Wir basteln ihn uns ganz einfach selbst …

Veröffentlicht: 16. Januar 2015 in Essen und Trinken, Fotos, Geschichten, Unterhaltendes
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… den Berliner, denn wir Silberdistels haben ihn zum Fressen gern. … und da ich weiß, dass Berliner nicht käuflich sind, machen wir sie uns ganz einfach selbst. Ich weiß das mit dem „Nichtkäuflich“ noch aus meiner Berliner Zeit vor vielen Jahren. Eine Urberliner Bäckersfrau hat mich zu Beginn meines Berlindaseins einmal ganz rüde zurechtgewiesen, als ich in ihrem Laden zwei Berliner verlangte. Total empört fuhr sie mich an, sie wären alle Berliner und man könne sie nich koofen. Inzwischen bin ich älter und auch ein wenig klüger geworden und kann beweisen, dass die Bäckersfrau mich damals zu unrecht rügte. Ich hab’s derweil in der Literatur nachgeschlagen. Ein Berliner Zuckerbäcker nämlich hat diese herrlichen runden gezuckerten Kuchen 1756 erfunden. Er wollte, wie man auch hier nachlesen kann, unter Friedrich dem Großen als Kanonier dienen. Der arme Kerl erwies sich allerdings als wehruntauglich. Zu seiner Freude durfte er jedoch als Feldbäcker dienen. Als kleines Dankeschön für diese Ehre erfand er den heute als „Berliner“ bekannten Pfannkuchen. Der Feldbäcker gab dem Kuchen aus Hefeteig die Form einer Kanonenkugel, schließlich wäre er gern Kanonier gewesen, und in Ermangelung eines Backofens im Felde buk er seine kugelförmigen Kuchen über offenem Feuer in mit heißem Fett gefüllten Pfannen. … et voilà … fertig war der Ur-Berliner Pfannkuchen. Also, wenn das kein Berliner ist, dann weiß ich auch nicht.
Meine Mutti zeigte mir einst, wie es geht, diese Sache mit den Berlinern, und  sie wiederum hat es auch von ihrer Mutti gelernt, also meiner Großmutter. Ob denn meine Großmutter das Berlinerbacken nun wiederum auch den Backkünsten ihrer Mutti zu verdanken hat, das verliert sich während unser Familiengeschichte leider irgendwo unterwegs in den bewegten Zeiten mehrerer Generationen. Wer weiß, vielleicht gab es ja auch diesen Berliner Zuckerbäcker irgendwo in einer Abzweigung unseres Familienstammbaums … Aber egal, wichtig ist schließlich, dass diese Kunst bis zu mir vorgedrungen ist. Da fällt mir ein, habe ich diese Kunst aller Künste eigentlich schon an meine Töchter weitergegeben? Naja, vielleicht lesen sie ja auch ab und zu einmal hier in meinem Blog und schütteln über den Unsinn, den ich in die Welt hinausposaune, den Kopf. Aber genau jetzt sollten sie vielleicht doch mit dem Kopfschütteln innehalten und lieber einmal aufpassen – wegen der Familientradition und so, damit sie sich im Falle der Fälle einen überaus knackigen und süßen Berliner backen können. Man weiß ja nie, wozu das mitunter noch gut sein kann. Ein Genuss ist so ein Berliner auf jeden Fall – irgendwie zum Reinbeißen süß.
Also los geht’s – selbst ist die Frau.

Man nehme ganz einfach:
500 g Mehl
100 g Zucker
80 g Margarine
1 Prise Salz
1 Päckchen Vanillinzucker
1/4 Liter Milch
2 Eier
1 Päckchen Trockenhefe (oder alternativ 30 g frische Hefe wie bei Oma)
Marmelade oder Konfitüre nach Wahl

Weiterhin benötigen wir:
Ausbackfett (ich nehme Schweineschmalz)
Zucker oder Zuckerglasur

Bastelanleitung:
Die Margarine, den Zucker, Vanillinzucker, Salz und Eier zu einem Teig verarbeiten.

