Wenn sich die Sonne hinter dem Mond versteckt …

Veröffentlicht: 23. März 2015 in Fotos, Natur, Sehenswertes, Unterhaltendes
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… dann ist das durchaus eine spannende Angelegenheit und lockt alle möglichen Himmelsgucker und Fotografen an. Nicht alle Tage ist nämlich eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Am Vormittag des vergangenen Freitag, dem 20. März 2015, hat wieder einmal ein solches Ereignis stattgefunden. Allerdings gab es dieses Mal für die Laienbeobachter ein Problem. Wie könnte man die ganze Sache gefahrlos beobachten, also ohne Schaden am wertvollen Augenlicht zu nehmen? Was vor einigen Jahren noch völlig harmlos erschien und sogar empfohlen wurde, sollte dieses Mal hochgefährlich sein. Damals ging es wie ein Lauffeuer durch Deutschland, dass man mehrere CDs übereinanderlegen müsse und schon hätte man das ideale Teil, um sich die Sonnenfinsternis ganz in Ruhe anschauen zu können, ohne Angst um sein Augenlicht haben zu müssen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mit meinen Kollegen draußen vor unserer Bibliothek stand und durch einen kleinen CD-Stapel zuschaute, wie sich der Mond ganz langsam vor die Sonne schob. Was damals noch ging, sollte dieses Mal ganz gefährlich sein, also nix da mit CD, eine extra Sonnenfinsternisbrille musste her. Natürlich hatten wir Silberdistels keine solche Brille, wie wahrscheinlich viele andere Spätstarter auch.
So baute ich fröhlich meine Kamera auf und hoffte, dass mir, durch welchen Zufall auch immer, ein Foto gelingen würde. Ich müsste nicht durch eine solche Spezialbrille schauen, ließe einfach meine Kamera schauen. Dumme Idee? Nicht doch! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Und dann gibt es da noch dieses andere Sprichwort mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln. Wartet nur ab, ich krieg das schon hin.
Mit etwas Mühe hatte ich nach einer Weile meine Kamera in Position zur Sonne gebracht – in unserem Dachzimmerchen, dem sonstigen Kranich-Beobachtungs-Kämmerlein, und nun hoffte ich auf die Mitarbeit von Mond und Sonne. Auf jeden Fall war ich fast pünktlich zu 9.30 Uhr mit meinen Vorbereitungen fertig. Was sollte da noch schiefgehen können?

09.56 Uhr

09.56 Uhr

Wie ich bald merkte, konnte so allerlei schiefgehen, denn ohne Netz Filter und doppelten Boden ging da im Grunde nichts, außer dass man die üblichen Sonnenfotos machen konnte. Die Sicht war viel zu gut, der strahlendblaue Himmel fast hinderlich schön für meine dilettantische Fotoausrüstung. Mein erstes Foto war dann auch alles andere als das, was ich mir erwartet hatte, obwohl ich ganz wild herumexperimentierte. Sicher war die eine meiner Ideen noch dümmer als die andere. Aber immerhin konnte ich auf meinen Bildern erkennen, dass da oben noch mehr los war. Nicht nur der Mond, auch andere Flugobjekte zogen ihre Bahn und hinterließen diese hochinteressanten Kondensstreifen.

10.05 Uhr

10.05 Uhr

Was war nun eigentlich mit dem Mond? Inzwischen sollte er doch schon längst fleißig dabei sein, der Sonne die Aussicht auf die Erde zu versperren. Also, ich kann da rein gar nichts erkennen. Die Sonne scheint prächtiger denn je. Der Mond wird doch nicht etwa Verspätung haben?

10.22 Uhr

10.22 Uhr

Ob ich vielleicht doch … eine CD befrage, wie weit sich der Mond schon vorgearbeitet hat? Ob mein Handy gar durch die CD blicken kann? Nein, das Handy ist zu dumm, genau die Stelle zu finden, durch die ich mich mit dem Auge zu Sonne und Mond geschummelt habe. Aber dafür macht das Handy nette Kleinkunst.

