Am letzten Sonntag war ich zusammen mit lieben Angehörigen und anderen Menschen, die unlängst ein Familienmitglied oder einen Freund verloren haben, auf der Ostsee unterwegs. Wer an der See lebt, weiß, dass es Menschen gibt, die sich das Meer als ihre letzte Ruhestätte wünschen. Mein Vater war einer dieser Menschen, dem wir Anfang letzten Jahres diesen Wunsch erfüllt haben. Die Schifffahrtsgesellschaft, die ihn an den Ort seiner letzten Ruhe brachte, führt alljährlich für die Angehörigen und Freunde von Seebestatteten eine Gedenkfahrt durch. Unsere diesjährige Fahrt fand am letzten Sonntag, dem Toten- oder Ewigkeitssonntag statt – einem Gedenktag in der evangelischen Kirche, der den Verstorbenen gewidmet ist. Während andere Menschen ihrer Lieben mit einem Blumengruß auf dem Friedhof gedenken, wanderten unsere Gedanken über das Meer, über das Meer, das unseren Vater 2013 an einem trüben, verregneten und nebligen Tag in seine Arme nahm. Unser stiller Ausflug über die Ostsee begann im Wismarer Hafen und führte uns bis vor die Insel Poel, wo wir unseren Blumengruß in stillem Gedenken an unseren Lieben der See übergeben durften. Der Moment, in dem die See die Blumen in Empfang nahm und unser Schiff minutenlang das Urnenfeld umkreiste, war für alle Anwesenden ein bewegendes und ergreifendes Ereignis – wir waren unseren Lieben wieder unendlich nah. Wir blickten aufs Meer hinaus und jeder hing in diesem Augenblick seinen ganz eigenen Gedanken nach, sah den lieben Menschen vor sich, der seine letzte Ruhe auf dem Meeresgrund gefunden hat und inzwischen ein Teil der Ostsee geworden ist. Das Meer hat ihm und uns Frieden gegeben. Wir wissen ihn gut aufgehoben und immer, wenn wir irgendwo aufs Meer hinausblicken, wissen wir uns bei ihm, dem Lieben, den wir nie vergessen werden …

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Kommentare
  1. Frau Hummel sagt:

    Was für eine wundervolle Idee. Ich hoffe, dass dieser Tag auf dem Meer ein schönes Gefühl bei Dir und Deiner Familie hinterlassen hat. Du warst Deinem Vater sicher sehr nah. Ich freu mich so für Dich ♥

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    • Silberdistel sagt:

      Eine Idee, die generell gern von den Angehörigen und Freunden angenommen wird. Unser Schiff war voll besetzt. Da man ja bei Seebestatteten nicht die Möglichkeit hat, ab und zu einmal auf dem Friedhof ein Sträußchen zu hinterlassen, ist das hier eine schöne Gelegenheit, auch einmal, wenn auch nur kurz, an dem Ort, wo der Angehörige seine letzte Ruhe gefunden hat, verweilen zu können und vielleicht gedanklich mit ihm Zwiesprache halten zu können. Das Meer ist dabei ein sehr beruhigender und angenehmer Begleiter – jedenfalls ist es für mich so.
      Ja, es hat uns, auch wenn es immer wieder ein wenig traurig macht, doch sehr gefallen.
      Ganz liebe Grüße an Dich ♥

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  2. ツ Knipsa sagt:

    Das ist eine sehr schöne Sache, das gibt den Hinterbliebenen doch noch das Gefühl, zum „Grab“ gehen zu können. Und ich hatte mal im Herbst am Strand eine Blume gefunden, ich denke mal, dass die von genau so einer Fahrt war. Ein letzter Gruß…
    Und sehr schöne Fotos hast Du gemacht. Wismar in der Abenddämmerung sieht ja richtig romantisch aus.

    ♥liche Grüße
    ツ Knipsa

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Knipsa, wir haben es als sehr schön und angenehm empfunden, zumal man zu dieser Art Grab ja eher selten oder gar nicht kommt.
      Ich denke mal, „Deine“ Blume kann durchaus von einer solchen Fahrt gewesen sein oder natürlich direkt von einer Seebestattung ein letzter Gruß.
      Die Fotos habe ich auch für die Familie gemacht. Im letzten Herbst haben meine Mutter, mein Bruder und eine meiner Töchter bereits an einer solchen Fahrt teilgenommen. Ich lag zu der Zeit leider im Krankenhaus, habe dann aber später aus den Bildern, die der Freund unserer Tochter, der auch dabei war, gemacht hat, ein kleines Fotobuch für uns als liebe Erinnerung gestaltet. Das werde ich jetzt wieder tun.
      Wismars Altstadt ist ja ohnehin recht hübsch, wie ich finde, aber in der Abenddämmerung sieht sie noch ein wenig schöner aus – ein wenig romantisch sogar.
      Danke für Deinen lieben Kommentar und auch ganz ♥liche Grüße an Dich