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Mehl und Trockenhefe gut miteinander vermischen und ebenfalls unterarbeiten und nach und nach die Milch hinzugeben.

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Wenn wir mit frischer Hefe arbeiten, sollten wir das Hefestück zerbröckeln, in die etwas angewärmte (handwarme) Milch geben, gut miteinander verrühren und anschließend zu den übrigen Zutaten dazugeben und gut verarbeiten.

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Nun sollte der Teig an einen warmen, aber nicht heißen, Platz gestellt werden, damit er gehen kann. Ich decke die Schüssel gewöhnlich mit einem Geschirrtuch ab. Eine Zeitung tut es aber auch recht gut. So kann der Teig in Ruhe gehen und man muss nicht befürchten, dass ihm kalte Zugluft schaden könnte und ein Aufgehen des Teigs verhindert oder ihn sogar wieder zusammenfallen lässt.

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Nach 90 bis 120 Minuten sollte der Teig gut gegangen sein, d.h. unsere Teigkugel sieht deutlich größer aus als zu Beginn des Gehvorganges.

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Nun wird der Teig zusammengestoßen und noch einmal kurz durchgeknetet. 

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Anschließend geht es ans Formen unserer Berliner. Dazu reißen wir jeweils einen kleinen Teil von unserer Teigkugel ab, ziehen ihn zu einer handtellergroßen Teigscheibe zurecht, setzen ein teelöffelgroßes Stück Marmelade oder Konfitüre unserer Wahl in die Mitte …

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… und schließen die Teigscheibe zu einer Kugel, indem wir sie einfach über unserem Marmeladenklecks zusammenfalten oder zusammendrehen.

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Wenn der gesamte Teig in dieser Art geformt wurde, müssen die Berliner noch einmal auf einem bemehlten Brett …

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… oder Tablett für etwa eine viertel bis halbe Stunde zum erneuten Gehen warmgestellt werden.

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In der Zwischenzeit können wir das Ausbackfett erhitzen …

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… und schließlich die Berliner in dem siedenden Fett backen.

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Nach dem Abtropfen werden sie in Zucker gewälzt oder in Zuckerglasur getaucht. Wenn man nach obigem Rezept arbeitet, sollte man am Ende, je nachdem wie groß man die Berliner formt, 20 bis 25 Stück erhalten.

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Ich habe die Zutaten halbiert. Herr Silberdistel und ich hatten insgesamt 12 herrlich leckere mit schwarzer Johannisbeerkonfitüre gefüllte Berliner vor uns stehen. Noch warm schmecken sie übrigens am besten.

14

Bei uns gibt es selbstgebackene Berliner gewöhnlich am Silvestertag, wie auch das letzte Bild hier oben zeigt. Das ist schon seit vielen Jahren so. Als ich noch nicht dazu übergegangen war, meine eigenen Berliner zu backen, kam mein Vater am letzten Tag des Jahres immer mit einer großen Schüssel voller Berliner zu uns, damit auch wir Silberdistels UNSERE Berliner hatten – eine schöne und liebe Erinnerung. Als wir dann eines Tages wegzogen aus dem Ort meiner Kindheit und nicht mehr ganz so nah bei meinen Eltern wohnten, war ich selbst gefragt und so backe ich seitdem fast alljährlich meine eigenen Berliner.

Übrigens ist das Backen und Essen der Berliner nicht zwingend an den Silvestertag gebunden. Hier im kühlen Norden isst man sie gern auch während der Faschingszeit. Auch wenn wir Norddeutschen nicht DIE Faschingsfans sind, aber ein Berliner am 11.11. oder/und am Faschingsdienstag darf’s dann doch gern sein – unsere Art,  Fasching zu feiern  😉

Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Oh lecker! DIY-Berliner!
    Ich habe mir Dein Rezept mal ausgeliehen, werde es zum Jahresende ausprobieren 🙂
    Sei lieb gegrüßt ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Sie sind echt sehr lecker. Mein größtes Lob war einmal, als eine meiner Töchter meine Selbstgebackenen mit zu einer Silvesterparty nahm und zunächst nur zu den außerdem auf der Party noch vorhandenen formschönen Berlinern aus der Großbäckerei gegriffen wurde, bis … bis einer die meinen kostete und verwundert sagte: „Die sind aber lecker.“ In rasanter Geschwindigkeit waren all meine stümperhaft gerundeten Berliner aufgegessen und es gab sogar Nachfragen, ob denn die selbstgemachten etwa schon alle aufgegessen wären 😀
      Liebe Grüße auch an Dich ❤

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  2. Arabella sagt:

    Eine meiner liebsten Nascherein, einfach köstlich.
    Solche Familientraditionen wie hier geschildert sind finde ich gut. So leben die Erinnerungen.
    Ein ganz wundervoller Artikel, ich danke.
    Liebe Grüße

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  3. … aber bitte vegan …
    Segen!
    M.M.

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  4. einfachtilda sagt:

    Die habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen, da sie mir einfach zu fettig sind.
    Aber früher gab es auch bei uns Berliner und nicht nur zu Silvester.

    GlG Mathilda ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Och, ein- bis zweimal im Jahr darf man sie sich ruhig leisten 😉 Ich glaube, andere Kuchen und Torten bringen da durchaus mehr auf die Hüften als ein netter kleiner Berliner 😉
      Ganz liebe Grüße auch an Dich ❤

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  5. Pauline sagt:

    Die schmecken auch nur selbstgemacht richtig lecker, liebe Silberdistel 😉
    Und Deine Berliner sehen richtig knuffig aus 😆
    Hab‘ noch einen schönen Tag und sei von Herzen gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

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  6. ann53 sagt:

    Sieht ja sooo lecker aus und schmeckt garantiert auch genau so liebe Silberdistel. Steh aber irgendwie mit Hefeteig auf Kriegsfuß, kenne aber eine gute Bäckerei bei uns, wo es auch superleckere Berliner (bei uns Krapfen) zu kaufen gibt. 🙂
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir von Herzen ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Doch, sie sind sehr lecker 🙂 Aber wie alles sind natürlich auch Berliner eine Geschmacksfrage, einer mag sie, der andere halt nicht so gern.
      Liebe Grüße auch an Dich und ebenso ein schönes Wochenende für Dich ❤

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  7. Flohnmobil sagt:

    Bei uns gibt es Berliner mittlerweile das ganze Jahr über zu kaufen, auch wenn sie traditionell ein Fasnachts-Gebäck sind.

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, hier ist es auch so. Man kann sie das ganze Jahr über kaufen. Trotzdem , bei uns Silberdistels gibt es sie in der Regel nur Silvester und ab und zu während der Faschingszeit. In der Firma hat traditionell am 11.11. immer irgendjemand welche spendiert, ebenso am Faschingsdienstag.

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  8. minibares sagt:

    Meine Mutter hat immer Ölkrabbeln gebacken, ohne Füllung, aber auch in Zucker gewälzt. Die gab es immer am Rosenmontag.
    Die waren auch sowas von lecker.
    Also heißen sie DOCH Berliner, lach, danke für das Füllen der Bildungslücke.
    deine Bärbel

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    • Silberdistel sagt:

      Ich kenne von meiner Großmutter väterlicherseits noch Purzelchen. Die waren aus Backpulverteig zubereitet und wurden auch in heißem Fett gebacken und anschließend in Zucker gewälzt. Die waren auch äußerst lecker.
      Die Berliner heißen Berliner und auch nicht 😀 Das ist je nach Region doch ein wenig anders. Bei uns hier nennt man sie Berliner.
      Liebe Grüße an Dich ❤

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  9. nixe sagt:

    Guten Abend liebe Silberdistel, da hast du etwas leckeres gezaubert. Berliner lieb ich auch sehr, aber ich stehe mit Hefegebäck auf dem Kriegsfuß. Hefe und ich, das geht gar nicht und will nicht harmonieren. Um so genauer las ich deine Backanleitung durch….jaja..es hapert immer an der richtigen Wärme oder vielleicht knete ich nicht ordentlich genug *seufz*
    Lecker sehen deine Berliner aus, ich bin schwer begeistert.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir.