04-10.22 Uhr

Ist ihm nicht ein farbenfrohes Bild vom All gelungen? Da staunt Ihr, was? So stellt sich nämlich eine SoFi durch eine CD dar oder was immer wir da sehen … wollen. Naja, um ehrlich zu sein, diese Kunst aus Versehen hilft mir bei meinem Vorhaben, die Sonnenfinsternis für die Nachwelt abzubilden, kein Stück weiter.

10.23 Uhr

10.23 Uhr

Andererseits …  manchmal macht Kunst, die so nebenher beim Experimentieren entsteht, auch Spaß und diesen Versuch könnte ich mir doch tatsächlich als Bild über meinen Schreibtisch hängen – als Erinnerung an meine fotografischen Sonnenfinsternisknipsversuche des Jahres 2015.

10.27 Uhr

10.27 Uhr

Neuer Versuch – neues Glück! Also, Flugverkehr ist dort oben wirklich reichlich. Wenigstens DAS konnte ich dokumentieren. Inzwischen muss ich es wohl einsehen, ohne Filter wird das hier so gar nichts werden. Es ist bereits 10.27 Uhr und eigentlich sollte inzwischen gut zu sehen sein, dass der Mond einen Teil der Sonne verdeckt. Der CD-Test hat mir die Richtigkeit dieser Annahme dann sogar verraten. Ich lasse die Kamera vorerst noch stehen und schaue immer mal wieder vorbei. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.

10.48 Uhr

10.48 Uhr

10.48 Uhr – also, was soll’s, ich kann wohl aufgeben. Alle möglichen und unmöglichen Belichtungs- und Zu- und Abdeckversuche sind gescheitert. Es läuft wohl eher darauf hinaus, dass die Sonne von dort oben die Erde immer noch besser belichtet als mein Fotoapparat mein Sonnenfinsternisbild belichten kann, obwohl die Sonne sogar noch zusätzlich den Mond im Gesicht hat. Was soll’s, schau ich mir das halt später alles im Fernsehen an.

08

Uuups, was passiert denn jetzt gerade? Warum wird es plötzlich so dunkel um mich?

10.50 Uhr - Plötzlich zieht Nebel auf. Die Kraniche, die in der Ferne vorbeiziehen verschwinden fast im Dunst

10.50 Uhr – Plötzlich zieht Nebel auf. Die Kraniche, die in der Ferne vorbeiziehen, verschwinden fast im Dunst

Ich schaue aus dem Fenster und sehe, wie aus Richtung Norden ganz rasch eine Nebelfront heranzieht. In der Ferne höre ich Kraniche rufen. Ich kann sie nur noch schattenhaft erkennen. Es zieht sich überraschend schnell zu.

11.16 Uhr

11.16 Uhr

Was ist das denn jetzt für ein gruseliges Szenario? Schon seltsam irgendwie. Dieser plötzliche Nebel wirkt fast ein wenig gespenstisch. Ob er eine Begleiterscheinung der Sonnenfinsternis ist? Kein Wunder, dass sich die Menschen früher vor solch merkwürdigen Erscheinungen gegruselt haben. Es wirkt auch auf mich etwas unheimlich.

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Aber was sehe ich denn da plötzlich? Durch die Nebelschwaden blickt immer mal wieder die Sonne schemenhaft hindurch. Der Nebel wirkt quasi wie ein Filter. Jetzt sehe ich sogar mit bloßem Auge, dass die Sonne nur noch wie eine Mondsichel erscheint. Der Mond hat in der Tat einen großen Teil der Sonne verdeckt. Na dann – Versuch macht kluch!

11.17 Uhr - Na? Wer sagt's denn?

11.17 Uhr – Na? Wer sagt’s denn?

Tatsächlich geschieht noch ein kleines Wunder. Wie war das noch mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln? Okay, ich habe hier sicher nicht die dickste Kartoffel geerntet, aber für mich, mehr Knipserin als Fotografin, reicht diese Kartoffel allemal.