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  3. ann53 sagt:

    So schöne Bilder wieder die Sehnsucht nach Meer in mir wecken und sehr das Herz berührend auch deine Erzählung dazu liebe Silberdistel!
    Eine Seebestattung für Menschen die das Meer lieben bzw. liebten empfinde ich als sehr schön, irgendwie gefühlsmäßig als ein „nachhause kommen“ für diejenigen.
    Liebe Grüße und noch einen schönen Tag wünsche ich dir von Herzen ❤

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    • Silberdistel sagt:

      Mein Vater war immer eine richtige Wasserratte. Es ging im Sommer ständig an den Strand – von morgens bis abends. Es waren immer wunderschöne Tage dort mit der Familie und Freunden am Meer. Außerdem hat er sein ganzes Arbeitsleben auf der Wismarer Werft gearbeitet und Schiffe für alle Weltmeere gebaut. Er war also der See sehr verbunden. So wunderte uns sein Wunsch, seine letzte Ruhe in der Ostsee finden zu wollen, so gar nicht.
      Danke für Deinen lieben Kommentar und ganz liebe Grüße auch an Dich, liebe Ann ❤

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  4. katerchen sagt:

    liebe das Meer auch liebe Silberdistel….aber so möchte ich es nicht.

    Einen LG vom katerchen der es schön findet es gibt auch NACHHER eine Möglichkeit am Ewigkeitssonntag bei sein LIEBEN nah,ganz nah zu sein.

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    • Silberdistel sagt:

      Katerchen, ich denke, das muss jeder für sich entscheiden, wie und wo er letztendlich seine letzte Ruhe finden möchte. Ich bin froh, dass wir mit meinen Eltern irgendwann darüber gesprochen hatten. Es war eigentlich ein mehr zufälliges Gespräch. Ich weiß heute nicht einmal mehr, wie wir darauf gekommen waren. Jedenfalls äußerte mein Vater da seinen Wunsch. Als es dann soweit war, waren wir froh, diesen Wunsch zu kennen und ihn erfüllen zu können.
      Wir finden diese Möglichkeit, dass es auch dieses Nachher gibt, sehr schön und wir werden sie auch immer nutzen, wenn wir irgend können, denn den Friedhof im eigentlichen Sinne gibt es für uns nicht. So kann man auf diese Weise noch einmal dorthin reisen, wo der liebe Angehörige einst der Ostsee übergeben wurde und ihm nah sein.

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      • katerchen sagt:

        ich finde auch liebe Silberdistel man sollte reden..so kann man solche Wünsche auch erfüllen
        wir haben es auch gemacht
        aber im Herzen sind sie uns ja immer NAH
        LG vom katerchen

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        • Silberdistel sagt:

          Ich finde es wirklich gut, wenn die nächsten Angehörigen wissen, was man nach dem Tod gerne möchte. Oft ist das ja ein Tabuthema, nur leider betrifft es uns alle früher oder später und dann ist es gut, wenn die Hinterbliebenen einen entsprechenden Wunsch erfüllen können.
          Eben, sie sind uns im Herzen immer nah und darum sollte man solche Wünsche, wie immer sie ausfallen, auch respektieren, auch wenn man es selbst für sich vielleicht ganz anders würde haben wollen.
          Liebe Grüße auch an Dich, liebes Katerchen, und einen schönen Abend

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  5. kowkla123 sagt:

    Bin immer wieder beeindruckt, schönen Tag für dich, Klaus

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  6. giselzitrone sagt:

    Einen schönen Mittwoch wünsche ich schöne Bilder vom Meer,und eine Seebestattung ist doch auch schön,für Menschen die so ihre letzte ruhe fitden wollen.Ich wünsche dir noch einen schönen Nachmittag sind eben erst von der Ahr zurück..Lieber Gruß Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Ja, liebe Gislinde, wir empfinden diese Gedenkfahrten als etwas sehr Schönes, denn für uns gibt es keinen Platz auf dem Friedhof, den wir zu jeder Zeit besuchen können. So eine Seefahrt zum Ort der letzten Ruhe hat für die Angehörigen schon etwas sehr Tröstliches.
      Danke für Deinen Kommentar und ganz liebe Grüße an Dich. Ich hoffe, Ihr hattet doch noch ein wenig schönes Wetter an der Ahr 🙂

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  7. minibares sagt:

    Dieser Sonntag war genau richtig für euren Ausflug, liebe Silberdistel.
    Wie schön, dass mehrere diesen Weg mit euch gegangen sind, bzw. gefahren sind.
    Dein Vater ist ja erst vor kurzem verstorben. Da tut es noch richtig weh.

