Eigentlich wollten wir Silberdistels am letzten Dienstag wieder einmal die Ivenacker Eichen anschauen. Unlängst waren wir schon fast dorthin unterwegs, als wir dann doch schnell noch vor der Abfahrt unseren Wetterfrosch befragten.

Unser hauseigener Wetterfrosch

Unser hauseigener Wetterfrosch

Der verdrehte nachdenklich die Augen, schaute gen Himmel, dann in sein Teichlein und fragte, ob wir eben das Regentröpfchen beobachtet hätten, das hart auf die Teichoberfläche geknallt und dabei traurig in viele winzige Einzelteile zerplatzt wäre. Wir hatten, oh ja, und wir bemerkten sogar noch weitere Tropfen. So vertagten wir die Idee mit den Eichen vorerst.
Nun standen die Tausendjährigen am Dienstag dieser Woche erneut auf unserem Ausflugsplan. Der Wetterfrosch wurde wieder zu Rate gezogen und wie beim letzten Mal sprach er von Regen und auch sonst recht trüben Aussichten für den Tag. Ivenack selbst, die Eichen oder … oder  … oder vielleicht die Katzen? Ob sie uns andauernd in unsere Ausflugspläne spucken? Befürchten sie etwa, wieder einen ganzen Tag oder gar länger ohne ihr unverzichtbares Personal sein zu müssen? Können Katzen mit Wettergöttern in Verbindung stehen? Obwohl … Katzen und Götter … Habe ich da nicht irgendwo schon einmal etwas darüber gelesen? Eventuell sollten wir der Sache doch etwas näher auf den Grund gehen. Vielleicht könnten wir ja das für uns Naheliegendste tun und die Hühnergötter am Strand nach Zusammenhängen zwischen ihnen und den Katzen befragen. Wer weiß, ob es da nicht tatsächlich irgendeine Kunkelei zwischen Göttlichkeiten und Katzen gibt. Die Katzen hatten sich nämlich bei der Befragung hoheitsvoll in Schweigen gehüllt. Also auf zu den Hühnergöttern! Götter sind schließlich Götter.

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Bereits eine Viertelstunde später parkten wir unser Auto in Strandnähe und wanderten los – durch den Küstenwald zu den Göttern, an die See.

Seeblick

Ihre Befragung gestaltete sich allerdings recht schwierig. Es waren nämlich keine da – also keine Hühnergötter und auch sonst keine Götter. Was? Der Herr auf der Bank – ein Gott? Naja, in meinen Augen schon. Aber das würden die anderen Götter nicht gelten lassen. Also, die anderen Götter, die von Berufs wegen Götter sind, die waren nicht da, jedenfalls nicht da oben auf der Steilküste, wo die Bank steht, obwohl man denken sollte, dass sie wegen des hervorragenden Ausblicks von dort aus besonders gut zu sehen sein sollten. Allerdings war die Fernsicht dieses Mal doch recht eingeschränkt – der Frosch hatte bereits darauf verwiesen – trübe Aussichten eben.

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Aber vielleicht würden wir die Göttlichkeiten unten am Strand treffen. Gewöhnlich treiben sich Hühnergötter ja zwischen all den vielen Steinen herum. Wir schauten und schauten. Nichts! Nur Möwen zu Hauf bevölkerten den Strand und taten sich an Fisch- und Krabbenresten gütlich. Der heftige Wind in den letzten Tagen musste den Tisch für die Seevögel reichlich gedeckt haben. Erstaunt blickten wir in die Ferne. Da waren ja noch mehr Möwen zu sehen. Wow, welche Menge!

Baukunst am Strand – man beachte die Möwen … äh … Türmchen auf den großen Steinen

Wir waren kurz vor Kap Geinitzort, an der Steilküste der Stoltera westlich von Warnemünde. Fast sämtliche großen am Strand liegenden Steine waren mit Möwen besetzt, so dachten wir. Welch hübsches Bild! Wenn schon keine Hühnergötter, so wenigstens dieses göttliche Naturgemälde. Beim Näherkommen verwandelten sich unsere vermeintlichen Möwen langsam aber sicher in kleine Steintürme. Nix da – Möwen. Hier waren Baukünstler am Werk gewesen. Ein Steinturm stand neben dem anderen und einer immer schöner als der andere. Ich war hin und weg, so faszinierte mich dieses Bild von Turmbauten.