Ausschnittsvergrößerung vom Foto zuvor und etwas bearbeitet

Ausschnittsvergrößerung vom Foto zuvor und etwas bearbeitet – Zeit also wie oben, 11.17 Uhr

Wie gut, dass ich mich vom aufziehenden Nebel nicht habe von meinem Dachausguck vertreiben lassen. Am Ende habe ich doch so einige Bilder von der Sonnenfinsternis im Kasten. Ganz stolz bewundere ich später am PC, was mir der Nebel geschenkt hat. Wer sich gern etwas genauer über die SoFi vom Freitag belesen möchte, der kann hier noch einmal schauen und sogar eine Bilderserie vom Beginn bis zum Ende des Sonnenspektakels bewundern. Übrigens verzog sich mein Filterhilfsmittel, der Nebel, eine Weile später wieder und die Sonne lachte wie zuvor von blauen Himmelszelt. Die Dame hatte mich ja zeitweilig ganz schön veralbert, aber dann hatte sie wohl doch noch Mitleid mit mir und hat aus ihrer Trickkiste ein paar Nebelschwaden hervorgezaubert. Das war lieb, Sonne. Dankeschön!

Kommentare
  1. Danke dir und alles Liebe… SEGEN!
    M.M.

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  2. Arabella sagt:

    Schön, dass es doch noch geklappt hat.
    Liebe Grüße

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  3. ツ Knipsa sagt:

    Ja, der Nebel ist ein natürlicher Filter.
    Hab ich auch schon auf anderen Blogs
    gesehen 🙂 Ich selbst konnte nur die
    Lichtänderungen beobachten, war noch
    im Schlafanzug und konnte nicht raus 😀
    Glückwunsch zu den gelungenen Fotos!
    Die CD-Kunst sieht auch gut aus 😀
    Liebe Grüße
    【ツ】Knipsa

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Knipsa, da sieht man doch wieder, was die Natur alles kann. Mitunter liefert sie uns genau passend einen ganz natürlichen Filter für unsere Knipse 😀
      Danke für Deinen lieben Besuch und Kommentar und ganz liebe Grüße an Dich ❤

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  4. einfachtilda sagt:

    Toll geschrieben und ganz herrliche Fotos.
    Selber habe ich den Versuch gar nicht erst unternommen, da mir auch ein zusätzlicher Filter für die Kamera fehlte und eine Brille hatte ich leider auch nicht.
    Aber es wurde merklich dunkler, eine sehr schöne und mystische Stimmung. Auch kälter wurde es.
    Danke für deine Fotos und eine gute Woche wünsche ich dir.

    GLG Mathilda ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, es war auch mehr so wie auf ein Wunder hoffen 😀 Ohne entsprechenden Filter waren die Chancen ja sehr gering, wenn nicht sogar gar nicht vorhanden, etwas von der Sonnenfinsternis aufs Bild zu bekommen. Aber wie man sieht, geschehen immer wieder Wunder 😉 😀
      Danke für Deinen lieben Kommentar, liebe Grüße und auch Dir eine gute neue Woche ❤

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  5. minibares sagt:

    Liebe Silberdistel, was für ein herrlicher, lebendiger Bericht über die SoFi 2015
    Tolle Bilder, die Handy-Kunst ist sowas von genial.
    Siehst du, unser Dauernebel, der hat dir den richtigen Filter geschickt.
    So hatte das Stelldichein der Sonne mit dem Mond doch noch einen Erfolg für dich.
    Ich freue mich mit dir, das ist so schön geworden.
    deine Bärbel

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  6. kowkla123 sagt:

    Liebe Silberdistel, besser habe ich es noch nicht gesehen, echt toll, beste Grüße, Klaus

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  7. nixe sagt:

    Toll geschrieben, ich mußte schmunzeln als ich die ganzen Fots betrachtete….und dann die letzten Super-SoFi-Bilder—einfach ein Traum…Danke dafür, liebe Silberdistel
    Das mit der CD war mir nicht geläufig – interessante Geschichte, ne Spezialbrille war auch nicht zur Hand, deshalb freu ich mich umsomehr über deine Geschichte und die Fotos.
    Liebe Grüße