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    • Silberdistel sagt:

      Hallo liebe Nixe, mit Hefegebäck habe ich bisher selten einmal ein Problem gehabt. Wenn es mal nicht wunschgemäß geklappt hat, dann lag es in der Regel daran, dass die Hefe nicht mehr frisch genug war. Wer weiß, vielleicht liegt das Händchen für guten Hefekuchen in der Familie 😉 Ich habe auch aus dem Bekanntenkreis schon öfter gehört: „Hefekuchen wird bei mir nicht.“ Frag mich nicht, woran es liegt. Vielleicht müsste Dir einmal ein guter Hefebäcker auf die Finger schauen und danach würde es bestimmt auch bei Dir klappen 🙂
      Ich finde, ein guter Hefekuchen, ob Berliner oder etwas anderes, ist schon eine leckere Angelegenheit. Allerdings hat man damit auch immer etwas mehr Aufwand.
      Liebe Grüße und auch Dir noch ein schönes Wochenende

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  10. katerchen sagt:

    Fastnacht,so kenne ich den Brauch auch liebe Silberdistel
    und dann hatten diese Kuchen den Namen Pommel..meine Mutter nennt sie so.
    LG zum Wochenende vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Bei uns werden sie in der Regel auch fast nur zu dieser Zeit gegessen. Ich kenne von meiner Großmutter Nr. 2 noch eine Backpulvervariante, die sie immer Purzelchen nannte. Die waren auch sehr lecker. Allerdings gab es die ohne Füllung.
      Liebe Grüße und auch Dir noch ein schönes Wochenende

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  11. Hmmm, das sieht verführerisch aus, liebe Silberdistel. Man könnte fast meinen, auch den Durft der leckeren Berliner wahrzunehmen. Oder kommt der aus meiner Küche? Ach ja, mein Apfelkuchen ist ja auch fertig. Na, zum Glück, sonst würde ich jetzt vor Appetit vergehen.

    Dass man die Schüssel mit dem Hefeteig auch mit einer Zeitung abdecken kann, wusste ich auch noch nicht.

    Ich wünsch dir ein schönes und gemütliches Wochenende
    mit lieben Grüßen
    Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Jetzt, wo ich Deinen Kommentar lese, schwebt hier auch noch ein leichter Kuchenduft durchs Haus. Ich habe heute Blaubeermuffins gebacken. So ein Duft ist ja wirklich die perfekte Illustration für einen Kuchenpost 😀 Ich glaube, Apfelkuchen, wie bei Dir, tröstet auch ganz gut über nicht vorhandene Berliner hinweg 😉
      Ja, meine Oma nahm immer eine Zeitung zum Abdecken, weil sie wohl die Wärme besonders gut in der Schüssel halten soll. Ob es wirklich so ist? 🙄
      Auch Dir, liebe Frau Morgentau, noch ein schönes und erholsames restliches Wochenende

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  12. Die sehen sehr lecker aus liebe Silberdistel!
    Schick mal bitte paar rüber 😀
    Wünsche Dir einen tollen, fetthaltigen Sonntag 😉 😀 😛
    Liebe Grüße
    【ツ】Knipsa

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  13. kowkla123 sagt:

    wie ich dich kenne, bekomme ich sicher einen ab, wünsche einen super Sonntag, Klaus

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  14. annapos sagt:

    Trochu jinak, a jsou to ČESKÉ BUCHTY?

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  15. […] vorgaukelt…). Ok, kein Problem. Dann, liebe Leser folgt bitte unbedingt diesem Link: https://buecherstaub.wordpress.com/2015/01/16/wer-ihn-nicht-hat-der-kann-ihn-sich-backen/. Vielleicht geht es euch nach dem Blogbesuch so wie mir, und ihr wollt direkt […]

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  16. […] Lecker, lecker, leck… zu Wir basteln ihn uns ganz einfa… […]

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