    So früh geht dort schon die Sonne unter, das sind ja doch Unterschiede.
    deine Bärbel

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    • Silberdistel sagt:

      Das stimmt, liebe Bärbel. Dieser Termin war sehr gut ausgesucht, ein Tag, an dem man ohnehin in Gedanken bei den lieben Menschen ist, die leider nicht mehr unter uns weilen. Es sind viele andere mit uns gefahren, die alle einen lieben Verwandten oder Freund irgendwann einmal der See übergeben haben. Natürlich ist an solchen Tagen auch die Trauer wieder mit auf dem Schiff unterwegs. Andererseits ist es ein gutes Gefühl, dorthin reisen zu können, wo der liebe Mensch seine letzte Ruhe gefunden hat. Man fühlt sich wieder mit ihm verbunden und das Meer hat dabei auch etwas sehr Tröstliches.
      Ja, die Sonne ist hier schon immer recht früh verschwunden. Die letzten Bilder habe ich dort am Hafen gegen 16.40 Uhr gemacht.
      Liebe Grüße und ein Dankeschön für Deinen lieben Kommentar

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  8. wederwill sagt:

    was für ein schöner besinnlicher Beitrag und was für eine versöhnliche Art zu gedenken…
    herzliche Grüße zum Abend,
    Marlis

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    • Silberdistel sagt:

      Danke für Deine lieben Worte. Wir haben diese Gedenkfahrt als sehr schön empfunden. Wir sind von der Besatzung des Schiffes sehr freundlich und überaus gefühlvoll begleitet worden. Diese Idee mit den Fahrten zur letzten Ruhestätte von Seebestatteten ist eine tolle Sache. Es hat für die Angehörigen schon etwas sehr Tröstliches, noch einmal dorthin fahren zu können, wo jemand, der einem immer noch sehr lieb ist, seine letzte Ruhe gefunden hat, denn wir haben ja keinen anderen Ort, an dem wir verweilen und vielleicht Zwiesprache halten könnten.
      Herzliche Grüße zurück und auch Dir einen schönen Abend

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  9. kowkla123 sagt:

    Liebe Silberdistel, komme schnell mal grüßen, dem Wochenende entgegen, KLaus

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  10. Mir gefällt ist, dass es die Möglichkeit dieser Gedenkfahrten gibt. Natürlich gedenkt man seiner Lieber auch so – unabhängig vom Ort der ewigen Ruhe. Doch gefühlt näher heranzukommen (geht im Prinzip nicht, ist schon klar) ist etwas, was sehr bewegend und auch tröstlich ist.
    Meine früh verstorbene Freundin wurde seebestattet, und ich habe lange Zeit nicht gewusst, wo ich hingehen könnte, um ihr örtlich näher zu sein. Heute reicht es, am Wasser zu sein. Egal wo. Doch würde es einmal eine Fahrt in die Region geben, in der sie zurückblieb, würde ich sie gern mitmachen.
    Es freut mich, dass – trotz des eher traurigen Anlasses – dieser Tag für euch und die Angehörigen und Freunde doch diese friedvollen und positiven Momente bereithielt.

    Liebe Grüße
    Michèle

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    • Silberdistel sagt:

      Für uns ist es schon enorm tröstlich, wenn wir am Meer stehen und hinausschauen. Wir nutzen oft diese Möglichkeit. Aber direkt an den Ort an sich zu fahren, das ist dann doch irgendwie ein Unterschied. Da hat man das Gefühl, dem lieben Menschen, der dort im Meer seine letzte Ruhestätte gefunden hat, doch wieder sehr viel näher zu sein. Sicher gedenkt man seiner Lieben auch so, aber eine solche Fahrt ist etwas Besonderes. Wenn man weiß, hier, genau hier hat ihn das Meer aufgenommen, hier hat er seinen Frieden gefunden, dann ist es, als würde man auf den Friedhof gegangen sein, um ein paar Blumen zu bringen und ein wenig Zwiesprache zu halten. Du weißt selbst, dass eine Seebestattung doch anders ist und man im ersten Moment hilflos ist, weil man nicht weiß, wo man hingehen kann, woran man sich festhalten kann. Aber diese Gedenkfahrten geben einem das, was man doch irgendwie vermisst, einen Ort, der noch dazu eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Jedenfalls habe ich das so empfunden.
      Danke für Deinen lieben Kommentar, Michèle, und ganz liebe Grüße an Dich

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  11. annapos sagt:

    Je to smutné i krásné zároveň, líbilo by se mně, být tam v těch vlnách, jednou a navždy, kolébal se, jako v náručí maminky.

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  12. Ein sehr besinnlicher und schöner Bericht über den Totensonntag und deine Gedanken auf dem Meer an deinen Vater. Liebe Grüsse Ernst

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