Auch hier sind links im Bild die vielen kleinen Steintürme zu sehen

Eigentlich hatte ich dieses Mal keinen Fotoapparat mitgenommen. Wir wollten einfach nur wandern, Seeluft schnuppern, uns den frischen Wind um die Nase wehen lassen und nur genießen. Aber … aber … was wär die Silberdistel ohne Fotoapparat? In letzter Sekunde vor dem Aufbruch Richtung Strand hatte sie noch schnell ihre hübsche kleine niedliche Kompaktkamera in die Tasche rutschen lassen – nur für den Fall der Fälle. Man weiß ja nie … Und siehe da … diese herrliche Baukunst der Küstenregion wäre fast beinahe undokumentiert geblieben, hätte da nicht in letzter Sekunde noch jemand der Silberdistel zugeflüstert: „Nimm wenigstens den ganz winzigen Fotoapparat mit!“ … und so sind wir jetzt in der überaus glücklichen Lage, diese äußerst gelungenen Steinschönheiten gemeinsam anschauen zu können. Vor lauter Begeisterung für diese Turmbauten zu Stoltera vergaß ich ganz die Hühnergötter und diese eventuelle Kunkelei zwischen Göttern und Katzen. Inzwischen denke ich sogar, wir SOLLTEN ganz einfach an den Strand und nicht nach Ivenack. Die 1000jährigen Eichen können auch noch ein oder zwei Tage länger auf uns warten, ob die Steinbauten die nächsten Tage überstehen, das steht auf einem ganz anderen Blatt, wobei … schön wär’s natürlich. Sie sind viel zu hübsch, um an ihnen zu rütteln und zu rühren. Zu gern hätten wir gewusst, ob sie nicht vielleicht doch mit Klebstoff zusammenhingen. Nein, wir haben es nicht gewagt, die kunstvollen Turmbauten zu berühren. Wir wollten diesen wundervollen Zauber, den sie auf uns ausübten, nicht zerstören. Aber was wir tun werden … wir werden irgendwann noch einmal nach ihnen schauen. Ob sie dann verschwunden sind? Oder ob sie gar mehr werden? Was meint Ihr?

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Herr Silberdistel, inspiriert von der Baukunst um uns herum, kreiert selbst ein Werk – hier seine hübsche Kleinkunst

Ach, das muss ich auch noch berichten: Herr Silberdistel ließ sich von der mit so viel Fantasie erschaffenen Steinkunst sogleich inspirieren und wurde selbst künstlerisch tätig. Es war zwar nur Kleinkunst, die er zustande brachte, aber immerhin.  Mich hat sein Werk zutiefst beeindruckt. Wenn er sich noch weiter in dieser Kunst übt, wird er es noch zu Großem bringen. Ich denke, in ihm steckt ein verborgener Künstler.

Übrigens ein Hühnergott lief uns dann doch noch vor die Füße und zwei Steine machten ebenfalls auf sich aufmerksam, wundervoll geformt wie Eier. Gemeinsam mit dem Hühnergott und einem hübschen rotbunten Stein wanderten sie in meinen Rucksack und dann mit mir nach Hause. Ach, und die Sache mit den Katzen und den Göttern, die war plötzlich ganz nebensächlich geworden. Dieser Wandertag hatte seine ganz besondere Bestimmung. Das ist uns inzwischen klar. So, und nun staunt bitte über all die einmalig schönen Kunstwerke, die wir am hübschen Ostseestrand bei Warnemünde gefunden haben.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Kommentare
  1. Frau Tonari sagt:

    Wunderschön. Und ich glaube, die Bank am Rande der Steilküste kenne ich. 🙂

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    • Silberdistel sagt:

      Wenn ich jetzt könnte, würde ich das „Wunderschön“ an die Baukünstler weitergeben. Aber vielleicht schaut ja hier mal einer von ihnen vorbei. Ach, was sag ich, einer wohnt ja sogar mit mir zusammen 😉
      Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Du diese Bank kennst. Davon stehen ja nicht viele in so exponierter Lage.

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  2. Morgentau sagt:

    Welch göttlicher Eintrag, liebe Silberdistel. Was man nicht alles erlebt, wenn man den Wetterunbilden trotzt, gell? Ein herrlicher Ort … vorallem dort, wo das Bänkchen mit deinem Gott steht. Aber auch diese Steinfiguren sind faszinierend. Ganz sicher halten sie nicht mit Klebstoff. Ich habe mal eine Sendung darüber gesehen. Es ist wahre Kunst, sie so aufeinander zu ordnen, dass sie so stehen bleiben. Und doch scheint es wie ein Wunder, gell? Fantastisch.