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Nixe 😀 Ich hatte mich im Laufe meiner Knipsveranstaltung bereits geärgert, dass ich so völlig ohne entsprechenden Filter dastand. Aber eigentlich, wann braucht man so ein Teil schon mal? Dass der Nebel dann so freundlich war und mir einen Filter zauberte, war natürlich toll. Ich habe mich gefreut wie eine Schneekönigin, dass mir am Ende doch noch ein paar Bilder gelungen sind, wenn auch mehr nur rein zufällig *lach*
      Angeblich sollte man ja jetzt keine CDs nehmen, um sich die SoFi anzuschauen, weil schädliches UV-Licht durchdringen könnte. Ich denke, wir haben für die kurzen Momente des Schauens keine Augenschäden davongetragen. Man musste ja nicht eine ganze Stunde hintereinander durchsehen.
      Liebe Grüße zurück und einen schönen Abend

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  8. Das nenne ich echt unverdrossen an eine Sache herangehen, liebe Silberdistel! 🙂 Tolle Ergebnisse! Nicht nur das Endergebnis, auch die Zwischenstadien!
    Und ein sehr anschaulicher Bericht dazu! Fein, fein!

    LG Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Michèle, für Deinen Kommentar und Dein Lob 😀 Ja, manchmal wird man halt doch belohnt, wenn man nicht gleich wieder aufgibt. Das Endergebnis war eine nette Belohnung für meine Ausdauer 😉
      Liebe Grüße auch an Dich

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  9. giselzitrone sagt:

    Tolle Bilder liebe Silberdistel schöner Beitrag und Bilde Ausdauer lohnt sich doch.Wünsche dir eine gute sonnige Woche lieber Gruß Gislinde

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  10. Bei uns war die ganze Zeit neblig und dank des Nebels konnte ich fotografieren. 🙂
    LG, Emma

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    • Silberdistel sagt:

      Manchmal ist Nebel also auch eine schöne Sache. Sollte man gar nicht glauben, oder? So haben wir also beide, dem Nebel sei Dank, ein nettes Erinnerungsstück an diese Sonnenfinsternis – hat man ja auch nicht alle Tage 😀
      Liebe Grüße auch an Dich

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  11. Gudrun sagt:

    Manche, die draußen standen und mit ihren Brillen die Sonnenfinsternis beobachteten, sagten, dass es plötzlich etwas kühler wurde. Vielleicht ist der Nebel so eine Begleiterscheinung.
    Liebe Silberdistel, ich freue mich sehr, dass es geklappt hat mit einer wunderbaren Aufnahme. Sternenstunde? Ja, gell. 😀
    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Silberdistel sagt:

      Ich kann mich noch gut an die Sonnenfinsternis von 1999 erinnern. Da war es ähnlich. Da wurde es plötzlich auch unangenehm kalt und auch ein wenig windig. Wir hatten uns damals auch gefragt, ob das eine Auswirkung der Sonnenfinsternis wäre. ich vermute mal, dass es jetzt mit dieser kurzen Nebelphase hier auch Zusammenhänge mit der Sonnenfinsternis gab.
      Ja, liebe Gudrun, ich habe mich auch gefreut über meine kleine Sternstunden *lach*
      Liebe Grüße auch an Dich und danke für Deinen Kommentar

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  12. kowkla123 sagt:

    auch heute kommen Grüße von mir zu dir, wünsche einen guten Tag, Klaus

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  13. katerchen sagt:

    bei mir hat die Sonne den Vorhang gezogen..da war kein Schauspiel mit dem Mond am Himmel :(..aber etwas ANDERES als gewöhlich war das Licht schon liebe Silberdistel
    LG vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Wer hier eine entsprechende Ausrüstung hatte, der konnte ganz sicher tolle Fotos machen. Mir war natürlich der Nebel dann ganz lieb. So kam ich wenigstens auch noch zu meinen Bildern 😀
      Ja, das Licht war schon irgendwie seltsam, nicht mit dem sonstigen zu vergleichen.
      Liebe Grüße auch an Dich, liebes Katerchen

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  14. Frau Spätlese sagt:

    Mit Geduld und Spucke und ein bisschen Glück super hingekriegt!
    LG Frau Spätlese

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