, die du in mir weckst mit diesem Eintrag, liebe Silberdistel.

    „Frank und Irene“ stand auch in meinem Bücherschrank und zählte zu meinen Lieblingsbüchern. Aber auch „Haik und Paul“, „Lütt Matten und die weiße Muschel“, „Die Reise nach Sundevit“, „Du und ich und Klein Paris“, und wie sie alle hießen. Verschlungen habe ich sie alle.

    Wie weit ist der Nestbau fortgeschritten? So voll, wie Vater Spatz das Schnäbelchen hat, dauert es sicher nicht mehr lange.

    Ein lieber Gruß zum Wochenende
    von Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Hach, liebe Frau Morgentau 😀 , all die Bücher habe ich auch begeistert gelesen und ich könnte da noch so etliche mehr aufzählen, die mich enorm begeistert haben. Schön, dass wir solche herrlichen Erinnerungen miteinander teilen können 🙂

      Der Nestbau dürfte inzwischen vollendet sein. Ich denke beinahe, dass dort oben in der kleinen Dachwohnung bereits gebrütet wird. Vater Spatz sitzt jetzt wieder oft auf der Kante der Dachrinne und kündet von seinem baldigen Vaterglück 😀 Wahrscheinlich werden wir mitbekommen, wenn gefüttert wird. Den direkten Erstausflug würde ich ja auch gern einmal beobachten. Schauen wir mal.
      Danke für Deinen lieben Besuch und Kommentar und schön, dass Du wieder da bist ❤

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      • Morgentau sagt:

        Ja, liebe Silberdistel, ich liebe es auch, solche Erinnerungen auszutauschen und könnte dir ebenfall noch so viele Titel nennen. Teilweise wurden diese Bücher ja auch verfilmt. Hach, das waren noch Zeiten. Ich möchte sie nicht missen.

        Dann darf ich auf Fotos vom Erstausflug hoffen. Das würde mich freuen.

        Danke auch für deine lieben Kommentare bei mir. Ich bin auch froh, wieder hier zu sein. Leider kann von Erholung keine Rede sein. Die Pause hab ich ja gemacht, weil mein Terminkalender so voll war. Aber langsam sollte es sich nun normalisieren … hoffe ich sehr. 😉

        Ein lieber Abendgruß!

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        • Silberdistel sagt:

          Mir geht es auch so, liebe Frau Morgentau, diese Erinnerungen mag ich ebenso nicht missen. Sie sind ein richtiger kleiner Schatz, der tief im Innern bei mir aufbewahrt wird. Schön ist es, wenn man ihn ab und zu wieder einmal hervorholen kann und sich an so manch wundervolle und glückliche Stunde zurückerinnern kann – gern auch gemeinsam, wie in diesem Falle. Da ist es noch ein wenig schöner 🙂

          Mal schauen, ob wir den direkten Ausflug der Spatzenkinder dieses Mal mitbekommen. Wir haben jetzt ja etwa einen Anhaltspunkt, wann Spatzens mit dem Brüten begonnen haben. In den anderen Jahren wurden wir erst immer aufmerksam, wenn plötzlich mehrere Gelbschnäbel überall bei uns herumflatterten, wie auch im letzten Jahr, als ein kleiner Kerl mir quasi im Garten vor die Kamera hüpfte – https://buecherstaub.wordpress.com/2014/05/30/neues-leben-erobert-die-welt/

          Schade, dass Du nicht auch ein wenig Erholung aus Deiner Pause mitgebracht hast, liebe Frau Morgentau. Ich hatte für Dich gehofft, dass neben der vielen Arbeit vielleicht auch das eine oder andere ruhige und entspannende Stündchen dabei war. Ich erinnere mich, dass Du geschrieben hattest, Du müsstest pausieren, weil es sehr viel für Dich zu tun gäbe. Nicht schön, wenn der Terminkalender mitunter fast überläuft. Solche Zeiten kannte ich früher auch oft. Inzwischen ist es zum Glück etwas ruhiger geworden, wenn auch nicht immer 😉
          Einen lieben Gruß an Dich und trotz allem wünsche ich Dir einen einigermaßen erholsamen Sonntag ❤

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  10. Hah, Frank kenne ich. Hab ich! Steht hinter mir im Bücherregal! Juhu!

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