    Ein ganz lieber Gruß
    von Frau Morgentau

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Frau Morgentau 😀 Letztendlich fand ich es gar nicht so schlecht, dass wir an dem Tag unseren Ivenackausflug wegen des angekündigten schlechten Wetters in einen Strandausflug umgewandelt haben. Es nieselte sogar ein wenig, als wir am Strand unterwegs waren. Aber da wir es hartnäckig ignorierten, hatten die Götter 😉 ein Einsehen und hörten nach einer Weile auf mit diesem feuchten Segen von oben. Als wir dann gerade wieder zuhause waren, fing es aber ordentlich zu gießen an. So betrachtet, war alles perfekt 😀
      Die Sendung hätte ich auch gern gesehen. Ich weiß selbst, dass es gar nicht so einfach ist, solchen Turmbauten einen festen Halt zu geben, weil ich das auch gerne immer mal wieder selbst probiere. Es ist schon eine interessante Sache mit einem hohen Spaßfaktor.
      Danke für Deinen Besuch und einen ganz lieben Gruß zurück an Dich

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  3. minibares sagt:

    Wie schön!
    Einmal kann man fast ein Gesicht erkennen.
    Tolle Steinberge sind das. Die hätte ich auch alle aufgenommen.
    Klasse, was die Leute so alles tun.
    Und ihr hattet euren Spaß daran.
    Götterbefragung hin oder her, lach.
    Ganz liebe Grüße
    Bärbel

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  4. einfachtilda sagt:

    Das ist ein ganz wunderschöner Beitrag und solche kleinen oder großen Steinmännchen habe ich mal in der Heide gesehen, alle paar Meter stand da ein Steinfigürchen.
    Wer auch immer die gebaut hat, ich finde sie ganz toll 🙂

    GLG Mathilda ❤

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  5. katerchen sagt:

    versucht habe ich es noch NIE,aber bewundert IMMER.

    Fein das die Knipse doch mit auf die Reise zu den Hühnergöttern durfte

    LG zum Wochenende vom katerchen

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    • Silberdistel sagt:

      Man findet hier ja manchmal solche Steintürmchen am Strand. Aber sooo viele, das ist das erste Mal, dass ich das so gesehen habe. Ich fand das schon faszinierend.
      Ja, ich war auch froh, dass ich letztendlich meine kleine Notfallknipse eingesteckt hatte. Ich hätte mich echt geärgert, wenn ich gar nichts dabei gehabt hätte. Mein Handy hatte ich nämlich auch nicht dabei.
      LG zurück und auch Dir ein schönes Wochenende, liebes Katerchen

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  6. giselzitrone sagt:

    Ein schöner Beitrag ist das und wunderschöne Bilder ich wünsche dir einen schönen Freitag und ein schönes Wochenende heute haben wir in Köln mal was Sonne.Lieber Gruß Gislinde

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    • Silberdistel sagt:

      Danke, liebe Gislinde. Das freut mich natürlich sehr, dass Dir Beitrag und Bilder gefallen. Mir hat auch diese Strandwanderung viel Spaßgemacht. Sah schon toll aus – diese vielen Steintürme dort.
      Liebe Grüße und auch Dir ein schönes Wochenende

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  7. kowkla123 sagt:

    wie immer, einfach echt schön gelungen, liebe Silberdistel, alles Gute, Klaus

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  8. nixe sagt:

    Super…da gibts am Meer auch Steinhäufchen. Ich habe im hessischen Bergland entlang eines Weges auch solche Häufchen gesehen, allerdings bunt bemalt und nicht so hübsch dir die hier. Das war wohl ein anderer Künstler.
    Liebe Grüße zum Wochenende
    von der Nixe.

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    • Silberdistel sagt:

      Wahrscheinlich gibt es überall dort, wo es viele Steine gibt, auch solche herrlichen Steintürme. Solche Ansammlung von Steinen fordert ja förmlich eine derartige Baukunst heraus. Unbemalt finde ich sie selbst aber auch hübscher.
      Auch Dir liebe Grüße zum Wochenende, liebe Nixe 🙂

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  9. gageier sagt:

    Liebe Silberdistel sehr schöne Fotos super fotografiert einen sonnigen Sonntag wünsche ich dir Klaus

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  10. Chapeau !
    Wunderbar all diese natürlichen Steine an der Küsten, ausgestattet mit einer Farbenpalette, wie sie nur die Mutter Natur schaffen kann, danke schön. Ich mag diese Steine, Türmchen und Türme sehr.

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  11. Frau Hummel sagt:

    In meinen Augen ist das der absolute Traumstrand.
    Was haben Du und Dein Göttergatte doch für ein Glück gehabt, von solchen Steintürmchen empfangen zu werden. Ich hätte dort auch sehr viel Spaß gehabt, das kannst Du mir glauben :-). Liebe Grüße und gute Nacht ♡

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    • Silberdistel sagt:

      Ein Traumstrand sieht für so manch anderen sicher ganz anders aus, aber ich mag diesen Strand dort auch sehr gern.
      Ich bin gespannt, ob die Steintürme immer noch da sind, wenn wir das nächste Mal dort unterwegs sind oder ob es noch mehr oder wieder andere gibt.
      Liebe Grüße zurück und auch Dir eine angenehme Nacht ♥

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